IG BAU für Kahlschlag bei Arbeitslosen

hau.weg 01.07.2002 13:21 Themen: Soziale Kämpfe
Wenige Tage nach dem Verhandlungsergebnis in der Baubranche bekundete der Vorsitzende der IG BAU, Wiesehügel, öffentlich seine Vorliebe für neoliberale Kahlschlagrezepte.
Wenige Tage nach dem Verhandlungsergebnis in der Baubranche bekundete der Vorsitzende der IG BAU, Wiesehügel, öffentlich seine Vorliebe für neoliberale Kahlschlagrezepte.

Nachdem bereits das Verhandlungsergebnis i.w. nur noch Verbesserungen für Facharbeiter in Westdeutschland vorsieht, legte der Gewerkschaftschef noch mal einen drauf. Er fordert jetzt die zügige Umsetzung der Vorschläge der "Hartz-Kommission". Die Kahlschlagrezepte dieser Kommission sehen u.a. eine faktische Abschaffung der Arbeitslosenhilfe, eine Verkürzung der zeitlichen Begrenzung für den Bezug von Arbeitslosengeld und andere Maßnahmen aus dem Repertoire neoliberaler "Sozialpolitik" vor. Dass neben Sozis und den grünen Besserverdienern mit Feuchtbiotop jetzt auch ein Gewerkschaftsboss in dieses Horn tutet, dürfte bei arbeitslosen Bauarbeitern (und nicht nur diesen) sicherlich helles Entzücken hervorrufen. Die IG BAU mutiert damit endgültig zur Standesvertretung von westdeutschen Bauarbeitern mit Facharbeiterbrief.
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Ergänzungen

DGB auch nicht immer das Gelbe vom Ei...

Punxatan 01.07.2002 - 16:30
Nicht, das man auf den Rechtsschutz einer Gewerkschaftsmitgliedschaft immer verzichten sollte.
Aber das diese Funktionäre jetzt- sogar gegen die Interessen ihrer Mitglieder, wie bei Wegfall von Sozialleistungen- in dasselbe Horn wie Schroeder blasen, ist doch kein Wunder. Die Wahlen stehen vor der Tür!
Und die IG Bau ist auch nicht unbedingt die fortschrittlichste im DGB...

Dringend: Bitte den Wortlaut !

Olaf 01.07.2002 - 20:06
Hat jemand den genauen Wortlaut der Wiesehügel-Äußerungen ? Mit dem einen Satz, dass er die "zügige Umsetzung" der Hartz-Vorschläge fordert, kann ich nicht viel anfangen.

Gerade Klaus Wiesehügel hatte sich nämlich noch im Oktober 2001 auf dem Gewerkschaftstag der IG BAU überraschend deutlich gegen antisoziale Entwicklungen in der Arbeitslosenpolitik gewandt und unter anderem eine Kampagne angeregt. Eine Kehrtwende angesichts des beginnenden Wahlkampfs halte ich zwar für gut möglich, eine genauere Benennung der Äußerungen halte ich aber für wichtig.

Klaus Wiesehügel (Zitat):
"Wir müssen in dieser Diskussion aggressiver sein, sonst läuft sie uns nämlich weg. Wenn ich schon von dem Abstandsgebot höre ! Das Abstandsgebot bedeutet ja, dass der Abstand zwischen dem sogenannten Leistungen des Staates, die den Menschen zustehen, wie zum Beispiel Sozialhilfe, zu dem erzielbaren Einkommen am Arbeitsmarkt wegen des Anreizes größer werden soll.
Kein Mensch denkt aber darüber nach, dass der Abstand ja auch dadurch geschlossen werden könnte, dass die Einkommen größer werden und man dann ein größeres Interesse hat, auch solche Arbeitsplätze anzunehmen, über die man jetzt vielleicht nachdenkt.
Nein, die Rechnung ist anders; Die Niedriglohndiskussion wird geführt: Löhne senken, Mindestlöhne möglichst noch absenken und dann Abstand zur Sozialhilfe suchen ! Das ist kein Sozialstaat, das ist eine Richtung, die wir ablehnen müssen. (...)
Wir müssen uns wieder angewöhnen, in einer solchen Debatte aggressiv zu werden. Ich sage das, denn das, was wir von den Arbeitgeberverbänden und ihren Freunden in der Wirtschaft hören, ist auch aggressiv. Ich halte es für wirklich aggressiv, jemanden, der überlegt, ob er denn jeden Arbeitsplatz annimmt, wenn er an seine Qualifikation denkt, wenn er daran denkt, was er seiner Familie im Augenblick mit Arbeitslosengeld zur Verfügung stellen kann, als faul zu bezeichnen. Das nicht jeder Mensch bereit ist, in jenen Niedriglohnsektor abzutauchen, das halte ich für einen völlig normalen Zustand. Wer ihn aggressiv als Faulenzer bezeichnet, den müssen wir auch aggressiv angehen und sagen: Ihr seid Ausbeuter !!
Deswegen denke ich, wenn eine solche Debatte beginnt, müssen wir schon sehr früh klare Fakten setzen. Ich sage, wir brauchen eine Kampagne, die den Kolleginnen und Kollegen hilft, in der Debatte zu bestehen. Jeder, der einen Job unter 1500 EURO - das sind ungefähr 3000 Mark - angeboten bekommt, muß zukünftig sagen können: Ich nehme das nicht an, weil das zu wenig ist - und das hat mit Faulheit überhaupt nichts zu tun.
Es ist unverantwortlich, es ist unverschämt, es ist ausbeuterisch, einen Job unter 1500 EURO anzubieten. Diese Aggressivität muß von uns zurückkommen, sonst drücken die uns alle auf einen Niedriglohnsektor, bei dem wir unsere Familien nicht mehr ernähren können (...).
Wir werden dem DGB vorschlagen, dazu eine Kampagne zu machen. Dafür ist die IG BAU allein zu klein. Wir müssen aber diese Kampagne machen, wir müssen diese Diskussion führen, dass wir einen anständigen Lohn brauchen, so dass sich jeder auf diese Kampagne berufen kann. Im Augenblick wird jeder Einzelne fertig gemacht, von den Arbeitsämtern, von den Sozialämtern. Überall wird er immer mehr in die Ecke gedrängt, wird mit seinen Ansprüchen immer mehr heruntergedrückt. Und wenn er sagt: ja, aber das ist zu wenig, dann wird gesagt: Sie sind wohl faul. Er muß sagen können: Nein, wir Arbeitnehmer in Deutschland, wir sind im DGB organisiert und wir arbeiten nicht unter einer solchen Summe."

So Klaus Wiesehügel am 4. Oktober 2001.





adolf hennecke 01.07.2002 - 22:03
dieses verschissene land braucht endlich mal ne gewerkschaftliche alternative ohne irgendwelche vertreterfatzkes am großen tisch!
in diesem sinne ne anrachosyndikalitische alternative aufbaun, oder die kolegen von der fau n bisgen in den arsch treten damits ma wat bei rumkommt.

oder noch besser:

selbst mitglied und damit vertreter werden 01.07.2002 - 23:45

adolf hennecke

d.dreck 02.07.2002 - 03:41
das mit der anarchosyndikalistischen alternative sehe ich ja genauso...

aber dass du dich ausgerechnet nach jemandem benennen musst, der die arbeitsnormen der staatskapitalistischen ddr hochgetrieben hat... tssstssstsss