Breiter Widerstand gegen Militärtransporte in Italien

Roter Faden 23.02.2003 18:39 Themen: Militarismus Weltweit
Am Wochenende gab es eine breite Mobilisierung gegen laufende massive Militärtransporte in Italien

Karten:

Eisenbahnnetz Norditalien:

 http://italy.indymedia.org/news/2003/02/183264.php weitere Karten als Links unter den Städte- bzw. Streckennamen

Landkarte Toskana:

 http://freedom.dicea.unifi.it/~leo/toscana/it/mapmode.html

Umgebung von Camp Darby und Camp Darby:

 http://italy.indymedia.org/news/2003/02/183337.php
Nachdem der italienische Verteidigungsminister Martino den USA die Erlaubnis erteilte, ab 21. Februar die staatliche Infrastruktur des Landes für den Transport von Kriegsgerät, Truppen und Vorräten zu benutzen, haben die Amerikaner mit Materialtransfers zwischen ihren italienischen Stützpunkten begonnen. In ganz Italien begannen daraufhin Kriegsgegner aus allen Teilen der Bewegungen und der zivilen Gesellschaft Widerstand zu leisten, um die 26 Konvois zu stoppen, die im Laufe des Wochendes von Ederle bei Vicenza aus starten sollen, um den US-Stützpunkt Camp Darby bei Pisa zu erreichen.

Wie die Nachrichtenagentur ASCA mittelte, erklärte der ehemalige Präsident der Republik Cossiga bei einem Interview im Sender Radio Radicale vom 18. Februar dass die Erlaubnis zum Überflug, zur Nutzung der Stützpunkte und vor allem zur Beanspruchung aller Transportinfrastrukturen des Landes, wie Züge, Flughäfen, Straßen, Autobahnen, Seewege und Häfen einer Zustimmung des Parlaments bedürftig gewesen wäre. Die Regierung Berlusconi hatte sich über eine parlamentarische Abstimmung hinweggesetzt und war durch einen Brief des amtierenden Staatspräsidenten Azeglio Ciampi in ihrem Tun bestärkt worden. Cossiga ist durchaus kein progressiver Politiker, seine Kritik begründet er mit der Annahme, die Entscheidung der italienischen Regierung erhöhe die Gefahr terroristischer Vergeltungsschläge. Hierzu sagte der Politiker, die Regierung Berlusconi hebe "einen großen Vorteil durch den ungewöhnlichen Brief des Präsidenten der Republik, der ihr einen Brief geschrieben hat, in dem er Ihr Handeln lobte und damit implizit Handlungen ratifizierte, die aus meiner Sicht Verletzungen wenn nicht wörtlich der Verfassung, mindestens der Auslegung der Verfassung darstellen, wie sie immer vorgenommen wurde."

Am 21. Februar fand zunächst eine Blockade der Gleise in Monselice auf der Strecke Padua-Pisa durch etwa Hundert Aktivisten statt, um den ersten von acht Konvois mit Panzern und taktischen Waffen zu stoppen, die in Richtung Camp Darby aufbrechen sollten. Die Fracht soll von dort aus in den Persischen Golf und in die Türkei
Verbracht werden. Der Besagte Zug wurde tatsächlich blockiert. Nachdem sich verschiedene pazifistische Gruppen bereits seit den frühen Morgenstunden an verschiedenen Orten betätigt hatten, etwa mit einem Präsidium vor der Kaserne von Ederle di Vicenza statt und mit symbolischen Blockaden auf den Gleisen der Bahnhöfe von Grisignano di Zocco und Padua, kam der Zug durch die Besetzung und Blockade der Gleise in Monselice zum stehen.

Die Spannung wuchs derweil auch an der gewerkschaftlichen Front. Die Eisenbahner der Gewerkschaft CGIL, die der Führung der Konvois zugeteilt waren, verlangten und bekamen ein informelles Treffen mit leitenden Persönlichkeiten der italienischen Bahn. In einer Mitteilung der CGIL Toscana wurde erklärt, dass die in der Gewerkschaft organisierten Arbeiter keineswegs beabsichtigten, ihre Arbeit für den Krieg zu leisten, dass die Regional- und Landesgremien über ihre Initiative informiert seien und in Bälde die Landesgewerkschaft hierzu offiziell Stellung nehmen würde. Der Generalsekretär der Regionalen Gewerkschaftssektion der Toskana Roberto Martelli erklärte: "Wir meinen, dass das Bahnpersonal nicht für die Führung oder die Bewegung von Konvois eingesetzt werden darf, die Mittel zur Produktion von Tod und Zerstörung transportieren eingesetzt werden dürfen und warnen deshalb die staatliche Bahn davor, Personal einzusetzen und es damit den im Frieden vorgesehenen normalen Aktivitäten zu entziehen." Martelli fügte hinzu, dass "Materialverschiebungen zu Kriegszwecken auch ein Sicherheitsproblem für die Bevölkerungsgruppen in der Region darstellt, weil für die transporte Fahrpläne und Strecken zum Einsatz kommen, die sich mit der normalen zivilen Aktivität überschneiden. Jeder kann sich vorstellen, Was im Fall eines Unglücks geschehen könnte."

Wegen eines zwischen der italienischen Bahn und dem Verteidigungsministeriums bestehenden Abkommens blieben die Eisenbahner auf sich gestellt. Der Generalsekretär der Transportarbeitersektion der CGIL Guido Abbadessa erklärte bei einem Interview mit der Zeitung La Stampa, es wäre viel besser wenn die Eisenbahner nur Güter und Passagiere befördern würden, doch gäbe es nun einmal diese diese Abkommen. Er bestätigte dass die Delegierten der Division Cargo die Gewerkschaftsspitze informiert hatten und dass einige Gewerkschafter von Verweigerung aus Gewissensgründen gesprochen hatten, zu einer gewerkschaftlichen Initiative in ihrem Sinne könne es aber nicht kommen, weil er als Generalsekretär vordergründigst die Interessen der Arbeiter und die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zu vertreten habe, womit er sagen wolle, dass für diejenigen, die nicht bereit seien, bestimmte Aufgaben zu akzeptieren, ein gewisses Risiko bestünde, entlassen zu werden. Abbadessa teilte auch mit, dass er davon ausgehen würde, dass das zivile Bahnpersonal bald durch militärisches ersetzt werden würde.

