Steinigung

TAZ 17.12.2002 22:24
Außenministerium verteidigt sich ...
Außenministerium verteidigt sich

BERLIN taz Das Außenministerium weist Vorwürfe zurück, dass die Regierung sich nicht für Opfer von Steinigungen einsetze. Aus Anlass des Tages der Menschenrechte hatte unter anderen das Internationale Komitee gegen Steinigung auf vier Frauen im Iran aufmerksam gemacht, die ihre Steinigung erwarteten. Aus Deutschland käme im Gegensatz zu anderen Ländern kein Protest, so die Vorsitzende, Mina Ahadi, auf einer Veranstaltung in Berlin. Im Außenministerium hieß es dazu, dass Minister Fischer mit seinem iranischen Kollegen "offen auch über Menschenrechtsfragen" gesprochen habe. Mit Schlagzeilen würde man weniger bewirken als mit Sachpolitik im Hintergrund.
"OES
taz Nr. 6928 vom 12.12.2002, Seite 7, 24 Zeilen (TAZ-Bericht), OES


 http://www.taz.de/pt/2002/12/12/a0084.nf/text
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Ergänzungen

passendes Zitat

zitator 17.12.2002 - 22:56
Als Anfang 1979 im Iran die islamische Revolution losbrach, glaubte er, ein Zeichen von den himmlischen Heerscharen erhalten zu haben. "Es ist schon eigentümlich, ja für meine 'linke Revolutionstheorie' fast umstürzend, wenn ich miterlebe, wie einer der mächtigsten und sichersten, weil brutalsten und reichsten Diktaturen von Amerikas Gnaden binnen eines Jahres durch eine revolutionäre Massenbewegung ohne Waffen bis ins Mark erschüttert wird. Weiter noch, daß diese Bewegung religiöse Ziele verfolgt, ihre Ideologie nicht in einem nationalrevolutionären Marxismus, sondern im Islam findet und deren Kader und Führer sich aus der Priesterschaft rekrutieren." Fischer imponierte die "Glaubenskraft" der persischen Mullahs derart, daß kurzfristig etwas "Wesentliches" in sein Leben trat, das "auch in der persischen Revolution eine elementare Bedeutung besitzt. Ich meine die Religion und das Heilige." War es nicht das, was ihm in den letzten 28 Jahren so systematisch gestohlen worden war? War es: "Ich glaube mittlerweile", schrieb Fischer im Februar 1979 im Pflasterstrand, "daß den Menschen durch die Staaten nicht nur ihre Arbeit und ihre Gewalt genommen wurde, sondern auch ihre Religion." Sich nach Persien aufmachen und beim Ayatollah Khomeini als Revolutionswächter anheuern, könnte das nicht seine Bestimmung sein? Oder sollte er gleich in ein moslemischen Kloster gehen, um dort mit den Derwischen zu heulen: "Freiheit, dieser Traum, verbindet sich für mich genau mit der Wiederaneignung meiner Arbeit, meiner Gewalt und meiner Religion"?

Christian Schmidt: Wir sind die Wahnsinnigen - Joschka Fischer und seine Frankfurter Gang, 1998, Econ-TB S. 123f

politiker sind charaktermasken

urmel 17.12.2002 - 23:30
ja,der joschka: in den 60/70igern ist er noch kräftig gegen den schah und seine diktatur auf die strasse gegangen. 1979 wurde es dann schon ruhiger und heutzutge trifft er sich mit den schlächtern des iranischen schiitenregimes,redet mit denen über menschenrechte und lässt sie alle gewähren,um dem wohle der deutschen nation zu dienen. *kotz*

zur steinigung? heute sind kieselsteine im angebot!

