500 TagelöhnerInnen (sans papiers) besetzen die Uni in Sevilla
Am Wochenende beginnt in Sevilla der EU-Gipfel, auf dem wie immer hinter verschlossenen Türen allerlei Schweinereien besprochen werden sollen. Wie (mittlerweile) immer wird es riesige Demonstrationen, inhaltliche Veranstaltungen/Kongresse und vielseitige Aktionen geben. Bereits jetzt laufen die ersten Aktionen: Eine Karawane von Euromarch ist vor ein paar Tagen nach Sevilla aufgebrochen, erste Demonstrationen fanden statt. Nebenbei werden auch in ganz Europa (u.a. auch in Deutschland) am 21./22.6. Aktionen stattfinden.
Im Folgenden geht es um eine Besetzungsaktion der Uni in Sevilla, die mittlerweile beendet wurde, wobei zahlreiche ImmigrantInnen verhaftet wurden.
500 jornaleras besetzen die Uni um auf ihre Arbeitsbedingungen zu denuzieren und für die Regularisierung ihres Aufenthaltes zu bekommen. Sie versuchten die Besetzung bis zum EU Gipfel durchzuhalten.
Am 20. Juni ist in Spanien übrigens noch ein Generalstreik vorgesehen.
Es wäre schön, wenn am kommenden Wochenende Leute, die Spanisch sprechen bereit wären, Texte von den beiden spanischen Indymedias zu übersetzen und hier zu posten.
Im Folgenden geht es um eine Besetzungsaktion der Uni in Sevilla, die mittlerweile beendet wurde, wobei zahlreiche ImmigrantInnen verhaftet wurden.
500 jornaleras besetzen die Uni um auf ihre Arbeitsbedingungen zu denuzieren und für die Regularisierung ihres Aufenthaltes zu bekommen. Sie versuchten die Besetzung bis zum EU Gipfel durchzuhalten.
Am 20. Juni ist in Spanien übrigens noch ein Generalstreik vorgesehen.
Es wäre schön, wenn am kommenden Wochenende Leute, die Spanisch sprechen bereit wären, Texte von den beiden spanischen Indymedias zu übersetzen und hier zu posten.
1.- Einleitung
2.- Communique der MigrantInnen in der Uni
3.- Hintergrundartikel zu Huelva "Die Erdbeeren die wir essen"
4.- Modellbrief (spanisch + deustche Übersetzung)
bitte an Interessierte und entsprechende email Listen weiterleiten
danke
--------------------
1.- Einleitung
Seit Montag den 10. Juni haben 400-500 migrante ArbeiterInnen aus der Erdbeerernte in Huelva die Universität Pablo de
Olavide in Sevilla (Andalusien, Spanischer Staat) besetzt. Sie kämpfen gegen ihre Arbeitsbedingungen, für die
Regularisierung ihrer Arbeits- und Aufenthaltsverhältnisse, sowie gegen das spanische Ausländergesetz (ley de
extrangeria) dass unter der herrschenden Regierung des Partido Popular zu europäischen Gesetzgebung vorgeschlagen
wird.
Sevilla wird am 20.-22. Juni der Ort des EU Gipfels sein, bei dem die Verschärfung der allgemeinen Verhältnisse
vorangetrieben werden wird (Sozialabbau, Liberalisierung, strengere Migrationspolitik, soziale Kontrolle, Krieg...). Der
Gipfel wird von massiven Protestmobilisierungen begleitet sein, es handelt sich hier um den letzten EU Gipfel der
Spanischen Präsidentschaft, die in den letzten 6 Monate im ganzen Spanischen Staat auf starken Widerstand gestossen ist.
Dazu kommt, dass am 20. Juni ein Generalstreik in Spanien ansteht, der sich in erster Linie gegen die neuen Gesetze zur
Arbeitsflexibilisierung richtet und von den etablierten Gewerkschaften getragen wird. Durch die Terminnähe zum EU Gipfel
gibt es jedoch viele Uberschneidungen mit der Kampagne "gegen das Europa des Kapitals", das zum Teil auch von
verschiedenen Gewerkschaften wie die CGT getragen wird.
In dem die jornaler@s Sevilla als Ort für ihren Protest ausgewählt haben, setzen sie sich in den Kontext aller anderen
sozialen Kämpfe und wollen die weltweite Sichtbarkeit nutzen, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.
Es ist nicht die erste Aktion mit ähnlichem Charakter in Spanien, und der PP (Partido Popular) hat bislang immer nur mit
konsequenter Repression reagiert. Vielmehr will die Spanische Regierung das Ausländergesetz (ley de extrangeria) zur
europäischen Norm erweitern. Mensch erinnere sich auch an die Repression an der Uni in Sevilla gegen den Protest der
StudentInnen die sich gegen den Bildungsabbau organisiert haben.
Es ist notwendig unsere Solidarität mit den jornaler@s in Sevilla zu zeigen und mit allen, die in Sevilla gegen die
herrschenden Verhältnisse demonstrieren werden. Ein Aufruf also an alle, insbesondere an diejenigen, die für diesen
Sommer Grenzcamps vorbereiten (Hamburg, Jena, Strassburg...) und alle, die gegen den Bildungsabbau demonstrieren.
Ergreift Initiative. Informiert um euch. Informiert alternative und offizielle Medien. Alles was zu der Sichtbarkeit der
Besetzung in Sevilla beiträgt, wird die Spanische Regierung unter Druck setzen. Setzt die Spanischen Botschaften und die
EU-Institutionen unter Druck.
Die Stimmung ist gerade sehr repressiv. Der Campus ist von der Polizei belagert, es kommt niemand mehr rein und raus.
Mehrere MigrantInnen wurden bereits verhaftet.
Achtet also auf neue Meldungen auf
de.indymedia.org
madrid.indymedia.org
barcelona.indymedia.org
Ergreift Initiativen um die Infos zu übersetzen !
2.- Communiqué (10.Juni)
Wir, über 450 jornaler@s (TagelöhnerInnen) aus dem Erdbeeranbaugebiet in Huelva (Provinz im Südwesten Andalusien),
haben heute, am 10. Juni, die Universität Pablo de la Olavide in der Provinzhauptstadt Sevilla besetzt. Wir sehen uns zu
dieser Besetzung gezwungen, um der Forderung nach einer sofortigen Lösung unserer Situation, unter der wir seit 4 Monate
zu leiden haben, Nachdruck zu verleihen.
Diese Besetzung ist unbegrenzt bis unsere Situation mit sofortiger Wirkung regularisiert wird: bis wir eine Aufenthalts- und
Arbeitserlaubnis erhalten, damit wir unsere übliche Arbeit auf den andalusischen Feldern legal und in Würde tun können.
