Neonazi-Konzert Mecklenburg-Vorpommern aufgelöst

Zipfelmütze 09.07.2002 22:37 Themen: Antifa
Die Polizei hat nach Hinweisen ein Open-Air von Neonazis in Scharbow bei Hagenow in McPomm aufgelöst. Mehrere hundert Faschos kamen, um zehn Rechts-Rock-Bands zu erleben, und lieferten sich dann Auseinandersetzungen mit der Polizei
Auf die Nase zu bekommen, wenn mensch nur ein Konzert besuchen will, ist nicht schön. Doch noch schlimmer ist es, Hass auf und Gewalt gegen alles Un-Deutsche zu predigen, Rassismus und Antisemitismus zu feiern. Genau das wollten jedoch mehrere hundert Neonazis tun, als sie sich am Sonnabend auf den Weg zu einem geplanten Open-Air in Scharbow bei Hagenow machten. Das wußte die Polizei jedoch nach Hinweisen von AntifaschistInnen ( http://www.links-lang.de/0702/03.htm und  http://www.links-lang.de/0702/01.htm) und medialem Interesse zu verhindern. Die zuständigen Behörden verboten das Konzert und alle Ersatzveranstaltungen im westlichen McPomm, Zufahrtswege wurden von der Polizei kontrolliert und Schleuserpunkte aufgelöst.

Da half auch der Weg zu Fuß nichts: an die 300 Neonazis verließen am Samstagabend ihre Autos und machten durch Äcker und Wälder auf nach Scharbow, nachdem an ein geordnetes Durchkommen nicht zu denken war. Sie wurden jedoch von 150 Polizisten unter Einsatz von Gewalt zurückgedrängt. Drei Personen wurden festgenommen, mehrere Strafanzeigen wegen des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, des Verwendens verfassungswidriger Symbole und Beleidigung aufgenommen, wie die Polizei mitteilt.

Sie konnte jedoch nicht verhindern, daß die sich schon in Scharbow befindenden Rechts-Rock-Bands vor anwesenden 150 Neonazis aufspielten. Erst später ließ die Polizei das Konzert beenden. Für AntifaschistInnen unverständlich: sie kritisieren, daß die Polizei schon im Verlauf des Vormittags vom Konzertort erfahren habe, jedoch erst nach öffentlichem Druck eingeschritten sei.

Denn auch eine große Vorbereitungszeit hatten die Beamten: schon wochenlang ist bekannt gewesen, daß Neonazis aus dem Umfeld des inzwischen geschlossenen "Clubs 18" auf Rügen ein Open-Air vorbereitet hatten. Die Polizei konnte allerdings den Eigentümer des Grundstücks auf der Insel dazu bewegen, seine Erlaubnis für die Veranstaltung zurückzuziehen.

Daraufhin sollte es auf dem Gelände des Neonazis Jürgen Witt stattfinden. Dort hatte der Verein "Freie Deutsche e.V.", dessen Vorsitz Witt innehat, bereits am 21. Dezember 2001 eine Sonnenwendfeier und am 25. Mai 2002 einen "Wikingerwettkampf" veranstaltet. Witt hatte zudem die Fascho-Demo "Gegen linke Gewalt und Faschismus- für Toleranz gegenüber Andersdenkenden!" am 24. Februar 2002 in Parchim angemeldet sowie eine Demonstration von "freien Nationalisten" und NPD unter dem Motto "Meinungsfreiheit auch für nationale Bürger!" am 18. August 2001 in Hagenow unterstützt. Witt, vor seinem Umzug nach Mecklenburg-Vorpommern im Umfeld der neonazistischen Säuerländer Aktionsfront (SAF) aktiv, ist es nach Angaben der Jungle World "gelungen, eine rund 20köpfige Gruppe von jugendlichen Rechtsextremisten um sich zu scharen." (  http://www.jungle-world.com/_2002/12/11a.htm )

Von Neonazi-Konzerten geht nicht nur die Gefahr der propagandistischen und die Szene stabilisierenden Wirkung aus. Für Nachbarn und besonders Menschen zweiter Klasse im faschistischen Weltbild, MigrantInnen, nicht-rechte Jugendliche oder AntifaschistInnen, stellen von der Musik angeheizte Neonazis eine unmittelbare Gefahr dar. Aber auch der äußere Eindruck eines Ortes, in dem wiederholt rechte Veranstaltungen stattfinden können, ist wenig anreizend oder gar tourismusfördernd. Gründe, die das Innenministerium 1999 zur Veröffentlichung des sogenannten Konzerterlasses bewegten, der mit rechtlichen Hinweisen Behörden und Polizei das Vorgehen gegen faschistische Musikveranstaltungen erleichtert.

Aufgrund dieses Drucks ist es für Neonazis normal, ihre Konzerte konspirativ vorzubereiten. Das Konzert wird zum Beispiel als Geburtstagsfeier angemeldet, Besucher werden nur auf den Termin hingewiesen und dann über Schleuserpunkte zum Veranstaltungsort gelotst. Die Zahl von 15 bekannt gewordenen Nazi-Konzerten im Jahr 2001 in McPomm im Bericht des Verfassungsschutzes (  http://www.verfassungsschutz-mv.de/ )und einer zu vermutenden viel höheren Dunkelziffer zeigt, das das meist klappt. Wenn es nicht wie am vergangenen Sonnabend gelingt, den Nazis in die Suppe zu spucken.
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Ergänzungen

Bemerkung

Zipfelmütze 09.07.2002 - 22:54
Vielleicht können die Mods ja die Links irgendwie einbinden. Der Artikel stand zwar schon auf der für McPomm gedachten links-lang-Seite, ist aber vielleicht auch überregional interessant.

Ich habe ein wenig Bauchschmerzen angesichts der Tatsache, daß Antifas mehr oder weniger den Bullen Vorarbeit geleistet haben - obwohl denen auch noch auf die Füße getreten werden mußte, damit sie was machen. Aber daß Antifas selber ein Fascho-Konzert verhindern, klappt wohl nicht mal in "belebteren" Gegenden.

@Zipfelmütze

sandankoro 09.07.2002 - 23:58
Deine Bauchschmerzen wegen der "Kooperation" zwischen Antifa und Polizei verstehe ich irgendwie nicht, ist doch schön zu sehen, daß die Damen und Herren in grün "ihren" Job tun.

genau......

Popowitsch 10.07.2002 - 11:52
Ich finds auch eher beruhigend das dass Konzert aufgelöst wurde natürlich sind denen grobe Fehler unterlaufen, aber
ab und zu profitieren wir auch von den Fehlern der doofen Bullen.

o.k.

alter 10.07.2002 - 23:43
danke für den beitrag...find es ja interressant und gut, daß diese ecke der welt noch nicht ganz vergessen und aufgegeben wurde...habe das nämlich nur von einem bekannten erfahren, daß da was von den dummbroten abging

Konzert

Musikfreund 11.07.2002 - 00:16
Ständig beklagt man sich auf Indymedia über die Bullen:Bullen tyranisieren "Migranten",Bullen schlagen Linke,Bullen nehmen Rauschgiftkonsumenten fest,Bullen schützen Nazis.Ja man will die Polizei angeblich ganz auflösen.Die Wirklichkeit wird dann und wann,wie hier, jedoch auch mal eingestanden und gefeiert.Von "staatlichem Rassismus",usw. kann wohl kaum eine Rede sein wenn Hundertschaften der Polizei irgendein rechtes Konzert in der ländlichen Provinz mit aller Gewalt verhindern,wenn es in Mc-Pomm eine Sonderkommission der Polizei gibt,die sich einzig und allein mit diesem Thema beschäftigt und wenn Punks und Antifas bei sämtlichen eigenen Konzerten vom Staat vollkommen in Ruhe gelassen werden.Und bitte nicht wieder die Lüge,dass man dass alles nur wegen des Auslands macht,welches angeblich jedes Skin-Konzert in seinem Notizblock vermerkt.Nein zu Recht feiert ihr euren Antifa-Staat BRD.Nur noch eine Bitte: spielt nicht immer die grossen Revoluzzer,nur um euch bei der Jugend einzuschleimen!

Nazis und Bullen eigentlich hand in hand

Nachdenklich 11.07.2002 - 11:17
Ich werde nie vergessen, wie voriges Jahr Nazis an der Frankfurter Alle grillten und trotz Polizeipräsenz Leute, die vorbeigingen mit Flaschen bewarfen. Einige der Leute wehrten sich. Anschliessend nahmen Nazis und Polizei mehrere Ausländer fest. Dabei gings wirklich so ab, daß die Nazis auf Ausländer zeigten und "der da und der da" sagten. Das ist nicht verwunderliche. Neben einer starken Sympathie von Bullen und Staat für die Nazis sind viele Nazis selbst bei der Polzei beschäftigt. Untersuchungen einer Bürgerini aus dem Jahre 1995 ergaben, daß beim BGS in NRW etwa 33% rechtsextrem eingestellt sind.
Vor diesem Hintergrund finde ich es interessant, daß die Bullen in McPom was gegen die Nazis gemacht haben. Vergessen wir nicht, daß die Bullen 1992 in Rostock-Lichtenhagen die Nazi-Pogrome unterstützt haben!