Berlin: Tag des sozialen Protests 19.12.

Umbruch 20.12.2002 00:49 Themen: Globalisierung Soziale Kämpfe
Zum Tag des sozialen Protests anläßlich des Jahrestages des Aufstands in Argentinien fanden in Berlin mehrere Aktionen am 19. Dezember statt. Heute am 20. Dezember geht es weiter, abschließend mit einem argentinischen Tango auf dem Potsdamer Platz.
Es begann bereits frühmorgens um 10 Uhr vor dem Sozialamt Neukölln. Der Behörde wurde mit Chopins Trauermarsch der Wanderpokal des miesesten Sozialamts der Republik verliehen. Es folgten zahlreiche weitere Aktionen.
Nachmittags wurde zum Beispiel vor der teilprivatisierten Berlinwasser (RWE und Vivendi/ Universal) die Wasserprivatisierung in Berlin und Argentinien thematisiert und für fünf Minuten der PersonalService Agentur (PSA) perdie.net ein Besuch abgestattet.
Um 15 Uhr kam der Investor vor das Universal Music Gebäude an der Oberbaumbrüpcke und wurde freudig begrüsst. Mit sich euphorisch ihm anbietenden Leiharbeitern zog er über die Warschauer Strasse, bis er schließlich von TomatenwerferInnen vertrieben wurde.
Den krönenden Abschluß bildete der Weihnachtsrundlauf auf dem Alexanderplatz, auf dem das Sozialdenkmal der leeren Öffentlichen Hände vor dem Gebäude der Bankgesellschaft, in dem die Sparkasse weilt, enthüllt wurde. - Morgen gehts weiter.

D19 in Berlin: Der Investor kommt:  http://de.indymedia.org/2002/12/37315.shtml
Berlin: Preisverleihung vorm Sozialamt Neukölln:  http://de.indymedia.org/2002/12/37280.shtml
Global Action Day in Köln:  http://de.indymedia.org/2002/12/37325.shtml
indymedia.de Feature:  http://de.indymedia.org/2002/12/37264.shtml
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Ergänzungen

Ähm

Tja 20.12.2002 - 11:50
Komisch, mittlerweile sind ja in jeder Provinzstadt mehr Leute bei solchen Aktionen auf der Straße als in Berlin. Vielleicht sollten sich mal viele berliner Linke langsam Gedanken machen über ihr arrogantes, überhebliches und besserwisserisches (eben typisch deutsch, und das trifft genauso auf die antideutschen zu...) Verhalten. Dann kommen bestimmt auch wieder mehr Leute zu den Demos und Aktionen. An die, die das organisiert haben: Weida so!!! GLOBAL SOLIDARITY INSTEAD OF GLOBAL CAPITALISM!!!

@ähm

hher 20.12.2002 - 12:46
"über ihr arrogantes, überhebliches und besserwisserisches"

Son Quatsch! Das die Berliner Linke darniederliegt mag viele Gründe haben, der isses nich. "arrogant, überheblich und besserwisserisch" waren unsere Berliner Genossinen schon immer. Der Nabel der Autonomen eben. Und wir fanden es stark, sind sie gerne besuchen gefahren und die Bewegung war groß und so weiter. Die Kritik mit Arroganz trifft doch auf jede Kleinstadtantifa genauso zu, wie auf die AAB. Theorielinke Schwätzer gibts auch in Schwerte oder Porta Westfalica nicht nur in der FU. Das Problem in Berlin ist vielmehr, dass es keine gemeinsamen Projekte mehr gibt und stattdesen die Gräben immer mehr vertieft werden. Bündnisse brauchen aber ein mindestmaß an gegenseitigem Respekt.

Gute Aktionen, aber...

Was los in Berlin? 20.12.2002 - 13:02
Es waren allesamt schöne Aktiönchen, vor allem die Investorsache war ein echter Reißer. So viel Spaß und Satire auf einer linken Demo ist hier absolute Seltenheit. Danke an die OrganisatorInnen! Aber: Was läuft hier z.Z. überhaupt noch? Bei den Aktionen waren vielleicht insgesamt 200 - 250 Leute(positiv geschätzt). Das ist ein echter Diskussionsgrund für uns alle!!! In dieser Stadt sind viele Leute mittlerweile entweder total abgegessen von "der" Szene oder kriegen ihren Arsch nicht hoch. Außerdem sollte die Kommuikation, sprich Ankündigungen von Treffen oder die Aktionstermine nicht nur immer im selben Kreis oder gar nur über Idymedia verbreitet werden. Bei der Infoflut kann mensch davon ausgehen, dass nicht jede(R) Lust hat, sich durch Idymedia durchzuwühlen!!! Also erstens kritische Betrachtung unserer Verfassung(der "linken, autonomen, anarchistischen Szene Berlins) nicht erst zum nächsten 1. Mai!!! 2. Mehr offene Werbug, Information und zum Teil auch Struktur, sonst kommt bald gar keine(R) mehr!!!