Währendessen zogen die politische Abteilung der Polizei Digos und die Bahnpolizei Polfer von Padua Konsequenzen wegen der Blockaden. In den Abendstunden forderten sie den stellvertretenden Staatsanwalt Dr.
Gaetano Santomauro auf, gegen die Menschen, die die Blockade in Monselice durchgeführt hatten Präventive Haftbefehle anzuordnen. Den Blockieren warfen sie zur Begründung der Maßnahme die Unterbrechung einer öffentlichen Dienstleistung und Anschläge auf die Transportsicherheit vor. Letzterer sollte die entscheidende Haftbegründung liefern. Nach Angaben der Beamten der Digos sollen sämtliche Aktionsteilnehmer identifiziert worden sein, während die Identifizierung von weiteren "Komplizen" auf der Grundlage der Auswertung von abgehörten Handy-gesprächen, SMS-Botschaften und E-mail Verkehr noch im Gange seien.

Die Mobilisierung vom 22. Februar begann erneut am frühen Morgen in Grisignano Di Zocco bei Vicenza. Ein ständiges Präsidium zur Verlangsamung und Blockade der Züge aus Ederle stoppte einen inzwischen durch Carabinieri geführten Zug über eine Stunde lang. Anschließend wurden die Blockierer von Sicherheitskräften weggetragen. Der Zug setze seine Fahrt fort und wurde erneut einige Stunden lang am Bahnhof von Campo di Marte bei Padua blockiert. Entlang der Strecke versammelten sich derweil an verschiedenen Stellen weiter Gruppen von Friedensaktivisten. In Pisa demonstrierten etwa Hundert Menschen, die sich eng umzingelt von massiven Polizeikräften zum Militärflughafen begaben. Nach einigen Augenblicken der Spannung nach dem Eintreffen vor den Toren des Flughafens gelang es den Demonstrationsteilnehmern mehrmals, Militärfahrzeuge zu zwingen, den Rückwärtsgang einzulegen. Auf dem Militärflughafen Pisa, der die 46. Brigade der Luftwaffe beherbergt, stehen Cargolofter bereit, die Kriegsmaterial transportieren sollen. Eine Delegation betrat das Gelände und überbrachte eine Friedensfahne mit den Regenbogenfarben.

In den Morgenstunden versammelten sich auch bei Bologna Hunderte Aktivisten, die den ganzen Tag lang versuchten, weitere Züge zu blockieren und in mindestens zwei Fällen erfolgreich waren. Der in Campo di Marte blockierte Zug kehrte zurück nach Padua um über Vicenza auf der Strecke Verona-Mantova-Parma-Pisa seine Fhjart fortzusetzen. Bei Verona wurde er erneut San Martino Buonalbergo über eine halbe stunde lang blockiert, bevor das Präsidium polizeilich aufgelöst wurde. Unter den Blockierern gab es bei der Auflösung der Blockade welche, die durch Schlagstockschläge, Fausthiebe und Tritte verletzt wurden. Die beiden blockierten Züge hatten 58 Panzerfahrzeuge und diverse Kriegsmunition an Bord. Dieselben Blockierer Führten dann eine Blockade bei einem Bahnübergang in Porto San Pancrazio bei Verona, ohne aber den Zug stoppen zu können. Derweil bereiteten sich weitere Friedensaktivisten in Brescia auf Blockadeaktionen vor, für den Fall dass die Züge über diese Strecke umgeleitet werden würden. Während sie dort versammelt waren, erhielten sie Nachricht über wachsende Spannung im Bahnhof von Verona.

Während in Corticella nur noch ein symbolisches Präsidium aufrecht erhalten wurde, begaben sich die anderen Blockierer von Corticella nach Fornovo und nach San Ruffillo, beide bei Parma. In Fornovo wurden einige Feuer auf den Gleisen angezündet, zu den Blockierern gesellte sich auch der Bürgermeister eines nahegelegenen Ortes, der sich in voll offiziellem Outfit mit seiner Trikolore-Schärpe auf die Gleise setzte. Die Zahl der eintreffenden Polizisten im Kampfanzug ließ einen baldigen Polizeieinsatz befürchten. Die Bevölkerung der Umgebung kam en masse herbei. Zum Zeichen der Solidarität mit den Blockierern schwenkten sie weiße Fahnen und brachten den Leuten auf den Gleisen Grappa und Wein. Zum polizeilichen Sturm auf die Blockade kam es trotzdem. Möglicherweise ist es aber gerade der Solidarität der Bevölkerung und dem Bürgermeister auf den Gleisen zu verdanken, dass trotzdem niemand verhaftet wurde. Die Blockierer konnten hier wegen der Räumung nur für die Verlangsamung des Zuges sorgen, nicht aber für seinen Stopp. Entlang der Strecke die über San Ruffillo führt wurde währenddessen ein imposant beladener Zug gesichtet, der US- LKws und Hummer-Geländewagen transportierte. Die ganze Zeit liefen beherzte Appelle, sich an den Blockaden zu beteiligen und die Aktivitäten entlang der Gleise an verschiedenen Orten mit großer Intensität weiter.

Um 17 Uhr kam es in Pisa erneut zu einer im Schnellverfahren genehmigten Demonstration, an der diesmal etwa 600 Menschen teilnahmen. Vom massiv polizeilich belagerten Hauptbahnhof aus ging der Demonstrationszug durch die Innenstadt zur Präfektur (Innenministerium). Die größte Spannung gab es am Hauptbahnhof, als die Demonstrationsteilnehmer in diesen hinein wollten, um einen Zug zu blockieren, der offenbar den Blockaden entkommen war. Auch ganz normale Passagiere wurden daran gehindert, den Bahnhof zu betreten, zeitweise selbst die, die schon im Besitz einer Fahrkarte waren.

