Offener Brief an die Antifa Marburg 2.Versuch

Anarcha 14.02.2003 15:43 Themen: Antifa
Eine "Antifaschistische Gruppe" hat in Marburg im Havanna 8 ein Flugblatt mit dem Bild Stalins und einem Hochruf auf die Rote Armee
ausgelegt.
Auch wenn bereits zweimal Beiträge zu dem Thema gelöscht wurden, probiere ich es hier ein drittes mal.

In Marburg tauchten neuerdings Flugblätter auf, in denen zum Feiern des Jahrestages von Stalingrad und dem Sieg der roten über die braune Armee aufgerufen wurde. Daneben das Bild eines lächelnden Stalins und die Unterschrift "Hoch die Rote Armee".
Weitere kritisiernswerte Aktionen: Das Sprühen von MAschinengewehren mit der Überschrift ANTIFA (Schablone) und ein Flugblatt, das sich gegen die Antisemitische HEtze eines PRofs richtete, in sich aber meiner MEinung nach rassistisch und antiislamistisch war.
Meine folgende Kritik richtet sich nicht gegen das Projekt Antifa generell, lediglich gegen einige sehr merkwürdige Auswüchse der Marburger Antifa. Die Kritik ist auch nicht als Spaltversuch zu sehen sondern als konstruktive Kritik.

Zuerst zu dem Stalinblatt:

Ihr wollt den Sieg der roten Armee in Stalingrad feiern.
Stalingrad war ein beispielloses Gemetzel, bei dem Zivilisten und Soldaten gleichermaßen qualvoll starben. Ich denke es gibt auch aus kommunistischer Sicht wirklich bessere Gründe zu feiern, als den Tod zehntausender Menschen (!). Dennoch, macht was ihr wollt.

Was mich aber wirklich aufregt, ist daß von antifaschistischer Seite der Personenkult, den Stalin kreirt hat weiterzubetreiben.
Stalin ließ sich in Liedern als Retter und Held und Gottesgleich und einziger Führer und Sonne und so weiter besingen.

Stalin ließ gnadenlos Opositionelle säubern, seinen Erzfeind Trozki ließ er bis ins Exil verfolgen und hinrichten.

Stalin war verantwortlich für die systematische Vertreibung und
Vernichtung von MIllionen Menschen, die in Gulags verschwanden und starben.

Stalin trieb die zerstörerische atomare AUfrüstung voran, die Folgen waren unter anderem Atomtests in Kasachstan, atomare VErseuchung der Uranabbaugebiete (u.a. DDR als drittgrößtes der damaligen Welt), Menschenversuche etc.

KLar daß gleichzeitig der KApitalismus genauso wütete.

Aber, mmüßt ihr so jemand feiern?

Die Rote Armee war übrigens für die Zerstörung anarchistischer Agrarkommunen in der Ukraine verantwortlich, Die Guerilla Machno, die erst der roten Armee im Bürgerkrieg den Rücken stärkte wurde danach gnadenlos verfolgt und von 40000 auf 100 Kämpfer dezimiert, die nach Rumänien fliehen mußten.

Hoch die Rote Armee?
Hoch die Armee? Wehrpflicht hurra? Krieg jawoll? Oder was wollt ihr damit sagen?

Ihr schreckt Menschen mit antifaschistischer Gesinnung eher ab und bestätigt nur Konservative auf ihrem Weg nach rechts.

Maschinengewehre zu sprühen fällt übrigens in die gleiche Sparte, Gewaltverherrlichung.

Euer Flugblatt zu dem Problem Kühnl, das in weiten Teilen richtig und gut war, hatte doch Passagen, die es wert waren, euch das Ganze um die Ohren zu schlagen. Auch nach Überarbeitung.
Dari wurde dem Koran unterstellt, explizit die Vernichtung Israels voranzutreiben. Der Dschihad fordert aber lediglich einen VErteidigungskrieg ("So ihr angegriffen werdet...verfolgt eure Feinde).
Und selbst der ist nicht eindeutig interpretierbar.
Auch wird Arafat mit dem palestinensischen Volk gleichgesetzt, dessen angebliche Rufe nach einer Vernichtung Israels zu einer generellen Rechtfertigung der Repressiven politik Israels gemacht. Gefordert wurde dann unter anderm bedingungslose Solidarität mit Israel.

Bitte denkt über eure Linie nach. Andere Antifas machen super Arbeit, die ihr konterkariert.

Beschäftigt euch mal mit den Faschobanden um Amöneburg/Bürgeln.

Wenn ich das nächstemal Stalinflugis sehe schmeiße ich sie weg.

