Beresovskij bis Gasprom: Machtpoker auf dem russischen TV-Markt
Die letzten Jahre haben die russische Medienlandschaft rasant verändert. Die Ära der TV-Klassiker und Romantiker neigt sich ihrem Ende zu. Wer die Möglichkeit hat, den russischen Fernsehsender NTW (HTB) zu empfangen, hatte am Sonntag vor zwei Wochen das letzte mal die Chance L. Parfenovs beliebte Sendung "Namedni" ("Vor kurzem") zu sehen. Vieles deutet darauf hin, daß der im gesamten russisch sprachigen Raum beliebte Journalist Parfenov bald gänzlich von den Bildschirmen verschwindet.
AUFRÄUMEN MIT ALTEN TV-HELDEN
Die Umstrukturierung bei NTW (HTB) kommt einer Demontage gleich und resultiert aus dem gestörten Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Aktienhaltern des Senders. Der wichtigste Aktionär bei NTW (HTB) ist der Energiekonzern Gasprom (
http://www.gazprom.ru/ ), der sich vollständig unter staatlicher Kontrolle befindet und mit diversen deutschen Konzernen zusammenarbeitet. In diesen höheren Ebenen erfreuten sich in letzter Zeit weder der amerikanischer Generaldirektor B. Jordan, noch der Moderator L. Parfenov besonder großer Beliebtheit. Sich von B. Jordan zu trennen, ist nicht weiter schwer und birgt wenig Zündstoff für große Skandale. Beim "Last Heroe" Parfenov sieht das etwas anders aus.
Plötzlich stand ein neuer Generaldirektor nebst Stellvertreter auf der Matte.
http://www.rambler.ru/db/news/msg.html?mid=3206313&s=11 Dieser hatte natürlich ein großes Problem mit Parfenov und dessen Popularität. Jetzt wird Parfenov nichts anderes übrig bleiben, als selbst den Hut zu nehmen und freiwillig zu gehen. Wo er wieder auftaucht, ist bislang unklar. Eine besonders große Auswahl hat er jedoch nicht. Hier und da tauchen Gerüchte auf, daß Parfenov eine Einladung von E. Kiselev von TWS (TBC) erhalten haben soll.
ERSTER KANAL SAMMELT KRÄFTE
Auf dem russischen Fernsehmarkt dominiert der Erste Kanal (Pervyj Kanal). Dessen Manager und Betreiber haben sich von ORT (OPT) losgesagt, weil sie nicht länger mit dem Namen B. Berezovskij in Verbindung gebracht werden möchen. Der Erste Kanal gewinnt immer mehr an Stärke und Einfluß auf dem russischen Fernsehmarkt. 38 Prozent der Aktien des Senders liegen in staatlicher Hand.
Quelle: Argumenty i Fakty, Nr. 7 (1164), Moskau Februar 2003), S. 2 und
http://www.rambler.ru/db/news/msg.html?mid=3212662&s=10341
DER FALL BEREZOVSKIJ
Der russische Oligarch Boris Beresovskij lebt derzeit in London. "Wie ein Dandy in London" beschrieb ihn die Tageszeitung Izvestia
http://www.rambler.ru/db/news/msg.html?mid=3206791&s=10341 am 17. Februar 2003. Kürzlich gab er einem Korrespondenten der New York Times
http://www.rambler.ru/db/news/msg.html?mid=3208564&s=10341 ein Interview, welches am 18. Februar 03 veröffentlicht wurde. Darin sprach er über seine nahen Zukunftspläne, die unter anderem darin bestünden, eine effektive Opposition gegen Präsident Vladimir Putin zu formen, die auch siegreich aus den nächsten Parlaments- und Präsidentenwahlen hervorgehen soll.
"Alles was ich tue, ist meiner Meinung nach durch und durch rational. Ich bin bestrebt, eine wirkliche politische Opposition in Rußland zu schaffen und ich halte dies für machbar." Berezovskij führt ein Beispiel an und bezieht sich auf seine Wahl in die Duma 1999. "Ich war Oligarch. Ich war reich und jüdisch und erweckte nicht sonderlich viel Sympathie. Doch ich wurde in Regionen gewählt, in denen 60 Prozent der Bevölkerung Moslems und die anderen vierzig Prozent Kosaken sind, die schon traditionell antisemitisch sind und eher dazu neigen, die Kommunisten zu unterstützen."
