'Christen für Israel' segnen Außenminister
Die Veranstaltung beginnt pünktlich, und wird, da die deutsche Tochterorganisation der "Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem" ihren Sitz im süddeutschen Stuttgart hat, in reinstem Schwäbisch anmoderiert. Gleich zu Beginn kommt ein Pastor zu Wort, und fordert die Anwesenden auf, als Geste des Segens ihre Hände mit gen Himmel gerichteten Handflächen in Kopfhöhe zu heben. Der Segen geht in Richtung des Diplomatenaquariums auf der anderen Straßenseite. Geschäftsträger Joseph Fischer soll auf diese Weise zu einer proisraelischen Außenpolitik bewegt werden. An der Selbstverständlichkeit, mit der die überwältigende Mehrheit der Teilnehmer dieser Aufforderung folgt, merke ich: Hier handelt es sich um eine innerchristliche Subkultur mit eigenen Ritualen, stabiler Zielgruppe und einem eigenem Diskurs.
Nach dem kurzgehaltenen Auftakt setzt sich die Demonstration in Bewegung - ohne Lautsprecherwagen, dafür aber begleitet von den Stimmen einiger Teilnehmergruppen, die vor allem in den Häuserschluchten von Oberwallstraße und später in der Dorotheenstraße Hallelujagesänge und anderes christliches Liedgut vortragen. Als der Aufzug am Bebelplatz auf die Linden einbiegt, stockt der Verkehr. Autofahrer recken die Hälse, einzelne steigen aus und vermischen sich mit anderen Schaulustigen. Es ist eine langgestreckte Latschdemo, die sich über die gesamte Strecke vom Bebelplatz bis zur Wilhelmstraße hinzieht. Die Demonstranten zeigen ihre Haltung: Ich zähle 354 Israel-Fahnen, davon eine ganze Reihe mit anderen jüdischen Symbolen kombiniert, 24-Deutschland-Fahnen, und bestimmt nocheinmal so viele selbstgebastelte deutsch-israelische Fahnencollagen - kleinere Winkelemente jeweils nicht mitgerechnet. Ein rundlicher Herr in der ersten Reihe trägt eine Krawatte mit deutsch-israelischem Muster. Zwei junge Männer haben sich einen aus blaugestrichenen Dachlatten gefertigten Davidstern (Kantenlänge 1,20m) auf die Schultern geladen. Einer trägt seine Israel-Fahne an einem Holzkreuz. Eine ältere Dame schützt sich vor der Spätsommersonne mit einem blau-weißen Regelschirm - "I love Israel" ist handschriftlich darauf ergänzt. Ein Pappschild argumentiert allgemeinverwendbar: "Ohne Gott geht alles kaputt". Andere Schilder besagen "Keine Wiederholung", "Israel, Du bist nicht allein" oder "Stoppt den islamistischen Terror". Einige Schilder tragen kyrillische Schriftzeichen. Ein Flugblattverteiler drückt mir die "10 Gründe, die Partei Bibeltreuer Christen zu wählen" in die Hand. Die PBC ist mit einigen Dutzend vorproduzierter Spruchbänder gleichmäßig über die Demonstration verteilt. Dort heißt es: "Wir lieben unsere jüdischen Mitbürger - kein Antisemitismus". Ein ergrauter Anzugträger kommentiert mein Fahnenzählen: "Es müßten noch viel mehr sein." Da für die Teilnehmer das eigentliche Kernereignis des Tages noch bevorsteht, bewegt sich die Demonstration in zügigem Schritt zum Reichstag, wo gegen 16 Uhr die Abschlußkundgebung beginnt.
