"Politischer 1. Mai" : Neues Befriedungskonzept
"Politischer 1. Mai" : Neues Befriedungskonzept für Kreuzberg!
1. Mai 2001: Die revolutionäre 1. Mai Demo ist verboten worden. 3 - 4.000 Personen versammeln sich am Lausitzer Platz gegen diese Entscheidung. Vorne weg ein Bürgerbündnis und dahinter die Autonomen und die AAB. Das Motto: "Freiheit stirbt mit Sicherheit" ist jedes revolutionären Inhaltes beraubt.
Appelliert wird an die Demokratie, dass es nicht angeht, dass die Faschos laufen und die Linken nicht. War die 1. Mai Demo um 18.00 h schon in den letzten Jahren eher zu einem "Event" geworden, so bot sie wenigstens einen Ansatzpunkt für revolutionärer Kritik und Aktion und war dementsprechend den Herrschenden in dieser Stadt ein Dorn im Auge. Mit dem Regierungsantritt des rot-roten Senats, sollen nicht nur die sozialen Angriffe widerspruchsloser durchgesetzt werden, sondern soll sich auch der revolutionäre 1. Mai in einen Tag für die "Demokratie von Unten" verwandeln. Vor allem die neuen Regierungslinken von der PDS scheuen weder Mühe noch Mittel, um zu verhindern am 1.Mai in die politische Zwickmühle zwischen (von ihr zu integrierendem) militanten sozialen Widerstand und (von ihr repräsentierter) Staatsraison zu geraten. Dieses Experiment versuchte schon der rot - grüne Senat am 1. Mai 89.
Zur feindlichen Übernahme hat sich ein "Personen-Bündnis für einen politischen 1. Mai 2002 in Berlin - Kreuzberg" formiert. Die Veranstalter formulieren ihre Hegemonie über den Stadtteil, indem sie "sich als Alternative zur ritualisierten Gewalt - Konfrontation" verstehen. "Politische Teilhabe als Demokratie von Unten ist zu erneuern", heißt es in dem Gründungsaufruf. Konstruktiv soll das Projekt "eine neue Qualität von themenbezogener Auseinandersetzungen schaffen und Gewalt unmöglich machen." Welche Gewalt damit gemeint ist, dürfte klar sein. Das Bündnis will nach Berichten der Berliner Zeitung vom 12.2.02 mehr als 100 Ordner stellen. Der Mitorganisator und PDS-Politiker Michael Prütz kommt mit folgendem Zitat zu Wort: "Jeder der Randale will, muß wissen, dass er isoliert ist." So kommt es dann auch, dass laut Protokoll des Bündnis-Treffens, die Gewerkschaft der Polizei wie auch der Innensenat großes Interesse an diesem Konzept zeigen, steht dieses doch ganz im herrschenden Diskurs der Konfliktbewältigung. Revolution als Inhalt soll zugunsten einer ´Globalisierungskritik´ wegfallen. Die Befriedung und damit Entwaffnung des Konflikts wird wie so oft in der Geschichte von der parlamentarischen Linken (1918, 1968 usw.) -auch als Linke des Kapitals zu bezeichnen- durchgezogen. So reicht die Liste der Erstunterzeichner von Stefan Zackenfels (SPD, MdA Berlin) über Sascha Kimpel (Attac Berlin), Sofia Eltrup (Bündnis 90 / die Grünen), Prof. Dr. Peter Grottian (Komitee für Grundrechte und Demokratie / FU Berlin) bis Marc Schlosser von der AAB. Damit der "erlebnisorientierte Jugendliche" nicht vor Langeweile stirbt, "sollen Straßenfeste und Kinderfeste durchgeführt werden, Hearings- und Diskussionsforen stattfinden, Musikgruppen und Klassiker auftreten, das satirische Kabarett seinen Platz haben, Demonstrationen vielfältiger Art eine Selbstverständlichkeit sein, Zukunftswerkstätten Phantasie und Kreativität herausfordern. Inhalte und Formen sollen etwas anbieten, was es noch nicht gegeben hat und Chancen für neue Politisierung öffnen." Das Ziel ist jedoch klar formuliert, es geht um "ein politisches Signal für eine andere politische Konfliktbewältigung"und ist damit dem alljärlichen Straßenfest der Berliner Polizei am 1. Mai in Form und Zweck gleichzusetzen.
Diese Bemühungen könnte man getrost als lächerlich abtun, wenn sich die radikalen Kräfte dem verweigern würden und die eigene revolutionäre Stärke betonen würden. Doch das Gegenteil ist der Fall. "Nach eigenen Aussagen reicht das Bündnis `von den Autonomen bis zur SPD.´" ( Berliner Zeitung, 12.02.02) Die AAB ist gar nicht faul und kümmert sich laut Protokoll "um die Diskussion im linksradikalen Spektrum der Stadt." "Die Revolutionäre 1. - Mai - Demo, die um 18 Uhr beginnt, soll ´integraler Bestandteil´ sein." (Berliner Zeitung, 12.02.02) Die Strategen der besagten Gruppe meinen damit, einen besseren Schutz für ihre Demo zu haben. Dieses Argument ist nicht nur historisch als die Logik des kleineren Übels ins revolutionäre Gedächtnis eingegangen, sondern hat sich in aller Konsequenz als Selbstentwaffnung der Revolutionäre erwiesen. (siehe unser Flugi: "Antideutsche, Antiimperialisten und die Logik des kleineren Übels") In der Konsequenz wird die AAB so das Potential dieser Demo in die ideologischen Fänge der parlamentarischen Linken treiben, indem einerseits das Rebellionsgefühl angesprochen und im selben Atemzug man sich in die oben beschriebene Kampagne einordnen wird. Die Radikalität dieser Gruppe reduziert sich auf die moralische Kritik: "Leider lässt sich nichts mehr vorhandenes vorfinden, das den Weg zum Reich der Freiheit weißt. Der einzige haltbare Standort ist der der Standortlosigkeit, die destruktive Kritik, die am schlechten Dasein nichts verbessern will, und das einzige Anliegen das der Überwindung des Kapitals als gesellschaftliches Verhältnis" (Aus Phase 2, Nr. 1 Artikel zum 1. Mai).
Die "Standortlosigkeit" zur Perspektive erklärt, hört sich radikal an, steht aber im Widerspruch zur zum unteren Teil des Zitats. Die Kritik des Reformismus steht ganz im Widerspruch zu ihrer Suche nach dem bürgerlichen Bündnispartner. Und damit hat die AAB Erfahrung, betrachtet man ihre "antifaschistische Lobbyarbeit", die sie schon neben Thierse aufs Podium führte oder zur verbalen Unterstützung von Josef Fischers Außenpolitik gegen Haider brachte. Beim abstrakten Antikapitalismus, der nicht nur von der AAB propagiert wird, spielt ein zur antagonistischen Kraft gewordenes Proletariat keine Rolle. Ihr Antikapitalismus kann sich nur in abstrakter Symbolik (gegen Bonzentreffen) oder verwaltender Politik (für "linke" Mehrheiten) ausdrücken. Für sie gibt es kein revolutionäres Subjekt, das sich in Kämpfen zur Klasse konstituiert und die Kraft gesellschaftlicher Veränderung besitzt. Die Betrachtung des Kapitalismus als konkretes gesellschaftliches Verhältnis im Spannungsfeld von Klassenkampf und Kapitalinteressen wird so realpolitisch negiert. Nun sehen wir die Konsequenz auch bei der AAB: Mit ihrer Standortlosigkeit findet sie sich im Schoße der bürgerlichen und zivilgesellschaftlich bewegten Mitte wieder.
Das Mitmachen im Bündnis "für einen politischen 1. Mai" ist genauso fatal, wie die Teilnahme an Wahlen oder der Versuch, in den Gewerkschaften praktische Politik zu betreiben. Das Argument ist immer gleich, dass man versuchen müsse, Relevanz zu erlangen, bzw. bessere Ausgangsbedingungen für die Revolutionäre zu schaffen. In der Konsequenz geht es dann um die Bündnisfähigkeit, wo man die revolutionären Inhalte verhandelt, taktiert und entstellt. Ganz dieser Logik entsprechend steht in der Interim 543: "Denn eines ist klar, wenn wir in pure Konfrontation zum Bündnis und nicht zumindest ein tolerantes Miteinander üben, brauchen Polizei und Senat uns gar nicht erst klein machen, das würden wir damit schon selbst besorgen." So ist man bereit mit für einen friedlichen 1. Mai zu sorgen, wenn die Polizei vom Kiez fern bleibt. "Sollten die Bullen auf der Oranienstraße gar nicht erst auftauchen, könnten wir sogar darauf verzichten, ihnen das Leben dort schwer zu machen." (Interim 543, 7.2.02) Gegen diese Logik schrieb schon Thomas Ebermann: "`Ohne Bullen keine Krawalle´ - das ist so spießig wie `ohne Kontrolleure kein Schwarzfahren`, ´ohne Überwachungskameras kein Ladendiebstahl`, ´ohne Stempeluhr keine Unpünktlichkeit`, ´ohne Gefängnismauern keine Flucht` oder pauschaler: ´Ohne Ordner keine Unordnung´" (Thomas Ebermann: Straße frei für die Polizei , zum 1. Mai 89). Keine humane Fabrik oder modifizierte Polizeitaktik kann das Übel der Ausbeutung und die Revolte dagegen verhindern. Von diese Erkenntnis, die alle Linken mal kannten, will man sich jetzt, so fern nicht schon früher geschehen, gemeinsam verabschieden.
