OB Udes Stellungnahme zu ´NATO-Demoverbot ´
OB Ude im Internet zum Demoverbot während der NATO-Tagung in München - nachzulesen auch auf der offiziellen Internetseite der Stadtverwaltung www.muenchen.de
Nun liegt endlich eine "offizielle" Stellungnahme von OB Ude zum Demoverbot vor - seit heute präsent auf der Internetseite der Stadt München (www.muenchen.de) - im wesentlichen wälzt er damit die Verantwortung auf die Polizei/Verfassungsschutz ab, deren (Falsch-)Informationen (um nicht zu sagen _Lügen_) zum Zwecke der Kriminalisierung der gesamten "Bewegung" nicht nachprüfbar gewesen seien....naja, der Mann will eben nicht jede Chance verspielen, auch noch von ein paar linken Jungwählern und Globalisierungsgegnern (die sich von seinen Worten einlullen lassen? - hoffentlich nicht...) gewählt zu werden...
Hier im Original:
(Zitat Beginn)
Hier schreibt der OB
München nach der Sicherheitskonferenz
Nach den schweren Protestaktionen, Ausschreitungen und Straßenschlachten von Göteborg, Zürich und Genua bestand Anlass zur Sorge, auch München müsse ein gewalttätiges Wochenende erleben, wenn sich Demonstranten aus vielen Ländern zur Störung der Sicherheits- konferenz einfinden. Zum Glück ist es zu keinerlei schlimmen Gewalttätigkeiten gekommen - aber der Meinungsstreit hält trotzdem an.
Die Konferenz
Gegner der Sicherheitskonferenz, aber auch Geschäftsleute der Altstadt fragen verärgert, warum dieses Treffen von Verteidigungsministern, Militärs und Parlamentariern überhaupt in der Münchner Altstadt abgehalten werden muss. Viele kritisieren wegen der Ortswahl die Stadt, die damit freilich gar nichts zu tun hat.
Die Sicherheitskonferenz wird von einem Privatmann, dem früheren Kohl-Berater und späteren BMW-Vorstand Horst Teltschik veranstaltet, nicht von der Stadt München.
Die Konferenz fand bereits 37 mal in München statt, ohne dass eine größere Gruppe der Münchner Bevölkerung je daran Anstoß genommen hätte. Das war so in Zeiten des Kalten Krieges, sogar zu Zeiten des Nato-Doppelbeschlusses und auch zu Zeiten des Golfkriegs und des Kosovo-Einsatzes. Veranstalter und Teilnehmer der Konferenz gingen selbstverständlich davon aus, dass sie auch dieses Jahr in München tagen können.
Eine kurzfristige Verlegung ist gar nicht möglich.
Zum Charakter des Treffens
In vielen Flugblättern und Aufrufen wurde die Konferenz als Nato-Konferenz bezeichnet. Dies ist schlicht falsch. An der Tagung nahmen auch Repräsentanten Russlands und blockfreier Staaten teil, auch Parlamentarier der Union, der SPD und der Grünen.
Die Konferenz dient also dem offenen und öffentlichen Meinungsaustausch und nicht der geheimen Vorbereitungen militärischer Operationen.
München muss die Fähigkeit behalten, Ort bedeutender internationaler Begegnungen zu sein.
Auf einem ganz anderen Blatt steht die Frage, ob man mit allen geäußerten Vorstellungen einverstanden ist (Das ist bei Kontroversen niemals der Fall!) und ob die Fragen der internationalen Sicherheit auf militärische Aspekte reduziert werden können und sollen (Der Bundeskanzler hatte in seiner gleichzeitigen New Yorker Rede den Kampf gegen die Armut und für eine faire Weltwirtschaftsordnung vorangestellt.).
Die Aufrufe
Im Nachhinein wird es so dargestellt, als ob immer nur zu friedlichen Protesten aufgerufen worden wäre. Dabei war auf den Flugblättern ausdrücklich davon die Rede, dass die Konferenz "nicht ungestört über die Bühne gehen" dürfe. Deutlicher kann man Störaktionen kaum ankündigen.
Mit der Parole "Von Genua nach München" wurde ausdrücklich an die Geschehnisse in Genua angeknüpft und eine Fortsetzung in Aussicht gestellt. Auch sonst wurde eine aggressive und militante Sprache an den Tag gelegt.
Dies bedeutet noch nicht, dass die Aufrufe rechtswidrig gewesen wären; es macht aber deutlich, dass man die gewaltbereite Szene, die sich in Göteborg, Zürich und Genua betätigt hatte, regelrecht anlocken wollte.
