GEWERKSSCHAFT IN KOLUMBIEN - ERFRISCHEND TÖTLICH

kolumbien odyssee 15.07.2002 19:23 Themen: Globalisierung Militarismus Repression Soziale Kämpfe Weltweit
Das Abfüllunternehmen des Coca-Cola Konzerns in Kolumbien ist Panamco S.A. Dort wird die Gewerkschaftsarbeit systematisch bekämpft. Einschüchterungen, Entführungen und Morde paramilitärischer Gruppen zwingen die AktivistInnen zur Flucht, Deregulierung von Arbeitsverhältnissen ist die Folge. Seit 1990 wurden 120 solcher Angriffe registriert, und deswegen findet am 22. Juli ein "Meinungstribunal" in Atlanta zu den Vorkomnissen statt. Wir meinen das Prinzip des "out-sourcing" entbindet transnationale Konzerne nicht von ihrer Verantwortung. Let´s hit the feeling!

Internationaler Aktionstag - 22. Juli 2002 - 17:00
Friedrichstr. 68, Berlin - vor der Coca-Cola Zentrale

Flyer:  http://www.indymedia.de/2002/07/26188.shtml
Kolumbien: staatlicher Terror gegen die Opposition

Wohl in keinem anderen Land der Welt werden so viele Linke ermordet wie in Kolumbien. Mehr als 5000 Menschen werden jedes Jahr von paramilitärischen Gruppen umgebracht: massakriert, gefoltert, manchmal mit Motorsägen zerstückelt. Die dafür verantwortlichen Todesschwadronen agieren mit Rückendeckung
des kolumbianischen Staates und üben die Rolle einer Privatarmee im Dienste der Besitzenden aus. Die Morden folgen fast immer auch einem wirtschaftlichen Kalkül: GroßgrundbesitzerInnen vertreiben KleinbäuerInnen, Unternehmen lassen
unliebsame GewerkschafterInnen aus dem Weg räumen, die Regierung sorgt dafür, dass geplante Großprojekte (wie Staudämme und Erdölbohrungen) reibungslos durchgeführt werden können. Der Terror der Paramilitärs ebnet der Globalisierung den Weg: Mit der Zerschlagung von Gewerkschaften wird die Abschaffung von
Arbeitsschutzgesetzen erleichtert und damit der Arbeitsmarkt
,,flexibilisiert", die Vertreibung von Kleinbauern ermöglicht die Erschließung bisher kaum entwickelter Regionen, die Einschüchterung der Gewerkschaften bahnt den von IWF und Weltbank angemahnten Privatisierungsprozessen den Weg ...
Transnationale Unternehmen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Während eines Pipeline-Baus von British Petroleum in Kolumbien ermordeten Todesschwadronen in der Nähe der Bautrasse Hunderte von Menschen, die als Gegner des Projekts galten. Abgesichert wurde der Bau von dem berüchtigten britischen Söldnerunternehmen Defence Systems Ltd. Gegen den Kohle-Multi Drummonds ist wegen der Ermordung von Gewerkschaftern eine Anklage in den USA erhoben worden. Und auch bei Nestlé gibt es eine auffällige Häufung von Anschlägen im Vorfeld von Tarifverhandlungen. Doch besonders stark kritisiert wird die Politik Coca Colas,
das wichtige Kapitalanteile an dem kolumbianischen Coca Cola-Abfüllunternehmen Panamco besitzt.

Coca Cola sucks!

In den Abfüllanlagen der formal von Coca Cola unabhängigen, de facto aber über Kapitalanteile an den US-Konzern gebundenen kolumbianischen Firma Panamco tobt ein regelrechter Krieg gegen die Gewerkschaften.

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Ein ganz normaler Sommer bei Coca Cola-Kolumbien

* Im Juni 2001 werden die ArbeiterInnen auf Zwangsversammlungen dazu aufgefordert, auf ihre bisherigen Arbeitsverträge zu verzichten. Einige ArbeiterInnen, die sich weigern, werden entlassen. Insgesamt baut das Unternehmen auf diese Weise in kurzer Zeit mehr als 1000 feste Stellen ab oder verwandelt
sie in prekäre Beschäftigungsverhältnisse. * Am 21. Juni 2001 wird der Coca Cola-Arbeiter Oscar Darío, just an einem internationalen Aktionstag zum Gedenken an die Menschenrechtsverletzungen bei Coca Cola in Guatemala, in Montería/Nordkolumbien erschossen.

