Reclaim the Simon-Dach-Strasse - ein paar Bilder

Who 07.07.2002 04:11 Themen: Freiräume Kultur
Im Berliner Stadtbezirk Friedrichshain findet momentan das Kunst- und Kulturfestival "Spektrale 02" unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Wowereit statt. Dieswird zum Anlass genommen, mit verschiedensten Aktionen Freiräume und Platz für eigene und unkommerzielle Kunst und Kultur zu fordern, sowie gegen die Umstrukturierung zu protestieren. Eine der Aktionen war die "Reclaim the Simon-Dach-Strasse"-Party. Die Simon-Dach-Straße ist die Yuppie-Meile inFriedrichshain. Sie wurde Mitte der 90er innerhalb eines Jahres aus dem Boden gestampft.
"In ihrem Konzept sprachen die Veranstalter unverhohlen von Gentrification (Verdrängung der alteingesessenen BewohnerInnen durch jüngere, besser gebildeteBevölkerungsgruppen, die in der Regel aufgrund ihrer Berufsposition über höhere Einkommen verfügen). Während diese Version von Kunst&Kultur gefördert wird, kämpfen viele alternative und unkommerzielle Wohn- und Kulturprojekte gegen Verdrängung und Umstrukturierung im Kiez. " (Aus einem Aufruf)
An der RTS (ober besser RTSDS) nahmen trotz Regen etwa 100 bis 150 Leute teil. Die Polizei hielt sich ziemlich zurück und wurde nur ein paar mal unruhig, als es Streit mit einem Autofahrer gab oder als zu einer Bank, die schon auf der Strasse stand, noch Stühle aus einem Yuppie-Cafe hinzukommen sollten (natürlich ohne die Inhaber zu fragen). Ansonsten half die Polizei den erschrockenen Schicki's, mit ihren Autos heil durch die Simon-Dach-Strasse zu kommen oder beobachtete nur die Menge. Auf der Strasse wurde derweil Fussball gespeielt, gechillt, Touries geneckt oder Freibier verteilt.
Die Bilder sind teilweise sehr verwackelt, da es schon viel zu dunkel für meine Digi-Cam war.
Natürlich gehen Aktionen dieser Art nur die Symptome an. Hierzu verweise ich einfach mal auf eine Diskussion unter dem Text NY und Berlin: Proteste gegen Gentrification
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Ergänzungen

Polizeigewalt und Festnahmen

egal 07.07.2002 - 14:54
Ganz so glimpflich wie oben beschrieben verlief die RTS dann doch nicht. Nachdem die Polizei einen Ball konfisziert hatte und sich Unmut unter den Ballspielenden breit gemacht hatte, räumte die mittlerweile behelmte Polizei die Simon-Dach-Straße. Dabei wurde einem Menschen, der zwei ZivilpolizistInnen filmte, erst die Kamera abgenommen und dann ein Polizeihund auf den Hals gehetzt, der ihn dann auch biss. Der Mann wurde festgenommen (in Gewahrsam?) und noch an Ort und Stelle von Sanitätern behandelt. Ein weiterer Demonstrant wurde festgenommen, weil er sich über den übertriebenen Hunde-Einsatz beschwert hatte. Weitere Demonstranten wurden von der Polizei beschimpft, so eine "Punkerin", der ein Polizist sagte, sie sei eh keine Frau, oder auch ein anderer Protestierer dem mehrfach angedroht wurde: "Ich schlage Dich zu Boden!". Bei dieser friedlichen RTS hat die Berliner Polizei den Bogen der Verhältnismäßigkeit mal wieder weit überspannt.

Zusammenhänge und Hintergründe !?

ein Mensch 07.07.2002 - 16:23
eine Mischung alternativer, "unpolitischer", angepasster Kulturinitiativen in Berlin Friedrichshain "vernetzten" sich und organisierten ein Kulturspektakel mit großen Werbeaufwand.
Flyerheft mit Grußwort des Berliner Bürgermeisters +
Pseudo TV Werbung sog. "Berliner Fenster" -in der U-Bahn etc
hier zwei ihrer webseiten
 http://www.knorre.de/spektrale02.htm
 http://www.spielfeld.net/

in der Printausgabe der aktuellen Stadtzeitung
 http://www.zitty.de/
gibt es einen Artikel zu der Thematik
(da er anscheinend online nicht zu finden ist, hier alternativ ein auch interessanter Artikel zur Videoüberwachung
 http://www.zitty.de/pubs/aktuell/pageviewer.asp?TextID=7839)

