Gegen das ''Zentrum gegen Vertreibung''

hubertus egalus 25.11.2002 09:33 Themen: Antifa
...und anderswo. Derzeit kommt die Debatte um ein sog. Zentrum gegen Vertreibung" in Görlitz wieder auf die Tagesordnung. Bereits im August 2002 schlug der Görlitzer Kulturbürgermeister Ulf Grossmann vor, dieses von den selbsternannten Vertriebenenverbänden geplante "Zentrum gegen Vertreibung" in Zgorzelec/Görlitz anzusiedeln.

Zwar verneinen die InitiatorInnen einen Versuch eines Vergleichs der Shoah (und anderer Naziverbrechen) mit der Umsiedlung der Deutschen nach 1945, doch versucht man beides isoliert voneinander zu betrachten. Die Umsiedelung (auch "Vertreibung" genannt) ist jedoch ein Ergebnis der rassistischen und antisemitischen Nazipolitik, und kann deswegen auch im allgemeinen getrost als richtig bewertet werden (Insbesondere nicht verglichen oder isoliert betrachte werden!). Ein "Zentrum gegen Vertreibung" im allgemeinen und falls in Görlitz muss verhindert werden, es wäre nur ein weiterer Normalisierungsschritt den die SalonrevanchistInnen um den BdV erreichen könnten.
Im folgenden ein Artikel zum Thema aus Der Rechte Rand, No. 78 (Sep./Okt. 02)

"Zentrum gegen Vertreibungen"

von Samuel Salzborn
Während den Vertriebenenverbänden in der Vergangenheit der Ruf des konservativ-reaktionären vorauseilte, stoßen sie derzeit mit ihren Thesen in der Mitte der Gesellschaft zunehmend auf positive Resonanz. Deshalb soll nun endlich auch ein Projekt politisch durchgesetzt werden, an dem bereits seit einiger Zeit gearbeitet wird: das "Zentrum gegen Vertreibungen", dessen Verwirklichung das wohl wichtigste Ziel der Vertriebenenarbeit der nächsten Jahre darstellt.

Das "Zentrum gegen Vertreibungen" - ein Titel, der nichts Böses ahnen lässt. "Vertreibung", das klingt nach Verbrechen und Unrecht. Der Plural ("Vertreibungen") deutet darauf hin, dass es sich um ein weit verbreitetes, wenn nicht gar weltweites Problem handeln könnte. Und die Negation ("gegen") scheint ein Zeichen gegen Unmenschlichkeit und Verbrechen zu setzen. Das alles klingt viel versprechend und scheint wie ein humanes Projekt.

Als das "Zentrum gegen Vertreibungen" Mitte 1999 beim Tag der deutschen Heimatvertriebenen in Berlin erstmals öffentlich erwähnt wurde, fielen die Reaktionen auch entsprechend positiv aus. Nur einige kritische Stimmen in der Bundesrepublik und insbesondere auch in den osteuropäischen Staaten sahen in dem "Zentrum gegen Vertreibungen" eine politische Gefahr. Gefahr deshalb, weil in dem geplanten "Zentrum" ein Versuch zur Uminterpretation der Geschichte durch die Vertriebenenverbände gesehen wurde und wird. Denn durch den Appell an Gewissen und Moral, den der Titel des geplanten "Zentrums" beinhaltet, drohen historische Kontexte von Flucht und Vertreibung im Allgemeinen, besonders aber im konkreten Fall derjenigen der Deutschen infolge des Nationalsozialismus verwischt zu werden. Auf diese Weise könnte das für Vertreibungen schlechthin charakteristische Faktum der Gewalt instrumentalisiert werden, um von politischen Ursachen und historischen Zusammenhängen abzulenken.

In Bezug auf die Umsiedlung der Deutschen ist diese Problematik besonders offenkundig. So schrecklich diese für die Betroffenen auch gewesen ist, es sollten dennoch die individuellen Schicksale der Flüchtlinge nicht den Blick auf den historischen Kontext verstellen: Flucht, Vertreibung und Umsiedlung der Deutschen hatten ihre Ursache in der nationalsozialistischen Expansions- und Vernichtungspolitik, die sich in erheblichem Maße auch auf eine völkische Komponente stützte. Es war eine Politik der völkischen Destabilisierung, die die Grundlage der NS-Außenpolitik bildete, zumindest so lange wie diese ihre Interessen nicht auf militärischem Weg verfolgt hat. Die deutsche Volkstumspolitik, die später zu Flucht, Vertreibung und Umsiedlung der Deutschen führen sollte, war letztlich ein zentraler Aspekt bei der Zerschlagung der osteuropäischen Nationalstaaten (am deutlichsten wird dies sicher im Fall der Tschechoslowakei), aber auch bei der Vorbereitung und Umsetzung der deutschen Vernichtungspolitik.

So wenig damit die konkreten Ereignisse während Flucht und Vertreibung der Deutschen beschönigt werden sollen, so sehr ist darauf hinzuweisen, dass die Umsiedlung der Deutschen das politische Ziel verfolgte, das Konfliktpotenzial in Osteuropa zu verringern. Denn eben jene deutschen Minderheiten bzw. Volksdeutschen waren es, die politische und soziale Konflikte geschürt hatten, die eine wesentliche Voraussetzung für die spätere Zerschlagung der osteuropäischen Staaten bildeten. Flucht und Vertreibung der Deutschen waren somit eine Konsequenz auf den Nationalsozialismus und die Massenvernichtung der europäischen Juden. Dies droht allerdings bei einer entkontextualisierenden Betrachtung ebenso unter den Tisch zu fallen, wie die Tatsache, dass die Umsiedlung der Deutschen im bis heute gültigen Potsdamer Abkommen (Artikel XIII) völkerrechtlich verbindlich festgelegt wurde und somit zwar abhängig des politischen Standortes ihre Legitimität, jedoch nicht ihre Legalität in Frage gestellt werden kann.

Die mögliche Nivellierung der historischen Kontexte wird auch deutlich, wenn die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach (CDU), erklärt, was sich die Vertriebenenverbände von ihrem "Zentrum gegen Vertreibungen" versprechen. In "geschichtlicher und räumlicher Nähe" zum Holocaust-Mahnmal soll das "Zentrum gegen Vertreibungen" in Berlin entstehen. Konzeptionelles Vorbild für das Projekt sei das Holocaust Memorial Museum in Washington. Die Ansage ist deutlich, wie sie deutlicher kaum denkbar ist. Man sucht, ja wünscht sich geradezu die Nähe zum deutschen Massenmord an den europäischen Juden, genauer gesagt: zu deren Opferstatus. Man selbst sei Opfer gewesen und stehe historisch auf einer Stufe mit den ermordeten Jüdinnen und Juden. Steinbach formuliert das folgendermaßen: "Im Grunde genommen ergänzen sich die Themen Juden und Vertriebene miteinander. Dieser entmenschte Rassenwahn hier wie dort, der soll auch Thema in unserem Zentrum sein."

