NOlympia in Frankfurt/M.

AOK-Frankfurt 15.01.2003 13:49 Themen: Freiräume Kultur
Unter dem Motto „Olympische Welten“ findet am 1.Februar der 33.Ball des Sports in der Frankfurter Festhalle statt.
Gaststar der Mitternachts-Show, zu der 2.000 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Spitzensport und Prominenz erwartet werden, ist der Entertainer Udo Jürgens. Eine der begehrten Eintrittskarten kostet wie im Vorjahr 1.000 Euro, 400 Euro Spende zum Wohle der Deutschen Spitzensportler inklusive.
Neben dem Schirmherrn der Stiftung „Deutsche Sporthilfe“, Bundespräsident Johannes Rau, und Vertretern der Bundesregierung ist erstmals auch IOC-Präsident Dr. Jacques Rogge in die Festhalle eingeladen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) entscheidet 2005 endgültig, welche Stadt die Olympischen Spiele bekommt.
Letztes Jahr erzielte die erfolgreichste Benefiz-Veranstaltung Europas einen Reinerlös von 1,2 Millionen Euro.
Der „Ball 2003“ bietet den fünf Bewerberstädten noch einmal ein geeignetes Forum, sich mit ihrer Bewerbung bei den nationalen Entscheidungsträgern werbewirksam zu präsentieren. Sie haben jeweils 48 Sekunden Zeit, ihre Bewerbung für Olympia 2012 vorzustellen.
Ball des Sports 2002 - der offizielle Bericht
Ball des Sports 2002: Lob vom Kanzler
Mit dem 32. Ball des Sports am 2. Februar 2002 ist der Stiftung Deutsche Sporthilfe in der Frankfurter Festhalle eine imponierende Premiere ihres gesellschaftlichen Großereignisses gelungen. Erstmals war Frankfurts "Gudd Stubb" der Dreh- und Angelpunkt für über 2.500 Gäste aus Sport, Politik, Wirtschaft und Medien, die bis in die frühen Morgenstunden auf 12.000 Quadratmetern ausgelassen feierten. Erstmals anwesend war Bundeskanzler Gerhard Schröder, der sich lobend über den Ball in der Finanzmetropole am Main geäußert hat: "Ich bin zwar kein großer Tänzer, aber der Ball gefällt mir hervorragend."
Um 19.08 Uhr betrat der Kanzler mit Gattin Doris Schröder-Köpf den Ballsaal. Er kam direkt vom Weltwirtschaftsforum aus New York und wies auf die eigentliche Bedeutung der Veranstaltung hin: "Was die Deutsche Sporthilfe seit Jahrzehnten an Aktivitäten leistet, ist absolut beispielhaft. Hinzu kommt, dass der Ball ein Beweis dafür ist, dass Staat und Wirtschaft gemeinsam für eine Sache einstehen," erklärte Schröder.
Die Stiftung Deutsche Sporthilfe konnte durch den Standortwechsel von Wiesbaden nach Frankfurt den Rekorderlös des Vorjahres von rund 1,29 Millionen Euro noch übertreffen. "Der Ball ist die erfolgreichste Benefiz-Veranstaltung Europas. Durch den Standortwechsel haben sich auch auf der Einnahmenseite neue Möglichkeiten ergeben," sagte der Vorstandsvorsitzende der Sporthilfe, Hans-Ludwig Grüschow, bereits im Vorfeld der Gala. Für den guten Zweck ließen sich die anwesenden Gäste nicht lumpen und kauften 21.000 Tombola-Lose zu je 20 Euro, mit denen unter anderem acht Autos wie ein Mercedes im Wert von 80.000 Euro, ein BMW M3 Cabrio im Wert von 70.000 Euro oder ein AUDI TT Roadster für 40.000 Euro zu gewinnen waren. Insgesamt gab es Preise im Wert von 800.000 Euro zu gewinnen, so wunderte es nicht, dass die 21.000 Lose bereits um 22.30 Uhr komplett ausverkauft waren.
Die Ball-Tickets, die für die Gäste 1.000 Euro kosteten, waren bereits Wochen vor der Veranstaltung restlos ausverkauft. Artisten aus dem Frankfurter Varieté Theater Tigerpalast begleiteten das von Starkoch Johann Lafer angerichtete "menu ŕ la minute" aus Millefeuille, Schaum von Gänsestopfleber, marinierten Rehrückenfilet, den Hauptgang mit "Steirischem Almochsenfilet in Thymiankruste" und Dessert. 160 österreichische Almochsen mussten zerlegt werden, 2.600 Riesengarnelen, 200 Liter Burgunder-Sauce wurden verarbeitet. Die Prominenz an Tisch 74 war dann auch wie die übrigen Festgäste des Lobes voll über die perfekte kulinarische Höchstleistung und die exzellente Logistik des Ballmenüs ("Das beste in den letzten 10 Jahren", sagten selbst notorische Meckerer.) Für den Bundesaußenminister stellte Johann Lafer extra einen Koch ab, der dem - gemeinsam mit Grünen-Chefin Claudia Roth - direkt vom Parteitag aus Fulda angereisten Feinschmecker und Fleischverweigerer Joseph Fischer eigens einen Fisch zubereitete.
