101 Tage Ölpest Demo am Sonntag in Madrid
Es ist 101 Tage her, als vor der Küste Galiciens die Prestige einen Notruf ausgestoßen hat. Glaubt man den Angaben aus Madrid, sollen aus dem Tanker etwa 25.000 Tonnen der Fracht ausgelaufen sein, die in der EU als giftiger Abfall einzustufen wäre. Wahrscheinlicher ist etwa die doppelte Menge. Dieser Giftmüll, wird zumeist verharmlosend als Schweröl bezeichnet. Die üble Mischung verseucht seit 100 und einen Tag die Strände und Küsten von Portugal bis Frankreich und deren Fische, Meeresfrüchte und Vögel. Auch 101 Tage nach dem Desaster schwimmen noch Tausende Tonnen im Meer. Am Sonntag werden mehrere 100.000 Menschen Madrid überfluten, um gegen die spanische Regierung zu demonstrieren, die ein Unglück in eine Katastrophe verwandelt hat.
Ein Beitrag dazu unten der nachher zwischen 11 uhr und 11 Uhr 30 im Deutschlandfunk laufen wird. Langfassung dann bei Zip FM
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Es ist genau 101 Tage her, als 15 Meilen vor der Küste der spanischen Provinz Galicien der Öltanker Prestige auf seinem Weg nach Singapur einen Notruf ausgestoßen hat. Statt das leckende Schiff an Land zu holen, entschied sich die spanische Regierung dafür, den Tanker mehr als 200 Kilometer aufs offene Meer zu ziehen, wo er nach einer tagelangen Odyssee zerbrach. Glaubt man deren Angaben, sollen aus dem Tanker etwa 25.000 Tonnen der Fracht ausgelaufen sein, die in der EU als giftiger Abfall einzustufen wäre. Wahrscheinlicher ist etwa die doppelte Menge. Dieser Giftmüll, der zumeist verharmlosend als Schweröl bezeichnet wird, besteht zu 40% aus polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffverbindungen, die krebserregend sind, und hat einen hohen Gehalt an Schwermetallen. Die üble Mischung, ein Abfallprodukt der Raffinerien, verseucht seit 100 und einen Tag die Strände und Küsten von Portugal bis Frankreich und deren Fische, Meeresfrüchte und Vögel. Letztlich landet es auf unseren Tellern. Auch 101 Tage nach dem Desaster schwimmen noch Tausende Tonnen Chapapote, wie die Fladen in Galicien genannt werden, im Meer. Am Sonntag werden mehrere 100.000 Menschen Madrid überfluten, um gegen die spanische Regierung zu demonstrieren, die ein Unglück in eine Katastrophe verwandelt hat.
Derzeit sucht die Ölpest besonders den Golf von Biskaya und die baskische Küste heim. Die baskische Autonomieregierung hat den Fischfang verboten und konzentriert alle Kräfte darauf, dass Öl aus dem Meer zu holen, bevor es an Land kommt. Wie die Basken auf die Katastrophe reagieren, weiß Ralf Streck.
Auch heute kommt Gervacio Gabantxo beladen im Hafen von Bermeo an. Seit 33 Jahren legt der stämmige baskische Fischer, zwischen Gernika und Bilbao ab, um mit seinem meeresblauen Schiff, Beti Barrenetxea, Thunfisch oder Sardellen zu fangen. Doch seit Beginn dieses Jahres bringt er nur Ölfladen an Land. Statt nach Fisch, stinkt es im Hafen nach Öl.
"Heute ist der schlechteste Tag, seit wir Ölfladen suchen. Wir haben vielleicht eine oder zwei Tonnen gefischt. Aber die in Guipuzkoa, haben schon aus französischen Gewässern, viel geholt. 10, 15 Tonnen pro Schiff. Wenn wir das nicht rausholen würden, käme das voll in Bordeaux und Arcachon an."
160 baskische Schiffe gehen täglich auf Öljagd, erklärt Gervacio stolz. Mit einer Art Schaumlöffel entreißen sie, über die Reling gebeugt, die Fladen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt dem Meer. Sonst käme das Gift an Land. Bei Bermeo dränge es ins Biosphärenreservat Urdaibai ein. Doch der größte Teil zielt auf Frankreich. Der Golf von Biskaya macht dort, wo das Baskenland zwischen Spanien und Frankreich geteilt wird, einen Knick.
Statt Fischfang geht die baskische Flotte auf Ölfang, die Fischerei ist im Baskenland derzeit verboten. Umweltminister, Sabin Intxaurraga erklärt:
"Die baskische Regierung hat von Beginn an als absolute Priorität gesetzt, den Ölschlamm aus dem Meer zu holen, um die sozialen, ökonomischen und Effekte auf die Umwelt klein zu halten. Weil wir mehr als 16.000 Tonnen aus dem Meer gefischt haben, ist uns das weitgehend gelungen".
Nicht ganz, wie Arantxa Ozio, Sprecherin der baskischen Umweltorganisation Eguzki erklärt.