Der Zug, der in Fornovo zum Stehen gekommen war, fuhr mit geänderter Streckenführung weiter in Richtung Camp Darby. Aus ganz Italien hatten sich derweil Leute auf dem Weg gemacht, um Pisa zu erreichen, in deren Nähe der US-Stützpunkt und der bereits polizeilich belagerte Bahnhof von San Rossore, wo die letzte Blockade vom Freiteg stqattgefunden hatte, liegen. Viele Demonstrationsteilnehmer versammelten sich dann am Bahnhof von Migliarino Pisano Nord. Bei ihrer Ankunft wurden sie hinterrücks mit einem Polizeieinsatz empfangen, konnten aber trotzdem in den Bahnhof gelangen und verbarrikadierten sich dort. Um 21,30 traf ein Passagierzug im Bahnhof von Migliarino ein. Der Zugführer blockierte den Zug, in dem er die Weiterfahrt verweigerte, nachdem er erfahren hatte, was an diesem Tag auf den Bahnstrecken so alles unterwegs war. Bei wachsender Belagerung des Bahnhofs durch eine große Zahl Carabinieri und Polizei teilte er zwei in die Zugführerkabine eingestiegenen Polizeibeamten seine Meinung mit und wies zusätzlich auf die Sicherheit seiner Passagiere hin, die angesichts der Lage nicht ohne weiteres gewährleistet werden könne. Er wurde mit Drohungen der Polizeibeamten und von seinen Vorgesetzten aber gezwungen, die Fahrt fortzusetzen, während die Spannung weiter wuchs und der Ort mit Straßenkontrollpunkten vollständig abgeriegelt worden war. Als dann der Militärtransport gegen 22 Uhr den Bahnhof erreichte und mit rasender Geschwindigkeit passierte, wurde der Bahnhof geräumt. Um 23,30 erreichte der Zug seinen Zielort Camp Darby.

In den Abendstunden war es währenddessen bei Sassari auf Sardinien zu harten Polizeiübergriffen gegen etwa 1000 Demonstranten gekommen, die sich zum Nato-Stützpunkt auf der Insel La Maddalena begeben hatten. Nachdem die Protestveranstalung beinahe beendet war, hatten etwa drei- bis vierhundert Leute die Absperrungen vor dem Eingang zu den Büros der USA überwunden und sich in einem Demonstrationszug auf den Weg zum US-Stützpunkt von santo Stefano gemacht. Kurz bevor sie diesen erreichten gab es einen massiven Tränengaseinsatz und Flaschen- und Steinwürfe. Der Polizeieinsatz dauerte eine Stunde. In Ferrara gab es ebenfalls eine Demonstration gegen den Krieg und die Nato-Stützpunkte. Als ein Inspektor der Technischen Einheiten einer Gruppe von Demonstrationsteilnehmern zu nahe gekommen war, beschloss eine Gruppe, ihn seiner Kamera zu entledigen. Bei der Aktion wurde der Mann leicht verletzt. Verletzt wurden auch ein Inspektor der politischen Polizei Digos, der einen Stein abbekam, der zuvor gegen eine Wand geprallt war, und ein leitender Beamter des Polizeipräsidiums, der von den dreien die schwersten Verletzungen davongetragen haben soll, als er mit Schlägen und Tritten nach der Art, wie sie sonst von den Sicherheitskräften bekannt sind, traktiert wurde. Die sonstigen Proteste und Aktionen an vielen Orten im ganzen Land sind jedoch gewaltfrei verlaufen.

Die Blockaden sollen in den kommenden Tagen weiter stattfinden. Seit heute ist das Bahnpersonal dieser Transporte tatsächlich und per Gestz "militärisch". Die Transportgewerkschaft hat inzwischen angekündigt, dass die Hafenarbeiter das Verladen jeder militärischen Fracht verweigern werden und das dies als Streik der Gewerkschaft laufen wird. Der rechtliche Rahmen ist hier etwas anders gelagert als bei den Eisenbahnern, die bei der Gewerkschaftsspitze keine unmittelbare Unterstützung fanden, daher der plötzlich andere Ton derFunktionäre, wie aus einem Interview des Generalsekretärs Guido Abbadessa mit der Tageszeitung La Stampa ersichtlich wird:

Übersetzung des Interviews:


Der Sekretär der Filt [1]: Auch die Eisenbahner sind im Aufruhr, einige haben bereits die Verweigerung aus Gewissensgründen vorgeschlagen.

Die CGIL: "Wir werden die Häfen blockieren" "Alle Waffen werden an Land bleiben" "Fast 90% des Personals ist in der Gewerkschaft"

Rom

Keine Illegalität, keine aufsehenerregende aber nicht legitime Initiative "á la Casarini" [2]. Aber das Ergebnis könnte, bezogen auf die militärische Planung des Pentagon, sehr viel schwerer wiegen. "Kein mit Waffen oder Kriegsmaterial für den Krieg im Iraq beladener Handelsfrachter wird zivile Äfen Italiens verlassen" erklärt der Generalsekretär der Branchengewerkschaft der Transportarbeiter der CGIL Guido Abbadessa. Ein regelrechter Boykott, der unmittelbar operativ ist.

Vor allen Dingen: welche Beziehung besteht zwischen diesem Protest und dem der "Disobbedienti"[3]?

"Keine. Alles entspringt der brieflich den Präsidenten der Verteidigungskommissionen der Kammer und des Senats mitgeteilten Entscheidung der italienischen Regierung, das infrastrukturelle Netz des Landes für die militärischen Aktionen ,zur Verfügung zu stellen' ". Als Transportgewerkschaften Cgil-Cisl-Uil haben wir sofort und einheitlich der Regierung geschrieben, um Klärung zu erhalten und eine Reihe Probleme anzuführen, aber wir haben keine Antwort bekommen."

Und die Züge aus Vicenza?

