Selbstgerechte Linke!?

Markus 11.06.2002 08:07
Eine wirre mehr oder weniger subjektive und pauschalisierte Kritik
Die (nicht nur radikalen) Linken in (nicht nur) Berlin klammern sich an die ueblichen Verdaechtigen, an die traditionellen Polit-Themen. Themen, die zweifellos sowohl Augenmerk als auch Aufschrei verdient haben. Leider nur hat jedes Land und jede Region der Welt derartiges en masse zu bieten und manchmal sind die Relationen, wie sehr einer Sache Beachtung geschenkt und eine andere garnicht wahrgenommen wird, nicht nachvollziehbar.
Bedient und unterwirft sich die Linke bei ihrer Solidaritaet nicht dem so kritisch beaeugten herrschenden Medienaparat? Warum kommen hauptsaechlich nennenswerter Protest und Widerstand im Einklang zu den von Spiegel, Tagesschau und Konsorten aufwendig servierten "Politleckerlis" zu stande - auch wenn sich die Linke genau entgegengesetzt positionieren mag? Gut, es gibt nennenswerte Ausnahmen bzw. Themen, die als Reisser laengst wieder aus der buergerlichen Presse verschwunden sind (und zumeist hin und wieder doch wieder mal kurz auftauchen) und in Teilen der Linken einglueck immer noch ein mehr oder weniger heisses Thema bleiben. Die Mumiasolidaritaet (die sowieso eine der wenigen besonderen Ausnahmen ist, weil so viel ich weiss tatsaechlich eine fast auschliesslich linksalternative Kampagne zu ihr fuehrte und der Unterstuetzerkreis nach wie vor stetig gross und fit zu sein scheint) und die Kurdistan- und Zapatistensolidaritaet fallen mir dazu gerade so ein, vermutlich nicht die best gewaehltesten Beispiele. Ich kenne mich auch nicht supertoll aus. Ein Gegenbeispiel waere der Crash der NY-Tuerme und seine Folgen oder der Israel-Palestina-Konflikt. Waehrend die USA und auch Israel (jaja) in anderen Laendern seit Jahren unkommentiert auf die Kacke hauen, springt die Linke auf die frisch servierten "Leckerlis" an, um sich selbstgerecht und bis zum Umfallen zu ereifern.
Und was ist gerade genau los z. B. in Afrika, in Indonesien, China, Bolivien oder im nahen Italien? Es gibt dazu genug Informationen, gerade zu Italien gab es spaetestens seit Genua haufenweise - aber ist "die Linke" in Bezug auf Italien ueber die Genua-Solidaritaet hinausgekommen? War da wieder dieser selbstgerechte Selbstidentifikationseffekt, der Solidaritaet anscheinend oft erst moeglich macht? Andere Welt - Scheuklappen auf. Ist die radikale Linke mit Ausnahme von Kommunisten eigentlich solidarisch mit der unterdrueckten Arbeiterklasse in z.B. Italien, oder sind Proleten so ganz out? Ich bin uebrigens auch ganz froh, dass sich nicht alle in allem auskennen (wollen), aber sich auf einem "schicken" Thema oder einer bestimmten schicken Sichtweise auszubreiten und fuer alles andere Scheuklappen aufzusetzen ist auch nicht das Gelbe vom Ei und hat mit Internationalismus, Antinationalismus oder der Weltrevoluzze nix zu tun.
Wenn im Zusammenhang mit Genua davon gesprochen wurde, dass die Gegenbewegung ohne die Riots kaum von den Massenmedien beachtet worden waere, trifft dies in anderen Bereichen leider auch auf die berlin-internationalistische Linke zu: Sie braucht einen richtigen Hammer. Eine Botschaftsbesetzung oder Flugzeugentfuehrung, die massenmordend beendet wird, ein Dorf, das bombardiert wird oder ein politischer Held, der ermordet wird. Dann finden Viele mal kurz zueinander und wirken vielleicht stark. Wie wuerde sich wohl der Tod des legendaeren mexikanischen Subcomandante Marcos in die Koepfe so vieler Linker brennen? Oder doch garnicht fuer besonders lange? Wovon haengt das ab? Und was ist mit einer geglueckten Flugzeugentfuehrung ohne Morde und Explosionen? Interessiert sowas oder ist es erstens unspektakulaer und zweitens prinzipiell kritisch zu beurteilen (wegen der Zivilisten) und daher nicht weiter beleuchtenswuerdig?
Und was ist eigentlich los mit der Antira-Bewegung? Warum rennen denn da hauptsaechlich aeltere und oftmals voellig ueberstresste Leute rum? Warum sind die Antira-Demos, die oft so gute Stimmung mit sich bringen, wie man sie auf vielen anderen Demos vermisst, so ultramaessig maessig besucht? Warum springen die meisten Jugendlichen dafuer so sehr auf z. B. die Antinazi- oder Antiatom-Agitation an? Nun, sicher auch eine Frage von Spass der dabei rumkommt - und der ist nicht zu verachten, aber ist heutzutage Spass DIE Motivation? Statt Fussball lieber Antifa?
