Kurzer Bericht vom ersten Streiktag in Köln

Oigen 05.06.2002 11:52 Themen: Bildung
Dienstag der 4.6.2002 war der erste Streiktag des einwöchigen Streiks an der Uni Köln.
Erfreulich viele Studenten/innen beteiligten sich aktiv an den Streiks und den Aktionen. An den verschiedenen Fakultäten bildeten sich AG´s die sowohl verschiedene Aktionen koordinierten, als auch autonome Referate zum Themenkomplex der Bildungspolitik durchführten.

Über das gesamte Stadtgebiet kam es zu verschiedensten Aktionen, u.a. fanden mehrere "Spaziergänge" statt, wichtige Kreuzungen wurden blockiert etc. Die Polizei verhielt sich dabei bis jetzt meist sehr zurückhaltend, wenn sie auch bereits "schwereres Gerät" auffuhr. Seit heute morgen stehen aber in unmittelbarer Uninähe bereits einige Wannen die vollgeladen sind mit Cops, trotzdem sind weitere Spaziergänge für heute geplant.

Am Neumarkt putzten Studenten/innen Autos um ihr Studium symbolisch zu finanzieren, in der Schildergasse (Fußgängerzone) putzten andere wiederum Schuhe. Die Reaktionen waren meist positiv und unterstützend.

Eine Gruppe versuchte den WDR zu besetzen, was aber wohl nur teilweise und zeitweise gelang.

Heute und die nächsten Tage wird es kämpferisch weitergehen, für geplante Aktionen siehe Webpage des AStA.

Die gestrige VV hat sich solidarisch mit den Angestellten des Kölner Studentenwerks erklärt, die von den Kürzungen ebenfalls betroffen wären. Ver.Di unterstützt zumindest verbal den Streik der Uni Köln, die VV forderte Ver.Di dazu auf auch Taten folgen zu lassen.

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Uniweite Vollversammlung verabschiedet folgenden Brief : (2)


„Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Clement!

Die Vollversammlung der Studierenden der Universität zu Köln hat mit Bestürzen die Pläne der Landesregierung zur Kenntnis genommen, Verwaltungs-, Langzeitstudiums-, Seniorenstudiums- und Zweitstudiumsgebühren in Nordrhein-Westfalen einführen zu wollen. Darüber hinaus sollen die Zuschüsse an die Studentenwerke durch die von Ihnen geleitete Landesregierung gestrichen werden, so dass weitere Kosten auf die Studierenden zukommen. Die Studierendenschaft lehnt diese Pläne – wie aus der am 28.05.2002 von einer uniweiten Vollversammlung mehrheitlich angenommenen Resolution hervorgeht – ab. Wir fordern Sie und die Landesregierung auf, die oben genannten Pläne zurückzunehmen! Sollten Sie dies nicht tun, so müssen Sie weiterhin mit erheblichem Widerstand der Studierenden rechnen.

Sehr geehrter Herr Clement, wenn Sie sich nicht in der Lage sehen, die Gebühren- und Streichungspläne zu Lasten der Studierenden zurückzunehmen, dann fordern wir Sie auf, diese auf einer Veranstaltung an der Universität zu Köln vor den Studierenden zu erläutern und zu verteidigen! Wir laden Sie daher herzlich ein, in der Woche vom 10.-14.06.2002 eine Veranstaltung zu Ihren Plänen an der Universität zu Köln durchzuführen und freuen uns auf eine schnelle Antwort.


Mit freundlichen Grüßen,

die Studierendenschaft der Universität zu Köln



Anlage: Resolution vom 28.05.2002“
[04.06.2002]



Uniweite Vollversammlung verabschiedet folgenden Brief : (1)


Solidaritätsadresse an die Beschäftigten der Studentenwerke in NRW


Liebe Kolleginnen und Kollegen der Studentenwerke,

wie wir erfuhren, seid auch Ihr direkt von den Sparplänen der Landesregierung NRW betroffen.