"Unsere Delegierte der Cargo_Division haben uns informiert, aber als Gewerkschaft CGIL der Bahnarbeiter haben wir keinerlei Initiative ergriffen. Es wäre viel besser, wenn die eisenbahner nur Güter und Passagiere befördern könnten, aber wir wissen sehr gut, dass ein Abkommen zwischen der Bahn und dem Verteidigungsministeriums auch die Beförderung militärischen Materials und von Truppen vorsieht. Einige Gewerkschafter hat uns mit dem Problem der Verweigerung aus Gewissensgründen konfrontiert: wir wollen nicht dass unsere Arbeiter in die Waffentransporte verwickelt werden, es gibt verschiedene juristische Auslegungen, aber als gewerkschaftlicher Funktionär der die Interessen der Gewerkschaftsangehärigen und die Einhaltung der Gesetze vertreten soll will ich sagen, dass für diejenigen, die nicht akzeptieren sollten, bestimmte Aufgaben auszuführen das Risiko besteht, entlassen zu werden. Ich glaube jedenfalls dass das zivile Personal für diese Art von Aktivitäten innerhalb der nächsten Stunden durch militärisches Personal ersetzt werden wird".
Also wäre alles geklärt...

Überhaupt nicht. Ich glaube, dass die Eisenbahner (zivile und militärische) das Recht haben, zu wissen, was sie befördern: eine Sache ist es, Bierkästen zu transportieren, eine andere, Raketen. Es ist offensichtlich, dass es elementare Sicherheitsprobleme gibt: diese Züge mit nicht genauer ausgewiesener militärischer Fracht verkehren vor und hinter Passagierzügen, weil es nicht möglich ist, die Bahnstrecken zu schließen. Und Gott bewahre, dass es nicht zu einem Unfall kommt... Und wie auch immer: es gibt auch andere Möglichkeiten, den Waffentransport zu boykottieren: in den Häfen."

Das heißt?

"Diese Waffen, die soeben aus Vicenza in Livorno eingetroffen sind, müssen in die Türkei verbracht werden? Die Filt_cgil hat beschlossen, dass die Hafenarbeiter von Livorno oder von jedem anderen italienischen Hafen die Verschiffung oder die Entladung von Waffen mit dem Instrument des Streiks verhindern werden."

Auf welche Art?

"In den Häfen hat das Gesetz 146, das die Regeln und die Fristen für die Ausrufung von Streiks in den öffentlichen Dienstleistungen festlegt, keine Wirkung. Die einzige Alternative wäre die Benutzung eines Militärhafens wie La Spezia, aber auch das ist eine Alternative, die nicht funktionieren kann. Die Militärhäfen verfügen nicht über die geeigneten Systeme, und es ist kein Zufall dass in solchen Fällen fast immer auf die Handelsflotte zurückgegriffen wird. Oder die Regierung könnte vorgehen, wie zur zeit des G8 in Genua - aber nur für einige Tage - in dem sie ein ad hoc Dekret erlässt, das aber bei einer zeitlichen Verlängerung den maritimen Unternehmen und den Reedern einen untragbaren Schaden zufügen würde."

Aber seid ihr denn tatsächlich in der Lage, auf effektive weise den Verkehr in den Häfen zu blockieren?

"Absolut. Der Filt-Cgil gehören 87 Prozent des gesamten Hafenpersonals an."

Aber wußte die Regierung nicht, dass das "zur Verfügung stellen" des gesamten Infrastrukturnetzes des Landes all diese politischen und technischen Probleme ausgelöst hätte?

Ich würde sagen, dass es vielleicht jemanden an der Regierung gibt, der ohne zu viel nachzudenken vorauseilenden Gehorsam gegenüber den USA demonstrieren wollte. Es ist kein Zufall, dass Cgil-Cisl-Uil die Regierung um einen runden Tisch gebeten haben, um über eine Entscheidung zu diskutieren, die unendliche Probleme juristischer und gewerkschaftlicher Art sowie bezüglich der Sicherheit der Transporte und der Bevölkerung bereitet. Nehmen wir an, das Pentagon würde eines Tages die Autobahn Brenner-Verona für einen Militärtransport benutzen wollen. Man kann sicher nicht daran denken, auch den zivilen Verkehr zuzulassen: es ist klar, dass die Verkehrsader für einen Tag blockiert werden würde. Und die Bürger? Und die Arbeiter, was sollen die an dem Tag machen? Wer bezahlt sie? Bekommen sie dann Urlaub, bezahlt sie der Arbeitgeber oder der Staat? Es ist ein Problem, das sich für alle Infrastrukturen stellt: Luftwege, Häfen, Flughäfen, Autobahnen, Eisenbahnen. Und zu guter letzt gibt es auch ein Problem der Sicherheit der Allgemeinheit. Nehmen wir an, dass ein Teil der 26 geplanten Bahntransporte mit einer aus US-Marines zusammengesetzten militärischen Eskorte ausgestattet wird. Was werden sie wohl transportieren?"

(Ende des Interviews)

Ungeachtet des Fehlens einer Gewerkschaftsinitiative im Bahnsektor, die Eisenbahner haben die Aktionen nach Kräften unterstützt. Sie haben Fahrpläne und mögliche Streckenführungen bekannt gemacht, technische Hinweise für Blockaden gegeben und über gefahrenträchtige Streckenabschnitte wie etwa einen aufgrund mangelhafter Instandsetzungsarbeiten abrutschenden Tunnel publik gemacht.

Zum 8. März ist eine Großdemonstration vor Camp Darby, dem größten US-Arsenals im US-amerikanischen Ausland geplant.


[1] Federazione Italiana Lavoratori Trasporti - Italienische Föderation der Transportarbeiter, Teil der Großgewerkschaft CGIL.

[2] Casarini, Wortführer der Disobbedienti, und mit ihm die Disobbedienti überhaupt sind wegen der bewußt spektakulär inszenierten Art ihrer Aktionen ein "Sinnbild" für eben spektakuläre Auftritte in Form "illegaler" Aktionen, von der Besetzung öffentlicher und Privater Orte bis hin zur Demontage etwa von Grenzkontrollhäuschen als Zeichen der Ablehnung von Filterungen an den Grenzen in Zusammenhang mit Gipfeltreffen.