Hasta la victoria siempre!
Subcommandanta Marca

Ps. Ich fand meinen ersten Artikel besser. leider wurde er gelöscht. merkwürdig....
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Ergänzungen

14.02.2003 - 15:51
Was wäre denn die Alternative gewesen zu einem Sieg der Roten Armee über die Deutschen Mörederhorden?

mmmh

s! 14.02.2003 - 16:00
HitlerStalinpakt ?

Hab ic h vergessen

Anarcha 14.02.2003 - 16:07
Sorry, Hitler Stalin PAkt war in dem ersten gelöschten Artikel drin. Verdammt, wie konnt mir das entfallen...
Hey, es gab vielleicht keine Alternative, aber muß man das ganze Gemetzel feiern?

???

Joe 14.02.2003 - 16:14
leidest du unter verfolgungswahn? dein 1. artikel steht doch bei indy weiter unten im open-posting! augen auf!

14.02.2003 - 16:36
 http://www.de.indymedia.org/2003/02/41219.shtml

hallo "anarcha", auch wenn du deinen schrieb jeden tag hier postest, wird er nicht besser...

hmm...

antideutscher anarcho 14.02.2003 - 16:42
die kritik an der anitfa marburg kann ich nicht so ganz nachvollziehen. was ist denn das problem daran stalingrad zu feiern? kritik an den sogenannten siegermächten kann doch nur sein, dass sie nazideutschland nicht schneller und effektiver ausgeschaltet haben. die leute, die hitler bekämpften waren nun mal solche leute wie josef stalin oder arthur harris, die in ihrem handeln bis dato sicher nicht sehr sympathisch waren, doch sie nur waren zu dem zeitpunkt die praktischen und relevanten antifaschisten.
oder waren die antifaschisten der faud auch nur so dumme bombenleger?

Sorry

Anarcha 14.02.2003 - 17:06
Moin Joe

Habs net geblickt. Sorry INdymedia, falscher Vorwurf. Auf der Rubrik wars halt net.

Alle andern.
Habs Kapiert. Hoch Stalin!
der einzige Weg den Facshismus zu besiegen ist eine totalitäre Armee.
Ach ja, ich find euch StalinistInnen so cool, habt ihr nicht nen Club, ich würd gern beitreten. UNd dann machen wir gemeinsam gaaanz doll Stalin feiern, ja?





nich ganz richtig

.. 14.02.2003 - 17:26
Sein 2ter Artikel steht da noch (im Mom auf Seite 2).

Sein 1. Artikel wurde gelöscht... (was ich pers sehr schade fand, hat er denselben inhalt lediglich in einer etwas anderen Form dargeboten)

@ antideutscher anarcho

14.02.2003 - 17:45
sich so zu nennen ist wie "trockenes wasser", "kaltes warmes". autoritäre ideologien widersprechen anarchistischen ideen.

NOCHMAL!

pele 14.02.2003 - 17:58
was soll der scheiß? was gibt es dagegen einzuwenden den kessel von stalingrad und eine der größten niederlagen der wehrmacht, sowie den sieg der roten armee zu feiern? und das ganze mit nem stalin-bild in die ironie zu treiben...

warum soll antideutsch autoritär sein ?

14.02.2003 - 23:43
deutsch sein ist autoritär

tja, gute frage

ich 15.02.2003 - 03:01
aber die musst du wohl beantworten: warum lasst ihr antideutschen keine andere meinung gelten? warum sind alle die auch nur einen milimeter von euch abweichen gleich nazis? warum brüllt ihr andere nieder und warm darf es keine aktivität geben, die auf veränderung der verhältnisse ausgerichtet ist? warum seid ihr so sehr von euch selbst überzeugt? warum habt ihr dieses "wir sind die guten"-denken?
antideutsch und deutsch ist eine ebene des denkens. die art und weise ist identisch, die ihalte nur spiegelverkehrt - einfach überall ein anti-... vorgehangen.

wer...

egal 15.02.2003 - 15:20
stalin abfeiert, muss echt krank sein.

wo liegt das problem?

teenage riot 15.02.2003 - 18:27
Wo liegt das problem?
stalingrad steht für den untergang deutschlands!
und das darf jawohl gefeiert werden......

Stalingrad, Stern der Freiheit!

Fukse Polis 15.02.2003 - 23:21
Stalingrad bleibt - auch wenns jetzt wolgograd heißt! stalingrad ist einfach der ort, an dem der untergang des deutschen faschismus unter hitler besiegelt wurde! stalin zu feiern ist mit sicherheit absurd, ich denke aber nicht das die genossen aus marburg mit dem bild dies bezweckten... vielleicht trotzdem etwas unglücklich gewählt. nichts desto weniger

STALINGRAD BLEIBT!

@alle!

kümmertehkeinen 16.02.2003 - 02:22
die rechtschreibung bei euch ist ja unter aller sau!
sonderschüler???

Gießen auch dabei

Roxy Music 17.02.2003 - 15:29
Die Antifa Gießen hat die Party im wesentlichen organisiert.
Hey und Antideutsche sind ja wohl mal auch die genialste Erfindung des VS, ne.
Wahrscheinliches KOnzept: Schickt da maln paar absolute Knallos rein, die kommen sonst in der Öffentlichkeit zu gut an. UND dann spalten wir auf Teufel komm raus.
Gips eigentlich ne antideutsch Organisation oder sind das alles Bildschirmphantome?

Vive la rezession!!


Datum der Fete

AD 17.02.2003 - 18:13
Wann ist denn die Stalingrad-Fete? Es gibt ja wenig würdige Ereignisse, die feiernswert wären.

Gegendarstellung

werder commandante noch subcommandante 26.02.2003 - 14:36
Hier ist das Flugblatt nochmal, nur zum Nachprüfen. Die unterstellten Dinge stehen irgendwie nicht drin. Wo ist der Rassismus? Was Antiislamismus angeht, so sollte man meinen, daß die Parteinahme gegen Ideologien wie den Islamismus selbstverständlich ist für Leute, die nicht jeden Rest an Verstand und moralischem Empfinden aufgegeben haben. Anarcha, guck dir doch mal an, was Hamas und ähnliche Gruppen fordern und praktizieren! (Gute Quellen sind z. B.  http://www.memri.org und  http://www.pmw.org.il) Was ist das für ein Anarchismus, der zu keiner Solidarität mehr mit Schwulen, selbstbewußten Frauen und Juden bereit ist, wenn zur Jagd auf sie geblasen wird? Was mich wirklich interessieren würde, ist, was du an unserem Flugblatt "richtig und gut" findest. Schließlich passen dir die Schlußfolgerungen, die wir darin ziehen, allesamt nicht.

***

Das Problem Kühnl

Ein Marburger Professor entdeckt das "Problem Israel"

Die islamischen Faschisten vom Magazin Explizit erläutern, warum Israel „ein Problem“ ist und Mörderbanden wie die Hamas ein Recht haben sollen, Juden umzubringen:

„Als Muslime muss uns klar sein, dass das Problem ‘Israel’ für uns keine Grenzfrage, sondern eine Existenzfrage ist. Dieser zionistische Fremdkörper im Herzen der Islamischen Welt darf unter keinen Umständen bestehen bleiben. Der gesamte Boden Palästinas ist seit seiner Eroberung unter dem Kalifen Omar ibn Al-Khattab Eigentum der Islamischen Umma [Gemeinschaft]. Kein Regent und kein Volk - auch nicht die Palästinenser - haben das Recht, diesen Boden abzutreten. Jede Verhandlung zur Abtretung der Gebiete, die vor 1967 oder danach von den Israelis besetzt worden sind, ist ein Verrat an Allah, seinem Gesandten und den Gläubigen. [...] Auf die zionistische Aggression in Palästina kann es nur eine Antwort geben: den Jihad. Allah der Erhabene befiehlt: [...] ‘Und tötet sie, wo immer ihr sie zu fassen bekommt und vertreibt sie von wo sie euch vertrieben haben!’“ (Explizit, März-Juni 2002).

So weit wagen sich die deutschen Friedensfreunde bisher nicht vor. Doch im Grundsatz ist man sich einig: „Das Problem heißt Israel“ (FAZ, 9. 12. 01). Gäbe es Israel nicht, herrsche auf der Welt Frieden, raunt es aus allen Ecken. Ohne daß sich irgendwer verabredet hätte oder sich auch nur der Übereinstimmung bewußt wäre, formiert sich derzeit eine Querfront, die von NPD über sämtliche politischen Parteien bis hin zu PDS und DKP reicht und vom Mob der deutschen GlobalisierungsgenerInnen, Friedensbewegten und NationalbolschewistInnen angeführt wird.
In dieser Situation entdeckt nun auch ein Marburger Emeritus, der sich als Faschismustheoretiker einen Namen gemacht hat und bei Gewerkschaftslinken wegen seiner motivierenden Vorträge beliebt ist, „das Problem Israel“. So der Titel eines öffentlich angekündigten Vortrages, den der selbsternannte Antifaschist Reinhard Kühnl im Rahmen eines Seminars über Israel bei Maria Sporrer halten wird. Selbst wenn sich Kühnl in diesem Vortrag wider Erwarten nicht gegen Israel wenden sollte – der Titel ist an sich schon eine Unverschämtheit. Er verspricht, egal ob beabsichtigt oder nicht, einen Flirt des Antifaschisten mit dem Antisemitismus, also gerade das, wonach sich das deutsche Publikum die Finger leckt.
Wenn auch der Titel schon schäbig genug ist, lohnt sich vielleicht doch die Überlegung, wie Kühnl darauf gekommen sein mag und was er wohl bei seinem Referat sagen wird.
Kühnl und das Recht

„Was das Recht betrifft, so haben wir unter vielen Andern den Gegensatz des Kommunismus gegen das Recht sowohl als politisches und privates als auch in seiner allgemeinsten Form als Menschenrecht geltend gemacht.“
(Marx/Engels, MEW 3, S. 190)

Es ist wenig bekannt, daß Kühnls liebste Steckenpferde Menschenrecht, Staatsrecht und Völkerrecht sind. Schon seit Jahren propagiert Kühnl die allgemeine Durchsetzung des Rechtszustandes, den er durch den in der bürgerlichen Gesellschaft praktizierten Konkurrenzkampf, in dem das Recht des Stärkeren herrscht, behindert sieht. Er glaubt, auf Grundlage der Menschenrechte eine „politische und moralische Alternative zum real existierenden Kapitalismus“ formulieren zu können: „Die allgemeinen Menschenrechte setzen die Gleichheit der Rechte für alle Menschen voraus, und sind eine Negation dieses anderen Prinzips: Naturgesetz ist, daß der Stärkere sich durchsetzt, und der Schwächere auf der Strecke bleibt.“ (Vortrag im Gewerkschaftshaus München, 23. 11. 2000) Jede Verrechtlichung der gesellschaftlichen Beziehungen betrachtet Kühnl als Fortschritt hin zu einem Zustand, in dem die Gewaltsamkeit der Beziehungen zwischen den Menschen verschwunden und die Ideale der französischen Revolution, insbesondere die Volkssouveränität, verwirklicht sein sollen. Diesen Zustand stellt sich Kühnl einigermaßen paradiesisch vor. Deshalb setzt er ihn mit dem von Marx und Engels intendierten Verein freier Menschen gleich.
Die Bezugnahme auf Marx und Engels beruht auf einem Mißverständnis. Denn gerade das, was Kühnl sagt, ist schon von Marx vernichtend kritisiert worden. Eine kurze Passage soll hier zitiert werden, weil sie Kühnls größte Illusion trifft, nämlich daß die Menschenrechte dem Kapitalismus entgegengesetzt seien:

„Die Sphäre der Zirkulation oder des Warenaustausches, innerhalb deren Schranken Kauf und Verkauf der Arbeitskraft sich bewegt, war in der Tat ein wahres Eden der angebornen Menschenrechte. Was allein hier herrscht, ist Freiheit, Gleichheit, Eigentum und Bentham. Freiheit! Denn Käufer und Verkäufer einer Ware, z.B. der Arbeitskraft, sind nur durch ihren freien Willen bestimmt. Sie kontrahieren als freie, rechtlich ebenbürtige Personen. Der Kontrakt ist das Endresultat, worin sich ihre Willen einen gemeinsamen Rechtsausdruck geben. Gleichheit! Denn sie beziehen sich nur als Warenbesitzer aufeinander und tauschen Äquivalent für Äquivalent. Eigentum! Denn jeder verfügt nur über das Seine. Bentham! Denn jedem von den beiden ist es nur um sich zu tun. Die einzige Macht, die sie zusammen und in ein Verhältnis bringt, ist die ihres Eigennutzes, ihres Sondervorteils, ihrer Privatinteressen. Und eben weil so jeder nur für sich und keiner für den andren kehrt, vollbringen alle, infolge einer prästabilierten Harmonie der Dinge oder unter den Auspizien einer allpfiffigen Vorsehung, nur das Werk ihres wechselseitigen Vorteils, des Gemeinnutzens, des Gesamtinteresses.“
(MEW 23, S. 189f)