Während die Demonstranten sich vor der im Nordabschnitt der Ebertstraße aufgebauten Bühne sammeln und der Eisverkäufer vor dem Palais am Pariser Platz das Geschäft des Wochenendes macht, spielt unter Leitung von Christoph Bonnen die Popband Light of Life auf. "Ich will von Deiner Liebe singen", lautet der Refrain, der im Publikum eifrig mitgesungen wird. Der Auftaktredner heißt zunächst die "Sächsischen Israel-Freunde" willkommen. Obwohl teilweise vom Hochwasser persönlich betroffen, haben sich Delegationen aus Dresden und Magdeburg auf den Weg nach Berlin gemacht. Dann nimmt er auf die aktuelle Politik Bezug. Man teilt die Einschätzung des Zentralrats der Juden und antifaschistischer Intifada-Kritiker, daß es sich bei den diesjährigen Erscheinungen um die größte Welle von Antisemitismus seit Jahrzehnten handelt. Der Redner wird immer wieder von Applaus unterbrochen, auch einzelne Amen-Rufe sind zu vernehmen. Er spricht von "beunruhigenden Signalen" und drückt den Wunsch aus, "daß der Antisemitismus in Deutschland nicht mehr Fuß fassen kann". Die in der Präambel des Grundgesetzes genannte "Verantwortung vor Gott" gebiete es, daß Deutschland sich der "Terrorpolitik des palästinensischen Volkes" auch politisch entgegenstelle.
Dann übergibt er das Wort an Pastor Dr. Wolfhard Margies, Vertreter der Berliner "Gemeinde auf dem Weg Evangelische Freikirche e.V.", der den besonderen Charakter der Veranstaltung erläutert. Die Kundgebung sei "nicht in erster Linie oder ausschließlich politisch", sondern aus der "Liebe zu Gott und seinem Volk Israel" heraus motiviert. Auch wenn man sich geschichtlicher Verantwortung bewußt sei, wäre diese nicht das tiefere Motiv. In erster Linie handele es sich um eine geistliche Veranstaltung. Israel werde "weltweit zur Schlachtbank geschleift", dazu könnten und dürften Christen nicht schweigen. Die Folge dürfe allerdings nicht sein, "Haß auf die Araber" zu entwickeln, sondern sich "ganz bewußt auf die Seite Israels zu stellen". Swen Schönheit von der in der Evangelischen Landeskirche organisierten Apostel-Petrus Gemeinde Reinickendorf, der in Folge spricht, pflichtet bei. Israel sei "das Land, das uns die Bibel geschenkt hat".
Solche Formulierungen, wie auch Transparente a la "Jeshua, der König der Juden und Herr der Welt kommt", deuten auf eine Haltung hin, in der die Umarmung Israels weniger aus menschlicher Solidarität, als vielmehr aus religiösem Eigeninteresse motiviert scheint. Nicht nur in seinem Nachbereitungspapier zum "Tag des Bodens", sondern auch schon in Form von Lautsprecherdurchsagen auf der Anti-Intifada-Demonstration am 14.04. hatte das Berliner Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus (BgAA) sich von "rechtsfundamentalistischen Christen" distanziert, "deren Vereinigungen nicht nur als radikale Abtreibungsgegner bekannt sind, sondern auch gezielt in Israel die jüdische Bevölkerung mit aggressiver christlicher Missionsarbeit belästigen." Der katholische Priester Bernhard Springer vom "Koordinierungsausschuss für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit" kommentiert dieses Phänomen: "Die Israelliebe freikirchlicher Gemeinden und ihr missionarisches Bemühen, Juden zum Christusbekenntnis zu führen, sind von der Überzeugung motiviert, daß die Welt dem Ende der Zeiten zusteuert und das Kommen des Messias und seines Reiches greifbar nahe gekommen ist. Das endzeitliche Heil wird von der Rettung ganz Israels (Röm 11,25f) durch seinen bis jetzt von vielen nicht erkannten Messias abhängig sein." In Israel, das Christen volle Religionsfreiheit gewährt und lediglich Versuche verbietet, Bürger durch materielle Anreize oder Minderjährige unter 16 zum Religionsübertritt zu bewegen, leben ca. 200.000 Christen, das sind 3,5% der Bevölkerung, darunter eine konstante Zahl von 4.000 sog. messianischen Juden, die sich von jüdischen Wurzeln aus christlich-freikirchlichen Überzeugungen zugewandt haben und für proisraelische Christen außerhalb Israels missionarische Hoffnungsträger darstellen.
