Nazis werden aktiver in Saasen (zu: 1. Mai)

Saasen-BesucherIn 21.02.2002 01:16
Am 1. Mai 2001 gab es pogromartige Angriffe des sozialrassistischen Dorfmobs (48 bewaffnete Leute) gegen die Projektwerkstatt. Inzwischen gibt es einige Hinweise, daß auch Nazis mitmischen wollen - Sozialrassisten und Faschisten: Die Mischung von Rostock und Hoyerswerda.
Hintergrund der bisherigen Angriffe (außer dem 1. Mai 2001 gab es schon viele weitere Attacken) sind vor allem Hetze aus der "Neuen Mitte". Nicht Nazis, sondern die Sozialrassisten aus SPD, CDU, Kirche, Feuerwehr, auch sonstige EinwohnerInnen bestimmen das Feld in Saasen. Ein klassisches Dorf - patriarchal organisiert mit einem 10-15 Männer starken Kern mit ihren Clans. Wer nicht dazugehört, ist AußenseiterIn, MitläuferIn oder nutzt das Dorf nur als Schlafort. Das ist der Sumpf, in der der neue Sozialrassismus heranreift bis zum Überfall auf die vermeintlichen "Schmarotzer" und "Faulenzer". Pech für die, daß ein politisches Zentrum zum Ziel wurde - und nicht Obdachlose, AsylbewerberInnen usw. So ist die weitere Entwicklung offen. Und der nächste 1. Mai naht. Alle Infos unter der www-Adresse.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Frage

Jupp 21.02.2002 - 12:12
Was sind Sozialrassisten?????????????

im Wörterbuch nachgucken

21.02.2002 - 12:12
lies doch mal nach was Pogrom heisst, in diesem Zusammenhang Vergleiche zu ziehen mit Rostock und Hoyerswerda ist kaum angebracht...

mehr fragen...

igor 21.02.2002 - 13:02
...als antworten hinterlässt die ganze geschichte bei mir. Das deutsche Dorfstrukturen nicht gerade den Kern emanzipatorischer Entwicklungen darstellen, ist mir auch klar, trotzdem wundert mich die Heftigkeit in Saasen ein wenig. Ich kenne sehr viele, auch radikale Linke, die in diversen eher ländlichen Regionen ihre Projekte haben, aber solche Proleme wie bei euch sind mir lange nicht zu Ohren gekommen, zumiindest nicht im Westen. Euer Projekt gibt es doch schon ziemlich lange, wie kommt es, dass ihr überhaupt gar keine Unterstützung habt? (so hört sich das in euren Berichten zumindest an)Wieso habt ihr das Projekt dann gerade in Saasen aufgezogen ?? Habt ihr euch mal mit anderen Landprojekten in dieser Problemstellung ausgetauscht???
Zumindest die Isolation der Nazis klappte in westdeutschen auch provinziellen Regionen eigentlich immer halbwegs, auch wenn damit mitunter sehr starke "politische Verrenkungen" einhergehen. Der Anti-Nazi Konsens ist eben nicht per se links, aber manchmal der einzige Ansatzpunkt der einem in gewissen Regionen das Leben leichter macht.
Kurz: Ich würde von euch gerne mehr hören, als die Binsenweisheit, das die deutsche Mitte rechts ist, das wissen wir nun spätestens seit ca. 1990, gelle??

Morgen (22.2.) Nazis in Bielefeld stoppen

Infos unter: 21.02.2002 - 14:24
und auch den aufmarsch am 2.3.