Denn waehrend man sich gegen Faschos meist nichtmal so weit zu bewegen braucht, um ihnen dann ein schickes Plakat (welches mit einer spassigen Party finanziert wurde) vor die Tuer zu kleben oder die Scheiben einzuschmeissen, bedeutet solidarische Arbeit mit Fluechtlingen oft, sich konkret mit einer anderen Kultur auseinanderzusetzen, den Feind nicht serviert in Form eines Glatzarsches vor sich sehen zu koennen sondern im Gegenteil: einen Fluechtling zu sehen, der einem persoenlich nichtmal gefallen muss. Ja was sollen denn diese Mackersprueche? Und diese Frau ist auch nicht emanzipiert und die Goeren stressen ohne Ende... Diese Fluechtlinge koennen aber auch - aha! - sehr progressive Menschen sein, die dennoch andere Ansaetze haben, andere Gewohnheiten, und "schlichte" Beduerfnisse (die vielen vielleicht zu schlicht sind?) und vielleicht nur wenig Deutsch sprechen. Das ist zwar nicht so abschreckend wie der auslaendische Machoprolet aber immernoch unkonfortabel.
Sich mit einem anderen, fremden Menschen zu solidarisieren ist schliesslich viel schwieriger, als ihn zu hassen. Deswegen hassen wir lieber Faschos, reflexieren all das Boese auf sie, vergessen die Fluechtlinge (die zu hassen waere ja auch nicht korreckt) und solidarisieren uns mit Partnern und Freunden oder einer populaeren "Befreiungsbewegung", der man ja als solcher schon was nettes abgewinnen kann - zumal der Hasskappenkult ja mal sehr geil ist, ne. Dabei vergessen wir den Fluechtling nicht zuletzt auch deshalb, weil er in einer armseeligen Massenunterkunft (mit weniger Platz als der durchschnittliche deutsche Haushund) am anderen Ende der Stadt wohnt, in der man sich nicht wohl fuehlt. Der kommt schliesslich (ein Glueck?!) auch nicht zum Kaffee vorbei, er hat kein Geld fuers Ticket und wuerde durchs Schwarzfahren abgeschoben. Ausserdem wuerde er sich sowieso verirren, puuuuh.
Also bleiben wir lieber dabei, gegen den Krieg in Jugoslawien zu wettern aber den jugoslawischen Fluechtling zu ignorieren. Oder dem Glatzmann auf die Fresse zu hauen, weil das sowieso viel cooler ist, als alles andere und das Kampfsporttraining endlich praktisch erprobt werden kann.
Und wo man sich nicht mit kultigen und ideologisch auf den ersten Blick einwandfrei wirkenden Guerillas solidarisieren kann (was auch immer das heissen mag), ist es doch sowieso langweilig. Morde und andere Verbrechen an sich sind ja nicht spannend - auf die Verpackung kommt es an! Hollywood lebt! Die Rate politisch motivierter Morde in Kolumbien laesst das Chile unter Pinochet uebrigens fast harmlos aussehen. Aber genausowenig wie der Fluechtling vor unserer Tuer steht und uns erschuettert, fragend oder wuetend ansieht, genauso wenig sehen uns die blutigen Buchstaben eines Kolumbiens-Artikels in der TAZ fuer gewoehnlich an. Ganz selten mal, als Ausnahme. Genauso selten halt, wie es manch Fluechtling doch mal bis nach Mitte oder Kreuzberg schafft, um unseren antifaschistischen und internationalistischen Routine-Frieden zu stoeren. Zu stoeren? Ach das faellt garnicht auf, niemandem. Weder auf verirrt wirkende Berichte irgendwo noch auf traurige Gesichter - erst Recht von Auslaendern - zu reagieren, ist schliesslich angesagt. In-out-in-out. Wie war das noch mit der radikalen Linken? Kann auch nicht gerade beim Schoenheitswettbewerb gewinnen.
Verzehren wir uns lieber in Spaltung, als uns endlich mal gemeinsam aufzuraffen, sehen wir unserer Jaemmerlichkeit cool, selbstsicher, besserwisserisch und augenwischerisch entgegen. Fussball oder Internationalismus? Dass dies nicht selten das Gleiche ist, wissen wir alle gut.
Die berliner Linke - ein Witz fuer jeden Staatsschuetzer. Warscheinlich koennte der VS bald ne Demo in Berlin machen, von der die einen glauben, es sind Antideutsche und die anderen, es sind Anti-Imps. Und die naechsten denken vielleicht, dass es geschickte Nazis sind?
Da bin ich ja jetzt vom Hundertsten ins Tausendste gekommen. Macht nix, gibz mehr zum Gegenbruellen.
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Ergänzungen