Glaubensfrage

saul 17.12.2002 - 23:46
Der Glaube versetzt Berge - von Menschen unter die Erde. Viele gefrustete Linke zeigten sich beeindruckt von dem was aus dem Iran kam und verschlossen die Augen vor der Wahrheit. Sie klammerten sich an jeden pseudoprogressiven oder pseudoantiimperialistischen Pforz und schalteten das Hirn aus. Hätt man schon früher wissen können mit wem mans zu tun hat. Mit den Vertretern einer totalitären Ideologie die nichts neben sich haben wollen und einmal an der Macht, werden sie der ganzen Gesellschaft ihren Wahn aufzwingen, ihre Gegner verfolgen und die Macht nicht mehr hergeben. Genauso kams ja auch. Was lernen wir daraus? Wer auf die Religion als Alternative setzt, soll sich nicht wundern wenn er damit die Büchse der Pandora öffnet.

iranische zustände

urmel 18.12.2002 - 10:48
die aktuelle lage scheint sehr widersprüchlich zu sein: während im norden die schiiten das absolute sagen haben - burka,händeabhacken und überal ist die revolutios-stasi unterwegs-,sind im süden westlich ausgerichtete lebensweisen anzutreffen,die jugend feiert ihre raves und bewundert kylie minogue in ihrem gewagten dress. die studenten sind auch seit jahren im aufstand gegen das religiöse regime und unsere bundesregierungen predigen den kritischen dialog mit der führung. und was hat die linke beizutragen?

oft nichts Gutes

z. B. 18.12.2002 - 10:54

@Linksruckis

T. Selec 18.12.2002 - 13:16
"Die Großdemonstration in London gegen den Krieg war nur möglich, weil die Organisatoren auch sämtliche muslimische Organisationen aufgefordert haben, sich an der Mobilisierung zu beteiligen."
Das war wohl nicht nur in London so...
"Stoppt den Krieg - Intifada bis zum Sieg", also alle Juden ins Meer, war und ist ja auch in der BRD eine oft gehörte Parole auf "Friedensdemos".

"Die meisten Islamisten und erst recht die große Mehrheit der gemäßigten Muslime können jedoch für eine Bewegung gegen den US-Krieg im Irak gewonnen werden."
Genau, solche "fortschrittlichen" Kräfte wie die Hamas oder andere national-religiöse Totschläger, nicht wahr?

"Die Anziehungskraft des radikalen Islam unter verarmten Muslims beruht auch auf der Schwäche anderer sozialer Bewegungen im Nahen Osten."
Das es genau dort säkulare und unislamische Bewegungen nicht erst seit gestern gibt, das genau dort Frauen, Arbeiter und Jugendliche gegen den Terror der Gotteskrieger kämpfen, wird in D-Land gerne ignoriert, und von solchen Sekten wie Linksruck erst recht.

Linksfuck

saul 18.12.2002 - 20:12
Die Politik von Sekten wie Linksruck steht in der entsprechenden Tradition längst verblichener Vorläufer, die aufgrund ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit oft dazu neigten, sich fragwürdige Verbündete zu suchen. So wie 78 viele Linke fasziniert auf den Iran starrten, ob da nicht ein mächtiger Verbündeter heranwächst, phantasieren die Linksrucksektierer von einer Einbindung der Islamisten in die künftigen Demos, nur weil sie einige Hassparolen gegen die Amis brüllen. Den Rest überhören wir besser und zum Glück können wir vieles auf ihren Transpis eh nicht lesen. Mit dieser Einstellung sind viele schon 78 auf die Nase gefallen und diesmal wirds nicht anders sein.

blick nach iran anno 1978

urmel 18.12.2002 - 23:01
der blick nach iran in der damaligen zeit war facettenreicher als mensch heute so vom ergebnis her denkt. als der schah verjagt wurde,war die machtfrage dort durchaus eine weile offen. eine rolle spielten die volksmudjahedin,die khomeinifraktion und sozialistische aktivistinnen, die alle um die macht konkurrierten. eine iranische exilantin hat mir erzählt,das es dort durchaus übernahmen von grossbetrieben durch räte gab,die eine organisierung von der arbeiterschaft her aufbauen wollten. inwieweit diese den revolutionsverlauf tatsächlich beeinflusst haben,ist eher unklar, und khomeinis bande hat ja dann auch leider gewonnen.
seitdem ist iran für viele linke ein blinder fleck wie die ddr bis ende der 80iger.
was nicht passt,wird eben passend gemacht.
bezüglich der volksfronttaktik von linkszuck mit den islamisten schliesse ich mich den vorrednerinnen an,habe lange nicht mehr so einen unsinn gelesen wie auf dieser linkszuck-homepätsch.