Wir verlangen, dass die Vertretung der Zentralregierung in Andalusien die nötigen Verwaltungsschritte für unsere
Regularisierung einleitet und wir bitten die spanische Regierung, die notwendigen Gesetzesänderungen vorzunehmen, damit
alle "papierlosen" MigrantInnen regularisiert werden.
Viele Gründe haben uns zu dieser Entscheidung gebracht:
*) Die Arbeitsverträge, die mit verschiedenen Osteuropäischen Länder (vor allem Polen) ausgehandelt wurden und von den
Landwirtschaftsunternehmen mit dem Segen der zentralen Regierung und Gewerkschaften wie der CCOO und UGT
umgesetzt wurden. Wegen diesen Verträgen sind wir dazu verdammt worden, nur noch an Feiertagen auf den
Erdbeerfeldern zu arbeiten, oder wenn es zu Engpässe in der Produktion kommt und das landwirtschaftliche Patronat nicht
genügend Arbeitskräfte hat.
*) In dieser Situation prekärer Arbeit konnten wir schon kaum noch überleben. Wir überlebten nur, indem wir uns Hütten
aus Plastik und Karton errichtet haben und uns von der humanitären Hilfe des Andalusischen Rates [Junta d´Andalusia]
ernähren konnten.
*) Trotz dieser Bedingungen während der Erdbeerernte, haben uns die Arbeitgeber keine Vorverträge gegeben, die uns eine
eventuelle Regularisierung ermöglicht hätten. Und das zur gleichen Zeit, in der sie uns für einen jämmerlichen Pauschallohn
arbeiten liessen, der nicht einmal dem miserablen Gesamtabkommen (Convención Collectiva) für ErntearbeiterInnen
entspricht. Sie profitieren einmal mehr von unserer Situation als "Papierlose", um die billige Arbeitskraft ohne soziale Kosten
und ohne entsprechende Arbeitsrechte auszunutzen.
*) Die Zentralregierung in Madrid lehnt die Regularisierung systematisch ab, und zwingt uns in die absolute Ausbeutung,
ohne Arbeitsrechte, ohne soziale Rechte, ohne Recht zur Versammlung, Demonstration oder Streik. Es ist eine Situation, die
nur den Erdbeer-Unternehmern dient, die wirtschaftliche Profite in historischer Rekordhöhe verzeichnen werden.
*) Während der ganzen Erdbeerernte haben wir die permanente Einschüchterung der staatlichen Sicherheitskräfte erleiden
müssen, mit den vielen Deportationen, Abschiebemassnahmen usw. Und das alles, obwohl wir die ArbeiterInnen sind, die
seit Jahren die Erdbeerfelder in Huelva abernten, gemeinsam mit den Tagelöhnern aus Andalusien, die genau wie wir ein
Mal pro Jahr für einige Monate dorthin kommen. So haben wir also die systematische Ausbeutung seitens der
landwirtschaftlichen Unternehmer erlitten, deren Mehrheit das Gesamtabkommen (Convencion Colectiva) nicht respektiert
und eindeutige Komplizen der Arbeitsinstitutionen und des Zentralen Regierungsausschusses in Huelva sind.
*) Als Konsequenz unserer Situation der sozialen Ausgrenzung, ohne Unterkunft, ohne Waschgelegenheiten, ohne Arbeit
und ohne Geld, ist ein Klima der sozialen Ablehnung seitens der Gesellschaft in Huelva entstanden. Ein Klima das bislang
unbekannt war und das ohne Zweifel durch zahlreiche kriminalisierende Erklärungen verschiedener Bereiche der
Zentralregierung geschürt wurde. Zu dem Klima der sozialen Ablehnung hat auch die klare rassistischen Haltung der
landwirtschaftlichen Unternehmen aus Huelva beigetragen: sie haben uns aufgrund unserer Bedingung als Maghrebiner und
NordarfrikanerInnen aus dem Markt vertrieben und im Gegenzug ArbeiterInnen aus Osteuropa eingestellt ohne dabei das
Gesamtabkommen (Convención Collectiva) für ErntearbeiterInnen einzuhalten. Die ArbeiterInnen aus Osteuropa sind in
Massenunterkünfte zusammengepfercht, erhalten keinen Lohn für ihrer Überstunden etc.
Basta Ya ! Es reicht !
Wir setzen der unwürdigen Ausbeutung, der wir ausgesetzt sind, ein Ende !
Die Jornaler@s von den Andalusischen Feldern, was auch immer unsere Nationalität, Hautfarbe oder Religion ist.
3. Artikel
Der folgende Text ist eine Übersetzung von einer website aus dem
anarchosyndikalistischen Spektru m Spaniens (www.red-libertaria.org). Der
Autor schlägt im Vorwort einen KonsumentInnenboykott gegen die Erdbeeren
aus Spanien vor; und er bezieht sich auf die Kämpfe der eingewanderten
LandarbeiterInnen in ganz Andalusien für ihre Legalisierung und
für bessere Arbeits- und Lebensbedigungen.
Die im Artikel erwähnte Anwerbung von neuen Arbeitskräften besonders in
Osteuropa spielte auch be im Konflikt in El Ejido (Provinz Almería) eine
wichtige Rolle: Dort kam es im Februar 2000 zu einer massiven
Konfrontation zwische n andalusischen Altbewohnern und eingewanderten
Landarbeitern aus Marokko. Die rassistischen Angriffe richteten sich
deshalb v or allem gegen die Marokkaner, weil diese nach ca 15 Jahren
Einwanderungsgeschichte (vor allem nach Andalusien) dort inzwischen eine
gewisse Stärke erreicht haben. Diese Stärke stellten sie auch in einem
einwöchigen Streik als direkte Antwort auf die Ang riffe unter Beweis,
mitten in der Hochzeit der Tomatenernte. Schon damals überlegten die
Bauernunternehmer der Region, vermehrt Arb eitskräfte in Osteuropa
anzuwerben. Die Konfrontation in El Ejido war ein wichtiger Ausgangspunkt
für ein schärferes Einwanderungsges etz einerseits und für das Aufdrehen
des "Legalisierungs-Ventils" andererseits: das spanische Kapital braucht
Einwanderung v or allem auf dem Bau und in der Landwirtschaft, der Staat
will aber die Migration unter Kontrolle halten können. Viele der Migran
tInnen erkämpften ihre Legalisierung durch Demos, Besetzungsaktionen und
Hungerstreiks. Der Konflikt in Huelva ist ein Produkt genau dieser
Kämpfe, die die Unternehmer durch eine neue, zunächst einmal weniger
kämpferische Arbeitskraft unterlaufen wollen. Wie lange ihnen das gelingen
wird, ist offen. Häufi g hat es nicht lange gedauert, bis eine neue
MigrantInnenarbeitskraft ihrerseits aufmüpfig wurde...
Sowot Freiburg, Mai 2002
Die Erdbeeren, die wir essen ...