Das Land will 2003 1,4 Milliarden Euro einsparen. Das Geld soll da geholt werden, wo es ohnehin schon knapp ist: Durch Studiengebühren bei uns Studierenden und durch Lohnabsenkung und Arbeitsplatzabbau bei Euch. Personalräte der Studentenwerke befürchten, dass die Streichung oder „Reformierung“ des § 14 im Studentenwerksgesetz, der den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Studentenwerke den Status als öffentlich Beschäftigte sichert (und damit den BAT und MTArb), zu Lohneinbußen von bis zu einem Drittel bedeuten wird. Die Streichung der gesamten Landeszuschüsse, die einfünftel des Etats der Studentenwerke ausmachen, würde nach ver.di auch betriebsbedingte Kündigungen unumgänglich machen, die Arbeitsbedingungen würden sich weiter verschlechtern. Im Gespräch ist auch, die 40-Stunden-Woche wieder einzuführen... Auch dem Verkauf von Mensen und Wohnheimen an private Betreiber, die Profit erwirtschaften wollen, würde durch diese Pläne Tür und Tor geöffnet werden. Wir würden das durch höhere Preise ausbaden müssen und Ihr mit weiteren Einschnitten an Eurem Arbeitsplatz.

Solche Pläne gehören dahin, wo sie auch wirklich hingehören: Auf den Müllhaufen – wir werden sie nicht akzeptieren! Eurer Situation gilt unsere ganze Unterstützung und Solidarität. Mit unserem Streik wollen wir in der Öffentlichkeit auch auf Eure Belange hinweisen. Einen Beitrag zur Verteidigung Eurer Lebens- und Arbeitsbedingungen zu leisten, liegt uns genauso am Herzen, wie die Verhinderung von Studiengebühren. Lasst uns gemeinsam gegen diese Kürzungen kämpfen, sind wir doch alle von ihnen betroffen!

Mit solidarischen Grüßen,
die StudentInnen der Universität zu Köln

- Beschlossen auf der Vollversammlung am 4.Juni -
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Ergänzungen

Auch lustig war ...

sOUL 05.06.2002 - 13:03
... die kurzzeitige Besetzung der Aachener Straße vor dem RTL Gebäude nach der Spoho VV. Beide Seiten und die Straße ist sehr stark befahren. Ich würde mal glatt 1000 - 1500 Studies schätzen und das war nur spontan. Hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht. Die haben sich zwar ziemlich leicht von den Bullen (Prügelhundertschaft vorm Eingang) vertreiben lassen, war aber ja auch erst der Anfang und läßt stark hoffen. Mal schauen was heute geht. Wie wär's mit 'ner RTS durch Kölle? Ich fänds klasse zumal sich da auch bestimmt Leute finden würden.

Presse kippt etwas

derBorst 05.06.2002 - 13:54
Wenn man mal die Presse bei "Paperball.de" verfolgt, so ist langsam zu beobachten, wie sich Sorge einschleicht. Zunächst nach den ersten Streiks, waren es noch die lieben Studis, die mal ein wenig aufmüpfig sind. Mittlerweile kommen jedoch auch zweifelnde Töne, z.B. in Bezug auf die Gewaltfrage. Noch wird der friedliche Charakter der Demos betont. Auch Zweifel der Studis, die vielleicht "ein Semester verlieren" werden beschrieben.

Dies ist erklärbar: schließlich könnten sich die Studis mal Gedanken über gesellschaftliche Alternativen oder radikale Kritik machen, hetzen sie nun nicht mehr den Scheinen hinterher, sondern tauschen sich aus.

Mal schauen, wie lange das alles noch wohlwollend abläuft. Wenn die NRW regierung clever wäre, würde sie die Gebühren abblasen, dann wäre der Protest seiner derzeitigen Grundlage beraubt. Setzt sie auf stur, kann das Ding richtig abgehen...

Dann wäre es aber gut, wenn der Protest eine antikapitalistische Stoßrichtung bekommt, sonst bleibt wieder alles auf Uni etc. beschränkt.

sponatane Demo

05.06.2002 - 16:29
heute mittag über chlodwigplatz bis barbarossaplatz, so 1500 leute werdens gewesen sein, morgen 12:30h demo von der uni köln aus, kommt alle!!!!!

Kapitalismus is Godzilla!

Sascha 06.06.2002 - 10:03
Der Protest wird eine antikapitalistische Richtung bekommen!
Kommt alle zur NRW-weiten Demonstration gegen Studiengebühren "education is not for sale!" am Samstag, 8. Juni um 13.30 Uhr Düsseldorf Hbf.

Beteiligt euch am antikapitalistischen Block
"Her mit dem schönen Leben für alle!"

Es rufen auf:
Antifa-Referat Uni/GH Duisburg, Antifaprojekt an den Aachener Hochschulen, Antifa-Projekt AStA Sporthochschule Köln, Fachschaft 7/1 RWTH Aachen, Antifa-KOK Düsseldorf, FAU Düsseldorf, Junge Linke Wesel u.a.