Anti-Wahl-Kampagnen starten durch

Anti-Wahl-Kobold 18.06.2002 19:13 Themen: Soziale Kämpfe
Wahlen stehen bevor. Neben den üblichen Wahlaufrufen von links regt sich jedoch ein wenig Wahlkritisches in D-Land. Es steht keine Massenmobilisierung bevor, aber aus verschiedenen Szenen werden Kampagnen und Projekte ins Leben gerufen, die sich Wahlboyykott und Antiwahlaktionen verschrieben haben (freu!) ... aus studentischen und antimilitarisitschem Kreisen, Teilen der Anti-Atombewegung, anarchistischen und weiteren Basiszusammenhängen.Schade ist, dass bisher kaum Austausch zwischen den unterschiedlichen Projekten läuft. Daher hier ein subjektiver Überblick über Aktivitäten, die gerade laufen oder geplant sind.
1. Mobilisierungszeitung entsteht

Und es geht los ... in den nächsten zwei Wochen entsteht in der Projektwerkstatt eine Zeitung gegen Bundestagswahl, Demokratie & Herrschaft. UnterstützerInnen sind recht herzlich eingeladen, den ein oder anderen Tag mitzuwerkeln, Debatten zu führen, Ideen zu sammeln, Bilder oder Texte beizusteuern.

Auch für alle, die nicht die Zeit finden gibt es die Möglichkeit, sich einzuklinken: Auf der Anti-Wahl-Seite haben wir eine eigene Seite eingerichtet, auf der ihr während der Layoutphase immer den aktuellen Stand der Dinge ersehen könnt, damit ihr den Überblick habt, wo Hilfe möglich ist und euch mit weiteren Ideen einmischen könnt. Fertige Texte z.B. sind downloadbar und können von euch kritisiert & kommentiert werden. Nutzt die Transparenz - mischt euch ein! Seht selbst: Infoseite zur Zeitung 2. Vorschlag für Anti-Wahl-Aktionstage ... Zeitraum: 13.-15. September

Motto ... muß noch in Schönes her (Logik ... statt ..., also eine Vision statt der Trostlosigkeit von Demokratie und Wahlen), eventuell auch mehr: einmal zum konkreten Vorgang „Stimme erheben STATT Stimme abgeben“ u.ä. sowie zum zweiten Vision statt Herrschaft.

Grundidee ist, dass überall irgendwas passiert. Es gibt eine gemeinsame Darstellung durch die Verknüpfung der Vielfalt im Internet, durch den Aufruf, die Vorbereitung usw. Es gibt keine einheitliche Kampagne, sondern eine gebündelte Vielfalt. Möglichkeiten zur Aktion u.a. wären, Wahl-Infostände und -veranstaltungen der Parteien einzubeziehen ... mensch denke an die geniale Aktion der Titaniccrew mit dem gefakten FDP-Stand samt antisemitischer Plakate. Oder Aktionen von NGOs umwidmen (z.B. 14.9. Köln als Anti-Wahl-Block auf der Attac/DGB-Demo ... ) Neben vielen kleinen Aktionen kann es auch regional Schwerpunktaktionen geben, als Kooperation interessierter Gruppen.

Schön wäre, wenn die Aktionen Kritik & Vision in sich vereinen und symbolisieren, also z.B RTS, Häuserbesetzungen ... als Freiräume Flächen in der FuZo besetzen, Schilder „Sie verlassen den demokratischen Sektor“ und dann visionäre Dinge dort andeuten (Liegestühle, Tanzen, ErfinderInnen-Ecke für Technik für ein besseres Leben ...). Daneben natürlich alles, was geht: Verstecktes Theater, Infostände, gute Flugblätter. Zur gemeinsamen Vermittlung kann auf bestehende Internetseite(n) zurück gegriffen werden, die alles ankündigen und vernetzten (z.B. www.wahlquark.de.vu). Ansonsten wäre cool, wie in München wieder eine Offene Presseplattform im Internet sowie in den regionalen Schwerpunkten zu haben ...

Vorbereitung:

In den Basisgruppen und Regionen. Infos zuschicken für die Internetseite (bzw. eigene machen und Link schicken) Ideensammeln in den nächsten Wochen, konkrete Besprechung auf dem Organisierung-von-unten-Treffen Ende August.

Und die jetzige Anti-Wahl-Zeitung nutzen: Viele bestellen und verteilen bzw. sogar eine Regionalausgabe mit eigenem Titel plus eventuell eigener Seite im Innern machen (Eilig! Am besten dann gleich melden unter 06401/903283 oder projektwerkstatt@apg.lahn.de).

