1. Mai in Belgrad
Proteste gegen Privatisierung in Jugoslawien
In Belgrad haben heute etwa 5.000 Menschen gegen die neoliberale Wirtschaftspolitik der Regierung demonstriert. Zur 1. Mai Demo hatte die Gewerkschaft Nezaviznost (Unabhaengigkeit) aufgerufen. Gekommen sind hauptsaechlich ArbeiterInnen aus Belgrader Grossbetrieben und GewerkschafterInnen aus anderen Staedten Serbiens. Die neoliberale Regierung von "german boy" Zoran Djindjic forciert derzeit die Privatisierung der Betriebe, die sich zum grossen Teil noch in gesellschaftlichem Eigentum befinden. Ueberall in Belgrad haengen Plakate, auf denen die Privatisierung als Allheilmittel angepriesen wird. So lauten die Slogans zum Beispiel "Zasto Privatizacije? Zelim da zivim normalno" (Warum Privatisierung? Weil ich normal leben will.) Dahinter ist eine glueckliche Familie zu sehen. Die Privatisierungspolitik wird allerdings die Entlassung von tausenden ArbeiterInnen bedeuten, was die ohnehin deprimierende soziale Situation, der monatliche Durchschnittslohn betraegt hier etwa 200 DM, fuer viele Leute noch weiter in Richtung Desaster veraendern wird. So richtete sich die 1. Mai Demo hauptsaechlich gegen diese zu erwartenden sozialen Auswirkungen der Regierungspolitik. Waehrend Nezaviznost hauptsaechlich eine sozialdemokratische Politik verfolgt, haben heute auch Linksradikale den antikapitalistischen Protest auf die Strasse gebracht. Auf der Demo bildete sich ein kleiner linksradikaler Block aus Anarchosynikalisten, anti-nationalistischen Kommunisten der Partija Rada (Arbeiterpartei) und anderen Linksradikalen, die keiner Gruppe angehoeren. Der Block wurde durch Leute aus Timisoara (Rumaenien) und Skopje (Mazedonien) verstaerkt, die zum 1. Mai nach Belgrad gekommen sind. Auf der Demo machte sich der Block lautstark bemerkbar. Flugblaetter der linksradikalen Kampagne gegen Privatisierung (protiv Privatizacije), die den Kampf gegen Privatisierung mit einer anti-kapitalistischen Perspektive verbinden, sind sehr aufgenommen worden. Bereits in den vergangenen Tagen sind zahlreiche der Regierungsplakate mit schwarz-roten Farbeiern beworfen worde. Nach 15 Jahren national-populistischem Autoritarismus unter Milosevic und der NATO-Aggression 1999 sind die Menschen in Serbien jetzt mit der neoliberalen Politik Djindjics und der neokolonialen Kontrolle durch NATO und EU konfrontiert. Der heutige 1. Mai hat deutlich gemacht, dass ein anti-nationalistischer, sozialrevolutionaerer Widerstand trotz allem moeglich ist und Zukunft hat.
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Ergänzungen
Danke für diesen Bericht
Vielen Dank für diesen Beitrag
Na ja
Ueber die Privatisierung kann man sich aergern, da man dann wohl den Job verliert. Andererseits ist es auch betriebswirtschaftlich voellig sinnlos Betriebe, die seit Jahren pleite sind und nichts, aber auch gar nichts produzieren was man irgendwie auf dem Markt verkaufen koennte, durchzuschleppen, nur weil sie Gemeineigentum sind. Gemeineigentum das einfach nur weiter den Schuldenberg erhoeht, ist dem Gemeinwohl nicht unbedingt dienlich. Ob man nun die X DM fuer's gemeinschaftliche Nichtstun nu von der Firma oder von der Stuetze kriegt, ist eigentlich auch egal.
Man muesste die Betriebe aber ziemlich stark schminken, damit sich Kaeufer finden. Ich nehme an, dass das meiste Geld mit Monopolaehnlichen Lizenzen gemacht werden wird, wie beim Verkauf der PTT an Italiener. Und mit dem einzigen Exportgut des Landes: mutmasslichen Kriegsverbrechern. Aber beide Quellen werden in nicht weiter Ferne versiegen. Bis dann muss entweder die Privatisierung Fruechte tragen, oder die Menschen flippen halt mal wieder aus und machen mal wieder Krieg.
aber in 50 Jahren sollte sich die Lage wieder gebessert haben. Vielleicht 70, wenn mal wieder ein Patriot an die macht kommt und alles versaut.
Rob stopp mit Kolonialrassismus
Mehr davon!
Danke das Du was dazu gemacht hast. Ist echt wichtig, daß man mal auch aus Serbien hierzulande was hört. In diesem Land finden derzeit genau die Umbrüche statt, die auch in Ostdeutschland vor 10 Jahren begannen. Natürlich mit einem ganz anderen Background. Also bleib mal bitte an der Sache dran und schreib bei Gelegenheit wieder was über die Situation in Serbien und die Lage der dortigen linken Oppositionsbewegung. Grüße
Jugo-Infos
Rob?was heis das