14 Monate Gefängnis für Bové
Der französische Globalisierungskritiker muss für 14 Monate ins Gefängnis weil er im Juni 1999 bei bei einer Aktion gegen genmanipulierte Pflanzen in ein Forschungslabor eingedrungen war und tausende Pflanzen vernichtet hatte.
Das oberste französiche Revisionsgericht hat am Dienstag eine 14-monatige Haftstrafe gegen José Bové, dem Vorsitzenden der französischen Kleinbauern Gewerkschaft ausgesprochen. Bové hatte argumentiert, dass er und seine Mitstreiter in Notwehr gehandelt haben, da von dem genetisch verändertem Saatgut Gefahr ausgehe.
Im Juni 1999 waren sie im südfranzösischen Montpellier in ein Forschungslabor eingetrungen und hatten tausende Reis-Pflanzen vernichtet. Das Urteil sei, so Bové, ein "schwerer Angriff auf das Gewerkschaftsrecht". Einer seiner Rechtsanwälte kündigte an, das Urteil vor dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anfechten zu wollen.
Im Juni 1999 waren sie im südfranzösischen Montpellier in ein Forschungslabor eingetrungen und hatten tausende Reis-Pflanzen vernichtet. Das Urteil sei, so Bové, ein "schwerer Angriff auf das Gewerkschaftsrecht". Einer seiner Rechtsanwälte kündigte an, das Urteil vor dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anfechten zu wollen.
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Ergänzungen
Ein paar Hintergründe zu Boves Politik
20.12.2001 - Sylvain Coiplet
Der französische Bauernführer José Bové ist wegen der Zerstörung von genetisch veränderten Reispflanzen zu sechs Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden. Das Berufungsgericht bestätigte damit das Urteil der ersten Instanz. José Bové hatte, zusammen mit indischen Bauern und zwei weiteren Führern der Bauerngewerkschaft Confédération Paysanne, im Juni 1999 rund 300 genetisch manipulierte Pflanzen des staatlichen Forschungsinstituts CIRAD vernichtet. José Bovés Anwalt kündigte Berufung an.
Die Bauerngewerkschaft Confédération Paysanne gibt es eigentlich erst seit 1987. Sie will keine engen Bauerninteressen, sondern Menschheitsinteressen vertreten und dies medienwirksam. Dadurch hat sie sich die Sympathien eines großen Teils der Bevölkerung zugezogen. Sogar unter den französischen Bauern ist sie immer beliebter und hat 2001 bei den letzten Wahlen zur Landwirtschaftskammer 27,8% der Stimmen bekommen. Bei solchen Zahlen staunt man dann, wenn man sich die Ziele der Organisation anschaut. Die Confédération Paysanne lehnt die Entwicklung der dreißig letzten Jahren zu einer industrialisierten Landwirtschaft ab und stellt den Schutz von Verbrauchern und Umwelt in den Vordergrund. Was sie von den reinen Verbraucher- und Umweltverbänden unterscheidet, ist die genaueste Kenntnis und Kritik der bisherigen Landwirtschaftspolitik.
Das Motto der Confédération Paysanne ist: Für eine nachhaltige Bauernlandwirtschaft in einer solidarischen Welt.
Zur Nachhaltigkeit gehört eine Begrenzung der Düngung, die zwar eine intensivere Landwirtschaft erlaubt aber die Umwelt, insbesondere das Grundwasser gefährdet. Und dies ist nicht nun nicht mehr allein die Forderung einiger wenigen Biobauern, sondern einer starken Minderheit der französischen Bauern. Dazu gehört auch der Verzicht auf die Gentechnik, mit ihren schnellen Vorteilen um den Preis einer ewigen Abhängigkeit von multinationalen Konzernen wie Monsanto. Breiten sich die genetischveränderten Merkmale unkontrolliert aus, so könnte die Keimfähigkeit von ganzen Pflanzensorten gefährdet werden. Die Bauern könnten ihre eigenen Samen auch dann nicht mehr herstellen, wenn sie selber nie genveränderte Pflanzen eingesetzt haben. Hier wird José Bové deutlich: "Die Gentechnik verharscht die Bauern". Und weil es bald zu spät sein könnte, greift er einfach zur Sense. Statt der Gentechnik befürwortet er eine verstärkte Forschung über die Selektion von nichtgenetisch veränderten Pflanzen. Sie würde die Effektivität steigern, ohne die Bauern absolut abhängig zu machen. Zur Nachhaltigkeit gehören zuletzt auch kurze Transportwege, nicht nur wegen den Energiekosten, sondern vor allem deswegen, weil lange Wege den Betrug erleichtern und strenge Qualitäts- und Sicherheitsnormen unkontrollierbar machen.