3. Treffen

21-23. Juni: Graswurzelkongress; dort ab Samstag ab 11h Arbeitskreis zu Wahlboykott & Antiwahlaktionen.
28-30. Juni in der Projektwerkstatt: übers Wochenende lockeres Antiwahltreffen zum Austausch über die versch. Ansätze, Diskussionen, Zeit für Sonne tanken, brainstormings & die Planung von Aktionen.

Seiten der verschiedenen Initiativen und ProjekteKeine-Wahl-Kampagne aus der Anti-Atombewegung
>Wahlbokott gegen Atom + Militar
Bündnis anti-paralemtarische LinkeÜbersicht mit zu Mailinglisten, Aktionsideen, Links zu den versch. Kampagnen und Projekten usw. findet ihr unter http://www.wahlquark.de.vu. Also ran an die Wahlurnen. Wählt NIEMAND! Wen NIEMAND an der Macht ist, geht es allen besser ...
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Ergänzungen

...

Psilocybiniker 18.06.2002 - 19:29
"in den nächsten zwei Wochen entsteht in der Projektwerkstatt eine Zeitung gegen Bundestagswahl, Demokratie & Herrschaft."
ich hoffe und denke du meinst die parlamentarische demokratie...

Zu kurz?

Me 18.06.2002 - 20:05
Wenn es wie in Argentinien Asambleas gäbe, die nach und nach die politischen Institutionen der Scheindemokratie ersetzen, wäre ein Wahlboykott sinnvoll. Aber wie Ihr einfach nur GegenGegenGegenGegenGegenGegenGegen zu sein und keine Alternative zu entwickeln ist echt albern. Wenn dann arbeite ich in rster Linie an Alternativen und maximal dann gegen was aktiv, wenns mich dabei stört, diese Alternative zu entwickeln und auszuleben. Und so lange ist mir eine Demokratisierung der jetzigen Gesellschaft sinnvoller, als zuzusehen, wie die Rechten an die Macht kommen.
Nebenbei empfehle ich mal dieses Buch:
Rezension:  http://www.graswurzel.net/232/biehl.shtml

sinnvoll wäre vielleicht...

vernetzung! 18.06.2002 - 20:59
...sich im rahmen der consulta zu vernetzen und durch z.b. verschiedene öffentliche versammlungen eine alternative zu der schein-demokratie in welcher wir jetzt leben aufzuzeigen. das ist meiner meinung nach auch sinnvoller, als bloßer wahlboykott, wie ich meiner/m VorrednerIn anschliesen möchte.

Demokratie ist Schein-Mitbestimmung

Anti-Demokrat 18.06.2002 - 21:35
Sehr interessant ... da machen Menschen was gegen Herrschaft, die konkrete Form der staatlichen Herrschaft in den meisten Ländern (Demokratie) und deren Akzeptanzbeschaffung-Fete (Wahlen) - und schon werden hier die Menschen zu VerteidigerInnen der herrschenden Ordnung?

Argentinien: Natürlich war das eine Demokratie, was denn sonst?

Demokratie heißt Volks-Herrschaft. Also ein Volk, dieses von oben über Normierung und Kategorisierung (verbunden mit der Ausgrenzung der anderen) konstruierte Zwangskollektiv, übt Herrschaft aus (über alles, was als Minderheit konstruiert ist).
Die Definition "Volks-Herrschaft" trifft es. Darum bin ich gegen Demokratie.

Und ob es ein toller Stil von politischer Praxis ist, zu sagen "wenn wir alle meine Aktion machen, finde ich Euch auch gut", bin ich auch am Zweifel.

Es gibt keine Schein-Demokratie. Demokratie ist der Schein einer Mitbestimmung! Daß soviel Scheiße von demokratischen Staaten ausgeht, ist nicht ein Mangel an Demokratie. Es ist Demokratie. Diktaturen sind zwar nicht besser - aber bei der Entscheidung zwischen zwei Haufen Scheiße fresse ich lieber, was ich will! Und werf die scheiße zurück.

Hä?

verbalradikal sucks 18.06.2002 - 21:58
Kann es sein, daß Du auswendiggelernte Flugblatt-Parolen falsch verstanden nachplapperst? Aber ich woll ja nicht so sein: Wenn es dann mal doch ne basisdemokratische Gesellschaft gibt, kannst Du bestimmt mit Deinen Kumpels einen Stalin-Wertmüller-Erlebnispark haben, indem Du dann Deine Anti-Demokratie ausleben kannst.