Der revolutionäre 1. Mai ist jedoch nicht nur Aktionsfeld für die oben benannten Nachwuchspolitiker, sondern auch ein Zeichen von Revolte. Die gezeigte Wut gegen die herrschenden Verhältnisse, jehnseits staatlicher Politikverordnung ist dann auch das Positive. Gab es früher wenigstens noch den Versuch diese Wut inhaltlich zu artikulieren, reduzierten die Autonomen ihre Weltsicht auf die repressive Seite des Kapitalismus oder man überließ das Feld der Pop-Antifa. Aber auch bei den Autonomen erschöpfte sich der Inhalt auf die Repression, die sich konkretisierte an den einsitzenden RAF Leuten, an der Wohnungsnot, brutalen "Polizeieinsätzen", Aktivitäten gegen Faschos, dem Rassismus, Sexismus und aktuell am Krieg usw. Dieses für sich allein genommen, ist jedoch nicht Zweck, sondern Resultat der kapitalistischen Ordnung und dient meistens dazu, den ausbrechenden Untertan wieder mit Gewalt oder unter Androhung dieser, wieder einzugliedern. Der Zweck des Staates ist aber der, dass die Leute sich für die Reichtumsvermehrung abrackern sollen, alle 4 Jahre ihrer eigenen Beherrschung zustimmen und brav ihre Steuern, Abgaben und Beiträge zahlen. Die linke Weltsicht nimmt nicht zur Kenntnis, dass der Polizeiknüppel die Ausnahme, die Schule, Arbeit und das Wählen aber die Normalität sind. Der Mensch ist dabei weder geborener Untertan, noch natürlicherweise Rebell. Weil einem das Verständnis von kapitalistischer Gesellschaft abhanden gekommen ist, bewies man sich als Autonomer in den letzten Jahren lediglich selber, dass man sich nicht unterkriegen lässt. Dass jedoch ist nicht nur bescheiden, sondern auch nicht mehr politisch, denn wenn man niemanden mehr überzeugen will, braucht man auch keinen Standpunkt mehr und kann dann auch der jetzigen Integration wenig entgegensetzen.
Notwendig ist aber der linksradikale Standpunkt und für diesen gibt es eine jahrzehntelange Erfahrung unserer Geschichte. Und dazu gehört es vor allem die Demokratie als die entscheidende Verwaltungsform des Kapitals zu sehen. Diese kanalisiert nicht nur die Empörung der Produzenten des gesellschaftlichen Reichtums auf die parlamentarische Ebene, sondern macht uns zu individualisierten Staatsbürgern, die Stimmvieh für um Einfluß ringende Politiker sind. Sie hat sich zum Zweck der Herrschaftssicherung als äußerst effektiv gezeigt. Auch die ideologische Konstruktion der "Demokratie von Unten" hat das gleiche Ziel. Nur die Kontrolle der Politiker soll besser werden. Die Frage warum überhaupt Herrschaft und warum es diese als Institution überhaupt gibt, verschwindet so realpolitisch. Gleichzeitig ist das System durch diese "demokratischen Verbesserungen" stabiler geworden. Denn die Schaffung betroffenheitsorientierter Unterabteilungen, wie zum Beispiel Bürgerinitiativen oder das aktuelle Bündnis ermöglicht es den Parteien, sich darin zu tummeln. Das "bürgernahe" Gestalten macht aus der Bundesrepublik nur einen noch freieren Zwangsstaat. Zu einer freien Gesellschaft mit freien Menschen wird man aber so nicht kommen. Der Kapitalismus war und ist immer ein Klassenverhältnis, bei dem wir zu Konkurrenten um unser eigenes Produkt gemacht werden, bzw. wir uns zu Tode rackern damit die Profitmaschine funktioniert. Der politische Verfassungsstaat gerade in der Form der Demokratie will dieses Verhältnis absichern. Sie stellt in aller Konsequenz die "präventive Konterrevolution in Permanenz" (Agnoli) dar. Die scheinbare Stabilität wird aber immer wieder Konflikte und Revolten hervorbringen, wie die aktuellen in Argentinien. Diese Kämpfe die uns zu Subjekten der Veränderung machen, indem wir nicht mehr als Staatsbürger funktionieren, sind für uns der Bezugspunkt. Damit diese Kämpfe aber nicht wieder Abflauen oder integriert werden können, ist die Formierung einer Radikalen Linken gegen die Logik des kleineren Übels mit proletarischen Bezug auch gerade an diesem unter Rot - Rot standfindenden 1. Mai nötig. Das Vorhaben dieses Bündnisses muß mit den nötigen Kritiken veröffentlicht werden ( Protokolle dieses Bündnis sind auf unserer Internetseite nachzulesen). Wir wollen mit so vielen wie möglich gegen die "politische Konfliktbewältigung" als Befriedungskonzept praktisch in Aktion treten und der Linken des Kapitals, von der AAB über Attac bis zur SPD so einen Strich durch die Rechnung machen.
Feb. 2002
Zeitungskollektiv "Aufbrechen"
Gruppe B.O.N.E.
"Bündnis antiparlamentarische Linke"
Aus Agnoli: Auf dem Weg zur unmittelbaren Demokratie? "Was sich in der Forderung nach Basisdemokratie konkretisiert und das Entgegen kommen des Staates schon findet, erscheint beim ersten Zusehen als Ausweitung der gesellschaftlichen Autonomie. In der Wirklichkeit verwandelt sich die Autonomie in die eingegliederte Subsidiarität. Die Beteiligung wird institutionalisiert, in eine rechtliche Form gegossen und zu einem geregelten und kontrollierbaren Institut des Staates gemacht. Sie verliert mit anderen Worten genau ihre Qualität, staatsfreie, machtpolitisch, nicht tangierbare Räume zu schaffen und auszuweiten."
