Manifestentwurf für eine soziale Menschheit

initiative menschliche emanzipation 06.06.2002 02:58 Themen: Soziale Kämpfe
Dass Demonstrationen allein uns nicht weiterbringen, wissen wir. Wie aber könnte eine Bewegung aussehen, die über die demonstrativen Proteste und den Sozialreformismus a la "Attac" hinausgeht? Der folgende Beitrag ist ein Versuch, den totalitären Alltag umzuwälzen. Wir müssen nur an unsere verloren gegangenen Utopien anknüpfen... und die Poesie der Zukunft zu reclamieren. Und anschließend brauchen wir nur den kleinen Schritt von "reclaim the brains" zu "reclaim the reality" weiterzugehen.Bitte bringt auch Eure Ideen hier ein, damit aus dem Entwurf ein Manifest entstehen kann, das sozial-emanzipatorischen Inhalt hat!Herzlichen Dank an alle im vorab, die produktiv daran mitwirken!
Dies ist ein Entwurf und wird noch innerhalb der darin geäußerten Ideen präzisiert. Daran könnt Ihr - auch mit weiteren Ideen - gern mitwirken.

Manifestenwurf für eine soziale Menschheit

Diese heute noch bestehende Zivilisation wurde vor ca. 2.500 Jahren durch die Unterwerfung von Frauen als erste Sklavinnen mittels Waffengewalt und Kriegen geschaffen. Die ursprünglichen Liebes- und Lebensgöttinnen wurden durch strenge und monotheistische männliche Götter ersetzt und aus Stämmen Völker unter der Diktatur von patriarchalen Tyrannen geschaffen. Von Anbeginn an war diese Zivilisation eine Militarisation, in der sich die militärisch Stärksten durchsetzten und allen anderen Völkern und später Nationen ihren "Stempel" - d.h. ihre Produktions- und Kriegsmethoden - aufdrückten. Die Rüstungsmittelproduktion gehörte damit stets zu einem der bedeutendsten Sektoren dieser "Zivilisation".
Aus Stämmen wurden Völker und aus Völkern Staaten, die durch Kriege geschaffen wurden. Auch der bürgerliche Nationalstaat entstand durch eine technologische und soziale Umwälzung sowie Kriege. Das Resultat davon: neue Unterdrückung und Tyrannei, ein Formwechsel und weitere Knechtschaft für diejenigen, die nicht über Eigentum und Produktionsmittel verfügten. Aus den Sklaven des Altertums wurden die Leibeignen, die vor ca. 200 Jahren zu Lohnarbeitern wurden. Sie - darunter inbesondere die Frauen - waren und sind die Leidtragenden dieser Ausbeuter- und Kriegszivilisation.
Je stärker sich, insbesondere seit dem letzten Jahrhundert, die Konkurrenz um die Welthegemonie zwischen den führenden Industrienationen sowie innerhalb der Ost-West-Dichotomie zwischen Nato und Warschauer Pakt zuspitzte, um so mehr wurde dieser Sektor ausgebaut und um so bestialischere Massenvernichtungsmittel (A-B-C-Waffen und Neutronenbombe) wurden hergestellt. Die Mittel dafür wurden den Arbeitenden abgepreßt, die immer mehr verarm(t)en. Dies bedeutet(e), daß jeder Lohnsklave einen immer größeren Teil seiner Lebensenergie für die ins Gigantische angewachsene Rüstungsmittelproduktion und Militärmaschinerie arbeiten muß(te), die jedoch nur dazu dient, die Interessen der Reichen und Mächtigen zu schützen und auszubauen. Dafür bauten sie sich ja seit der Antike den Staat mit seinem Gewaltmonopol auf.
Im Zuge des sogenannten "Neoliberalismus" - mitbedingt durch den Zerfall des Ostblockes - wurden immer mehr Rüstungsfirmen privatisiert bzw. lösten sich von staatlichen Kontrollmechanismen und begannen die Produktion und den Handel für Freischärlerbanden und Warlords, die in den zusammenbrechenden und durch frühere Kriege verwüsteten und verarmten Teilen der Welt ihre Raubzüge und Plünderungen begannen bzw. ausbauten. Größere Wirtschaftseinheiten wurden auseinanderdifferenziert und in vielen Ländern kamen diktatorische und faschistische Kriegsfürsten und Politiker an die Macht, die sich auf den völkischen Wahn stützten.
Der Sektor der Kriegswirtschaft (militärisch-technologischer Komplex) hat seit einiger Zeit völlig die Dominanz über alle anderen Wirtschaftszweige angetreten und treibt die Menschheit damit in den 3. Weltkrieg. Je mehr an Massenvernichtungsmitteln als "Angebot" produziert wird, umso mehr an Instabilität wird als "Nachfragefaktor" geschaffen. Sowohl der Zusammenbruch des Ostblockes (er wurde ja "zu Tode gerüstet") als auch das Kapitalverbrechen des 11. September 2001 sind Resultate dieses Strebens nach Macht und Weltbeherrschungswahn sowie der Kapitalreproduktion und damit verbundenem Konkurrenzkampf mittels militärischem Overkill.