* Am 30. Juni fordert der Sicherheitschef bei Coca
Cola in Medellín, ein Kapitän der Armee im Ruhestand, die Gewerkschaftsmitglieder im Betrieb auf, sich bei den Tarifverhandlungen zurückzuhalten und unterstellt ihnen Verbindungen zur Guerilla - in Kolumbien eine unverhohlene
Todesdrohung. * Am 13. Juli beschuldigt der Geschäftsführer von Coca Cola in Bucaramanga / Nordostkolumbien Carlos Cañas die Führer der Ernährungsgewerkschaft SINALTRAINAL wegen ihrer Kritik an Coca Cola der Verleumdung und der Gründung
einer kriminellen Vereinigung.

* Ebenfalls am 13. Juli gehen Todesschwadronen vor dem Haus des SINALTRAINAL-Präsidenten in Barrancabermeja Juan Carlos Galvis
in Stellung.

* Vom 21. bis 23. Juli lassen die Abfüllunternehmen ihre
ArbeiterInnen in ganz Kolumbien Blankopapiere unterschreiben, die danach als gewerkschaftskritische Briefe der Belegschaft präsentiert werden.

* Am 22. Juli werden der Gewerkschafter Galvis und seine Ehefrau von Todesschwadronen durch Barrancabermeja verfolgt.

* Am 3. August taucht ein Paramilitärkommando ebenfalls in Barrancabermeja beim SINALTRAINAL-Aktivisten William Mendoza
auf, der sich jedoch nicht zu Hause befindet. Zur gleichen Zeit wird die Ehefrau von Juan Carlos Galvis von Todesschwadronen kurzzeitig entführt.

* Am 13. des gleichen Monats wird ein Coca Cola-LKW östlich von Medellín gestoppt. Die Paramilitärs erklären den Fahrern, dass man ein Problem mit der Gewerkschaft habe und diese sich zu einem Gespräch zur Verfügung zu stellen habe. * Am 21. August
stehen Paramilitärs vor dem Wohnhaus des Präsidenten von SINALTRAINAL in der Karibikstadt Barranquilla, Osvaldo Camargo. Einen Tag später nähert sich Killerkommando dem Gewerkschafter und zückt eine Waffe. Camargo komm kommt nur deshalb mit dem Leben davon, weil unerwartet ein Passant auftaucht.

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Mehr als 120 Angriffe hat die Ernährungswerkschaft SINALTRAINAL seit 1990 protokolliert: Ermordungen, Entführungen, Drohanrufe, inszenierte Terrorismusverfahren. In der von Armee und Paramilitärs besonders streng kontrollierten nordkolumbianischen Region Urabá wurde die Gewerkschaft sogar im wörtlichen Sinne physisch eliminiert. Im Dezember 1996 ermordeten ,,Unbekannte" den regionalen SINALTRAINAL-Sekretär Isidro Segundo Gil, ein weiterer Funktionär konnte einer Entführung nur knapp entkommen. Das Gewerkschaftsgebäude in der Stadt Carepa wurde in Brand gesetzt, die ArbeiterInnen des Unternehmens von Bewaffneten gezwungen, ,,bis 4 Uhr nachmittags aus der Gewerkschaft auszutreten". Und die Situation verschlechtert sich weiter. Der Druck auf jene Coca-Cola-Arbeiter, die noch gewerkschaftlich organisiert sind, wird immer größer. AktivistInnen können ihre Wohnungen nicht mehr ungeschützt verlassen und erhalten regelmäßig Morddrohungen. Die Gewerkschaftssektionen von Barrancabermeja und Bucaramanga sind im ,,inneren Exil". Die GewerkschafterInnen verbringen aus Sicherheitsgründen die meiste Zeit in der Hauptstadt Bogotá. Diese Firmenpolitik scheint im übrigen nicht auf Kolumbien beschränkt zu sein. Gegen Coca-Cola-GewerkschafterInnen in Guatemala und Peru hat es in den vergangenen Jahren ähnliche Gewalttaten gegeben.

Internationale Kampagne zu Coca Cola

Vor diesem Hintergrund mobilisieren kolumbianische Gewerkschaften und die ,,Kampagne gegen Straflosigkeit - Colombia Clama Justicia" zur Zeit für eine internationale Kampagne gegen Coca Cola. In den USA hat die Stahlarbeitergewerkschaft United Steel Workers aus Solidarität mit den kolumbianischen KollegInnen eine Klage gegen Coca Cola vor dem Distriktgericht von Südflorida eingereicht. Parallel dazu will ein breites Bündnis von baptistischen Kirchen, Trade Unions und Menschenrechtsgruppen in den USA in diesem Sommer auf die Arbeitsbedingungen bei dem Getränkekonzern hinweisen. Auch Gruppen in Italien, Belgien und Großbritannien haben ihre Unterstützung zugesagt. In Italien reicht das Spektrum von der christdemokratischen UIL bis zu den COBAS.