Appelliert wird an die Demokratie, dass es nicht angeht, dass die Faschos laufen und die Linken nicht. War die 1. Mai Demo um 18.00 h schon in den letzten Jahren eher zu einem "Event" geworden, so bot sie wenigstens einen Ansatzpunkt für revolutionärer Kritik und Aktion und war dementsprechend den Herrschenden in dieser Stadt ein Dorn im Auge. Mit dem Regierungsantritt des rot-roten Senats, sollen nicht nur die sozialen Angriffe widerspruchsloser durchgesetzt werden, sondern soll sich auch der revolutionäre 1. Mai in einen Tag für die "Demokratie von Unten" verwandeln. Vor allem die neuen Regierungslinken von der PDS scheuen weder Mühe noch Mittel, um zu verhindern am 1.Mai in die politische Zwickmühle zwischen (von ihr zu integrierendem) militanten sozialen Widerstand und (von ihr repräsentierter) Staatsraison zu geraten. Dieses Experiment versuchte schon der rot - grüne Senat am 1. Mai 89.
Zur feindlichen Übernahme hat sich ein "Personen-Bündnis für einen politischen 1. Mai 2002 in Berlin - Kreuzberg" formiert. Die Veranstalter formulieren ihre Hegemonie über den Stadtteil, indem sie "sich als Alternative zur ritualisierten Gewalt - Konfrontation" verstehen. "Politische Teilhabe als Demokratie von Unten ist zu erneuern", heißt es in dem Gründungsaufruf. Konstruktiv soll das Projekt "eine neue Qualität von themenbezogener Auseinandersetzungen schaffen und Gewalt unmöglich machen." Welche Gewalt damit gemeint ist, dürfte klar sein. Das Bündnis will nach Berichten der Berliner Zeitung vom 12.2.02 mehr als 100 Ordner stellen. Der Mitorganisator und PDS-Politiker Michael Prütz kommt mit folgendem Zitat zu Wort: "Jeder der Randale will, muß wissen, dass er isoliert ist." So kommt es dann auch, dass laut Protokoll des Bündnis-Treffens, die Gewerkschaft der Polizei wie auch der Innensenat großes Interesse an diesem Konzept zeigen, steht dieses doch ganz im herrschenden Diskurs der Konfliktbewältigung. Revolution als Inhalt soll zugunsten einer ´Globalisierungskritik´ wegfallen. Die Befriedung und damit Entwaffnung des Konflikts wird wie so oft in der Geschichte von der parlamentarischen Linken (1918, 1968 usw.) -auch als Linke des Kapitals zu bezeichnen- durchgezogen. So reicht die Liste der Erstunterzeichner von Stefan Zackenfels (SPD, MdA Berlin) über Sascha Kimpel (Attac Berlin), Sofia Eltrup (Bündnis 90 / die Grünen), Prof. Dr. Peter Grottian (Komitee für Grundrechte und Demokratie / FU Berlin) bis Marc Schlosser von der AAB. Damit der "erlebnisorientierte Jugendliche" nicht vor Langeweile stirbt, "sollen Straßenfeste und Kinderfeste durchgeführt werden, Hearings- und Diskussionsforen stattfinden, Musikgruppen und Klassiker auftreten, das satirische Kabarett seinen Platz haben, Demonstrationen vielfältiger Art eine Selbstverständlichkeit sein, Zukunftswerkstätten Phantasie und Kreativität herausfordern. Inhalte und Formen sollen etwas anbieten, was es noch nicht gegeben hat und Chancen für neue Politisierung öffnen." Das Ziel ist jedoch klar formuliert, es geht um "ein politisches Signal für eine andere politische Konfliktbewältigung"und ist damit dem alljärlichen Straßenfest der Berliner Polizei am 1. Mai in Form und Zweck gleichzusetzen.
Diese Bemühungen könnte man getrost als lächerlich abtun, wenn sich die radikalen Kräfte dem verweigern würden und die eigene revolutionäre Stärke betonen würden. Doch das Gegenteil ist der Fall. "Nach eigenen Aussagen reicht das Bündnis `von den Autonomen bis zur SPD.´" ( Berliner Zeitung, 12.02.02) Die AAB ist gar nicht faul und kümmert sich laut Protokoll "um die Diskussion im linksradikalen Spektrum der Stadt." "Die Revolutionäre 1. - Mai - Demo, die um 18 Uhr beginnt, soll ´integraler Bestandteil´ sein." (Berliner Zeitung, 12.02.02) Die Strategen der besagten Gruppe meinen damit, einen besseren Schutz für ihre Demo zu haben. Dieses Argument ist nicht nur historisch als die Logik des kleineren Übels ins revolutionäre Gedächtnis eingegangen, sondern hat sich in aller Konsequenz als Selbstentwaffnung der Revolutionäre erwiesen. (siehe unser Flugi: "Antideutsche, Antiimperialisten und die Logik des kleineren Übels") In der Konsequenz wird die AAB so das Potential dieser Demo in die ideologischen Fänge der parlamentarischen Linken treiben, indem einerseits das Rebellionsgefühl angesprochen und im selben Atemzug man sich in die oben beschriebene Kampagne einordnen wird. Die Radikalität dieser Gruppe reduziert sich auf die moralische Kritik: "Leider lässt sich nichts mehr vorhandenes vorfinden, das den Weg zum Reich der Freiheit weißt. Der einzige haltbare Standort ist der der Standortlosigkeit, die destruktive Kritik, die am schlechten Dasein nichts verbessern will, und das einzige Anliegen das der Überwindung des Kapitals als gesellschaftliches Verhältnis" (Aus Phase 2, Nr. 1 Artikel zum 1. Mai).