Doch gehen wir nun auf die Anti-Kriegs-Bewegung ein, die ja vom Anspruch her dem Krieg Einhalt gebieten will:
"Macht Schwerter zu Pflugscharen !" - "Umwandlung der Rüstungsmittelproduktion!" war und ist eine Forderung der Anti-Kriegsbewegung. Oder auch: "Make love - not war!" Und dies sind sie immer noch. Aber aus den Worten und Appellen müssen Taten folgen: Die Anti-Kriegs-Bewegung müßte zu Rüstungsmittelfirmen gehen und die dort Arbeitenden bitten, die Arbeit niederzulegen und sich nicht mehr an der Waffenproduktion zu beteiligen ! Sie sollten statt dessen sozial sinnvolle Produkte herstellen! Desweiteren muß der Nationalstaat, in dessen übergeordnetem Interesse die Kriege angezettelt werden durch einen breit angelegten Steuerboykott "sozialisiert" werden.
Und damit das "make love" gesellschaftliche Realität erlangt: Wir müssen uns Zeit für uns und die dazu notwendigen Mittel (gutes Essen, menschenwürdigen Wohnraum und eine soziale Kultur) freundlich-freundschaftlich aneignen. Noch befinden sich diese (Re-)Produktionsmittel in den Händen einer kleinen und profitgierigen Minderheit sowie dem Staatsapparat, der uns im Kerker fremdbestimmter Arbeit und seines Marktes hält.
Wir arbeiten - arbeiten - arbeiten...... - und ..... zahlen, zahlen, zahlen .....immense Steuern - obwohl dieser Staat aus Steuermännern besteht, die längst die Orientierung verloren haben, wohin sie das Boot - in dem wir ja angeblich alle sitzen - steuern. Ferner weigern sich die Unternehmen sowie der Staat, uns mitzuteilen, wohin die uns abgepreßten Steuermittel fließen. Es scheint sowohl im Staat wie auch bei den herrschenden Parteien ein schwarzes Loch zu geben, in dem sich Schwarzgelder angehäuft haben, die uns als Schulden aufgebürdet werden.
überhaupt ist der Schuldenberg - mitbedingt durch die Rüstungproduktion und Kriege - ins nicht mehr abzahlbare angestiegen. WIR dagegen haben kaum noch das Existenznotwendigste. Durch die Steuererhöhungen und Währungsumstellung ist unser Realeinkommen sehr geschrumpft. Statt uns jedoch dagegen zu wehren, spitzt sich der Kampf um "die Futtertröge" zu und der Alltagsterror des jeder gegen jeden nimmt zu. Die strukturelle Gewalt manifestiert sich in allen Poren und Fasern dieser Konkurrenzgesellschaft.
Warum tun wir das, d.h., warum wirken wir immer noch daran mit? Schon Kleinkinder werden von ihren Eltern dazu erzogen, den abstrakten Gesetzen der Wirtschaft zu gehorchen und die soziale Fähigkeiten, Mitleid und LebensLUST wird ihnen ausgetrieben. Dies führt zu Gleichgültigkeit und Sadismus oder auch blinder Wut mit Vernichtungswahn. Viele folgen also dem Verhalten, was ihnen antrainiert wurde, um in der Konkurrenzgesellschaft bestehen zu können.
Doch nicht alle sind so willenlos und abgestumpft ! Seit längerer Zeit schon - für den Beginn steht Seattle - gehen engagierte Menschen immer öfter in allen Ländern der Welt auf die Straße und Arbeiter/innen treten in den Streik, um massiv gegen ihr soziales Elend sowie die Kriege und ihre Folgen zu protestieren. Leider fallen sie zumeist jeweils nach der Beendigung der Streiks sowie den Demonstrationen in den Alltagsk(r)ampf der totalitären Sachzwänge zurück und die Mittelschichten mit ihren Politikern (wie z.B. "Attac"), die über mehr Zeit und Mittel verfügen wie die Arbeiterschaft, versuchen sich an die Spitze der Bewegung zu stellen, um sie gemäß ihren sozialreformistischen Interessen zu benutzen. Sie halten die Bewegung, die sich "peoples global action" nannte, im Feld der bürgerlichen Ökonomie und seines Staates, und sehen die Ursache des Übels nicht in der Wertproduktion, sondern der Verteilung/Zirkulation. Wir dagegen wissen, daß sich eine Veränderung, eine andere Welt und soziale Menschheit nur durch eine grundlegend andere Produktion bewerksstelligen läßt. Wir müssen zu einer Produktion übergehen, die sich an dem sozialen und genußvollen Bedürfnis der gesellschaftlichen Individuen orientiert. Wir sind auch dazu genötigt, unseren normierten/normierenden Alltag und die entfremdete Arbeitsgesellschaft umzuwälzen.
