Feindlich-kreative VS-Kontakte ? - Nein danke!

M. AUL, H. ALTEN 17.07.2002 18:11
Von Leuten, die im Hoppetosse-Netzwerk aktiv sind, wird im Zusammenhang mit Anquatschversuchen durch den Verfassungssschutz die Praxis "feindlich-Kreativer Kontakte" statt Gesprächsverweigerung propagiert. Dies hat bei den Aktionstagen gegen das Atomforum im Mai zu heftigen Diskussionen geführt. Es sieht nicht so aus, als ob die Kontroverse beendet wäre. Deshalb hier eine Stellungnahme von einzelnen aus der südwestdeutschen Anti-AKW-Bewegung.
Der Fisch als König der Angler

oder warum sich die "feindlich-kreativen VS-Kontakte" von Jörg Bergstedt nicht mit einem Engagement in linken Bewegungsstrukturen vereinbaren lassen.

Dafür gibt es viele Gründe. Die Diskussionen unter uns laufen noch, so daß hier kein fertiger Text von uns stehen kann. Dieser Text gibt die Meinung von Anti-AKW-AktivistInnen wieder, d.h. er ist keine offizielle Stellungnahme des Bündnisses gegen das Atomforum.

Im März 2002 sind AktivistInnen der Anti-AKW-Bewegung im Zuge der Vorbereitungen der Aktionstage gegen das Atomforum in Stuttgart zufällig darauf gestoßen, daß ein - in diversen Protestbewegungen sehr aktiver Mensch - Kontakte zum Verfassungsschutz gehabt hat. So erfuhren die Anti-AKW-AktivistInnen, daß der betreffende Mensch sich bereits Anfang 2001 mit dem Verfassungsschutz getroffen und darüber einen Bericht verfaßt hat, nachzulesen auf der Homepage  http://www.projektwerkstatt.de/debatte/repression/vs_ja.html.. Die Diskussionen, die daraufhin auch mit anderen Menschen innerhalb der Anti-AKW-Bewegung geführt wurden, haben gezeigt, daß zumindest innerhalb dieser Bewegung nur sehr wenigen Menschen bekannt war, daß die betreffende Person (Jörg Bergstedt) diese Kontakte zum Verfassungsschutz hatte.

Das ist der eine Anlaß, warum wir jetzt einen Text zum Thema "Kritik am Kontakt zum VS" veröffentlichen, der zu dem konkreten Fall Stellung nimmt.

Wir halten es für wichtig, daß in sozialen und politischen Zusammenhängen eine breite Diskussion über den VS-Kontakt von Jörg Bergstedt stattfindet, damit die, die mit ihm zu tun haben, diskutieren und entscheiden können, wie sie damit umgehen wollen. Denn Jörg Bergstedt ist nicht Irgendwer, sondern ein Aktivist, den viele kennen und der sich in vielen Zusammenhängen und sozialen und politischen Bewegungen auskennt.

Der zweite Anlaß, warum wir diesen Text schreiben, ist: Ihr sollt wissen, was in Stuttgart weiter passiert ist. Das Bekanntwerden der VS- Kontakte von Jörg B. gab den Anstoß für intensive Diskussionen in dem "Vorbereitungsbündnis gegen das Atomforum". Am 7. April 2002 fand in Stuttgart ein bundesweites Vorbereitungstreffen gegen das Atomforum statt. Im Protokoll des Treffens steht zu lesen: "Jörg darf an Organisationsstrukturen des Bündnisses nicht teilnehmen (mehrheitlich)." Das Wort "mehrheitlich" besagt, daß Menschen, die mit Jörg zusammen arbeiten, diese Entscheidung nicht mit trugen.

Für die große Mehrheit der Anwesenden war es jedoch gar keine Frage, daß Personen, die sich auf einen Kontakt mit dem Verfassungsschutz einlassen, in Organisationsstrukturen nichts zu suchen haben. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Der wesentliche Grund, Jörg Bergstedt nicht in den Vorbereitungsstrukturen dabei haben zu wollen, ist schlichtweg die Befürchtung, daß es von seiner Seite aus zu einer Wiederholung derartiger VS-Kontakte kommen könnte. Wenn auch der Kontakt vom Winter 2001 anscheinend beendet ist - seine Argumentation legt geradezu zwangsläufig nahe, daß er unter ähnlichen Umständen wieder einen Kontakt dieser Art führen würde, mit den entsprechenden Folgen.