Spalten Abspalten oder Zellteilung!

Dora 11.06.2002 - 10:21
So gesehen hat Spaltung auch was für sich, ohne Zellteilung kein Wachstum!

Kein Führer! Keine Macht! Kein Reich!

Lina 11.06.2002 - 10:25
Für Niemand!

Für Frieden! Für Freiheit! Für Gerechtigkeit! Weltweit!

Trara

Bertchen 11.06.2002 - 12:55
Naja, soviele sinds ja nun auch wieder nich die Antifa oder Anti-Atom machen, und vor allem aus dem Antifabreich kommen noch am Ehesten junge Leute die sowas wie Flüchtlingsarbeit versuchen (A3 und so). Die Frage der Bequemlichkeit und des Spaßes spielt aber sicher ne Rolle, aber wie mensch das ändern kann, weiß ich auch nich, is halt bequemer hier sich aufzuregen und zu labern als mal was zu machen...

ernstes thema

alle mal herhören 11.06.2002 - 13:34
gut geschrieben, markus, und wichtig. danke, mods, für´s hieven auf die erste seite. m.,schick´doch deinen text an die consulta-gruppe! auf der consulta-page ist übrigens auch schon ergänzendes zum thema zu finden [disko:ton-steine-sterben]:

 http://www.soziale-consulta.de/

ich, jedenfalls, bin mit markus einverstanden, und wünschte, das thema/die themen würden breit und weniger zynisch reflektiert.

alles durcheinander zu kritisieren....

Red*Rubin 11.06.2002 - 14:02
... ohne eine Dialektik, oder gar eine Analyse der bürgerlichen Gesellschaft ist subjektiv nett - aber keine Auseinandersetzung um Strategien und Taktiken der radikalen Linken! Und erstrecht nicht der Anfang einer sinnvollen Debatte. Wenn du z.B. einfach alles in den Teilbereichen - Antifa, Antira, AntiAtom - aufteilst, machste den selben Fehler, den du so richtig feststellst. Zum Beispiel bleibt die Frage was mit den Teilbereichen: PatriarchatsKritik, Anti-Antisemitismus und der Umweltschutz ....ist????

Definitiv habe ich auch einen Teilbereich vergessen... - mich törnen nämlich diese TeilbereichFreaks einfach ab!!!! Denn die Aufteilung in genau diese Teilbereiche ist einer der Identitätsfaktoren innerhalb der linksradikalen Szene. Und dadurch auch einer der Gründe warum die Einen nicht mit den Anderern können.