Die Gefahrenprognose
Die Einschätzung, dass tausende gewaltbereiter Demonstranten zu erwarten seien, stammt nicht von der Stadt München, sondern vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz. Diese Einschätzung erschien angesichts der vorausgegangenen Straßenschlachten in Nachbarländern und der wochenlangen Werbung im Internet durchaus plausibel.
Die Stadt hat keinen kommunalen Geheimdienst zur Auslandsaufklärung, die Stadt ist vielmehr bei der Einschätzung ausländischer Demonstrantengruppen voll auf den Verfassungsschutz und dessen Informationsquellen angewiesen.
Der polizeiliche Notstand
Aufgrund der Gefahrenprognose hat das Polizeipräsidium München den sogenannten unechten Polizeinotstand erklärt, also schriftlich mitgeteilt, dass sie mit vertretbaren Mitteln die öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht mehr gewährleisten könne.
Darüber hinaus hat die Polizei auch noch öffentlich bekannt gegeben, dass sie ein umfassendes Demonstrationsverbot beantrage.
Die Entscheidungssituation
Der Stadt München ist die Gefahrenprognose und die Erklärung des Polizeinotstands am Mittwoch Mittag zugeleitet worden.
Gerade im Interesse der Demonstrationsanmelder und eines ausreichenden Rechtsschutzes musste noch am selben Tag entschieden werden, damit die Anmelder am Donnerstag das gerichtliche Eilverfahren einleiten könnten.
Gerichtliche Bestätigung
Tatsächlich konnten beide Instanzen der Verwaltungsgerichte mit dem Vorgang befasst werden.
Der Verwaltungsgerichtshof hat in seiner obergerichtlichen Entscheidung das Demonstrationsverbot in vollem Umfang ohne jeden Abstrich bestätigt. Damit steht die Rechtmäßigkeit der getroffenen städtischen Entscheidung fest.
Polizeilicher Vollzug
Nach der Gerichtsentscheidung war die Stadt mit dem weiteren Vorgehen nicht mehr befasst. Es war allein Aufgabe der Polizei, das gerichtliche Verbot zu vollziehen. Es ist in einer nicht zu beanstandenden Weise geschehen.
Die sehr starke Polizeipräsenz, die häufig unter dem Titel "Festung" oder "Belagerungszustand" kritisiert wurde, dürfte wesentlich dazu beigetragen haben, dass Gewalttätigkeiten, anders als in den anderen Städten mit Protestaktionen gegen internationale Konferenzen, erst gar nicht entstanden sind.
Nachträgliche Einschätzung
Aus dem friedlichen Verlauf des Wochenendes ist im Nachhinein gefolgert worden, eine Gefahrenlage habe niemals bestanden. Diese Einschätzung setzt sich einfach darüber hinweg,
-dass eine entsprechend große gewaltbereite Szene in ähnlich gelagerten Fällen bereits hervorgetreten ist,
-dass nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes entsprechende Anreisen autonomer Gruppen nach München in Bussen und Pkws bereits geplant waren,
-dass aufgrund des Verbots Busse durchsucht werden konnten, über 300 Personen zurückgeschickt und 30 festgenommen wurden und Waffen für Straßenkämpfe sichergestellt werden konnten und
-dass es aufgrund der starken Polizeipräsenz geradezu unmöglich war, in der Münchner Altstadt Ausschreitungen zu begehen, ohne sofort festgenommen zu werden.
Trotz all dieser Argumente räume ich ein, dass ein Demonstrationsverbot ein schwerwiegender Eingriff in ein Grundrecht ist und nur in absoluten Ausnahmefällen in Betracht kommt, wenn die Polizei den Notstand erklärt.
Auf der anderen Seite ist es erfreulich, dass die Kette von Straßenschlachten anlässlich internationaler Konferenzen in München nicht fortgesetzt wurde.
Dies lässt hoffen, dass München künftig sowohl der Ort internationaler Konferenzen als auch friedlicher Demonstrationen sein kann.
Ihr
Chrstian Ude
(Zitat Ende)
Hier im Original:
(Zitat Beginn)
Hier schreibt der OB
München nach der Sicherheitskonferenz
Nach den schweren Protestaktionen, Ausschreitungen und Straßenschlachten von Göteborg, Zürich und Genua bestand Anlass zur Sorge, auch München müsse ein gewalttätiges Wochenende erleben, wenn sich Demonstranten aus vielen Ländern zur Störung der Sicherheits- konferenz einfinden. Zum Glück ist es zu keinerlei schlimmen Gewalttätigkeiten gekommen - aber der Meinungsstreit hält trotzdem an.
Die Konferenz
Gegner der Sicherheitskonferenz, aber auch Geschäftsleute der Altstadt fragen verärgert, warum dieses Treffen von Verteidigungsministern, Militärs und Parlamentariern überhaupt in der Münchner Altstadt abgehalten werden muss. Viele kritisieren wegen der Ortswahl die Stadt, die damit freilich gar nichts zu tun hat.
Die Sicherheitskonferenz wird von einem Privatmann, dem früheren Kohl-Berater und späteren BMW-Vorstand Horst Teltschik veranstaltet, nicht von der Stadt München.
Die Konferenz fand bereits 37 mal in München statt, ohne dass eine größere Gruppe der Münchner Bevölkerung je daran Anstoß genommen hätte. Das war so in Zeiten des Kalten Krieges, sogar zu Zeiten des Nato-Doppelbeschlusses und auch zu Zeiten des Golfkriegs und des Kosovo-Einsatzes. Veranstalter und Teilnehmer der Konferenz gingen selbstverständlich davon aus, dass sie auch dieses Jahr in München tagen können.
Eine kurzfristige Verlegung ist gar nicht möglich.
Zum Charakter des Treffens
In vielen Flugblättern und Aufrufen wurde die Konferenz als Nato-Konferenz bezeichnet. Dies ist schlicht falsch. An der Tagung nahmen auch Repräsentanten Russlands und blockfreier Staaten teil, auch Parlamentarier der Union, der SPD und der Grünen.
Die Konferenz dient also dem offenen und öffentlichen Meinungsaustausch und nicht der geheimen Vorbereitungen militärischer Operationen.
München muss die Fähigkeit behalten, Ort bedeutender internationaler Begegnungen zu sein.
Auf einem ganz anderen Blatt steht die Frage, ob man mit allen geäußerten Vorstellungen einverstanden ist (Das ist bei Kontroversen niemals der Fall!) und ob die Fragen der internationalen Sicherheit auf militärische Aspekte reduziert werden können und sollen (Der Bundeskanzler hatte in seiner gleichzeitigen New Yorker Rede den Kampf gegen die Armut und für eine faire Weltwirtschaftsordnung vorangestellt.).
Die Aufrufe
Im Nachhinein wird es so dargestellt, als ob immer nur zu friedlichen Protesten aufgerufen worden wäre. Dabei war auf den Flugblättern ausdrücklich davon die Rede, dass die Konferenz "nicht ungestört über die Bühne gehen" dürfe. Deutlicher kann man Störaktionen kaum ankündigen.
Mit der Parole "Von Genua nach München" wurde ausdrücklich an die Geschehnisse in Genua angeknüpft und eine Fortsetzung in Aussicht gestellt. Auch sonst wurde eine aggressive und militante Sprache an den Tag gelegt.
Dies bedeutet noch nicht, dass die Aufrufe rechtswidrig gewesen wären; es macht aber deutlich, dass man die gewaltbereite Szene, die sich in Göteborg, Zürich und Genua betätigt hatte, regelrecht anlocken wollte.
Die Gefahrenprognose
Die Einschätzung, dass tausende gewaltbereiter Demonstranten zu erwarten seien, stammt nicht von der Stadt München, sondern vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz. Diese Einschätzung erschien angesichts der vorausgegangenen Straßenschlachten in Nachbarländern und der wochenlangen Werbung im Internet durchaus plausibel.
Die Stadt hat keinen kommunalen Geheimdienst zur Auslandsaufklärung, die Stadt ist vielmehr bei der Einschätzung ausländischer Demonstrantengruppen voll auf den Verfassungsschutz und dessen Informationsquellen angewiesen.
Der polizeiliche Notstand
Aufgrund der Gefahrenprognose hat das Polizeipräsidium München den sogenannten unechten Polizeinotstand erklärt, also schriftlich mitgeteilt, dass sie mit vertretbaren Mitteln die öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht mehr gewährleisten könne.
Darüber hinaus hat die Polizei auch noch öffentlich bekannt gegeben, dass sie ein umfassendes Demonstrationsverbot beantrage.
Die Entscheidungssituation
Der Stadt München ist die Gefahrenprognose und die Erklärung des Polizeinotstands am Mittwoch Mittag zugeleitet worden.