Wenn Steinbach, die in der Vergangenheit von der "Frankfurter Rundschau" bereits eine symbolische Rote Karte als "intellektuellen Platzverweis" wegen der Gleichsetzung der Judenvernichtung mit der Umsiedlung der Deutschen gezeigt bekommen hatte, sagt, die "Themen Juden und Vertriebene" würden sich ergänzen, hat das aber nicht nur eine historisch verquere Dimension. Denn das "Zentrum gegen Vertreibungen" soll etwa 80 Millionen Euro kosten, das Holocaust-Mahnmal hingegen nur gut 25,5 Millionen Euro.

Ob es allerdings tatsächlich ein "Zentrum gegen Vertreibungen" in der von den Vertriebenenverbänden gewünschten Intention geben wird, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt, denn der Bundestag hat zwar einem "Zentrum gegen Vertreibungen" inzwischen grundsätzlich zugestimmt, jedoch betont, dieses solle in längerer Perspektive und im Dialog mit den europäischen Nachbarn errichtet werden. Was dann unter einer europäischen Ausrichtung tatsächlich zu verstehen sein wird, muss die weitere Entwicklung zeigen.

 http://lola.d-a-s-h.org/~zittau/index.php
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Ergänzungen

"Umsiedlungen"... "Ausreisezentren".... etc.

Rote Zora 25.11.2002 - 11:29
Sorry, aber als "getrost richtig" bewerte ich überhaupt nicht, wenn 15 Millionen Menschen vertrieben ("Umsiedlung" ist ein zynischer Euphemismus, etwa vergleichbar mit "Friedensbombardements", "Ausreisezentren" o.ä. heutzutage) und dabei 2 Millionen sterben müssen. Das sind Dimensionen, die DURCHAUS vergleichbar sind mit anderen Völkermorden. Daß irgendein "Potsdamer Abkommen", das von den (ja selbst nationalistischen und imperialistischen!) Siegermächten des 2. Weltkrieges ausgehandelt wurde, den Vertreibungen NACH Beendigung der Kriegshandlungen irgendeine "Legalität" verleihen soll, ist ebenso unsinnig und zynisch wie etwa zu behaupten, die Nürnberger Gesetze seien die legale Grundlage der Juden- oder "Zigeuner"verfolgung gewesen. Zumal davon ja nicht "nur" Deutsche, sondern z.B. auch 1,5 Millionen Polen betroffen waren, die große Gebiete Ost-Polens, die der russische/stalinistische Imperialismus für sich beanspruchte, verlassen mussten.

Also von wegen, hier sei es nur um irgendeine "Stabilisierung" Osteuropas o.ä. gegangen (die meisten Menschen wurden damals aus MITTELeuropa vertrieben, und nicht aus "Osteuropa"...). Die Leute, die die Vertreibungen an Polen und Deutschen etc. organisierten, wie Stalin oder Benes, waren selbst übelste Chauvinisten und Imperialisten. Sie nutzten die Gunst der Stunde, um die (völlig berechtigte) Wut über die Nazi-Besatzung NACH Ende des Krieges in Aktionen umzumünzen, die ihrer jeweiligen "Nation" mal eben schnell das doppelte an Land, Vermögen oder sonstiger Verfügungsmasse einbrachte.

"Völkische" Kollektivstrafen sind eben immer Unrecht - egal mit welcher vermeintlich "hehren" Begründung sie von den jeweiligen MachthaberInnen gerade durchgeführt werden, um ihre wahren Interessen zu verschleiern. Und der Feind meines Feindes - ist noch lange nicht mein Freund...

Deshalb hab ich auch erst mal nichts gegen ein "Zentrum gegen Vertreibungen", solange dort der historische Kontext nicht außer Acht bleibt und außerdem auch wirklich ALLE Vertreibungen thematisiert werden, ... also auch die von den Nazis VOR 1945 begangenen.

Rote Zora?

bomber harris 25.11.2002 - 11:40
Schreibst du eigentlich für die FAZ?
Die Umsiedlung ist unter Berücksichtigung der Nazizeit vorher zusehen. Dieses Zentrum hat nur ein geschischtsrevisionistisches Anliegen.
Arme Linksdeutsche.

Hallo Antideutsch

25.11.2002 - 11:55
Der erste Kommentar stammt ganz offensichtlich von jemanden Rechten. Was hat die Linke damit am Hut? Wenn, dann stehen doch die Antideutschen der CSU am nächsten.

Bomber Harris

Rote Zora 25.11.2002 - 13:10
Also ich wüßte nicht wo ich eine "rechte" Meinung vertreten habe. Ich argumentiere von meinem Standpunkt aus, und der ist anarchistisch und verabscheut jede Ausübung von Herrschaft oder Gewalt. - Und ich rede hier auch nicht nicht über "Umsiedlungen", weil das hier überhaupt nicht das Thema ist... da wurde niemand "umgesiedelt". Ich rede von massenhaften Enteignungen, Vertreibungen, ja sogar Vergewaltigungen und Morden. Und die werden bestimmt nicht dadurch besser oder gar "legal", weil die Nazis vorher Unrecht begangen haben. Mit Deiner Argumentation könnte mensch genauso gut die palästinensischen Selbstmordattentate "rechtfertigen". Als "Reaktion" auf die israelische Vertreibung und Besatzung usw. aber Unrecht kann Unrecht nunmal NIE "rechtfertigen"! Das Resultat des Rache- und Vergeltungsprinzips (zumal, wie hier, auch noch auf "völkischer" Grundlage) ist immer nur eine Summierung des Unrechts... und so habe ich kein Problem damit, auch die Vertreibungen nach dem Ende des 2. Weltkrieges ganz klar als Unrecht zu bezeichnen. Dadurch wird nichts relativiert und nichts aufgewogen, schon gar nicht das Unrecht und die Verbrechen, die von den Nazis begangen wurden. Oder aber durch Deinen Namensvetter, Sir "Bomber Harris".........

und "linksdeutsch"...

Rote Zora 25.11.2002 - 13:32
bin ich erst recht nicht, ich weiß nicht mal wie Du überhaupt auf die Idee kommst, ich sei eine "Deutsche" oder fühle mich auch nur als solche. Ich lehne völkische kategorien vielmehr strikt ab, folglich auch ethnische Säuberungen, "völkische" Vertreibungen oder, wie Du es zu nennen beliebst, "Umsiedlungen".

Aber vielleicht kommt demnächst ja auch mal ein Sturmtrupp bei Dir vorbei und "siedelt" Dich "um". Oder "bereichert" Dein Wohnzimmer um die Anwesenheit einer gemütlichen Phosphorbombe. Bitte dann nicht beschweren oder einen auf Opfer machen - das ist alles nur im Kontext der deutschen Kriegspolitik in Serbien, Afghanistan usw. zu betrachten ;-)

@ Rote Zora

25.11.2002 - 13:58
Du versuchst doch nicht allen Ernstes mit einem Troll zu diskutieren?

fällt mir keiner ein

zecke 25.11.2002 - 14:04
Ich fänd ein "Vertreibungszentrum" auch nicht so schlimm, wenn man a) ALLE Vertreibungen berücksichtigt (so wie
Rote Zora das vorschlägt) und
b) Maßnahmen ergreift, das es kein Faschowall-
fahrtsort wird.

@ Rote Zora: die Selbstmordattentate der Palästinenser treffen zwar meisten die falschen (israelische Zivilisten etc.), aber die einzigen, die vertrieben werden (und darum geht es ja hier), das sind nun mal die Palästinenser, und deswegen bleibt ihnen als einzige Waffe nunmal ihr eigenes Leben.

Ansonsten:
RELIGION IST OPIUM FÜR DAS VOLK !!

Revanchisten aller Länder...

25.11.2002 - 14:34
vereinigt Euch!

Wenn hier angebliche "AnarchistInnen" wie die Rote Zora sich auf FAZ-Nievau über die armen Vertriebenen auslassen, kommt einem ja wirklich das kalte Grausen.

Ist das Querfront oder ist die "Rote" Zora in Wirklichkeit doch nur ein Nazi?

Das Marx-Zitat lautet übrigens "Religion ist das Opium des Volkes" und bedeutet etwas anderes als der Querfront-"Anarchist" mit dem großen Mitleid für die armen vertrieben Palästinenser-Sudeten meint.

„auge um auge, zahn um zahn!“

shlomo zuckertod 25.11.2002 - 15:54
alles ganz einfache banane. irgendwann kommen die nazis bestimmt noch auf die idee, die nürnberger rassengesetze mit einem unseligen einfluss der juden in der weimarer republik zu begründen. (vergl. z. b. das hassobjekt berliner polizeipräsident isidor weiss). ist also alles unrecht eine logische konsequenz vorangegangenen unrechts. zynischer kann man eigentlich gar nicht argumentieren, obwohl man von rassisten eigentlich nichts anderes zu erwarten braucht.
samuel salzborn? und tschüss!

Revanchismus

Rote Zora 25.11.2002 - 16:46
Offensichtlich fällt Dir der Widerspruch gar nicht auf: ICH bin es, die hier GEGEN das Prinzip von "Revanche" ... und damit gegen Revanchismus argumentiert. Ich lehne Revanchismus, zumal völkischen, ausdrücklich und kategorisch ab. Und auf den Nazivorwurf gehe ich erst gar nicht ein, völlig lächerlich und außerdem auch noch eine Verharmlosung der Nazidiktatur, anarchistische Positionen mit Faschismus gleichzusetzen. Und nur weil der BdV oder meinetwegen die FAZ irgendetwas so oder so sieht, muß das noch lange nicht DESHALB verkehrt sein. Das ist überhaupt kein Argument, sondern nur Demagogie. Insofern kannst Du Dir die Nummer sparen... zieht bei mir nicht. Sie läßt nämlich völlig außer Acht, WARUM und mit welchen MOTIVEN jemand eine Position vertritt. Genauso gut könnte mensch dann nämlich sagen: "hey Du bist ja gegen Kapitalismus und für Umweltschutz - bist Du etwa bei der NPD? Die haben das auch in ihrem Programm stehen. Das ist ja Querfront!" --> Völlig absurd. Ich bin nicht gegen Vertreibungen, weil ich "Revanchistin" bin - sondern weil ich eben gerade GEGEN Revanchismus bin.

@ Zecke: ich stimme Dir nicht zu, was die palästinensischen Selbstmord-TerroristInnen betrifft. Sie treffen in der Tat fast nur ZivilistInnen und Unbeteiligte, die in völkischem Kollektiv-Vernichtungswahn für die Politik ihrer Regierung verantwortlich gemacht werden. Sicherlich kann mensch sagen daß es ohne die israelische Besatzungspolitik wahrscheinlich keine derartigen Anschläge gäbe - eine Kausalität ist hier zwar vorhanden, aber das rechtfertigt diese Attentate in keiner Weise. Und auch ganz praktisch gedacht, sie bringen auch nicht mehr als eine ständige Verschärfung der Verhältnisse mit sich - was sicherlich dem Kalkül der Scharfmacher von Hamas, Hizbolla u.ä. Gruppen entspricht. Apropos Vertreibungen: DIE würden es ("die Juden ins Meer treiben" etc.) im umgekehrten Fall kein bißchen anders machen. Faschos sind eben immer und überall scheiße, egal welche "Nationalität" sie haben.

Opium für das Volk

Rote Zora 25.11.2002 - 17:00
Dieser Ausspruch stammt übrigens nicht von Marx, sondern von Lenin. Und ist hier völlig richtig und zutreffend wiedergegeben:

"Religion ist Opium für das Volk"...

Die Marx-Version ("Opium des Volkes") stimmt auch, was all das nun aber mit "Querfront" zu tun haben soll, ist völlig unklar. Kann es sein daß Du hier selbst im Opiumrausch schreibst? ;-)

25.11.2002 - 18:00
du kaufst also einer regierung die eine so harte abschiebepolitik fährt und europaweit vorantreibt ab dass sie was gegen vertreibungen hat. geschweige denn dass du ne ahnung davon zu haben scheinst wie sich die sog."volksdeutschen" schon vor 33 in osteuropa benommen haben. hältst nem nazi, der dich verkloppt hat, die andere wange hin und glaubst, damit nimmt er schon vernunft an? kann man von leuten die unter einem derart bestialischen regime, an dem sich die meisten die sich dazuzählen durften beteiligt haben, gelitten haben, erwarten dass sie danach tun, als wär nichts gewesen? die leute rauszuschmeissen war, abgesehen von strafe, das mindeste, um einer erneuten sezessionierung und destabilisierung mittels unterstützung irgendwelcher armer, "unterdrückter volksgruppen", insbesondere der deutschen, wie sie heute von der bundesregierung und von ihr unterstützten organisationen massiv betrieben wird, längerfristig entgegenzuwirken. das zentrum gegen vertreibung ist ein weiteres perfides werkzeug die geschichte umzudeuten und der deutschen expansion den humanitären anstrich zu vetrpassen. menschenrecht ist recht auf heimat.

Nein

Rote Zora 25.11.2002 - 18:29
Ich kaufe der Regierung gar nichts ab. Ich sehe das vielmehr genau so wie Du, Abschiebungen sind natürlich AUCH eine Form von Vertreibung! Aber warum sollte ich deshalb jetzt was gegen ein Zentrum gegen Vertreibungen haben? Die selbe Bundesregierung die Abschiebungen anordnet und Kriege im Ausland führt, ist ja z.B. auch für das Holocaust-Mahnmal. Muß ich da jetzt auch dagegen sein oder was, weil die Bundesregierung ja selbst Menschen deportiert?