Die "Standortlosigkeit" zur Perspektive erklärt, hört sich radikal an, steht aber im Widerspruch zur zum unteren Teil des Zitats. Die Kritik des Reformismus steht ganz im Widerspruch zu ihrer Suche nach dem bürgerlichen Bündnispartner. Und damit hat die AAB Erfahrung, betrachtet man ihre "antifaschistische Lobbyarbeit", die sie schon neben Thierse aufs Podium führte oder zur verbalen Unterstützung von Josef Fischers Außenpolitik gegen Haider brachte. Beim abstrakten Antikapitalismus, der nicht nur von der AAB propagiert wird, spielt ein zur antagonistischen Kraft gewordenes Proletariat keine Rolle. Ihr Antikapitalismus kann sich nur in abstrakter Symbolik (gegen Bonzentreffen) oder verwaltender Politik (für "linke" Mehrheiten) ausdrücken. Für sie gibt es kein revolutionäres Subjekt, das sich in Kämpfen zur Klasse konstituiert und die Kraft gesellschaftlicher Veränderung besitzt. Die Betrachtung des Kapitalismus als konkretes gesellschaftliches Verhältnis im Spannungsfeld von Klassenkampf und Kapitalinteressen wird so realpolitisch negiert. Nun sehen wir die Konsequenz auch bei der AAB: Mit ihrer Standortlosigkeit findet sie sich im Schoße der bürgerlichen und zivilgesellschaftlich bewegten Mitte wieder.
Das Mitmachen im Bündnis "für einen politischen 1. Mai" ist genauso fatal, wie die Teilnahme an Wahlen oder der Versuch, in den Gewerkschaften praktische Politik zu betreiben. Das Argument ist immer gleich, dass man versuchen müsse, Relevanz zu erlangen, bzw. bessere Ausgangsbedingungen für die Revolutionäre zu schaffen. In der Konsequenz geht es dann um die Bündnisfähigkeit, wo man die revolutionären Inhalte verhandelt, taktiert und entstellt. Ganz dieser Logik entsprechend steht in der Interim 543: "Denn eines ist klar, wenn wir in pure Konfrontation zum Bündnis und nicht zumindest ein tolerantes Miteinander üben, brauchen Polizei und Senat uns gar nicht erst klein machen, das würden wir damit schon selbst besorgen." So ist man bereit mit für einen friedlichen 1. Mai zu sorgen, wenn die Polizei vom Kiez fern bleibt. "Sollten die Bullen auf der Oranienstraße gar nicht erst auftauchen, könnten wir sogar darauf verzichten, ihnen das Leben dort schwer zu machen." (Interim 543, 7.2.02) Gegen diese Logik schrieb schon Thomas Ebermann: "`Ohne Bullen keine Krawalle´ - das ist so spießig wie `ohne Kontrolleure kein Schwarzfahren`, ´ohne Überwachungskameras kein Ladendiebstahl`, ´ohne Stempeluhr keine Unpünktlichkeit`, ´ohne Gefängnismauern keine Flucht` oder pauschaler: ´Ohne Ordner keine Unordnung´" (Thomas Ebermann: Straße frei für die Polizei , zum 1. Mai 89). Keine humane Fabrik oder modifizierte Polizeitaktik kann das Übel der Ausbeutung und die Revolte dagegen verhindern. Von diese Erkenntnis, die alle Linken mal kannten, will man sich jetzt, so fern nicht schon früher geschehen, gemeinsam verabschieden.