Wir müssen wieder anfangen, Haus- und Stadtteilgemeinschaften und solidarischen Kollektive zu bilden, die den Menschen als Menschen achten und auf seine/ihre Bedürfnisse eingehen. Wir dürfen die entfremdende Wissensvermittlung in den Schulverblödungsanstalten (siehe PISA) sowie Universitäten nicht mehr mitmachen! Wir dürfen auch die entfremdete und ausbeuterische Arbeit nicht mehr tolerieren und erst recht nicht mehr diese Militärmaschinerie Staat über und gegen uns dulden! Wir sollten auch nicht mehr dulden, daß die Grundstücks-, Haus- und Immobilienbesitzenden - obwohl die Investitionen zum Bau der Häuser zu großen Teilen aus Steuermitteln kamen und längst ausgeglichen sind - uns immer noch enorme Summen von Mietzahlungen abpressen.
Die Persönlichkeiten der HERRschenden Klasse tun dies jedoch nicht aus Bösartigkeit, sondern weil sie "es" nicht anders gelernt haben. Sie meinen, daß Eigentum dazu verpflichtet, immer mehr an Reichtum anzuhäufen und ergötzen sich sogar in der "Verantwortung", Arbeitsplätze zu schaffen bzw. einem "Sozialstaat" zu dienen, der doch in Wirklichkeit zu einer Vernichtungsmaschinerie geworden ist.
Diesen falschen Zahn müssen wir ihnen schnellstens ziehen und ihn durch einen Weisheitszahn er-sie-setzen! Weisheit bedeutet: daß es vernünftiger ist, vom armseeligen Reichtum befreit zu werden statt in ihm umzukommen. Wir bieten ihnen an: sie können innerhalb der Transformation der Weltgesellschaft in die reichhaltige und vielfältige menschliche Gemeinschaft und Gattung eintauchen und darin mitwirken.
Aber auch DU fährst viel leicht - bzw. -schwer schon seit etlichen Jahren auf dem gleichen Gleis der Gewohnheit und Abgestumpftheit mit einem Zug, dessen Lokführer Dir einst versprach, Dich (und Deine Kinder/Familie (?)) in eine schöne Zukunft zu fahren.... und nun verdrängst Du, daß der Zug dabei ist in den Abgrund zu rasen.... !!! Noch besteht die Möglichkeit, daß wir ihn stoppen ! Die Notbremse ist unser kollektiver und breiter Widerstand gegen die Kriegsbarbarei, der sich jedoch nicht mehr mit harmlosen Demonstratiönchen und Appellen begnügen darf !
Da der Krieg aus der Grundstsruktur der bürgerlichen Gesellschaft erwächst und wir eine neue Perspektive entwickeln müssen, müssen wir uns auch klar werden und uns dazu verständigen, wie eine neue Gesellschaft, die auf assoziierter und sinnvoller Produktion beruht, aussehen soll. Dies bedeutet, daß wir an unsere verloren gegangenen sozialen Utopien anknüpfen und daraus ein Ziel formulieren sollten, das den konkreten Menschen ( - DICH - ) zum Inhalt und Bedürfnis hat ! Dies heißt, daß wir uns dazu verständigen müssen, was WIR (Du und ich und er und sie) zum LEBEN brauchen.
Jetzt hol einfach mal tief Luft, entspanne Dich und versuche Dich daran zu er-sie-innern, was Dich glücklich macht und was Du dazu brauchst! Welchen Lebens-Wunsch hattest Du z.B. in Deiner Kindheit/Jugend? Welche Arbeitsprodukte und Arbeiten findest Du sinnvoll? Wie würdest Du gern leben und arbeiten? Was sollte sich in Deiner Arbeit und Deinem Leben verändern? Frage Dich und Deine/unsere Kinder und schreibe das auf! Bitte schicke das an uns, damit wir uns dementsprechend vernetzen und dies dann später als assoziierte Produzenten füreinander produzieren bzw. „ins Werk setzen“ können.

