Genua - ein Jahr danach: 130 000 protestieren
Übersetzung eines Beitrags von Marcus Covell, IMC UK, zum Gedenktag und Demo von 130 000 Menschen in Genua, ein Jahr nach dem G8-Gipfel.
Am Anfang fehlt leider ein Stückchen, da hat was im Original gefehlt. sorry. Wenn jemand Lust hat, kann er/sie das original ja auf UK-indy suchen und das stück ergänzen.
Am Anfang fehlt leider ein Stückchen, da hat was im Original gefehlt. sorry. Wenn jemand Lust hat, kann er/sie das original ja auf UK-indy suchen und das stück ergänzen.
Genua: 130 000 demonstrieren für Gerechtigkeit für Carlo. (hier fehlt ein stück vom original)
Die Frau kramte nach Kleingeld und fluchte. Sie hatte kaum noch Wechselgeld. Als sie das Cafe an der Piazza Alimonda aufgemacht hatte, ahnte sie nicht, was da auf sie zukam. Draussen zeiht ein endloser Menschenstrom vorbei, alle in Richtung zu der Stelle, an der Carlo Giuliani vor einem Jahr während des G8-Gipfels erschossen worden war.
Wieder ist Genua voller Anhänger der Bewegung. Dieses Mal anlässlich Carlos Tod und der Opfer des Überfalls auf die Diaz-Schule. Es ist halb vier nachmittags und es sind locker 30 000 Menschen hier. Immer noch kommen aus ganz Italien Züge voller Menschen in Genua an.
Italien setzt sich ein Jahr später mit den Ereignissen des G8-Gipfels auseinander. Man kann die Brutalität und das Blut jenes Tages in der Atmosphäre spüren. Von meinem Beobachtungsort sehe ich eine Band für Carlo spielen und überall hängen riesige Transparente. Ein Meer von Che Guevara-Fahnen und -T-Shirts flattert im warmen Wind.
Kinder spielen in der Menge ohne zu verstehen, was sich hier vor einem Jahr ereignet hat. Alle anderen wissen Bescheid. Die Stelle, an der Carlo lag und für die Bewegung zum Martyrer wurde, ist von Blumen und Botschaften bedeckt. Einige Meter weiter bedecken Nachrufe, Bilder, Fahnen, Botschaften, ein Bild von Carlo und noch mehr Blumen die Wände und Geländer des zentralen Gebäudes auf der Piazza Alimonda. Viele der Bewohner lehnen sich aus ihren Fenstern, um einen besseren Blick auf einen historischen Tag zu haben, an dem die Bewegung wiederkam, um sich zu erinnern.
Um halb fünf trifft Heidi auf der Piazza ein. Andere linke Politiker kommen ebenfalls und auch die Weltpresse. Heidi will nur den sie umgebenden Menschen der Bewegung und Carlo nahe sein. Jetzt erfahre ich, dass CGIL, größte Gewerkschaft Italiens, angekommen ist und sich zu einem Demozug vor dem Bahnhof Brignole formiert. Auf der Piazza America, auf halber STrecke zwischen dem Bahnhof und Piazza Alimonda gelegen, befinden sich weitere 50 000 Antikapitalisten und Bewohner von Genua.
Ich drängele mich zu Heidi durch, um sie zu umarmen und zu küssen. Wir versuchen, einige Worte miteinander zu reden, wissen aber beide, dass man diesen Augenblick nicht in Worten ausdrücken kann. Ich ziehe mich wieder zurück und sie verschwindet in der Menge, die sich von Carlo verabschiedet. Es ist jetzt genau fünf, der Zeitpunkt, an dem Polizist Plannica seine Automatikpistole abgefeuert und Carlo erschossen hat. Ein Zischen geht über den Platz und so viele Menschen wie möglich setzen sich nieder. Heidis Familie nehmen ihren Platz vor der Weltpresse ein. Tief in mir spüre ich, dass ihr vorher so privater SChmerz nun vor dem Rest der Welt öffentlich gemacht wird. Die Menschen fangen an zu klatschen und hören mindestens eine halbe Stunde lang nicht mehr damit auf. Ich bin irgendwo am Rand der Menge und beobachte, als Heidi aufsteht, mich sieht und zu sich winkt.