Der revolutionäre 1. Mai ist jedoch nicht nur Aktionsfeld für die oben benannten Nachwuchspolitiker, sondern auch ein Zeichen von Revolte. Die gezeigte Wut gegen die herrschenden Verhältnisse, jehnseits staatlicher Politikverordnung ist dann auch das Positive. Gab es früher wenigstens noch den Versuch diese Wut inhaltlich zu artikulieren, reduzierten die Autonomen ihre Weltsicht auf die repressive Seite des Kapitalismus oder man überließ das Feld der Pop-Antifa. Aber auch bei den Autonomen erschöpfte sich der Inhalt auf die Repression, die sich konkretisierte an den einsitzenden RAF Leuten, an der Wohnungsnot, brutalen "Polizeieinsätzen", Aktivitäten gegen Faschos, dem Rassismus, Sexismus und aktuell am Krieg usw. Dieses für sich allein genommen, ist jedoch nicht Zweck, sondern Resultat der kapitalistischen Ordnung und dient meistens dazu, den ausbrechenden Untertan wieder mit Gewalt oder unter Androhung dieser, wieder einzugliedern. Der Zweck des Staates ist aber der, dass die Leute sich für die Reichtumsvermehrung abrackern sollen, alle 4 Jahre ihrer eigenen Beherrschung zustimmen und brav ihre Steuern, Abgaben und Beiträge zahlen. Die linke Weltsicht nimmt nicht zur Kenntnis, dass der Polizeiknüppel die Ausnahme, die Schule, Arbeit und das Wählen aber die Normalität sind. Der Mensch ist dabei weder geborener Untertan, noch natürlicherweise Rebell. Weil einem das Verständnis von kapitalistischer Gesellschaft abhanden gekommen ist, bewies man sich als Autonomer in den letzten Jahren lediglich selber, dass man sich nicht unterkriegen lässt. Dass jedoch ist nicht nur bescheiden, sondern auch nicht mehr politisch, denn wenn man niemanden mehr überzeugen will, braucht man auch keinen Standpunkt mehr und kann dann auch der jetzigen Integration wenig entgegensetzen.
Notwendig ist aber der linksradikale Standpunkt und für diesen gibt es eine jahrzehntelange Erfahrung unserer Geschichte. Und dazu gehört es vor allem die Demokratie als die entscheidende Verwaltungsform des Kapitals zu sehen. Diese kanalisiert nicht nur die Empörung der Produzenten des gesellschaftlichen Reichtums auf die parlamentarische Ebene, sondern macht uns zu individualisierten Staatsbürgern, die Stimmvieh für um Einfluß ringende Politiker sind. Sie hat sich zum Zweck der Herrschaftssicherung als äußerst effektiv gezeigt. Auch die ideologische Konstruktion der "Demokratie von Unten" hat das gleiche Ziel. Nur die Kontrolle der Politiker soll besser werden. Die Frage warum überhaupt Herrschaft und warum es diese als Institution überhaupt gibt, verschwindet so realpolitisch. Gleichzeitig ist das System durch diese "demokratischen Verbesserungen" stabiler geworden. Denn die Schaffung betroffenheitsorientierter Unterabteilungen, wie zum Beispiel Bürgerinitiativen oder das aktuelle Bündnis ermöglicht es den Parteien, sich darin zu tummeln. Das "bürgernahe" Gestalten macht aus der Bundesrepublik nur einen noch freieren Zwangsstaat. Zu einer freien Gesellschaft mit freien Menschen wird man aber so nicht kommen. Der Kapitalismus war und ist immer ein Klassenverhältnis, bei dem wir zu Konkurrenten um unser eigenes Produkt gemacht werden, bzw. wir uns zu Tode rackern damit die Profitmaschine funktioniert. Der politische Verfassungsstaat gerade in der Form der Demokratie will dieses Verhältnis absichern. Sie stellt in aller Konsequenz die "präventive Konterrevolution in Permanenz" (Agnoli) dar. Die scheinbare Stabilität wird aber immer wieder Konflikte und Revolten hervorbringen, wie die aktuellen in Argentinien. Diese Kämpfe die uns zu Subjekten der Veränderung machen, indem wir nicht mehr als Staatsbürger funktionieren, sind für uns der Bezugspunkt. Damit diese Kämpfe aber nicht wieder Abflauen oder integriert werden können, ist die Formierung einer Radikalen Linken gegen die Logik des kleineren Übels mit proletarischen Bezug auch gerade an diesem unter Rot - Rot standfindenden 1. Mai nötig. Das Vorhaben dieses Bündnisses muß mit den nötigen Kritiken veröffentlicht werden ( Protokolle dieses Bündnis sind auf unserer Internetseite nachzulesen). Wir wollen mit so vielen wie möglich gegen die "politische Konfliktbewältigung" als Befriedungskonzept praktisch in Aktion treten und der Linken des Kapitals, von der AAB über Attac bis zur SPD so einen Strich durch die Rechnung machen.
Feb. 2002
Zeitungskollektiv "Aufbrechen"
Gruppe B.O.N.E.
"Bündnis antiparlamentarische Linke"
Aus Agnoli: Auf dem Weg zur unmittelbaren Demokratie? "Was sich in der Forderung nach Basisdemokratie konkretisiert und das Entgegen kommen des Staates schon findet, erscheint beim ersten Zusehen als Ausweitung der gesellschaftlichen Autonomie. In der Wirklichkeit verwandelt sich die Autonomie in die eingegliederte Subsidiarität. Die Beteiligung wird institutionalisiert, in eine rechtliche Form gegossen und zu einem geregelten und kontrollierbaren Institut des Staates gemacht. Sie verliert mit anderen Worten genau ihre Qualität, staatsfreie, machtpolitisch, nicht tangierbare Räume zu schaffen und auszuweiten."