Gerade im Interesse der Demonstrationsanmelder und eines ausreichenden Rechtsschutzes musste noch am selben Tag entschieden werden, damit die Anmelder am Donnerstag das gerichtliche Eilverfahren einleiten könnten.
Gerichtliche Bestätigung
Tatsächlich konnten beide Instanzen der Verwaltungsgerichte mit dem Vorgang befasst werden.
Der Verwaltungsgerichtshof hat in seiner obergerichtlichen Entscheidung das Demonstrationsverbot in vollem Umfang ohne jeden Abstrich bestätigt. Damit steht die Rechtmäßigkeit der getroffenen städtischen Entscheidung fest.
Polizeilicher Vollzug
Nach der Gerichtsentscheidung war die Stadt mit dem weiteren Vorgehen nicht mehr befasst. Es war allein Aufgabe der Polizei, das gerichtliche Verbot zu vollziehen. Es ist in einer nicht zu beanstandenden Weise geschehen.
Die sehr starke Polizeipräsenz, die häufig unter dem Titel "Festung" oder "Belagerungszustand" kritisiert wurde, dürfte wesentlich dazu beigetragen haben, dass Gewalttätigkeiten, anders als in den anderen Städten mit Protestaktionen gegen internationale Konferenzen, erst gar nicht entstanden sind.
Nachträgliche Einschätzung
Aus dem friedlichen Verlauf des Wochenendes ist im Nachhinein gefolgert worden, eine Gefahrenlage habe niemals bestanden. Diese Einschätzung setzt sich einfach darüber hinweg,
-dass eine entsprechend große gewaltbereite Szene in ähnlich gelagerten Fällen bereits hervorgetreten ist,
-dass nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes entsprechende Anreisen autonomer Gruppen nach München in Bussen und Pkws bereits geplant waren,
-dass aufgrund des Verbots Busse durchsucht werden konnten, über 300 Personen zurückgeschickt und 30 festgenommen wurden und Waffen für Straßenkämpfe sichergestellt werden konnten und
-dass es aufgrund der starken Polizeipräsenz geradezu unmöglich war, in der Münchner Altstadt Ausschreitungen zu begehen, ohne sofort festgenommen zu werden.
Trotz all dieser Argumente räume ich ein, dass ein Demonstrationsverbot ein schwerwiegender Eingriff in ein Grundrecht ist und nur in absoluten Ausnahmefällen in Betracht kommt, wenn die Polizei den Notstand erklärt.
Auf der anderen Seite ist es erfreulich, dass die Kette von Straßenschlachten anlässlich internationaler Konferenzen in München nicht fortgesetzt wurde.
Dies lässt hoffen, dass München künftig sowohl der Ort internationaler Konferenzen als auch friedlicher Demonstrationen sein kann.
Ihr
Chrstian Ude
(Zitat Ende)
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Feuer frei für Kritik !
Übrigens: Für Fragen, Anregungen und Kritik können Sie sich auch direkt per eMail an Oberbürgermeister Ude wenden.
Wer also ihm was mitteilen möchte :
lächerlich
höchstwahrscheinlich hätten sie mich wegen meinen boots und den roten bändern gleich zu Beginn niedergestreckt. Es wurden auch gewönliche Passanten in Gewarsam genommen, z.B. ist ein Student, welcher gar nicht vor hatte zu demonstrieren, zufällig entlang der Altstadt gelaufen und wurde auf Verdacht zu demonstrationen auf der Stelle abgeführt.
ich hab auch mal auf polizei.de gesehen und mir ihren Bericht durchgelesen. Sie sind anscheinend stolz auf Ihre Handlungs- und Vorgehensweisen diese Faschos. Sie haben eine alte Frau zu Boden gebracht, keiner der "Beamten" hat auch nur eine leise Ahnung wer von Ihnen es gewesen sein könnte. (Soetwas versteht man dann unter ´Sei solidarisch zu deinen Faschistischen Brüdern und Schwestern!´)
Ich (pazifist) hätte an diesem Tag nur zu gerne einen 400 Mann Trupp der Antifa gegen diese Uniformierten Faschisten aufmarschieren sehen. Aber darüber mach ich mir jetzt weniger Gedanken denn...
CHAOSTAGE WERDEN KOMMEN -
MÜNCHEN / ESSEN -
02.-04.08.2002
Polizeinotstand???
Notstand, damit sich nichts bewegt!