Von Endzeitstimmung ist auf der Ebertstraße freilich nichts zu bemerken, der anschließende Songtext sagt sogar im Refrain: "Alles wird gut". Nur später, in einem der Grußworte wird eine der Rednerinnen, wenn auch ohne damit beim Publikum wirkliche Bestürzung auszulösen, die Frage aufwerfen: "Könnte es sein, daß die Flutkatastrophe etwas mit unserem Verhältnis zu Israel zu tun hat?" Auch wenn es aus der Luft gegriffen scheint, die erste, die diesen Zusammenhang herstellt, ist sie nicht. Ein auf dem Open-Publishing-Projekt indymedia erschienener Beitrag hatte dagegen lamentiert, daß die Dresdner Synagoge, wie auch Sakralgebäude anderer Religionen, besser als die umliegenden Wohngebäude gegen das Hochwasser geschützt worden war, und war daher als Nazi-Spam klassifiziert worden. Nachdem einige Minuten "Light of Life" mit "Vater des Lichts" mitgesungen und -geklatscht wurden, wird es wieder politisch. Es spricht Günter Nooke, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion und Mitglied der Wertekommission. Der Ex-Volkskammerabgeordnete kritisiert die verblichene DDR für die Ausbildung der Truppen Arafats, brilliert zum 11. September mit einer gewundenen Formulierung, als er betont, die Attentäter seien motiviert worden, durch "das Bewußtsein von dem, was manche als Glauben, empfinden, aber noch nicht gelernt haben, friedlich zu vertreten und spricht ansonsten distanziert von "Ihrem Anliegen" und "Ihrer Demonstration". In einem der ab 16:30 folgenden Grußworte wird Lothar Klein von den Sächsischen Israelfreunden darauf hinweisen, daß "einigen Abgeordneten, namentlich Günter Nooke, seitens der PR-Berater geraten wurde, nicht hierherzukommen." Klein ist ehemaliger Volkskammer- und Europaparlamentsabgeordneter und kann es sich daher direktere Formulierungen gestatten - er sieht es als erforderlich an, sich "uneingeschränkt zu Israel zu stellen, unabhängig davon, was in Israel geschieht."
Doch das prominenteste Grußwort kommt von Philipp Prinz von Preußen, Urenkel des einstigen preußischen Kaisers Wilhelm. Der warnt davor, angesichts des "abscheulichen Terrors" der Intifada in Haß zu versinken. Das "Existenzrecht der Palästinenser" dürfe nicht zur Disposition gestellt werden. Waltraud Keil von der "Brücke Berlin-Jerusalem" stellt historische Aspekte in den Vordergrund: Man befinde sich an dem Ort, wo vor 60 Jahren die Hakenkreuzfahnen wehten. Judenverfolgung habe in Berlin Tradition, im 14. bis 16. Jahrhundert sei es als Reaktion auf die Pest zu Judenverbrennungen gekommen. Später hätte die Ausbreitung der Freimaurerei die "Abwendung von Gott" zur Folge gehabt. Um "den Gang der Geschichte umzukehren", müsse man "alle Politiker unterstützen, die sich an die Seite Israels stellen". Das sei erforderlich, auch dann wenn diese nicht im Bewußtsein der Verantwortung vor Gott, sondern aus selbstsüchtigen Interessen handelten, "damit Segen und Heil von Berlin ausgehen und wir mit unserer neuen Hauptstadt versöhnt sein können."
Als nächstes spricht Ludwig Schneider, Herausgeber der "Nachrichten aus Israel" / "Israel Heute", der von Bundesverband Jüdischer Studierender in Deutschland (BJSD) e.V. im Februar des Jahres wegen seiner Vorstellungen eines "mystischen Endkampfes der Kulturen in Israel", die "weniger auf sachgerechten und gut recherchierten Informationen beruhen, sondern stattdessen aus seinem christlich-fundamentalistischen Weltbild erwachsen", scharf kritisiert worden war. Seinen Quellen zufolge sind in den letzten Jahren 21 Journalisten wegen ihrer Berichterstattung über islamistische Brutalität ermordet worden - wer hingegen Israel kritisiere, könne beliebig unsachlich werden, es werde ihm "kein Haar gekrümmt." Er wirft die Frage auf, warum man den palästinensischen Flüchtlingen nicht den Wohnraum der 900.000 aus arabischen Ländern vertriebenen Juden zur Verfügung gestellt habe und berichtet von einem antisemitischen Gerücht: Studenten in San Francisco hätten die makabre Behauptung aufgestellt, Büchsenfleisch, das in Samaria und Judäa produziert werde, sei Menschenfleisch von palästinensischen Kindern. Der robuste, bärtige Kriegsberichterstatter schreit fast: "Merken Sie, was für eine Zeit das ist?!?" und hat auch die übrigen Teile seiner Rede in solcher Aufgeregtheit vorgetragen, als sei er nicht wirklich davon überzeugt. Erst zum Schluß hin wird er wieder pastoral: Die Lösung seien nicht zwei Staaten, sondern ein "friedliches Miteinander in einem Staat". Er wäre zuversichtlich, denn der Nahostkonflikt sei mittlerweile "Chefsache Gottes".
