Generalstreik in Spanien: Aktualisierter Beitrag (Stand: 14 Uhr)

FAU-Info 20.06.2002 15:46 Themen: Soziale Kämpfe
Der Generalstreik in Spanien wird weitgehend befolgt. Insbesondere in den mittleren und größeren Fabriken, Dienstleistungsunternehmen und Verwaltungen geht landauf- landab nichts mehr. Die Regierung versucht, den Streik herunterzuspielen und hetzt gleichzeitig die Polizei gegen die streikenden ArbeiterInnen. Bislang gibt es mehrere Dutzend Verletzte, davon einige schwer sowie eine noch nicht genau bekannte Zahl von Verhafttungen. In Sevilla konnte eine Demonstration der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT-AIT mit 500 TeilnehmerInnen gegen ein Aufgebot von 2.500 Polizisten durchgesetzt werden.
Während der ersten Stunden des Generalstreiks in Spanien ist es wiederholt zu heftigen Angriffen der Polizei auf streikende ArbeiterInnen gekommen. Im Madrid wurden bei Attacken der Polizei mehrere Dutzend ArbeiterInnen verletzt, rund zwei Dutzend von ihnen schwer. Vor einigen großen Fabriken ist die Polizei aufgezogen, um Blockaden durch Streikposten aufzulösen. Dabei kam es am Citroen-Werk in Vigo zu heftigen Auseinandersetzungen. Insgesamt soll es in den ersten Stunden des Generalstreiks bislang mehrere Dutzend Verhaftungen gegeben haben. Unter den Festgenommenen befinden sich 6 Mitglieder der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft CNT und 4 der syndikalistischen CGT. Ein Arbeiter der CNT erlitt Knochenbrüche bei einem Angriff der Polizei. In Leganes bei Madrid verstarb ein Polizist an einem Herzinfarkt, nachdem seine Einheit eine Streikkette angegriffen und dabei zwei Dutzend ArbeiterInnen festgenommen hatte.

Vielerorts verläuft der Generalstreik alles andere als handzahm. In Barcelona sind seit Mitternacht in vielen Stadtteilen Gruppen von ArbeiterInnen unterwegs, die mit Töpfen Krach schlagen, die Nachbarn informieren und zur Beteiligung am Streik auffordern. Die Notausgabe der Zeitung EL PAIS wurde unter massivem Polizeischutz in Barcelona angeliefert. Die Eisenbahnstrecke zum Flughafen wurde sabotiert, so dass auch der geplante Notbetrieb nicht mehr möglich ist. Auf einigen Zufahrtsstraßen wurden am frühen Morgen Barrikaden aus Autoreifen errichtet. Nach Angaben der Polizei beträgt der Morgenverkehr in Barcelona nicht einmal ein Zehntel des normalen Berufsverkehrs.

Überall im Land ist die Beteiligung am Generalstreik massiv und wird durch Blockaden, Demonstrationen, Caceroladas und andere Aktionen unterstützt. In Palma de Mallorca wurde der Flughafen durch Mitglieder der CNT und anderer Gewerkschaften vollständig blockiert. In vielen Orten und in den nahezu allen mittleren und größeren Fabriken liegt die Beteiligung am Generalstreik bei nahezu hundert Prozent. Die Regierung versucht hingegen mit allen Mitteln die Beteiligung am Streik herunterzuspielen. Dabei kommt es zu teilweise grotesken Szenen. Ein PP-Abgeordneter erklärte vor laufender Kamera, dass in einem riesigen Einkaufszentrum "seiner" Stadt nicht gestreikt würde. Kurz darauf berichtet ein Reporter am Ort des Geschehens, dass dort seit heute Nacht nichts mehr ginge.

Eine besondere Situation herrscht in Sevilla. Die Stadt gleicht einem Heerlager der Repressionsapparate. Es gab heute erste Festnahmen im Zusammenhang mit dem EU-Gipfel am Wochenende. Überall in der Stadt werden massiv Personalienfeststellungen durchgeführt, von denen auch die Streikenden betroffen sind. Dennoch gelang es der CNT eine lokale Demonstration aus Anlass des Generalstreiks durchzusetzen. Die 500 DemonstrantInnen wurden von einem Aufgebot von sage und schreibe 2.500 Polizisten begleitet.

Für heute Mittag und Abend sind in ganz Spanien weitere Demonstrationen angekündigt. In vielen Städten wird es eigenständige Demonstrationen des anarcho-syndikalistischen Spektrums geben.

Die beiden größten Gewerkschaften CC.OO. und UGT spielen bislang eine teilweise zwielichtige Rolle. An den Mautstellen der Autobahn Terrassa-Manresa betätigen sich UGT-Funktionäre als Streikbrecher. In Cornella bei Barcelona wurde heute ein Abkommen zwischen dem Einzelhandelsverband und den lokalen Führungen von CC.OO. und UGT bekannt, in dem die beiden Gewerkschaften zusicherten, es gäbe keinen Streik, wenn die Einzelhändler sich dafür verpflichten, symbolisch zwischen 9 und 11 Uhr das Licht in den Läden zu löschen.
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Ergänzungen

Kleine Anregung für die Mods...

¡ A la huelga companer@s ! 20.06.2002 - 16:46
Wir schreiben diesen Beitrag aktualisiert fort. Ihr könnt also gerne die jeweils ältere Fassung löschen. Wenn es denn der Übersichtlichkeit dienen sollte.

Sevilla 2002

imc in at 20.06.2002 - 18:07
Eine Übersicht über die Anti-EU-Proteste zum Abschluss der spanischen EU-Präsidentschaft in Sevilla vom 20.-22. Juni 2002 findet ihr unter: