Generalstreik und Massendemonstrationen leiten Proteste gegen EU-Gipfel ein

einige von vielen - update 24.6.02 21.06.2002 06:17 Themen: Bildung Globalisierung Repression Soziale Kämpfe Weltweit
[Proteste gegen den EU-Gipfel]
Wieder demonstrierten anlässlich eines EU-Gipfels mehr als 100.000 gegen die ungerechte Polik der EU. Trotz extremer Repression und dem Zurückweisen von mehreren Zehntausend AktivistInnen an den Grenzen, vielen Verhaftungen und Misshandlungen fanden verschiedenste Aktionen, ein Gegengipfel und eine große Abschlußdemonstration statt. Erste Aktionen begannen bereits Wochen vor dem Gipfel. Ein wichtiges Thema der Proteste waren die Rechte der MigrantInnen, die weiter beschnitten werden sollen. Aus diesem Grund besetzten im April Sans Papiers eine Universität in Sevilla und stand ein Aktionstag ganz im Zeichen dieses Themas.

[Generalstreik]
Einen Tag vor Beginn des EU-Gipfels in Sevilla fand am 20. Juni ein überaus erfolgreicher Generalstreik statt, mit dem gegen die neoliberale Umstrukturierung der spanischen Arbeitsgesetzgebung protestiert wurde. Die meisten Fabriken standen still, der öffentliche Verkehr, die öffentlichen Dienstleistungen und die Verwaltung waren lahmgelegt. Die Zahl derer, die auf der Straße waren, ging in die Millionen. Die spanische Regierung reagierte mit einer Doppelstrategie: öffentlich wurde der Streik kleingeredet, vor Ort wurde versucht, den Streik gewaltsam zu brechen. Durch Angriffe der Polizei auf Streikposten und Demonstrationen wurden hunderte Menschen teils schwer verletzt. Einen Tag zuvor fand im Baskenland ebenfalls ein Generalstreik statt. In Lissabon (Portugal) demonstrierten am selben Tag 50.000 Menschen gegen die Regierung und die von ihr vorangetriebenen Privatisierungen.
In den deutschen Medien wurden der Generalstreik meist nur im Zusammenhang mit Einschränkungen für Touristen genannt, dabei wurde häufig die Behauptung der spanischen Regierung übernommen, daß der Streik ein Flop gewesen sei.

[Berichte bei Indymedia.de]
- [20.6.02]Generalstreik: Photos aus Madrid
- [21.6.02] Streik im Baskenland (en)
- [21.6.02] Mehr Photos aus dem spanischen Staat
- [21.6.02] general strike in spain photos
- [21.6.02] Generalstreik in Spanien:Prügel auf Befehl von ganz Oben
- [21.6.02] Sevilla [11:00] Polizei umstellt Treffpunkte
- [21.6.02] Breaking News von Indy-UK + ein paar Bilder von gestern
- [21.6.02] Madrid: erfolgreicher Generalstreik - 15.000 auf Demo der CNT
- [21.6.02] Spanien: Generalstreik-Bericht der CNT-IAA (20.6.)
- [22.6.02] Aktionen trotz Repression - Bilder+Überblick vom Freitag in Sevilla
- [22.6.02] LOCK IN in SEVILLE
- [22.6.02] End to Seville Disobedients' Lock-In: Joy and Optimism
- [22.6.02] Trotz Repression Großdemonstration mit 100.000Teilnehmern und Kirchen
- [24.6.02] Bilder von der RTS in Sevilla

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Hintergründe
Migration in Spanien: Hintergründe
Spaniens Streik in der spanischen und deutschen Presse
Gewerkschaften in Spanien