Fischer wurde lange nach Mitternacht, als der Kanzler bereits abgereist war, in lockerer Stimmung und in angeregtem Plausch mit Springer-Vorstand Mathias Döpfner in der Sportler-Lounge gesehen; nach einem Tanz mit Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth war es ihm unmittelbar nach dem Verweigerungsbeschluss der Grünen zum Flughafenausbau eher nicht. Sicherlich einer der Höhepunkte des Abends war die Talkrunde der beiden Moderatoren Anne Will und Johannes B. Kerner, der trotz heißerer Stimme sportlich durchhielt, mit den Sportlegenden Toni Sailer, Mark Spitz, Edwin Moses, Gunda Niemann-Stirnemann und Boris Becker.
Auf der großen Bühne, wo zur Vorspeise Ballett-Artistik der russischen Schule vom feinsten zu goutieren war, zur Mitternacht die Oper Frankfurt Hits von Donizetti bis Verdi kredenzte, blieb Klassik Trumpf. Dafür bedarf es keiner großen Stars, denn "der Star ist der Sport, der Star sind die Menschen," so Tigerpalst-Chef Johnny Klinke, für den die hohe Qualität des Bühnenprogramms mit entscheidend für den großen Erfolg des 32. Ball des Sports war. Im hohen Kuppelsaal der Festhalle, möglicherweise dem imposantesten Ballsaal hierzulande, ist die Liste der Prominenten die wohl imposanteste der letzten Jahre. Mit Jürgen Schrempp und Henning Schulte-Noelle waren zwei der absoluten Top-Manager der deutschen Wirtschaft mit am Kanzlertisch, mit Theo Waigel und Hans-Dietrich Genscher zwei Dinosaurierer der Politik und des Ball des Sports im Umfeld und mit Friedrich Merz, Wolfgang Gerhardt und Roland Koch die Hoffnungsträger der Opposition in Reichweite.
Dass Box-Weltmeister Sven Ottke und Ehefrau Gabi mit Sohn Marc-Steffen den jüngsten Ballgast (fünf Wochen) im Kinderwagen mitbrachten, dass Sonya Kraus, Brigitte Nielsen und Harald Glöckler bei frühlingshaften Temperaturen vor dem Messe-City-Eingang für die 250 akkreditierten Journalisten in sehr offenherzigem Auftritt posieren konnten, dass ausgerechnet die Sekretärin von Ex-FAZ-Herausgeber Hugo Müller-Vogg den Hauptgewinn des Abends erzielte, dass Hamburgs Erster Bürgermeister, Ole van Beust, mit einem seiner Vorgänger, Henning Voscherau, gemeinsam für Olympia in Deutschland warben - so wie alle fünf Bewerberstädte mit einer eigenen Lounge vertreten waren - und dass Manfred Freiherr von Richthofen dem Bewerber Frankfurt riet, doch dringend die Verkehrsprobleme bis Olympia 2012 in den Griff zu bekommen (manche Gäste mussten fast eine halbe Stunde in einer Autoschlange vor der Messe-Vorfahrt warten) - dies alles sind die bunten Farbtupfer eines gesellschaftlichen Ereignisses, das zu den herausragenden europäischen Events zu zählen ist.
Den deutlich höheren Kosten in Frankfurt ("15 Meter Raumhöhe entsprechen einem Haus mit sechs Stockwerken," so der langjährige Chef fürs Ambiente beim Ball des Sports, Dieter Haupt aus Wiesbaden, der der Festhalle ein dezentes Make-up mit Lichteffekten verpasste und ihr die klassischen Attribute ihrer Jahrhundert-Achitektur optisch beließ) stehen auch deutlich höhere Erlöse entgegen. Es wäre schön für die Sporthilfe und ihre vielfältigen Aufgaben in der Sportlerförderung und -betreuung, wenn sich dies insgesamt auch positiv im Ergebnis niederschlägt.