Da ich eines der Opfer des Überfalls auf die Diaz-Schule bin, möchte sie, dass ich an ihrer Seite bin. Die Menge teilt sich, damit ich mich zu ihr und ihrer Familie setzen kann. An diesen Augenblick werde ich mich mein ganzes Leben erinnern. Wir weinen beide. Einige Leute stehen schweigend bei Carlos Schrein. Kurz überlege ich, was sie wohl denken. Andere rufen Solidarität! Noch mehr Leute klatschen.
Nach einer scheinbaren Ewigkeit küsst mich Heidi und verabschiedet sich, um vor dem Demozug herzugehen, der sich auf XX Septembre formiert. Nach offiziellen Polizeiangaben waren es 100 000 Demonstranten, das GSF schätzt eher 130 000. Die größte Gruppe bildete der CGIL mit über 50 000 Gewerkschaftsmitgliedern, die an der Spitze der Demo gingen. Es dauerte eine Stunde bevor auch das Ende der Demo zu gehen anfangen konnte.
Nach einer kurzen Rast rannte ich zum Ende der Demo und sprang auf den Lautsprecherwagen von Terra Di Nessuno, die heftigen Reggae spielten. Vor mir wehte ein Meer roter Fahnen. Alle Geschäfte, die aus Angst vor einem Angriff des schwarzen Blocks ihre Geschäfte verbarrikadiert hatten, entspannten sich und genossen die Musik.
Letztes Jahr wurde Genua fast völlig evakuiert, als 22 000 Bullen und 300 000 Demonstraten in die Stadt einzogen. Zum ersten Mal sahen die Genuesen die Bewegung aus der Nähe, und viele Genuesen kamen aus ihren Häusern um zu lächeln und zu jubeln.
Es dauerte volle zwei Stunden, bis die Demo am Palazzio Ducale vorbei war, wo sich im Vorjahr die G8 getroffen hatte, und hinunter zum Hafen marschiert war, wo es einen Rave gab, der bis in die frühen Morgenstunden dauerte. Die 3500 Bullen vor Ort hielten sich meist abseits, um den Assassini-Rufen zu entgehen. Graffiti-Experten sprühten während der Demo wundervolle Bilder zu einer ganzen Reihe von Themen.
Das Wichtigste für mich ist, dass die Bewegung wiedergekommen ist, um Carlo Giuliani zu ehren, sein Leben und seinen Tod. Es ist extrem wichtig, daran zu denken, dass jeder einzelne von uns an jenem Tag Carlo hätte sein können, aber es war er, der den ultimativen Preis für uns alle gezahlt hat. Dieser Preis ist der ungebrochene Glaube der G8 in die Globalisierung und in ihre Kontrollmechanismen über Kapitalismus, den Planeten und die Machtausübung der westlichen Welt über den rest der Welt. Wir werden uns immer an Carlo erinnern für das, was er getan hat. Alle anderen müssen sich selbst Gedanken machen über das Warum.
Als eine letzte, ekelhafte Anmerkung zu Carlos Mord hat Polizist Plannica seine Story für 30 000 Euro an einen von Berlusconis Fernsehsender verkauft und behauptet dort, er habe weder Mord noch Totschlag begangen. Aus meiner Sicht begeht der Kapitalismus damit eine letzte, entsetzliche Schmähung gegen eine Jugend und einen jungen Mann, die als Waffe gegen den Kapitalismus nichts als ihre persönliche Wut auf die Ungerechtigkeiten und die Macht der Globalisierung haben. Dass Plannica aus seinem Mord noch Profit schlagen konnte ist die böseste Abart von krankem Kapitalismus, die ich je gesehen habe.
Leb wohl, Carlo. Wir werden dich nie vergessen. Solidarität.