Konkret in Vorbereitung sind drei sogenannte Audiencias Publicas:
Meinungstribunale, mit denen internationale Öffentlichkeit hergestellt werden sollen:

Mitte Juli in Atlanta/USA, am 12. Oktober in Brüssel / Belgien und am 5. Dezember in Bogotá. Außerdem soll es zahlreiche dezentrale Aktionen und Veranstaltungen geben.

Die Meinungstribunale reihen sich ein in die ,,Kampagne gegen Straflosigkeit - Kolumbien fordert Gerechtigkeit", die von mehr als 100 kolumbianischen Organisationen, darunter auch dem Gewerkschaftsverband CUT, getragen wird und bereits mehrere internationale Meinungstribunale in Kanada, Spanien und Kolumbien organisiert hat.


Was wir mit der Kampagne erreichen wollen

Um eins gleich klar zu stellen: Uns geht es nicht darum, Coca Cola als Symbol einer vermeintlichen US-Kultur zu brandmarken. Bei der Politik der transnationalen Unternehmen spielt es keine Rolle, ob sich der jeweilige Firmensitz nun in den USA, Großbritannien, der Schweiz oder in Deutschland befindet. BP, Nestlé oder Mercedes-Benz haben nicht weniger Dreck am Stecken als Coca Cola. Wenn wir in diesem Fall jedoch über Coca Cola sprechen, dann deswegen, weil es konkrete Ereignisse gibt, die konkrete Solidarität erforderlich machen.

Mit der Kampagne wollen wir mehrere Ziele verfolgen:

- Globalisierungskritik leisten: Wir denken, dass sich der gewalttätige Aspekt von Globalisierung am Beispiel Coca Cola-Kolumbien gut aufzeigen lässt. Was die Mächtigen als ganz normalen Fortschritt bezeichnen, bedeutet für die Betroffenen häufig noch mehr Ausbeutung und Terror.

- eine Schnittstelle zwischen Anti-Globalisierungsbewegung und
Gewerkschaften schaffen: Die Kampagne bietet die Möglichkeit, dass verschiedene Gruppen aus unterschiedlichen politischen Spektren bei einem konkreten Anliegen zusammenarbeiten. Wie bei der deportation class-Kampagne gegen Lufthansa soll es den Gruppen dabei möglich sein mitzumachen, ohne großartige Absprachen treffen zu müssen.

- international agieren: Wenn es darum geht, Menschen in verschiedenen Ländern gegeneinander auszuspielen, wird immer wieder die ,,Standortkonkurrenz" ins Feld geführt. Die einzige funktionierende Antwort darauf ist: Wir müssen selbst transnational handeln. Arbeitsrechte lassen sich nur noch in einem internationalen Rahmen verteidigen.

- konkret Arbeitsbedingungen verbessern: V. a. aber geht es uns darum, die konkreten Bedingungen für die Gewerkschaft SINALTRAINAL in Kolumbien zu verbessern. Gewerkschaftsarbeit ist dort kaum noch möglich, betriebliche Organisierung wird durch Entlassungen und Anschläge verhindert. Für gewerkschaftliche Arbeit gibt es kaum noch eine andere Chance als die Mobilisierung außerhalb des Unternehmens. Unser Druck kann - wie zahlreiche Beispiele in der Vergangenheit bewiesen haben - etwas zur Veränderung der Situation beitragen. Diese Chance wollen wir nützen.

Was kann man tun?

Es gibt viele Möglichkeiten, an diese Kampagne anzudocken. Jede/r kann sich Aktionsformen ausdenken. In Italien kündigten AktivistInnen an, sie wollten Coca-Cola-Getränke öffentlichkeitswirksam aus einem Supermarkt auf die Straße räumen. Gute Idee! Man kann aber auch Kundgebungen organisieren, Unterschriftenlisten sammeln und an Coca Cola schicken, die Hotline des Konzerns nerven oder imageschädigende Websites ins Netz stellen. Man kann Aufkleber entwerfen, Veranstaltungen machen, zu einem Boykott aufrufen. Oder auf Aktionärsversammlungen auftauchen ... Und natürlich sollte man sich zahlreich an den Meinungstribunalen im Oktober in Brüssel und im Dezember in Bogotá beteiligen. Gäste sind herzlich willkommen!!

Wenn Ihr Hintergrundinformationen braucht, könnt Ihr diese jederzeit bei uns erhalten. Wir stellen uns nur ein konkretes Ziel: Die Kampagne gegen Coca Cola sollte so lange gehen, bis der Konzern seine Entlassungspolitik einstellt, gewerkschaftliche Organisierung akzeptiert und Maßnahmen gegen den Paramilitarismus im und um den Betrieb herum ergreift. Coca Cola darf sich nicht darauf zurückziehen, dass die Abfüllanlagen nicht zum Mutterkonzern gehören. Wäre in einer kolumbianischen Abfüllanlage Gift in die Getränkeflaschen gelangt, hätte Coca Cola sicherlich auch scharf durchgegriffen. Also kann das Unternehmen durchaus handeln, wenn seine Lizenznehmer GewerkschafterInnen erschießen lassen!

