Marktfrühschoppen in Marburg? Trinkt Wurstwasser, Burschen
Auch dieses Jahr findet am Sonntag, den 7.7., der Marktfrüschoppen der Marburger Korporationen statt. Eine grundsätzliche Kritik tut not.
Dates: 6.7.: 12.30Uhr Demo ab Firmaneiplatz danach Fest vor dem CG (Gutenbergstr. 18)
7.7.: Kundgebung um 9Uhr: achtet auf Ankündigungen
Dates: 6.7.: 12.30Uhr Demo ab Firmaneiplatz danach Fest vor dem CG (Gutenbergstr. 18)
7.7.: Kundgebung um 9Uhr: achtet auf Ankündigungen
Marktfrühschoppen? Trinkt Wurstwasser, Burschen!
Auch dieses Jahr wird wieder in Marburg am ersten Sonntag im Juli der Marktfrühschoppen der Marburger Studentenverbindungen (Korporationen) stattfinden. Eine grundsätzliche Kritik am Korporationswesen tut not.
Traditionell" wird dieser Frühschoppen seit 50 Jahren gefeiert. Korporierte fast aller Couleur standen gemeinsam mit Marburger BürgerInnen auf dem Markt und kippten sich zu Blasmusik und völkischen Gesängen Bier in den Hals. Lange Jahre wurden die Verbindungen schriftlich eingeladen, ihnen Tische reserviert und jede Verbindung einzeln namentlich begrüßt. Die Korporierten dominierten den Frühschoppen mit ihren Uniformen und ihrem Verhalten: Trinkrituale, nationalistische Reden und Gesänge und die Dominanz weißer, deutscher Männer. Und so wurde unterschiedslos allen Verbindungen ein Forum geboten für ihr Elitebewusstsein, Nationalchauvinismus und das Lebensbundprinzip. Seit einigen Jahren ist das einträchtige Nebeneinander von rechtsextremen Burschenschaften, angeblich "liberalen" Verbindungen und "unpolitischen" BürgerInnen nicht mehr so, wie es immer war. Denn plötzlich störte antifaschistische Kritik dieses Treiben und große Aufregung verbreitete sich. Infolgedessen ändert der Marktfrühschoppen alljährlich sein Gesicht in Details und behält doch all` das bei, was ihn ausmacht - er ist eine Feierlichkeit der Korporierten. Selbst Minimalforderungen wie z.B. die explizite Ausladung der rechten "Deutschen Burschenschaft" oder die Ergänzung des Festes durch "Multi-Kulti" sind für die Verantwortlichen zuviel.
Warum der Marktfrühschoppen weg muss
Der Marktfrühschoppen eignet sich, eine grundgrundsätzliche Kritik am Korporationswesen zu formulieren: Kritik an rechten Tendenzen bei Teilen der Korporierten ist richtig, trifft aber beim Marktfrühschoppen nicht den Kern. Denn hier treffen sich eben nicht nur rechtsextreme Burschenschaften, sondern die gesamte Breite des Korporationswesens. Und bei allen Verbindungen sind kritikwürdige Aspekte zu finden: Hierarchien und das Lebensbundprinzip, männerbündische Strukturen, eine konservative Grundeinstellung und unhinterfragte Traditionen.
Zwar sind solche Elemente auch bei anderen gesellschaftlichen Gruppen zu finden, sie treten jedoch bei Studentenverbindungen deutlicher hervor und entfalten eine besondere politische und gesellschaftliche Wirkungsmächtigkeit, da diese mit dem Anspruch auftreten, zukünftige Eliten herauszubilden. Durch Protektionsmechanismen der Verbindungen (d.h. "Verbandsbrüder" in führende Stellungen von Politik, Wirtschaft und Verwaltung entsenden) wird dieser Anspruch in die Realität umgesetzt. Der ehemalige Bundesinnenminister Manfred Kanther (CDU), Mitglied des Marburger Corps Guestphalia et Suevoborussia sagte, er sähe den Sinn einer Verbindung heute darin, "auch weiterhin national gesinnte Menschen in alle führenden Berufe unserer Gesellschaft zu entsenden".
