Gedanken über patriarchale Strukturen bei Indymedia in Austria

ein at-Indyaner 12.11.2002 17:34 Themen: Gender Indymedia
Gedanken über patriarchale Strukturen bei Indymedia in Austria - Eine Bestandsaufnahme
Tja, eigentlich wollte ich über dieses Thema einen wissenschaftlichen Text mit Argumentationslinie etc. schreiben. Sehr schnell ist mir aber klargeworden, dass ich mir das weder zutraue, noch will. Einerseits ist mir klar, dass auch ich als Mann eine Funktion in den patriarchalischen Strukturen habe und zweitens habe ich nicht das notwendige spezifische Wissen, um einen ausführlich argumentierten Text zu schreiben.

Tja, warum mach’ ich das alles, gute Frage, die mich auch ziemlich beschäftigt. Eigentlich haben mich zwei Sachen auf die Idee gebracht, erstens das ewige Hickhack auf Indymedia, sobald sich ein Beitrag irgendwie mit dem Thema Sexismus beschäftigt und zweitens die Tatsache, dass Frauen bei Indymedia Austria stark unterrepräsentiert sind. Tja, soviel zum sachlichen Hintergrund.
Doch für mich stellt sich auch die Frage, warum mich gerade das Thema in letzter Zeit so beschäftigt? Was steckt hinter den Bemühungen? Ist es wirklich Engagement für Chancengleichheit, oder stecken da andere, unbewusste Sachen dahinter. Will ich mich vielleicht von meiner Verantwortung "freikaufen", versuche ich meine eigene Funktion in der patriarchalen Gesellschaftsstruktur zu kompensieren, oder will ich mich unbewusst über die anderen stellen und den "Besseren" spielen?
Keine Ahnung, die ganze Sache bedeutet für mich jede Menge Zweifel und Unsicherheiten, dennoch will ich das durchziehen.
Was will ich erreichen? Tja, noch eine gute Frage, ich glaube nicht, dass dieser Text sehr große Veränderungen bringen wird, vielleicht wird er gar nicht richtig wahrgenommen. Den Anspruch, es allen recht machen zu wollen, hab’ ich erst gar nicht, es gibt genug Leute, denen ich es nicht recht machen will, die ich gezielt provozieren will. Vielleicht ist es einfach nur mein Ziel, eine längst überfällige Debatte auf Indymedia auszulösen. Klar, die Chancen, dass diese wirklich produktiv verläuft, sind relativ gering, vor allem, wenn man bedenkt, wie solche Debatten im Indymedia-Newswire meist geführt werden. Instinktiv habe ich aber die Hoffnung, dass ein gewisser Dialog stattfinden kann.

Sehr beeindruckt haben mich die Texte Konstruktion weiblicher Identitäten und Linke Techies und das Patriarchat von blue auf Indymedia Deutschland. Bei uns wurde meines Wissens bis dato diese Diskussion nicht geführt, manchmal habe ich das Gefühl, sie wird sogar gezielt umgangen.

Was Sache ist...