[3] Hier propagiert die Presse ein falsches Bild der Dinge: es haben sich die verschiedensten Gruppen und Einzelpersonen an den Blockaden beteiligt. bewegungsintern hat es ziemlichen Druck auf die durchaus aktiv teilnehmenden Disobbedienti gegeben, damit sie die Protestaktivitäten nicht wie ihnen in der Vergangenheit oft vorgeworfen wurde, zur Eigenprofilierung benutzen. In der Summe haben sie sich diesmal auch daran gehalten, die Presse aber scheint das zu übersehen und setzt das breite Spektrum derjenigen, die sich dem Widerstand angeschlossen haben, eben mit den Disobbedienti gleich, was natürlich und unberechtigterweise die Wahrnehmung der Breite des Protests reduziert.

Bilder von der Blockade in Monselice:  http://www.sherwood.it/sherwoodcomunicazione/immagini/nowar_web/index.htm

Bilder von der Demonstration in Pisa:  http://italy.indymedia.org/news/2003/02/183745.php

Bilder von einer Aktion in Turin (Besetzung des britischen Konsulats):  http://italy.indymedia.org/news/2003/02/183508.php
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Wer leistet Widerstand?

paolo 23.02.2003 - 19:14
Vielleicht hätte noch darauf hingewiesen werden sollen, dass die einzigen die bisher wirklich massiv an den Gleis- und Zugblockaden beteiligt sind, die Disobbedienti / Ungehorsamen sind. Darüber hinaus nehmen noch vereinzelt andere Linksradikale teil.
Alle anderen haben zwar bisher erklärt, dass sie es gut und legitim finden, haben aber nicht an den Blockaden teilgenommen.
Auch in Pisa war die Demo eigentlich ein völliger Flop. Rifondazione und die Cobas kamen nämlich dort an den Bahnhof um den Zug zu blockieren und als sie dann dort Polizei gesichtet haben, haben sie beschlossen eine Demo in die Stadt zu machen anstatt zu blockieren....
Es ist zu hoffen, dass den markigen Worten der Gewerkschafter nun auch Taten folgen.

ok paolo, du besserwisser

r.f. 23.02.2003 - 19:36

Dieser Text beruht auf einen auf Indymedia Italien als Teil des entsprechenden Features veröffentlichten Text. Alles ist
aus indymedia Beiträgen zusammengefasst, inklusive des hinweises aud den Druck, den einige auf die Disobbedienti ausgeübt haben. In verschiedenen Beiträgen werden etliche Gruppen als Teilnehmer der Aktionen genannt. Das die Disobbedienti aktiv waren steht im Text, was willst Du denn?

Obwohl Du offenbar prima deutsch kannst, hast DU dir nicht die Mühe gemacht, das ins Deutsche zu übertragen. Also Schnauze. Und außerdem wäre es nur fair, wenn du schon Disobbedienti und linksradikale als einzig wahre Helden des Tages hervorheben willst, hinzuzufügen, dass sie in einem Fall gerade einmal 100 inklusive Angehörige anderer Gruppen waren und in einem andeeren gerade mal zwanzig. Du k**** mich an, und solltest Du Admin bei Indymedia Italien sein, dannnnn erinnere ich dich daran, dass indymedia kein ausschließlichlich linxradikales Sprachrohr ist, wie es einige da ziemlich offensichtlich und ziemlich unverholen wollen.

In jedem Fall ist alles, was in diesem Text steht nach bestem Gewissen aus den Beiträgen auf Indymedia Italien übertragen und zwar ohne die den Oberradikalen nicht genehmen Widerstandsgenossen zu zensieren. Dazu stehe ich, verdammt nochmal. und Respekt für meine Arbeit fordere ich in aller Öffentlichkeit ein. Dein Kommentar macht sie nämlich unghlaubwürdig und das ist echt ziemlich link.

Danke für die Übertzung!

Maxx 23.02.2003 - 20:20
Es ist wirklich unglaublich, was in diesem Land passiert. Schade, daß die Proteste in Deutschland zumeist nur symbolischer natur sind. Wäre schön, wenn auch hier was laufen würde: Es gibt Konzerne, die am Waffenhandel verdienen, es gibt Militärbasen und Konsulate. Bloss demonstrieren ist sinnlos.
An den Kommentator über mir (r.f.): Du weisst nicht, was "paolo" für Informationen und vor allem woher hat. Wenn das so nicht stimmt, kann das auch freundlich aufgeklärt werden. Besonders mies finde ich Deine Unterstellung, daß jemand, der einseitig Pro-Disobbedienti wäre, ja nur ein böser, böser "Admin" sein kann. Den Tag über gabs von irgendwelchen Antideutschen Spam-Attacken, ständig wird das Open-Posting zugemüllt, die Mods werden von allen möglichen Sektieren ständig aufs übelste beschimpft - sowas kotzt mich viel mehr an! Du schreibst: "erinnere ich dich daran, dass indymedia kein ausschließlichlich linxradikales Sprachrohr ist", aber verhäkst Dich linksradikal: Mit Hass gegen alle und jeden. Denn das ist das einzige, was von der deutschen linksradikalen Szene kommt.
Schade - echt ein geiler, wichtiger Text, der was für die Mittelspalte ist und die ersten 1,2 Kommentare wieder dieser
Schlammschlacht-Müll. Ihr scheint echt Indy zu hassen!