Zur Landwirtschaft gehören Bauern, daher der Begriff "Bauernlandwirtschaft". Dies ist heutzutage nicht selbstverständlich. In Frankreich sind es 40% Bauern weniger als vor 15 Jahren. Von den restlichen 600.000 Höfen sollen - nach den Plänen des Landwirtschaftsministeriums - nur 200.000 Agrarfabriken übrig bleiben und die Bauern möglichst restlos verschwinden, es sei denn, sie werden als Landschaftsgärtner gebraucht. Frankreich ist nämlich ein touristisches Land, das - wenigstens im Sommer - einigermaßen schön aussehen sollte.
Das dritte Element - die weltweite Solidarität - wird von der Confédération Paysanne besonders ernst genommen. Und sie widerspricht radikal der bisherigen europäischen Landwirtschaftspolitik. Statt wie der deutsche Bauernpräsident Gert Sonnleitner immer auf Agrarsubventionen zu pochen, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft zu sichern, hat sich José Bové in die Welt
umgeschaut. Er hat dort die katastrophalen Auswirkungen dieser Subventionen auf die Bauern der Entwicklungsländer gesehen, die mit solchen Preisen nicht mithalten können und immer mehr verarmen.
José Bové fordert daher ein Umdenken. In Frankreich werden zur Zeit die ohnehin klimatisch privilegierten Höfe hoch subventioniert, damit sie ihr Getreide zu Dumpingpreisen exportieren können. Durch die Überproduktion machen sie die Weltpreise zusätzlich kaputt.
Dies soll aufhören. Stattdessen sollen die klimatisch benachteiligten Höfe so subventioniert werden, daß sie den anderen Höfen mehr oder weniger gleichgestellt werden, ohne sich über die Maße vergrößern zu müssen. Alle Bauern brauchen ein würdiges Einkommen und nicht nur diejenigen auf der Sonnenseite. Faire Preise werden von José Bové also allgemein angestrebt und nicht nur im Handel zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern oder genauer gesagt Landwirtschaftsländern. Die Exportausfälle lassen sich verschmerzen, wenn weniger Getreide und mehr proteinreiche Pflanzen für die heimische Tierhaltung angebaut werden. Sonst würde der notwendige Verzicht auf Tiermehl und andere mehr oder weniger gefährliche Abfälle die europäische Tierzucht vom amerikanischen Genmais abhängig machen. Die einzelnen Bauern sollen sich so begrenzen, daß sie wieder das eigene Grünfutter erzeugen können, statt sich Mais vom Großspeicher zu holen.
Hier merkt man, daß ein praktizierender Bauer und kein Funktionär spricht. José Bové ist nämlich nicht auf die direkte Wettbewerbsfähigkeit einzelner Produkte fixiert, sondern achtet darauf, aus jedem Hof das Beste zu holen. Aus Erfahrung legt er Wert auf die Komplementarität der Kulturen. Entscheidend ist, ob der Hof als Ganzes sich rechnet.
Solchen Konzernen wie Monsanto und dem in der Genforschung verwickelten französischen Staat sind Gegner wie José Bové ziemlich unbequem. Sie wissen, daß er mit jedem Gefängnistag populärer und damit mächtiger wird. Der Richter ging aber mit seinem Urteil weit über die Forderungen der französischen Staatsanwaltschaft. Bedrohlicher für die progressive Bauerngewerkschaft sind die Geldstrafen, die sie leicht handlungsunfähig machen könnten. Monsanto - dem auch Genpflanzen zerstört worden sind - ist noch konsequenter in seiner Strategie. Statt einen Strafprozeß anzustrengen, beschränkt sich der Konzern absichtlich auf eine Zivilklage, mit hohen Schadenersatzforderungen. Es fragt sich nur, ob Monsanto selber imstande wäre, Schadenersatz für die von ihm genetisch-verseuchte Umwelt in der dafür notwendigen Höhe zu leisten. Kanadische Biobauern haben nämlich damit angefangen, ihn vor Gericht für seine Schlampereien zur Rechenschaft zu ziehen.
Copyleft © 2002 Sylvain Coiplet. Weiterverbreitung erwünscht ...
Vandana Shiva
Buch von ihr:
"Biopiraterie", erschienen im Unrast-Verlag
Dazu gibts dann auch eine Wbseite:
"Biopiraterie ist die Aneignung der genetischen Ressourcen - der Biodiversität - durch private Konzerne, einzelne Personen oder staatliche Institutionen."