[alter Feature-Text:]
[Generalstreik]
Einen Tag vor Beginn des EU-Gipfels in Sevilla fand am 20. Juni ein überaus erfolgreicher Generalstreik statt, mit dem gegen die neoliberale Umstrukturierung der spanischen Arbeitsgesetzgebung protestiert wurde. Die meisten Fabriken standen still, der öffentliche Verkehr, die öffentlichen Dienstleistungen und die Verwaltung waren lahmgelegt. Die Zahl derer, die auf der Straße waren, ging in die Millionen. Allein in Madrid und Barcelona waren es je 400.000 bis 500.000. Die anarchosyndikalistischen Gewerkschaften CNT und CGT hatten hierbei enorm großen Anteil. Weiterhin wurden auf Strassen Barrikaden errichtet, mehrere Flughäfen blockiert usw.. Die spanische Regierung reagierte mit einer Doppelstrategie: öffentlich wurde der Streik kleingeredet, vor Ort wurde versucht, den Streik gewaltsam zu brechen. Durch Angriffe der Polizei auf Streikposten und Demonstrationen wurden hunderte Menschen teils schwer verletzt. Einen Tag zuvor fand im Baskenland ebenfalls ein Generalstreik statt. Auch dieser wurde von massiven Demonstrationen begleitet. Der letzte Generalstreik in Spanien war 1994. In Lissabon (Portugal) demonstrierten am selben Tag 50.000 Menschen gegen die Regierung und die von ihrvorangetriebenen Privatisierungen.
In den deutschen Medien wurden der Generalstreik meist nur im Zusammenhang mit Einschränkungen für Touristen genannt, dabei wurde häufig die Behauptung der spanischen Regierung übernommen, daß der Streik ein Flop gewesen sei. Über die Demonstrationen wurde kaum berichtet, einige Zeitungen schrieben von eingen Hundert Teilnehmenden.

[Proteste gegen den EU-Gipfel]
Heute beginnt in Sevilla zum Abschluss der Ratspräsidentschaft Spaniens der Gipfel der EU-Regierungschefs. Themen sind unter anderem "Asyl und Einwanderung" -aus diesem Grund besetzen seit einigen Wochen die Sans Papiers eine Universität in Sevilla- sowie Bildungs-,Sozial- und Grundrechteabbau. Nach Sevilla mobilisieren Studierende, Gewerkschaften und verschiedenste gesellschaftliche Gruppen. Demonstrationen und andere Aktionen finden bereits seit Wochen statt. EinGegengipfel findet ebenso statt.
Im Feature finden sich Links zu Texten bei Indy.de und mehr.

[Links]
- Feature bei Indy-Österreich: 21.-22.6.2002 Sevilla: Ministerratskonferenz
- Aufrufe: StudentInnen: Sevilla.... wir kommen! und EU-Gipfel in Sevilla * 20-22. Juni 2002
- AnarchistInnen gegen das Kapital
- Anti EU Kampagne gegen das Europa des Kapitals
- offizielle Gipfelseite und Webseite des Gegengipfel und Manifest des Sozialforums
- Mobilisierungsseite: www.eu2002.tk (von der AA/NO)
- Special: Massive Streiks und Demonstrationen gegen die Bildungspolitik

Text bei Telepolis | Text aus der JungenWelt | Texte aus der FR
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--> Auf Indy.UK finden sich neueste Nachrichten und Breaking News in englischer Sprache.Videos vom 20.6.:
Video1
Video2


Berichte bei Indy.de
- [21.06.] Mehr Photos aus dem spanischen Staat
- [21.06.] Streik im Baskenland (en)
- [20.06.] Generalstreik: Photos aus Madrid
- [20.06.] Free Juan Ra! Aktion in holländischem Konsulat in Barcelona
- [20.06.] Generalstreik im spanischen Staat - mit zahlreichen Links
- [20.06.] Generalstreik in Spanien: Aktualisierter Beitrag (Stand: 14 Uhr)
- [20.06.] Spanien: Heftige Angriffe der Polizei auf Streikposten
- [19.06.] Kämpferischer Generalstreik im Baskenland erfolgreich
- [19.06.] landesweiter Generalstreik im spanischen Staat
- [15.06.] 500 TagelöhnerInnen (sans papiers) besetzen die Uni in Sevilla


Programm

Grobes Programm:
20.06.: Gewerkschaftsdemo in Sevilla
21.06.: Versammlung sozialer Bewegungen "Sozialforum Sevilla" sowie eine antikapitalistische Demo und eine EU-weite StudentInnendemo (Start der Studi-demo 20.00,De Jardines del Valle a Plza San Francisco - Sevilla)
22.06.: Grosse Abschlussdemo (Puente de la Barqueta al Prado - Sevilla)