In eigentlich gemeinten Artikel wird ansatzweise die Zerrissenheit der sog. Friedrichshainer Kulturscene angesprochen , deren Zustand im RAW Tempel
(ehem Reichsbahnausbesserungswerk) genannten
 http://www.raw-ev.de/html/RAWframeset.htm
Kunst-Kultur-Kommerz Projekt am deutlichsten zu Tage treten.
Kunst als Kommerz, angepaßt und korrupt oder unabhängig kreativ, emanzipativ, aufklärerisch...
Anspruch und Wirklichkeit.
Die Wiedersprüche werden am offensichtlichsten, wenns ums Geld geht.
Nachdem die Checker des RAW Tempel sich mit Geldern abgesetz hatten und das Projekt sowieso auslaufende Verträge hatte kam die kurze Öffnung / Anbiederung an die Linke.
Einige Leute aus dem linken Spektrum machen mittlerweile in Projekten auf dem Gelände mit.
Gleichzeitig wurde anscheinend auf Lieb Kind / Befriedung gemacht, denn mit einem Mal wurden der Vertrag verlängert, floßen Gelder...
(wer mehr dazu weiß sollte es doch bitte hier schreiben)
RAW Tempel goes Tacheles !?
Angeblich sei trotzdem kein Geld vorhanden. Jedenfalls ist RAW Tempel einer der Mitinitiatoren der Spektrale 02,.
Systemkonforme !? Kultur auf der Anbiederungsstraße. Existenzgründungsversuche für indirekt staatstragende Künstler.
Letztes Wochenende protestierte also die radikale Linke kreativ und die an sie angedockte Party Fraktion gegen die Spektrale 02 durch "Olympia von hinten" und dieses Wochenende durch die hier beschriebene Aktion relativ ohnmächtig auf der Yuppie Restaurantstraße im Bezirk.

Während nur 1km davon entfernt von der Linken ignoriert
an der Oberbaumbrücke für
"3000 Meinungsführer aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Medien, Musik und Szene " (Zitat aus dem Papier "Einzugsevent Universal Music Germany Berlin") mit dem Regierenden Bürgermeister etc + No Angels, Absolut Beginner, Glashaus... eine geschloßene Eliten Einweihungsfeier zelebriert wurde.

 http://www.universal-music.de/index1.php?move=1
 http://www.universal-music.de/home1.php3
 http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/artikel875.php
 http://www.epilog.de/Berlin/Medien/Archiv/Meldung/2001/0107/010727_Universal_Music.htm
 http://www.epilog.de/Berlin/Medien/Archiv/Meldung/2001/0104/010420_Universal_Music.htm
 http://www.hdk-berlin.de/universal.htm
 http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/musik/9732/1.html
 http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/musik/12486/1.html
 http://www.umusic.com/static/press/04202001.htm
 http://www.welt.de/daten/2002/07/01/0701wa341615.htx

Um ein realistisches Bild der Relevanz der unangepaßten Linken zu entwickeln, gehören solche wiedersprüchlichen in direkter Nachbarschaft stattfindenden Events in die gleiche Debatte. Zusammenhänge die vorhanden sind müßen nicht konstriert sondern nur wahrgenommen werden.
Dazu gehört Interesse und Offenheit, welche oft leider viel zu häufig zu kurz kommen in dieser kalten sperierten, individualistischen Gesellschaft.

Auch die linken Großereignisse (cooperate identity events)
wie 1. Mai Demo + Liebknecht Luxemburg Demo
(Stalin, Lenin, Mao, und andere Anhänger/innen und völkische + nationalistische Linke)
ins Verhältnis gesetzt zu den monströsen "Hauptstadt" Neubauten z.B. am Potsdamer Platz, Kanzleramt, Narva City , demnächst am Spreeufer
(Macht Geld Einfluß in Beton gegossen)
oder die nationalen Psychosen, auch weiter Teile der Linken, im Rahmen der Fußball WM, bzw die Love Parade könnten helfen die Relationen, der Relevanz, der (radikalen) Linken warzunehmen, jenseits der Zerstrittenheit (Israel /Palästina).

Im Verhältnis zur Gesellschaft, zum Mainstream, den von Traditionalisten als "Massen" bezeichneten... kann nicht gerade von Hegemonie der Linken gesprochen werden.