Rechts wählt bestimmt!

Risikofaktor X:1000 18.06.2002 - 22:08
Grundsätzlich wäre ein Wahlboykott zwar ne gute Sache ABER: Die Anhänger von NPD, DVU usw. werden mit Sicherheit wählen und zwar TIEFBRAUN!!!

Also ist es doch besser, sein Kreuz bei irgendeiner Scheißpartei (gibt ja genug Kleinkram zum ankreuzen, der in unserem tollen System eigentlich chancenlos ist) und so die Wahlbeteiligung zu steigern, als nicht zu wählen und so den %-Satz der Nazis anwachsen zu lassen find ich!

Denn falls irgendwann die Wahlbeteiligung nur noch bei 0,3% liegt und das eben alles Nazis waren, die dann alle meinetwegen NPD gewählt haben, sind halt 100% der Stimmen an die NPD gegangen, jetzt nur mal als Beispiel.

Und dann wird sicher niemand da sein, der dann einfach sagt "Ja, gut, da haben ja alle nicht gewählt, wir machen jetzt einfach garkeine Regierung".

Gibt viel bessere Möglichkeiten, für eine hierarchiefreie Gesellschaft zu arbeiten.

Denkt mal drüber nach, auch wenns weh tut, da Wahlen wirklich Betrug am Volk sind!

Diskussionskultur?

NIEMAND 18.06.2002 - 22:30
Mir gefällt gerade die Diskussion so gar nicht, weil sie von Anfang an fast auschließlislich über Unterstellungen läuft, bis bin zur offen beleidigenden Äußerungen in letzten Beitrag. Aber genauer:

Durchgehend wird den Menschen, die Anti-Wahl-Aktionen machen wollen, unterstellt, sie seien nur dagegen, wollten keine Alternativen entwickeln. In dem Artikel wird einmal ausdrücklich benannt, dass es bei Aktionen darum geht, neben der Kritik auch die Visionen eines besseren Lebens zu vermitteln, Menschen zu ermuntern, sich selbst zu organisieren. Seht euch mal die Internetseiten und Ideensammlungen an ... dass ist definitv mehr als gegen Wahlen. Es wirkt zumindest so, als würde hier einfach mal aus Prinzip drauf gehauen, ohne sich mit den Inhalten auseinander zu setzen.

Zur Äußerung um "Stalin-Wertmüller-Erlebnispark" möchte ich nur sagen: Auch hier Unterstellungen pur. Suggeriert wird, dass Menschen, die gegen Demokratie als Herrschaftsform sind, autoritäre Regimes haben wollen. In dieser Logik gibt es dann eben nur die Wahl zwischen Demokratie oder Diktatur - ziemlich trostlos, finde ich. Ich bin z.b. bin auch kein Fan der Demokratie, WEIL ich mehr Selbstbestimmung möchte als das Minimum, was die Demokratie mir und anderen gewährt. Weg mit Demokratie bedeutet dann immer auch her mit einer freieren Gesellschaft!




und selbst wenn ...

faul (hoch) 2 ;-) 18.06.2002 - 23:12
... es nur um Kritik ginge - wo wäre das Problem? Wenn etwas als Herrschaftsform erkannt wird, z.B. (parlamentarische) Demokratie, dann kann und soll das auch ruhig theoretisch und praktisch kritisiert werden. Eine "Utopie" mag ja ganz nett sein, ist aber für Kritik keineswegs erforderlich.

Hossa!

Jacob 19.06.2002 - 00:09
Neben unerträglich schlechter Polemik gegen alle, die auch nur einen Hauch von Antideutschen Positionen als nachvollziehbar anzusehen scheinen und bemerkenswert idiotischen weil inhaltsleeren Pseudoprovokationen scheint es ja bei Dir, guter Bürger, nicht eben allzu viel zu geben. Über die geradezu verzweifelt anmutenden Versuche, Position zu beziehen, muss, so glaube ich, keiner ein Wort verschwenden.
Meine Fresse, ist das krass hier. Schönes Leben noch...

Frage an NIEMAND

Me 19.06.2002 - 01:48
Unterstellungen unterstellen ist Diskussionskultur? Sorry, aber ich sehe nun mal keine Ansätze, die auf ein Ziel hinarbeiten, eine andere Welt erreichen. Ich sehe lediglich Anti-xxx-Aktionen. Das finde ich zu wenig. Aber vielleicht hab ich ja was übersehen und es läuft viel mehr?