Erdbeeren mit Zucker, Erdbeeren mit Orangensaft, Milchshakes mit
"richtigen" Erdbeeren ...Die mei sten Erdbeeren, die in Europa konsumiert
werden, kommen aus der spanischen Provinz Huelva in Andalusien. Manchmal
werden sie in den Geschäften als "Früchte der Region" angepriesen, so
daß leichtgläubige Touristen beim Besuch irgendeines schönen Ortes etwas
"Ursprüngliches" kaufen können. Manchmal werden die Erdbeeren ganz
unverfroren als Produkte von der Küste Barcelon as verkauft, auch wenn sie
in Kisten mit dem Aufdruck "Palos de la Frontera (Huelva)" verpackt sind.
Dasselbe passiert bei Erei gnissen, wo lokale Produkte vermarktet werden,
wie z.B. beim Fest der kommunistischen Partei in Barcelona, wo sowohl die
Slog ans als auch die Erdbeeren nicht echt waren. Große, dicke Erdbeeren
heißen im spanischen "fresón". Sind sie steinhart und geschmacklos und kön
nen die langen Transportwege der Globalisierung überstehen - dann kommen
sie zweifellos aus Huelva.
Aber die Erdbeeren, die in Huelva wachsen, kommen gar nicht aus Huelva.
Jedes Jahr zweigen die Ag rarunternehmer aus Huelva Mio von Dollar
Lizenzgebühren an kalifornische Industriebetriebe ab, die die
Erdbeerpflanzen gezü chtet haben. Erdbeeren sind ein globales Produkt mit
amerikanischem copyright. Sie werden in den regenarmen Kiefernwäldern
Zentra lspaniens genährt und aufgezogen, bevor sie aus dem Boden geholt
und in die sandigen Böden Huelvas wieder eingepflanzt werden, damit sie
Früchte tragen und schließlich fast überall auf der Welt verkauft und
verzehrt werden. Erdbeeren brauchen einen toten, mikrobenfreien Boden,
damit sie von Krankheiten verschont bleiben. Deshalb werden sie in einen
Teppich aus giftigem Pfl anzenschutz gesetzt, der alle Arten von
Ungeziefer vernichtet und nebenbei noch das Ozonloch vergrößert, das jedes
Jahr tausend e von Hautkrebsfällen verursacht. Der Erdbeeranbau trägt
also auch zur regen Gesundheitsindustrie bei...
Der Anbau von Erdbeeren verlangt Sorgfalt und ist teuer. Sie werden unter
Plastikplanen gehalten und brauchen große Mengen an Düngemitteln,
Pestiziden, Herbiziden und viele Arbeitsstunden zum Pflücken. Die Behörden
helfen, indem sie kostenlos die Plastikabfälle einsammeln, und falls sie
es doch nicht tun, sind die Farmen von Schluchten und Sü mpfen voller
Plastik umgeben. Wenn die Abfallhaufen dann doch zu groß werden, reicht
ein Streichholz, um sie in giftigen Rauch zu verwandeln, was zur
Erwärmung des Planeten beiträgt. Das ist eine gute Nachricht, denn
steigende Temperaturen bedeute n, daß die Erdbeeren nicht mehr mit
Plastik abgedeckt werden müssen... Pflanzenschutzmittel und andere
"Gifte" sind teuer, aber immerhin müssen die Bauern nichts für die
sogenannte "weitläufige landwirtschaftliche Verseuchung" der Brunnen und
Fl üsse bezahlen, die Ergebnis der giftigen Substanzen ist. Das würde
gerade noch fehlen! Wasser, laut Gesetz "öffentliches Eigentum ",
verursacht zahlreiche Krankheiten, wenn es vergiftet ist, womit die Zahl
der Kranken sowie der Kundschaft von Gesundhei ts- und
Mineralwasserindustrie wachsen. Und da behauptet noch jemand, nur die
Agrarunternehmer profitieren vom Erdbeeranbau !
Die großen europäischen Vertriebszentren sowie die Verpackungs- und
Transportunternehmen kriegen den größten Batzen aus den Profiten des
Erdbeergeschäfts. Dann müssen die Agrarunternehmer - neben den
Lizenzgebühren - noch das Plastik, die Pflanzenschutz- und Düngemittel
an mächtige internationale Chemiefirmen bezahlen. Bei starkem Win d und
Regen werden die Pflanzen zerstört. Glücklicherweise erhört der Staat ab
und zu die Forderungen der Bauern und lei stet Schadensersatz. Wie können
die Unternehmer überhaupt Profit machen, wenn so vieles dagegen spricht?
Dadurch, daß sie die PflückerInnen bis auf's Blut auspressen.
In den letzten Jahren haben tausende von andalusischen TagelöhnerInnen
(darunter viele Frauen) zu sammen mit ImmigrantInnen aus Portugal und
Nordafrika die Erdbeeren auf den Feldern Huelvas gepflückt. Harte Arbeit,
die auf de n Rücken geht, stundenlang unter heißer Sonne, niedriger Lohn
und Unterkünfte zu Touristenpreisen - das müssen die Menschen aushal ten,
die die Erdbeeren pflücken, die wir essen. Die Unternehmer können sich
nicht den Luxus leisten, daß ihre ArbeiterInnen Forderungen stellen. Sie
haben zuerst die Gewerkschaften angegriffen, später haben sie
ArbeiterInnen aus kämpferischen Dörfern keine jobs mehr gegeben und sie
durch EinwandererInnen ersetzt. Wenn sie illegal waren, um so besser,
dann protestierten sie weniger...
Mit dem neuen Ausländergesetz und nach den Besetzungen und Protesten des
letzten Jahres bekamen u ngefähr 1.200 nordafrikanische ArbeiterInnen
Papiere: Sie wurden "regularisiert", um ausschließlich bei der Ern te in
der Provinz Huelva zu arbeiten. Weder die Unternehmer noch die großen
Gewerkschaften (die mit den vorangegangen Kämpfen nichts z u tun hatten)
wollten es zulassen, daß die ArbeiterInnen, die für ihre Papiere gekämpft
hatten, auf diesen Farmen arbeiten konnten. Ende Herbst 2001 kamen
Vertreter der Regierung, der Arbeitgeber und der großen Gewerkschaften
überein, 7.000 Mens chen in ihren Heimatländern anzuwerben. Dieses
Abkommen wurde von der zentralen Einwanderungsbehörde gebilligt.
