D20 Aktionen in Tübingen

Ma Tee 21.12.2002 13:21 Themen: Globalisierung
Am Freitag Morgen wurde vor dem Gebäude der "Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft" ein Gedenkstein für die Opfer der Marktwirtschaft aufgestellt (siehe  http://www.indymedia.de/2002/12/37402.shtml).
Am Nachmittag trafen sich ehemalige Beschäftigte des Tübinger Textilunternehmens Egeria und UnterstützerInnen, sowie BewohnerInnen verschiedener Studentenwohnheime, insgesamt ca. 50 Personen, um gemeinsam ihren Protest mit einem Cacerolazo-Topfschlagen auf die Straße zu bringen.
Danach wurde auf dem Holzmarkt der Kanal-B-Film über Argentinien gezeigt.
Zwischendurch trugen zwei Musikanten dem Weihnachtskonsumpublikum Kriegslieder vor.
In den letzten Tagen und Wochen hat es im Raum Tübingen viel Anlass zu Protesten gegeben:
Abbau von Arbeitsplätzen in verschiedenen Betrieben; Privatisierung am Klinikum (Gründung einer Service GmbH, dort fand am Donnerstag eine Protestveranstaltung statt, vgl. auch Soli-Redebeitrag des social-forums unter www.social-forum.de); teilweise massive Erhöhungen von Mieten in Tübinger Studentenwohnheimen (in einem Wohnheim 79 Euro mehr im Monat, verursacht auch durch Kürzung von Zuschüssen durch das Land Baden Württemberg);...

Die ehemaligen Beschäftigten von Egeria, haben noch immer ihren Lohn nicht erhalten (vgl.  http://www.de.indymedia.org/2002/11/32939.shtml). Gestern zogen einige Egeria-ArbeiterInnen und UnterstützerInnen sowie BewohnerInnen verschiedener Studentenwohnheime ausgerüstet mit Töpfen und Kochlöffeln gemeinsam vom Clubhaus zum Lustnauer Tor. Dort wurde die Straße mehrmals kurzzeitig blockiert und die Filiale der Deutschen Bank besucht, die am Insolvenzverfahren beteiligt ist, und der gegenüber die Egeria-Beschäftigten auch ihre Forderung nach Auszahlung der Löhne stellen. Studis und EgerianerInnen machten in Flugblättern auf ihre Situation aufmerksam. Durch das Topfschlagen wurde viel Aufmerksamkeit erregt, die Aktionsform kam bei PassantInnen insgesamt ziemlich gut an... und hat allen Beteiligten sehr viel Spaß gemacht!!!

Danach zog die unangemeldete Demonstration noch durch die Stadt zum Holzmarkt, wo von Musikanten Kriegslieder vorgetragen und Spenden für den Krieg gesammelt wurden...

Anschließend wurde der Kanal B-Film über Argentinien gezeigt, und trotz einsetzendem Regen hat er doch noch das Interesse einiger PassantInnen gefunden, die sich dazu an heißem Mate wärmen konnten...


Spruch auf dem Transparent:
Egeria-Arbeiter: Es ist nie zu spät! Egal ob Deutsche Bank, Kock oder Insolvenzverwalter: Sofortige Auszahlung unseres Geldes!
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Ergänzungen

Schad

Mein Neme 23.12.2002 - 01:54
Hab ich gar nix von mitgekriegt, macht sowas doch bekannt

augen auf

hhh 23.12.2002 - 12:52
es gab viele flyer, plakate, mails. und am donnerstag einen film über argentinien in der zelle.
komisch, zu sagen, es soll bekannt gemacht werden...
nächschtes mal wohl augen besser auf!?

übrigens heute ein wunderbarer artikel im schwäbischen tagblatt über die aktionen, mit foto...

Stadtverkehr umsonst

Erhöhtes Beförderungsentgelt nixda 27.12.2002 - 13:39
Am letzten Wochenende vor Weihnachten tauchten im ganzen Stadtgebiet Tübingen an den Bushaltestellen orangefarbene Zettel mit Änderungshinweisen auf. Der Text lautete:

"Weihnachtszeit ist Geschenkezeit!

Bitte beachten Sie: am 4. Adventswochenende können Sie mit allen Bussen des Tübinger Stadtverkehrs gratis fahren.

Dies gilt für den 21. und 22. 12. bis Betriebsschluss und schließt auch die Nachtbusse ein."

Wir können nicht beurteilen, wie viele TübingerInnen dieser freundlichen Aufforderung nach kamen. Wahrscheinlich haben sich jedoch zumindest interessante Diskussionen zwischen BusfahrerInnen und KundInnen ergeben ("Stimmt das denn wirklich?").

Aktionen dieser Art sollten unserer Meinung nach viel öfter stattfinden. Die überteuerten Preise für den ÖPNV kann mensch ja so nicht hinnehmen, geschweige denn die der Deutschen Bahn. Gerade mit der im GATS-Abkommen vorgesehenen Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen dürften die Kosten für Transport und andere lebensnotwendigen Dienste immer mehr steigen und nur noch für diejenigen Menschen mit dickem Geldbeutel erschwinglich sein.

ÖPNV umsonst!