Dann zu dir und deiner Art die "radikale Linke" zu kritisieren. Zuerst bleibt immer feszuhalten - das jeder selber Schuld ist!!! Meckern ist nunmal einfach nur die verbale Aufregung um später einfach zu resignieren. Tu was. Organisier dich mit erfahrenen GenossInnen - debattiere mit radikalen linken - aber nicht auf Indymedia - dem Kotzkübel und "Glamour-Blatt" der radikalen linken....

Für eine radikal Linke!
Für den Kommunismus!

oh mann

Carl 11.06.2002 - 14:39
Ich stimm' dier da coll und ganz zu, aber ich hätte eine frage:
Bist du schon mal zu einer asyl-unterkunft gefahren oder hast dier einen ohne wohnung von der straße aufgelesen und in/sie eingeladen bei dir zu wohnen, das du ihnen hilfst wieder auf den eigenen beinen zu stehen? na?

Ich hoffe das dem so ist, das wäre eigeninitiative, dann hättest du was bewegt.
Aber es stimmt, es ist viel bequemer sich in wohl-beheizten räumen (oder sommerweise in welchen mit air conditioning) zu treffen und dann zu debattieren was in angola los ist.
Anstatt irgendjemandem zu helfen und dafür einen niedrigeren lebenstandard in kauf zu nehmen.

Genauso ist es einfachern irgendeiner NGO geld zu spenden (oder auch nicht, weil die ja so korrumpiert sind und blah blah blah) damit sie damit was tun, anstatt selber nach kolumbien zu fliegen und dort (mit der unterstützung einer NGO, vielleicht) zu helfen. Denn man hat ja, hier zuminndest.

Warum müssen wir uns zersplittern? Warum kann ein antifa nicht mit einem anarchisten und die beide nicht mit einem anti-atom fuzzi? Ich seh da peröhnlich kein problem.
Ja, es gibt leute mit denen man nicht kann und trotzdem arbeitet man für das gleiche ziel. Eine gruppe arbeiter in argentinien sind vielleicht sexistische machos, aber sie tun was.
Also warum verdammen wir sie, helfen ihnen nicht und schiesen uns damit ins knie? Aus emanzipatorischem prinzip? Prinzipien kann man nicht essen, prinzipien werden die welt nicht verändern.
Rassisten glauben aus prinzip nicht das schwartze zu irgendwas auser niederer arbeit wehrt sind, kommt euch da irgenwie ein gedanke?

Macht erst mal revolution, dann sehn wir weiter. Es wird immer leute geben denen man einfach ins gemächte treten will bis sie still sind, das werden wir schwer ändern können. Das verbietet aber nicht das man trotzdem zusammenarbeitet und was erreicht.

Unser jetziges ziel sollte sein, das kapitalistische, neo-liberale system der unterdrückung zu zertören, umwerfen, etc. Einfwach wegmachen, was wir danach tun, das sehn wir dann.

Und das dieses system scheiße ist, da stimmen wir doch überein, oder?
Also schwestern, brüder und andere, fast euch ein herz und einander hände. Packt's an und haltet die fresse bis ihr fertig seid, befreit den rohen felßkollos erst mal von dreck, schimmel und co. Dann könnt ihr streiten was ihr daraus machen wollt, denn alles ist besser als unterdrückung.

@antifarocker

11.06.2002 - 14:58
Hm, komisch dass Du selber einen Teilbereich in Deiner Mailaddy hast.

Meiner Meinung nach ist das Problem der Linken, dass sie sich auf Teilbereiche konzentriert z.B. Antifa oder Antisemitismus oder Palästina und dass Kapitalismuskritik nur noch eine Nebenrolle spielt. So wird nur noch Nazis hinterhergelaufen, irgendwelche Völker und Nationen als revolutionäre Subjekte missbraucht und überhaupt ist der Grund gegen Kapitalismus zu sein nur noch ein moralischer wie Auschwitz oder das Massaker in Palästina oder die Selbstmordattentate in Israel.

Es geht aber um mehr als um Israel oder Nazis oder Palästina etc. Es geht um Kommunismus, um eine Gesellschaft ohne Lohnsklaverei, ohne Krieg, ohne Völker, ohne Nationen, ohne Sexismus, Rassismus, Antisemitismus, usw.