Schluß mit dem Terror gegen GewerkschafterInnen!
Solidarität mit SINALTRAINAL!
Coca Cola sucks!
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Ergänzungen

o.a. Homepage nicht erreichbar

15.07.2002 - 20:39

Ihr habt ja recht, aber...

Nicht-kolumbianischer Klugscheisser 15.07.2002 - 21:28
...man darf nicht vergessen, dass die kolumbianische FARC auch nicht von schlechten Eltern ist!
In Kolumbien herscht ohnehin von morgens bis abends Mord und Totschlag (Naja, Totschlag wohl nicht so häufig).
Es geht hier um Territorien und Marktaufteilungen (Prostitution,Lohnsklaverei, Drogen, Waffen etc.)
Die "Herrschenden!" haben die linken Rebellen, sowie die rechtsextremen Paramilitärs schon längst, wenn nicht sogar schon immer,für ihre ausbeuterischen Zwecke instrumentalisiert.
Natürlich versucht die Gewerkschaft eine Verbesserung für die Arbeiter zu erzielen und "das ist auch gut so".
Verbesserungen sind immerhin besser als gar nichts und mit genügend Aufmerksamkeit seitens der Weltöffentlichkeit, liesse sich denn auch "der Tropfen auf dem heissen Stein" erzielen.
Klingt zwar kacke, ist aber wahr!
Solidarität!

@ Nicht-kolumbianischer Klugscheisser

15.07.2002 - 22:28
Es geht hier nicht um die FARC oder einer Unterstützungsveranstaltung für diese Organisation. Es geht konkret darum, sich mit den Menschen dort zu solidarisieren. Unter Coca Cola und Co. leiden besonders die Gewerkschafter. (ganz schön scheisse von den deutschen Gewerkschaften, die Ignoranz)

Informiert euch

jaja 15.07.2002 - 22:41
Informiert euch erstmal über die FARC, bevor ihr hier solchen Blödsinn ablasst. Ich empfehle die Lektüre der deutschen Ausgabe der "Resistencia" (Zeitschrift der FARC-EP)

interviews

b 15.07.2002 - 23:51

Ne ne ne ...

Nicht - Kolumbianer 16.07.2002 - 03:03
Die FARC sollte auch nicht in direkte Beziehung zu den "dazugehörigen" Gewerkschaften gestellt werden.
Sorry, ich wollte mir dieses auch nicht anmassen!
Ich kennne mich in Sachen kolumbianische Gewerkschaften etc. so gut wie gar nicht aus; und deswegen halte ich jetzt auch mal die Klappe!
Trotzdem: Warum ist die FARC so verdammt "unsozialistisch"?
Was soll das blinde, kaltblütige Morden seitens der Farc, auch gegen Unschuldige und gegen Genossen!
Das hat mit Sozialismus doch nix zu tun!




Also bevor Du uns da fragst...

Tip 16.07.2002 - 03:11
Versuch doch mal im Netz etwas nachzurechcherieren. Die machen das nicht zum Spass, ist halt Krieg. Ansonsten glaub ich aber auch nicht, daß die von der Linken bedingungslos unterstützt werden. Ich stehe denen auch kritisch gegenüber und denke mir, daß ohne die Farc die Paramilitärs alles platt machen würden.

homepage auf dem netz

kolumbien-odyssee 16.07.2002 - 15:17
hallo,
die Website ist mittlerweile geschaltet. Dort solltet Ihr eine Menge Hintergrundinformationen erhalten können (für diejenigen, die was nachlesen wollen). Außerdem auch immer einigermaßen aktualisierte Termine.

An Olaf: Wir mobilisieren für den Termin schon einen Monat. So kurzfristig war das also nicht. Unter www.labournet.de und auch bei www.nadir.org standen Hinweise zum 22.7. Aber du hast natürlich Recht: Wenn du jetzt erst davon hörst, ist es wenig Zeit.

Der 22. Juli ist jedoch nur ein Anfang. Nach den Sommerferien geht es mit einer Veranstaltungsrundreise weiter. Am 12. Oktober ist ein Tribunal gegen Coca Cola in Brüssel und auf dem ESF in Florenz wird die ganze Sache sicher auch Thema sein. Also: es gibt noch genug Gelegenheit mitzumachen.

Grüße
raul
p.s. Wir suchen noch UnterstützerInnen für die Kampagne! (siehe Website) Wer noch einsteigen will ...