Forum Bildung:
21.06 neoliberale Bildungspolitik: 10 - 14 Uhr: Instituto Punta del Verde. Avd. Padre García Tejero Plenum über Bildungsproblematik 17- 18.30Uhr: Salón de actos de matemáticas
20.00 Uhr: Europaweite StudentInnendemo: (De Jardines del Valle a Plza. San Francisco - Sevilla)
22.00 Uhr: Mitternachtsfiesta der StudenteInnen: (Plza. San Francisco - Sevilla)
22.06.2002: europäische Bildungspolitik,11:00 - 14:00 Uhr: Facultad Biología
20 Uhr: Allgemeiner Abschlußdemo (Puente de la Barqueta al Prado - Sevilla)


Barcelona


Sevilla


Repression in Zaragoza


... und in Murcia



BreakingNews vom 20.6.

23:30pm - Barcelona: Job center entrance partially bricked up.

23:15pm - Barcelona: Picture and translations in english, bits of news. And more pictures of the demonstrations. Picture from evening not so peaceful.

21:46pm - Madrid: More than 100 people were arrested at today's events. They are send to court as emergency cases. Around 100 people are gathered outside the court at Plaza Castillo to support them.

21:00pm - Seville: Report of massive police ID searches, used to block access to information points and to the Communication and Press Center of Social Forum Seville.

20:00pm - Valencia: 60.000 people are taking part in the unions demonstration, according to Radio Klara.

18:30pm - Madrid: 10.000 people taking part in the demonstration called by the anarchosyndicalist unions and the social movements.

18:00pm - Madrid - Up to 500.000 people are taking part in the unions demonstrations.Meanwhile other streets in the capital are deserted

16:00pm - Berlin: A concentration of around 50 people gathered in front of the Spanish embassy in a solidarity action for those on strike and on the streets in Spain.

14:50pm - Barcelona: The strike is generalised in the city. Public transport (tube and buses) have come to a complete stand still, shops closed and few cars circulate in the streets of downtown. The atmosphere is very peaceful. Watch video

13:00pm - Seville: Trade unions demonstration More pics here and here.

12:35pm - Madrid: The Pickets Coordination committe informs that around 84% of the metallurgic and construction sector is following the strike. Workers in big companies have also stopped en mass although the stoppages are less numerous in small companies and shops. Pictures of Madrid on strike.

12:00pm - A Coruna (Galicia): Hundreds of people take part in a demonstration called by the anarchosyndicalist unions CGT and CNT.

11:35pm - Madrid: Riot police has attacked a picket line in Avenida de America just in front of the UGT union's headquarters. Police broke into the building beating anyone there, including UGT's general secretary Candido Mendez.

Morning - Barcelona: 3.000 people made an unsuccesful attempt to occupy Barcelona's stock exchange.

8:00am - Barcelona: Pickets have been set up in many industrial and commercial areas all over the city. Large groups of strikers are moving through downtown Barcelona spreading information about the general strike.

2:05am - Madrid: A large picket has been moving through the streets and squares of downtown Madrid, closing bars and restaurants. One of the pickets has been arrested for 'redecorating' a McDonalds "restaurant".

12:00am - Barcelona: The strike has been followed by 100% at the central center of food distribution and supply Mercabarna. The market has not opened at all. Watch video.


Barcelona

href="/2002/06/24636.shtml">Breaking News aus Sevilla
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Ergänzungen

Deutsche Medien sehen das anders

Patrick van Guldener 21.06.2002 - 13:26
In der Berliner Zeitung kann man in der Ausgabe vom 21. Juni 2002 im Teil Vermischtes folgendes lesen:

"In Madrid zog gestern ein kleiner Demonstrationszug mit ein paar Hundert Leuten durch die Innenstadt, ihr einziger Sprechchor: "Huelga!" - Streik."

In der Ausgabe vom 8.Oktober 1989 fand man in der gleichen Zeitung, damals noch in staatlicher Hand der DDR auf der letzten Seite des Lokalteils einen 5zeiligen Beitrag über ca. 50 Rowdies, die am Vorabend in Berlin-Mitte die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR stören wollten.

Aint nothing changed but the layout.