Dann kommt erneut Moderator Harald Eckert von den "Christlichen Freunden Israels" zu Wort. "Wir sprechen jetzt dreimal laut zusammen: Deutschland an der Seite Israels. Deutschland an der Seite Israels. Deutschland an der Seite Israels." Nach diesem Bekenntnis ist ihm die Aufmerksamkeit des nach dem Vorredner noch etwas unruhigen Publikums wieder sicher. Dann geht er konkreter auf die deutsche Regierungspolitik ein. In Deutschland sei es zu "höchst bedenklichen Veränderungen in der Innenpolitik" gekommen. Bundeskanzler Schröder habe mit seinem Vorschlag eines Bundeswehreinsatzes "weite Teile Israels enttäuscht". Außenminister Fischer spricht er seine Anerkennung für das "hohe Maß an Verständnis" aus, das allerdings jetzt an eine "schmerzliche Grenze" gelangt sei. Man dürfe nicht wie Fischer davor die Augen verschließen, daß der palästinensische Terror ein Massenphänomen sei, nicht bloßes Werk von Einzeltätern. Deutschland müsse daraus die Konsequenzen ziehen und "aufgrund seiner einzigartigen Beziehung zu Israel einen eigenen Weg einschlagen". Als er den Namen Möllemann erwähnt, wird er von Buhrufen und Pfiffen aus dem Publikum unterbrochen.
Die heutige Veranstaltung ist einer von drei Bausteinen einer auf die Bundestagswahl zielenden Kampagne. Daneben ist ein offener Brief in der Tagespresse für die Woche vor dem Wahlsonntag geplant, außerdem soll das Thema den Wahlkreisabgeordneten nahegebracht werden. Es folgen weitere Grußworte - eingeleitet von Beifallsbekundungen aus dem Publikum, als der Moderator sagt, "für Israel sind wir auch bereit, länger zu stehen." Marcel Malgow, Leiter des Schweizer Missionswerks Mitternachtsruf, meint: "Der Terror richtet sich auch gegen Europa." Er wendet sich an die Presse: "Sie machen mit ihrer Berichterstattung die Deutschen zu Antijudaisten - aber noch haben Sie Zeit, umzukehren." Ich spreche währenddessen mit einem jungen Mann im Publikum neben mir, der eine Deutschlandfahne mit dem aufgedruckten Schriftzug "Deutschland erwache" über der Schulter hängen hat. Auf die Frage, was das bedeute, erläutert er mir: Damit sei gemeint, daß Deutschland erwache und sich Gott zuwende. "Wenn sie diese Fahne durch die Straße tragen, müssen Sie damit rechnen, daß sich Leute an die Nazi-Parole erinnert fühlen. Sie können das nicht als selbsterklärend voraussetzen. Wie erklären Sie es einem Atheisten?" Darüber habe er noch nicht nachgedacht. Später rollt er nachdenklich die Fahne ein, bevor er sich auf den Weg zur Bahn macht.