Hierarchien & Lebensbund
Füxe, Burschen, Alte Herren - das sind die Hierarchien in allen Verbindungen. Vor allem die Rolle der Alten Herren als "Geldgeber" bedeutet eine exponierte Stellung für diese innerhalb der Verbindungen. Durch die finanzielle Förderung und die Hoffnung auf Protektion werden Abhängigkeiten geschaffen und die Möglichkeit für Kritik an Ideologie und Verhalten der Alten Herren eingeschränkt. Immer wieder gibt es Konflikte innerhalb von Korporationen zwischen Aktivitas und Alten Herren, die im Zweifel zugunsten der Alten Herren entschieden wurden, bzw. werden. Auch das korporierte "Lebensbund-Prinzip", die Lebensgemeinschaft von jung und alt, macht eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit innerhalb von Korporationen schwierig oder unmöglich, weil Anpassung angestrebt wird. Daraus ergeben sich weitgehende personelle und v.a. ideologische Kontinuitäten.
Männerbund
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann sich die hierarchisch konzipierte Ideologie des Geschlechterantagonismus auszuformen: Es entstand ein immer stärker männliche und weibliche Stereotype festschreibendes Rollenverständnis. Mit dem Verweis auf eine angebliche "natürliche Bestimmung" der Geschlechter wurde so männlich und weiblich strikt getrennt und den Begriffen bestimmte Verhaltensmuster zugeschrieben. Männlich wurde immer stärker durch martialisch-heroische Züge geprägt. Parallel zu dieser Diskussion um die Geschlechterpolarität stand auch die Entwicklung der burschenschaftlichen Bewegung. Waren die Verbindungen zu dieser Zeit ganz selbstverständlich reine Männerverbindungen - Frauen war der Zugang zu den Universitäten noch verwehrt - so entwickelten sich den Vorstellungen entsprechende Verhaltensweisen und Rituale: Schlüsselbegriffe dafür waren "Ehre", "Mut", "Kameradschaft", "Wehrhaftigkeit", "Patriotismus". Diese werden bis heute ebenso gepflegt wie spezifische Formen studentischen Brauchtums: Körperlich-männliche Härtetests und Tauglichkeitsprüfungen (z.B. Mensur und Trinkrituale), mit denen die "Neuen" Härte demonstrieren, die eigenen Grenzen und vermeintlich "weibliche" Charakterzüge wie Emotionalität und Schwäche überwinden und negieren sollen. Der Soziologe und Philosoph Theodor W. Adorno hat derartige Gebräuche als "eine unmittelbare Vorform der nationalsozialistischen Gewalttat" definiert.
"Dualismus" der Geschlechter
Da die Herrschaftsordnung im 19. Jahrhundert den Ausschluss von Frauen aus der Öffentlichkeit sicherte, war eine explizit männerbündische Legitimation für die eigene Organisationsform nicht notwendig. Erst als zum Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts die bis dahin festgefügte Herrschaftsordnung durch Modernisierungsprozesse und die sie begleitenden Emanzipationsbewegungen (Frauen- und ArbeiterInnenbewegung) massiven Angriffen ausgesetzt war, wurden als "Abwehrhaltung" erste Überlegungen hinsichtlich einer spezifisch-männlichen Separierung laut. Zu dieser Zeit entstand eine explizite geschlechts-dualistisch ausgerichtete Männerbund-Ideologie. Diese wurde als idealer Gegenpart - gepaart mit einer autoritären Staatsauffassung - zur Abwehr von Zivilisation, Demokratie und Gleichberechtigung angesehen. Ein derartiger Männerbund konstruiert in Permanenz sowohl die "friedfertigen Frau" als auch den "aggressiven Mann" und schreibt damit eine angeblich "natürliche" Geschlechterordnung fest. Bis heute haben diese Ideen in den Verbindungen überlebt: Mal ausgeprägter in den schlagenden Verbindungen, mal weniger in anderen Verbänden. Die Anzahl der Verbände, die Frauen aufnehmen, ist marginal. Die konservative, dualistische Vorstellung der Geschlechterrollen herrscht bis heute vor - nicht nur in Verbindungen. Und so kann man auch heute in Selbstdarstellungen lesen: "Frauen können unserer Verbindung nicht beitreten (...). Wir meinen, dass durch eine aus beiden Geschlechtern bestehende Mitgliedschaft innere Konflikte entstehen können, die uns nicht helfen, unsere Ziele zu verwirklichen." (Sängerschaft Gotia et Baltia Kiel zu Göttingen) Und so wird im Männerbund das Prinzip der Ungleichheit gepredigt und gelebt.