Ein mal Mathematik:

hp 19.06.2002 - 01:55
Hallo,

machen wir es mit der Mathematik einfach:
Am 22.9. bekommt die CDU 40%, die SPD 35%, die FDP 10%, Bündnis90 und die PDS je 6%, die Rechten letztendlich 3%. Die Wahlbeteiligung liegt bei 70%.
Was passiert: die nicht abgegebenen Stimmen werden den anderen Parteien zugeschlagen.
D.H., jede/r der/die nicht wählt, gibt zu 40% seine Stimme der CDU, zu 35% der SPD und so weiter bis zum Schluß, dann wählt er/sie durch nicht-Wahl auch zu 3% die Rechten. Glückwunsch!
Es ist nicht so, dass ich mich für die Berliner Parteien begeistern kann, aber wenn die PDS statt 6%, 16% bekäme, würde es garantiert keinen BK Stoiber geben und die Berliner Polit-Prominenz würde sich mehr als nur die Fingernägel abkauen.
Denkt mal drüber nach, ob Ihr mit dem Wahlboykott auch die Rechten unterstützen möchtet. Real tut Ihr es damit.
Viele Grüße, heinrrich-p

Mhhh

Mhhh-Macher 19.06.2002 - 02:27
Vielleicht sollten wir die Nazis und nicht die Linken zum Wahlboykott aufrufen?

geringeres Übel???

faul (hoch) 2 ;-) 19.06.2002 - 08:10
Krass, wieviele hier zum wählen irgendwelcher Parteien ("kleinerer Übel") aufrufen. Auch ganz ohne großartige Analyse lässt sich doch rechtleicht erkennen, dass das für emanzipatorische Politik niX bringt. Wie war das doch gleich nochmal mit Atomnonsens, Steuerreform, deutschen Kriegsbeteiligungen, Sicherheitspaketen etc. pp.? Wer ´98 die SPD oder die Grünen wählte, hat all das (wenn auch - wie das Prinzip der Wahlen nun mal ist - symbolisch)legitimiert. Und wer ´02 die PDS wählt, kann sich in Berlin schon mal ein wenig Anschauungsunterricht nehmen, oder auch an anderen Opportunismen (Kriege sind okay, wenn sie von der Uno abgesegnet werden ...), welchen "kleineren Übel" da an die Macht geholfen werden soll.
Und überhaupt: Habt ihr euch schon ´mal Gedanken darüber gemacht, dass jede gültige Stimme eine - ebenfalls symbolische - Legitimation eines Systems darstellt, dass uns nur die Wahl zwischen allerlei Übeln lässt (und zwar nicht nur bei der Wahl)? Eine Kampagne gegen diesen Wahlzirkus könnte vielleicht wenigstens einige überzeugen, dass Fremdbestimmung generell Scheiße ist und ihr möglichst die gewünschte Zustimmung verweigert werden sollte.

WahlQual

q 19.06.2002 - 09:45
---"die nicht abgegebenen Stimmen werden den anderen Parteien zugeschlagen"---

schon mal was von ungültig stimmen gehört?
da werden deine prozente nicht mehr verteilt, da du ja zur wahl warst und keinen vom angebot haben wolltest.

aba ich denke die wahl in D wird sowieso gefälscht und von daher unwichtig (siehe:  http://www.wahlbetrug-in-dachau.de/ )

Zum Thema demokratie: es gibt mehrere arten der demokratie, ich persönlich stimme für die Direkte Demokratie, sprich anarchie.


Stellt Euch einmal vor ...

BasisDemokrat 19.06.2002 - 13:13
... überall würden Leute ihre Wahlbenachrichtigungen öffentlich verbrennen (z.B. vor den Wahllokalen und in Fußgängerzonen). Das würde bestimmt eine Menge Ärger geben. :-) Irgendwie bin ich noch unentschlossen, ob ich 1.) gar nicht wählen 2.) ungültig stimmen 3.) das kleinste Übel wählen oder 4.) richtig Putz gegen korrupte Politik machen soll. Was denkt Ihr?

Das wär ne Idee

Me 19.06.2002 - 13:16
Wenn, sollte auf jeden Fall mehr passieren. Ich finds halt nicht sehr schlau, die wenigen Linken die es noch gibt zum Wahlboykott aufzufordern. Der würde nur was bringen, wenn da richtig viele Leute mitmachen würden und eben der Wahlboykott nicht das Haupt-Ding wäre. Obiger Aufruf richtet sich aber allein an die Szene.

wow

verwunderter 19.06.2002 - 14:07
die linke hält den steigbügel für die rechte. wie in weimar ruft da mein opa.