was in Saasen abgeht

... hat geschichte 21.02.2002 - 16:00
Estmal: Mensch muss nicht im Woeterbuch nachgucken, um eine Berechtigung zu haben, das Wort progrom benutzen zu duerfen. Es handelt sich bei de versuchten Ueberfaellen aus die Projektwerkstatt Saasen sehr wohl um progromartige Ueberfaelle: Volksfeststimmung, ein "Mob" von zwei, drei dutzend Aktiven mit Stoecken, Steinen und anderem bewaffnet, im Hintergund BuergerInne, die Munition und Alkohol nachliefern und klatschen und Stimmung machen. Bisher ist das glimpflich abgelaufen, die Leute vond er Projektwerkstatt und ihr Umfeld konnten sich gut verteidigen. Wie sich die Situation aendert, wenn Nazis mitmachen, ob die Buergers diese Koalition eingehen und so weiter, ist spekulativ, die Gefahr, die potentiell besteht, ist aber nicht wegzuleugnen finde ich. Ich finde auch, dass, wie bei Missbrauch zum Beispiel ueblich, die Betroffenen ein gewisse Entscheidungsfreiheit darueber haben, ob sie einen Uebergriff als Missbrauch, in diesem Fall Progrom, empfinden. Und ich finde, dass dies sogar ziemlich gut begruendbar ist in diesem Fall.
Saasen ist nicht irgenein typisches deutsches Dorf, finde ich, sondern ein verdammt trostloses, mittelhessisches deutsches Dorf. Die Quote sowohl der Arbeitslosen (was leider immer noch viele Betroffene als Schlimm empfinden..aber anderes Thema), der AlkoholikerInnen wie auch der in Vereinen organisierten ist sehr hoch. Merkwuerdige Mischung. DIe Leute von de Projektwerkstatt haben sich in der Vergangenheit sehr stark im Dorfleben eingemischt, gegen einen Golfplatz gekaempft und anderes zum Beispiel. Das erklaert, warum sie bei der Mehrheit der Menschen dort unbeliebt sind. Wichtig auch die Tatsache, dass das soziale Umfeld von einigermassen Stumpfsinn und naja, Elend nicht aber Trostlosigkeit, gekennzeichnet ist, Symptome, die in unserer Gesellschaft gerne zu Sozialneid und Sozialrassismus fuehren. es sind nciht die Bonzen, die AyslybewerberInnenheime anzuenden oder Obdachlose erschlagen - ode versuchen, die Projektwerkstatt zu zertsoeren, wobei es auch zu mackerigen Morddrohungen kommt (das uebliche: vergasen, erschlagen, fertigmachen etc). Ich denke nicht, dass das unbedingt "typisch" ist fuer alle deutschen Doerfer. Aber ich kenne mich mit deutschen Doerfern auch nicht so aus.
Ich selber werde natuerlich ueber den 1.Mai in Saasen sein, und hoffe, dass ihr auch alle zahlreich kommt, damit weder Buergers noch Nazis uns diesen Freiraum wegnehmen.

wie du deine nachbarn siehst...

21.02.2002 - 17:39
wenn du deine nachbarn als stumpfsinnig und trostlos ansiehst brauchst du dich auch gar nicht wundern wenn sie von dir auch nicht viel halten. ein pogrom ist das noch lange nicht wenn ein paar erwerbslose cdu- oder spd-mitglieder besoffen sind.



Was geht den ab?

Selbstverteidigung mit allen noetigen Mitteln 21.02.2002 - 18:47
Da wollen unter umstaenden Nazis eine anti-links Simmung in der Bevoelkerung nutzen um eine linkes Projekt anzugreifen. Und dan meint doch echt jemensch: wenn du die DorfbewohnerInnen als trostlos ansiehst -> selbst schuld.
Gegen Nazis wuerde ich echt die doofsten MaoistInnen-StalinistInnen verteidigen ist doch klar.

SozialrassistInnen?

Aus der Projektwerkstatt 21.02.2002 - 20:26
SozialrassistInnen sind nicht einfach besoffene CDUlerInnen oder SPDlerInnen. Sozialrassismus ist ein Phänomen, was zwar nicht neu ist, aber neu als dominante gesellschaftliche Wertkategorie - mit steigender Tendenz. Danach werden Menschen (zusätzlich zu Nationalität, konstruierter Rasse oder Geschlecht, Alter usw., was bisher schon die Diskriminierungen brachte) nach dem Wert Nützlichkeit bewertet und kategorisiert. Überspitzt könnte das bedeuten: Obdachlose rausjagen, Computer-InderInnen (aber auch nur die!) rein.
Dieser Sozialrassismus ist nicht rechts, sondern originär "Neue Mitte". Die "Mitte" ist nicht deshalb antiemanzipatorisch und Scheiße, weil sie rechts ist, sondern weil sie "Mitte", eben unter anderem sozialrassistisch ist. Dieser Sozialrassismus entsteht nicht durch Alkoholkonsum, der kann nur den Gewaltausbruch beschleunigen.
Die Mischung von sozialrassistische "Mitte" und rassistischen "Rechten" ist zwar in der Sache nicht unbedingt naheliegend, aber halt nachvollziehbar, weil es ja um eine Mob-Erscheinung geht, um einen Prozeß des sich selbst-Aufstachelns und Nazis nun mal gerne den Schutz der Bevölkerung nutzen. Genau das war das Besondere an Rostock und Hoyerswerda. Die Nazis allein hätten das so nicht machen können. Da waren die "willigen Vollstrecker" der Mitte mit am Start. Genau dann entsteht das, was ein Pogrom ist.
Saasen ist deshalb ein "nettes" Beispiel, nicht weil es etwa einmalig ist, sondern weil die Geschichte und die Entwicklung des Sozialrassimus exakt festgehalten ist. Der Link unter dem Haupttext verweist auf die Beschreibung.