Die Abmoderation hat wieder mehr Erlebnischarakter: Zunächst gibt es auf Bitten der Moderation eine Runde Applaus für die Polizei, von der außer ein paar Kontaktbeamten nicht viel zu sehen ist. Die Kundgebungsteilnehmer danken auf diese Weise dafür, daß "sie es ermöglicht, daß eine solche Veranstaltung stattfinden kann und uns den Weg freigemacht hat". Letzteres ist gar nicht nötig gewesen - zu Störungsversuche durch Intifada-Anhänger war es erst gar nicht gekommen. Anschließend wird der Reichstag gesegnet und für eine proisraelische Politik bei Gott vorgesprochen. Eine junge Frau betet auf der Bühne ins Mikrofon: "Vater, wir danken Dir für diesen Tag" - mit sich in den Wiederholungen ekstatisch überschlagender Stimme, fast ohne Luft zu holen, und unterlegt von einem leicht pathetischen Musikbett. Das Publikum ist für eine Menge dieser Größenordnung ungewöhnlich still, viele stehen in Besinnung versunken, mit geschlossenen Augen und zur Segensgeste erhobenen Händen. Die Stimme der Vorbeterin steigert sich zu einem Crescendo und verebbt in dem Wunsch, daß "Ströme des Segens fließen aus Deutschland in Richtung Israel". Ein Pastor spricht ein weiteres Gebet nach einem ähnlichen Schema - ist es für den modernen Beobachter auch ein beinahe exotisches Ritual, wird doch erkennbar: Hier werden Gefühle gezeigt. Das wurden sie bei den Pro-Intifada-Veranstaltungen auch, aber hier ist keine Spur von Aggression festzustellen.
Zum Abschluß wird das Shofar-Horn geblasen, das "Schma Israel" und das "Vater unser" gebetet. Mit einem letzten Song von "Light of Life" klingt gegen 18:30 ein Nachmittag aus, der in erster Linie inneres Ereignis einer in unserer Gesellschaft weitgehend isoliert lebenden Gruppe war - mit eigenen Ritualen, eigenen Themen und einer Reihe mehr oder weniger kurioser Gründe, sich in der Haltung zur Nahostpolitik gegen den europäischen Mainstream einer sich als unentschieden gebenden Parteinahme für die Zweite Intifada zu stellen. Was bleibt, sind "I love Israel"-Kreidemalereien auf dem Asphalt, Bühnenbau-Tagelöhner die ihre im Backstage aufgespannten Hängematten wieder einrollen und sich an den Abbau machen sowie sich unter den Linden verteilende Kundgebungsteilnehmer, die ihre Israel-Fahnen angstfrei und offen bis zu den Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmitteln tragen.
Ich suche das Gespräch mit Harald Eckert, der für die "Christlichen Freunde Israels" im Bündnis "Deutschland an der Seite Israels" die Veranstaltung moderiert hat. War die Kundgebung, soweit es ihren politischen Aspekt betrifft, eine reine Wahlkampfveranstaltung? Der Sprecher meint nein. Zwar habe die Wahl den Zeitpunkt bestimmt, doch ginge es ihnen auch darum, ihre Position zu festigen, nachdem sich im Frühsommer das Meinungsspektrum zu Israel in Deutschland "neu sortiert" habe. Die Initiative wolle sich nicht nur an die politischen Repräsentanten wählen, sondern auch an "das Volk". Man versuche allerdings nicht, die Vertreter der Intifada-Solidarität zu einer veränderten Haltung zu bewegen, sondern wende sich an die große Mehrheit der Verunsicherten. "Wie stehen Sie zu Initiativen aus anderen Bereichen der Gesellschaft, wie z. B. dem Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus, das in Berlin Proteste gegen die Intifadamärsche und die Walser/Schröder-Diskussion organisiert hat?" Eckert sieht "punktuelle Überlappungen" und "Bemühungen, die ich anerkenne". Diese stünden zwar vor dem Hintergrund einer "unterschiedlichen Grundhaltung", er begrüße jedoch alle Bemühen, Israel zu unterstützen.
"Was sagen Sie dazu, daß es in bestimmten Teilen des christlichen Spektrums Überlappungen mit Positionen von Islamisten gibt?" Eckert sieht mich ungläubig an. "Können Sie ein Beispiel nennen?" Ich weise ihn auf die Positionen zur Lebensformenpolitik hin. Gruppierungen wie die "Partei der Bibeltreuen Christen" würden mit ihrer diskriminierenden Haltung zur Homosexualität eine Auffassung vertreten, die der des islamischen Fundamentalismus gleiche. Andererseits sei Israel jedoch das einzige Land im Nahen Osten, wo Lesben und Schwule frei von Verfolgung leben könnten. Ich frage, wie er sich diesen Widerspruch erkläre. Eckert: "Homosexualität ist keine politische, sondern eine seelsorgerische Frage." Wer hilfebedürftig sei wie Homosexuelle, dem müsse auch seelsorgerisch geholfen werden. "Aber im Sinne einer Normierung der Gesellschaft ist das nicht akzeptabel."