Denkanstoß

egal 19.06.2002 - 15:52
Wahlboykott hin, Wahlboykott her, am sinnvollsten wäre es, wenn Linke sich selbst in etablierten Parteien (SPD,Grüne,PDS) engagieren würden. Das hat langfristig jedenfalls eine bessere Wirkung,als wenn ein Hand voll Leute ihre Wahlbenachrichtigung verbrennt.

@ egal

faul (hoch) 2 ;-) 19.06.2002 - 16:07
>> Wahlboykott hin, Wahlboykott her, am sinnvollsten wäre es, wenn Linke sich selbst in etablierten Parteien (SPD,Grüne,PDS) engagieren würden. Das hat langfristig jedenfalls eine bessere Wirkung,als wenn ein Hand voll Leute ihre Wahlbenachrichtigung verbrennt. <<

Ja - das hätte eine bessere Wirkung für den Kapitalismus und seinen parlamentarischen Überbau: wieder einmal würde kritisches Potential eingebunden werden und zur Modernisierung von Herrschaft beitragen.

Wer wählen will, wird wählen

Maike 19.06.2002 - 16:56
...ein mittlerweile ganz schön hoher Prozentsatz der Bevölkerung tut es nicht mehr! Warum? Wenn man mit Leuten darüber ins Gespräch kommt, explodieren die oft regelrecht: "Hab´ mich genug verarschen lassen!" usw., natürlich auch Leute, die bloß die Schultern zucken: "Was hab´ ich davon?". Präzise erkannt.

Für diese Menschen ist ein aktiver Wahlboykott ein Schritt dazu, ihren Protest öffentlich laut zu machen. Deshalb rufen wir dazu auf.

Utopien sind wichtig, aber ebenso wichtig ist es, einfach erstmal seine Empörung auszudrücken. Dann erst kommt der Schritt, sich zu fragen "Wie denn sonst?", das mit anderen zu diskutieren und sich zu organisieren. Wenn man immer nur im Utopie-AK herumhängt, kommt man also nicht mit all den Leuten an einen Tisch, denen einfach was stinkt. Das sind aber die Leute, mit denen die Utopien auch diskutiert werden sollten. Für jede/n ´ne Extra-Revolution gibt´s nämlich nicht.

Der Wahlboykott richtet sich direkt gegen unser Herrschaftssystem (das ich mit "Demokratie" nicht korrekt beschrieben finde, denn eher herrscht hier das Geld und eine bestimmte Klasse!) und bringt nicht rein zufällig auch hier sofort eine Diskussion in die Gänge über Alternativen. Hier leider erstmal in der Form: "Die haben ja keine!" - das stimmt sogar ein Stück weit, wir haben keine geschlossene und einheitliche. Brauchen wir auch nicht, jetzt schon gar nicht. Was wir brauchen, ist die Diskussion, sind Experimente und einen möglichst unvoreingenommenen Blick auf die Geschichte. Denn eine neue Gesellschaft entsteht nicht am Reißbrett eines großen Denkers, sondern durch die lebendige Praxis und den Austausch der Menschen.

Wenn wir uns gegenseitig wahrnehmen, ist fast alles ein Beitrag dazu: Die Kritik, die Wünsche, was wir schön und was wir scheußlich finden, die Notwendigkeiten und Erfahrungen, die Einsichten und die Fragen und natürlich auch die utopischen Entwürfe.

Also hier noch´n Link zu einem Wahlboykott:

 http://uuhome.de/global/downloads/Wahlprotest.pdf

und zwei Texte dazu:

 http://uuhome.de/global/deutsch/wahl03.html
 http://uuhome.de/global/deutsch/wahl02.html

Vernetzung ist bei uns sehr erwünscht, z.B. auch in der Form, Ergebnisse hinterher auszutauschen und zu addieren. Wir wollen zählen, wer nicht wählen geht und aus welchen Gründen. Hilfe, Unterstützung und Mitarbeit sind in jeglicher Form willkommen. Insbesondere brauchen wir noch ganz viele Leute, die den Protest-Wahlschein weiterverbreiten.

Zu der Angst, dass ein Wahlboykott die Rechten ans Ruder bringt: NPD und Konsorten sind nicht in erster Linie auf Wahlen angewiesen, um an die Macht zu kommen. Sie bedienen sich gerne auch der zahlreichen Waffen, die sie heute schon bunkern. Für die CDUSPDFDPGRÜNE gilt dasselbe, sie delegieren etwaige Meinungsverschiedenheiten mit der Bevölkerung an die Polizei. Die PDS ist prinzipiell daran interessiert, sich der Einheitspartei anzuschließen - wir werden also dieselbe Nummer mit ihnen erleben wie vor langer Zeit mit der SPD und später mit den Grünen. Gerade, weil ich eigentlich nicht möchte, dass die Resignation im Lande immer weiter um sich greift, kann ich nicht mehr guten Gewissens zur Wahl des "kleineren Übels" aufrufen.