Wer die "Junge Freiheit"  http://www.junge-freiheit.de/
heute liest, weiß oft wo es morgen langgehen wird.
Ob nun Interviews mit Schönbohm (Erfinder des Begriffs "deutsche Leitkultur", Knobloch (stellv. Vors. des Zentralrats der Juden in Doofland), Karsli etc
Seit Thinkthanks wie das faschistische
Studienzentrum Weikersheim
 http://www.studienzentrum-weikersheim.de/
und Medien wie die JF iimmer mehr CDUler und andere aus bürgerlichen Parteien oder linke Renegaten wie
Jochen Staadt ( ex Maoist, Mehringhof Mitbegründer und heute bei reaktionären, revisionistischen
"Forschungsverbund SED-Staat der FU"
 http://www.fu-berlin.de/fsed/introduction/members/staadt/user.html
einzubinden verstehen ist auch der Kurs von Rot / Grün vorherrsehbar.
Denn auch deren intelektuellen Vordenker beobachten sehr genau was die intelektuelle Rechte treibt, diskutiert etc
und orientieren sich häufig sehr stark daran.

Diese These bedarf sicher einer genaueren Analyse.
Da gerade die Zeit fehlt muß die These erstmal ohne Ausführung hier so stehen bleiben.
Wiederlegt oder bestätigt sie bitte.
Für eine produktive Diskussion !!!

Nachtrag

07.07.2002 - 16:29

@ egal

Who 07.07.2002 - 16:36
Da war ich schon weg gewesen. Weisst Du ob Leute die Übergriffe dokumentieren konnten?

gute aktion

mastermindchaos 07.07.2002 - 18:06
sehr wichtig, so was zu machen. grad wenn der räumliche bezug (spektrale, boxion) gegeben ist. dort mischt doch aber auch jessica proll e.v. mit? das sind doch die molly-leute - naja, egal. auf jeden fall hab ich zu der gentification friedrichshains im scheinschlag ein paar artikel geschrieben (www.scheinschlagonline.de), auch zum anschutz-komplex usw. wichtig ist, die aufwertung & verdrängung zu erschweren bzw zu verlangsamen. aktionen wie gestern sind da genau das richtige. un die bullen, naja, haben da halt ihr perfektes feindbild. aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. wenn sie nicht auf der simon dach rumpöbeln, kommen sie aus langeweile vielleicht gleich in den fischladen. yo, bis zum nächsten mal

Glück Geld Erfolg und Kapitalismus

07.07.2002 - 18:10
Übrigens, bei der geschloßenen Eliten Einweihungsfeier unter Bullen + Anzug-Security Aufsicht von Universal Music Germany mit "3000 Meinungsführern aus Politik, Wirtschaft,Kultur, Medien, Musik und Szene " wurden in diesem offiziellen Papier u.a. Rosenstolz aufgeführt.
Da auch in linken Friedrichshainer Kneipen gerne Musik von Rosenstolz gehört wird, der Vorschlag schaut mal in
die Liste der Personen die den Jungen Freiheit
Fragebogen ausgefüllt haben
 http://www.junge-freiheit.de/
gleich als zweites kommt
AnNa R., Sängerin von Rosenstolz (Junge Freiheit 20/98)
So klein ist sie die (Geschäfts) Welt !
Für die Interpretation der Fakten seit ihr selber zuständig.
Diesen Satz schreibe ich, da ich die "Na und s" oft genug gehört habe.
Außerdem folgt oft die Unterstellung, durch Benennung der Fakten dafür verantwortlich zu sein, daß die oder der denunzierte Nazikontakt automatisch heißt das denunzierte Subjekt/Objekt sei nazistisch / faschistisch
Dabei spielt sich diese Verflachung überwiegend in den Köpfen der Konsument/inn/en der Information ab.

alle auf die strasse!

gehwegkotzer 07.07.2002 - 18:40
so eine aktion sollten wir alle 2-4 wochen mal machen. vielleicht schaffen wir es, den yuppies ihren kneipenbesuch zu vermiesen. wenn sie ein paarmal in der simon-dach-strasse angepöbelt wurden, gefällt es ihnen vielleicht nicht mehr so toll. den termin mit universal wusste ich leider nicht. wäre auf jeden fall auch eine aktion wert gewesen...

kannste näxtes mal

die fotos besser bearbeiten 08.07.2002 - 02:12
sag - auch wenn die meisten bildchen unscharf sind, finde ich es trotzdem gut die gesichter mal nachzubearbeiten, weil auch bei den wacklern sind die noch zu erkennen und dat is nicht so dolle, also wenn schon fotos sein müssen, sollten die leutchen auch einen entsprechenden umgang damit haben sprich verantwortung !!
im weitern sollte eh mal ne gesprächsrunde über dieses ewige knipsen und filmen für den heimischen erfolg geführt werden, is ah übertrieben und nicht ohne gefahren wir wir ja hier sehen !!!
las das knipsen und mach was sinnvollers hier z.b. tanzen oder ballspielen !!
in diesem sinne
kameramensch arschloch !!!!