Und Du hast Recht, wie sich "die Volksdeutschen" vor oder nach 1933 irgendwo "benommen" haben, weiß ich tatsächlich nicht. "Die Deutschen" gibt es nämlich genau so wenig wie "die Türken", "die Juden" usw. und können sich dementsprechend auch nicht gut oder schlecht "benommen" haben. Sondern nur einzelne Menschen. Sorry, aber ich denke nun mal nicht in völkischen Kategorien...

Gegen ein "(Menschen)Recht auf Heimat" hab ich übrigens überhaupt nichts - solange es auch wirklich für alle Menschen gleichermaßen gilt...: BLEIBERECHT FÜR ALLE!

gegen sezessionierung und destabilisierung...

public enemy 25.11.2002 - 18:50
"die leute rauszuschmeissen war, abgesehen von strafe, das mindeste,"

=> wo "raus"zuschmeißen? aus was denn? aus "ihrem", von gott gegebenen land? und welche "leute"? seit wann sind eigentlich völkische kollektivstrafen gerechtfertigt?


"um einer erneuten sezessionierung und destabilisierung mittels unterstützung irgendwelcher armer, "unterdrückter volksgruppen", insbesondere der deutschen, wie sie heute von der bundesregierung und von ihr unterstützten organisationen massiv betrieben wird, längerfristig entgegenzuwirken."

=> nee, die vertreibung w a r ja gerade sezessionierung, und zwar (wie rote-zora ganz richtig bemerkt) auf ´völkischer´grundlage. ganz ähnlich argumentieren übrigens auch nazis. sie meinen man müsse die "ausländer" in ihre herkunftsländer "rückführen" und "umsiedeln" (man beachte die sprachlichen parallelen zu hier, etwas weiter oben. von "vertreibung" spricht da auch niemand) um einer "destabilisierung" und "sezessionierung" ("parallelgesellschaften", "multi-kulturelles chaos") deutschlands oder europas "entgegenzuwirken". im grunde muss man nur einige wenige wörter austauschen, und man kann daraus ein 1a-npd-werbeflugblatt machen. abschiebungen: immer dann okay, wenn sie der einheit und "stabilisierung" unseres vaterlandes dienen *lol*

25.11.2002 - 18:50
recht auf heimat, das hätte wohl auch in anführungszeichen gehört, ist nämlich genau das menschenrechtsverständnis mit dem die regierung arbeitet. das recht nicht des individuums sondern eines abstrakten konstruktes namens volk(blut) dem ein angeblich angestammtes gebiet gehören soll(boden). volksdeutsche stand in anführungszeichen weil das eine kategorie ist mit der sowohl von regierungsseite (nach wie vor) gearbeiteitet wird und mit der hier all die gemeint sind die sich auf diese zugehörigkeit positiv bezogen haben. eine gruppe als kollektiv zu bezeichnen, wird immer wieder missverstanden auch wenn offensichtlich ist das nicht der autor ist der diese vergleichung herstellt sondern die leute die dieses kollektiv haben wollen.

25.11.2002 - 21:20
Das Zentrum wird in Deutschland genau eine Funktion haben: die Deutschen zu Opfern des Zweiten Weltkriegs zu erklären. Der völkische Begriff "die Deutschen" ist dabei natürlich nicht der meine, soll vielmehr deutlich machen, wie Institutionen wie dieses Zentrum ja auch dazu beitragen sollen, die völkische Gemeinschaft permanent zu (re-)konstruieren. Wer "erstmal nichts gegen dieses Zentrum" hat, wie die Rote Zora ignoriert diesen Zusammenhang zugunsten einer falsch abstrakten Ablehnung von Gruppenidentitäten. Die allermeisten betroffenen Individuen - von denen ich auch gern hätte, dass sie nichts als Individuen wären - subsumieren sich nämlich selbst unters Volk, insofern ist die Kategorie erstmal verdammt real, auch wenn es uns nicht gefällt.
Dass Rote Zora zugibt, vom Verhalten der "Volksdeutschen" nach 1933 nichts zu wissen, ist leider symptomatisch. Wer sich im "Sudetenland" oder in den besetzten Gebieten in Polen für einen "Volksdeutschen" hielt, konnte das zwar nicht frei selbst entscheiden, oft aber reichte es in Polen z.B. schon aus, evangelisch zu sein, um die Aufnahme ins Volk der Deutschen beantragen zu können. Im wesentlichen jedenfalls war die Zugehörigkeit zur Gruppe der Volksdeutschen eine Frage der eigenen Entscheidung - der Entscheidung, zum stärkeren, zum Herrenvolk zu gehören. Entsprechend führte sich dann die überwiegende Mehrheit der Volksdeutschen (eines auch auf. Im Sudetenland waren Anschläge und antitschechische wie antisemitische Anschläge durch "Volksdeutsche" an der Tagesordnung. Bei Wahlen stimmten rund 95 Prozent der "Sudetendeutschen" für die NSDAP. Was diese Deutschen dann in ihrer großen Mehrheit nach Beginn des Krieges angerichtet haben, bedarf jetzt keiner Erläuterung, die groben Daten der Ergebnisse des deutschen Vernichtungskrieges sollten nun wirklich bekannt sein.
Nun ist es sicher im individuellen Fall so, dass Leute als "Deutsche" aus Polen oder der Tschechoslowakei ausgewiesen (oder auch getötet) wurden, die friedfertige sympathische Menschen waren. Die Regel war das keineswegs; wer z.B. im Sudetenland der Gruppe der "Sudetendeutschen" angehörte, muss sich dies als Identifikation mit dem faschistischen Deutschland anrechnen lassen. Das ändert nichts daran, dass es zu Racheexzessen gegen Deutsche kam als der Kreg vorbei war; eine auch nur annähernde Vergleichbarkeit mit den Verbrechen der Deutschen im Krieg besteht jedenfalls nicht. Das wäre nun definitiv revanchistisch. Daran ändert sich auch nichts, wenn sich die Rote Zora weiterhin weigert, den Begriff zu verstehen und behauptet, er hätte was mit Rache zu tun. Revanchismus ist es, wenn man - wie verklausuliert auch immer - die deutsche Kriegsschuld auf andere abzuwälzen versucht. Und dieses Zentrum (sowie die derzeiteige FAZ-Kampagne) ist da nun wirklich ein Versuch.