PS an Paolo

Maxx 23.02.2003 - 20:22
Hast Du ganz am Ende deie Anmerkung [3] gelesen oder nur überflogen?
Hier noch mal:
"[3] Hier propagiert die Presse ein falsches Bild der Dinge: es haben sich die verschiedensten Gruppen und Einzelpersonen an den Blockaden beteiligt. bewegungsintern hat es ziemlichen Druck auf die durchaus aktiv teilnehmenden Disobbedienti gegeben, damit sie die Protestaktivitäten nicht wie ihnen in der Vergangenheit oft vorgeworfen wurde, zur Eigenprofilierung benutzen. In der Summe haben sie sich diesmal auch daran gehalten, die Presse aber scheint das zu übersehen und setzt das breite Spektrum derjenigen, die sich dem Widerstand angeschlossen haben, eben mit den Disobbedienti gleich, was natürlich und unberechtigterweise die Wahrnehmung der Breite des Protests reduziert."

Versuch, ein paar Dinge zu erklären

Roter Faden 23.02.2003 - 22:29
Ich möchte nicht, dass die Kommentare den Text versauen, soweit stimme ich mit Maxx überein. Mir wegen meiner Reaktion hier oben Hass zu unterstellen ist aber herbeiinterpretiert und trifft nicht zu. Ich werde aus diesen beiden Gründen im Folgenden Versuchen, einiges zu klären.

1. Ich habe überreagiert und wollte auch gerade einen kleinen Nachtrag schreiben, um mich zu entschuldigen, wobei ich eine gewisse und ausdruckliche Kritik an Paolo aufrecht erhalte. Das ich überreagierte, liegt daran, dass ich den ganzen Tag an diesem Text gesessen habe und seit Tagen schon massiv Informationen sammle. Das ist für mich nicht ganz einfach, weil ich nicht ganz ungefährlich krank bin und mich das ganze einiges gekostet hat. Klar ist es mein Ding, wenn ich trotzdem soviel Kraft investiere. Ich fand eine Berichterstattung aber wichtig und rechnete damit, dass es auf Deutsch keine geben würde, wenn ich sie nicht mache, was nicht nur in diesem Fall auch so war. Ich sah vor allem aber die Glaubwürdigkeit des Textes wirklich als gefährdet an und habe mich auf dem ersten Blick sehr aufgeregt.

2. Ich habe nicht unterstellt, dass Paolo ein Admin IST. Ich habe geschrieben: "wenn" es der Fall wäre, dann... Das hat Gründe. Es gibt da wirklich Leute die ausdrücklich Indymedia als radikallinkes Sprachrohr vertreten und da bin ich der Meinung, dass es legitim ist, darauf hinzuweisen, dass das nicht unmittelbar der Fall ist.

3. Paolo kann unmöglich an allen Orten gleichzeitig gewesen sein. Quellen für seine Infos nennt er nicht. Dass die Disobbedienti entscheidend bei den Blockaden waren, stimmt, dann wäre es aber nur fair gewesen, wenn er auch erklärt hätte, dass es sich bei der einen Blockade laut Indy.it Berichten um etwa 100 Disobbedienti UND Angehörige anderer Gruppen gehandelt hat und in weiteren Fällen je um 20-30 Leute. Weil klar sein muss, dass nicht 300 Radikal gesinnte Aktivisten pro Großtadt bzw. in diesem Fall einige Dutzend Disobbedienti tatsächliche Veränderungen herbeiführen können, sondern eben nur Medienwirksame Aktionen, was alleine aber nicht reicht.

4. Ich denke, auch die Eisenbahner, die auf ihre Art sich querstellten, die Menschen, die solidarisch an irgendwas teilgenommen haben und die Leute, die auf den verschiedenen Demonstrationen waren, haben das Recht, erwähnt zu werden, ohne am Grad der "Militanz" gemessen zu werden. Ich bin keine Freundin von Rifondazione, aber die Demonstrationsteilnehmer von Pisa gleich als Feiglinge zu bezeichnen fand ich echt finster. Der Bahnhof war vor lauter Polizei einfach nicht zugänglich, soviel steht fest. Auch die Disobbedienti haben daran nichts ändern können und die Bilder im entsprechenden Beitrag zeigen eine Menge, die nicht gerade verzettelt herumsteht, sondern dichtes Gedränge vor dem Bahnhofseingang. Zu den Teilnehmern in Ferrara wird berichtet, dass die Demo zu gleichen Teilen aus drei Spektren zusammengestzt war. Auch auf Sardinien war alles mögliche dabei, vom gewerkschaftlich organisierten Hirten bis zum anarchisten, ein soeben auf indy.it veröffentlichter Bericht zählt ausdrücklich die verschiedenen Gruppen auf. Das ist kein Zufall, glaube ich, dass bei der Berichterstattung von vielen Seiten bzw. Autoren darauf geachtet wurde, eben diese heterogenen Zusammensetzungen klar zu benennen, und zwar weitab jeglicher Spaltungsallüren. Wenn schon, dann finde ich es auch richtig, das irgendwie wiederzugeben.