Mir kommt ein Wahlplakat der von der Antifa beobachteten PBC in den Sinn, das einen nahegelegenen Laternenpfahl in der Ebertstraße ziert. Dort heißt es mit vorpluralistischem Bewußtsein auf pastellbraunem Grund: "Deutschland braucht feste Werte." Ich stelle die nächste Frage: "In diesem Jahr hat sich Ministerpräsident Sharon erstmals mit einem Grußwort an die Teilnehmer des Jerusalemer Christopher Street Day gewandt und damit gezeigt, daß er gesellschaftspolitisch liberaler denkt als Politiker seines Lagers in Deutschland. Wie stehen Sie dazu?" Harald Eckert winkt etwas verlegen ab: "Das ist nicht mehr Thema dieser Veranstaltung." Darauf könne er als Sprecher der Initiative "Deutschland an der Seite Israels" keine Antwort geben, das Thema sei nur geeignet für ein persönliches Gespräch. Als ich ihm etwas später die Hand zum Abschied reiche, schlägt er ein. Dennoch: Die Offene Gesellschaft, der der politische Islam den Kampf angesagt hat, ist oftmals schon weiter als die, die sie in Schutz nehmen.
Ob der geistliche Beistand für Joseph Fischer die erhoffte Wirkung haben wird, darf ernstlich in Zweifel gezogen werden: Hinter der Maske des Menschenrechtlers hat der Ex-Linke und Arafat-Claquer von 1969, der bereits "wegen Auschwitz" einen Angriffskrieg gegen Jugoslawien geführt hatte, in der vergangen Monaten immer deutlicher erkennen lassen, daß er gemeinsam mit anderen außen- und militärpolitischen Falken der Europäischen Union Israel zum Spielball europäischer Weltinnenpolitik machen möchte. Fischer hatte auf dem Höhepunkt der internationalen Aufregung um die Operation Schutzschild im April ein Ideenpapier vorgelegt, das "einen weiteren Fall darstellt, in dem Deutschland eine Führungsrolle im globalen Rahmen ergriffen hat, und diesmal im hochsensiblen Feld der Nahostpolitik", so Jackson Janes vom Amerikanischen Institut für Zeitgenössische Deutschlandstudien. "Die Präsenz deutscher Truppen im Einsatz im Balkan, am Horn von Afrika und in Afghanistan könnte jetzt auf die Westbank ausgedehnt werden."
Der palästinensische Minister für internationale Zusammenarbeit, Nabil Schaath, kommentierte am 19. April den sogenannten Friedensplan: "Wir würden sehr gerne Truppen ins Land kommen sehen." Bereits in einer Oktober 2001 beschlossenen Erklärung hatten die Außenminister der Staaten der Organisation der Islamischen Konferenz "die EU ebenso wie ihre Mitgliedsstaaten" aufgefordert, "internationalen Schutz für das palästinensische Volk zur Verfügung zu stellen."Auch wenn Fischer sich dagegen verwahrt, daß die noch im Januar 2002 im geheim tagenden Bundessicherheitsrat herbeigeführte Entscheidung einer Aussetzung von Exportgenehmigungen für 120 sicherheitsrelevante Exportgüter als Boykottkampagne gewertet wird, bezeichnete die Financial Times Deutschland im April die erst durch Journalistenfragen an das israelische Verteidigungsministerium bekanntgewordene deutsche Linie als "heimliches Waffenembargo" und die Washington Post sah die Entscheidung als Versuch Europas, "to bring muscle to its words".
Javier Santana betreibt, seit im April eine proisraelische Diskussionsveranstaltung in Berlin von Intifada-Anhängern überfallen wurde, eine Watchsite, die den Antisemitismusstreit in der Linken dokumentiert.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
Ergänzungen
Gute Analyse!
untypisch, nicht schreiend Position...