Ach und was war das mit 15 Millionen Vertriebenen und 2 Millionen Toten? Das ist nun wirklich revanchistische Propaganda. Der allergrößte Teil dieser Menschen sind nicht vertrieben worden sondern aus eigenem Antrieb und verleitet durch die antisowjetische Hasspropaganda aus Angst vor den "mongolischen Horden" geflohen. Diese "Horden" kamen aber nicht in der Absicht, die armen Ostdeutschen zu vertreiben, sondern weil sie die deutsche Armee besiegen mussten. Die Opfer dieser Flucht zu Opfern einer "Vertreibung" zu erklären ist lächerlich, vielmehr sind diese Menschen das Opfer ihres eigenen Glaubens an die Nazipropaganda über die "russischen Untermenschen". Jede Parallele zu Palästinensern ist ridikül, zumal damit nun wirklich in zweifelhafter Absicht Israel zum Wiedergänger des Dritten Reichs erklärt würde. Und das wäre in der Tat revanchistisch.

Moral aus der Geschicht:

Historisches Wissen schadet nicht.

Und:

Die Abstraktion von völkischen Kategorien ist in einer identitär und auf völkischer Ideologie strukturierten Welt falsch, wenn sie den Blick versperrt auf sich tatsächlich konstituierende völkische Kollektive, die einfach zu leugnen nun wirklich keine Methode ist um sie zu bekämpfen.

Meine Beschuldigung gegen die Rote Zora, ein Nazi zu sein, nehme ich gern zurück. Ihre Ansichten halte ich aber für eher wunschgeleitet als analytisch, die Tendenz, "den" Deutschen ihr Opfergetümel abzunehmen sogar für gefährlich.

adli 25.11.2002 - 21:53
eben noch mal nachgelesen:

"Sorry, aber ich denke nun mal nicht in völkischen Kategorien..." schrieb zora.

Sorry, aber da kannst du dir nix für kaufen. Die unter einem Kollektivbegriff gefassten Menschen denken aber in aller Regel in völkischen Kategorien und handeln auch danach. Insofern kann man natürlich davon reden, was "die Volksdeutschen" so gemacht haben (wie mein Vorschreiber das ja tat) und es ist wirklich Unfug, die Verbrechen eines sich selbst als Kollektiv wahrnehmenden Kollektivs einfach mit der Begründung zu ignorieren, dass man selbst ja nicht in völkischen Kategorien denke.

Ähnlich logisch wäre es zu sagen:

"Sorry, ich kann doch nicht "die Nazis" für etwas bekämpfen, was einzelne Menschen vielleicht getan haben, die sich Nazis nennen."

Wer sich dazu bekennt, Nazi oder Volksdeutsch oder weiss der Geier was zu sein, ist dann für die Gruppe, der er sich gern zugehörig fühlen möchte auch verantwortlich zu machen. Das gilt übrigens nicht für rein fremddefinierte Kollektive wie z.B. Juden im Dritten Reich. Wer "Jude" war definierten grundsätzlich die deutschen Behörden und nahmen keinerlei Rücksicht darauf, wie die betroffenen Individuen dazu standen.

zum Nationalismus und zu Lenin

bomber harris 25.11.2002 - 21:56
Ich schreibe die Vertreibungen, Enteignungen etc. der Deutschen müssen unter Hintergrund der Vergangenheit gesehen werden, das bedeutet, dass zum Beispiel die Vertreibung der Sudetendeutschen nicht in eine Reihe mit der millionenfachen Vernichtung von Auschwitz zu stellen ist, was dieses revisionistische Zentrum schon macht.

Dem entgegnest du, dass mensch nach dieser Logik auch palästinensische Selbstmordattentate rechtfertigen müsse. Ist dir damit bewusst, dass du einen Vergleich von Israel und Nazideutschland vornimmst?

Zum Ausspruch "Religion ist Opium für das Volk":
dieser stammt tatsächlich von Lenin. Vor Lenin war aber Karl Marx, der schrieb "(...) Religion(...) sie ist das Opium des Volkes", was etwas ganz anderes meint als die Verfälschung durch den Vulgärmarxisten Lenin. Lenin war ein Dummkopf und struktureller Antisemit. Seit wann verteidigen denn AnarchistInnen Lenin und die Sowjetunion??? Vielleicht rechtfertigst du auch noch die Niederschlagung der MatrosInnen von Kronstadt oder die Bekämpfung der Machno-Bewegung? Von jemand die sich "Rote Zora" nennt und sich
als Anarchistin bezeichnet könnte mensch schon erwarten, dass Sie sich mit den Werken von Emma Goldman wie z.B. "Die Ursachen des Niederganges der Russischen Revolution" oder "Patriotismus - eine Bedrohung der Freiheit"
(  http://www.twokmi-kimali.de/texte/Emma_Goldman_Patriotismus_eine_Bedrohung_der_Freiheit.htm )
auseinandergesetzt hat.
Der folgende Text stammt von einem Anarchosyndikalisten, der Antisemitismus in der Linken kritisiert und auch auf den Leninismus eingeht.
 http://wolfgangklimm.piranho.com/glossen/glosse0011.htm

Gegen die Nation!
Für den Anarchismus!

25.11.2002 - 23:59
kurz zum Lenin-Zitat:

Die Formulierung "...für das Volk" ist einer missglückten Rückübersetzung aus dem Russischen geschuldet, die aber immerhin das realsozialistische Missverständnis des Marx-Satzes deutlich macht. Lenin zitierte den Satz nach einer russischen Marx-Übersetzung, die - was auch der russischen Grammatik geschuldet war - Präpositionen verwendete, die dem Sinn des Satzes schon nicht mehr hundertprozentig gerecht wurden. Aus Lenins Russisch zurück ins Deutsche übersetzt stand da auf einmal was, was Marx ganz gewiß nicht gemeint hatte, was den leninistisch-stalinistischen Eliten aber ganz recht war.

Kurz: Das ist definitiv ein Marx-Zitat. Dass angebliche Anarchisten Lenin gegen Marx verteidigen ist aber ohnehin nur ein kalter Witz.

@ Sir Harris

Rote Zora 26.11.2002 - 00:06
Mein Nick verkörpert gar keinen politischen Anspruch, sondern ist eine Romanfigur aus einem Kinderbuch: "Die rote Zora und ihre Bande" von Kurt Held. Und mit Lenin oder gar der Sowjetunion habe ich als Anarcha genauso wenig am Hut wie mit Benes, Churchill, Hitler, Stalin oder Bomber Harris, und wie die Imperialisten-Ärsche alle geheißen haben, - ich habe überhaupt nirgendwo Lenin verteidigt, sondern lediglich festgestellt, daß er hier korrekt zitiert wurde, und daß dieses Zitat eben von Lenin stammt. Und Israel und Nazideutschland habe ich auch nirgendwo gleichgesetzt, ich habe nur anhand eines aktuellen Konfliktes diese "logik" veranschaulicht, und zu welchen Konsequenzen sie gedanklich in einem anderen Kontext (z.B. Israel/Palästina) führen kann.

