Warum wir nicht am Weltsozialforum teilnehmen werden
Das "Movimiento Piquetero de Pié" aus Argentinien hat das französisch/spanische anarchistische Internetprojekt LA HAINE zur Teilnahme an einer Arbeitsgruppe zum Thema Kommunikation auf dem Weltsozialforum 2003 (WSF) in Porto Alegre eingeladen. In einem offenen Brief unterzieht LA HAINE Veranstaltungen vom Schlag des WSF einer Kritik und begründet, warum sie daran unter keinen Umständen teilnehmen werden.
[Antwort von LA HAINE auf die Einladung des "Movimiento Piquetero de Pié, an einer Arbeitsgruppe zum Thema Kommunikation auf dem Weltsozialforum 2003 (WSF) in Porto Alegre teilzunehmen]
Genossen von Barrios de Pie,
Wir freuen uns über eure Einladung am Weltsozialforum in Porto Alegre teilzunehmen, aber wir können Sie nicht annehmen.
Wir werden nicht zum WSF gehen, weil wir nicht an dessen Voraussetzungen und Grundlagen glauben.
Wir glauben nicht an die Möglichkeit eines "Dritten Weges", der weder Kapitalismus noch Sozialismus sein soll und auch nicht an eine bessere Welt durch einen "Neuen Kapitalismus", der "humaner und solidarischer" sein soll, damit die Globalisierung "zivilisierter und humaner" wird.
Wir glauben nicht daran, dass - wie auf dem letzten WSF gesagt wurde - eine "zweite Phase" der Globalisierung notwendig ist weil "die erste Phase ... viel Armut und soziale Ungleichheit erzeugt hat, weil sie die sozialen Aspekte kaum berücksichtigt hat".
Wir glauben nicht an ein Forum, dass neben anderen Gestalten durch den Direktor von Le Monde Diplomatique und Präsidenten von ATTAC Frankreich, Bernard Cassen, organisiert wird, die diesen Forum dazu benutzen, das "neue" politische Konzept der "organisierten internationen Zivilgesellschaft" durchzusetzen, in der es keine Unterschiede zwischen ArbeiterInnen und Bossen gibt.
Wir glauben nicht an ein Forum, dass weder baskische noch kubanische Gruppen einlädt, keine Intelektuellen wie James Petras oder KämpferInnen wie die Mütter der Plaza de Mayo oder die kolumbianische FARC, stattdessen aber französische Minister, Verfolger politischer Strömungen wie den spanischen Richter Baltasar Garzón und Mitglieder der brasilianischen Regierung.
Wir glauben nicht daran, dass "die gewählte Demokratie gestärkt werden" müsse, wie in der Abschlusserklärung des letzten WSF vorgeschlagen.
Wir glauben nicht daran, dass für die "Abschaffung der Auslandsverschuldung" einer Übereinkunft mit den Gläubigern erzielt werden muss, wie das WSF nahelegt.
Wir glauben nicht daran, dass man eine Grußbotschaft des UN-Generalsekretärs, Kofi Annan, an das letzte WSF als "Erfolg" bezeichnen kann, in der dieser feststellte, dass die "Zivilgesellschaft" sich bereithalten müsse, "gemeinsam für eine Wandel zu arbeiten, statt eine indifferente und zweideutige Haltung hinsichtlich einer Politik der Konfrontation einzunehmen".
Wir glauben an das, was im Manifest der jungen brasilianischen Antikapitalisten während des Camps gegen das erste WSF gesagt wurde: "Eine andere Welt ist nur dadurch möglich, dass ... der Kapitalismus zerstört wird".
Wir glauben an die Selbstverwaltung, die Dezentralisierung, die direkte Demokratie und die Autonomie als Antwort auf das Gewaltmonopol, die Information, die Kultur und die Verwaltung des Reichtums, derer sich derzeit der Imperialismus bedient. Wir glauben daran, dass der Aufstände nicht "terroristisch" sind, terroristisch ist vielmehr die staatliche Repression gegen sie. Wir glauben daran, dass der Wandel hin zu einer ökologischeren, feministischeren und solidarischeren Welt radikal sein muss.