Also gingen die Arbeitgeber auf dem internationalen Arbeitsmarkt einkaufen
und heuerten ungefähr 4.500 Menschen in Polen, 1.500 in Rumänien und die
restlichen 1.000 in Marokko und Kolumbien an. Es waren vorzugsweise
Frauen, u m zu verhindern, daß die Arbeitskräfte in Huelva bleiben, denn
überall auf der Welt haben die Frauen die Hauptverantwortun g für die
(zurückgelassene) Familie. Die Regierung schien sich nicht darum zu
kümmern, daß die vorgesehen Anzahl für Anwerbun gen von Arbeitskräften in
ihren Heimatländern (zusätzlich zu den "Regularisierten" vor Ort) für 2002
nur bei 3.500 und nich t bei 7.000 lag. Ihnen war klar, daß durch diese
Verdopplung die Rebellen aus dem letzten Jahr ("diese üblen Marokkaner,
dreckige Dieb e und Terroristen") ihre jobs verlieren würden. Stattdessen
werden unsere Erdbeeren jetzt also von blonden, weißen Menschen gep
flückt. Fügsam und gewillt, wieder nach Hause zurückzukehren.
Ungefähr 5.000 Nordafrikaner haben in den Orten der Erdbeerernte Hütten
aus Plastik errichtet. Do rt sind sie ohne job und ohne jede Versorgung,
sie hungern und müssen sogar um Wasser betteln, andere stehlen. Vor
einigen Tagen sin d einige hundert von ihnen aus diesen Dörfern zur
Provinzhauptstadt marschiert, organisiert von den kleinen Gewerkschaften,
die sie unterstützen. Ein Großteil von den 1.200, die nur Papiere für die
Arbeit auf den Feldern von Huelva haben und von den Untern ehmern jetzt
verschmäht werden, machte bei diesem Marsch mit: vielleicht kriegen sie
bald, wenn die Pflanzen in voller Blüte steh en und jede Hand gebraucht
wird, einen job. Und sie werden die Lektion genau gelernt haben: Um
Erdbeeren zu pflücken, muß man sich nach vorne beugen - in demütiger und
unterwürfiger Körperhaltung.
Zwischenzeitlich haben die Bürgermeister und andere wichtige Kräfte in den
Dörfern der Umgebung e in hartes Durchgreifen und Abschiebungen
gefordert. Diese werden selektiv gehandhabt: Jeder, in dessen Gesicht das
Wort "Pro test" gesehen werden kann, wird abgeschoben. Obwohl die
Behörden in Huelva von 2.500 illegalen ArbeiterInnen in der Gegend a
usgehen, sorgen sie nicht für deren Abschiebung: Sie können noch als eine
Art Sklavenarbeitskraft in den wenigen Tagen nützlich sein, wenn die
Erdbeerfelder ihre volle Pracht entfalten. Wenn jemand immer noch Lust
auf Erdbeeren aus Huelva hat, dann hat er mehr als die Geschmacksnerven
verloren. 22.3.2002 , Ramón Germinal
4.- Faxnummer und Modellbrief
Schickt faxe an:
- Delegación del Gobierno en Andalucía, a la atención del Delegado del
Gobierno en Andalucía Sr. Torres Hurtado, FAX: 00 34 954234447 mailto:
dgaandal@andalucia.map.es - Ministerio del Interior, a la atención del
Ministro del Interior D.Mariano Rajoy, FAX: 00 34 915371003 mailto:
subscre@amador.mir.es - Secretario de Estado para la Inmigración y la
Extranjería, D.Enrique Fernández-Miranda, FAX: 00 34 915371465 mailto:
seextranjeria@amador.mir.es
Mit Kopien an
Solidaridad@hotmail.com
Unterstützungsgruppe
00 34 686 18 73 87
Solikonto:
Banque: La Caixa, N° de compte: 2100.18.2730.0100297754
COMUNICADO DE APOYO AL COLECTIVO DE INMIGRANTES ENCERRADOS EN LA
UNIVERSIDAD PABLO DE OLAVIDE EN SEVILLA.
El colectivo o la persona (le collectif ou la personne suivante)
________________________________ _________________
con sede en (résidant à)
________________________________________________________________________
_______
__________________________________________________________________________
________________ por la presente quiere mostrar su solidaridad con el
conjunto de trabajadores inmigrantes encerrados en la Universidad Pablo de
Olavide en la ciudad de Sevilla desde el pasado día 10 de junio, y
comparte con ellos sus justas reivindicaciones de regularización,
condición que se les niega sistemáticamente y que no les permite
trabajar con las mínimas garantías en el Estado español.
Nos solidarizamos a su vez con los trabajadores inmigrantes detenidos en
la ciudad de
Sevilla desde la realización del
encierro antes nombrado y condenamos la represión a la que somete este
gobierno a los trabajadores que luchan. Exigimos para ellos su inmediata
puesta en libertad. Expresamos nuestro más sincero rechazo a la Ley de
Extranjería y a cuantas leyes supongan restricciones en el derecho de
libre circulación de personas y anulación de derechos recogidos en la
Carta Universal de los Derechos Humanos, así como en la Constitución de
la que ustedes se han dotado, la cual reconoce como derechos fundamentales
el derecho a la libre asociación, manifestación o huelga, sin ir más
lejos. Consideramos que leyes y reformas restrictivas y represivas como
ésta sitúan a los inmigrantes ilegales en el blanco de la explotación
empresarial, la marginación y a condiciones de vida tan infrahumanas como
las que hemos presenciado a través de nuestros televisores de toda Europa
en los asentamientos de chabolas próximos a los pueblos freseros de
Huelva y en la propia capital, impropias de un país que se define en el
marco de la Unión Europea y que hoy por hoy ejerce su Presidencia.
Por todo ello expresamos nuestra solidaridad con esta protesta en la lucha
por la dignidad del colectivo de trabajadores inmigrantes: Papeles para
todos y todas. Derechos para todos y todas. NINGÚN SER HUMANO ES ILEGAL.
Unterstützungserklärung mit dem in der Universität "Pablo de Olavide" in
Sevilla eingeschlossenen MigrantInnenkollektiv
Die Gruppe oder Person _XXX_ wohnhaft in _XXX_ will mit dem vorliegenden
Schreiben ihre Solidarität mit der Gruppe der in der
ArbeitsimmigrantInnen ausdrücken, die sich seit dem vergangenen Montag,
dem 10. Juni, in der Universität Pablo de Olavide eingeschlossen haben,
und teile(n) mit ihnen ihre gerechten Forderungen nach einer
Regularisierung, eine Bedingung die ihnen systematisch verweigert wurde
und die es ihnen nicht ermöglicht mit den minimalsten Garantien im
Spanischen Staat zu arbeiten. Wir solidarisieren uns gleichzeitig mit den
seit dem oben genannten Einschluß in der Stadt Sevilla verhafteten
ArbeitsmigrantInnen und verurteilen die Repression, die diese Regierung
gegen die kämpfenden ArbeiterInnen begeht. Wir fordern ihre sofortige
Freilassung. Wir drücken unsere deutlichste Ablehnung des
Ausländergesetzes und aller anderen Gesetze, die die Restriktionen der
freien Zirkulation von Personen beschränken und der Annullierung in der
Universalen Menschenrechtscharta sowie in der Verfassung anerkannten
Rechte, die als grundlegende Rechte das Recht der freien Assoziation,
Demonstration oder Streik anerkennt, ohne weiter zu gehen. Wir betrachten
restriktive und repressive Gesetze und Reformen wie dieses, die illegalen
MigrantInnen der unternehmerischen Ausbeutung, der Marginalisierung und
derart unmenschlichen Lebensbedingungen ausliefern, wie wir sie durch
das Fernsehen in ganz Europa präsentiert bekommen, in den Siedlungen der
.... der Erdbeerarbeiter von Huelva und in der eigenen Hauptstadt,
unpassend für ein Land, das sich als Teil der Europäischen Union
definiert und das derzeit sogar die Präsidentschaft innehat.