Merkwürdig
Das stimmt so nicht
Dumme klugscheisserei von "B-L"
well,
Sachen wie das Anti-Anglizismen-Dekret der Academie Francaise (zur 'Reinerhaltung' der französischen Sprache, als ob Sprache etwas Statisches sei, das man per Dekret 'reinhalten' könne) würden hierzulande belächelt (und trotzdem befolgt, denn Befehle von oben nicht ernstzunehmen, aber trotzdem zu befolgen, ist eine deutsche Neurose); in Frankreich aber gab es keine großartigen Kontroversen. Die Gesellschaft für Deutsche Sprache ist ein Witzladen, die Academie Francaise eine altehrwürdige Institution. Diese Glosse
(Wie schön wäre es, wieviele Mißverständnisse würden gar nicht entstehen, würden wir einfach 'people' statt des verdammten deutschen 'Volk' sagen...)
aua
Wer ist der linkeste (also coolst) von die Welt?
schade das indy mißbraucht wird
Achtung - Forum wird zersetzt!
Vielleicht sollten polemische Beiträge, die sich mit der Sache nicht beschäftigen - sondern mit den bösen/blöden/schlimmen Autoren - herausgenommen werden und an anderer Stelle veröffentlicht werden (wg. Zensurvorwurf).
Wäre froh wenns mehr um Politik, Recht und Gesetz ginge und weniger um Pubertät, Persönlichkeits- und Sexualprobleme - das müssen die Leute selbst für sich regeln.
Nun ja
Daß sich daran wirklich Kulturnationalismus anlagert, ist in der Tat ein Problem - oder besser könnte eines werden, nämlich dann, wenn die eigene Kultur überhöht und andere abgekanzelt werden. Inwieweit das für Bove Thema ist, weiss ich nicht genau.
Wahrscheinlich ist Bove genau so ein Fall, wo es darauf ankommt die sich die sinnvollen Ideen rauszunehmen und den Rest kritisch zurückzuweisen - so wie es eigentlich immer sein sollte.
Was mich interessieren würde
Bové ist vieles...
hatte ich ja ganz vergessen
Stimmt ja hatte ich ja ganz vergessen, Bové ist ja ein Antisemit... dann hab ich ja keine Fragen mehr und muss mich mit so nem schweren Thema auch nicht mehr auseinandersetzen. Danke !
Denk doch mal nach
Wer Vollkornbrot iszt, ist also ein uebelster Nazi und gehoert ordentlich die Fresse poliert zu kriegen.
Antisemitismus
Dont feed the troll
btw. wieso muss man genetisch verändertes saatgut toll finden wenn man bove als den arsch bezeichnet der er ist?
Franzosen und ihre Nation
jaja
ansonsten sind leute, die im namen einer kultur oder nation politik machen wollen, grundsaetzlich nicht zur emanzipation des menschen zu gebrauchen, und sollten daher auch von einer linken, die diesen namen auch verdient, nicht als buendnispartner betrachtet werden.
Schon interessant
Hier heisst es einfach: Dont Feed The Troll - So sehr Antideutsche und Nazis es wollen: Sie werden Menschen nicht davon abhalten für eine bessere Welt zu kämpfen.
@ xxo8
Antideutsche und Anti-Antideutsche
Natürlich ist das was unter Antideutsch läuft nicht emanzipatorisch. Die Entwicklung der Theorie hat eben mittlerweile skurille Züge angenommen (?Krieg als emanzipatorische Kraft?).
Es entsteht der Eindruck, dass es 2 Kräfte in der Linken gibt: Antideutsche (minoritär) und nicht Antideutsche!!!
Der Eindruck täuscht allerdings, denn unter dem Deckmantel des Anti-Antideutschtums tummeln sich die seltsamsten Ideologien. Da wird auch schon mal ungeniert dazu aufgerufen nicht so gegen Nationalismus zu sein!!!
(Franzosen und ihre Nation
Von: XX08 21.11.2002 21:00
[..]In den meisten Ländern dieser Welt geht die Linke mit dem Begriff der Nation viel "lockerer" um, was man hier in Deutschland oft falsch versteht (oder verstehen möchte)[..])
Ein Schelm der Böses denkt??
Anstatt sich theoriefeindlich zu geben und hohle Phrasen zu treschen wäre es vielleicht angebracht etwas genauer zu forschen und die richtigen Fragen zu stellen.
In die klassenlose Gesellschaft wird uns weder die kritische Theorie der Antideutschen noch der dumme Nationalismus d
er ML-Ideologie bringen. (Und schon gar nicht TobinTax und Zivilgesellschaft)
Das Proletariat hat keine Heimat! Für die Selbstaufhebung der arbeitenden Klasse!
Die Festsetzung von Grenzwerten...
Mit diesem erlaubten Grenzwert, sei er noch so klein, wird das Anbaurecht für diesen Sondermüll zementiert, und so der Weg in die Nahrungskette endgültig legalisiert.
(Nicht, daß wir uns das Zeug nicht sowieso schon ungekennzeichtnet einverleiben würden..)
Also weg mit dem unnötigen Dreck !
hd
aktuelle Liste mit Freisetzungen?
hab hier
(
nur ne wirklich alte Liste von 97 gefunden.
Da gibts doch bestimmt irgendwo was aktuelleres ?
grüße hd
BOVÈ