Druck von außen, Protest-Briefe-Faxe-Anrufe

InGo Outcome 21.06.2002 - 14:23
Kontakt zu den spanischen Botschaften im deutschsprachigen Raum

Spanische Botschaft in Deutschland
Schönebergeer Ufer 89
10785 Berlin
Telefon 030 254 0070
Fax: 030 257 99557

Generalkonsulate gibt es in Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Stuttgart und München


Spanische Botschaft in Österreich
Argentinier Straße 34
A-1040 Wien
Telefon +43-1 505 5780
Fax +43-1 505 578825

Spanische Botschaft in der Schweiz
Kalcheggweg 24
CH-3000 Bern 16
Telefon +41 31 /352 0412
Fax +41 31 3515229

Frage

Frager 21.06.2002 - 14:40
Oben steht: "16:00pm - Berlin: A concentration of around 50 people gathered in front of the Spanish embassy in a solidarity action for those on strike and on the streets in Spain." Weiss jemand mehr?

Medien

Finder 21.06.2002 - 14:55
Das mit dem Gipfel liest sich in den Medien so:

Das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union im spanischen Sevilla hat begonnen. Im Mittelpunkt des zweitägigen Gipfels steht die Einwanderungspolitik.
Der spanische Ministerpräsident José María Aznar schlägt verschiedene Maßnahmen vor, um gegen die illegale Einwanderung vorzugehen. Umstritten sind Sanktionen gegen Nicht-EU-Länder, die ihre Grenzen nicht genug bewachen, so dass Flüchtlinge von dort aus in die EU gelangen können. Schweden und Frankreich lehnen dies ab.

Auch das Thema Agrarpolitik dürfte für Meinungsverschiedenheiten sorgen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte gefordert, das System der Direktbeihilfen für Landwirte zu reformieren.

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Vielleicht sollten wir den Journalisten mal Indy-Texte schicken?

@ Frage

nghju 21.06.2002 - 20:05

Gester waren 30 nicht 50 leute ,die lautwagen Könnte nicht sprescht, warun ? nur waren 30 leute und brauchten 50 für Könnte, wie polizei haben gesagt .

Auch waren 7 leute von AAB in der terrasen vor Mensa die TU. und was diesen leute haben gemachen ? angesehen uns .
guten antifaschischten sind Sie .
Juanra danke euch .

Festung Europa

no-racism 25.06.2002 - 17:59
Der EU-Gipfel in Sevilla ist mit einer Reihe von Beschlüssen gegen "illegale Immigration", zu Ende gegangen. Der spanische Ministerpräsident und EU-Ratsvorsitzende Jose Maria Aznar sagte nach den Beratungen, die "illegale Immigration" solle begrenzt werden, aber "unter Achtung der Menschenrechte". Die Maßnahmen gegen Organisationen, die kommerzielle Fluchthilfe betreiben, sollen verstärkt werden. In diesem Bereich werden nach EU-Angaben jährlich viele Milliarden Euro "umgesetzt".

Text bei

Generalstreik und Massenproteste erschüttern

hangehl 09.07.2002 - 02:03
 http://www.anticapitalism.tk

Generalstreik und Massenproteste erschüttern Spanien

In ganz Spanien waren die Bürgersteige hochgeklappt, als sich die europäischen Regierungschefs letzte Woche zum EU-Gipfel in Sevilla trafen. Ungefähr 10 Millionen Arbeiter haben gestreikt. Über 1 Million demonstrierten in verschiedenen Städten.

Die Streiks und Demonstrationen am Donnerstag waren nur der Auftakt zu mehreren Tagen von Protesten, die sich nicht nur gegen den EU-Gipfel, sondern auch gegen den Angriff der Regierung auf die Arbeitnehmer richteten. Diese Angriffe sind in ganz Europa bekannt. Sie sind Teil der "Flexibilisierung" der Arbeit und des Arbeitsrechts, wie sie auch in Großbritannien und Italien betrieben wird. In Spanien versucht Ministerpräsident Aznar, die Arbeitslosenhilfe zu beschneiden und Arbeitslose dazu zu verpflichten, jeden Job anzunehmen, der ihnen angeboten wird, egal wie niedrig die Bezahlung ist. Die spanische Regierung versuchte letzte Woche, über die wenigen Medien, die trotz des Generalstreiks noch arbeiteten, zu verbreiten, dass der Streik gescheitert sei. Die Wirkung des Streiks war jedoch überall sichtbar. Der Stromverbrauch am Donnerstag war so niedrig wie gewöhnlich am Sonntag. Die Autoindustrie, viele öffentliche Dienste und das Transportwesen standen still.

