Menschlich befreite Zone - Kommentar zu Worch's Unwesen in Leipzig

mgf_mir 29.07.2002 17:57 Themen: Antifa
Alles Lug und Trug! Die Versprechen der Politik - nichtig (nicht, dass wir das nicht schon lange wissen würden ;). Und als ob das nicht schon genug wäre, will Worch weiterhin sein Unwesen in Leipzig treiben. Doch nicht nur hier, sondern überall wird's langsam tiefbraun... Was ist zu tun?
Dunkel erinnert man sich noch an vergangene Neonazi-Aufmärsche - als die Stadtväter von Leipzig nicht durch Abwesenheit glänzten und, wie auch OBM Tiefensee, verkündeten, dass braune Ideologien in Leipzig keinen Hort finden und sich Leipzig auch nicht in Zukunft zu einem solchen machen lassen wird.

Alles Lüge, leere Worte, Beschiss. Tiefensee ging anfangs selbst mit auf die Straße: im November 2001, als er sich gemeinsam mit vielen anderen couragierten Leipzigern (ich meine nicht diese seltsamen "Bürgerlichen") den rechtsextremen Teilnehmern des von Worch organisierten Neonazi-Aufmarsches entgegenstellte. Wenigstens ein Signal. Und heute? Nach den beiden letzten Nazi-Demos im April und Juni wohl eher Ernüchterung über das, was man eh schon wusste: dass die braune Scheiße unseren Politikern buchstäblich am Arsch vorbeigeht. Das Rathaus: keine Stellungnahme. Regionalpolitiker: bleiben dem Geschehen fern, no comment. Die lachhaften "Deeskalationstaktiken" der Bullizei bemühen sich zusehends mehr darum, die Nazis abseits in Ruhe marschieren zu lassen und die Linken, die angeblichen "Randalierer", zu isolieren und so auch jede Art von friedlichem Protest zu unterdrücken. Die Demos selbst sind dabei kaum noch eine Zeitungsschlagzeile wert - sollen die couragierten Menschen doch selbst sehen, wie sie gegen rechts mobilisieren!

Welcher Feigheit es jedoch bedarf, jene braune Kacke rigeros zu ignorieren, obwohl man doch aus einer Partei stammt, die noch vor wenigen Monaten selbst zum "Aufstand der Anständigen" aufrief und mehr Zivilcourage forderte, lässt sich nur ansatzweise erahnen. Heute nun hat sich nur eins verändert: die Leute sind desinteressierter denn je. Linker Widerstand kann im Angesicht von 4000 befehlshungrigen bewaffneten Organen aus der gesamten Republik nichts ausrichten. Schon gar nicht, wenn die zur Gegendemo erschienenen Leute bereits das Maximum des zahlenmäßig möglichen darstellen. So schrumpften die Anwesenden von vielen Tausend, wie noch am 6. April, auf nur wenige Hundert (der eigentliche "harte Kern"). Interessant zu sehen, dass sich Worchs Wille zum Weitermachen und die Anzahl seiner mitgereisten Kameraden eben antiproportional verhält und sich Leipzig nun direkt hinter den bereits etablierten Aufmarschorten, den "menschlich befreite Zonen", einreihen darf.

Ein solches Signal, von Leipzig und vielerorts ausgehend, wird in den Ohren der Rechten mit Sicherheit nicht ungehört bleiben. Es fliegen weiterhin Brandsätze auf Asylbewerberheime, es finden noch immer regelmäßige Übergriffe auf ausländische Mitbürger und Andersdenkende statt - und die Politik schweigt und Leipzig ist nur ein Puzzelteil eines vollbraunen Bildes. Da sind die Kredite irgendeines Ministers plötzlich wichtiger, als über 140 seit 1989 von Rechtsradikaen getötete Menschen, die es laut offizieller Statistik und VS-Berichten ja gar nicht gibt. Und das Rathaus sagt genau soviel wie auch der Reichstag: nichts.