Die Gründe seines Erfolgs sieht er in der äußersten Armut der Bevölkerung, die von ihm konkrete Hilfe erwartet. Er zweifelt nicht im geringsten daran, daß er im Falle eines Wahlerfolges wieder nach Rußland zurückkehren wird.
FERNSEHSENDER SCHENKEN STAAT 20% SENDEZEIT
Der Vorsitzende der Staatsduma Gennadij Seleznev richtet derzeitig all seine Aktivitäten darauf aus, die russische Regierung von einem Gesetzentwurf zu überzeugen, der vorsieht, daß die russischen Fernsehsender 20 Prozent der Sendezeit dem Staat für sogenannte gesellschaftlich bedeutsame Themen zu überlassen haben. Laut RIA Novosti wurde der Gesetzentwurf von Valerija Galcenko ausgearbeitet und soll bis Herbst 2003 von der Staatsduma nochmals gesichtet werden.
Das Gesetz soll dagegen ankämpfen, daß russische Sender von ausländischen Produktionen dominiert werden. Sozial orientierte Programme würden derzeit auf der Strecke bleiben. Die Verfasser des Dokuments betonen, daß aus diesen Maßnahmen keine zusätzlichen Belastungen für den Staatshaushalt resultieren würden. (
http://www.rambler.ru/db/news/msg.html?mid=3212939&s=260004588 )
Background Information
Schlechte Zeiten für die russischen Medien (Katja Seefeldt, 09.04.2002)
Das Team des russischen Fernsehsenders TW-6 darf mit neuer Sendelizenz weitermachen, doch der Trend in der russischen Medienlandschaft geht weiter in Richtung Gleichschaltung
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/12257/1.html
Bedeutung von Nachrichtensendungen in Rußland
http://www.russland.ru/rumed0010/default.php
Sport statt Politik (Katja Seefeldt, 07.02.2002)
Abschaltung des letzten unabhängigen russischen Fernsehsenders
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/11755/1.html
Knüppel aus dem Sack (Katja Seefeldt, 24.07.2001)
Der Raum für kritischen Journalismus wird in Russland immer enger
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/9130/1.html
Die Wiedergeburt der russischen Sprachkultur im Internet (Katja Seefeldt, 04.05.2001)
Das russische Medienministerium fördert ein Internet-Portal, das sich mit der russischen Sprache beschäftigt und zeigt damit, dass die Zeiten der Sprachnormierung endgültig vorbei sind
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/7535/1.html
Die Umstrukturierung bei NTW (HTB) kommt einer Demontage gleich und resultiert aus dem gestörten Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Aktienhaltern des Senders. Der wichtigste Aktionär bei NTW (HTB) ist der Energiekonzern Gasprom (
http://www.gazprom.ru/ ), der sich vollständig unter staatlicher Kontrolle befindet und mit diversen deutschen Konzernen zusammenarbeitet. In diesen höheren Ebenen erfreuten sich in letzter Zeit weder der amerikanischer Generaldirektor B. Jordan, noch der Moderator L. Parfenov besonder großer Beliebtheit. Sich von B. Jordan zu trennen, ist nicht weiter schwer und birgt wenig Zündstoff für große Skandale. Beim "Last Heroe" Parfenov sieht das etwas anders aus. Plötzlich stand ein neuer Generaldirektor nebst Stellvertreter auf der Matte.
http://www.rambler.ru/db/news/msg.html?mid=3206313&s=11 Dieser hatte natürlich ein großes Problem mit Parfenov und dessen Popularität. Jetzt wird Parfenov nichts anderes übrig bleiben, als selbst den Hut zu nehmen und freiwillig zu gehen. Wo er wieder auftaucht, ist bislang unklar. Eine besonders große Auswahl hat er jedoch nicht. Hier und da tauchen Gerüchte auf, daß Parfenov eine Einladung von E. Kiselev von TWS (TBC) erhalten haben soll. ERSTER KANAL SAMMELT KRÄFTE
Auf dem russischen Fernsehmarkt dominiert der Erste Kanal (Pervyj Kanal). Dessen Manager und Betreiber haben sich von ORT (OPT) losgesagt, weil sie nicht länger mit dem Namen B. Berezovskij in Verbindung gebracht werden möchen. Der Erste Kanal gewinnt immer mehr an Stärke und Einfluß auf dem russischen Fernsehmarkt. 38 Prozent der Aktien des Senders liegen in staatlicher Hand.