Wegen all diesem drücken wir unsere Solidarität mit diesem Protest im
Kampf um die Würde des Kollektivs der ArbeitsmigrantInnen aus:
Papiere für alle
Rechte für alle
2.- Communique der MigrantInnen in der Uni
3.- Hintergrundartikel zu Huelva "Die Erdbeeren die wir essen"
4.- Modellbrief (spanisch + deustche Übersetzung)
bitte an Interessierte und entsprechende email Listen weiterleiten
danke
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1.- Einleitung
Seit Montag den 10. Juni haben 400-500 migrante ArbeiterInnen aus der Erdbeerernte in Huelva die Universität Pablo de
Olavide in Sevilla (Andalusien, Spanischer Staat) besetzt. Sie kämpfen gegen ihre Arbeitsbedingungen, für die
Regularisierung ihrer Arbeits- und Aufenthaltsverhältnisse, sowie gegen das spanische Ausländergesetz (ley de
extrangeria) dass unter der herrschenden Regierung des Partido Popular zu europäischen Gesetzgebung vorgeschlagen
wird.
Sevilla wird am 20.-22. Juni der Ort des EU Gipfels sein, bei dem die Verschärfung der allgemeinen Verhältnisse
vorangetrieben werden wird (Sozialabbau, Liberalisierung, strengere Migrationspolitik, soziale Kontrolle, Krieg...). Der
Gipfel wird von massiven Protestmobilisierungen begleitet sein, es handelt sich hier um den letzten EU Gipfel der
Spanischen Präsidentschaft, die in den letzten 6 Monate im ganzen Spanischen Staat auf starken Widerstand gestossen ist.
Dazu kommt, dass am 20. Juni ein Generalstreik in Spanien ansteht, der sich in erster Linie gegen die neuen Gesetze zur
Arbeitsflexibilisierung richtet und von den etablierten Gewerkschaften getragen wird. Durch die Terminnähe zum EU Gipfel
gibt es jedoch viele Uberschneidungen mit der Kampagne "gegen das Europa des Kapitals", das zum Teil auch von
verschiedenen Gewerkschaften wie die CGT getragen wird.
In dem die jornaler@s Sevilla als Ort für ihren Protest ausgewählt haben, setzen sie sich in den Kontext aller anderen
sozialen Kämpfe und wollen die weltweite Sichtbarkeit nutzen, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.
Es ist nicht die erste Aktion mit ähnlichem Charakter in Spanien, und der PP (Partido Popular) hat bislang immer nur mit
konsequenter Repression reagiert. Vielmehr will die Spanische Regierung das Ausländergesetz (ley de extrangeria) zur
europäischen Norm erweitern. Mensch erinnere sich auch an die Repression an der Uni in Sevilla gegen den Protest der
StudentInnen die sich gegen den Bildungsabbau organisiert haben.
Es ist notwendig unsere Solidarität mit den jornaler@s in Sevilla zu zeigen und mit allen, die in Sevilla gegen die
herrschenden Verhältnisse demonstrieren werden. Ein Aufruf also an alle, insbesondere an diejenigen, die für diesen
Sommer Grenzcamps vorbereiten (Hamburg, Jena, Strassburg...) und alle, die gegen den Bildungsabbau demonstrieren.
Ergreift Initiative. Informiert um euch. Informiert alternative und offizielle Medien. Alles was zu der Sichtbarkeit der
Besetzung in Sevilla beiträgt, wird die Spanische Regierung unter Druck setzen. Setzt die Spanischen Botschaften und die
EU-Institutionen unter Druck.
Die Stimmung ist gerade sehr repressiv. Der Campus ist von der Polizei belagert, es kommt niemand mehr rein und raus.
Mehrere MigrantInnen wurden bereits verhaftet.
Achtet also auf neue Meldungen auf
de.indymedia.org
madrid.indymedia.org
barcelona.indymedia.org
Ergreift Initiativen um die Infos zu übersetzen !
2.- Communiqué (10.Juni)
Wir, über 450 jornaler@s (TagelöhnerInnen) aus dem Erdbeeranbaugebiet in Huelva (Provinz im Südwesten Andalusien),
haben heute, am 10. Juni, die Universität Pablo de la Olavide in der Provinzhauptstadt Sevilla besetzt. Wir sehen uns zu
dieser Besetzung gezwungen, um der Forderung nach einer sofortigen Lösung unserer Situation, unter der wir seit 4 Monate
zu leiden haben, Nachdruck zu verleihen.
Diese Besetzung ist unbegrenzt bis unsere Situation mit sofortiger Wirkung regularisiert wird: bis wir eine Aufenthalts- und
Arbeitserlaubnis erhalten, damit wir unsere übliche Arbeit auf den andalusischen Feldern legal und in Würde tun können.
Wir verlangen, dass die Vertretung der Zentralregierung in Andalusien die nötigen Verwaltungsschritte für unsere
Regularisierung einleitet und wir bitten die spanische Regierung, die notwendigen Gesetzesänderungen vorzunehmen, damit
alle "papierlosen" MigrantInnen regularisiert werden.
Viele Gründe haben uns zu dieser Entscheidung gebracht:
*) Die Arbeitsverträge, die mit verschiedenen Osteuropäischen Länder (vor allem Polen) ausgehandelt wurden und von den
Landwirtschaftsunternehmen mit dem Segen der zentralen Regierung und Gewerkschaften wie der CCOO und UGT
umgesetzt wurden. Wegen diesen Verträgen sind wir dazu verdammt worden, nur noch an Feiertagen auf den
Erdbeerfeldern zu arbeiten, oder wenn es zu Engpässe in der Produktion kommt und das landwirtschaftliche Patronat nicht
genügend Arbeitskräfte hat.
*) In dieser Situation prekärer Arbeit konnten wir schon kaum noch überleben. Wir überlebten nur, indem wir uns Hütten
aus Plastik und Karton errichtet haben und uns von der humanitären Hilfe des Andalusischen Rates [Junta d´Andalusia]
ernähren konnten.