Wir wissen, dass Initiativen wie das WSF nicht mehr sind, als eine Antwort der globalisierten Sozialdemokratie und des linken Flügels des Kapitals um die Einstellungen von Oppositions- und Widerstandsbewegungen einzudämmen. Bewegungen, die für das System sehr wohl beunruhigend sind und die durch die reformistischen Pole, in denen sich das Schlechteste der neoliberalen europäischen Sozialdemokratie versammelt hat, zum Schweigen gebracht werden sollen, während "politisch unkorrekte" Optionen an den Rand gedrängt und aus dieser wohlmeinenden sog. "Antiglobalisierung" ausgeschlossen werden sollen.
Wir sind ein Planet von Schafen, die von einem Rudel Wölfe behütet werden, für die wir nicht mehr sind, als das Mittel zur Befriedigung eines immerwährenden Hungers. Das WSF erweckt den Eindruck, als wäre es möglich, diese Realität so zu ändern, dass daraus eine kooperative und gleichwertige Beziehung zwischen Gleichen wird. Eine Sache, die der Natur der Wölfe völlig entgegengesetzt ist.
Wir behaupten, dass die Natur der Wölfe so ist, wie sie ist, dass diese nun mal Fleischfresser sind und dass sie deshalb nicht damit aufhören werden, sich von uns zu ernähren, solange sie existieren. Wir können deshalb nicht an diesen Foren teilnehmen, weil diese - bewußt oder nicht - im Austausch für ein wenig Teilhabe am neokapitalistischen Besäufnis mit den Unterdrückern zusammenarbeiten.
Wir kennen diese für das System notwendige Rolle der Lähmung von Widerstand durch Versprechungen mehr als zur Genüge. Versprechungen, die bestenfalls darauf hinaus laufen, dass sich tatsächlich absolut keine der Ungerechtigkeiten ändert, gegen die wir kämpfen.
Da dies so ist und da wir aus Überzeugung einen politischen Weg verfolgen, der von demjenigen der Repäsentanten des WSF grundsätzlich verschieden ist, können wir nicht anders als eure liebenswerte Einladung ablehnen und stattdessen weiter für eine Menschheit frei von Unterdrückern zu kämpfen.
Wir sind aber jederzeit bereit, über neue Organisationsformen und Treffen außerhalb dieser Struktur zu diskutieren, die sich anfangs als hoffnungsvolle Idee darstellte, heute aber wie viele andere auch durch eine Politik der Versöhnung absorbiert ist.
Da auf dem WSF die Teilnahme verschiedener Organisationen verboten wurde, weil man sie als nicht "respektabel" und "tolerant" ansieht, hat auch La Haine, die wir ebenfalls nicht in dieses Modell passen, dort nichts zu suchen.
Einen solidarischen Gruß an den mutigen Kampf der argentinischen Bevölkerung
La Haine
http://www.lahaine.org/
Genossen von Barrios de Pie,
Wir freuen uns über eure Einladung am Weltsozialforum in Porto Alegre teilzunehmen, aber wir können Sie nicht annehmen.
Wir werden nicht zum WSF gehen, weil wir nicht an dessen Voraussetzungen und Grundlagen glauben.
Wir glauben nicht an die Möglichkeit eines "Dritten Weges", der weder Kapitalismus noch Sozialismus sein soll und auch nicht an eine bessere Welt durch einen "Neuen Kapitalismus", der "humaner und solidarischer" sein soll, damit die Globalisierung "zivilisierter und humaner" wird.
Wir glauben nicht daran, dass - wie auf dem letzten WSF gesagt wurde - eine "zweite Phase" der Globalisierung notwendig ist weil "die erste Phase ... viel Armut und soziale Ungleichheit erzeugt hat, weil sie die sozialen Aspekte kaum berücksichtigt hat".
Wir glauben nicht an ein Forum, dass neben anderen Gestalten durch den Direktor von Le Monde Diplomatique und Präsidenten von ATTAC Frankreich, Bernard Cassen, organisiert wird, die diesen Forum dazu benutzen, das "neue" politische Konzept der "organisierten internationen Zivilgesellschaft" durchzusetzen, in der es keine Unterschiede zwischen ArbeiterInnen und Bossen gibt.
Wir glauben nicht an ein Forum, dass weder baskische noch kubanische Gruppen einlädt, keine Intelektuellen wie James Petras oder KämpferInnen wie die Mütter der Plaza de Mayo oder die kolumbianische FARC, stattdessen aber französische Minister, Verfolger politischer Strömungen wie den spanischen Richter Baltasar Garzón und Mitglieder der brasilianischen Regierung.