Dass die PLO (oder wer auch immer) nicht in der Lage zu sein scheint, die Attentaeter zu stoppen, kann doch nur drei Gruende haben:
1) die sicherheitsrelevanten Einrichtungen wurden von Israel zerstoert.
2) Der Einfluss Arafats auf die Bevoelkerung ist geringer als gedacht.
3) die PLO findet es geil, so wie es laeuft.
Habe ich was vergessen?
Vielleicht sollte man die Hamas und die ganzen juedisch-orthodoxen Siedler in Palaestina mal in einen Raum zusammenstecken und abwarten was passiert.
endlich..
@aVe
gehaltvolle kritik der soli-positionen gibts
in diesem fall kam eine sinnvolle kritik vom bund jüdischer studenten in deutschland:
r+Israel&intcategoryid=2
Some Jews don't like it as
German Christians rally for Israel
By Toby Axelrod
BERLIN, Aug. 25 (JTA) - One of Germany's largest pro-Israel demonstrations
in recent memory took place here Saturday - with no support from German
Jewish groups.
The demonstrators, waving Israeli flags and marching under the slogan
"Germany on Israel's Side," were mainly fundamentalist Christians who oppose
a Palestinian state and believe Jewish control of the biblical Land of
Israel is one of the preconditions for Jesus' return.
While the event, which police said drew 4,000 participants, received
publicity and informational material from the Israeli Embassy here, the
Union of Jewish Students in Germany "distanced itself completely" from the
idea that Jews must accept Jesus as their savior. The group also distanced
itself from the anti-Muslim beliefs of some the organizers, according to a
statement distributed by a handful of Jewish students at the march.
Their protest attracted the attention of German media and underscored the
question being asked elsewhere: Just how far should Israel supporters go in
accepting support during troubled times?
In the United States, Jewish groups and Israeli diplomats have grown less
reluctant to accept evangelical Christian support for Israel during the
ongoing Israeli-Palestinian violence - and there is a Christian rally for
Israel slated for October.
But in Germany, evangelical Christians are fewer in number - and much less
accepted - even by mainstream Protestants.
And for the Jewish students at the rally, there is no compromise. Many
fundamentalist groups "do not recognize the right of Jews to exist if they
do not believe in Jesus, that is, take on the Christian faith," read the
students' flier in part. "We sharply condemn this goal."
"At the same time, we distance ourselves from the political orientation of
the demonstration," whose main speaker, Ludwig Schneider, has in the past
said Israel should "wage a 'Holy War' against those who hate you, oh God."
Said the students: "We completely reject this incitement against Muslims."
Gunter Keil, head of The Bridge Berlin-Jerusalem, the fundamentalist
Christian umbrella organization that organized the demonstration, denied
both points.
While he said Judaism is "completed" through acceptance of Jesus, he
stressed that his group does not have a "division devoted to a mission to
the Jews."
Keil also told the JTA that "We have nothing against the Palestinian people,
but for us the Palestinians are Arabs. The word 'Palestinian' is made up . .
. so there can't be a Palestinian state in Israel."
Keil, who says his group has 500 prayer circles across Germany, said a
Saturday was chosen for the demonstration to make it clear that it had been
planned by non-Jewish groups and not by the Israeli Embassy.
But the Israeli Embassy publicized the demonstration in its electronic
newsletter, and Ambassador Shimon Stein accepted a statement of support from
the group, with more than 6,000 signatures gathered through the Web site
"Jerusalem - Shalom," in a ceremony last Friday at the embassy in Berlin.
The tacit endorsement troubled some observers.
"I share the goal to show solidarity with Israel, but I see certain problems
here," said Martin Kloke, a scholar on Israeli-German relations and an
editor at a textbook publishing company in Berlin. "Some of these groups
only support Israel because they think Israel and the Jews have a certain
role in the apocalyptic times, in which they think we now live."
"If someone is demonstrating for Israel, for a just cause, shall I tell him
please don't demonstrate?" asked Mordechay Lewy, deputy chief of mission at
the Israeli Embassy here. "It is a free country, and I cannot prevent them,"
he told the JTA.