Hmm, ein Faktum ist, dass im Indymedia Kollektiv in Österreich Frauen unterrepräsentiert sind, bei der Moderation und im Bereich Editorial ist derzeit nur eine Frau aktiv.Woran kann das nun liegen? Allein auf die gesamtgesellschaftliche Situation brauchen wir uns gar nicht auszureden, wir müssen uns schon Gedanken machen, was das mit uns zu tun hat. Klar, nur bei wenigen IMCs ist die Geschlechterverteilung, bei quasi keinem die Arbeitsverteilung ausgeglichen. Schlimm genug, aber keine Entschuldigung. Außerdem gibt es einige IMCs, bei denen die Situation besser ist, als bei uns.
Wir sollten endlich anfangen, unser eigenes Verhalten zu reflektieren und uns bewusst werden, dass es bei uns patriarchale Strukturen gibt und wir darin alle eine Funktion haben. Außerdem ist es notwendig, nach Möglichkeiten zu suchen, diese Strukturen abzubauen. Durch das mission statement, der Arbeitsgrundlage der verschiedenen Indymedia-Gruppen erklären die IMCs gegen Sexismus einzutreten. Klar, diesen Punkt kann mensch quasi auslegen, wie er/sie will, wenn wir die Sache ernst nehmen, sollten wir bei uns selbst anfangen.Die Rollenverteilung bei IMCs sieht in der Regel so aus, dass Mann vor allem für die Technik zuständig ist und Frau schreibt, fotografiert und Ton- bzw. Videoaufnahmen macht. Am stärksten wird die Unausgeglichenheit bei den ProgrammiererInnen der IMCs sichtbar, blue fand bei ihren Recherchen nur 2 Frauen, die als Programmiererinnen für Indymedia tätig sind. Allgemein ist der Anteil der Frauen bei Indymedia etwa 1/5. Sogar private IT-Firmen haben oft eine ausgeglichenere Arbeitsverteilung. Dies hängt vom jeweiligen Aufgabenbereich ab, vor allem im Bereich Webdesign ist der Frauenanteil deutlich höher als bei Indymedia.Bei Indymedia Austria sieht die Sache überhaupt sehr einseitig aus. Bis vor kurzem wurde die Internetseite ausschließlich von Männern betreut, sowohl Moderation, als auch Technik und Editorial. Jetzt ist auch wieder eine Frau in diesem Bereich aktiv. Gibt es Anlässe mit eigenem Unabhängigen Medienzentrum, wie z.B. während der Aktionstage gegen das WEF in Salzburg oder während der Opernballdemo 2002, werden auch andere Leute aktiv, darunter auch mehrere Frauen. Auch hier ist trotzdem bemerkbar, dass der Bereich Technik eindeutig von Männern dominiert ist.
Tja, keine gute Situation also auf Indymedia Austria. Wir sollten jetzt halt auch anfangen, zu hinterfragen, warum dies so ist. Ich persönlich finde die Ergebnisse der Umfragen, die blue für ihre Beiträge gemacht hat, ziemlich aussagekräftig. Aus diesen Umfragen geht hervor, dass die Indies (Männer und Frauen) in erster Linie die gesellschaftliche Situation verantwortlich machen. Ferner wird die Art der Wissensvermittlung erwähnt, Männer redeten in Fachsprache, Frauen wollten anders lernen. (Anmerkung: Warum lernen nicht auch Frauen von Frauen oder Männer von Frauen?)
Auch ein häufiges Argument, interessanterweise vor allem von Frauen, war, dass sie andere Interessen hätten, dies aber nicht unbedingt etwas mit geschlechtsspezifischer Rollenverteilung zu tun hätte. (Anmerkung: Wie entstehen Interessen? Können diese überhaupt unabhängig von den Geschlechterrollen, die wir angenommen haben, sein?).
Auch wurde von blue die allgemeine Haltung von Männern und Frauen gegenüber Computern untersucht. Hier fand ich einen Text, der die unterschiedlichen Herangehensweisen von Frauen und Männern analysiert, vor allem über die in den Umfragen gern erwähnte Wissensvermittlung war hier einiges zu erfahren. Was mir allerdings in dem Text abging waren Erklärungsversuche, warum diese Unterschiede bestehen, ob sie nur auf die unterschiedliche Sozialisation zurückzuführen sind, oder ob es eventuell damit zu tun hat, dass bei Frauen und Männern das Gehirn bei manchen Denkprozessen unterschiedlich arbeitet. Ich weiß nicht, wie zuverlässig diese Informationen sind, aber ich habe mal in einer wissenschaftlichen Zeitung einen Artikel gelesen, in dem stand, dass Männer beim Denken meist nur eine Gehirnhälfte benutzen. Je nachdem, ob die Situation eher logisch-analytisches Denken oder eher kreatives Denken erfordert, wird jeweils nur eine Hälfte des Gehirns benutzt. Die Denkprozesse bei Frauen umfassen meist beide Gehirnhälften, vernetztes Denken sozusagen.Ich persönlich kann mit dieser Untersuchung nicht sehr viel anfangen. Ich kann sie weder bestätigen, noch widerlegen, da mir der wissenschaftliche Background fehlt, ich selbst glaube aber daran, dass die persönliche Sozialisation viel ausschlaggebender ist, als die verschiedenen Arten zu denken. Teilweise finde ich die Ansätze, Männern und Frauen eine bestimmte Denkform zuzuschreiben sehr gefährlich, denn mensch kann aus diesen Ergebnissen sehr viel herausinterpretieren. Ein Beispiel wäre: Frauen denken vernetzter, sind also bessere Organisationstalente und somit besser geeignet für die Betreuung von Familie und Haushalt. Bullshit!!!!
Wie gesagt, ich halte nicht sehr viel von diesen Ansätzen, es gibt aber wissenschaftliche Studien, die zu diesen Ergebnissen gekommen sind. Leider hab ich keine Informationen über die Wissenschafter, die diese Studie erarbeitet haben....

Zurück zum eigentlichen Thema und zu dem Text über die Herangehensweise an Computer. Die Untersuchungen wurden vor allem in gemischten und nicht-gemischten Computerkursen gemacht. Vor allem bei außerschulischen EDV-Kursen für Mädchen war deutlich zu erkennen, dass die Interessensunterschiede nicht so groß sind, wie sie immer dargestellt werden. Einige Grundmerkmale konnten erkannt werden: Frauen haben eine pragmatischere Herangehensweise an den PC, sie interessiert weniger der prinzipiellen Aufbau des PCs und der Software, sondern mehr die Kenntnisse, welche für das eigentliche Vorhaben notwendig sind. Sie halten dem PC gegenüber eine positive, selbstbewusste Distanz, sehen ihn mehr als Werkzeug für konkrete Aufgaben, denn als Problemlöser für alles. Die größere Skepsis gegenüber dem Computer kann auch eine Erklärung für einen der größten Unterschiede bei Frauen und Männern im Lernprozess sein. Frauen gehen eher planerisch vor, Männer lernen eher durch trial & error. Hier liegt vielleicht auch der Ursprung dafür, dass Frauen oft nichts damit anfangen können, wie Männer ihnen best. Sachen zu erklären versuchen und Männer oft glauben, Frauen können mit Computern einfach nicht umgehen. Vor allem letzteres ist nur ein blödsinniges Vorurteil, Frauen und Männer haben unterschiedliche Formen, den Umgang mit dem PC zu erlernen und einen anderen Zugang. Es ist jedoch unsinnig, deshalb zu sagen, einer der beiden Geschlechter könne besser mit dem PC umgehen. Außerdem hat sich gezeigt, dass Männer, wenn sie in Gruppen mit dem PC arbeiten sollen, ziemliche Probleme bekommen. Es entsteht meist kein richtiges Teamwork, sondern es entsteht ein Konkurrenzverhalten, wer denn am besten mit dem Computer umgehen kann, des weiteren fragen Burschen weniger nach, wenn sie sich nicht auskennen. Diese Eigenschaften sind Ausdruck für das allgegenwärtige Konkurrenzverhalten der Männer, das außerdem durch den Prestigestatus, den die EDV bei jungen Männern hat, noch verstärkt wird. Tja und was hat das ganze jetzt mit Indymedia zu tun? Naja, mensch könnte meinen, das darin eine Ursache dafür liegt, dass mehr Männer bei den technischen Aufgaben mitwirken. Der Bereich Technik ist nach wie vor männlich dominiert, Kurse und Ausbildungen sind demnach noch immer auf den männlichen Lerntypus abgestimmt. Das macht es Frauen natürlich nicht sehr attraktiv, sich diese Fähigkeiten anzueignen.
Es fällt auch auf, dass die meisten Indymedia-Users männlich sind. Dies hängt wahrscheinlich auch damit zusammen, dass viele Diskussionen auf eine derbe, machistische Weise geführt werden. Oft werden frauenspezifische Themen und das Engagement gegen Sexismus lächerlich gemacht, gelegentlich werden auch offen sexistische Beiträge gepostet. Dies fördert sicherlich nicht die Teilnahme von Frauen an den Diskussionen. Da die meisten Leute vom Indymedia Kollektiv das Projekt als UserInnen kennengelernt haben und später dazugestoßen sind, ist der oft machistische Diskussionsstil auf at.indymedia.org wohl auch ein Grund dafür, warum Frauen im Kollektiv unterrepräsentiert sind. Dies soll natürlich nicht heißen, dass wir die ganze Verantwortung auf die Users abschieben wollen, es sei lediglich festgestellt, dass meiner Ansicht auch der Diskussionsstil für die Unausgeglichenheit mitverantwortlich ist.

Was können wir tun?
Indymedia versteht sich ja als antisexistisches Projekt. Dies sollte auch beinhalten, dass wir uns um Chancengleichheit bemühen. Dies sollte aber über "zueinander nett sein" und geschlechtsneutrale Sprache hinausgehen. Wenn wir z.B. Workshops veranstalten, sollten wir uns sehr wohl Gedanken machen, wie wir versuchen, das Wissen zu vermitteln. Vielleicht gelingt es uns ja, dass ein Workshop immer von 1 Frau und 1 Mann organisiert wird.

Tja, ein anderes Ergebnis von blues Recherchen war, dass es kein IMC gibt, das eine konkrete Lösung für dieses Problem gefunden hat. Klar, es ist auch nicht zu erwarten, dass es für solche komplexen Angelegenheiten einfache Paradelösungen gibt. Lediglich einige Vorschläge für Symptombekämpfung wurden gebracht.
An dieser Stelle möchte ich aber auch erwähnen, dass sich sehr wohl auch der Widerstand gegen die teils patriarchalen Strukturen bei einigen IMCs formiert. So gibt es eine Women-Liste, für Themen, die vor allem Frauen betreffen und eine Anti-Pat-Liste, über die auch Männer an den Diskussionen über patriarchale Verhältnisse teilnehmen können. Leider lässt die Beteiligung der Männer auf der Anti-Pat-Liste nicht sehr groß.

Indymedia ist ein großartiges Projekt, selten habe ich so viele interessante und engagierte Leute kennengelernt, als hier. Ich sehe Indymedia als offenes und freies Medium, deshalb sollten wir auch unser eigenes Verhalten und die Vorgänge im Kollektiv hinterfragen und reflektieren. Nur so können wir verhindern, dass sich das ganze irgendwann verselbstständigt und verbürokratisiert. Ich sehe diesen Text als Beginn einer Reflexion zu einem allgegenwärtigen und aktuellen Thema. Die Situation sieht nicht sehr gut aus und wir sollten versuchen, etwas daran zu ändern. Klar, konkrete Vorschläge habe ich nicht gebracht, nur ein paar Denkanstöße, ich hoffe, dass sich Lösungsansätze in der Diskussion finden lassen. Dieser Text ist lediglich eine Beschreibung der momentanen Situation, nun sind wir an der Reihe, uns Gedanken zu machen, wie wir diese verbessern können. Alle Indies und Nicht-Indies sind herzlich eingeladen, sich an dieser Diskussion zu beteiligen, jedeR kann seinen/ihren Beitrag für mehr Chancengleichheit leisten.

Ich freue mich jedenfalls schon auf Eure Kommentare und hoffe, dass sich eine konstruktive Diskussion ergibt und weniger Hickhack.......

Zum Schluss möchte ich noch eines klarstellen. Bei Indymedia in Austria gibt es niemanden, der/die Frauen gezielt fern halten will, außerdem will ich verhindern, dass durch diesen Artikel der Eindruck entsteht, die Leute, die bei Indymedia in Austria mitmachen, seien Sexisten oder an den patriarchalen Strukturen allein verantwortlich. Ich glaube die meisten nehmen das Thema ernst und engagieren sich gegen Sexismus. Für mich geht es halt darum, auch die Situation bei Indymedia selbst zu reflektieren und alle zusammen zu schauen, was wir verbessern können...

Links:
Verschiedene Texte von Britta Schinzel
Konstruktion weiblicher Identitäten
Linke Techies und das Patriarchat
Über Sprache sprechen

Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

sorry

Indyaner 12.11.2002 - 17:41
liebe admins, könnt ihr bitte den artikel auf html-format umstellen, hab ich beim posten vergessen, sorry

danke

Matriarchat bei de.indymedia

mod 12.11.2002 - 17:56
Laut einer undichten Stelle aus dem inneren Kreis von de.indymedia gab es gestern ein konspiratives Treffen in einer geheimgehaltenen Wohnung. Fast hätte es eine Überzahl der weiblichen mods gegeben, doch dann blieb es bei einem klassischen 50:50.
Während die Männer sich um das Essen kümmerten (auch kochten!) saßen die Frauen am Rechner und kämpften mit Castoren und Mozilla. Unter der zarten weiblichen Hand erwies sich Mozilla als ganz und gar ungefährlich. Die Gnocchi und die leckere Gemüsesoße wiesen nur bedingt auf Erfahrungsdefizite hin.

Also Mädels, nieder mit dem Patriarchat, auf zu Indymedia.



Indymedia, von außen klein aber Innen groß!

Angst vor der Technik?

ängstlicher 12.11.2002 - 18:07
Ich beobachte häufiger, daß Leute, die nicht schon früh in ihrem Leben mit Computern oder anderer Technik konfrontiert wurden, starke Berührungsängste mit der Technik haben. Nicht's neues, ich weiß...
Ich selbst habe meinen ersten Computer mit 8 oder 9 Jahren bekommen. Meine Schwestern natürlich nicht..
Dadurch bin ich quasi in den Umgang mit der Technik hereingewachsen, gehe relativ selbstverständlich damit um, habe eben keine Berührungsängste. Auch ich arbeite oft nach der Methode try & error, warum auch nicht, aus meinen Fehlern lerne ich und mache es nächstes mal vielleicht besser.
Dagegen gehen Leute, die erst spät anfangen, sich mit Computern zu beschäftigen, wesentlich ängstlicher und vorsichtiger irgendwelche technischen Probleme an, wissen halt oft garnicht, wie sich solche Probleme lösen lassen können.
Dies beobachte ich bei allen Leuten, die nicht mit dieser Technik aufgewachsen sind, bei alten Leuten, mehr Frauen und auch Männern. Es erfordert einen wesentlichen Mehraufwand, sich die Technik noch spät nahezubringen. Es werden gleich konkrete Ergebnisse verlangt, nicht mehr spielerisch gelernt.
Hier setzt das Stichwort Wissensvermittlung ein. Die Arbeit mit Computern sollte transparent gestaltet werden.

Indy.at ist eh merkwürdig

Find ich 12.11.2002 - 18:14
Wenn ich auf diese Seite sehe, dann hab ich den Eindruck auf einer rein linksradikalen Seite zu sein, die für Szenediskos gedacht ist. Nachrichten sind fast gar keine zu finden.

*freu, freu, katzenstreu*

saul 12.11.2002 - 19:01
Und auf meinen comment freust dich ganz besonders *g*. Ob du dich freikaufen willst? Ne eher einschleimen und bei wem? Wer ist denn die Glückliche? Weiß sie schon was von ihrem Glück? *breitgrins* Wenn sich linke Männer damit beschäftigen, dann meist mit Hintergedanken *fg*. Indy ein Männerprojekt? Bin ja nicht beteiligt und selbst wenn, den Frauenanteil würde ich damit nicht steigern. Als wenn Quotierung was ändert. Im It Bereich hast mehr Frauen (kenn sogar eine) u.a. im Webdesign? Na fein, haben sie deswegen mehr zu melden oder verdienen sie einfach nur ihre Brötchen? Können wir hier brauchen, etwa damit mein comment ganz schnell rausfliegt. Was noch alles? Auf den Zensurfeminismus kann ich verzichten, auch wenn ich nicht erwarte das geklaute Bilder aus Sexseiten hier stehen bleiben, auf etlichen Amiseiten hast sogar das. Soll wohl Satire sein. Es gibt Indyseiten, da gehts noch ganz anders zu als hier oder auf at. Ansonsten, wer hindert Frauendran mitzumachen? Ich wohl kaum, nur lass ich mir weder von Frauen noch von Männern im vorauseilenden Gehorsam die Feministenideologie mit ihren Dogmen, Sprachreglungen und Bildverboten aufdrücken.

50 zu 50 als Selbstzweck?

Erbsen-Zähler 12.11.2002 - 19:20
Wer sagt denn, daß Frauen immer und überall in genau der gleichen Anzahl genau das gleiche Machen müssen wie die Männer.

Du schreibst: ""Zum Schluss möchte ich noch eines klarstellen. Bei Indymedia in Austria gibt es niemanden, der/die Frauen gezielt fern halten will.""

Tja, wo ist dann eigentlich das Problem? Die bloße zahlenmäßige Prädominanz von Männern beim Programmieren alleine ist doch noch gar kein unerträglicher Mißstand, oder?
Künstliche Schuldkomplexe machen die Welt nicht besser.

J.K.

Schönes Ding 12.11.2002 - 20:10
> Tja, eigentlich wollte ich über dieses Thema einen
> wissenschaftlichen Text mit Argumentationslinie etc.
> schreiben. Sehr schnell ist mir aber klargeworden, dass
> ich mir das weder zutraue, noch will. Einerseits ist mir
> klar, dass auch ich als Mann eine Funktion in den
> patriarchalischen Strukturen habe und zweitens habe ich
> nicht das notwendige spezifische Wissen, um einen
> ausführlich argumentierten Text zu schreiben.

Weisst Du, was das Schöne an diesen paar kurzen Zeilen ist? Nein? Ich weiß genau, daß ich nicht weiterlesen brauche, da es sich mal wieder nur um das Gewimmer eines arg gequälten Geschöpf handelt, das mir mal wieder weis machen will, daß ich als Mann die Reinkarnation des Bösen bin. Ich hab emich jahrelang mit Hirngewaschenen wie Dir rumgeschlagen, heute kann ich endlich wieder drüber lachen.

J.K Prost

saul 12.11.2002 - 21:32
Kann ich grad unterschreiben, das ist genau das was ich diesen Deppen klarzumachen versuche.

heee???

Jörg 12.11.2002 - 22:12
Ich dachte, der denkende ud fühlende Mensch hat das mit den Geschlechtern hinter sich und nutzt die Erkenntnisse der letzten 50 Mio Jahre bzw. der letzten 35 wo die vorherigen denn ohne großen Erfolg in Frage gestellt wurden.

Meine Meinung: wenn Frauen und Männer wieder ihre Rolle übernehmen und zur Sache kommen, würden sie von ihrer Verschiedenheit ZUSAMMEN profitieren können.

Würde auch gerne manchmal gerne eine Frau sein (z.B. das Erlebnis der geburt erleben) und bin über die "Privilegien" auch manchmal neidisch. Andererseits ist meine Frau auf meine Möglichkeiten neidisch.

Der Mensch will immer ganz besonders, was er nicht bekommen kann. Hätte nicht gedacht, daß ganze Generationen diesem Mio-alten Spiel immer wieder aufsitzen.

i.Ü. als Dozent habe ich nun rd. 40.000 Leute am PC gesehen und erforscht - Frauen und Männer gehen (fast grundsätzlich) anders ran. Die unterschiedliche Arbeitsweise hat jeweils vor und Nachteile - würden Männer und Frauen zusammenarbeiten können - wäre das genial.

beim Kochen ist es gleich, meine Frau kocht anders als ich - mit verfleichbaren Endresultaten.

Mich törnt es an, nackte Frauen zu sehen, meine Frau fährt auf das erotische Gespräch ab. Und uns beiden bringt der unterschiedliche Sex spaß - gleich was denn nun besser oder schlechter ist. Wir sind uns gerne gegenseitig das Lustobjekt, aus Liebe.

Ich finde den Geschlechterkampf langsam albern, weil er in der Regel daraus resultiert, die eigene Rolle nicht annehmen zu wollen (was die meisten dicken, kleinen, homosexuellen oder Behniderten - also "anderen) Menschen meist locker schaffen.

Ich stelle fest, daß meine Frau und viele Kolleginnen in leitenden Positionen arbeiten, weil sie sich nicht dauern "diskriminiert" fühlen - das ist Normalität. Ich stelle fest, daß Frauen, die ihren Sex ausleben, über die Macken der Männer lachen (über die Spanner etc. erst recht) - übrigend auch eine befreundete Lesbe, die mit Männern keine Probleme hat.

Ich finde es albern, seine Position nicht einzunehmen und dann andere dafür verantwortlich zu machen.

Patriarchat nervt eh nur!

