Anquatschversuch in Berlin

berta&bernd 08.11.2002 22:22 Themen: Repression
Der VS fährt in Berlin eine neue Strategie, um Infos zu bekommen, die ihnen scheinbar niemand freiwillig geben will. In den letzten Wochen gab es Anquatschversuche über eine Jobagentur, die Praktikumsplätze und Arbeit vermittelt.
ANQUATSCHVERSUCH IN BERLIN

Anlaß war die bekannte Sorge um das liebe Geld. Person X wendet sich frustriert dem Internet zu, auf der Suche nach einem Job. Und siehe da, bei der Job und Praktikumsbörse "Alma Mater" scheint sie genau das richtige gefunden zu haben: 10 Euro die Stunde für Recherchearbeiten zum Thema "Demokratie", das meiste im Internet und zum Teil aber auch "Feldforschung".
Klang für X gut. Sie bewirbt sich und wird wenige Zeit später eingeladen, ins "Kulturkaufhaus Dussmann", da ist nämlich das Büro von "Team Base Research", die "für verschiedenen Firmen, Behörden, Unis und Einzelpersonen" eben sogenannte Recherche betreiben. "Peter Ulmer", seinen Angaben nach Soziologe und Autor, gibt sich selbst als Sympatisant der Anti Atombewegung zu erkennen und redet viel, auch über die Interessanten Studien, die sie "zum NPD Verbot für das Bundesverfassungsgericht" gemacht haben.
Soweit so gut, für einen linken Chef - für 10 Euro die Stunde - Sachen über Nazis im internet suchen.
Der Termin zur Einarbeitung entpuppt sich dann jedoch als zynische Bestätigung der Selbstdarstellung. Der nette Mann, der das Gespräch führt, ist nicht Herr "Ulmer", sondern aus Köln, vom Bundesinnenminesterium. Und Thema sind nicht mehr Soziologie, Recherche und die Nazis, sondern die Linke in Berlin. "Am leichtesten zu kontaktieren über den Mehringhof" und ähnliche Orte.
X macht das einzig Richtige und wendet sich an die Öffentlichkeit.

Wieviele gar nicht wissen, was sie da im Namen der "Soziologie" machen, wissen wir nicht.
Achtet auf dubiose Stellenanzeigen und Praktikumsplätze, die unter anderem sehr gut bezahlt sind.
Checkt ab, ob es die Leute und die Firmen im öffentlichen Raum gibt, für die ihr oder eure FreundInnen anfangt zu arbeiten.
Wenn ihr oder andere angequatscht werden, macht die Sachen publik. Nur so können andere in ähnlichen Situationen ihre Zweifel richtig einordnen und nur so läßt der VS euch in Ruhe.
Gegen Überwachung/ Repression und Manipulation von Menschen!
Dem VS öffentlich heimleuchten - für Solidarität und eine bessere Welt - irgendwann!!!

Mehr Infos und für die SkeptikerInnen:
 http://www.taz.de/pt/2002/11/07/a0232.nf/text.ges,1
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Ergänzungen

andererseits...

Olli P 08.11.2002 - 23:28
Wenn's wirklich um Recherche über Rechte geht, könnte man ja für eine oder zwei Aufträge anheuern, als Kontraktarbeiter. Man zieht ihnen Geld ab, mit dem sie genausogut V-Leute in der rechten Szene finanzieren könnten, kriegt n guten Leumund (immer hübsch freundlich bleiben) und lernt bei der ganzen Chose noch wertvolle Details über den Status der rechten Szene und die Arbeitsweise des VS.
Wer die Fallstudien von VS-IMs (Informanten, V-Leute) studiert, erkennt, daß Quellen, bei denen die Bezahlung nicht mehr in angemessener Relation zur geleisteten Arbeit steht (also wenn man anfängt, zu schlampen und trödeln) schnell als den weiteren 'Kultivierungsaufwand' nicht wert links liegen gelassen werden.
Müßt ihr wissen.

Gar nicht soo neue Methode

Studierter 09.11.2002 - 00:59
Neu ist natürlich, daß die jetzt mit einer Agentur Job's anbieten.
In den achtziger Jahren hat der VS sich an Studierende gewandt, die z.b. in der "Zitty" (Berliner Stadtmagazin) oder am Schwarzen Brett der FU(Freien Universität) Jobs gesucht haben.

Ansonsten praktisch identisches Vorgehen:

"Ich bin Herr xy vom Berliner Senat, wir führen gerade eine Studie zum Thema "Studentische Hochschulgrupppen und Bürgerinitiativen" durch".
"Sie müßten einfach zu den Versammlungen gehen, und Protokolle anfertigen."
Bezahlt würde eine Pauschale und zusätzliches Honorar für getippte Seiten.
Extra Entgelt für "Sonder-Recherchen"
Bei der Anschaffung einer elektronischen Schreibmaschine (PC's waren noch nicht so verbreitet) wäre man natürlich auch behilflich.
Ach ja, und über den Job-suchenden war der nette junge Mann, der "selber sehr links" war, natürlich auch erstaunlich gut informiert.

09.11.2002 - 03:55
@Olli P

läuft nicht so, einer hats mal gemacht, drei monate abkassiert, dann flogs auf, und dann hat ihn der VS in der ganzen umgebung als agent geoutet. der typ ist jetzt lebenslang gebrandmarkt.

09.11.2002 - 10:29
lasst euch unter keinen umständen mit dem staat ein

Keine Infos an den VS

Altantifa 09.11.2002 - 12:28
Wer glaubt das mensch infos vom VS abziehen kann und dann sogar noch ein paar eoro dafür bekommt, sollte wissen das es geschulte Leute sind die es drauf haben Informationen aus
jemanden heraus zu holen ohne das mensch es sofort mitbekommt. Z.B. in einem netten gespräche über dies und das, von wegen kennst die Gruppe x von der habe ich ja lange nichts gehört, wo treibt sich denn der oder die rum ... etc. und schon mittdrin.

also noch mal keine infos an den VS und Bullen!!!

Website von Team Base Research restauriert

Peter Ulmer 03.08.2003 - 20:30
Die ehemalige Homepage der Team Base Research, das Unternhemen für das Peter Ulmer arbeitete, ist zur Dokumentation wiederhergestellt und über:
 http://www.tb-research.de.vu
erreichbar.