Wir sind an einer Stelle angekommen, an der uns nur eines zu sagen bleibt: Aufstand braucht keinen Anstand. Wenn es die breite Masse der Menschen, samt der der von uns auf Zeit gewählten Repräsentanten, sträflich versäumt, in ihren verdammten Geschichtsbüchern oder wenigsten in ihren eigenen Köpfen noch einmal nachzublättern und zurückzudenken, zu welchen menschenverachtenden Schandtaten dieser Abschaum menschlicher Intelligenz seinerzeit fähig war, und anschließend Parallelen zu den Ideologien der unzähligen "Freien Kameradschaften", NPD-Schwestern und allen sontigen Hitler-Erben zu ziehen, ist nicht die Politik krank, nicht die Gesellschaft, sondern das gesamte verkommene System. Wer Ignoranz und "Toleranz für Intoleranz" allen Ernstes zur Staatsdoktrin macht, und soweit sind wir schon längst gekommen, für den sind Warnungen längst überflüssig.

Wir können uns endlos an dieser Stelle der Diskussion aufhalten und noch so oft beteuern, wie verabscheuenswürdig solche Tendenzen sind. Aber wer im Angesicht dieses Unrechts noch immer jenen Menschen eine Plattform bietet und auch noch alle anderen höflichst dazu auffordert, doch bitteschön um des Friedens willen sämtliche Prinzipien zu wahren, braucht uns nichts weiter vorzumachen.

Wir haben längst begriffen. Mit ebensoeiner Skrupellosigkeit, wie Neonazis weiterhin morden und schlagen, wird uns und der gesamten Welt ein friedliches, tolerantes und progressives Deutschland suggeriert. Wer aber auf dem einen Auge blind ist und das andere im Nacken trägt, kann nur in eine Richtung gehen: zurück in das Verbrechen, ins Morden, ins Vergessen und Leugnen. Und in den Krieg.

Dies zu verhindern ist unsere Aufgabe, die uns nur durch einen einzigen Umstand zur Pflicht wird:

Wir sind Menschen.

Kein Friede mit Deutschland,
kein Vergeben,
kein Vergessen!

Aktion "Menschen gegen Faschismus",
- Leipzig -
 http://www.faschismus.tk
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Ergänzungen

das unterschreibe ich

Wandersmann 29.07.2002 - 20:32
ich bin am samstag definitiv wieder dabei, wenn es heisst, gesicht zu zeigen, bzw courage.
ich befürchte nur, daß wir letztlich wieder nur ein paar hundert mann sind.
die stadt leipzig scheint wohl etwas müde geworden angesichts der monatlichen aufmärsche.
wie wäre es, mal nicht am bahnhof zu warten, sondern gleich die prager dichtzumachen?

dito

star 29.07.2002 - 21:27
richtig erkannt. was den noch übrig geblieben kräften fehlt ist fantasie und list für neue aktionsformen.
es wird leider auch am kommenden samstag keine raum- und zeitnahe gegendemo geben. das heißt für die anwesenden auch ohne zentrale steuerung (info-tel. oder anmeldergruppe einer gegendemo) aktiv zu werden und nicht nur am wintergartenhochhaus zu warten und ein bißchen pfeiffen und schreien.
die denke mit der prager-str. ist so falsch nicht. es gibt genug raum auf der demoroute für allerlei unmutsäußerungen.
es heißt mobil sein in kleinen gruppen und nicht als herde in jeder bullensperre zu rennen!!!!!!!

hoffe wir sehen uns am samstag.
nazis auf´s maul!!!!!

leipzig ole`

dessauer 30.07.2002 - 04:25
hahaha antifa
das wird wohl denn das lied der dessauer sein
man sieht sich *g*

@dessauer

mgf_mir 30.07.2002 - 09:20
Lern erstmal Schreiben... und vor allem: studier mal genau deine Tastatur. Es heißt nämlich (soviel ich weiß) "olé" (und nicht ole´). Naja, is ja leider kein "richtiges Deutsch".

ist denn schon klar

wandersmann 30.07.2002 - 16:46
wie weit die dumpfen diesmal laufen dürfen?
oder latschen sie eh nur bis zum ostplatz?
ich bin ja ehrlich, irgendwie werden sie lästig.
jeden monat der selbe scheiss.......
jaja, am 1.9. letztes jahr.......*träum*
antifaschistische grüsse