5. Ein weiterer Umstand hat mich auch noch auf die Palme gebracht: Zwar gab es am 15.2 die erste planetare Demonstration. Davon, einander zu kennen und um einander zu wissen, sind wir aber weit entfernt, wobei das zu ändern absolut angesagt ist. Als Mensch, der von Geburt an wenigstens zwei Kulturen gut kennt, weiß ich ein bißchen was darüber. Wenn ich sage, diese Arbeit, die übrigens keine Übersetzung sondern ein eigenständiger Artikel auf der Grundlage bestimmter Materialien ist, hat mich viel Kraft gekostet, dann ist es deshalb, weil ich versucht habe, alles so genau, so korrekt und so NACHVOLLZIEHBAR wie möglich zu schildern. Wenn dann einer daher kommt und nur loslassen kann, die einzigen echten Helden wurden nicht gebührend besungen, (weil es im Endeffekt ja doch darum geht, wenn wir das ´mal überspitzt betrachten) und dann was von Rifondazione und Cobas erzählt, die feigerweise auf den Sturm des Bahnhofs verzichtet hätten, ohne jedes weitere Wort der Erklärung, dann finde ich das echt kein Glanzstück und führe als ausdrückliche Kritik an, dass Paolo außerdem dabei nicht eimal einfällt, dass der Text auf den Indyseiten eines anderen Landes schwebt, dessen Bewohner nicht unbedingt alle wissen, was für Gruppen das sind und welche Zwistigkeiten da wären, die seinen Einwurf erklären könnten. Wenn ich schreibe, dann ausdrücklich für alle und nicht nur für Insider. Objektiv gesehen ist es angesichts der herrschenden Repressions- und Überwachungssitten der Gegenwart prinzipiell nicht selbstverständlich, dass sich Menschen an bombastisch polizeilich belagerten Orten versammeln. Sie dann mir nichts dir nichts als Feiglinge abzustempeln ist nicht korrekt, das ist alles. So wie es durchaus fundierte Kritik an die Disobbedienti gibt, gibt es absolut fundierte Kritik auch an die oben genannten Gruppen. Dann wäre es aber angebracht, konkretes anzuführen. Das hat Paolo nicht getan. Er geht ein Stück weit schon von der prinzipiellen Schlechtigkeit dieser Leute aus, habe ich gedacht, abgesehen davon, dass die Demo natürlich nicht nur Teilnehmer aus diesen beiden Gruppen zählte. Dabei fällt mir ein, dass die erste "Fahndung" auf einem öffentlichen Medium wegen des G8 in Genua zwei Angehörige der Cobas getroffen hat und dass auch Cobas Leute so manche Durchsuchung, Verhaftung und Verleumdung in Zusammenhang mit den jüngsten repressiven Aktivitäten des italienischen Staates über sich ergehen lassen mussten.

6. Dass ich durch die Übersetzung des Interviews mit dem Gewerkschaftsfunktionär den Gewerkschaften gut Sichtbarkeit gegeben habe und gleichzeitig (zugegeben: bewußt)ein Hohelied auf die Rolle der Disobbedienti ausgelassen habe hat Paolo meiner Meinung nach schon mächtig gejuckt, wobei klar sein dürfte, dass die Überstzung des Interviews Dokumentation im Anhang war, eben um der Nachvollziehbarkeit mancher Dinge beizutragen. Über die Disobbedienti schreiben jede Menge Leute. Deshalb schreibe ich/dokumentiere ich manchmal eher das, was weniger wahrscheinlich Erwähnung findet. Im Text selbst aber hatte ich die Vorgehensweise der Gewerkschaftsspitze sehr wohl kritisch ausgelegt, soviel dürfte klar sein.

7. Maxx, wie kommst Du auf die Idee, ich würde Indymedia hassen? Würde ich soviel Kraft, Zeit und Geld das ich nicht habe (Internet-Recherche) investieren, wenn ich Indymedia hassen würde? Nö. Ich poste wirklich nicht zu Propagandazwecken und auch nicht, um gesehen zu werden. Klar bediene ich manche Klischees nicht, dazu stehe ich aber auch. Ich bin gegen jede unangemessene und wirklichkeitsverzerrende Beweihräucherung eines nicht vorhandenen revolutionären potentials. Und ich respektiere und Liebe durchaus auch nicht hyperradikale Menschen, wenn ich meine, dass sie irgendwie fortschrittlich sind oder Courage haben. Ich gebe zu, dass ich manchmal etwas schärfer ausfalle, wenn ich meine, dass mir ein allzu selbstegefälliges sich für linksrasdikal haltendes Wesen zu grob zu nahe kommt. Da habe ich aber schon genug gesehen, um manche selbsternannte linksradikale und ihre Dogmen und Kriterien immer nur für prinzipiell gut und revolutionär durchgehen zu lassen. Gehässigkeit gehört aber nicht zu meinen Motiven. Bestenfalls längst verlorene Achtung, wobei ich durchaus hinter manchem Ding stehe, das bestimmte Leute für ihre alleinige Sache halten.

Soviel von meiner Seite. Dass hier Müll entsteht, war jedenfalls das letzte, was ich wollte.

@ maxx

r.f. 24.02.2003 - 02:29
Eine sachliche, ruhige Stellungnahme von mir zu den obigen Ausrutschern ist hier nicht angekommen oder (brrr!)gelöscht worden. Ich hatte/hätte einiges zu sagen, will das aber jetzt nicht wiederholen, es ist spät und ich will ins Bett. Aber kurz dir was durchsagen will ich doch: du hast mehrfach hintereinander ziemlich daneben getroffen.

1. Ich habe nicht unterstellt, dass Paolo ein "Admin" IST. Ich habe gesagt wenn... dann...! Das ist ein ganz anderer Schuh.

2. Ich "verhäkel" mich nicht linksradikal. Glaubst du echt ich würde mir die ganze Arbeit machen, wenn ich einen Hass auf Indymedia oder sonstwen hätte? Du tust mir schwer Unrecht! Ich habe zwar auf Anhieb ziemlich zornig reagiert, weil da einer glaubt, unbedingt klarstellen zu müssen, wer die einzig wahre Kraft gewesen sein soll und dabei den Schatten der Unglaubwürdigkeit über eine Arbeit wirft, die auf tagelanges Infosammeln fußt und finde das nach wie vor problematisch und zweifelhaft, wenn auch ich es jetzt etwas "ruhiger" und "sachlicher" vermitteln würde als zuvor.

3. Dein guter Paolo kann unmöglich an allen Orten gleichzeitig gewesen sein und hat ganz sicher nicht wirklichkeitgerechte Behauptungen gemacht. Wenn auch ich keineswegs eine Freundin von Rifondazione bin, Bilder von Rifo-Leuten auf Bahngleisen habe ich eben erst noch gesichtet. Und noch viel mehr Hinweise darauf, das Paolo alles andere als fair argumentiert hat. Das mit Pisa beispielsweise ist auch ganz schön unfair beschrieben, sofern Paolo überhaupt was beschrieben hat. Es war einfach nicht möglich, den Bahnhof zu entern. Wegen strammster Totalabriegelung, nicht wegen Feigheit seiner politischen Lieblingsfeinde. Und es waren nicht nur Cobas und Rifo dabei. Aber Ärger kriege ich. Find´ich echt nicht OK.

4. Dieser Text ist keine Übersetzung, sondern ein eigenständiger Artikel auf der Grundlage bestimmter Materialien. Auch das hast Du nicht getroffen. Schade.




und jeden. Denn das ist das einzige, was von
der deutschen linksradikalen Szene kommt.
Schade - echt ein geiler, wichtiger Text, der was für die Mittelspalte ist und die ersten 1,2 Kommentare wieder dieser
Schlammschlacht-Müll. Ihr scheint echt Indy zu hassen!

2 Anmerkungen

Pete (einer der, der ab und an moderiert) 24.02.2003 - 04:22
- "ist hier nicht angekommen oder (brrr!)gelöscht worden" - Nein, hier unter dem Text wurde nix gelöscht (obwohl ich bei der Stimmung :-( fast Lust hätte)
- der Text ist jetzt in der Mittelspalte im Feature verlinkt. Wär schön, wenn Du weitere Berichte aus Italien schreiben würdest.

Nachtrag

Pete 24.02.2003 - 04:35
Großes sorry an r.f.: Dein Kommentar ist hängengeblieben, der müsste jetzt wieder da sein.

genau so sollte indy sein!

anarchia si 24.02.2003 - 04:50
danke für den fetten text! hab mir den mal ausgedruck und gelesen. der text ist neben "Über eine Million sagen Nunca Mais in Madrid am Putsch-Jahrestag" der beste heute.
was ist eigentlich mit dem geralstreik, der geplant ist? das vorgehen der regierung ist unglaublich. wenn die damit durchkommt....

Auch in Spanien tut sich viel

Link-er 24.02.2003 - 05:24

Bild bei Indy-Chicago

Frühaufsteher 24.02.2003 - 06:24
Um mal den kleinen Streit von oben aufzuklären:
Hier ein Bild von Gewerkschaftern, die ne Blockade machen. Obs CGIL oder COBAS ist, kann ich nicht erkennen.
 http://chicago.indymedia.org/front.php3?article_id=20292&group=webcast

An den Autor des Textes: Du glaubst gar nicht was für Kraft mir dieser Text gibt! Danke!

und hier?

imo 24.02.2003 - 12:40
In München stehen auf den Rangierbahnhöfen die Züge mit Militärmaterial, die nicht durch Österreich fahren durften.
was tun?

r.f. rauch mal nen joint und komm runter!

paolo 24.02.2003 - 13:19
1. Habe ich deutlich geschrieben, dass ich hoffe die Gewerschafter lassen auf ihre Worte auch Taten folgen und das hoffe ich immer noch. Schließlich hat die CGIL einige Millionen Mitglieder - wo waren die bei den Schienenblockaden?
2. War ich natürlich nicht überall gleichzeitig, aber das Problem, war genau das was ich beschrieben habe: zu Beginn haben alle anderen außer den Disobbedienti zwar verbale Solidaritätskundgebungen von sich gegeben, waren aber nicht bei den Blockaden. Alle Blockaden der ersten zwei Tage waren nahezu ausschließlich von den Disobbedienti (und da geht es nicht darum irgendwen hervorzuheben, sondern darum Diskurs und Realität gegenüber zu stellen und ich halte es für eine politische Bewertung und für die Überlegung wie oder mit wem eine Zusammenarbeit erfolgen kann nicht für unwesentlich wer blockiert hat).
Ich war nicht überall, aber doch bei einigen der Blockaden, daher hatte ich keine Zeit etwas zu schreiben, finde es sehr löblich, dass du etwas geschrieben hast und habe es nur ergänzt. Kein Grund völlig am Zeiger zu drehen - oder hast du die alleinige Definitionsallmacht dessen was in Italien geschieht??
In Pisa war das Problem genau das beschriebene, dass die Cobas und Rifondazione, angesichts der Bullenpräsenz beschlossen haben eine Demo in die Stadt, vom Bahhof weg zu machen. Nach Pisa kamen noch extra Leute aus Rom aus besetzten Zentren aus dem Umfeld der Disobbedienti gefahren, um den Bahnhof und die Gleise zu blockieren.
Und was der Vorwurf sein soll Indy-Admin zu sein verstehe ich überhaupt nicht. Wenn du Italien ein wenig kennst (und nicht nur die italiensiche Sprache) dann müsstest du eigentlich wissen, dass Indymedia-Italien weitgehend von einigen wenigen Sektierern gemacht wird, die die totalen Disobbedienti-Hasser sind.
Schön wenn sich mittlerweile mehr Menschen an den Blockaden beteiligen. Tatsächlich ist aber ein großes Problem der bewegung in Italien in den vergangenen 1-2 Jahren, dass zwar unendlich viele Leute direkte Aktionen der Blockade, Sabotage, Besetzung usw. gut finden, aber gerne die Disobbedienti als ihre Aktionsstellvertreter ansehen anstatt selbst auch aktiv zu werden. Und das ist auch wieder ein Problem, wie kann es sonst sein, dass zwar die gesamte linke und liberale Öffentlichkeit die Blockaden der Militärtransporte gutheißt, aber nur einige Hundert Leute daran teilnehmen???

Widerstand gegen Militärtransporte

Marie 24.02.2003 - 22:58
An: Roter Faden
Arbeitsort: Toskana, Italienischkenntnisse(noch)= null, alt genug, um den Vietnamkrieg noch gut im Gedächtnis zu haben und eine der Deutschen,die mehr Angst vor Bush und dem neuen Empire als vor Saddam hat. Ausgesprochen dankbar für Indymedia u. die Übersetzungsarbeit. Tipp einer alten Schachtel zu eurer Auseinandersetzung: Das Problem der Linken war schon immer, dass die anderen die Sache mit dem Teilen und Herrschen besser drauf hatten. Täte mir leid, wenn andere Leser durch diesen Scheiß abgeschrekt würden.
Pace!! und Danke für die Arbeit, Marie

mehr bilder (gehoehren zum cnnitaly-artikel)

stoppt die todeszuege 25.02.2003 - 22:50