Zweiter Überblick zum Generalstreik in Italien

FAU-Info 16.04.2002 23:42 Themen: Soziale Kämpfe
16. April. Italien erlebte heute den größten Generalstreik seit 20 Jahren. Millionen von Streikenden brachten das Land für 8 Stunden praktisch zum Erliegen. Begleitet wurde der Streik, der von den drei großen Gewerkschaften fälschlicherweise als "erster Generalstreik seit 20 Jahren" deklariert wurde, von dutzenden von Demonstrationen und anderen Aktionen, an denen sich mindestens zwei Millionen Menschen beteiligten.
16. April. Italien erlebte heute den größten Generalstreik seit 20 Jahren. Millionen von Streikenden brachten das Land für 8 Stunden praktisch zum Erliegen. Begleitet wurde der Streik, der von den drei großen Gewerkschaften fälschlicherweise als "erster Generalstreik seit 20 Jahren" deklariert wurde, von dutzenden von Demonstrationen und anderen Aktionen, an denen sich mindestens zwei Millionen Menschen beteiligten.

Die heutigen Aktionen waren im Grunde das Resultat von mindestens zwei Initiativen. Auf der einen Seite der Aufruf der drei großen traditionellen Gewerkschaften (CGIL-CISL-UIL), die zu einem Generalstreik gegen die Pläne der italienischen Regierung, den Artikel 18, der den Kündigungsschutz regelt, aufgerufen hatten.

Die zweite Mobilisierung kam von Seiten der sog. Basisgewerkschaften, wie COBAS, SLAI-COBAS, Unicobas, RdB, SinCobas, Sulta, CNL, CUB etc. Für diese Mobilisierung gab es weitergehende Aufrufe, die neben dem Artikel 18 auch den Angriff auf die Pensionen, die zunehmende Prekarisierung und die Forderung nach einem Ende des Krieges zum Inhalt hatten. Die Basisgewerkschaften hatten bereits am 15. Februar zu einem Generalstreik mit weitgehenden Forderungen aufgerufen, an dem sich mehr als 150.000 ArbeiterInnen beteiligt hatten.

An den Demonstrationen der Basisgewerkschaften nahmen auch die anarchistischen Föderationen FdCA und FAI teil sowie die anarcho-syndikalistische Gewerkschaft USI teil, ebenso wie viele andere Gruppen aus der antiautoritären Linken und den sozialen Zentren.

Neben den Demonstrationen fanden viele weitere Aktionen statt. So wurden u.a. in Rom die Hauptzufahrtsstraßen blockiert. Bei einer dieser "globalen Streikposten" wurde ein Demonstrant von einem durchgedrehten Autofahrer angefahren und bedindet sich noch im Krankenhaus (Er ist aber nicht schwer verletzt). Im ganzen Land waren Zeitarbeitsfirmen (Sklavenhändler) das Ziel von Aktionen, viele wurden besetzt, andere blockiert oder konnten erst gar nicht öffnen, weil sie verklebte Schlösser und Türen hatten. In Padua wurde das Callcenter von OMNITEL blockiert, in dem grundsätzlich nur befristete Arbeitsverträge von zwei Wochen bis maximal zwei Monaten vergeben werden.

Zum Schluß ein Überblick über einige der Demonstrationen, ohne irgendeinen Anspruch auf auch nur ansatzweise Vollständigkeit. Die Zahlen in Klammern geben die TeilnehmerInnen-Zahlen an den Demonstrationen der Basisgewerkschaften an, die ohne Klammern die an denen der drei großen Gewerkschaften:

Neapel - (30.000), Florenz - (35.000) 400.000 - Trient (15.000), Rom (50.000) 200.000 - Mailand (50.000) 300.000 - Bologna (10.000) 350.000 - Genua (20.000), 60.000 - Cagliari 20.000 (gemeinsame Demo) - Palermo: (10.000) 100.000

Viele der TeilnehmerInnen haben die auf den Artikel 18 verkürzte Mobilisierung der drei traditionellen Gewerkschaftsverbände genutzt, um ihre Wut über die herrschenden Verhältnisse und den Hunger nach einer anderen Welt auf die Straße zu bringen. Am besten kam diese Perspektive vielleicht auf einem Transparent zum Ausdruck, das am heutigen Tag quer über einer der blockierten Autobahnen in Rom hing. Darauf stand in riesigen Lettern: "Global strike!".

Einige weitere Infos

zum heutigen Generalstreik:
 http://www.italy.indymedia.org

Zum Hintergrund und vorangegangenen Mobilisierungen:
 http://www.ainfos.ca/02/apr/ainfos00168.html
 http://www.ainfos.ca/02/apr/ainfos00109.html
 http://www.ainfos.ca/02/mar/ainfos00657.html
 http://www.ainfos.ca/02/mar/ainfos00429.html
 http://www.ecn.org/usi-ait/
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Ergänzungen

Beteiligung

der nestscheißer 17.04.2002 - 11:21
laut Taz sollen sich auch die gelben Regierungsgewerkschaften wie die CISNAL (der AN von Fini nahestehend) an Protesten beteiligt haben, weiss wer da näheres drüber, ob es stimmt? Wenn ja, so ist davon auszugehen, dass dies in gehöriger räumlicher Distanz zu den Blöcken von CGIL und Basisgewerkschaften stattfand, weil diese glücklicherweise zu Faschos in guter Tradition nicht sehr nett sind.