Es geht darum, sich revolutionär zu organisieren, statt zu überlegen, ob ich nun für oder gegen Möllemann, für oder gegen Arafat/Sharon bin oder für oder gegen die USA oder Deutschland. Ich bin gegen alle Nationen und gegen alle Feinde der ArbeiterInnenklasse wie diesem ganzen PolitikerInnendreck! Unser Ausgangspunkt muss die Situation hier vor Ort sein, unser Ziel die revolutionäre proletarische Klassendiktatur, die Zerschlagung jeden Staates (bzw. Absterben des proletarischen Staates, der kein Staat im eigentlichen Sinne mehr ist).

Wer Antisemitismus, Sexismus etc. nicht auf Kapitalismus zurückführt, sondern vielmehr von bösen, deutschen, männlichen etc. Individuen ausgeht ist nicht ganz dicht in der Birne! Oder wer mit dogmatischer Antisemitismusbrille rumläuft (früher wars die Antisexismusbrille) und alle Dummköpfe als antisemitisch bezeichnet ist selber ein Dummkopf.

Deshalb: KommunistInnen und Anarchos gemeinsam organisieren und alles kurz und klein schlagen ;-) ihr wisst schon, Revolution machen!

Was noch viel heftiger ist...

Anarcho 11.06.2002 - 16:08
..sobald irgendwo Leute auffwachen und was tun will, kommt die Radikale und Linke tut alles, um das zu verhindern. Wahrscheinlich gehts darum, innerhalb der Szene sowas wie Hegenomie zu wahren und die Defionitionsmacht zu haben. Nach aussen hin heisst das dann "Bürgerlis angreifen!" oder "Reformisten raus". Wobei "Reformisten" alle heissen, die nicht von Geburt an die proletarische Weltrevolution mit der goldenen Partei an der Spitze wollen.

Buenaventura 11.06.2002 - 17:02
das lustige ist ja, dass die meisten Linken die ich kenne sehr korrekt sind, und eben keine Antideutschen, dummantiimps oder sonstige nichterwachsene sind. diese müssen sich eben besser organisieren und sich bemerkbar machen. ist ja auch klar dass es trotz allem viele Arschlöcher in der Linken gibt, die persönliche Defizite mit dem Ganzen kompensieren. das heisst aber nicht, dass antikapitalistisch und basisdemokratisch deswegen falsch ist.

Genau,

Der Papa 11.06.2002 - 18:09
mein Junge, leiste erstmal was bevor du hier rummeckerst!
Und was bei uns in der Familie passiert, das bleibt auch unter uns!

so persoenlich

markus 11.06.2002 - 18:15
da ich persoenlich angesprochen werde gehe ich darauf mal schnell ein.
natuerlich ist es einfacher zu meckern. ich kritisiere uebrigens auch mich dabei, kenne doch solche "klischees" auch von mir. dass manche leute sich gleich persoenlich angesprochen fuehlen und denken, ich wuerde alle anpinkeln und selber alles toll machen nur weil ich sowas schreibe, ist ein irrtum. einglueck darf ich sowas auch schreiben, wenn ich kein toller hecht bin.
natuerlich ist es einfacher zu labern. soll ich meine gedanken deshalb fuer mich behalten? wenn ich das gefuehl habe, jemand denkty ueber was nach (ich tue es sowieso) und daraus resultiert vielleicht was, denke ich garnicht so egoistisch. und richtig, als grundlage fuer gute diskos ist es schlecht; zu wirr, zu oberflaechlich. es ist ein denkanstoss, was daraus wird, ist eine andere sache.
ich teile auch nicht in rubriken/bereiche auf. ich nenne laengst existente als beispiele. die aufteilung gab es schon und die steht nach wie vor und anspruch auf vollstaendigkeit habe ich nie erhoben.
ja, ich war schon mal in einem fluechtlingsheim und habe mich mit einigen menschen dort auseinandergesetzt. eine erfahrung die sicher fuer jede linke person interessant und vielleicht wichtig ist. zum kaffee auf meine bude lade ich keine fremden leute ein, es sei denn, das ergibt sich so. normal. das ist ja auch okey. ich sage ja nicht, dass alle scheisse sind, die nicht durch die gegend laufen, um fluechtlinge, penner etc. zum kaffe einzuladen, nein! das ist doch viel eher auf diese denkschemata allgemein bezogen.
uns bekannte fluechtlinge haben damals uebrigens kaffee bei freundinnen getrunken, das war sicher fuer beide seiten eine coole erfahrung. ich hatte derzeit anderes zu tun.
so, mehr zu meiner persoenlichen rechtfertigung muss gerade echt nicht sein.
begreift den text als ganzen! ich kritisiere nicht leute, die keine antira-arbeit machen, wer bin ich denn?!
ich kritisere den mainstream!