Wer jedoch sein symbolisches Kreuzchen der Ablehnung von Unterdrückung und Ausbeutung irgendwo auf dem Wahlschein machen möchte, soll das ruhig tun. Im Kern geht es doch darum, dass möglichst viele solcher symbolischen Kreuzchen auf egalwelchen Zetteln gemacht werden - und dass eine breite Bewegung entsteht, die in der Lage ist, Alternativen auch in die Praxis umzusetzen.

Wahlzettel ausfuellen

Schreiberling 19.06.2002 - 17:03
Anstatt ein Kreuz auf dem Wahlzettel zu machen, schreibt doch einfach irgendeinen Spruch auf den Wahlzettel. zB. "Niemand braucht Chefs!" "Selbstverwaltung in allen Lebensbereichen!" "Selbstbestimmung statt Herrschaft!" Schreibt alles was Euch einfaellt, alles was Ihr wollt. Seid kreativ. Stellt Euch vor, ganz viele wuerden so ungueltig waehlen! Das waere ein groesseres politisches Zeichen als 50% NichtwaehlerInnen. Diese Stimmen waeren dann zwar ungueltig im Sinne einer Stimme fuer eine Partei, aber das wuerde zeigen, dass Ihr nicht waehlt, weil Ihr Euch nicht fuer Eure Zukunft interessiert, sondern weil Euch das zuwenig Selbst- und Mitbestimmung ist. Schliesslich gehen die meisten NichtwaehlerInnen in Deutschland nicht waehlen, weil sie einen starken Fuehrer statt den Parlamentarismus wollen. Ich wuerde wegen dem Gegenteil ungueltig waehlen. Und es waere besser Dein Wahlrecht so zu nutzen. Schliesslich ist es immer noch besser, ueberhaupt ein Wahlrecht zu haben. So Finde ich z.B. die Forderung fuer das Wahlrecht fuer MigrantInnen sehr wichtig.

Genau

Nierder 19.06.2002 - 17:30
Demokratie ist nichts als das nieknüppeln des Volkes, durch das Volk Für das Volk.

Ich finde auch ungültig wählen ist die einzig richtige Alternative, denn dazu das die nichtWählerstimmen den Parteien prozentual zugerechnet werden bekommt jede Partei auch noch für die für sie gültigen Stimmen Geld, sogenannte Wahlkampfentschädigung.
Auserdem ist das eintreten in Parteien der Untergang jeder Idee zur Verbesserung, denn wer seine Ideen in Parteien verwirklichen will wird am Ende mit der MAcht in Seiner Hand konfrontiert. Und dann ist es aus mit jedem Sozialen mitgefühl, glaubt mir es war doch bissher immer so.

Mensch, wach auf !

chrome 19.06.2002 - 19:36
Hallo Leut'z

Die Idee des Nichtwählens ist bei dem ganzen Parteienmist
grundlegend nachvollziehbar, aber es wird uns nichts bringen ausser einer verdammten Stoiber-Regierung.

Es gibt schon genug Nichtwähler, meist
sind es einfach politisch Uninteressierte. Was eine geringe Wahlbeteiligung bringt, hat uns Frankreich mit der niedrigsten Wahlbeteiligung seit Jahrzehnten gezeigt...

Die Gefahr ist riesig, dass die Union die Wahl gewinnt. Schon allein das Wahlprogramm & Stoibers Äußerungen sind eine Gefahr in sich für Menschenrechte und den Rest soziale Sicherheit. Bundeswehreinsätze im Innern
und ein Gesundheitsystem aufgeteilt in GRUNDVERSORGUNG und
Erweitertes ("John Q." lässt grüßen).

Es ist klar, dass die wenigsten Bewohner dieses Staates sich auch nur irgendwie sich von einer Partei vertreten fühlen. Man bedenke dass in Dtld. gerademal 400.000 Bürger
in Parteien organisiert sind.

Aber es darf keinen Edmund-Rüdiger-Rudi-Stoiber-Sieg geben!!! Macht höchstens eine Stimme vor Ort ungültig aber besser noch wählt etwas dagegen.