Die Frauen-Diskriminierung macht sich also nicht an der vordergründigen Exklusion von Frauen fest, sondern es ist vielmehr der dahinterstehende Biologismus zu kritisieren. Denn die korporierte Vorstellung geht vom "Dualismus" der Geschlechter aus. Es wird also die Auffassung vertreten, es gebe - abgesehen von körperlichen Unterschieden - biologisch determinierte Gründe für die Unterteilung in die Kategorien Mann und Frau - also die Annahme, bestimmte Verhaltensweisen wären biologisch veranlagt. Dieser konservativen und reaktionären Ideologie gegenüber gilt es daher, "Geschlecht" als soziale Konstruktion zu begreifen und die Art und Weise ihre Reproduktion zu verstehen, um sie letztendlich dekonstruieren zu können (vgl. hierzu Gildemeister/ Wetterer 1992).
Schlußendlich - eher eine nur noch überfällige Randnotiz: Nahezu alle Korporations-Dachverbände arbeiten gemeinsam im Convent Deutscher Akademiker (CDA) und Convent Deutscher Korporationsverbände (CDK) zusammen, um dort verbandsübergreifende Zusammenarbeit zu organisieren und gemeinsame Belange aller Dachverbände zu regeln. Es kann also keine Rede von allzu großer Distanz sein, zwischen den sich "liberal" oder "konservativ" gebenden Verbindungen und den explizit rechtsextremen.
Es ist eindeutig: Das Verbindungswesen insgesamt - selbst das "Liberale" - enthält keine fortschrittlichen Ideen. Vielmehr steht es progressiver Politik diametral gegenüber.
Marktfrühschoppen kippen!
Weitere Infos:
Projekt Konservatismus und Wissenschaft: www.p-kw.de
www.geocities.com/gruppe_dissident/marktfruehschoppen.htm
www.fachschaft-theologie.de/gegenrechts.htm
Literatur:
Projekt Konservatismus und Wissenschaft (Hg.): Verbindende Verbände, Marburg, 2000
Heither, Dietrich: Verbündete Männer - Die Deutsche Burschenschaft - Weltanschauung, Politik und
Brauchtum, PapyRossa, Köln, 2000
Heither, Dietrich / Lemling, Michael: Marburg, O Marburg, Marburg, 1996
Gildemeister, Regine/Wetterer, Angelika: Wie Geschlechter gemacht werden. Die soziale Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit und ihre Reifizierung in der Frauenforschung, in: Knapp, Gudrun-Axeli/Wetterer, Angelika (Hg.): Traditionen. Brüche. Entwicklungen feministischer Theorie, Freiburg, 1992
Gruppe dissident - Juni 2002
e.mail:
4dissident@gmx.de
infos: www.geocities.com/gruppe_dissident
...und nicht vergessen: Demo am 6.7. um 12.30Uhr ab Firmaneiplatz
7.7. 9Uhr Kundgebung (achtet auf Ankündigungen)
Auch dieses Jahr wird wieder in Marburg am ersten Sonntag im Juli der Marktfrühschoppen der Marburger Studentenverbindungen (Korporationen) stattfinden. Eine grundsätzliche Kritik am Korporationswesen tut not.
Traditionell" wird dieser Frühschoppen seit 50 Jahren gefeiert. Korporierte fast aller Couleur standen gemeinsam mit Marburger BürgerInnen auf dem Markt und kippten sich zu Blasmusik und völkischen Gesängen Bier in den Hals. Lange Jahre wurden die Verbindungen schriftlich eingeladen, ihnen Tische reserviert und jede Verbindung einzeln namentlich begrüßt. Die Korporierten dominierten den Frühschoppen mit ihren Uniformen und ihrem Verhalten: Trinkrituale, nationalistische Reden und Gesänge und die Dominanz weißer, deutscher Männer. Und so wurde unterschiedslos allen Verbindungen ein Forum geboten für ihr Elitebewusstsein, Nationalchauvinismus und das Lebensbundprinzip. Seit einigen Jahren ist das einträchtige Nebeneinander von rechtsextremen Burschenschaften, angeblich "liberalen" Verbindungen und "unpolitischen" BürgerInnen nicht mehr so, wie es immer war. Denn plötzlich störte antifaschistische Kritik dieses Treiben und große Aufregung verbreitete sich. Infolgedessen ändert der Marktfrühschoppen alljährlich sein Gesicht in Details und behält doch all` das bei, was ihn ausmacht - er ist eine Feierlichkeit der Korporierten. Selbst Minimalforderungen wie z.B. die explizite Ausladung der rechten "Deutschen Burschenschaft" oder die Ergänzung des Festes durch "Multi-Kulti" sind für die Verantwortlichen zuviel.
Warum der Marktfrühschoppen weg muss
Der Marktfrühschoppen eignet sich, eine grundgrundsätzliche Kritik am Korporationswesen zu formulieren: Kritik an rechten Tendenzen bei Teilen der Korporierten ist richtig, trifft aber beim Marktfrühschoppen nicht den Kern. Denn hier treffen sich eben nicht nur rechtsextreme Burschenschaften, sondern die gesamte Breite des Korporationswesens. Und bei allen Verbindungen sind kritikwürdige Aspekte zu finden: Hierarchien und das Lebensbundprinzip, männerbündische Strukturen, eine konservative Grundeinstellung und unhinterfragte Traditionen.
Zwar sind solche Elemente auch bei anderen gesellschaftlichen Gruppen zu finden, sie treten jedoch bei Studentenverbindungen deutlicher hervor und entfalten eine besondere politische und gesellschaftliche Wirkungsmächtigkeit, da diese mit dem Anspruch auftreten, zukünftige Eliten herauszubilden. Durch Protektionsmechanismen der Verbindungen (d.h. "Verbandsbrüder" in führende Stellungen von Politik, Wirtschaft und Verwaltung entsenden) wird dieser Anspruch in die Realität umgesetzt. Der ehemalige Bundesinnenminister Manfred Kanther (CDU), Mitglied des Marburger Corps Guestphalia et Suevoborussia sagte, er sähe den Sinn einer Verbindung heute darin, "auch weiterhin national gesinnte Menschen in alle führenden Berufe unserer Gesellschaft zu entsenden".
Hierarchien & Lebensbund
Füxe, Burschen, Alte Herren - das sind die Hierarchien in allen Verbindungen. Vor allem die Rolle der Alten Herren als "Geldgeber" bedeutet eine exponierte Stellung für diese innerhalb der Verbindungen. Durch die finanzielle Förderung und die Hoffnung auf Protektion werden Abhängigkeiten geschaffen und die Möglichkeit für Kritik an Ideologie und Verhalten der Alten Herren eingeschränkt. Immer wieder gibt es Konflikte innerhalb von Korporationen zwischen Aktivitas und Alten Herren, die im Zweifel zugunsten der Alten Herren entschieden wurden, bzw. werden. Auch das korporierte "Lebensbund-Prinzip", die Lebensgemeinschaft von jung und alt, macht eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit innerhalb von Korporationen schwierig oder unmöglich, weil Anpassung angestrebt wird. Daraus ergeben sich weitgehende personelle und v.a. ideologische Kontinuitäten.
Männerbund
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann sich die hierarchisch konzipierte Ideologie des Geschlechterantagonismus auszuformen: Es entstand ein immer stärker männliche und weibliche Stereotype festschreibendes Rollenverständnis. Mit dem Verweis auf eine angebliche "natürliche Bestimmung" der Geschlechter wurde so männlich und weiblich strikt getrennt und den Begriffen bestimmte Verhaltensmuster zugeschrieben. Männlich wurde immer stärker durch martialisch-heroische Züge geprägt. Parallel zu dieser Diskussion um die Geschlechterpolarität stand auch die Entwicklung der burschenschaftlichen Bewegung. Waren die Verbindungen zu dieser Zeit ganz selbstverständlich reine Männerverbindungen - Frauen war der Zugang zu den Universitäten noch verwehrt - so entwickelten sich den Vorstellungen entsprechende Verhaltensweisen und Rituale: Schlüsselbegriffe dafür waren "Ehre", "Mut", "Kameradschaft", "Wehrhaftigkeit", "Patriotismus". Diese werden bis heute ebenso gepflegt wie spezifische Formen studentischen Brauchtums: Körperlich-männliche Härtetests und Tauglichkeitsprüfungen (z.B. Mensur und Trinkrituale), mit denen die "Neuen" Härte demonstrieren, die eigenen Grenzen und vermeintlich "weibliche" Charakterzüge wie Emotionalität und Schwäche überwinden und negieren sollen. Der Soziologe und Philosoph Theodor W. Adorno hat derartige Gebräuche als "eine unmittelbare Vorform der nationalsozialistischen Gewalttat" definiert.