*) Trotz dieser Bedingungen während der Erdbeerernte, haben uns die Arbeitgeber keine Vorverträge gegeben, die uns eine
eventuelle Regularisierung ermöglicht hätten. Und das zur gleichen Zeit, in der sie uns für einen jämmerlichen Pauschallohn
arbeiten liessen, der nicht einmal dem miserablen Gesamtabkommen (Convención Collectiva) für ErntearbeiterInnen
entspricht. Sie profitieren einmal mehr von unserer Situation als "Papierlose", um die billige Arbeitskraft ohne soziale Kosten
und ohne entsprechende Arbeitsrechte auszunutzen.
*) Die Zentralregierung in Madrid lehnt die Regularisierung systematisch ab, und zwingt uns in die absolute Ausbeutung,
ohne Arbeitsrechte, ohne soziale Rechte, ohne Recht zur Versammlung, Demonstration oder Streik. Es ist eine Situation, die
nur den Erdbeer-Unternehmern dient, die wirtschaftliche Profite in historischer Rekordhöhe verzeichnen werden.
*) Während der ganzen Erdbeerernte haben wir die permanente Einschüchterung der staatlichen Sicherheitskräfte erleiden
müssen, mit den vielen Deportationen, Abschiebemassnahmen usw. Und das alles, obwohl wir die ArbeiterInnen sind, die
seit Jahren die Erdbeerfelder in Huelva abernten, gemeinsam mit den Tagelöhnern aus Andalusien, die genau wie wir ein
Mal pro Jahr für einige Monate dorthin kommen. So haben wir also die systematische Ausbeutung seitens der
landwirtschaftlichen Unternehmer erlitten, deren Mehrheit das Gesamtabkommen (Convencion Colectiva) nicht respektiert
und eindeutige Komplizen der Arbeitsinstitutionen und des Zentralen Regierungsausschusses in Huelva sind.
*) Als Konsequenz unserer Situation der sozialen Ausgrenzung, ohne Unterkunft, ohne Waschgelegenheiten, ohne Arbeit
und ohne Geld, ist ein Klima der sozialen Ablehnung seitens der Gesellschaft in Huelva entstanden. Ein Klima das bislang
unbekannt war und das ohne Zweifel durch zahlreiche kriminalisierende Erklärungen verschiedener Bereiche der
Zentralregierung geschürt wurde. Zu dem Klima der sozialen Ablehnung hat auch die klare rassistischen Haltung der
landwirtschaftlichen Unternehmen aus Huelva beigetragen: sie haben uns aufgrund unserer Bedingung als Maghrebiner und
NordarfrikanerInnen aus dem Markt vertrieben und im Gegenzug ArbeiterInnen aus Osteuropa eingestellt ohne dabei das
Gesamtabkommen (Convención Collectiva) für ErntearbeiterInnen einzuhalten. Die ArbeiterInnen aus Osteuropa sind in
Massenunterkünfte zusammengepfercht, erhalten keinen Lohn für ihrer Überstunden etc.
Basta Ya ! Es reicht !
Wir setzen der unwürdigen Ausbeutung, der wir ausgesetzt sind, ein Ende !
Die Jornaler@s von den Andalusischen Feldern, was auch immer unsere Nationalität, Hautfarbe oder Religion ist.
3. Artikel
Der folgende Text ist eine Übersetzung von einer website aus dem
anarchosyndikalistischen Spektru m Spaniens (www.red-libertaria.org). Der
Autor schlägt im Vorwort einen KonsumentInnenboykott gegen die Erdbeeren
aus Spanien vor; und er bezieht sich auf die Kämpfe der eingewanderten
LandarbeiterInnen in ganz Andalusien für ihre Legalisierung und
für bessere Arbeits- und Lebensbedigungen.
Die im Artikel erwähnte Anwerbung von neuen Arbeitskräften besonders in
Osteuropa spielte auch be im Konflikt in El Ejido (Provinz Almería) eine
wichtige Rolle: Dort kam es im Februar 2000 zu einer massiven
Konfrontation zwische n andalusischen Altbewohnern und eingewanderten
Landarbeitern aus Marokko. Die rassistischen Angriffe richteten sich
deshalb v or allem gegen die Marokkaner, weil diese nach ca 15 Jahren
Einwanderungsgeschichte (vor allem nach Andalusien) dort inzwischen eine
gewisse Stärke erreicht haben. Diese Stärke stellten sie auch in einem
einwöchigen Streik als direkte Antwort auf die Ang riffe unter Beweis,
mitten in der Hochzeit der Tomatenernte. Schon damals überlegten die
Bauernunternehmer der Region, vermehrt Arb eitskräfte in Osteuropa
anzuwerben. Die Konfrontation in El Ejido war ein wichtiger Ausgangspunkt
für ein schärferes Einwanderungsges etz einerseits und für das Aufdrehen
des "Legalisierungs-Ventils" andererseits: das spanische Kapital braucht
Einwanderung v or allem auf dem Bau und in der Landwirtschaft, der Staat
will aber die Migration unter Kontrolle halten können. Viele der Migran
tInnen erkämpften ihre Legalisierung durch Demos, Besetzungsaktionen und
Hungerstreiks. Der Konflikt in Huelva ist ein Produkt genau dieser
Kämpfe, die die Unternehmer durch eine neue, zunächst einmal weniger
kämpferische Arbeitskraft unterlaufen wollen. Wie lange ihnen das gelingen
wird, ist offen. Häufi g hat es nicht lange gedauert, bis eine neue
MigrantInnenarbeitskraft ihrerseits aufmüpfig wurde...
Sowot Freiburg, Mai 2002
Die Erdbeeren, die wir essen ...
Erdbeeren mit Zucker, Erdbeeren mit Orangensaft, Milchshakes mit
"richtigen" Erdbeeren ...Die mei sten Erdbeeren, die in Europa konsumiert
werden, kommen aus der spanischen Provinz Huelva in Andalusien. Manchmal
werden sie in den Geschäften als "Früchte der Region" angepriesen, so
daß leichtgläubige Touristen beim Besuch irgendeines schönen Ortes etwas
"Ursprüngliches" kaufen können. Manchmal werden die Erdbeeren ganz
unverfroren als Produkte von der Küste Barcelon as verkauft, auch wenn sie
in Kisten mit dem Aufdruck "Palos de la Frontera (Huelva)" verpackt sind.
Dasselbe passiert bei Erei gnissen, wo lokale Produkte vermarktet werden,
wie z.B. beim Fest der kommunistischen Partei in Barcelona, wo sowohl die
Slog ans als auch die Erdbeeren nicht echt waren. Große, dicke Erdbeeren
heißen im spanischen "fresón". Sind sie steinhart und geschmacklos und kön
nen die langen Transportwege der Globalisierung überstehen - dann kommen
sie zweifellos aus Huelva.