Über alles andere schlafe ich erst mal ein wenig, und lasse es mir mal durch den Kopf gehen... finde ich jedenfalls gut daß mensch hier zumindest mal sachliche Argumente zu hören bekommt, und nicht nur die üblichen Vorwürfe ("antideutsch", "Nazi" etc. in welche Schublade mensch halt gerade am besten reinzupassen scheint).

Opium des Volkes

Karl Marx 26.11.2002 - 12:06
Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät. Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewußtsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. Die Religion ist die allgemeine Theorie dieser Welt, ihr enzyklopädisches Kompendium, ihre Logik in populärer Form, ihr spiritualistischer Point-d'honneur [Point-d'honneur: der Ehrenstandpunkt] ihr Enthusiasmus, ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt.
Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist.
Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen, das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.
...
Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks: Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist. .................

Die Kritik hat die imaginären Blumen an der Kette zerpflückt, nicht damit der Mensch die phantasielose, trostlose Kette trage, sondern damit er die Kette abwerfe und die lebendige Blume breche. Die Kritik der Religion enttäuscht den Menschen, damit er denke, handle, seine Wirklichkeit gestalte wie ein enttäuschter, zu Verstand gekommener Mensch, damit er sich um sich selbst und damit um seine wirkliche Sonne bewege. Die Religion ist nur die illusorische Sonne, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt.

.....
Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist....

"Recht auf Heimat"

Rote Zora 26.11.2002 - 15:19
"Recht auf Heimat" habe ich natürlich nicht so gemeint wie es z.B. von NationalistInnen in Deutschland oder auch in Israel verstanden wird, also als Land das irgendeinem "Volks"-/Religions-Kollektiv "gehört", weil es "angestammt" sei, oder gar von irgendeinem "Gott" zugeteilt... wenn ICH von Recht auf Heimat spreche, dann ist es eigentlich identisch mit dem Recht, unbehelligt an einem Ort seiner eigenen Wahl leben und wohnen zu dürfen. Insofern haben selbstverständlich auch alle aus dem "Sudetenland" oder "Schlesien" vertriebenen Menschen ein Recht, dort wieder zu siedeln. Spätestens mit Aufnahme Tschechiens und Polens in die EU wird das sowieso kein Thema bzw. Problem mehr sein, da dann ja Freizügigkeit herrscht und jedeR überall in Tschechien oder Polen wohnen kann, wenn er oder sie ein Bedürfnis nach dieser "Heimat" hat. Jede Forderung nach einem "Recht auf Heimat" in DIESEM Zusammenhang wird dann absurd sein - weil dann ja jedeR EU-Staatsangehörige der oder die sich dort wohl fühlt, oder es als "Heimat" betrachtet, - auch dort siedeln kann.

26.11.2002 - 20:55
@Zora

"Insofern haben selbstverständlich auch alle aus dem "Sudetenland" oder "Schlesien" vertriebenen Menschen ein Recht, dort wieder zu siedeln."

Mit Gegenargumenten beschäftigts Du Dich nicht so gern, was?

Die allermeisten sogen. Sudetendeutschen sind Verbrecher oder waren Profiteure eines verbrecherischen Regimes. Davon abstrahierst Du mutwillig und reproduzierst natürlich völkische Blut- und Bodenscheisse - dies trotz aller hilflosen Versuche, derartige Kategorien schlicht für ungültig zu erklären. Dein Ignorieren der Taten der sog. Volksdeutschen führt dann zu absurdem Geschichtsrevisionismus und Revanchismus. Egal, ob Du Dich Anarchistin nennst oder nicht: Deine Ansichten sind reaktionär weil geschichtsvergessen.
Deine wenig erfreulichen Aussagen über Israel passen da ins Bild. Im Grunde ist Deine Art von Anarchismus nur eine besonders unschöne Art des Liberalismus der Dich als denkenden Menschen aus jeder Verantwortung entlassen soll.

alles VerbrecherInnen....

Rote Zora 27.11.2002 - 00:17
Soso. Ich mußte mir hier weiter oben ja auch schon sagen lassen, daß meine Meinung "gefährlich" sei. So ein Quatsch. Ich, eine von Milliarden von Menschen, hab meine Meinung und durch diese Meinung wird überhaupt kein Mensch "gefährdet". Daran gibt es nichts "gefährliches". Es ist schlichtweg Hybris, anzunehmen daß von einer Internet-Duiskussion auf irgendeiner von Milliarden von Websites und Diskussionsforen irgendeine "Gefahr" ausgehen soll. Und demenstsprechend seh ich auch Deine Anschuldigungen in Richtung "Revanchismus", "Revisionismus", etc. denkbar gelassen. Das magst Du so sehen. ICH weiß genau, daß keine dieser Bezeichnungen auch nur annähernd etwas mit mir als Mensch zu tun hat, und das ist erst mal das wichtigste für mich.

Ich sehe auch keine Handhabe, noch einen Grund, irgendeinem sog. "Sudetendeutschen", "Schlesier", etc. verbieten zu können, sich im Rahmen der EU-Osterweiterung in seiner Herkunftsregion, aus der er zwangsweise vertrieben wurde, nach wie vor (aus welchen irrationalen Gründen auch immer)heimisch zu fühlen und dort wieder hin zu ziehen. Wenn ich offene Grenzen, Bleiberecht für alle, Freizügigkeit, usw. fordere, dann kann das nicht dann plötzlich NICHT gelten, wenn es sich bei jemandem um eineN sog. "SudetendeutscheN" handelt. Oder auch um einE "VerbrecherIn". Oder sonst irgendeine mir oder sonstwem nicht genehm erscheinende Menschengruppe. Ansonsten kann mensch auch gleich für eine "Abschiebung aller ausländischer StraftäterInnen" o.ä. auf die Straße gehen. Oder für die Residenzpflicht für die Gruppe X oder Y. Zumal die Aussage, "die allermeisten" von ihnen seien "VerbrecherInnen", einfach nur völkische Vorurteile sind. Mir ist jedenfalls nicht bekannt daß "Sudetendeutsche" besonders zu Straftaten neigen. Und "die allermeisten" der heute noch lebenden Vertriebenen waren damals, zum Zeitpunkt ihrer Vertreibung, vielleicht 5 oder 10 Jahre alt - noch nicht mal wahlberechtigt oder auch nur im strafrechtlichen Sinne "schuldfähig" und viel zu jung also, um ihnen heute auch nur eine MITverantwortlichkeit für die Nazidiktatur zusprechen zu können.

Für die Anarchie!
Gegen Revanchismus!

27.11.2002 - 01:21
"ICH weiß genau, daß keine dieser Bezeichnungen auch nur annähernd etwas mit mir als Mensch zu tun hat, und das ist erst mal das wichtigste für mich."