The demonstrators marched from the Foreign Ministry to the Reichstag, the
seat of the German Parliament, where they heard several speeches, punctuated
by Israeli and Jewish music.
Many demonstrators waved Israeli flags and some wore yarmulkes and Stars of
David, though they said they were not Jewish.
Signs bore messages such as "We stand by Israel," "God will bless you" and
"Christians on the side of Israel." One woman carried a large, hand-painted
poster with a cross against a yellow background. On the cross was a large
heart with a Star of David in it.
Someone blew a shofar on stage, and a few demonstrators who had brought
their own rams' horns blew them as well. The Shema was chanted in Hebrew,
with many in the crowd joining in. A group blessing was aimed at German
politicians, with many demonstrators raising both arms and turning toward
the Reichstag building behind them.
"People didn't know who these demonstrators are," said Uriel Kashi, member
of the Union of Jewish Students in Germany, who handed out the protest
leaflets. "When Ludwig Schneider talked, people were really shocked and
getting a really strange attitude toward Israel solidarity," he added.
Schneider, a journalist who has lived in Israel for more than 25 years, told
the crowd "Whoever hates Israel hates God."
There was especially loud applause when Schneider said the "bloodthirsty"
enemies of Israel "should turn to our God."
"We work on a purely biblical basis," explained Keil of The Bridge
Berlin-Jerusalem. "We don't talk of occupied zones or the West Bank. We talk
of Samaria and Judea. And in our view, they belong to Israel."
Kloke said this view is so extreme among some groups that they have
indirectly hinted that the assassination of Israeli Prime Minister Yitzhak
Rabin was a punishment from God, to prevent Israel from giving away land.
Kloke has documented this in an essay in the German publication Israel and
Palestine.
Cathy Palmer, a demonstrator from Florida, came to the demonstration to
voice her objection to the idea that Israel should trade land for peace.
"Catastrophic dictates from God are the result - floods and fires," she
said.
When asked if Rabin was an example of someone who had received a judgment,
she said, "Yes."
Even so, "the Israeli government has welcomed this kind of solidarity for
years," said Kloke, who observed the demonstration. "They argue that Israel
is lonely and doesn't have so many friends so we can't be too choosy."
The view was echoed at the event, where informational material from the
Israeli Embassy and the Jewish National Fund was provided alongside
fundamentalist Christian material on the Holy Land and the New Testament.
"We have so few friends in Germany in this horrible time in Israel," said
Sara Rozenbaum, who represents the JNF in Germany. "Our Christian friends
are always with us together on the front for Israel."
"I try not to think about" the missionary aspect, said Rozenbaum, "because I
come from a very religious family and I love my family and I love my
religion."
Lewy said those who justify the assassination of Rabin are "lunatics." But
"there should not be a witch hunt against people who are ready to do
something for Israel," he said. ?
sekten & davidstern
"Gott" scheint ihnen diesen Wunsch zu erfüllen...
...nicht wirklich religiöse Motive
Wir sollten uns allerdings nicht darin irren, dass dies eine ausschließlich religiös motiviert Veranstaltung war.
In meinem Kollegium befindet sich auch einer dieser "bibeltreuen Christen".
Besonderes Merkmal seiner Missionsarbeit ist neben einer "fundamentalistischen" Auslegung der Bibel
(nur er deutet die Bibel richtig.... da gab es schon Saurierbeschreibungen in der Bibel, die Welt ist 6000 Jahre alt, die Apokalypse wird haargenau so verlaufen... etc.) vor allem das verbreiten von Verschwörungstheorien.
Danach wird in Israel/Palästina unheimliches passieren und eine neue Weltordnung durch den "Antichrist" sich etablieren.
Deshalb ist nach seiner Lesart alles was mit "One world vision" zu tun von Anfang an böse.
In Wirklichkeit geht es solchen Gruppierungen nur um die Mehrung der eigenen Macht, vielleicht sogar genau nach dem Plan den sie so schlimm anprangern. "Man muss nur richtig Angst erzeugen, dann laufen die Leute uns schon in die Hände" - Jesus würde sich im Grab umdrehen, wenn er noch drin wäre...