Demo gegen Ausreisezentren in München

In München ruft ein großes Bündnis aus mehr als 40 Gruppierungen unter dem Slogan "Deutschland - Lagerland" zu einer Demonstration auf: Gegen Ausreisezentren und für das Recht auf Freizügigkeit.Termin: Samstag, den 25.05.02 um 12.15 Uhr am Karlsplatz in München
Ausreisezentren sind Unterbringungslager für abgelehnte Asyl-bewerberInnen, die aufgrund fehlender Papiere nicht abgeschoben werden können. Sie werden dort zentral untergebracht, mit dem Ziel, solange beratend auf sie einzuwirken, bis sie "freiwillig" ausreisen, als Illegale untertauchen oder eine Botschaft eines potentiellen Heimatlandes bestätigt, dass es sich bei der jeweiligen Person um eine/n StaatsbürgerIn dieses Landes handelt.

Was harmlos klingt ...

Die Arbeit mit den in Ausreisezentren Untergebrachten soll dazu dienen, dass sie ihre Energien nicht mehr dazu verwenden, ihren Aufenthalt in Deutschland zu verlängern, sondern ihre Rückkehr zu planen. Was harmlos klingt, entpuppt sich als Alptraum. In diesen Ausreisezentren landen Menschen, denen unterstellt wird, ihre Herkunft zu verschleiern und an der Passbeschaffung nicht mitzuwirken. Diesen Menschen wird aber auch gar nichts geglaubt, sie wohnen unter ärmlichsten Bedingungen in diesen Lagern und erhalten nichts außer drei Mahlzeiten am Tag. Alle anderen sozialen Leistungen, insbesondere das dürftige Taschengeld von 40,- Euro nach Asylbewerberleistungsgesetz, entfallen ganz. Sie unterliegen einer regelmäßigen Meldepflicht, werden von Sicherheitsdiensten fortwährend kontrolliert und von MitarbeiterInnen der Ausländerbehörden verhört und unter Druck gesetzt, Deutschland zu verlassen.Diese Zentren dienen dazu, den Druck auf Flüchtlinge deutlich zu verstärken, denn, so der zuständige Ministerialrat im Bayerischen Innenministerium Steiner: "Ohne Druck geht gar nichts". Durch die Umwidmung bereits bestehender Unterkünfte für AsylbewerberInnen in Ausreiseze-tren lassen sich mit geringem finanziellen Aufwand sehr viel mehr Menschen an wenigen Orten konzentrieren und unter Druck setzen, als dies mit der Abschiebehaft bisher möglich ist. Das der ausgeübte Druck nur in wenigen Fällen zur tatsächlichen Ausreise führt, ist Nebensache. Wie in einem Zwischenbericht eines Modellversuchs in Rheinland-Pfalz zu lesen war, wird selbst die Flucht aus den Ausreisezentren und das Abtauchen in die Illegalität als Lösung des Problems eingeschätzt, da dann keine Sozialleistungen mehr für die Flüchtlinge zu zahlen sind.

... entpuppt sich als Abschiebegefängnis light

Teile von Union und SPD bewerten die Idee der Ausreisezentren positiv, da dadurch entwürdigende Abschiebehaft vermieden werden soll. Dieser Gedankengang ist durchaus nachvollziehbar, wenn man voraussetzt, dass Ausreisezentren die Abschiebehaft ersetzen. Aber noch kein Bundesland hat nach Einführung der Ausreisezentren die Abschiebehaft abgeschafft, diese waren immer Ergänzung zur sonstigen Demoralisierungs- und Entwürdigungsmaschinerie. Das bestätigt auch Ministerialrat Steiner, der auf die Anfrage, ob Ausreisezentren die Abschiebehaft ersetzen sollen, antwortete: "Natürlich nicht!"
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Ergänzungen

30.05.2002 - 15:46
demo gegen ausreisezentrum und abschiebeknast ingelheim bei mainz, samstag, 29.06.2002/14:00 uhr bahnhof ingelheim, näheres unter  http://ingelheim.afaktion.de

Nach der Demo a, 25. 5.: Wie weiter?

clandestino 03.06.2002 - 18:42
Ich denke, ingesamt war die Demo am 25. 5. ein guter Erfolg für eine Selbstorganisation von Flüchtlingen und antirasissistischen Linken hier in München. Jetzt kommt es darauf an, weiterzumachen. Immerhin sollen in nächster Zukunft die ersten Flüchtlinge hier in Bayern in die neuen Internierungslager geschickt werden. Und auch ansonsten gibt es genug zu tun gegen den rassistischen Alltag in diesem Land. Ein konkrteter Ansatz für weitere Aktivitäten in München: Anfang September soll die bundesweite Karawanetour 2002 nach München kommen.

Deshalb:
Die Karawane München lädt für Donnerstag, 6.6., ab 19 Uhr 30 zu einem offenen Treffen im Eine Welt Haus, Schwanthalerstrasse 80, um gemeinsam zu diskutieren, wie die Demo am 25. 5. gelaufen ist und wie wir in München weitermachen wollen.

Bis denne
einer aus der Karawanegruppe