Damit dieses Jahr etwas mehr Schwung reinkommt, wird auch außerhalb der Festhalle Programm geboten werden:
NOlympische Gruppen rufen zu einer KUndgebung gegen Olympia auf:


Olympia? Nein danke, es geht schon schlecht genug!

Die Propaganda der „Olympia2012 GmbH“ gaukelt uns ein Bild vor, das einen Gewinn für die Menschen in Frankfurt/RheinMain durch Olympia voraussagt. Das Gegenteil ist wahr! Bereits die Vorbereitung auf Olympia wird verheerende Folgen für Deine Lebensbedingungen und die Aller Menschen in Frankfurt und Umgebung haben! Hier ein paar Beispiele:

- Die Umweltzerstörung wird durch den Bau von Sportstätten, wie zum Beispiel des Wassersportzentrums, das Biotope und Naturschutzgebiete vernichten wird („Grüne Mitte“ in Maintal) und den verstärkten Ausbau der Infrastruktur (z.B. Flughafen), vorangetrieben.
- Die Stadt ist angeblich pleite – trotzdem ist scheinbar Geld, das für KiTas, Schulen sowie andere soziale und kulturelle Einrichtungen (Jugendclubs,...) dringend benötigt würde, für Großprojekte von mehr als zweifelhaftem Nutzen vorhanden.
- Wegen der nötigen Imagepflege der Stadt als Metropole und Olympiastadt wird die Vertreibung von „Randgruppen“ wie Punks, Drogenabhängigen oder Wohnsitzlosen aus den polierten Innenstadtbereichen weiter zunehmen. Alternative Wohnprojekte wie Bauwagenplätze werden noch stärker von Räumung bedroht sein.
- Die Erfahrungen in anderen Olympia-Städten zeigen: Mieten steigen, ganze Stadtviertel werden saniert und Wohnungen so für immer mehr Menschen unerschwinglich – sie werden vertrieben!

Dies alles passiert auch heute schon, aber mit Olympia als Motor wird diese zerstörerische Stadtpolitik stärker vorangetrieben.

Deshalb: Olympia v e r h i n d e r n !
Lass nicht zu, dass Dein Lebensraum zur Wüste wird!

Kundgebung und Happening – Am Samstag,
den 01.02.03 um 18.00 Uhr an der Festhalle/Messe

Info-Veranstaltung am Dienstag, 28.01. um 20 Uhr im Café ExZess, Leipzger Str.91, Ffm



BALL DES SPORTS „zum Wohle der Deutschen Spitzensportler“
in der Frankfurter Festhalle. Einlass 19.00 Uhr, Beginn 20.00 Uhr

Unter dem Motto „Olympische Welten“ findet am 1.Februar der 33.Ball des Sports in der Frankfurter Festhalle statt.
Gaststar der Mitternachts-Show, zu der 2.000 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Spitzensport und Prominenz erwartet werden, ist der Entertainer Udo Jürgens. Eine der begehrten Eintrittskarten kostet wie im Vorjahr 1.000 Euro, 400 Euro Spende zum Wohle der Deutschen Spitzensportler inklusive.
Neben dem Schirmherrn der Stiftung „Deutsche Sporthilfe“, Bundespräsident Johannes Rau, und Vertretern der Bundesregierung ist erstmals auch IOC-Präsident Dr. Jacques Rogge in die Festhalle eingeladen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) entscheidet 2005 endgültig, welche Stadt die Olympischen Spiele bekommt.
Letztes Jahr erzielte die erfolgreichste Benefiz-Veranstaltung Europas einen Reinerlös von 1,2 Millionen Euro.
Der „Ball 2003“ bietet den fünf Bewerberstädten noch einmal ein geeignetes Forum, sich mit ihrer Bewerbung bei den nationalen Entscheidungsträgern werbewirksam zu präsentieren. Sie haben jeweils 48 Sekunden Zeit, ihre Bewerbung für Olympia 2012 vorzustellen.