"Dualismus" der Geschlechter
Da die Herrschaftsordnung im 19. Jahrhundert den Ausschluss von Frauen aus der Öffentlichkeit sicherte, war eine explizit männerbündische Legitimation für die eigene Organisationsform nicht notwendig. Erst als zum Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts die bis dahin festgefügte Herrschaftsordnung durch Modernisierungsprozesse und die sie begleitenden Emanzipationsbewegungen (Frauen- und ArbeiterInnenbewegung) massiven Angriffen ausgesetzt war, wurden als "Abwehrhaltung" erste Überlegungen hinsichtlich einer spezifisch-männlichen Separierung laut. Zu dieser Zeit entstand eine explizite geschlechts-dualistisch ausgerichtete Männerbund-Ideologie. Diese wurde als idealer Gegenpart - gepaart mit einer autoritären Staatsauffassung - zur Abwehr von Zivilisation, Demokratie und Gleichberechtigung angesehen. Ein derartiger Männerbund konstruiert in Permanenz sowohl die "friedfertigen Frau" als auch den "aggressiven Mann" und schreibt damit eine angeblich "natürliche" Geschlechterordnung fest. Bis heute haben diese Ideen in den Verbindungen überlebt: Mal ausgeprägter in den schlagenden Verbindungen, mal weniger in anderen Verbänden. Die Anzahl der Verbände, die Frauen aufnehmen, ist marginal. Die konservative, dualistische Vorstellung der Geschlechterrollen herrscht bis heute vor - nicht nur in Verbindungen. Und so kann man auch heute in Selbstdarstellungen lesen: "Frauen können unserer Verbindung nicht beitreten (...). Wir meinen, dass durch eine aus beiden Geschlechtern bestehende Mitgliedschaft innere Konflikte entstehen können, die uns nicht helfen, unsere Ziele zu verwirklichen." (Sängerschaft Gotia et Baltia Kiel zu Göttingen) Und so wird im Männerbund das Prinzip der Ungleichheit gepredigt und gelebt.
Die Frauen-Diskriminierung macht sich also nicht an der vordergründigen Exklusion von Frauen fest, sondern es ist vielmehr der dahinterstehende Biologismus zu kritisieren. Denn die korporierte Vorstellung geht vom "Dualismus" der Geschlechter aus. Es wird also die Auffassung vertreten, es gebe - abgesehen von körperlichen Unterschieden - biologisch determinierte Gründe für die Unterteilung in die Kategorien Mann und Frau - also die Annahme, bestimmte Verhaltensweisen wären biologisch veranlagt. Dieser konservativen und reaktionären Ideologie gegenüber gilt es daher, "Geschlecht" als soziale Konstruktion zu begreifen und die Art und Weise ihre Reproduktion zu verstehen, um sie letztendlich dekonstruieren zu können (vgl. hierzu Gildemeister/ Wetterer 1992).
Schlußendlich - eher eine nur noch überfällige Randnotiz: Nahezu alle Korporations-Dachverbände arbeiten gemeinsam im Convent Deutscher Akademiker (CDA) und Convent Deutscher Korporationsverbände (CDK) zusammen, um dort verbandsübergreifende Zusammenarbeit zu organisieren und gemeinsame Belange aller Dachverbände zu regeln. Es kann also keine Rede von allzu großer Distanz sein, zwischen den sich "liberal" oder "konservativ" gebenden Verbindungen und den explizit rechtsextremen.
Es ist eindeutig: Das Verbindungswesen insgesamt - selbst das "Liberale" - enthält keine fortschrittlichen Ideen. Vielmehr steht es progressiver Politik diametral gegenüber.
Marktfrühschoppen kippen!
Weitere Infos:
Projekt Konservatismus und Wissenschaft: www.p-kw.de
www.geocities.com/gruppe_dissident/marktfruehschoppen.htm
www.fachschaft-theologie.de/gegenrechts.htm
Literatur:
Projekt Konservatismus und Wissenschaft (Hg.): Verbindende Verbände, Marburg, 2000
Heither, Dietrich: Verbündete Männer - Die Deutsche Burschenschaft - Weltanschauung, Politik und
Brauchtum, PapyRossa, Köln, 2000
Heither, Dietrich / Lemling, Michael: Marburg, O Marburg, Marburg, 1996
Gildemeister, Regine/Wetterer, Angelika: Wie Geschlechter gemacht werden. Die soziale Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit und ihre Reifizierung in der Frauenforschung, in: Knapp, Gudrun-Axeli/Wetterer, Angelika (Hg.): Traditionen. Brüche. Entwicklungen feministischer Theorie, Freiburg, 1992
Gruppe dissident - Juni 2002
e.mail:
4dissident@gmx.de infos: www.geocities.com/gruppe_dissident
...und nicht vergessen: Demo am 6.7. um 12.30Uhr ab Firmaneiplatz
7.7. 9Uhr Kundgebung (achtet auf Ankündigungen)
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
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