Willkommen in der BRD
ude die birne zurecht rücken
Waffen
Notsstandsgesetze
die bürgerliche klasse ist seit etwa 250 jahren an der macht, seitdem ist diese welt aufgeteilt, und mensch und umwelt werden ausgesogen, "ihre" gesellschaft wäre längst zusammengebrochen, gäbe es nicht die ständigen lügen und propaganda, die staatliche gewalt, desinformation und kontrolle, die bürokratie und vor allem parteien wie die spd, grüne und die pds, die so tun als wollten sie etwas ändern, um die größer werdende wut wieder in den griff zu bekommen. kein vertrauen in die institutionen des bürgerlichen staates!!! dieser vertritt nur die interessen der banken und konzerne. zerschlagen wir das kapital und alles was geschaffen wurde um genau dieses zu erhalten.
Münchner SchülerInnen zum Demo-Verbot
Münchner SchülerInnen zum Demo-Verbot 1.-3. Februar 2002
Die Weltsicherheitskonferenz, ein Treffen ranghoher Nato-Militärstrategen, Politiker und Generäle aus aller Welt tagte vom 1. bis 3. Februar 2002 in München.
Sie wird von der Quandt-Stiftung (BMW) organisiert und bietet den Teilnehmern die Möglichkeit ohne lästige Tagesordnungen und Protokolle Strategien zu entwickeln und sich auszutauschen. Aus diesem Anlass formierte sich dieses Jahr ein breites Bündnis aus über 100 Gruppen, die zu vielfältigen Protesten gegen diese Konferenz aufriefen. Schon Wochen vor den geplanten Protesten wurde das Demo-Bündnis kriminalisiert und diffamiert. OB Ude und die Presse sprachen unentwegt von ´Störern´ und ´Chaoten´. Textstellen von Aufrufen wurden völlig aus dem Zusammenhang gerissen und als angebliche Beweise für das ´unfriedliche´ Vorhaben der Demonstranten präsentiert, so z.B. das Flugblatt ´Von Genua nach München´ des Bündnisses gegen die Nato-Konferenz. Aufgrund dessen und der angeblichen Anreise von mindestens "2500 bis 3000 Gewalttätern" wurde ein dreitägiges totales Demonstrationverbot verhängt.
Tausende, vor allem junge Menschen wollten diese Aufhebung ihrer Grundrechte nicht hinnehmen und demonstrierten trotzdem in der Innenstadt. Dies versuchte die Polizei durch willkürliche Ingewahrsamnahmen von ca. 800 Menschen und teils brutalen Übergriffen auf die Demonstranten zu unterbinden. Den Gefangenen, viele erst 14 Jahre alt, wurden grundsätzliche Rechte wie das Konsultieren eines Anwalts untersagt. Viele wurden länger als 12 Stunden auf dem Revier festgehalten, ohne einem Haftrichter vorgeführt zu werden. Man musste wie ein Schwerverbrecher Fingerabdrücke abgeben und wurde fotografiert. Am Freitag wurde eine 75-jährige Frau von Beamten des bayerischen USK schwer verletzt und erlitt Gehirnblutungen. Am Samstag wurde die legale (!) Großveranstaltung im DGB-Haus von der Polizei belagert und ca. 200 Jugendliche, die die Polizei vorher ausdrücklich aufgefordert hatte, zur Veranstaltung zu gehen, wurden bis 1.00 Uhr in der Nacht eingekesselt. Trotz dieser Provokationen blieben die Demonstranten ausnahmslos friedlich und entlarvten die Angaben über ´Gewaltchaoten´ als Lügen.
Wir, SchülerInnen des Luisen-Gymnasiums fragen:
Wie kann es sein, dass aus 200 ´Chaoten´ am 29. 1. über Nacht 3000 wurden? (Angaben des Verfassungsschutzes)
Wo waren diese 3000 ´Gewalttäter´?
Wieso wird eine legale Veranstaltung umstellt?
Und wieso wurden Gefangenen grundlegende Rechte aberkannt?
Wir fordern:
Eine nachträgliche Aufhebung der Demo-Verbote!
Eine Entschuldigung des OB Ude bei denen, die sich ihr Recht auf friedliches Demonstrieren nicht nehmen ließen!
Diese Stellungnahme verfassten SchülerInnen des Luisen-Gymnasiums, München, 88 SchülerInnen waren die ErstunterzeichnerInnen.
Der Münchner Merkur veröffentlichte sie auszugsweise am 16./17. 2. 02 als Leserbrief.
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