Weshalb du auch jede Diskussion um Begriffe zugunsten irrsinniger Selbstbefindlichkeitsbekundungen einstellst, Du als "Mensch". Genau genommen hast Du ja auch nicht diskutiert, sondern Argumente unreflektiert an Dir abprallen lassen. Du Entlein! Halt Dich mal weiter für unrevisionistisch, antirevanchistisch und anarchistisch. Du passt blendend in die doch meist sehr unerfreuliche linke Landschaft und bist dabei glücklich und liberal, wie nett.

Entlein antwortet ;)

Rote Zora 27.11.2002 - 11:49
Na wenn ich so dreist alles an mir abprallen lasse und mich nur in meinen Befindlichkeiten suhle, dann laß doch DU mal hören was Du speziell unternehmen willst, um eine Ansiedlung von wem oder was auch immer innerhalb "Tschechiens" oder "Polens" zu verhindern. Sollen "Sudetendeutsche" verpflichtet werden, die Landesgrenzen der BRD nicht verlassen zu dürfen? Willst Du eine Residenzpflicht für Vertriebene einführen? Oder soll der Staat sie am besten alle gleich mal Sippenhaft-mäßig in den (Abschiebe?)Knast stecken, weil ja ihre Eltern NSDAP gewählt haben? Und weil es ja sowieso "fast alles VerbrecherInnen" sind?

Ganz ehrlich und mal ohne Polemik jetzt: ich versteh nicht worauf das ganze konkret rauslaufen soll, was Du Dir da vorstellst... wer sich irgendwo innerhalb der EU besonders wohl oder zuhause fühlt, kann da im Rahmen der EU-Freizügigkeit auch wohnen, sofern er oder sie ein Haus, eine Wohnung oder ein Grundstück dort bekommt. Das hat mit "Revisionismus" überhaupt nichts zu tun, das ist eine bloße, ganz banale Tatsachenfeststellung.

Über Begriffe kann mensch sich natürlich endlos streiten, aber was bringt das? Jeder Mensch hat andere Definitionen von Begriffen. Im Grunde kann mensch nicht mehr tun als das interessiert zur Kenntnis zu nehmen. Für mich jedenfalls ist offensichtlich, daß in dem Begriff (Revanchismus) das Wort "Revanche" enthalten ist, also "Rache", "Vergeltung" - und insofern sehe ich auch und gerade die Vertreibung als einen revanchistischen (und ganz nebenbei auch imperialistischen) Akt an, bei dem es einerseits ohne Vorliegen einer konkreten Bedrohungs- oder Notwehrsituation (NACH Kriegsende) um Revanche ging, anderseits den jeweiligen nationalistischen Machthabern (Benes, Stalin, etc.) natürlich vor allem um Vergrößerung ihrer "Nation", um möglichst viel Landmasse, Vermögen, Immobilienbesitz etc. das nenne ich nicht nur "revanchistisch", sondern vor allem auch imperialistisch. Ein Akt von Revanche/Rache kann ich hingegen (per se zumindest) nicht darin erkennen, wenn sich jemand ein Häuschen im Kaiserwald kauft...

Für die Anarchie!
Gegen Revanchismus!

häuschen im Grünen

Biene Maja 27.11.2002 - 15:29
Ja mei, ein "Häuschen im Kaiserwald", wie schee. Aber bitte nicht verwechseln mit dem KZ bei Riga, sonst kommen die "Sudetendeutschen" und andere "Volksdeutsche" noch dorthin, wo ihre eigentliche Heimat liegt, nämlich in den deutschen Vernichtungslagern.
Macht es dir eigentlich nicht zu schaffen, liebe Zora, daß ein Harald Schmidt, der nun nicht gerade im Verdacht steht, ein Antideutscher zu sein, daß also jener Schmidt unlängst in einer Diskussion sein Verwunderung zum Ausdruck brachte, daß er seit jüngster Zeit lernen müsse, daß seine Eltern "Vertriebene" seinen, wo er doch immer dachet, sie seien geflohen? Macht es dich nicht rätselnd, warum Herr Schmidt weit anvanciertere Ansichten hat als deine anarchistische Wenigkeit?
Wer, wie Du, Benes, Churchill und Hitler in eine Reihe stellt, die kann mit guten Gründen als revanchistische, reaktionäre Deutschlinke bezeichnet werden, typisch für die aktuelle relativistische und öffentliche Deutschstunde, in der man gelehrt bekommt, wie schlimm, schlimmer, am schlimmsten eigentlich die Bömbennächte für die armen Deutschen waren (siehe Jörg Friedrich), wie sich die EU-Deutschen neuerdings als Hüter der Menschenrechte aufspielen und die Benes-Dekrete als "zynisch" verurteilen. Leider, liebe Zora, bist du nichts Weiteres als deren Geisteskind, das mit "individuellen" Begriffen um sich schlägt, aber nichts weiter tut als die deutsche Ideologie an vorderster linker Front zu exekutieren.
Völkisches gibt es für dich nicht, weil es Völker ja nicht gibt, sondern nur eine "Nazidiktatur" mit einigen Nazis und vielen "Menschen", die davon unterdrückt waren. Weit völkischer und nationalistischer (als es die FAZ je hoffentlich sein wird) bist aber du damit, indem du den völkischen Rassimus und Antisemitismus der Deutschen negierst und aus ihnen nette, brave Bürgermenschen machst, die sich irgendwo ein Häuschen kaufen, weil es sie so hinzieht - zur Heimat.

Harald Schmidt

Rote Zora 27.11.2002 - 17:43
Nein, Harald Schmidts Aussage in seinem Gespräch mit Jauch macht mich überhaupt nicht "nachdenklich". Wenn mensch die nämlich mal nachliest, ist darin ironisch von seinen eigenen Eltern die Rede, die damals offensichtlich geflohen sind, und nicht vertrieben wurden. Was sollte mich daran nachdenklich stimmen? Viele Jüdinnen und Juden flohen auch aus dem "Deutschen Reich", ohne dazu formell "gezwungen" worden zu sein. Was willst Du damit denn nun zum Ausdruck bringen? Daß es gar keine "Vertreibung" gab? DAS wäre wohl in der Tat "geschichtsrevisionistisch". Durch einen Witz von Harald Schmidt wird doch nicht die Tatsache widerlegt, daß es - und zwar in großem Stil - eine Vertreibung gab, teilweise "wild" und unorganisiert, oder aber mit offiziellen Ausweisungsanordnungen, Vertreibungsbefehlen und allem was dazu gehört. Die Stadt Brünn, die damals allein 20.000 "Sudetendeutsche" vertrieben und auf den sog. "Brünner Todesmarsch" geschickt hat, hat die Vertreibung im letzten Jahr sogar erstmals offiziell bedauert - eine wirklich noble, anerkennenswerte Geste den OPfern gegenüber, die aber leider bislang fast beispiellos ist: "Dass wir diese Vertreibung verurteilen ist selbstverständlich, man muss das nicht nur im Falle Brünns betonen. Der ganze Staat und alle Leute verurteilen natürlich jede kollektive Schuld und jede kollektive Straftat, jede Vertreibung der Leute aus ihrer Heimat, sei es nun hier oder im Kosovo, und egal zu welcher Zeit."