Jörg B. hält seine Umgangsweise mit dem VS - also: nicht grundsätzliche Gesprächsverweigerung, sondern in Gesprächen etwas über sie herausfinden zu wollen - offensichtlich weiterhin für richtig (siehe Posting von Jörg auf indymedia, 28.5.02: "Feindliche Kontakte, wo sinnvoll: Ja!") Will heißen der VS (oder ein anderes Repressionsorgan) muß ihm nur mal wieder etwas Verlockendes anbieten und schon wäre er, so steht zu befürchten, zu einem neuen Kontakt bereit. (Statt Pizza oder Geld vielleicht erneut die Illusion, Informationen zu erlangen.) Diese Einschätzung entstand offensichtlich auch bei den Repressionsorganen, warum sonst versuchten diese im Sommer 2001 einen erneuten Anquatschversuch, den er nach eigenen Angaben zurückgewiesen hat ?

Was spricht eigentlich gegen einen "kreativ-feindlichen Umgang" mit dem Verfassungsschutz?

Dem VS geht es von seiner Aufgabenstellung her nicht in erster Linie um den direkten Verrat einzelner kriminalisierbarer Handlungen, wie das etwa bei den Bullen der Fall ist, sondern um Informationen, die die Einschätzung und Bekämpfung oppsitioneller politischer Bewegungen ermöglichen. Dazu ein paar Zitate aus der Selbstdarstellung des BfV: "Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) ist (...) ein Inlandsnachrichtendienst der Bundesrepublik Deutschland....Aufgabe des Verfassungsschutzes ist das Sammeln und Auswerten von Informationen ("Auskünfte, Nachrichten und Unterlagen") über extremistische und sicherheitsgefährdende Bestrebungen."

Nach dem wenigen, was Jörg's "Protokoll einer Beziehung zum BfV" überhaupt hergibt, hat er genau das geliefert, um was es dem VS geht: nämlich Informationen, die es dem VS erlauben Einschätzungen zu treffen. Es ist kaum vorstellbar, daß bei den ja offensichtlich mehrstündigen Arbeitsessen über nichts geredet wurde, was dem VS-Mann erlaubt hätte zumindest mal auf Jörg's Einschätzungen zu bestimmten Verhältnissen Rückschlüsse zu ziehen. Die Tatsache, daß der VS-Agent von Jörg letztendlichdie "Begutachtung"der internen "VS-Monats- und Jahresberichte" wünschte,zeigt die Intention des Verfassungsschutzes in Bezug auf Jörg's Person: von einer Person, die in sehr vielen Aktionsfeldern drinsteckt, Einschätzungen zu bekommen, um sie mit den eigenen Bildern von der linken Scene abzugleichen. In dem Zusammenhang ist ein bewußtes, gewolltes Zusammenwirken der betreffenden Person mit dem Geheimdienst häufig gar nicht erforderlich. Ein kleiner Verweis auf bekannt gewordene Stasi-Akten: mancher angebliche Spitzel wurde dann "nur" "abgeschöpft", der Schaden für die Opfer ist aber der gleiche wie beim bewußten Verrat!

Die Position des Angeworbenen ist sicherlich die am schlechtesten geeignete um etwas über den VS zu erfahren; in etwa vergleichbar mit dem Fisch, der, um Informationen über Angler zu erlangen, kräftig nach dem an der Schnur hängenden Wurm schnappt! Die ganze Anwerbesituation als solche ist vom VS definiert, seine Leute sind genau darauf geschult, haben vielfältige Erfahrungen, wissen um was es ihnen geht und - haben nichts zu verlieren. Die anzuwerbende Person hingegen dürfte zum ersten Mal in dieser Situation sein. Sie ist zwangsweise unerfahren und nervös, kann nicht wissen, was das genaue Ziel des VS ist und im Prinzip ist jede Geste, jedes Wort eine/s zuviel, weil Informationen so oder so vermittelt werden. Daß das so ist, ist natürlich kein Zufall und auch nicht persönlicher Schwäche geschuldet, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Machtverhältnisse. Dies läßt sich nicht einfach umkehren.

Jörg behauptet, es gäbe keinen Konsens der Nichtzusammenarbeit mit Repressionsorganen. Nun gibt es in den offenen Strukturen der Linken keine Institution, die in der Lage wäre verbindliche Regeln aufzustellen. Was es jedoch gibt sind Konsense, die sich in - manchmal Jahre währenden - Diskussionen und Erfahrungsprozessen herausgebildet haben. Gerade im Bereich der Repression waren diese mitunter mit schmerzhaften und für die Betroffenen schlimmsten Folgen verbunden. Erinnert sei in diesem Zusammenhang z.B. an die Schüsse an der Startbahn-West in 1987. Damals gelang es den Bullen, das Entsetzen über das Geschehene zu nutzen, um an Aussagen zu kommen und so eine aktive politische Szene aufzurollen. Aufgrund mangelnder Klarheit über die Arbeitsweise und Ziele der Bullen mußte erst unter dem Motto "Anna und Arthur halten das Maul" eine Kampagne zur Aussageverweigerung entwickelt werden, um den Aktionen der Repressionsorgane Grenzen zu setzen.