hast scho recht

refuseresist 12.06.2002 - 00:23
hast schon recht, mit dem was du sagst, aber ich denke, es muss alles geben. die einen machen dies, die anderen das, der eine mit hasskappe, der andere ohne.

keiner kann alles machen, aber alles muss gemacht werden.

@ refuseresist Du hast es erfasst!

Dora 12.06.2002 - 10:46
Jeder macht was er will!
Keiner macht was er soll!
Aber Alle machen mit!

Für Frieden! Für FreiheiT! Für Gerechtigkeit! Weltweit!

Gibt´s das?

Jacob 12.06.2002 - 16:56
Hat auch nur eine/r von Euch, die Ihr hier fröhlich postet, tatsächlich begründete Hoffnung auf das, was Ihr propagiert resp. einfordert? Gibt es, in aller Ernsthaftigkeit!, jemanden, der/die an eine in absehbarer (d.h. erlebbarer) Zeit stattfindende Weltrevolution glaubt, der/die damit rechnet, dessen teilhaftig werden zu können?
Ist dies eine in akzeptablen Größen annehmbare Wahrscheinlichkeit?

Das ist zunächst einmal alles, was ich gern erführe, Euer Optimismus, so es denn welcher ist, hat mich nicht wenig beeindruckt.

Nee, das sind bloss Klischees

1 12.06.2002 - 18:11
es geht um konkrete Veränderungen hier und heute. Die sind möglich.

eindeutigkeit gibt es nicht

gris 12.06.2002 - 19:37
ich glaube daran, die revolution unserer leben erleben zu können. den rückschritt auch und auch die veränderung....ach, alles bullshit. ich glaube an die revolution weil ich nicht an sie glaube. das ist es. nein. aber wer lust hat, kann mal die ansichten eines todkranken dazu lesen: fritz zorn, "mars".

@ gris

grau 12.06.2002 - 19:47
ja, der zorn, fritz ist interessant......lass den lehrerton ruhig mal stecken. und danke für den artikel hier.

Glaube + Glaskugeln

Maike 13.06.2002 - 14:56
Für´s Glauben haben wir die Religion,
für´s Wahrsagen Tarotkarten
(die teurere Glaskugel ist im Etat nicht drin),
für Wahrscheinlichkeitsrechnungen die Mathematik
und für den ganzen Rest
- einschließlich der Politik -
geht´s darum, was wir wollen...

Wäre das nicht wunderschön, wenn die Haltung, vom Sessel aus zu spekulieren, wie die Zukunft wohl werden wird, über Nacht aus allen Köpfen verschwinden würde und ersetzt durch ein Denken, das uns für unsere individuelle Lebensgestaltung selbstverständlich ist: Da soll man Ziele haben und sich dann bemühen, sie zu erreichen. Realistisch ist, was in unseren Kräften steht und physikalischen Gesetzen nicht widerspricht. Wenn´s um die Entwicklung der Menschheit geht, dann sind es nicht unsere individuellen Kräfte, die den Ausschlag geben, sondern die kollektiven Kräfte der Menschheit. Und die wäre in der Lage, den Kapitalismus so lässig beiseite zu fegen, wie ich einen Pfennig wegschnipse.

Das Problem: Die wenigsten Menschen begreifen sich als Teil dieser riesigen Menschheit und verstehen, dass ihr Handeln oder Nichthandeln Teil von dem ist, was geschieht. Sie sitzen wie eine ziemlich überflüssige Sorte Götter vor´m Bildschirm - scheinbar außerhalb der Welt - und beurteilen die Menschheit moralisch.

@maike

markus 13.06.2002 - 21:52
recht haste und schoen geschrieben ist es ausserdem! :)