27.11.2002 - 23:31
So ganz langsam wird doch deutlich, dass die überhaupt nicht rote Zora (spielt das Kinderbuch nicht in slawischen Landen unter "Volksdeutschen"??) ganz offenkundig eine Öffentlichkeitsbeauftragte des Bundes der Vertriebenen und Undercover-Agentin der Sudetendeutschen Landsmannschaft ist.
Die notorische und extrem dumme Gleichsetzung von Benes, Churchill und Hitler, die absurde propagandistische Behauptung von den 15 Millionen "Vertriebenen", ihre Spezialkenntnisse in der Geographie ehemals "deutscher" Gebiete sprechen für sich. Sie geriert sich "anarchistisch" und will nur den "Zwang" abschütteln eine böse Deutsche zusein, um als "Mensch" deutsche Taten als aufgewogen darstellen zu können durch die Abscheulichkeiten die den armen Deutschen angetan worden sind. Ihr Gesülz von wegen "nicht in Zwangskollektiven denken" etc. erweist sich als Taschenspielertrick im Kampf um die Relativierung der deutschen Kriegsschuld.

Paranoia

Rote Zora 28.11.2002 - 00:26
"So ganz langsam wird doch deutlich" ... - daß hier jemand ganz schön derbe an paranoiden Wahnvorstellungen leidet ;) und Menschen, die für ihr politisches Milieu - zugegebener maßen - gewiß unkonventionelle Ansichten vertreten, immer nur in vorgefertigte Schubladen reinstecken kann.

Nein, "Die rote Zora und ihre Bande" spielt NICHT unter "Volksdeutschen", sondern im früheren Jugoslawien... die Zora kommt aus Albanien und ihre vermeintlich "volksdeutschen" (wie kommst Du überhaupt auf so einen Scheiß?) Freunde tragen so "volksdeutsche" Namen wie Pavel, Branko, Duro und Nicola. -- Ich führe hier einen kleinen Gedankenaustausch mit vielleicht 1, 2 oder 3 Leuten (so genau weiß ich das leider nicht)... wer darin mehr sieht als eine stinknormale Konversation, wie sie tagtäglich milliardenfach auf der Welt geschieht,... oder gar ein "GeheimagentInnen"-Manöver, kann mir echt nur noch leid tun. -- Hitler und Benes etc. habe ich nirgendwo "gleichgesetzt", ich habe lediglich bekundet daß sie mir als Nationalisten und Imperialisten alle unsympathisch sind. Natürlich mit einer gewissen "Antipathie-Hierarchie", auf der Hitler ziemlich weit oben steht... dann kommt Stalin, und dann irgendwann Benes, Churchill, Bomber Harris & Co. -- Irgendwelche Zahlenspiele sind mir im Prinzip völlig egal, die Zahl von 15 Millionen war mir eben so geläufig, ob sie so stimmt weiß ich leider nicht. Von wegen "Propaganda" - welches Interesse sollte ich daran haben? Ich hab im Spiegel-Almanach nun die Zahl von 13 Millionen Opfern von Flucht UND Vertreibung gefunden, darunter 2 Millionen Tote. Das klingt schon etwas anders, tatsächlich. -- Daß ich mich weder als "böse" noch als "gute" - sondern ÜBERHAUPT NICHT als "Deutsche" verstehe oder fühle, habe ich schon mehrmals bekundet. Entsprechende Unterstellungen sind also völlig sinnlos. Außerdem versteht es sich für mich von selbst, daß durch keine Grausamkeit oder Untat irgendein vorangegangenes Verbrechen "relativiert" oder "aufgewogen" werden kann. Wenn DU das meinst, ist das allein DEINE Meinung - Du solltest aber nicht von Dir auf andere schließen, die dieses Denken nicht nur nicht teilen, sondern sogar kategorisch ablehnen.

28.11.2002 - 01:21
Du schreibst zunehmend schlimmeren indifferenten Unfug, Zora, während Du (nach meiner Wahrnehmung) mit zwei Leuten diskutierst. Wie Du Dich selbst wahrnimmst ist leider solange völlig schnuppe, wie das was Du objektiv vertrittst mit Deiner Selbstwahrnehmung als völlig unkollektiv denkender Anarchistin nur wenig Schnittflächen hat.
Objektiv betreibst Du deutschnationalistische Propaganda und benimmst Dich wie eine Vertriebenenfunktionärin, daran ändert auch nichts, dass mein letzter Beitrag nicht wirklich wörtlich zu verstehen ist. Natürlichs spielt die Rote Zora in Jugoslawien, aber ich fand den Scherz lustig.

Solange aber "Du als Mensch" (das fand ich wirklich am lustigsten in der ganzen bescheuerten Debatte) Dich dabei wohl fühlst, wirst Du sicher auch auf Deinem Niveau als halbreflektierte dumme Nuss verharren.

"Vertriebenenfunktionärin"...

Rote Zora 28.11.2002 - 11:49
... ist gar nicht mal so daneben, ich arbeite tatsächlich seit nun schon fast 10 Jahren im Bereich der Asyl-/Flüchtlingshilfe/AntiRa etc. und habe deshalb fast täglich mit Vertriebenen und Flüchtlingen aus aller Welt zu tun. Insofern bin ich für die Problematik sicherlich auch besonders "sensibilisiert", da ich einfach aus der alltäglichen Praxis weiß, daß der Vorgang einer plötzlichen, gewaltsamen "Vertreibung" aus dem gewohnten sozialen und lokalen Umfeld (altmodisch auch "Heimat" genannt) für die Vertriebenen ein oftmals lebenslanges Trauma darstellt, das viele der Opfer kaum verkraften können... vor allem wenn sie (wie es bei den meisten heute noch lebenden Vertriebenen aus Tschechien, Polen usw. der Fall ist) zum Zeitpunkt des Verbrechens noch Kinder waren.

Für die Anarchie!
Gegen Revanchismus, Vertreibung und Krieg!

noch mal ich

bomber harris 28.11.2002 - 17:29
Du stehst auch unheimlich auf die Gesellschaft für bedrohte Völker, stimmts oder habe ich recht Zora?

Eine Gruppe die sich mit Antifa und AntiRa und den "Volksdeutschen" beschäftigt hat, ist die AGIP:  http://www.members.partisan.net/agip/seite_texte.html
unter der Rubrik "Revanchismus" gibt es Interessantes zum Thema.

Yours Sincerely
Sir Arthur Harris