Wir können es nicht zulassen, daß die Suche von Jörg Bergstedt nach verschärftem "Spaßfaktor" (das schreibt er wirklich!) die in diesem und anderen Kämpfen gewonnenen Positionen untergehen läßt. Diese erarbeiteten Positionen sind der Schutz unserer Strukturen und der in ihnen aktiven Menschen!

Jörg B. befürchtet: "die Attacken auf mich werden möglicherweise Menschen davon abhalten, auf VS-Kontakte einzugehen." - In der Tat, genau das ist der Sinn dieser Kritik an seinem unverantwortlichen Verhalten! Es sollen Leute davon abgehalten werden, sich aus Selbstüberschätzung in Situationen hinein zu begeben, die sie aus strukturellen Gründen nicht unter Kontrolle haben können. Denn sie schaden damit sich und/oder anderen.

Grundsätzlich halten wir Kontakte zum VS für falsch. Mit dieser Meinung stehen wir nicht allein. Im Gegenteil, bis auf ganz wenige Ausnahmen haben alle, mit denen wir gesprochen haben, die klare Position: Anna und Arthur halten's Maul! Und das in allen Varianten.
M. AUL, H. ALTEN
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Ergänzungen

Wenn Konsens Dogmen werden koennten...

Feli-Fay 17.07.2002 - 19:04
Das Argument, dass sich in der "Linken" ein Konsens herrausgebildet hat spricht noch nicht dafuer, sich deswegen daran zu halten. In weiten Teilen der Linken ist es noch weit verbreiteter Konsens, dass es nur Mann und Frau gibt.

Verhaltensweisen haben nicht als Normen, Dogmen oder Konsens Sinn, sondern nur abhaengig von einer konkreten Situation. In dem Fall Repression ist die konkrete Situation (fast?) immer so, dass "Maul halten" oder Goethe-Gedichte aufsagen das einzig "sinnvolle" ist.

Aber leider wurde mir gegenueber immer nur vermittelt (in Gespraechen und Handlungen), dass der "Fehler" von Joerg war, sich nicht an einen "Grundkonsens" (Zitat) gehalten zu haben.

Deine/Eure subjektive Wahrnehmung einer "Bedrohung" durch diese kleine Geschichte von JB spreche ich euch nicht ab, aber es ist nicht meine eigene Wahrnehmung.

Ich persoenlich habe den Eindruck, dass es bei der ganzen Auseinandersetzung um Machtkaempfe geht, die gegenueber JB schon zu Bedrohungen gefuehrt haben. Nachdem der Anfang des Textes schon wieder das "hoppetosse-Netzwerk" in eine Art Kolektiv-verantwortung genommen wird (nach meiner Wahrnehmung), habe ich Angst(!), z.B. an Anti-Atom-Actions im SW teilzunehmen.

Die aktuelle Eskalationsstrategie, die ich von eurer Seite aus gerade wahrnehme, empfinde ich nicht als angenehm oder klaerend (in Bezug auf privates&politisches zu dem Thema).

gefährlich, gefährlich, ...

mensch aus dem südwesten 17.07.2002 - 20:40
tja, was soll ich sagen? ich habe mir gerade jörgs veröffentlichungen unter  http://www.projektwerkstatt.de/debatte/repression/vs_ja.html durchgelesen. in der theorie hört sich das, was er da so schreibt, schon einleuchtend an.

aber: wer kann garantieren, daß seine gespräche mit dem vs wirklich so gelaufen sind, wie er sie dort darstellt? ich habe jörg in stuttgart beim anti-atom-forum erlebt und ich habe auch seine statements hier bei indy im anschluß daran gelesen. ich würde mal sagen, daß er in seinen statements hier manche sachverhalte doch etwas anders dargestellt hat, als sie in stuttgart tatsächlich stattfanden. hieraus leite ich eine gewisse unglaubwürdigkeit des jörg ab, getreu dem alten motto 'wer einmal lügt, dem glaubt man nicht'.

