Go Gorleben?

Go Gorleben! 04.10.2002 16:25 Themen: Atom
Aufruf zum Castortransport in der zweiten Novemberwoche 2002
In der zweiten Novemberwoche 2002 rollt der mit 12 Behältern bisher größte anzunehmende Castortransport von der Wiederaufbereitungsanlage La Hague nach Gorleben. Dort, oder in einem noch nicht existierenden Endlager, strahlt der Dreck dann die nächsten 48.000 Jahre. Dieser Zeitraum ist jenseits der menschlichen Vorstellungskraft. Wir sehen das Licht von Sternen die längst erloschen sind.

Aber ohne Kredit ist der Kapitalismus nicht denkbar und die Nutzung der Atomenergie ist ein billiger Kredit auf die Zukunft für den Profit von Heute. Atommülltransporte dienen dem Weiterbetrieb von Atomkraftwerken. Hier noch einmal die Argumente zu wiederholen ist langweilig. Der beschlossene »Ausstieg aus der Atomenergie« ist eine Bestandsicherung für die Atomindustrie für die nächsten 30 Jahre.

Der Weiterbetrieb der Atomanlagen bedeutet Gewalt. Sie ist Vorraussetzung und Ergebnis des atomaren Normalbetriebs. Die Produktion von Atomstrom ist unmittelbar verbunden mit der Produktion einer gewaltbereiten Sicherheitsmaschine. Jeder Castor-Transport nach Gorleben erfordert zur Durchsetzung die Tendenz des Polizeistaats. Das Wendland wird zu einer exterritorialen Sonderzone in der paramilitärische Polizeitruppen umfassende Verbote exekutieren.

Doch das atomare Empire kann zur Lösung des Problems nicht einfach eine Droiden-Armee einfliegen lassen, denn die Artikulation des Widerspruchs findet auf einem sozialen Planeten statt und dessen Boden trägt bekanntlich keine Roboter. Auf dem sozialen Terrain sind die weichen Faktoren wie Öffentlichkeit und Legitimität entscheidend. Das hat der Atomstaat erkannt. Er versucht mit einer Übermacht an Klon-Kriegern das Zusammenkommen der widersprechenden Menge und damit ihre Wahrnehmbarkeit zu verhindern. Aber Legitimität gewinnt er dadurch nicht.

Die Gewissheit politisch und moralisch im Recht zu sein nützt uns wenig wenn wir unsichtbar bleiben. Widerstand in Gorleben bedeutet heute in erster Linie die Wiederaneignung des sozialen Raums, die Verteidigung des Rechts in unserer Unterschiedlichkeit zusammen zu kommen um als öffentlicher Widerspruch sichtbar zu sein. Das ist existenziell und die gewaltförmige Zurückweisung dieses eigentlich selbstverständlichen Bedürfnisses durch den Atomstaat zeigt die Schärfe des Konflikts. Hier kann nicht von Befriedung gesprochen werden den Befriedung bietet integrative Angebote. Unterbindung, Abschreckung und Frustration sind die Mittel und Ziele der Repression.

Der soziale Raum ist nicht leer. Er ist angefüllt mit der sozialen Praxis legitimer Grenzüberschreitungen. Das ist der Kern kollektiver Widerstandserfahrung. Die Möglichkeit unmittelbar in den Transportablauf einzugreifen kann der befreiende Augenblick sein in dem wir in den Verhältnissen tanzen. Das lassen wir uns nicht nehmen. Und das treibt den politischen und materiellen Preis in die Höhe. Das bedeutet Wiederaneignung des sozialen Raums.

Sicherheitspolitik ist die Konservierung des Status Quo. Aber der Sicherheitsstaat lernt von uns. Wir dürfen die Einladung zur Konfrontation auf seiner Ebene der Gewalt nicht annehmen sondern müssen dorthin ausweichen wo wir die soziale Praxis bestimmen. Hinter der alltäglichen Langeweile und ihren scheinbaren Gewissheiten verbirgt sich eine Welt von Möglichkeiten die wir nur entdecken können wenn wir uns trauen in sie hinein zu treten. Das ist risikoreicher als das Betreten einer Ikea-Filliale aber auch wesentlich spannender.

Go Gorleben!

• Erwarteter Transporttermin: Mo. 11. – Di. 13. Nov.
• Auftaktdemonstration: Sa. 09. Nov. 13.00 Uhr in Gorleben
• Anlaufstellen für Aktionen und Schlafplätze: Infowiesen in den Orten Dahlenburg und Metzingen
• Info Hotline der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg: 0511 - 900 12 50 666
• Weitere Informationen im Internet unter: www.castor.de, www.bi-luechow-dannenberg.de, x1000malquer.de
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Ergänzungen

wie?

grau 04.10.2002 - 20:07
esso-wiese diesjahr von den bullen von vorneherein besetzt oder was? oh ja, ich hatte da was gelesen...

So sieht das aus!

06.10.2002 - 21:55
Guter Artikel!

ja wir schaffen das !

Bob der Baumeister, aus RE 08.10.2002 - 00:44
...

DIE ALTEN RITTERSLEUT'

Petra G. Müller 09.10.2002 - 22:35
"JA SO WARN'S, DIE ALTEN RITTERSLEUT'......."
MOTTO: Die alten Rittersleut'
Ja so warn's, ja so warn's, ja so warn's, die alten Rittersleut'
ja so warn's, ja so warn's, die alten Rittersleut'

Ging ein Ritter mal auf Reisen
legt' er seine Frau in Eisen
doch der Knappe Friederich
der hatte einen Dieterich…usw…

Ja so warn's….

Die alten Rittersleut', ja, die hatten keine Computer, keine Videorecorder, Fernseher, sie hatten keine Waschmaschinen, keine Kühltruhen, elektrische Konservenöffner, Rasenmäher, Geschirrspüler, keine Siemens-Martin-Öfen, Microprocessoren, Windturbinen, Hochspannungsleitungen, CD- Spieler, keine Breitbandkabelnetze, Kernkraftwerke, Internet-Kontaktbörsen, Überschallflugzeuge, Gasturbinen, Cabrios mit Navigationssystem, usw… usw…, denn sie wussten die elektrische Energie noch nicht einzusetzen, da es sie, abgesehen von Gewitterblitzen, damals noch nicht gab.

Welch ein Segen für uns, dass wir heute unseren Lebensstandard der elektrischen Energie zu verdanken haben (nicht zu vergessen auch die Mineralölprodukte, z. B. für Heizung und Verkehr).

Klar ist jedoch, dass der Strom auch bezahlbar sein und rund um die Uhr bereitgestellt werden muss.

Dies scheinen viele Zeitgenossen zu vergessen (wie auch aus zahlreichen Beiträgen dieses Forums hervorgeht), da sie sich z. B. für den Ersatz der Kernkraftwerke durch Windmühlen und Solarzellen, also Zufallsenergien, aussprechen.

Elektrische Energie wird bei uns zu mehr als 90% aus akkumulierten, d. h. gespeicherten fossilen und nuklearen Energieträgern bereitgestellt. Hierbei handelt es sich um Steinkohle (24%), Erdgas (7%), Braunkohle (27%) und Uran (33%), wobei die beiden Letzteren die Grundlast rund um die Uhr decken und damit auch für einen stabilen Netzbetrieb wichtig sind.
Die restlichen 9% entfallen auf Wasser (5%), Wind (2%), und Sonstige (2%), d.h. Müll, Heizöl, Biomasse, und PV. Deshalb werden regenerative Energien auch additive, sprich zusätzliche Energien genannt.

Dass dem so und nicht anders ist, hat viele naturwissenschaftlich und betriebswirtschaftlich begründete Ursachen. Es würde zu weit führen, hier darauf einzugehen.

Die oben genannten Energieträger sind im Laufe von vielen Jahrtausenden entstanden. Wir schicken uns jedoch an, diese wertvollen Ressourcen in wenigen Generationen zu verheizen.

Mit "wir" meine ich die Bevölkerung in der Industrieländern, die etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung dieser unserer Erde ausmacht. Dies sollte uns zu denken geben.

Was sind nun die Auswege ?

1) In Zukunft muss unbedingt mit den Ressourcen schonender und sparsamer umgegangen werden. Dies betrifft insbesondere unser eigenes persönliches Verhalten im Alltag.