Quelle: Argumenty i Fakty, Nr. 7 (1164), Moskau Februar 2003), S. 2 und
http://www.rambler.ru/db/news/msg.html?mid=3212662&s=10341 DER FALL BEREZOVSKIJ
Der russische Oligarch Boris Beresovskij lebt derzeit in London. "Wie ein Dandy in London" beschrieb ihn die Tageszeitung Izvestia
http://www.rambler.ru/db/news/msg.html?mid=3206791&s=10341 am 17. Februar 2003. Kürzlich gab er einem Korrespondenten der New York Times
http://www.rambler.ru/db/news/msg.html?mid=3208564&s=10341 ein Interview, welches am 18. Februar 03 veröffentlicht wurde. Darin sprach er über seine nahen Zukunftspläne, die unter anderem darin bestünden, eine effektive Opposition gegen Präsident Vladimir Putin zu formen, die auch siegreich aus den nächsten Parlaments- und Präsidentenwahlen hervorgehen soll. "Alles was ich tue, ist meiner Meinung nach durch und durch rational. Ich bin bestrebt, eine wirkliche politische Opposition in Rußland zu schaffen und ich halte dies für machbar." Berezovskij führt ein Beispiel an und bezieht sich auf seine Wahl in die Duma 1999. "Ich war Oligarch. Ich war reich und jüdisch und erweckte nicht sonderlich viel Sympathie. Doch ich wurde in Regionen gewählt, in denen 60 Prozent der Bevölkerung Moslems und die anderen vierzig Prozent Kosaken sind, die schon traditionell antisemitisch sind und eher dazu neigen, die Kommunisten zu unterstützen."
Die Gründe seines Erfolgs sieht er in der äußersten Armut der Bevölkerung, die von ihm konkrete Hilfe erwartet. Er zweifelt nicht im geringsten daran, daß er im Falle eines Wahlerfolges wieder nach Rußland zurückkehren wird.
FERNSEHSENDER SCHENKEN STAAT 20% SENDEZEIT
Der Vorsitzende der Staatsduma Gennadij Seleznev richtet derzeitig all seine Aktivitäten darauf aus, die russische Regierung von einem Gesetzentwurf zu überzeugen, der vorsieht, daß die russischen Fernsehsender 20 Prozent der Sendezeit dem Staat für sogenannte gesellschaftlich bedeutsame Themen zu überlassen haben. Laut RIA Novosti wurde der Gesetzentwurf von Valerija Galcenko ausgearbeitet und soll bis Herbst 2003 von der Staatsduma nochmals gesichtet werden.
Das Gesetz soll dagegen ankämpfen, daß russische Sender von ausländischen Produktionen dominiert werden. Sozial orientierte Programme würden derzeit auf der Strecke bleiben. Die Verfasser des Dokuments betonen, daß aus diesen Maßnahmen keine zusätzlichen Belastungen für den Staatshaushalt resultieren würden. (
http://www.rambler.ru/db/news/msg.html?mid=3212939&s=260004588 ) Background Information
Schlechte Zeiten für die russischen Medien (Katja Seefeldt, 09.04.2002)
Das Team des russischen Fernsehsenders TW-6 darf mit neuer Sendelizenz weitermachen, doch der Trend in der russischen Medienlandschaft geht weiter in Richtung Gleichschaltung
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/12257/1.html Bedeutung von Nachrichtensendungen in Rußland
http://www.russland.ru/rumed0010/default.php Sport statt Politik (Katja Seefeldt, 07.02.2002)
Abschaltung des letzten unabhängigen russischen Fernsehsenders
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/11755/1.html Knüppel aus dem Sack (Katja Seefeldt, 24.07.2001)
Der Raum für kritischen Journalismus wird in Russland immer enger
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/9130/1.html Die Wiedergeburt der russischen Sprachkultur im Internet (Katja Seefeldt, 04.05.2001)
Das russische Medienministerium fördert ein Internet-Portal, das sich mit der russischen Sprache beschäftigt und zeigt damit, dass die Zeiten der Sprachnormierung endgültig vorbei sind
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/7535/1.html
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Ergänzungen
Russische oder Ukrainische Opposition?