ich bin nach wie vor der meinung, daß jemand, der auf solche gesprächsangebote des vs eingeht, eine gewisse gefahr für die linke szene darstellt. warum das? nun, selbst wenn mensch mit dem besten vorwurf, nix zu sagen, zu so einem meeting geht, heißt das noch lange nicht, daß der vs dabei keine erkenntnisse gewinnt. machen wir uns doch nix vor: die typen sind clever, sogar verdammt clever. die schaffen es, euch ohne daß ihr es wollt, infos abzuluchsen, und sei es nur durch eine verräterische körpersprache eurerseits bei bestimmten fragen, feststellungen, etc.

insofern birgt jedes treffen mit dem vs auf jeden fall die potentielle gefahr, daß der vs trotz bester vorsätze, nix zu sagen, doch irgendwas aus dem gesprächspartner rauskriegt. und das ist in meinen augen mehr als gefährlich. ich kann daher nachvollziehen, wenn leute etwas dagegen haben, mit jörg oder anderen leuten, die ähnlich agieren, zusammenzuarbeiten. wenn es stimmt, daß er jedoch drohungen der körperlichen art erhalten hat, so ist für mich schluß mit lustig. ein solcher stil passt eigentlich nicht zu unserer szene.

es gibt aber noch eine andere gefahr: wer sich auf solche kontakte mit dem vs einläßt, der sollte sich immer darin im klaren sein, daß dieser kontakt die gefahr einer spaltung der szene in sich birgt, wie sie ja letztlich auch hier im falle von jörg deutlich wird. und dies sollte sich die szene nun nicht wirklich antun. wir haben genügend probleme, die wir gemeinsam angehen müssen. müssen wir uns nun auch noch solche probleme auflasten? im klartext: wer so agiert, wie es jörg getan hat, darf sich nicht wirklich wundern, wenn er als eine art spalter gilt.

Ich wäre dafür sowas zu löschen

Hammer und Sichel zerdeppern 17.07.2002 - 21:27
Irgendwelche Hardcore-Automaten, denen es nur um Hegemonie und Doninaz in der Linken geht und denen eine "bessere Welt" nur nominal wichtig ist, benutzen Indy um irgendwelche Privatkriege gegen Abweichler zu führen. Indy sollte sich von so einem Scheiss nicht missbrauchen lassen. Das hat nichts mit "Berichterstattung" von unten zu tun.

welche seite führt hier den privatkrieg?

mensch aus dem südwesten 17.07.2002 - 22:10
wenn mensch die pamphlete unter  http://www.projektwerkstatt.de/debatte/repression/vs_debatte_stuttgart.html liest, dann muß mensch sich allerdings schon fragen, von wem dieser sog. privatkrieg ausgeht.

@ mensch aus dem südwesten

messerjocke 18.07.2002 - 10:31
Sicher können auch "feindliche" Kontakte mit dem VS ungewollt Infos preisgeben. Die ganze Anti-JB-Kampagne ist jedoch meiner Meinung nach die falsche Reaktion darauf. Wenn der VS SO EINFACH die Linke spalten kann, dann braucht er in Zukunft nur noch Menschen, die gezielt Falschinformationen über Kontakte streut und schon ist wieder alles im Eimer...
Richtige Anwerbeversuche wären dann gar nicht mehr nötig,

Ausserdem hat JB die Sache zur Diskussion gestellt. Bei dem, was gerade gegen ihn abgeht, würde ich doch einfach mal die Frage stellen:

Warum erklärt Ihr den VS zu einer verdammt raffinierten und gefährlichen Organisation, wenn Ihr auf der anderen Seite annehmt, das er einen Menschen, der eh sehr umstritten ist,
als Spitzel anwerben will? Das ist doch unlogisch hoch drei!
Intelligenterweise wäre dann von diesem Kontakt gar nichts an die linke Öffentlichkeit gelangt, und die "richtigen" Spitzel entdeckt sowieso niemensch irgendwann...

Also, was soll das?

Es ist alles noch viel schlimmer ...