wg. Diskussion

egal 20.12.2002 - 14:19
"Mehr offene Werbug, Information und zum Teil auch Struktur, sonst kommt bald gar keine(R) mehr!!!" - da muss ich dir leider erstmal wiedersprechen, denn wir haben seit Anfang November dafür mobilisiert und zwar zu OFFENEN Vorbereitungstreffen. Es kamen immer so 1-2 Leute. Dabei haben wir echt grossflächig FLYER verteilt (vor einem Treffen über 500), es gab echt viel Werbung, ausser Plakate kamen ziemlich spät, aber - gedankensprung - vielleicht liegt es eher daran, dass wir nichteinmal mehr miteinander reden?! So etwas lebt doch auch vom weitersagen, sich zusammentun und nette Dinge planen - nicht vom "oh, ist ja schön, da machen welche was...". zum anderen punkt kann ich dir nur zustimmen, doch auch dazu gab es ja schon viele Versuche.

ich weiss auch nicht... vielleicht hau ich ja ab nach Argentinien
*grriiinns*

video zur aktion "der investor kommt":

20.12.2002 - 15:25

Zu den ersten Kommentaren

Zugezogener 20.12.2002 - 18:12
Diese Beobachtung ist falsch. In Berlin sind vielleicht bestimmte Gruppen dominant und überheblich - diese beteiligen sich aber sowieso nicht an solchen Aktionen.
Gründe für die geringe Teilnahme gibt es viele:
- Die Linke in Berlin ist sehr klein - es gibt vielleicht 500 oder 600 aktive Menschen.
- Die meisten Mitläufer gehen nur auf Demos, die "ihre" Gruppe mit unterstützt.
- Jede Bewegung hat einen aktiven und einen eher passiven Teil. Die meisten aktiven Leute Berlins sind a) aus Berlin weggezogen, b) in anderen Ländern aktiv (viele in Lateinamerika) und c) in festen Strukturen eingebunden (EA, linke Läden, Medienprojekte, Netzwerk etc) - Resultat: Es gibt zuwenig Leute, die Aktionen vorbereiten helfen, Plakate finden sich nur zu Großveranstaltungen, die von den eher dogmatischen und besser organisierten Gruppen vorbereitet werden (1.Mai, LL-Demo, Silvio-Meier-Demo) Hier nehmen zwischen 1000 und 10000 Leute teil.
- Berlin hat einen ziemlich krassen Genartionsbruch in der Linken. Viele von den Jüngeren sind noch sehr unerfahren und sind zum gewissen Teil auch Zugezogene, die sich in der Stadt wenig auskennen.

22.12.2002 - 05:11
Deine Beobachtungen sind zum Teil ebenfalls falsch.
Hier ist man verwöhnt und saturiert,Häuserkämpfe und andere Projekte wozu...es gibt schon jede Menge davon.
Es gibt nicht nur eine Linke Szene,es gibt hier deren gleich zwei.Eine im Osten,eine im Westen.Beide haben so gut wie keine Berührungspunkte,die bearbeiteten Themen sind anders,die herangehensweise ist anders,die Kritikfähigkeit ist ebenso wie die angewandte Sprache ebenfalls zweigeteilt.
Demonstrativ stellen sie einem Wessi die Clubcola vor die Nase,obwohl sie genau wissen das dieser Mensch Coca oder Africola trinkt,das nur als Beispiel.
Zudem haben die älteren einfach kein Bock mehr sich von hirnlosen Idiotenkids von RIM oder Linksruck anprollen zu lassen,so bleiben die Erfahrungen dann eben bei denen die sie schon gemacht haben und die anderen,weil sie erst gar nicht zuhören,machen diese Fehler halt erneut.
Wenn es ein richtiges Knallerthema gibt,dann bekommt man auch problemlos Hunderttausend auf die Straße

über mir

anarchia si 22.12.2002 - 18:25
also ich kann dir nicht zustimmen. so war es vielleicht 1992 gewesen aber nicht heute. seit 2 oder 3 jahren sind nur noch fragmente übrig. die maximal mobilisierbare zahl für antikapitalistische liegt bei vielleicht 1500 leuten und wenn man noch parteikommunisten abzieht, kommt man vielleicht auf maximal 800 bsi 1000 mögliche leute, die möglich sind. (und die letzte dieser größe war vor mehr als einem jahr)
ich stimme dem zugezogenen größtenteils zu, auch wenn teilweise genauer argumentiert werden müsste.

schön

nero 22.12.2002 - 20:07
schöne aktion.
ich komme aus dem randgebiet von berlin und dahin ist davon nichts vorgedrungen. auch wenn die teilnehmerInnen nur wenige wart, laßt euch nicht entmutigen!