Aber die Erdbeeren, die in Huelva wachsen, kommen gar nicht aus Huelva.
Jedes Jahr zweigen die Ag rarunternehmer aus Huelva Mio von Dollar
Lizenzgebühren an kalifornische Industriebetriebe ab, die die
Erdbeerpflanzen gezü chtet haben. Erdbeeren sind ein globales Produkt mit
amerikanischem copyright. Sie werden in den regenarmen Kiefernwäldern
Zentra lspaniens genährt und aufgezogen, bevor sie aus dem Boden geholt
und in die sandigen Böden Huelvas wieder eingepflanzt werden, damit sie
Früchte tragen und schließlich fast überall auf der Welt verkauft und
verzehrt werden. Erdbeeren brauchen einen toten, mikrobenfreien Boden,
damit sie von Krankheiten verschont bleiben. Deshalb werden sie in einen
Teppich aus giftigem Pfl anzenschutz gesetzt, der alle Arten von
Ungeziefer vernichtet und nebenbei noch das Ozonloch vergrößert, das jedes
Jahr tausend e von Hautkrebsfällen verursacht. Der Erdbeeranbau trägt
also auch zur regen Gesundheitsindustrie bei...
Der Anbau von Erdbeeren verlangt Sorgfalt und ist teuer. Sie werden unter
Plastikplanen gehalten und brauchen große Mengen an Düngemitteln,
Pestiziden, Herbiziden und viele Arbeitsstunden zum Pflücken. Die Behörden
helfen, indem sie kostenlos die Plastikabfälle einsammeln, und falls sie
es doch nicht tun, sind die Farmen von Schluchten und Sü mpfen voller
Plastik umgeben. Wenn die Abfallhaufen dann doch zu groß werden, reicht
ein Streichholz, um sie in giftigen Rauch zu verwandeln, was zur
Erwärmung des Planeten beiträgt. Das ist eine gute Nachricht, denn
steigende Temperaturen bedeute n, daß die Erdbeeren nicht mehr mit
Plastik abgedeckt werden müssen... Pflanzenschutzmittel und andere
"Gifte" sind teuer, aber immerhin müssen die Bauern nichts für die
sogenannte "weitläufige landwirtschaftliche Verseuchung" der Brunnen und
Fl üsse bezahlen, die Ergebnis der giftigen Substanzen ist. Das würde
gerade noch fehlen! Wasser, laut Gesetz "öffentliches Eigentum ",
verursacht zahlreiche Krankheiten, wenn es vergiftet ist, womit die Zahl
der Kranken sowie der Kundschaft von Gesundhei ts- und
Mineralwasserindustrie wachsen. Und da behauptet noch jemand, nur die
Agrarunternehmer profitieren vom Erdbeeranbau !
Die großen europäischen Vertriebszentren sowie die Verpackungs- und
Transportunternehmen kriegen den größten Batzen aus den Profiten des
Erdbeergeschäfts. Dann müssen die Agrarunternehmer - neben den
Lizenzgebühren - noch das Plastik, die Pflanzenschutz- und Düngemittel
an mächtige internationale Chemiefirmen bezahlen. Bei starkem Win d und
Regen werden die Pflanzen zerstört. Glücklicherweise erhört der Staat ab
und zu die Forderungen der Bauern und lei stet Schadensersatz. Wie können
die Unternehmer überhaupt Profit machen, wenn so vieles dagegen spricht?
Dadurch, daß sie die PflückerInnen bis auf's Blut auspressen.
In den letzten Jahren haben tausende von andalusischen TagelöhnerInnen
(darunter viele Frauen) zu sammen mit ImmigrantInnen aus Portugal und
Nordafrika die Erdbeeren auf den Feldern Huelvas gepflückt. Harte Arbeit,
die auf de n Rücken geht, stundenlang unter heißer Sonne, niedriger Lohn
und Unterkünfte zu Touristenpreisen - das müssen die Menschen aushal ten,
die die Erdbeeren pflücken, die wir essen. Die Unternehmer können sich
nicht den Luxus leisten, daß ihre ArbeiterInnen Forderungen stellen. Sie
haben zuerst die Gewerkschaften angegriffen, später haben sie
ArbeiterInnen aus kämpferischen Dörfern keine jobs mehr gegeben und sie
durch EinwandererInnen ersetzt. Wenn sie illegal waren, um so besser,
dann protestierten sie weniger...
Mit dem neuen Ausländergesetz und nach den Besetzungen und Protesten des
letzten Jahres bekamen u ngefähr 1.200 nordafrikanische ArbeiterInnen
Papiere: Sie wurden "regularisiert", um ausschließlich bei der Ern te in
der Provinz Huelva zu arbeiten. Weder die Unternehmer noch die großen
Gewerkschaften (die mit den vorangegangen Kämpfen nichts z u tun hatten)
wollten es zulassen, daß die ArbeiterInnen, die für ihre Papiere gekämpft
hatten, auf diesen Farmen arbeiten konnten. Ende Herbst 2001 kamen
Vertreter der Regierung, der Arbeitgeber und der großen Gewerkschaften
überein, 7.000 Mens chen in ihren Heimatländern anzuwerben. Dieses
Abkommen wurde von der zentralen Einwanderungsbehörde gebilligt.
Also gingen die Arbeitgeber auf dem internationalen Arbeitsmarkt einkaufen
und heuerten ungefähr 4.500 Menschen in Polen, 1.500 in Rumänien und die
restlichen 1.000 in Marokko und Kolumbien an. Es waren vorzugsweise
Frauen, u m zu verhindern, daß die Arbeitskräfte in Huelva bleiben, denn
überall auf der Welt haben die Frauen die Hauptverantwortun g für die
(zurückgelassene) Familie. Die Regierung schien sich nicht darum zu
kümmern, daß die vorgesehen Anzahl für Anwerbun gen von Arbeitskräften in
ihren Heimatländern (zusätzlich zu den "Regularisierten" vor Ort) für 2002
nur bei 3.500 und nich t bei 7.000 lag. Ihnen war klar, daß durch diese
Verdopplung die Rebellen aus dem letzten Jahr ("diese üblen Marokkaner,
dreckige Dieb e und Terroristen") ihre jobs verlieren würden. Stattdessen
werden unsere Erdbeeren jetzt also von blonden, weißen Menschen gep
flückt. Fügsam und gewillt, wieder nach Hause zurückzukehren.