Zu diesem Anlass können wir uns ebenfalls äußern:
Lasst uns den Verantwortlichen direkt unsere Meinung zur Olympia-Bewerbung Frankfurt/RheinMains und die, über die Köpfe der Bewohner dieser Stadt und Region hinweg betriebenen Standortpolitik sagen! Heiße Getränke sind da!


Wir fordern:
> Verwendung der Spendengelder für den Breitensport und neue Schulsporthallen!
> Stoppt die Olympia-Bewerbung!
> Politik für eine lebenswerte Region statt für Profit und Prestige!

NO l y m p i a – Nie & Nirgends!
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Ergänzungen

Versuchts doch...

OlympJA GmbH 15.01.2003 - 14:38
Ihr werdet uns den Ball und Olympia erst recht nicht versauen. Ich als Geschäftführer der GmbH verdiene so gut an Olympia (auch jetzt schon) und die gesamten Unternehmer aus Rhein-Main stehen voll hinter uns. Ebenso wie unser geliebter Landesvater Roland Koch! Nehmt es nicht mit uns auf!
OlympJA! Frankfurt 2012 - Die Vision, das Brot und die Spiele!

Frankfurt RheinMain 2012 GmbH
Braubachstr. 33a
60311 Frankfurt a. M.

Ruf mich an!
Hotline:
069-2123 2012
Pressekontakt:
069-2123 4278

"Großes Potenzial zur Manipulation

FTD 15.01.2003 - 14:44
Großes Potenzial zur Manipulation

Financial Times Deutschland 15.11.2002

Wie Frankfurt versucht, sich mit einer merkwürdigen Studie gegenüber anderen deutschen Olympia-Bewerberstädten einen Vorteil zu verschaffen

Es ist ein aufregendes Leben, das Holger Preuß derzeit führt. Der 32-jährige Sportökonom ist heute, da sich viele Städte um die Austragung Olympischer Spiele bewerben, ein gefragter Experte. Momentan weilt er zu einem Vortrag in Lausanne, dem Sitz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), dort soll Preuß, der über den wirtschaftlichen Nutzen der Olympischen Spiele 1972 bis 1996 promovierte, über ökonomische Effekte einer Bewerbung referieren. Nächste Woche droht wieder grauer Arbeitsalltag: Seminare und Vorlesungen an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Es ist auch eine aufregende Studie, die Holger Preuß im Auftrag der Frankfurter Olympiabewerbung angefertigt hat, und die sein Co-Autor Heinz-Jürgen Weiss von der Frankfurter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young nun vorgestellt hat. Einen volkswirtschaftlichen Zusatznutzen für die Region Rhein-Main von maximal 5,1 Mrd. Euro weist das Papier aus, mindestens aber 2,4 Mrd. Euro. Dazu prognostiziert sie ein zusätzliches Bruttoinlandsprodukt in Deutschland in Höhe von 9,4 Mrd. Euro – allerdings nur, wenn Frankfurt die Spiele ausrichten darf. Auf die deutschen Konkurrenten Leipzig, Hamburg, Düsseldorf und Stuttgart, so die Autoren, seien diese Ergebnisse nicht ohne weiteres zu übertragen. Vorteil Frankfurt also im Rennen um die Gunst des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), das am 12. April 2003 über den deutschen Bewerber entscheidet?

Der Hamburger Wirtschaftsprofessor Wolfgang Maennig, Gutachter für die Evaluierungskommission des NOK in diesen Fragen, wundert sich jedenfalls, „dass diese Effekte ausschließlich für Frankfurt gelten sollen“. Schließlich seien die volkswirtschaftlichen Ausgangsvoraussetzungen der anderen Bewerber nahezu identisch – aber er lasse sich gerne belehren. Karl-Heinz Blumenberg vom Hamburger Olympiabüro findet dies ebenfalls „nicht nachvollziehbar“, auch kalkulieren die Hanseaten den Nutzen „eher konservativ, auf rund 3 Mrd. Euro“. Alles andere erscheint Blumenberg, „wenn der vorweihnachtliche Vergleich gestattet ist, als Spekulatius“.