Wir glauben nicht daran, dass "die gewählte Demokratie gestärkt werden" müsse, wie in der Abschlusserklärung des letzten WSF vorgeschlagen.
Wir glauben nicht daran, dass für die "Abschaffung der Auslandsverschuldung" einer Übereinkunft mit den Gläubigern erzielt werden muss, wie das WSF nahelegt.
Wir glauben nicht daran, dass man eine Grußbotschaft des UN-Generalsekretärs, Kofi Annan, an das letzte WSF als "Erfolg" bezeichnen kann, in der dieser feststellte, dass die "Zivilgesellschaft" sich bereithalten müsse, "gemeinsam für eine Wandel zu arbeiten, statt eine indifferente und zweideutige Haltung hinsichtlich einer Politik der Konfrontation einzunehmen".
Wir glauben an das, was im Manifest der jungen brasilianischen Antikapitalisten während des Camps gegen das erste WSF gesagt wurde: "Eine andere Welt ist nur dadurch möglich, dass ... der Kapitalismus zerstört wird".
Wir glauben an die Selbstverwaltung, die Dezentralisierung, die direkte Demokratie und die Autonomie als Antwort auf das Gewaltmonopol, die Information, die Kultur und die Verwaltung des Reichtums, derer sich derzeit der Imperialismus bedient. Wir glauben daran, dass der Aufstände nicht "terroristisch" sind, terroristisch ist vielmehr die staatliche Repression gegen sie. Wir glauben daran, dass der Wandel hin zu einer ökologischeren, feministischeren und solidarischeren Welt radikal sein muss.
Wir wissen, dass Initiativen wie das WSF nicht mehr sind, als eine Antwort der globalisierten Sozialdemokratie und des linken Flügels des Kapitals um die Einstellungen von Oppositions- und Widerstandsbewegungen einzudämmen. Bewegungen, die für das System sehr wohl beunruhigend sind und die durch die reformistischen Pole, in denen sich das Schlechteste der neoliberalen europäischen Sozialdemokratie versammelt hat, zum Schweigen gebracht werden sollen, während "politisch unkorrekte" Optionen an den Rand gedrängt und aus dieser wohlmeinenden sog. "Antiglobalisierung" ausgeschlossen werden sollen.
Wir sind ein Planet von Schafen, die von einem Rudel Wölfe behütet werden, für die wir nicht mehr sind, als das Mittel zur Befriedigung eines immerwährenden Hungers. Das WSF erweckt den Eindruck, als wäre es möglich, diese Realität so zu ändern, dass daraus eine kooperative und gleichwertige Beziehung zwischen Gleichen wird. Eine Sache, die der Natur der Wölfe völlig entgegengesetzt ist.
Wir behaupten, dass die Natur der Wölfe so ist, wie sie ist, dass diese nun mal Fleischfresser sind und dass sie deshalb nicht damit aufhören werden, sich von uns zu ernähren, solange sie existieren. Wir können deshalb nicht an diesen Foren teilnehmen, weil diese - bewußt oder nicht - im Austausch für ein wenig Teilhabe am neokapitalistischen Besäufnis mit den Unterdrückern zusammenarbeiten.
Wir kennen diese für das System notwendige Rolle der Lähmung von Widerstand durch Versprechungen mehr als zur Genüge. Versprechungen, die bestenfalls darauf hinaus laufen, dass sich tatsächlich absolut keine der Ungerechtigkeiten ändert, gegen die wir kämpfen.
Da dies so ist und da wir aus Überzeugung einen politischen Weg verfolgen, der von demjenigen der Repäsentanten des WSF grundsätzlich verschieden ist, können wir nicht anders als eure liebenswerte Einladung ablehnen und stattdessen weiter für eine Menschheit frei von Unterdrückern zu kämpfen.
Wir sind aber jederzeit bereit, über neue Organisationsformen und Treffen außerhalb dieser Struktur zu diskutieren, die sich anfangs als hoffnungsvolle Idee darstellte, heute aber wie viele andere auch durch eine Politik der Versöhnung absorbiert ist.
Da auf dem WSF die Teilnahme verschiedener Organisationen verboten wurde, weil man sie als nicht "respektabel" und "tolerant" ansieht, hat auch La Haine, die wir ebenfalls nicht in dieses Modell passen, dort nichts zu suchen.
Einen solidarischen Gruß an den mutigen Kampf der argentinischen Bevölkerung
La Haine
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Ergänzungen
Eigene Arbeitsgruppen?