Ungefähr 5.000 Nordafrikaner haben in den Orten der Erdbeerernte Hütten
aus Plastik errichtet. Do rt sind sie ohne job und ohne jede Versorgung,
sie hungern und müssen sogar um Wasser betteln, andere stehlen. Vor
einigen Tagen sin d einige hundert von ihnen aus diesen Dörfern zur
Provinzhauptstadt marschiert, organisiert von den kleinen Gewerkschaften,
die sie unterstützen. Ein Großteil von den 1.200, die nur Papiere für die
Arbeit auf den Feldern von Huelva haben und von den Untern ehmern jetzt
verschmäht werden, machte bei diesem Marsch mit: vielleicht kriegen sie
bald, wenn die Pflanzen in voller Blüte steh en und jede Hand gebraucht
wird, einen job. Und sie werden die Lektion genau gelernt haben: Um
Erdbeeren zu pflücken, muß man sich nach vorne beugen - in demütiger und
unterwürfiger Körperhaltung.
Zwischenzeitlich haben die Bürgermeister und andere wichtige Kräfte in den
Dörfern der Umgebung e in hartes Durchgreifen und Abschiebungen
gefordert. Diese werden selektiv gehandhabt: Jeder, in dessen Gesicht das
Wort "Pro test" gesehen werden kann, wird abgeschoben. Obwohl die
Behörden in Huelva von 2.500 illegalen ArbeiterInnen in der Gegend a
usgehen, sorgen sie nicht für deren Abschiebung: Sie können noch als eine
Art Sklavenarbeitskraft in den wenigen Tagen nützlich sein, wenn die
Erdbeerfelder ihre volle Pracht entfalten. Wenn jemand immer noch Lust
auf Erdbeeren aus Huelva hat, dann hat er mehr als die Geschmacksnerven
verloren. 22.3.2002 , Ramón Germinal
4.- Faxnummer und Modellbrief
Schickt faxe an:
- Delegación del Gobierno en Andalucía, a la atención del Delegado del
Gobierno en Andalucía Sr. Torres Hurtado, FAX: 00 34 954234447 mailto:
dgaandal@andalucia.map.es - Ministerio del Interior, a la atención del Ministro del Interior D.Mariano Rajoy, FAX: 00 34 915371003 mailto:
subscre@amador.mir.es - Secretario de Estado para la Inmigración y la Extranjería, D.Enrique Fernández-Miranda, FAX: 00 34 915371465 mailto:
seextranjeria@amador.mir.es Mit Kopien an
Solidaridad@hotmail.com Unterstützungsgruppe
00 34 686 18 73 87
Solikonto:
Banque: La Caixa, N° de compte: 2100.18.2730.0100297754
COMUNICADO DE APOYO AL COLECTIVO DE INMIGRANTES ENCERRADOS EN LA
UNIVERSIDAD PABLO DE OLAVIDE EN SEVILLA.
El colectivo o la persona (le collectif ou la personne suivante)
________________________________ _________________
con sede en (résidant à)
________________________________________________________________________
_______
__________________________________________________________________________
________________ por la presente quiere mostrar su solidaridad con el
conjunto de trabajadores inmigrantes encerrados en la Universidad Pablo de
Olavide en la ciudad de Sevilla desde el pasado día 10 de junio, y
comparte con ellos sus justas reivindicaciones de regularización,
condición que se les niega sistemáticamente y que no les permite
trabajar con las mínimas garantías en el Estado español.
Nos solidarizamos a su vez con los trabajadores inmigrantes detenidos en
la ciudad de
Sevilla desde la realización del
encierro antes nombrado y condenamos la represión a la que somete este
gobierno a los trabajadores que luchan. Exigimos para ellos su inmediata
puesta en libertad. Expresamos nuestro más sincero rechazo a la Ley de
Extranjería y a cuantas leyes supongan restricciones en el derecho de
libre circulación de personas y anulación de derechos recogidos en la
Carta Universal de los Derechos Humanos, así como en la Constitución de
la que ustedes se han dotado, la cual reconoce como derechos fundamentales
el derecho a la libre asociación, manifestación o huelga, sin ir más
lejos. Consideramos que leyes y reformas restrictivas y represivas como
ésta sitúan a los inmigrantes ilegales en el blanco de la explotación
empresarial, la marginación y a condiciones de vida tan infrahumanas como
las que hemos presenciado a través de nuestros televisores de toda Europa
en los asentamientos de chabolas próximos a los pueblos freseros de
Huelva y en la propia capital, impropias de un país que se define en el
marco de la Unión Europea y que hoy por hoy ejerce su Presidencia.
Por todo ello expresamos nuestra solidaridad con esta protesta en la lucha
por la dignidad del colectivo de trabajadores inmigrantes: Papeles para
todos y todas. Derechos para todos y todas. NINGÚN SER HUMANO ES ILEGAL.
Unterstützungserklärung mit dem in der Universität "Pablo de Olavide" in
Sevilla eingeschlossenen MigrantInnenkollektiv
Die Gruppe oder Person _XXX_ wohnhaft in _XXX_ will mit dem vorliegenden
Schreiben ihre Solidarität mit der Gruppe der in der
ArbeitsimmigrantInnen ausdrücken, die sich seit dem vergangenen Montag,
dem 10. Juni, in der Universität Pablo de Olavide eingeschlossen haben,
und teile(n) mit ihnen ihre gerechten Forderungen nach einer
Regularisierung, eine Bedingung die ihnen systematisch verweigert wurde
und die es ihnen nicht ermöglicht mit den minimalsten Garantien im
Spanischen Staat zu arbeiten. Wir solidarisieren uns gleichzeitig mit den
seit dem oben genannten Einschluß in der Stadt Sevilla verhafteten
ArbeitsmigrantInnen und verurteilen die Repression, die diese Regierung
gegen die kämpfenden ArbeiterInnen begeht. Wir fordern ihre sofortige
Freilassung. Wir drücken unsere deutlichste Ablehnung des
Ausländergesetzes und aller anderen Gesetze, die die Restriktionen der
freien Zirkulation von Personen beschränken und der Annullierung in der
Universalen Menschenrechtscharta sowie in der Verfassung anerkannten
Rechte, die als grundlegende Rechte das Recht der freien Assoziation,
Demonstration oder Streik anerkennt, ohne weiter zu gehen. Wir betrachten
restriktive und repressive Gesetze und Reformen wie dieses, die illegalen
MigrantInnen der unternehmerischen Ausbeutung, der Marginalisierung und
derart unmenschlichen Lebensbedingungen ausliefern, wie wir sie durch
das Fernsehen in ganz Europa präsentiert bekommen, in den Siedlungen der
.... der Erdbeerarbeiter von Huelva und in der eigenen Hauptstadt,
unpassend für ein Land, das sich als Teil der Europäischen Union
definiert und das derzeit sogar die Präsidentschaft innehat.
Wegen all diesem drücken wir unsere Solidarität mit diesem Protest im
Kampf um die Würde des Kollektivs der ArbeitsmigrantInnen aus:
Papiere für alle
Rechte für alle
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen