Unbekannte Täter versenden »Castor-Info-Broschüre»

Elbe-Jeetzel-Zeitung (SORRY!!!) 23.10.2002 22:28 Themen: Atom
BGS-Sonderheft gefälscht


jg Lüchow. Auf den ersten Blick wirkt es echt: das grüne »Sonderheft Castortransport 2002» - eine Extra-Nummer der BGS-Zeitschrift »Bundesgrenzschutz - Polizei des Bundes». Das »Sonderheft» ist kleiner als die reguläre Ausgabe, aber hat deren Farbe und Schrift - doch es ist von vorn bis hinten professionell gefälscht.
Unbekannte Täter haben das Druckerzeugnis unter anderem an die EJZ geschickt und in einem Schreiben mit BGS-Briefkopf darum gebeten, die Leser auf das Heft hinzuweisen. Denn: Im Rahmen seines »neuen Medienkonzeptes» wolle der BGS einem größeren Publikum die Arbeit des Bundesgrenzschutzes im Zusammenhang mit dem Castor-Transport vorstellen. Mehrere interessante Themen im Heft werden angekündigt, unter anderem: »Immer im Einsatz: Seelsorger beim Bundesgrenzschutz». Adressen und Telefonnummern zum kostenlosen Bestellen des Heftes werden aufgelistet. Wer anruft, erreicht tatsächlich den BGS. Doch wer die zuständige Pressefrau sprechen möchte, die den Brief unterschrieben hat - Manuela Schnittker-Wetterau - erfährt: Sie gibt es nicht. Auch den im Heft abgebildeten verantwortlichen Re-dakteur PHK Klaus Kramer-Pietschmeier gibts nicht, und auch seine »Kollegen», die im Heft zu Wort kommen - sie alle sind erfunden. Bundesinnenminister Otto Schily, dem die Fälscher ein Grußwort in den Mund gelegt haben, ist die einzige real existierende Person im Heft. Einige der teilweise nett geschriebenen Texte, die um Verständnis für die Arbeit des BGS bei Castor-Transporten werben, erscheinen flüchtigen Lesern vielleicht echt. Genaue Lektüre allerdings ruft Stirnrunzeln hervor. Wenn etwa von »Hautfarbe und anderen undeutschen Merkmalen» im Rahmen von Gefahrenabwehr geschrieben wird, entlarven sich die Fälscher. Auch das Inserat, das eine Party bei der Polizei in Lüchow »unter Schirmherrschaft von Bundesumweltmi-nister Jürgen Trittihn» ankündigt, drückt dem Machwerk den Stempel auf: gefälscht!
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Ergänzungen

sehr nett

luther blisset 23.10.2002 - 23:29
ist ja immer wieder nett, wenn gute geister unseren staatsorganen helfen, zu sagen was sie wirklich meinen...

Lord Helmchen 23.10.2002 - 23:35
Könntet ihr es irgendwie schaffen die Broschüre im Netz zu posten?

auch meine Idee

Der Rächer der Entrechteten 24.10.2002 - 01:46
Ich schließe mich Lord Helmchen an. Es wäre schön, wenn es diese Broschüre im Netz gäbe, vielleicht als pdf oder was auch immer.

@Rächer der Entrechteten

AtomSchlumpf 24.10.2002 - 08:34
Dat Du det Dingen haben willst, is mir voll klar! ;-)

Weitere Ideen der Kommikationsguerilla

HoppeNase 24.10.2002 - 12:30
Links zu vielen Beispielen. Kommunikationsguerilla auch unter  http://www.contrast.org/KG

Mehr aus dem Inhalt

Taz-leser 24.10.2002 - 13:58
Achtung wir wissen ja, "Taz lügt" und man soll hier ja nich' einfach Zeitungsartikel und so...