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Danke für diesen Beitrag
Euer Beitrag ist einer der besten die ich zu der Debatte bisher gelesen habe. Ich hoffe er findeteine weite Verbreitung und ein reges Interesse. Die "Parole" Keine humane Fabrik... macht darüberhinaus sehr schoen die Problematik um den 1. Mai 2002 deutlich. Sie an den Häuserwänden von Kreuzberg würde manche an der "Isolationsthese" der Bündnisextremisten zweifeln lassen. Für einen selbsbestimmten radikalen politischen ersten Mai. Wir richten unsere Politik nicht nach den Wünschen und dem Verständnis der Herrschenden und ihrer Stiefellecker aus.
regäahn
Jau !
Hi,
da kann ich dem/der Vorrednerin nur zustimmen - guter Beitrag. Allerdings auch ein paar Fragezeichen: den der Ansatz im AAB Aufruf "Das Ende der Gewalt, nämlich kein explizit revolutionäres Subjekt zu suchen oder zu finden ist gar nicht falsch. Was die da jetzt fabrizieren ist nicht die Folge dieser Überlegung sondern so ziemlich das Gegenteil...
Für das Ende der Gewalt - Kapitalismus abschaffen !
Revolte statt Volksfest!!!
P.S. AAB -> von euch hätten wir doch noch mehr erwartet ... erst grosse Töne spucken und dann.....
Ich fand den anderen Aufruf besser
schreiben. UNd zwar muss man das "in the face" tun also direkt ins Gesicht, da der Mensch von Natur aus so schnell vergisst, verdrängt. Ich würde gerne mal
mit 20 entschlossenen einen ganzen Stadtteil verändern quasi als Experiment. -Alle Werbung(Plakate) übermalen oder überkleben. -Eigene Plakate kleben(
auf der Erde Leben 6 Milliarden doch es gibt Nahrung und Platz für 18 MIlliarden, Stoiber legt kleine Kinder aufs Kreuz, Der Welt geht ist schlecht und es wird
immer schlimmer schneller und schneller......davon weisst du nichts ? Da siehst du mal wie unsere Mediengesellschaft funktioniert) -Info Blätter in Briefkästen
Ich wüsste mal gerne, wie die Leute reagieren wenn sich ihre Umwelt verändert. "
Übereinstimmung mit Einwand
Verständnisfragen
an 123
Autonome Republik Kreuzberg!!!
weder alternativ noch antinational: REVOLUTION IST DIE EINZIGE LÖSUNG!!!
;-) ;-)
AHA!
Denn eins ist klar, wir verlieren jeden Anspruch auf revolutionäre Veränderung, wenn wir, wie bereits vom Personenbündnis geschehen, in Geheimgesprächen mit Innensenat/Körting, Gewerkschaft der Polizei u.ä. Diensten einen "bullenfreien 1. mai" ausdealen!
1. mai ganz anders?!?!
repolitisierung des 1. mai gut und schoen, aber die richtung, in die politisiert wird, ist zum kotzen!!
** kein gemeinsamer 1.mai mit koerting und der gdp**
einefragean autonomxberg
Deshalb muss sich unser Kampf gegen jegliche Nationen richten.
Mao-Stalinistische Positionen sind auch nicht gerade fortschrittlich, ich würde so etwas eher als offene Konterrevolution bezeichnen. Falls Du lediglich die positiven Aspekte der Kulturrevolution hervorheben willst, könnten wir schon eher darüber reden.
Aber auf jeden Fall schön, dass es neben ein paar schwächeren Beiträgen am Anfang auch Äußerungen von Leuten gibt, die unseren Text gelesen und verstanden haben bzw. die revolutionäre Positionen vertreten, was mensch heutzutage ja immer seltener antrifft.
1.mai 2002
kindereien
deshalb sollte keineswegs an inhaltlicher kritik gespart werden, im gegenteil, der organisatorische rahmen des bündnisses sollte genutzt werden, um linksradikale positionen und widerstand in der öffentlichkeit zu tragen und eine grundsätzliche kapitalismuskritik im öffentlich diskurs zu verankern. wer sich davor fürchtet, kann seine/ihre revolution weiter in den eigenen vier wänden vollenden. erster mai, bullen frei - um so besser, es gilt den offenstehenden rahmen mit einem bundesweiten linksradikalen event zu füllen, der die gute tradition der letzten jahre toppen kann. viva la revolution
B.O.N.E. over the edge
Als keine Moderation ausserhalb der Technix zwischen den Vertretern des "unabhängigen Blocks" und der "AAB" noch möglich schien, erklärten wir unseren Ausstieg. Das hat wenig mit verkrümmeln zu tun. Unsere Konsequenz ist jedoch eben nicht, sich in die Arme des Klassengegners zu werfen. Kalte Wut und ungläubiges Staunen begleiteten die Lektüre des "Bürger"-bündnisses. Wie sagte doch anno 1996 ein Genosse der "revolutionären Funken" sinngemäss: "Die AAB, dass ist doch die Jugendorganisation der Grünen!" Damals habe ich euch in Schutz genommen. Traurig, er hatte recht!