Achso
Damit dürfte meine Frage wohl beantwortet sein.
Fuck Attac
Disobedientes waren schlauer
Was aber Sektierertum und Kampf gegen andere (statt Kampf FÜR etwas) mit libertären Ideen zu tun haben, ist mir schleierhaft. Scheint so, als wenn einige derer, die sich Anarchisten nennen, verkappte Kommies sind.
Es werden hoffentlich genügend linke und anarchistische Gruppen beim WSF sein, um Einfluss auszuüben.
Eventuell hilft es wenn mensch, so wie ich, in einem relativ kleinen Ort wohnt, wenn ich hier was bewegen will, muß ich mit Leuten zusammenarbeiten die aus Kirchengruppen kommen, aus der Solzialarbeit und mit der Verwaltung, das gibt mir eine Sicht auf WSF und Attac im Kleinen!
Wenn ich mich hierbei auf meine Position beschränken würde, wäre ich ein Einzelkämpfer ohne Chance wirklich etwas zu bewegen.
Und noch eine Anmerkung: Ich bin immer wieder erstaunt wie gut viele Leute informiert sind, die z.B. aus kirchlichen Grppen kommen oder aus der Umweltbewegung, da wo bei uns immer noch Parolen und Ausgrenzung vorherrschen schaffen es diese "ExpertInnnen im Kleinen", gute Projekte aufzubauen und regional eine Menge zu bewegen.
Wir können natürlich weiterhin warten bis uns die Massen ernst nehmen, daß werden sie aber nie alleine dadurch, daß sie uns in kleinen Gruppen und müde Parolen grölend durch die Städte ziehen sehen. Warum gibt es denn von unseren Gruppen soviel Kritik an Attac, am WSF, an Entwicklungszusammenarbeit und Umweltgruppen aber kaum Ansätze wirklich einmal selber was zu machen?
Ich habe jedenfalls für eine "spießige" Oma die sich jeden Tag damit beschäftigt für die örtliche Tafel die Armen dieses Landes zu versorgen mehr Respekt als für viele der in der Linken versammelten Theoretiker.
Wir können voneinander eine ganze Menge lernen, viele andere sind bereit uns zuzuhören und mit uns zusammenzuarbeiten, warum also sehen wir uns weiterhin als die Creme de la Creme der Gesellschaft und denken der Rest hätte keine Ahnung?
Das sind doch keine Konzepte!
Aber mal Spass beiseite. Wenn Menschen einen "Dritten Weg" vorschlagen, weil sie realistisch das Beste für die ganze Menschheit erreichen wollen, find ich das OK. Denn in einer Welt, in der man weniger stark kapitalistischen Verwertungszwängen unterworfen ist, bleibt mehr Energie, sich weiter zu emanzipieren.
Unser Feind steht nicht irgendwo in der Linken - er steht rechts und/oder ist neoliberal!
Diesen eigentlich gar nicht so linken Reflex, ohne eigene Konzepte alles nicht radikal-revolutionäre gleich zu dissen, find ich jedenfalls scheisse!
La Haine sagt nur wie's ist
was haben sie davon?
naja, vielleicht ist es ja auch kein großer verlust ...
schwach
die avantgarde bleibt exclusiv!
damit´s auch alle vermuten
wen interessiert´s?
wem nützt es?
wer hat jetzt weniger probleme das ding zu dominieren?
erst denken, dannn beschließen
hoch lebe die scmollecke!
hoch lebe der weg des geringsten widerstandes!
WSF
Trotzdem ist es wichtig und richtig mit den ganzen Sud-Amerikanischen Gruppen, den Basis aktiven ob bei attac oder einer Umweltgruppe weiter Internationalen widerstand zu Organisieren.
Wer glaubt es ist nicht möglich diese menschen zu verändern, wie will die es dann schaffen diese Geselschaft zu verändern.
wie
ist doch klar , dass sich da die 'arbeiteraristokratie' trifft
und ne einladung ist auch noch nötig
das hört sich sehr nach geschlossener gesellschaft an
da bleibt nun die frage , wer hier selektiert und ausGRENZT
Ziel?
Außerdem solltet ihr vielleicht ein wenig von eurem etwas weltfremden Menschenbild abrücken; wir sind nicht alle entweder Schafe oder Wölfe.
MfG
bevor ich nach brasilien flieg...
just my 2 pence