Ich dokumentiere trotzdem :
Taz Hamburg, v. 23.10:

 http://www.taz.de/pt/2002/10/23/a0270.nf/text

Spätestens bei dem Satz fällt der Groschen: "Bundesgrenzschutz-Beamte suchen Anerkennung, weil sie im Leben nichts Gescheites gelernt habe ich für sie da." Das sagt nicht wirklich "BGS-Pastor Gerd Wagner" - sondern schreiben unbekannte AtomkraftgegnerInnen. Mit einem gefälschten
"Sonderheft Castortransport 2002", angeblich vom BGS
Uelzen, kritisieren sie das Vorgehen der
GrenzschützerInnen gegen DemonstrantInnen - und
geben gleichzeitig für den Anfang November
anstehenden nächsten Transport Tipps zur
Schienen-Sabotage.
Denn, so die vorgeblichen BGS-RedakteurInnen,
"präventive Maßnahmen erfordern genaue Sachkenntnis
der zu erwartenden Aktivitäten". So erfährt der Leser
nebenbei, dass der Schraubenschlüssel Größe 41 für
die Muttern an Bahnschwellen passt. Die Broschüre
warnt, das Gleisbett sei schon dann destabilisiert, "wenn
mehr als fünf Schwellen einseitig zu 30 Prozent
freiliegen."

Immer wieder komme es auch zu Beeinträchtigungen
des Transportes "durch Bewerfen der Frontscheibe der
Lok mit mit Lackfarbe gefüllten Beuteln". Die Broschüre
beklagt, dass sich die Proteste auf die Bahnstrecke
Hannover-Celle-Lüneburg ausdehnen könnten: "Eine
durchgängige Sicherung ist hier nicht leistbar, so dass
es Störer leichter haben werden einzugreifen."

Unter dem Titel "Bewegungsfreiheit effektiver
einschränken" fordert ein "Polizeihauptkommissar
Dietmar Benz", die "bereits bekannten ca. 1500-2000
Störer präventiv in Gewahrsam zu nehmen". Zur
Identifizierung verdächtiger Personen habe sich unter
anderem das Kriterium "wetterfeste Kleidung" bewährt.

Der echte Bundesgrenzschutz schickte gestern
Nachmittag eiligst eine Richtigstellung und kündigte
strafrechtliche Ermittlungen wegen Amtsanmaßung,
Urkundenfälschung, Verleumdung und Beleidigung an.
Andreas Bebensee, Sprecher des BGS Nord: "Wir
finden das nicht lustig."

Allerdings muss auch er zugeben, dass die Fälschung
sofort erkennbar ist, wenn man zuerst die Rückseite der
Broschüre liest. Dort wird für den Sonntag vor dem
Transport die "mega-friendship-party" in der
Polizeiinspektion Lüchow angekündigt. Schirmherr:
"Bundesumweltminister Jürgen Trittihn".
Heike Dierbach


24.10.2002 - 23:02
Auch die Allgemeine Zeitung Uelzen berichtet jetzt (Druckausgabe Do. 24.10.2002) von der Aktion:

BAP bei der Polizei
Das falsche Spiel rund um die BGS-Sondernummer

kl Uelzen. Der Bundesgrenzschutz (BGS) ist in heller Aufregung: Unbekannte haben im Namen der Bundespolizei gefälschte Sonderhefte zum bevorstehenden Castortransport 2002 in Umlauf gebracht. Sie sind professionell erstellt worden. Der BGS vermutet die Urheber im Lager von Castor-Gegnern, ermittele jedoch ,,nach allen Seiten". Über die Auflage und die Verbreitungsgebiete der achtseitigen Heftchen lagen gestern noch keine Erkenntnisse vor. In dem gefälschten Impressum wird die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Uelzener BGS als ,,Verlagsredaktion" genannt. Herausgeber demnach: das Bundesinnenminsterium. Einen Tag nach Erscheinen legten mutmaßlich die selben Autoren gestern nach: Sie warnten unter erneut gefälschtem BGS-Briefkopf vor einer inhaltlichen Verwendung der Broschüre.
Beim zuständigen Grenzschutz-Präsidium in Bad Bramstedt verschlug es Sprecher Andreas Bebensee daraufhin fast die Sprache. Der Pressemann heißt in der gefälschten Info übrigens POK Detlef Mohr. Den gibt es beim Bad Bramstedter BGS natürlich gar nicht, weiß aber kein Leser weiß. Nur die genannte Telefonnummer stimmt. Bebensee, der echte: ,,Das ist jetzt die Spitze. Da haben die noch einen draufgesetzt."
So spielt es auch kaum eine Rolle, dass in der gefälschten Warnung über die gefälschte Broschüre ebenfalls viel Blödsinn steht. Das einzig Richtige: die Rufnummern und Adressen des BGS. Die Seitenzahlen stimmen auch.
Das kostenlose Heftchen ist professionell erstellt: Gehalten in Polizeigrün, mit BGS-Sternchen, sogar ein Grußwort von Innenminister Otto Schily ist drin. Dessen Ministerium ist laut Fantasie-Impressum ja auch der Herausgeber dieser Postille. Und die Redaktion hat demnach der Uelzener BGS übernommen. Abteilung Öffentlichkeitsarbeit. Die preist die Castor-Nummer an und lässt alle freundlich grüßen durch Manuela Schnittker-Wetterau (gibt's nicht!).
So viel Dreistigkeit lässt sogar die wahren BGS-Beamten schmunzeln - und nötigt ihnen Respekt ab. Hainbergs Pressesprecher Bodo Pesarra: ,,Die Aufmachung ist gut. Die haben viel Mühe und Arbeit investiert."
Zum Beispiel auf der letzten Seite, in der eine Anzeige zum kostenlosen Besuch eines Konzerts gegen Gewalt wirbt. Mit Deutsch-Rock von BAP und Pur und Technic-Show am 10. November in der Polizeiinspektion Lüchow. Schirmherr, und man achte auf die Feinheiten: Umweltminister ,,Jürgen Tritihn".
Auch nicht ohne: Die Stellenanzeige der Deutschen Bahn, die für die Zeit des Castortransports ins Zwischenlager Gorleben im November Aushilfsarbeiter für Instandsetzungen an den Gleisen sucht.
Oder die wahnwitzige Info, dass die Polizei potenzielle Störer des Strahlenmüllzuges diesmal schon präventiv in deren Wohnungen abholt und dann festsetzt, weil's logistisch und ökonomisch halt sinnvoller wäre.
Kurzum: Die Fälscher warnen in ihrer nachgeschobenen Fälschung über die gefälschte Castor-Nummer ironisch darauf davor, dass in den Heftchen der Eindruck erweckt werden solle, ,,der BGS handele bei der Sicherung der Castortransporte nicht nach geltendem Recht".
Zu lachen haben werden die Urheber allerdings nichts, sollten sie erwischt werden. Die Liste der Vorwürfe ist lang und erstreckt sich bis ins Strafrecht: Urkundenfälschung, Amtsanmaßung, Verstoß gegen das Presserecht und, und, und.
Allgemeine Zeitung Uelzen. 24.10.2002
 http://www.allgemeine-zeitung-uelzen.de/texte.php4?R=LokAZ#1

ps schreibt bitte nicht, dass ihr die aktion gut fandet, das ist dann nämlich vielleicht billigung/gutheissung o.ä. einer straftat, das ist wiederum eine fürchterlich schreckliche straftat und wegen so etwas gab es ernsthaft schon hausdurchsuchungen...


24.10.2002 - 23:15

Was darf mensch billigen?

Bill Iger 27.10.2002 - 21:47
Da oben hat jemand vor dem Billigen von Straftaten gewarnt, dazu nur kurz: Lest mal § 140 StGB. Nicht billigen darf man nur schwerere Delikte wie Geldfälschung, Raub, schwere Körperverletzung, Brandstiftung, oder auch das gemeingefährliche Herbeiführen einer Kernexplosion...