Hinaus aus der Schuld(en)-Falle - hinein ins Vergnügen !
Sofortige Schuldenstreichung für alle !
Kreativer Anti-Generalstreik zur Beendigung der Militarisation !
UMWANDLUNG DER RüSTUNGSMITTELPRODUKTION !
AUFBAU VON SOZIALEN PRODUKTIONSRäTEN !

Diskussion zu diesem Entwurf: am 12. Juni um 20 Uhr, Berlin, Mehringhof, "Blauer Salon", Gneisenaustr. 2a

Nehmt auch bitte Teil an folgenden Aktivitäten/Demonstationen:

Aktionstag gegen die Streichung der Arbeitslosenhilfe, Freitag, den 7. Juni 2002, 11 Uhr Willi-Brandt-Haus, Berlin, Stresemannstr./Wilhelmstr.

Mittwoch, den 12. Juni 2002 um 16 Uhr, Berlin-Alexanderplatz, Demonstration der Erzieher/innen, Sozialpädagog/innen, Lehrer/innen, Wissenschaftler/innen, Eltern und Kinder gegen die Sparmaßnahmen im Sozial- und Bildungsbereich

"Auf, auf zum fröhlichen Sammeln", Donnerstag, den 13. Juni, 17 Uhr, Berlin, Potsdamer-Platz, Kleidersammlungsabgabe an die Spitzenpolitiker, damit sie die 12 Millionen Euro Zulagen für (Re-)Präsentationszwecke dem Kinder- und Jugendbereich zur Verfügung stellen, Aktionsidee: Aktionsbündnis gegen die Streichungen im Kinder- und Jugendbereich.

initiative menschliche emanzipation, Mai 2002, email: menschl.emanzipation@gmx.de
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Schöner Ansatz

Maike 12.06.2002 - 15:36
Das hier gefällt mir aber mal wirklich gut!