Hunderttausende marschierten durch Dutzende von Städten und erklärten ihre Entschlossenheit, sich gegen Aznars Pläne zu stellen. Die Demonstrantin Sonia sagte Linksruck: "Die Regierung versucht, die Grundrechte der Arbeitnehmer abzuschaffen. Ich arbeite als Biologin an der Universität, aber ich habe keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld und keine Gewerkschaftsrechte." Ihre Mutter Carmen fügte hinzu: "Ich habe kein Vertrauen in die europäischen Politiker und ihren Gipfel. Sie reden immer nur von den Rechten des Kapitals, aber nie von den Rechten der Arbeiter oder den Menschenrechten."

Viele Demonstranten schwangen rote Fahnen und selbstgemachte Banner ihrer Arbeitsplätze. Sie sangen und riefen Slogans. Die Schilder trugen Aufschriften wie: "Wir lassen uns nicht versklaven!", oder: "Erst treiben sie uns in die Emigration, dann diskriminieren sie uns. Wenn du reich bist, nennen sie es Tourismus. Wenn du arm bist, misshandeln sie dich."

Die spanische Regierung will die Arbeiterbewegung schwachreden. Als die Gewerkschaft bekannt gab, es seien 600.000 Menschen auf der Demo in Barcelona gewesen, behauptete die Regierung, es seien 15.000 gewesen. Sogar die örtliche Polizei nannte die Zahl 500.000. In Sevilla berichteten die Gewerkschaften von 100.000 Teilnehmern, aber die Regierung sagte, es seien 9.000. Die spanische Regierung kann versuchen, die Aktionen der Arbeiter zu ignorieren, aber die Militanz und die Wut des Streiks, die sich an den Streikposten und auf den Demonstrationen zeigte, verdeutlichte die Möglichkeit der Arbeiter, Aznar zurückzuschlagen und an Bedeutung zu gewinnen.


80.000 gegen ein Europa des Kapitals und des Kriegs
Eine große antikapitalistische Demonstration zog durch die spanische Stadt Sevilla am Samstag des EU-Gipfels.Die Stadtautobahn war mit über 80.000 Demonstranten gefüllt.

Die Mehrheit der Marschierenden kam aus Südspanien. Dazu stießen Delegationen aus Nordspanien und anderen europäischen Ländern. Die Polizei sperrte den Hauptbahnhof, stoppte Busse und schloß die Grenze zu Portugal, um die Demo zu verhindern. Aber die Demonstranten widerstanden Polizei und brütender Hitze und zeigten ihre Opposition zum EU-Gipfel und seiner Politik. Die Stimmung war sehr kämpferisch – wie auf dem Generalstreik, der zwei Tage vorher stattgefunden hatte.

Die Demonstration war vom andalusischen Sozialforum organisiert worden.

Sie hatte zwei offizielle Fronttransparente. Auf einem stand "Gegen ein Europa des Kapitals und des Kriegs", auf einem zweitem "Kein Mensch ist illegal".

Antonio vom Sozialforum sagte Linksruck: "Die Zahl der Teilnehmer ist sehr gut. Der Generalstreik hat die Leute aufgeweckt. Sie wollen mehr Demonstrationen und Aktionen".

Die Teilnehmer demonstrierten aus einer Vielzahl von Gründen: Von Umweltschutz über Solidarität mit Palästina, Frauenrechte bis zum Widerstand gegen Privatisierung.

Ein riesiger, als Globus bemalter Ballon hüpfte entlang der Demonstration um zu zeigen, dass eine andere Welt möglich ist. Eine Gruppe trug eine gewaltiges 180-Meter-langes Poster mit den Bilder von 18.000 Leuten aus ganz Spanien die einen Schuldenerlaß für die dritte Welt wollen. Es gab große Delegationen von den wichtigsten spanischen Gewerkschaften. Sie trugen die Flaggen und Ballons, die für den Generalstreik gemacht wurden.

Obwohl sie alle aus verschiedenen Gründen kamen, waren die Demonstranten vereint in ihrem Widerstand gegen die Politik des spanischen Premiers Aznar.