Ansonsten wird der Nährboden für wirklich gute Ideen für mindestens 4 Jahre mit Pestiziden und Robocops(Gruß an Münchener Polizeibeamte) bekämpft werden.

In diesem Sinne.
Adios

Wahlen statt Widerstand!

Wahlquark 19.06.2002 - 21:32
Stoiber verhindern? Und was, wenn nächstes Mal ein noch größeres Arschloch dabei ist ... dann machen wir Wahlkampf für Stoiber? Mit der Logik des kleineren Übels macht mensch sich komplett manipulierbar. Seht euch mal an, wie das in Frankreich abging: Le Pen mit 17% im ersten Durchgang - danach wurden selbst linkeste Gruppen zu Rettern der Demokratie,. stellten sich hinter den rechten Chirac!

Und ich find es ganz schön traurig, wennn die einzige Aktionsform gegen rechte Regierungen Wahlen sein sollen.

PS: Zur Frage, was mensch alles während der Wahlzeit tun kann ... der Link führt zu einer Liste mit Aktionsideen. Macht Brainstormings in eurem Basiszusammenhang ...

le pen

fritz 19.06.2002 - 23:13
die französische linke hatte keine andere wahl als für le pen zu wählen, denn nichtwählen wäre in dieser situation ein echtes verbrechen gewesen. dannn hätte man bewusst zugelassen, dass le pen (das ist nicht haider,möllemann oder berlusconi, sondern jemand, der noch ein vielfaches mehr rechts aussen, offen antisemitisch und rassistisch, als jene ist) präsident geworden wäre. eine echte katastrophe. nicht-wählen in deutschland im semptember? ich fürchte es bringt wirklich nichts, ausser, dass die bürgerlichen parteien höhere prozente einfahren und somit fester regieren können (und es leichter haben, verfassungsänderungen durchzuboxen! schönen gruss an "ich":-)). es wird dann nochnichtmal euer protest wahrgenommen. macht was ihr wollt, aber bedenkt die folgen.

Ungültig wählen bringt auch nicht viel

Kampfgans 20.06.2002 - 15:36
weil diese Stimmen ebenfalls keinen Einfluss auf das Wahlergebniss haben. Und eine Botschaft kommt auch nicht rüber. Selbst wenn ihr die tollsten Sprüche auf die Wahlzettel schreibt, wen erreicht ihr denn damit? Höchstens eine unpolitische Tipse aus den dem Verwaltungsamt, die die Stimmen auszählt und nur das Kreuz irgendwo auf dem Zettel sucht. Und wenn sie keins findet und stattdessen nur irgend einen Spruch, über den sie sowieso nicht nachdenkt, landet der Wahlzettel in einer Schachtel "Ungültige Stimmen", wird in eine Statistik aufgenommen, die sowieso nicht veröffentlicht wird und kein Schwein interessiert sich mehr dafür.

Mein Vorschlag ist: Egal ob ihr ein "geringeres Übel", ungültig oder gar nicht wählt, nutzt die Wahl als Plattform für Aktionen!!! Spielt verstecktes Theater, diskutiert mit den Menschen über Sinn und Unsinn der Wahl, manipuliert Wahlplakate oder entwerft selber welche nach dem Motto: "Suchen Sie sich aus, wer sie regiert, aber ob sie regiert werden wollen, können sie leider nicht entscheiden" oder macht andere Sachen, hauptsache ihr seit kreativ.

Das kleinere Übel?

Maike 20.06.2002 - 17:05
Erstmal 100%ige Zustimmung zur letzten Äußerung der Kampfgans - und dein Motto finde ich auch sehr treffend!

Zu Stoiber: Das mag ja sein, dass mit dem alles noch schlimmer wird, aber nun SPD oder Grüne wählen, um ihn abzuwählen? Das haben wir doch zuletzt wegen Kohl so gemacht und dann Rotkohl und Grünkohl serviert gekriegt. Nee, bei einem Kreuzchen für eine dieser beiden Parteien würde mir echt die Hand abfaulen. Das Schlimmste, was sich zur Zeit an politischer Entwicklung zeigt - die Etablierung der G7-Armee Nato als Weltpolizei - wird unter Schröder/Fischer mit einem Tempo durchgezogen, das die CDU sich wohl nicht hätte leisten können. Das ist nämlich auch ein Aspekt an der Sache: Die größten Verschärfungen sind hier immer unter SPD-Regierungen gelaufen, und das hat wohl auch System.