Meine Antwort

08.07.2002 - 02:15
Don't feed the troll

Jeden Samstag - Ballspielen in der SDS?

egal 08.07.2002 - 04:44
Warum nicht jeden Samstag abend um 19 Uhr die Bälle durch die Straße tanzen lassen? Und beim nächsten Mal mit Musik und mehr Leuten.


SDS

Teddi A. 08.07.2002 - 12:44
Das hat wirklich spass gemacht (bis die Bullen unsere Ball weg genommen haben und uns alle (so höfflich) nach Hause geschickt haben! Ich glaube, dass wir öfters eine solche Aktion machen mussen! Aber nächstes mal mit MEHR Leute, mehr NOISE/musik und schöneres Wetter!

yuppi

yuppi? 08.07.2002 - 13:13
man sollte bei all der versuchung zur polemik nicht übersehen, dass zwischen der sds und einer wirklichen yuppi-meile doch noch gravierende unterschiede bestehen. in manchen kneipen in der sds zahlt mensch auch nicht mehr für sein bier als anderswo und z.b. im conmux ist es gut schach spielen. es gibt x linke kneipen mit néstle-riegeln (linie 1 z.b.). dieses schwarz-weiss geht nicht auf. gerade was die kneipenkultur angeht kann mensch vielfalt ja auch positiv bewerten und von der sds in die rigaer ist es nicht weit und es gibt viele, die sich in beiden aufhalten - ganz undogmatisch.

Yuppie ist vielleicht nicht ganz richtig

- 08.07.2002 - 14:37
Besser ist oft das Wort Pseudo: Leute "verkleiden" sich, um äusserlich zu einer Subkultur zu gehören. Was mich immer etwas nervt, ist dieses künstliche und das klischeehafte Gehabe. Subkultur wird einfach konsumiert, weil es so doll aufregend ist. Schuldzuschreibungen sind aber falsch. Was kann wer dafür, vom Dorf zu sein und es nicht anderes zu wissen?

wie wärs denn

mal mit.... 09.07.2002 - 02:27
reclaim the b1/frankfurter allee, oder reclaim the potsdamer platz, oder noch besser reclaim the kudamm???

raider heißt jetzt twix

bobo 09.07.2002 - 02:51
und yuppie heißt jetzt bobo.

die klassischen yuppies existieren nicht mehr. vielmehr überwiegen heutzutage die sogenannten bobos, kurz für bourgeouis boheme.

mordaufruf?

09.07.2002 - 02:54
@nazisaufsmaul
"death to nazis" steht auf deiner homepage. übertreibst du nicht ein wenig?

ok

klemo 10.07.2002 - 17:36
Von mir aus Können wir gerne auch mal auf dem Potzdamer Platz fusball spielen, aber warum soll ich da hin fahren Bonzen verjagen wen das selbe auch diereckt vor meiner Tür statfinden kann. Was nützt es mir wen am Potzdamer Platz keine Touris mehr sind, aber ich nicht durch Fridrichshain nach hause laufen kann weil überal Reisebusse auf der Straße und Kneipentüche auf dem bürgersteig stehen. Also, auch wenige Leute können ein buss stopen. Macht dezentrale aktionen und last euch nicht erwichen.

01.04.2003 - 23:41
Musiksender MTV zieht zum Osthafen

Der Umzug des Musiksenders MTV von Hamburg nach Berlin ist perfekt. Wie die Berliner Hafen- und Lagerhausbetriebe mitteilten, sei ein entsprechender Vertrag für eine Halle auf dem Gelände des Osthafens in Friedrichshain unterschrieben worden. MTV mietet an der Stralauer Allee rund 8 000 Quadratmeter an. Bis Anfang 2004 soll die Halle denkmalgerecht saniert werden, heißt es. In Friedrichshain entsteht damit die Deutschlandzentrale des Senders. MTV wird dort 150 Mitarbeiter beschäftigen.
 http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2003/0331/lokales/0154/index.html?keywords=MTV;ok=OK%21;match=strict;author=;ressort=;von=;bis=;mark=mtv

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