Plannica - du bist ein mörder!
Marcus Covell, IMC UK, in Genua.
Die Frau kramte nach Kleingeld und fluchte. Sie hatte kaum noch Wechselgeld. Als sie das Cafe an der Piazza Alimonda aufgemacht hatte, ahnte sie nicht, was da auf sie zukam. Draussen zeiht ein endloser Menschenstrom vorbei, alle in Richtung zu der Stelle, an der Carlo Giuliani vor einem Jahr während des G8-Gipfels erschossen worden war.
Wieder ist Genua voller Anhänger der Bewegung. Dieses Mal anlässlich Carlos Tod und der Opfer des Überfalls auf die Diaz-Schule. Es ist halb vier nachmittags und es sind locker 30 000 Menschen hier. Immer noch kommen aus ganz Italien Züge voller Menschen in Genua an.
Italien setzt sich ein Jahr später mit den Ereignissen des G8-Gipfels auseinander. Man kann die Brutalität und das Blut jenes Tages in der Atmosphäre spüren. Von meinem Beobachtungsort sehe ich eine Band für Carlo spielen und überall hängen riesige Transparente. Ein Meer von Che Guevara-Fahnen und -T-Shirts flattert im warmen Wind.
Kinder spielen in der Menge ohne zu verstehen, was sich hier vor einem Jahr ereignet hat. Alle anderen wissen Bescheid. Die Stelle, an der Carlo lag und für die Bewegung zum Martyrer wurde, ist von Blumen und Botschaften bedeckt. Einige Meter weiter bedecken Nachrufe, Bilder, Fahnen, Botschaften, ein Bild von Carlo und noch mehr Blumen die Wände und Geländer des zentralen Gebäudes auf der Piazza Alimonda. Viele der Bewohner lehnen sich aus ihren Fenstern, um einen besseren Blick auf einen historischen Tag zu haben, an dem die Bewegung wiederkam, um sich zu erinnern.
Um halb fünf trifft Heidi auf der Piazza ein. Andere linke Politiker kommen ebenfalls und auch die Weltpresse. Heidi will nur den sie umgebenden Menschen der Bewegung und Carlo nahe sein. Jetzt erfahre ich, dass CGIL, größte Gewerkschaft Italiens, angekommen ist und sich zu einem Demozug vor dem Bahnhof Brignole formiert. Auf der Piazza America, auf halber STrecke zwischen dem Bahnhof und Piazza Alimonda gelegen, befinden sich weitere 50 000 Antikapitalisten und Bewohner von Genua.
Ich drängele mich zu Heidi durch, um sie zu umarmen und zu küssen. Wir versuchen, einige Worte miteinander zu reden, wissen aber beide, dass man diesen Augenblick nicht in Worten ausdrücken kann. Ich ziehe mich wieder zurück und sie verschwindet in der Menge, die sich von Carlo verabschiedet. Es ist jetzt genau fünf, der Zeitpunkt, an dem Polizist Plannica seine Automatikpistole abgefeuert und Carlo erschossen hat. Ein Zischen geht über den Platz und so viele Menschen wie möglich setzen sich nieder. Heidis Familie nehmen ihren Platz vor der Weltpresse ein. Tief in mir spüre ich, dass ihr vorher so privater SChmerz nun vor dem Rest der Welt öffentlich gemacht wird. Die Menschen fangen an zu klatschen und hören mindestens eine halbe Stunde lang nicht mehr damit auf. Ich bin irgendwo am Rand der Menge und beobachte, als Heidi aufsteht, mich sieht und zu sich winkt.
Da ich eines der Opfer des Überfalls auf die Diaz-Schule bin, möchte sie, dass ich an ihrer Seite bin. Die Menge teilt sich, damit ich mich zu ihr und ihrer Familie setzen kann. An diesen Augenblick werde ich mich mein ganzes Leben erinnern. Wir weinen beide. Einige Leute stehen schweigend bei Carlos Schrein. Kurz überlege ich, was sie wohl denken. Andere rufen Solidarität! Noch mehr Leute klatschen.
Nach einer scheinbaren Ewigkeit küsst mich Heidi und verabschiedet sich, um vor dem Demozug herzugehen, der sich auf XX Septembre formiert. Nach offiziellen Polizeiangaben waren es 100 000 Demonstranten, das GSF schätzt eher 130 000. Die größte Gruppe bildete der CGIL mit über 50 000 Gewerkschaftsmitgliedern, die an der Spitze der Demo gingen. Es dauerte eine Stunde bevor auch das Ende der Demo zu gehen anfangen konnte.
Nach einer kurzen Rast rannte ich zum Ende der Demo und sprang auf den Lautsprecherwagen von Terra Di Nessuno, die heftigen Reggae spielten. Vor mir wehte ein Meer roter Fahnen. Alle Geschäfte, die aus Angst vor einem Angriff des schwarzen Blocks ihre Geschäfte verbarrikadiert hatten, entspannten sich und genossen die Musik.
Letztes Jahr wurde Genua fast völlig evakuiert, als 22 000 Bullen und 300 000 Demonstraten in die Stadt einzogen. Zum ersten Mal sahen die Genuesen die Bewegung aus der Nähe, und viele Genuesen kamen aus ihren Häusern um zu lächeln und zu jubeln.
Es dauerte volle zwei Stunden, bis die Demo am Palazzio Ducale vorbei war, wo sich im Vorjahr die G8 getroffen hatte, und hinunter zum Hafen marschiert war, wo es einen Rave gab, der bis in die frühen Morgenstunden dauerte. Die 3500 Bullen vor Ort hielten sich meist abseits, um den Assassini-Rufen zu entgehen. Graffiti-Experten sprühten während der Demo wundervolle Bilder zu einer ganzen Reihe von Themen.
Das Wichtigste für mich ist, dass die Bewegung wiedergekommen ist, um Carlo Giuliani zu ehren, sein Leben und seinen Tod. Es ist extrem wichtig, daran zu denken, dass jeder einzelne von uns an jenem Tag Carlo hätte sein können, aber es war er, der den ultimativen Preis für uns alle gezahlt hat. Dieser Preis ist der ungebrochene Glaube der G8 in die Globalisierung und in ihre Kontrollmechanismen über Kapitalismus, den Planeten und die Machtausübung der westlichen Welt über den rest der Welt. Wir werden uns immer an Carlo erinnern für das, was er getan hat. Alle anderen müssen sich selbst Gedanken machen über das Warum.
Als eine letzte, ekelhafte Anmerkung zu Carlos Mord hat Polizist Plannica seine Story für 30 000 Euro an einen von Berlusconis Fernsehsender verkauft und behauptet dort, er habe weder Mord noch Totschlag begangen. Aus meiner Sicht begeht der Kapitalismus damit eine letzte, entsetzliche Schmähung gegen eine Jugend und einen jungen Mann, die als Waffe gegen den Kapitalismus nichts als ihre persönliche Wut auf die Ungerechtigkeiten und die Macht der Globalisierung haben. Dass Plannica aus seinem Mord noch Profit schlagen konnte ist die böseste Abart von krankem Kapitalismus, die ich je gesehen habe.
Leb wohl, Carlo. Wir werden dich nie vergessen. Solidarität.
Plannica - du bist ein mörder!
Marcus Covell, IMC UK, in Genua.
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Ergänzungen
Bitte nicht!
Original-Artikel bei indymedia UK
Kleiner Fehler
vollständiger Text auf deutsch
Nee, nee - es sind zwei Texte!
Gute Doku
Wird wiederholt
ARD-Doku
Auf alle fälle guter beitrag von ARD,auch wen die sendezeit zu spät war,(is aber logisch).
Was ich net verstehe ist der Doku sehenswert zu bescheinigen ohne die geringste kritik daran zu haben.
das nächste mal etwas genauer hinhören,gelle
Grütze
ARD-Bericht