Wenn wir hier mal von Utopien geredet haben: Überlegt mal, was das mit den "Auslandseinsätzen" für Utopien heißt, die nicht hier, sondern in einem an Rohstoffen reichen Land der "Dritten Welt" entwickelt und in die Praxis umgesetzt werden sollen...

Und innenpolitisch herrscht durch das offene Ignorieren der Verfassung ein unausgesprochener Ausnahmezustand, in dem für die Regierenden keinerlei Gesetze mehr zu gelten scheinen, während unsereins zunehmend mit Ungleichbehandlung und präventiven Maßnahmen unter Verweis auf die "allgemeine Sicherheit und Ordnung" oder "Polizeiverordnungen" zu rechnen hat. Präventiv wird durchaus auch verhaftet ("Ingewahrsamnahme") oder gleich im Kessel ein Freiluft-Knast eingerichtet (was übrigens auch verfassungswidrig ist, festgestellt am Beispiel Hamburger Kessel von 1986, aber zu dem Thema haben die Richter wohl auch Amnesie).

Und da soll ich mich noch vor Stoiber grausen? Ja, aber vor der SPD doch auch! Wer garantiert denn, dass es mit Stoiber wirklich schlimmer, bzw. mit Rotgrün nicht noch schlimmer wird? Ich sehe da nur eine Chance: Offen machen, was hier läuft, und sich wehren. Eine positive Entscheidung für diese Regierung ist unmöglich geworden. Sie ist bereits hochgradig faschistoid, wenn auch nicht ein Abbild der Nazi-Vergangenheit, sondern eher des Orwell-Staats.

ins blickfeld !

... 20.06.2002 - 17:58
was in der gesamten bisherigen diskussion auszer acht gelassen wurde ist, dasz auch den anti-wahl-aktivistInnen wohl klar ist, dasz es ebenso wenig bringt, alle vier jahre ungueltig oder gar nicht zu waehlen, wie's 'was bringt, alle vier jahre waehlen zu gehen und dann auf die naechste runde der festspiele zu warten ... fuer wie bloed haltet ihr die leute eigentlich ??

selbstverstaendlich ist eine solche kampagne nur sinnvoll, wenn sie in verbindung mit dem aufruf zur ORGANISIERUNG durchgefuehrt wird ... und das wird, denk' ich, geschehen ;)

zum einen wird die wahlkampfperiode also dazu genutzt, aufmerksamkeit darauf zu richten, dasz auch "demokratie" herrschaft ist, und zum zweiten ueberhaupt erstma' klar zu machen, dasz ungueltig waehlen nicht verboten, sondern eine politische option ist !

p.s.: was will ich schon in den parteien, wenn nicht anpassung und karriere, 'n stueck vom kuchen, sozusagen ?

alternative ungueltig waehlen

urne 20.06.2002 - 18:18
wenn ich meine stimme abgebe habe ich keine mehr! wenn ihr wahlboykott nich fuer sinnvoll haltet dann waehlt doch ungueltig, 50 prozent ungueltige stimmen waeren auch interessant! aber irgendwen waehlen, dann fordert ihr wen auf seine vierjaehrige herrschaft ueber euch anzutreten...

WAHLBOYKOTT IST DUMM

minderjährig 20.06.2002 - 19:59
wer nicht wählt den feind. eine nichtabgegeben stimme ist eine stimme für den gegner! wählt spd um wenigstens stoiber zu verhindern!

Widerstand kann so viel sein!

direct action hase 20.06.2002 - 20:48
Mich nervts, dass die Diskussionen immer nur um Wahlen / Wahlboykott gehen. Es gibt doch noch andere Möglichkeiten, z.B. Wahlen "angreifen" und nutzen, um unsere Visonen einer geileren Welt zu verbreiten.

Also z.B. Wahlkabinen besetzen,mit Transpi, möglicherweise angekettet oder witzig: mit Picknickkorb, gemütlich machen, Frühstück in der Wahlkabine aufbauen usw. Warten, bis WahlhelferInnen dich ansprechen, dann sofort vermitteln: "Lassen sie nur ... ich muß erst einmal kucken, wen ich da wählen soll, die sind alle so ähnlich." Oder kombiniert mit verstecktem Theater: Irgendwann geht eine weitere Person in eine andere Kabine; ihr fangt ein lautes Gespräch über den Unsinn des Wählens an: "Wen wählst du denn?" - "Schwierig, die machen alle das gleiche: uns regieren - das ist das Problem."

Es geht mehr als Wahlboykott - Phantasie und Mut zum Widerstand hochfahren, Wahlen angreifen ... für eine befreite Gesellschaft!