Das soll hier nicht näher ausgeführt werden, die Werke von Marx und Engels sind ja allgemein zugänglich. Die Marxsche Kritik verdient jedenfalls verteidigt zu werden gegen den Verdacht, sie ähnele irgendwie dem, was Kühnl so von sich gibt.
Gegen die Idealisierung des Rechtszustandes ist festzuhalten, 1. daß „auch das Faustrecht ein Recht ist“ (Marx, MEW 13, S. 620), 2. daß der Rechtszustand den Krieg aller gegen alle nicht abschafft, sondern ihn als allgemeine Konkurrenz der Privateigentümer untereinander immer wieder neu stiftet, weshalb der Staat als „common Power to keep them all in awe“ (Hobbes, Leviathan, I, Kap. 13) nicht einfach nach seiner Etablierung absterben kann, 3. daß der Rechtszustand, um durchgesetzt zu werden, einer über der Gesellschaft stehenden institutionalisierten Zwangsgewalt bedarf, weshalb die Wahrheit über ihn der Ausnahmezustand ist, 4. daß jeder Staat gegen jeden anderen seinen Anspruch auf Souveränität geltend machen kann, weshalb sich im Verhältnis der Staaten zueinander der Kriegszustand reproduziert.

Was hat das alles mit Israel zu tun?

Nichts, könnte man meinen, außer daß der Staat Israel ein Beispiel dafür ist, daß der Rechtszustand selbst dort, wo er aus einer Emanzipationsbewegung hervorgegangen ist, nicht auf freier Übereinkunft, sondern auf Gewalt beruht. Doch daß letzteres auf ausnahmslos alle Staaten zutrifft, das ist es ja gerade, was Kühnl nicht wahrhaben will! Denn zuzugeben, daß seine Utopie auf Militär- und Polizeigewalt gründet, hieße, sie zu entzaubern. Um den Zusammenhang von Recht und Gewalt ausblenden zu können, nimmt Kühnl zu einem alten Projekt Zuflucht: der Stiftung von Frieden durch das Völkerrecht, das durch eine überstaatliche Instanz, den Völkerbund, garantiert werden soll. Daß es sich bei diesem Projekt um eine Illusion handelt, hat noch der Hobbes-Schüler Kant halb durchschaut, indem er zugab, daß die Idee des Völkerrechts „die Absonderung vieler von einander unabhängiger benachbarter Staaten“ voraussetzt, also einen Zustand, der „an sich schon ein Zustand des Krieges ist“ (Zum ewigen Frieden, Art. 3, Zus. 1). Kühnl ist dann auch bescheiden und verlangt lediglich die Bindung von zwischenstaatlicher Gewalt an Recht, also nicht die Abschaffung des Krieges, sondern bloß seine Regelung. Da Kühnl aber unfähig ist zuzugeben, daß die von ihm idealisierte UNO grundsätzlich nicht imstande ist, einen Zustand ohne Kriege zu stiften, schiebt er die Schuld daran den USA zu: sie sabotierten das Völkerrecht, indem sie das „Recht des Stärkeren“, das „Rambo-Prinzip“ kultivierten und eine „Demokratisierung der UNO“ verhinderten (Vortrag vor dem Jenaer Forum, 28. 8. 99). Die Idealisierung des Rechtszustandes führt zwangsläufig zu der Fahndung nach dem Bösewicht, der schuld sein muß, daß von der angeblich doch verwirklichten Versöhnung der Menschheit keine Rede sein kann. Nehmen in seinen älteren Vorträgen einzig die USA die Rolle des Schurken ein, scheint sich Kühnl nun der Position der UN-Vollversammlung selbst anzunähern, die diese letztes Jahr in Durban formulierte: Israel ist an allem schuld.

Solidarität mit Israel!

Ausgerechnet da, wo der Rechtszustand, der immerhin die Möglichkeit der Emanzipation der Menschheit von Staat und Kapital noch offen läßt, wirklich gegen Verhältnisse zu verteidigen wäre, in denen die Gesellschaft in Mörderbanden zerfällt – nimmt der Juristen-Sozialismus implizit oder explizit Partei für die letzteren. Seit seiner Gründung in die Rolle des „Juden unter den Staaten“ (ISF) gedrängt, muß Israel bei Strafe seines Untergangs gegen den Antisemitismus, die konterrevolutionäre Ideologie schlechthin, und seine VertreterInnen vorgehen. Seine Stellung zur Weltrevolution ist daher anders als die anderer Staaten. Israel ist als institutionalisierte Emanzipationsgewalt derjenigen, die immer dann mit Vernichtung bedroht werden, wenn der Kapitalismus in der Klemme steckt und Schuldige gesucht werden, solange zu verteidigen, wie es Antisemitismus gibt – das heißt bis zu einer Revolution, die den Namen verdient und sich gerade deshalb nicht gegen Israel, sondern gegen Staat, Recht, Kapital und Volk richtet.