2) Die Wirkungsgrade der vorhandenen Kraftwerke müssen erhöht werden. Dies wurde z. B. bereits in den meisten deutschen Kernkraftwerken realisiert, indem dort die Dampf-Turbinen nach dem neuesten Stand von Wissenschaft und Technik umgebaut wurden. Dieser Umbau brachte übrigens viel mehr an elektrischer Arbeit ohne zusätzlichen Primärenergieaufwand, als alle derzeit in Deutschland installierten Windkraftanlagen in der Lage sind, zu erzeugen. Siehe hierzu auch www.krb.de (Leistungserhöhung).
Des weiteren sind in die Jahre gekommene Kraftwerke durch neue, moderne wirkungsgradoptimierte (über 42%) Anlagen zu ersetzen, wie zum Beispiel in Schwarze Pumpe, Lippendorf, Boxberg und Niederaussem, wo in den letzten vier Jahren hochmoderne saubere Braunkohlekraftwerke der 800- bis 1000- MW- Klasse entstanden bzw. zur Zeit gebaut werden, welche die Kohle besser verwerten.

3) Einen wichtigen Stellenwert für die Zukunft hat nach wie vor die Kernenergie. Das Versprechen des sogenannten Atomausstieges ist leider nichts anderes als Betrug am (ahnungslosen ?) Wähler. Wie ich bereits mehrfach darlegte (z. B. "Wie sagte schon Galileo Galilei…."), wäre es höchst töricht, auf Kernenergie zu verzichten, da diese fossile Ressourcen schont und damit auch das Klima. Allein letztes Jahr sind durch Kernenergieeinsatz in Deutschland etwa 170 Mio. Tonnen CO2 unserer Umwelt erspart geblieben. Was die nukleare Sicherheit betrifft- die ist heute so hoch, dass dieses Thema nicht mehr langatmig diskutiert werden muss. Für die Verwertung des benutzten Kernbrennstoffes ergeben sich für die Zukunft auch neue Möglichkeiten, wie z. B. Transmutation.

4) Selbstverständlich muss nach weiteren Möglichkeiten gesucht werden, elektrische Energie wirtschaftlich und umweltschonend bereitzustellen. Damit meine ich den Einsatz von regenerativen Energiequellen (Erdwärme, Sonne, Wind…), wo dieser sinnvoll und wirtschaftlich ist. Auch die Brennstoffzelle wird neue Möglichkeiten eröffnen.

Heute schütteln wir den Kopf über manches Geschehen in den Zeiten der alten Rittersleut'. Es werden ja heute keine Ehefrauen mehr in Eisen gelegt.
Nein, aber es liess sich z. B. ein 16- jähriges Mädchen während des vorletzten Castortransportes nach Gorleben ihren Arm im Gleisbett festbetonieren. Vermutlich braucht sie keinen Strom und produziert auch keinen Müll, egal welchen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Nachkommen ihren Kopf noch mehr über die Diskussionen in Sachen Kernenergie schütteln werden, die zur Zeit bei uns geführt werden.

Ich bedanke mich bei allen, die bis her gelesen und ein wenig überlegt haben und wünsche noch einen schönen Abend.


Dipl. -Ing. Petra Gisela Müller


Ach die Giesela wieder

Studi 09.10.2002 - 22:49
Bei jeden Castor-Transport kommt derselbe Standardtext. Auf Widerlegung wird gar nicht oder mit Polemiken/weiteren Lügen reagiert. Hauptthese der Giesela ist, daß Atomkraft die einzige Art der Energierzeugung sei.

eingehen

primus 10.10.2002 - 00:27
Ja, ich glaube da kann man 'ne Menge zu einwenden, und bringen tuts eh nix...
Und zu unser aller Frage, ob wir kein Strom benutzen würden...
Gegenfrage: Haben sie ein Auto ? Fahren sie mit Atomstrom ?
Warscheinlich lautet die Antwort erst ja, dann nein.

Daher sollten besonders so kluge Leute, die einen Dr. oder Prof. oder Ing. oder Dpl. oder was weiß ich haben, endlich einsehen, dass wir den Primärenergieverbrauch uns angucken müssen(da liegt Atom "nur" noch bei 11%) !!!

MfG,

Ansgar

PS.: Warum ist das so wichtig, wie alt das Mädchen ist?
Wäre es anders, wenn es sich um einen Mann gehandelt hätte, der womöglich 63 Jahre alt ist???
Meine Güte!!!