elfboi 13.11.2002 - 18:46
Ich kann nur sagen, daß auch ich, obwohl ich Schwanzträger bin - nein, eigentlich gerade darum! -, auch unter den patriarchalen Strukturen leide. Zwar geht es mir nicht wirklich schlecht, denn hier in Deutschland kann man ja glücklicherweise freier leben als in vielen anderen Staaten, aber wenn man, wie ich, Geschlechterrollen jeglicher Art für sich selbst ablehnt und weder in seinem Aussehen noch in seinem Verhalten in irgendeiner Form an die Schublade "Mann" angepaßt ist, muß man viel einstecken und wird oft benachteiligt.
Besonders nervig finde ich es, wenn offensichtlich heterosexuelle Männer mir hinterherhecheln, weil sie mich für eine Frau halten, und dann plötzlich böse und aggressiv werden, wenn sie ihren Irrtum erkennen. Auf der anderen Seite finde ich es aber auch immer wieder lustig, wenn Menschen im Umgang mit mir total unsicher sind, weil sie nicht wissen, ob sie mich als "Mann" oder als "Frau" behandeln sollen, und die ganze Zeit nach untrüglichen Anzeichen meiner Geschlechtsidentität suchen. Extrem amüsant ist es schließlich, wenn Menschen mich für eine Frau gehalten haben und es ihnen plötzlich peinlich ist, wenn sie meine Stimme hören.
Solange es nicht endgültig egal ist, was man denn nun zufällig zwischen den Beinen hat, und solange nicht eine beliebige Anzahl von Menschen bei jeder möglichen Gelegenheit frei und ohne Zwang und Druck ihren sexuellen Vorlieben nachgehen kann, solange hat die sexuelle Revolution noch nicht stattgefunden, und die Emanzipation kann nicht nur eine Sache der Frauen sein, auch und gerade die Männer müssen sich von den Ketten dieses Systems befreien, bis es keine "Männer" oder "Frauen" als pauschal gültige Geschlechtsmodelle mehr gibt!

*grins*

elfboi 13.11.2002 - 22:51
Ist Bisexualität eigentlich pc? Ich hab' keinen Bock, pc zu sein...

Ganz Österreich

xx xo 14.12.2002 - 14:16
ist eine linksradikale Szenedisko.

computer als männermaschine

francis 17.03.2003 - 14:45
Computer in einem patriarchalen und kapitalistischem Kontext

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Einleitung (S.1-8, 80 Kb)


1. Zur Geschichte der Computerentwicklung (S.9-34, 470 Kb)

1.1. Einleitung
1.2. Mechanische Rechenmaschinen und die Moderne
1.3. Der Zweite Weltkrieg und die ersten Computer
1.4. John von Neumann und der Stored-Program Computer
1.5. Kalter Krieg und die Vorboten der kommerziellen Computerentwicklung
1.6. Vom Mainframe zum Minirechner - auf dem Weg zum Volksrechner
1.7. Die Jahre um 1968
1.8. Homecomputer - Hobbyisten und andere Männer erfinden den Computer neu
1.9. Der Personal Computer (PC) funktioniert, Tschernobyl explodiert und der Eiserne Vorhang fällt.
1.10. Ein Ende, das keins ist


2. Softwaretechnik als Wissenschaft und Praxis (S.35-61, 270 Kb)

2.1. Informatik und Gesellschaft
2.2. Von der Mathematik und Ingenieurwissenschaft zur medialen Sichtweise
2.2.1. Informatik als Ingenieurwissenschaft
2.2.2. Informatik als mathematische Wissenschaft
2.2.3. Informatik und die Sicht auf den Computer als Medium
2.3. Geschlechter-Stereotypen und Software
2.3.1. Von der Sprache ist die Rede - Metaphern im Programmiereralltag
2.3.2. Vergnügungen der Ingenieure
2.4. Vergeschlechtlichung von Software
2.4.1. Software und ihre Auswirkungen auf die soziale Wirklichkeit
2.4.2. Annäherungen an die Programmierung
3.4.3. Modellieren
2.4.4. Transport von Geschlechterrollen beim Programmieren
2.5. Verschiebungen und Verwerfungen
2.5.1. Schreibwerkstatt
2.5.2. Object Oriented Programming
2.5.3. Lösungsvorschläge zur Softwarekrise
2.5.4. Geschlechterverhältnisse


3. Open Source -Open Gender? (S.62-75, 140 Kb)

3.1. Open Source. Eine Einführung
3.1.1. Offener Quellcode als Normalzustand
3.1.2. Properitäre Software und die Reaktionen
Versprechungen und Erwartungen an Open Source
und was beim genaueren Hinsehen davon übrig bleibt.
3.3. Freie Software als Tummelplatz prestigebewusster Männer
3.3.1. Klubmitglieder
3.3.2. Transformation der Öffentlichkeit,
Präkarisierungstendenzen und Lob der Arbeit
3.4. Lizenzpolitiken für Gender