Spekulation muss es vorerst auch bleiben. Denn so laut die Zahlen herausposaunt wurden, die Studie ist noch gar nicht fertig. „Lediglich das ganze Zahlenmaterial“, sagt Preuß, nur müsse dies noch in schriftliche Form gegossen werden. Mit anderen Worten: Momentan ist nichts zu verifizieren. „Eigentlich“, sagt Preuß, sollte die Untersuchung „erst im Dezember publiziert werden“. Doch heute befindet die Stadtregierung Frankfurts über die zweite Tranche der insgesamt 30 Mio. Euro teuren Bewerbung. Warum dieser Zeitpunkt? „Das kann man sich ja wohl ausrechnen“, sagt Preuß.

Nicht nur der Zeitpunkt, auch die Studie selbst wird argwöhnisch aufgenommen. Maennig etwa kann sich nicht vorstellen, dass die rund 2,5 Mrd. Euro, die eine Ausrichterstadt für die Spiele investieren müsste, viermal zurückkommen würden. „Ich bin da grundsätzlich sehr skeptisch“, sagt auch Bernd Frick, Wirtschaftsprofessor an der Universität Witten-Herdecke, „denn diese Studien stehen und fallen mit der Annahme.“ Und die meisten Modelle in dieser Richtung seien nun einmal zu optimistisch. Für Frick, das lässt der Ökonom deutlich durchblicken, besitzen die Frankfurter Zahlen Luftschloss-Charakter. „Meistens“, sagt er, „lohnen sich diese Großveranstaltungen nicht.“

Noch andere Dinge stoßen merkwürdig auf. Nicht nur, dass Autor Weiss gleichzeitig als Chef der Frankfurter Bewerbung fungiert, auch Sportökonom Preuß hat, wie er freimütig bekennt, „mit der Bewerbung immer viel zu tun gehabt“. Unabhängigkeit ist also nicht gerade die Stärke dieses Papiers. Eher hat sie den Charakter eines PR-Papiers. „Wir mussten etwas zur Wirtschaftlichkeit sagen“, beschreibt Preuß den Ausgangspunkt, „aber eine Bewerbungs-GmbH kann ja keine eigene Studie schreiben.“ Offiziell ist sie deswegen von Ernst & Young und von der Sporthochschule in Köln erstellt worden. Was hat sie gekostet? „Den Steuerzahler null“, sagt Preuß. „Ich bin dafür von der Sporthochschule freigestellt worden.“ Pikant: Die Sporthochschule unterstützt offiziell den Konkurrenten Düsseldorf. Auch an dem Umstand, dass er gleichzeitig bei der laufenden Bewerbung für Budapest 2012 als Berater tätig ist, scheint sich Preuß nicht zu stören.

Pikant ist zudem, wie Preuß vor zwei Jahren reagierte, als Maennig in einer Rezension für die Zeitschrift „Sportwissenschaft“ seine Doktorarbeit zu hinterfragen wagte. Preuß ringe sich nicht zu einer „integrierten Kosten-Nutzen-Analyse“ durch, kritisierte Maennig. Daraufhin schickte Preuß potenziellen Rezensenten Briefe mit einer „Stellungnahme zu diesen unbegründeten Anmerkungen“, und rechtfertigte sich wie folgt: „Im Nachhinein ist es sehr schwer, ja nahezu unmöglich, eine Kosten-Nutzen-Analyse zu erstellen, die nicht an unzähligen Stellen angegriffen werden könnte. Das Potenzial zur Manipulation und der Mangel an Daten sind so groß, dass ich mich ausdrücklich dagegen verwehre, die gesamten Spiele durch eine derartige Analyse bewerten zu sollen.“

Wie aber, fragt man sich nun, ist eine exakte Prognose möglich, wenn nicht einmal die Vergangenheit genau rekonstruiert werden kann?