"Man merkt deutlich, dass der Tourismus hier sehr wichtig ist, die Strände wurden täglich gereinigt. Wir haben kritisiert, dass an den Felsen und in den Steinbuchten, die sehr bedeutend für die Fauna aber unzugänglich sind, nichts geschah."
Hunderte Umweltschützer kletterten zwischen den Felsen herum, um eine Bestandaufnahme zu machen. Erst auf die Veröffentlichung der Daten hat die baskische Regierung reagiert. Ein Stufenplan zur Reinigung wurde vorgelegt. Wenn der nicht schnell umgesetzt wird, wird Eguzki wieder aktiv:
"Wir denken, es ist schlimmer, wenn der Dreck dort lange bleibt, denn die Gifte strömen aus und das Zeug wir immer zäher."
Doch wie können Gervacio und seine Kollegen 16.000 Tonnen Öl aus dem Wasser fischen, wenn nach Angaben aus Madrid angeblich nur 25.000 Tonnen ausgelaufen sein sollen. Welches Öl hat 3000 Kilometer Küste in Spanien verseucht, da noch Tausende Tonnen im Meer schwimmen?
"Wir haben Zweifel, ob es Lüge oder Inkompetenz ist", sagt der baskische Umweltminister, denn bisher hat sich die Regierung eher im Verdunkeln hervorgetan.
Vielleicht bringt die Justiz Licht in die Angelegenheit, dass Mitglieder der Regierung als Beschuldigte vernommen werden, ist bisher eines der wenigen guten Zeichen.
Für Gervacio hat Madrid die Arbeiten bisher jedenfalls mehr behindert als unterstützt. Vom Geld gar nicht zu reden.
"Wenn wir die Unterstützung der baskischen Regierung nicht hätten, wären alle bankrott. Die spanische Regierung zahlt ein Minimum 40 Euro für einen Seemann pro Tag. Damit kommt keine Fliege voran, ein Schiff ist teuer. Zum Glück bekommen wir noch 90 Euro von der baskischen Regierung pro Mann, sonst wäre Schluss."
Dabei fällt die Reinigung der Küste und des Meeres in die Kompetenz von Madrid. Eine der vielen Kompetenzen, die auch in 25 Jahren noch nicht an die baskische Autonomieregierung übertragen wurden. Die darf bisher nur Zahlen, wie der Umweltminister beklagt.
"Es war die Zeit zum Handeln, weil die Zentralregierung nichts tat. Die baskische Regierung hat in einer Aufgabe übernommen, die ihr bisher nicht zukommt, Kosten von über 20 Millionen Euro bisher übernommen. Wir hoffen, die Zentralregierung geht damit verantwortlicher um als mit dem Untergang des Schiffs. Bisher haben wir noch keinen Euro erhalten."
© Ralf Streck, Donostia-San Sebastian den 21.02.2003
Derzeit sucht die Ölpest besonders den Golf von Biskaya und die baskische Küste heim. Die baskische Autonomieregierung hat den Fischfang verboten und konzentriert alle Kräfte darauf, dass Öl aus dem Meer zu holen, bevor es an Land kommt. Wie die Basken auf die Katastrophe reagieren, weiß Ralf Streck.
Auch heute kommt Gervacio Gabantxo beladen im Hafen von Bermeo an. Seit 33 Jahren legt der stämmige baskische Fischer, zwischen Gernika und Bilbao ab, um mit seinem meeresblauen Schiff, Beti Barrenetxea, Thunfisch oder Sardellen zu fangen. Doch seit Beginn dieses Jahres bringt er nur Ölfladen an Land. Statt nach Fisch, stinkt es im Hafen nach Öl.
"Heute ist der schlechteste Tag, seit wir Ölfladen suchen. Wir haben vielleicht eine oder zwei Tonnen gefischt. Aber die in Guipuzkoa, haben schon aus französischen Gewässern, viel geholt. 10, 15 Tonnen pro Schiff. Wenn wir das nicht rausholen würden, käme das voll in Bordeaux und Arcachon an."
160 baskische Schiffe gehen täglich auf Öljagd, erklärt Gervacio stolz. Mit einer Art Schaumlöffel entreißen sie, über die Reling gebeugt, die Fladen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt dem Meer. Sonst käme das Gift an Land. Bei Bermeo dränge es ins Biosphärenreservat Urdaibai ein. Doch der größte Teil zielt auf Frankreich. Der Golf von Biskaya macht dort, wo das Baskenland zwischen Spanien und Frankreich geteilt wird, einen Knick.
Statt Fischfang geht die baskische Flotte auf Ölfang, die Fischerei ist im Baskenland derzeit verboten. Umweltminister, Sabin Intxaurraga erklärt:
"Die baskische Regierung hat von Beginn an als absolute Priorität gesetzt, den Ölschlamm aus dem Meer zu holen, um die sozialen, ökonomischen und Effekte auf die Umwelt klein zu halten. Weil wir mehr als 16.000 Tonnen aus dem Meer gefischt haben, ist uns das weitgehend gelungen".