Und sie waren vereint in ihrer Opposition zum Kapitalismus selber.Der Ruf "Anti, anti, anti-capitalistas", wurde wieder und wieder von den verschiedenen Delegationen und Zuschauern aufgenommen.

Viele Plakate wandten sich gegen George Bush, Ariel Scharon und die Bedrohung durch mehr Kriege. Sprüche auf Plakaten waren "Imperialismus ist der Vater des Elends" und "Nein zum kapitalistischen Terror". Ein beliebter Ruf war "Bush, Scharon, Assessino, viva viva Palistino".

Schröder und seine Kollegen machten auf dem Gipfel Stimmung gegen Zuwanderer. Doch auf der Demonstration war Solidarität mit Flüchtlingen und Immigranten ein zentraler Bestandteil. Eine Delegation von 500 Immigranten hatte ein Universitätsgebäude in Sevilla besetzt. Auf einem großen Transparent stand: "In Norden werden wir ausgebeutet, im Süden aus dem Land geworfen". "Flüchtlinge sind willkommen in Spanien" stand auf vielen Plakaten

Die Demonstration startete um acht Uhr abends. Die Temperatur lag immer noch bei glühenden 38 Grad

Zuschauer schütteten Wasser in Eimern von Balkons, manche kühlten unter dem Jubel der Masse die Demonstranten mit dem Gartenschlauch.

Es war eine Demonstration, die von Anfang bis Ende von einem antikapitalistischen Geist geprägt war.

Festung Europa

Gerhard Schröder und sein Freund Tony Blair nutzen den EU-Gipfel in Sevilla um Angriffe auf Zuwanderer durchzudrücken

Schröder, Blair und der konservative spanischen Ministerpräsident Aznar schlugen vor, den ärmsten Länder der Welt die Entwicklungshilfe zu streichen, wenn sie Flüchtlinge nicht zurücknehmen.

Dieser Teil des Angriffs ist nicht beim Gipfel verabschiedet worden.

Der Grund war nicht eine plötzliche Aufwallung des Mitleids für Flüchtlinge beim französischen Präsidenten Chirac. Frankreich blockierte den Vorschlag aus Angst um die Handelsbeziehungen mit den vormaligen Kolonien Algerien und Marokko. Viele Flüchtlinge reisen durch die Nordafrikanischen Länder.

Obwohl Schröder nicht alle Verschärfungen durchsetzen konnte, äußerte er sich "zufrieden" über die Ergebnisse

Europäsche Länder bauen eine gemeinsame Polizeitruppe auf, um die Grenzen zu schließen. Mit Schnellbooten, Kampfhubschraubern und Satelliten sollen Flüchtlinge gejagt werden.

Künftig dürfen "politische Maßnahmen" benutzt werden, um arme Länder zu bestrafen, die sich weigern, Flüchtlinge zurückzunehmen.

Regierungen in ganz Europa haben das Schreckgespenst des "illegalen Flüchtlings" geschaffen. Auch der Spiegel warnt vorm "Ansturm auf Europa".

Dabei ist die Zahl der nach Europa reisenden Asylbewerber um in den ersten vier Monaten dieses Jahres im Vergleich zu 2001 um ein Drittel gesunken.

In Wirklichkeit wird es Flüchtlingen fast unmöglich gemacht, legal einzureisen. Mit dem Schengener Abkommer, das die Einreise nach Europa über sogenannte Drittstaaten verbietet, wurde Europa 1993 zu einer Festung umgebaut.

Die Grenzen zu Frankreich und den Beneluxstaaten wird von 785 Beamten des Bundesgrenzschutz bewacht. An der Ostgrenze hingegen, wo viele Flüchtlinge einwandern, setzt Rot-Grün 5.981 Bundesgrenzschützer und Unterstützungskräfte ein.

Das europäische Netzwerk gegen Nationalismus United hat die Todesfälle an den europäischen Grenzen genau dokumentiert, mit Namen und Todesursachen. Seit Einführung des Schengener Abkommens sind mehr als 2.000 Flüchtlinge beim Versuch, den Festungswall Europas zu überwinden, gestorben – im Mittelmeer ertrunken, in Containern erstickt, im Winter erfroren.