Bewährtes verteidigen! Tradition sichern! 18.07.2002 - 10:57
Der Bericht hier ist noch völlig verharmlosend. Wer die verschiedenen Texte z.B. auf  http://www.hoppetosse.net durchliest, erahnt erst den Umfang dessen, was diese offenbar völlig Durchgedrehten wollen:
- Sie beziehen ihre Idee des "kreativ-feindlichen Kontaktes" gar nicht nur auf den VS (auf den eher gar nicht, dort halten sie Kontaktverweigerung meist auch für richtig - Infos rauskriegen halten sie auch für unmöglich), sondern gleich auch gegen Gerichte, Knäste und Bullizei. Dabei gibt dort auc einen klaren Konsens: Zusammenarbeit bei Demos, Kuschen bei Gerichtsprozessen usw. Mensch muß sich mal unter  http://www.projektwerkstatt.de/antirepression ihre Ideen für solche Aktionen durchlesen, z.B. den Umgang mit dem Gericht in Marburg beim Prozeß gegen einen Stop-Deportation-Aktivisten. Grauenvoll!
- Sie behaupten ständig, daß es zwischen "kreativ-feindlicher" Attacke auf Repressionsbehörden und Zusammenarbeit einen Unterschied gibt, obwohl die FührerInnen der politischen Bewegungen ihnen schon zigmal das Gegenteil erzählt haben.
- Schlimmer ist es auch mit dem Zitat von JB im obigen Text, daß die Kritik Leute von VS-Kontakten abhalten könnten. Das ist nämlich oben völlig sinnentstellt wiedergegeben worden. In Wirklichkeit behauptet JB nämlich, daß es Leute davon abhalten kann, Anquatschversuche oder ähnliches noch bekanntzugeben. Das aber wäre genau gut, damit nicht weiter gespalten wird und wir Ruhe haben vor diesem ganzen Scheiß. Wenn ich nicht hingucke und immer brav "Nein" sage, gibt es den VS nämlich gar nicht mehr! Und das wäre richtig schön.
- Sie stellen insgesamt die gewachsenen Strukturen und die damit auch vorhandenen FührerInnen in Zusammenhängen in Frage. Dabei ist das ein in langen Jahren entwickelter Konsens. Überall hat sich die Überzeugung durchgesetzt, daß formale und informelle Hierarchien sinnvoll sind - und bei fast allen Gruppen, mit denen mensch so redet, gibt es sie. Es ist einfach unverschämt, daherzukommen und so zu tun, als gäbe es diesen Konsens nicht.
- Diese komischen Hoppetosse-Leute (was ist das eigentlich für ein grausiger Name? Können die nicht mal einen ordentlichen Verband gründen oder konspirativ agieren, so daß keineR weiß, wie die sich organisieren?) wollen noch viel mehr. Mensch lese mal deren Ideen zu Organisierung von unten (  http://www.projektwerkstatt.de/ovu ) bzw. den offenbar recht neuen Text zu kreativer Antirepression, der dort das Kapitel 2.8 ist). Mich schauderts.
- Das mit dem "Spaßfaktor" finde ich auch unerhört. Es steht zwar in einem ganz anderen Kontext (also nicht im Zusammenhang mit VS-Gesprächen, die JB ja ohnehin nicht als solches sinnvoll findet), aber das hätte noch gefehlt: Politik ist eine ernste Sache! JB sollte sich mal ein Beispiel nehmen an den meisten linken Zentren und Gruppen. Wer da das erste Mal reinkommt, bemerkt sofort: Nein, Spaß macht den Leuten das hier nicht (bzw. erst nach der fünften Flasche Bier).
- Am allerfrechsten ist aber, daß JB hinterhältig auch immer behauptet, er sei gegen eine Zusammenarbeit mit dem VS. Der ist sogar gegen eine Zusammenarbeit mit Bullen. Und gegen Knäste. Will der etwas, daß Nazis und Vergewaltiger nicht eingesperrt werden? Unglaublich - welch ein krudes Weltbild. Und das, wenn ich seine Texte recht verstandes habe, weil im Knast alles nur schlimmer, Menschen noch gewalttätiger werden? Und der Knast dem System als Abschreckung dient? Ist der etwa auch noch gegen Demokratie?

Ich kann mir nicht vorstellen, wie eine politische Arbeit aussehen soll, wenn sie nicht in ständiger Angst vor Repression abläuft. Am Ende würde die noch krasser, wenn aufgrund kreativ-feindlicher Aktion die Demokratie wirklich mal in Bedrängnis kommt. Dann schlägt die erst richtig zu. Zur Zeit ist es in Deutschland doch recht gemütlich. Einzelne Polizeiübergriffe stellen eher die Ausnahme dar - jedenfalls im Vergleich mit Ländern, wo politische Bewegung kreativ-feindlicher mit dem Staat umgeht.

Lassen wir uns diese Ruhe vor der Repression nicht kaputtmachen. Wir haben jahrelang durch die Kultivierung von Latschdemos dafür gekämpft, daß der Staat und nicht mehr für gefährlich hält. Diese Ruhe ist ein riesiger Vorteil und solche nicht durch Widerstand vernichtet werden. Kein Wunder, daß da Menschen unruhig werden und gegenagieren. Daß in Tübingen ein Workshop "Utopie und Gesellschaftskritik" gestört sowie in Stuttgart eine Mobilisierungsveranstaltung zu einem Prozeß gegen jemand ganz anders als JB zwangsbeendet wurde, hat zwar mit den VS-Geschichten gar nichts zu tun - aber bei einer so ernsten Sache finde ich das auch richtig, gleich den Anfängen zu wehren. Die Androhung von mehr auf dem Wendlandcamp ist auch richtig - schließlich wollen andere auch ihren Spaß haben. Informiert Euch über die Diskussionen auf  http://www.hoppetosse.net und diskutiert, ob Ihr Menschen, die Kontakt dazu haben, nicht auch rauswerft. Die Demokratie und der Staat wird das sicher zu schätzen wissen und netter mit uns umgehen.

Peinliche Leute!

Die Linke ist Denver Clan 18.07.2002 - 11:01
Die Art und Weise wie bei diesem Privatkrieg das was der Typ gesagt hat so umgedeutet wird, daß es für die Kampagne gegen ihn passt, erinnert mich irgendwie an die Antideutschen die ja permanent nachweisen wollen, daß alle Linken eigentlich Nazis sind. Wie wäre es, wenn Ihr jetzt noch erklärt, daß "Hoppetosse" ein Synonym für CIA ist und Jörg rückwärts mit Silbenverschiebung BND heisst?

schon komisch...

mensch aus dem südwesten 18.07.2002 - 11:39
... daß hier von einigen leuten versucht, die leute, die aus in meinen augen berechtigten gründen kritik an jörg üben, ins lächerliche ziehen, daß die gleichen leute aber zur sache selbst, nämlich zu jörgs fragwürdigem verhalten, überhaupt nix sagen.

es ist wohl unstrittig, daß das "wie" des umgangs mit jörg nicht gerade immer von fairness geprägt war uns ist - daß es hierfür aber durchaus gute gründe geben kann und auch gibt, wird von den betreffenden schreiberinnen aber unterschlagen.

vs geh nach hause

einmischer 18.07.2002 - 14:27
also ich hab jetzt auch n paar texte gelesen und finde, daß hier tatsächlich eine üble gefahr lauert.
strukturelle ähnlichkeiten sehe ich mit den anti-deutschen oder bestimmten tierrechtlerInnen. warum? nun, die [radikale] linke hat klar probleme mit hirarchien. welche szene nicht? und sie hat das problem [sehr verkürzte darstellung], daß sie mit ihrer geschichte nicht brechen mag und immer verhaftet bleibt in ansätze, die logo längst hinweg-gefegt sein sollten von erkenntnissen, die sich so gaaaanz langsam ja auch verbreiten [stichwort: linksradikale versus postmoderne beliebigkeit].
jb und andere nutzen diese schwäche und ihre ansätze sind vielleicht auch vielversprechend. bloß jb ist überheblich und anmaßend, setzt sich selbst auf einen sockel und macht sich zum maßstab für andere. gerade was redeverhalten und dominanz angeht. da hilft auch nicht der verweis auf die bösen linken, wenn mensch persönlich sogar sehr ähnlich gestrickt ist.
erstaunlich jedenfalls, wie es einzelne personen schaffen, soviel aufmerksamkeit zu erlangen.#
und zu dem umgang mit leuten, die mit dem vs wie auch immer zusammen arbeiten: ich persönlich möchte nicht, daß sie auf einem plenum sitzen, wo ich auch bin. und das zumindest sollte mein recht bleiben. und ich finde es daraus resultierend eine klare sache, daß jb auf plenea nur dann anwesend sein darf, wenn alle damit einverstanden sind, wobei ich ausdrücklich wichtig finde, daß es nicht zu einer öffentlichen abstimmung kommen muß. eingesammelte zettelchen, wo ein einziges "nein" reicht wären z.b. sinnvoller.
wie gesagt: ich habe da persönlich kein vertrauen und möchte nicht wie auch immer gearteter gegenstand von staatlicher observation sein!

@einmischer

basti 18.07.2002 - 15:06
...coole sache das.
wenn dann in ein paar jahren das klonen von menschen soweit ist , bastelt der VS einfach ein paar joergklone und schickt sie auf jedes plena...

gruss aus dem paralleluniversum,

basti

Automaten und Macht

Die Linke ist Denver Clan 18.07.2002 - 17:02
Hab irgendwie den Eindruck, daß diese Kampagne nur von 2 oder 3 Leuten vielleicht acuh nur einer?) ausgeht. Interessant dabei, daß vor 2 Jahren noch aus ganz andere Gründen gegen den Typen gehetzt wird. Kampf um Vorherrschaft eben.

Stinksauer

Stinksaurer 18.07.2002 - 17:04
Mann oh Mann, ich kann das Zeugs, welches hier geschriebe wird, nicht mehr sehen.

Machen wir uns doch nix vor: der gute J.B. ist ein Wichtigtuer, der so sehr von sich eingenommen ist, daß er seinen Weg für den einzig seligmachenden hält. Wer anderer Meinung ist, wird doch immer wieder von ihm mit "Argumenten" und Halbwahrheiten zugeschmissen.

Macht doch mal spaßeshalber in einer guten Suchmaschine, z.B. www.metager.de, die Suchbegriffe "Jörg" und "Bergstedt" ein und schaut, welche ach so tollen Statements von ihm da rauskommen.

Wie wäre es z.B. mit

 http://www.expo-no.de/dan/da_reaktion.htm
 http://www.projektwerkstatt.de/strom/kritik/fabeck2.htm
 http://www.freitag.de/2000/10/00101203.htm

Tut mir furchtbar leid, aber in meinen Augen ist J.B. einfach nur oberlehrerhaft und intolerant gegenüber allen, die nicht seine (teilweise brauchbaren, teilweise seltsamen) Ansichten teilen.

S.

analyse?

fragender 18.07.2002 - 18:59
ich glaube ja, daß sich ganz schön viele mit jb solidarisch fühlen. frage nur: warum?
steht er symbolisch für das verworfene der linken?
hier wäre es vielleicht spannend anzusetzen.
ansonsten: es gibt genug gründe, auf den typen keine lust zu haben. dafür braucht er weder vergewaltiger noch angeworbenes vs-mitglied zu sein!

angst vor kritik?

vom glauben abfallender 18.07.2002 - 19:19
und dann nicht nur hier, sondern auch woanders: die ständige äußerung de angst vor kritiker/innen an jb. das ist schon erstaunlich. erstens, weil die linken, die sie äußern ja meistens nicht so böse sind aber noch mehr zweitens, weil die konsequenz hieße, ja wie denn?
der arme jb?
da ist doch was komisch gelaufen mit der solidarisierung mit den opfern der linken....
ich zumindest finde, daß die angst vor zusammenarbeit mit dem vs wohl mindestens genauso gewichtig ist.
oder ist jb der ober-papi, der als beschützer und hüter einer neuen lehre den ausweg findet? sooo schlimm ist dieser staat doch auch nicht? [mensch braucht ja nur jb zu sehen, der hats doch überlebt] hier spielt sich einer gewaltig auf und das unsympathische ist tatsächlich fast noch mehr zu sehen, wie die daran gekoppelte opfer-nummer ganz prima funktioniert...

Plenumsrauswurf ... find ich gut!

Splittergruppe AG 18.07.2002 - 21:17
Den Vorschlag, daß eine Person reicht, daß eine andere nicht auf ein Plenum kann (ohne direkt betroffen zu sein), finde ich gut. Da würden mir auch gleich einige einfallen, die ich nicht mehr dabeihaben will. Da wird aus jedem Plenum schnell eine gemütliche Kleingruppe - ist eh viel schöner. Du gehörst bestimmt zu den Leuten von der Projektgruppe HierarchNIE! (  http://www.projektwerkstatt.de/von-unten ), die ja Großrunden nicht so mag.

Aber wie auch immer: Eine Bewegung, in der es Normalfall ist, nicht kommen zu dürfen und wo alle zustimmen müssen, wenn jemand dazukommt, ist einfach genial! Wenigstens an Kreativität zu total bekloppten Ideen mangelt es hier nicht.

Und was mir noch aufgefallen ist: Wieso sind JBs Feinde eigentlich so schnell darauf ausgewichen, daß es auch sonst genügend Gründe gäbe, den zu hassen. Nehmt Ihr Eure VS-Anklageschrift schon selbst nicht mehr ernst?????

Mhhh

Mhhh-Macher 19.07.2002 - 03:26
Mir scheint es auch so, als wenn es ein Prvatkrieg sein könnte. Die meisten Hetzkommentare stammen scheinbar von ein und derselben Person. Dabei werden bestimmte Aussagen des Herrn B. so zurechtgebogen, daß es passt: Ais "kreativer Umgang", den er mit dem VS haben wollte, macht diese Person: "jb ist VSler", dabei wird die hetztende Person wahrscheinlich selbst wesentlivh mehr Kontakt zu Polizei und Co. gehabt haben und dies nicht öffentlich gemacht haben.
Wirklich wiederlich finde ich, wie Indymedia vorsätzlich geschadtet wird, indem Indymedia als Werkzeug zur Schmutzkampagne benutzt wird.
Ehrlich Auseinandersetzung mit Konnkurrenten umd die Szenemacht? Neee, nicht in dieser versumpften Linken!

projektwerkstatt zerschlagen!

frankfurter 19.07.2002 - 19:53
wer mit dem vs redet und meint ihn austricksen zu können hat schlicht und ergreifend in linken zusammenhängen nichts verloren und sollte überall wo er auftaucht rausgeschmissen werden. profilneurotiker wie bergstedt, die sich selbst am allertollsten finden und dabei noch was von hierarchiefrei schwafeln, braucht kein mensch. und der einzige, der hier unter verschieden namen postet ist jb selber oder einer seiner jünger. der letzte der meinte er könnte mit dem vs spielen hies steinmetz und die folgen sind bekannt.

muss das sein?

irgendwer 23.07.2002 - 00:10
wo kämen wir hin, wenn irgendjemensch sagen würde, das irgendjemensch ihr nicht ins Plenum passt, und deshalb einfach ausgeschlossen werden soll?
Und dennoch: muss ich mir das antun im Plenum mit jemensch zu sein, der kreativer weise den VS mit Informationen versorgt? Auch wenn es nicht gewollt war, so muss doch klar gewesen sein, dass die was erfahren konnten, wie in jedem Verhör.
Ich denke nicht das es sinnvoll ist jemenschen auszuschließen, weil er unverantwortlich gehandelt hat, und hinterher so tut, als wäre dies kreativ gewesen. Dennoch denke ich, das jede im Plenum darauf hingewiesen werden sollte, das eine solche Person anwesend ist, was nicht mehr bedeutet, als das wir wie immer uns überlegen sollten, was wir über uns preisgeben. Damit ist nicht gemeint, das es wichtig ist zu verheimlichen, wer welche Schiene demontierte, sondern vor allem auch dasjenige gemeint, was eben nicht strafrechtlich verwertbar ist, aber zur Erkennung der Dynamik in den Menschen und Gruppen dienen könnte...
Zum Beispiel gibt es durchaus Gruppen, die zum Teil leider Hierarchische Elemente haben (von Greenpeace bis zu einigen Linksextremisten), und die ohne Konspirativität nun mal nix hin bekommen. Die Hierarchien sollten abgebaut werden, was aber nicht bedeuten sollte, das sich die Gruppen auflösen.

Stalins Eispickel muss her...

Punxatan 30.01.2003 - 17:31
Zuallererst einmal ist zu sagen, das es ein Fehler ist, mit dem VS zu reden. Allerdings finde ich die Umgangsform, die hier betrieben wird, derart kotzig und zum Wegrennen, das ich nicht im entferntesten was von emanzipatorischem Anspruch erkennen kann. Genau das ist aber das Problem: ich stelle mir ein fünfzehnjähriges Antifakiddi vor, das bei der Demo festgenommen wird, Aussagen macht, angesichts der hier mal wieder manifestierten unglaublich toleranten und liebevollen Umgangsweise auch mit niemandem darüber redet. Und als nächstes kommt dann der VS zu Besuch. Na, und nun?
Hundertprozentigen Schutz gegen Spitzel wirds eh nicht geben können, aber was wohl kaum weiterhilft, sind Angriffe in solcher Form. Ich glaube nicht, das JB einer ist, weil der seine Gespräche öffentlich gemacht hat. Und das machen die ja wohl eher nicht, eher ziehen sie um und verändern ihr Äußeres, würde ich mal vermuten. Und vermutlich haben sie auch soviel Geld, Leute zu kaufen, das sie auf einen JB bequem verzichten können.
Wenn einem der JB menschlich oder politisch nicht passt, kann man ja das diskutieren.

07.02.2003 - 23:43
"J.B.". Hahaha. Ist das irgendein Sänger von N'Sync oder so (Oh, nebenbei, warf der gute Marcuse nicht irgendwann mal in den kulturphilosophischen Äther das 'Rockstars und Mythenbildung protofaschistisch' seien?)?!
Keine Ahnung was euer "J.B." ist, ich kenne ihn nicht. Aber wenn man sieht, was ihr aus ihm macht, wird einem Angst und Bange. Mensch wird nicht einfach so zum Wichtigtuer über den sich der gesamte Südwesten in die Haare bekommt. Wir stellen uns einen Prototypen vor und machen ihn - meist unbewußt - selbst zu einem.

Minor threat - Split Up
Black flag - Split Up
J.B. - Split Up