Nicht ganz, wie Arantxa Ozio, Sprecherin der baskischen Umweltorganisation Eguzki erklärt.
"Man merkt deutlich, dass der Tourismus hier sehr wichtig ist, die Strände wurden täglich gereinigt. Wir haben kritisiert, dass an den Felsen und in den Steinbuchten, die sehr bedeutend für die Fauna aber unzugänglich sind, nichts geschah."
Hunderte Umweltschützer kletterten zwischen den Felsen herum, um eine Bestandaufnahme zu machen. Erst auf die Veröffentlichung der Daten hat die baskische Regierung reagiert. Ein Stufenplan zur Reinigung wurde vorgelegt. Wenn der nicht schnell umgesetzt wird, wird Eguzki wieder aktiv:
"Wir denken, es ist schlimmer, wenn der Dreck dort lange bleibt, denn die Gifte strömen aus und das Zeug wir immer zäher."
Doch wie können Gervacio und seine Kollegen 16.000 Tonnen Öl aus dem Wasser fischen, wenn nach Angaben aus Madrid angeblich nur 25.000 Tonnen ausgelaufen sein sollen. Welches Öl hat 3000 Kilometer Küste in Spanien verseucht, da noch Tausende Tonnen im Meer schwimmen?
"Wir haben Zweifel, ob es Lüge oder Inkompetenz ist", sagt der baskische Umweltminister, denn bisher hat sich die Regierung eher im Verdunkeln hervorgetan.
Vielleicht bringt die Justiz Licht in die Angelegenheit, dass Mitglieder der Regierung als Beschuldigte vernommen werden, ist bisher eines der wenigen guten Zeichen.
Für Gervacio hat Madrid die Arbeiten bisher jedenfalls mehr behindert als unterstützt. Vom Geld gar nicht zu reden.
"Wenn wir die Unterstützung der baskischen Regierung nicht hätten, wären alle bankrott. Die spanische Regierung zahlt ein Minimum 40 Euro für einen Seemann pro Tag. Damit kommt keine Fliege voran, ein Schiff ist teuer. Zum Glück bekommen wir noch 90 Euro von der baskischen Regierung pro Mann, sonst wäre Schluss."
Dabei fällt die Reinigung der Küste und des Meeres in die Kompetenz von Madrid. Eine der vielen Kompetenzen, die auch in 25 Jahren noch nicht an die baskische Autonomieregierung übertragen wurden. Die darf bisher nur Zahlen, wie der Umweltminister beklagt.
"Es war die Zeit zum Handeln, weil die Zentralregierung nichts tat. Die baskische Regierung hat in einer Aufgabe übernommen, die ihr bisher nicht zukommt, Kosten von über 20 Millionen Euro bisher übernommen. Wir hoffen, die Zentralregierung geht damit verantwortlicher um als mit dem Untergang des Schiffs. Bisher haben wir noch keinen Euro erhalten."
© Ralf Streck, Donostia-San Sebastian den 21.02.2003
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Ergänzungen
Schnorchelurlaub in Nordportugal unmöglich
Stadtdeseen geht wohl nach Griechenland.
Ich schreibe dies, auch um auch die Portugiesischen Behörden wachzurütteln, leider funktioniert dies allzuoft nur über Geld. Den Wassertiere und die Natur dort gilt meine mitleitd. Ansonsten gilt meine Solidarität den bertroffenen Menschen, besonders den freiwilligen helfern die in Madrid protestieren.
Ladet den Giftschlamm auf die Stufen der Verantortlichen Behörden!
Gute Idee für nochmehr Öl Krieg zu führen...
Portugal strafen wäre falsch
Die Reaktion Aznars erinnert an Bananrepublik
zu Potrugal
1)im Nörlichsten Teil haben auch andere Tanker ihre umfangreichen Olreste einfach ins Meer abgelassen
2) Strömungen und Winde haben das Gift auch an die nordportugiesische Küste getragen.
3) beim Schnorcheln fällt schon "wenig" Verschmutung extrem auf
4) Potugal hat es abgelehnt den havarierten Tanker zu bergen. Sicher, spanen währe zuständig gewesen aber wenn die es nicht machen hätten die es halt tun müssen
ich will Portugal nicht Strafen, ich habe nur keine Lust mir dauernd die Ölklumpen von Flosse und Leib zu kratzen...
-die urlaubsgebiete durch oelkatastrophen verschandelt werden
-wenn sie angeblich fuer einen krieg verantwortlich sind bz. gemacht werden
-die benzinpreise wieder mal steigen bzw. grundsaetzlich weil sie zu hoch sind
aber ansonsten, solange mein auto fahren tut, is alles in ordnung, nach dem motto, mein auto faehrt auch ohne regenwald
und immer sind die anderen schuld
stattdessen fliegt man steuerfrei(ist ja so billig) wohl nach grichenland. grichenland wo ein grosser teil der schiffsmafia beheimatet.
konsumgesellschaft bis zum bitteren ende
Direkte Aktion