Unsere Partei
ausserhalb ihrer selbst duldet, die Partei für die Aufhebung des Proletariats, die Partei der
sozialen Liquidation ist seit den Tagen des Manifestes (1848), der Internationalen
Arbeiterassoziation (1864), der Pariser Kommune (1870), also seit über 150 Jahren
modern. Die Ziele unserer Partei sind aktuell. Trotz all unserer Niederlagen verschwand
unsere Partei nie und wird solange nicht verschwinden, solange wir, das globale und
unteilbare Proletariat, existieren. Immer wieder nimmt unsere Partei ihren
hundertfünfzigjährigen Kampf in neuen Formen wieder auf. Das wird das Geheimniss ihres
historischen und künftigen Erfolges sein. Companeros, salud! Viva la liquidacion social!
an Kleine Lisa
bündnisse und netzwerke wie etwa das genua social forum u.a. in der vergangenheit
wichtige strukturen waren, um protest zu organisieren und zu vernetzen." Kleine Lisa, der grosse Lin Wei bezweifelt gerade das. Diese Strukturen dienen vor allem, um nicht zu sagen lediglich, der Eiverleibung des sich gegen die Lohnarbeit, gegen die generalisierte Warengesellschaft und des sich gegen die Staatlichkeit richtenden Widerstandes in die kapitalistische Theorie-Praxis. Ich will hier überhaupt nicht bezweifeln, dass viele "Antiglobalisierungs-AtivistInnen" dies subjektiv nicht wollen. Aber die gesamte "Antiglobalisierungsideologie" treibt diese "Netzwerke" in die Arme des Kapitals. Es kommt gerade darauf an, sich von solchen "Netzwerken" und "reformistischen Bündnissen" zu lösen und eine eigenständige, AUTONOME PROLETARISCHE ORGANISIERUNG zu initieren. Wir ProletarierInnen (ich hoffe, kleine Lisa, Du weisst ungefähr, was und wen ich damit meine - der normale indymedia-Nutzer ist damit allerdings überfordert und denkt, dass es Proletarier nicht mehr gäbe, ausser in der kranken Fantasie des "Dogmaten-Lin Wei", da der fordistische Massenarbeiter und Brieftaubenzüchter eine zumindestens in manchen Weltgegenden aussterbende Spezies ist) sollten uns selbst gegen die Lohnarbeit organisieren. DAS wäre ein anstrebenswertes Ziel. An der "Organisierung und Vernetzung" irgendwelcher Proteste bin ich überhaupt nicht interessiert. Das hatten wir doch seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Es ist nichts Neues. Und wozu führten diese "sozialen Bewegungen"? Heute führt bekanntlich die zivilgesellschaftliche Linke die deutsche imperialistische und antiproletarische Politik. Schilly, Schröder, Scharping, Fischer und wie sie alle heissen ... Und Du redest von "Netzwerken" und "Bündnissen". Gegen diese künstlichen halbstaatlichen, möchtegernstaatlichen, noch nicht völlig, aber bald in den modernen Kapitalismus vollständig integrierten Gebilde, setze ich alle meine Hoffnung auf "Unsere Partei" (das doppelte Posting von "Unsere Partei" war übrigens ein Versehen, Entschuldigung). Deshalb unterstütze ich auch den Aufruf von "Aufbrechen" usw., obwohl ich damit nicht vollständig übereinstimme (s. meinen Einwand weiter oben).
Suche: AUTONOME PROLETARISCHE ORGANISIERUNG
nicht nur sauber, sondern auch noch rein
Wider den Waschzwang
Sollte es stimmen, dass radikale Linke nicht mehr mit radikalen Linken kommunizieren wollen, weil jene auch mit weniger Radikalen kommunizieren, dann lohnt es sich kaum mehr den Regeln eines rationalen Diskurses zu folgen. Denn wer nicht bereit ist zu kommunizieren, braucht selber auch nicht mehr argumentieren. Anstelle von Sinnkonstruktionen, sollte dann richtiger weise lieber ein Rauschen treten. Ein Rauschen, dass in seiner Form dem vorherrschenden Fanatismus und Wahn adäquater wäre, weil es nicht vortäuscht durch den rationalen Sprechakt eigene Geltung zu beanspruchen. Jedes Posting wäre überflüssig, weil es Kommunikation wäre, die beansprucht Nicht-Kommunikation zu sein. Welch eine paradoxe Situation.
Für einen linksradikalen 1. Mai
Während also ein großer Teil der Linken durch Desinteresse oder Praxisunfähigkeit glänzte, sah sich ein anderer Teil genötigt nicht über politische Inhalte, sondern - ganz der bürgerlichen Vorgabe folgend – über pro und contra des Steinewerfens zu diskutieren. Ohne Zweifel erkannten hier bestimmte Kreise ihre Liebe für das Heimische wieder und mit lokalpatriotischem Pathos wurde Kreuzberg 36 zum Sozialghetto stilisiert, in dem zwischen Rassismus, Arbeitslosigkeit und Islam sich ein neues revolutionäres Subjekt konstruiere. Gegen diese Idealisierung zur Verelendungsrevolte mahnte ein anderer Teil der Szene, die Riots seien von jedem politischen Inhalt entleert und was sich jedes Jahr wiederhole sei ein reines Ritual, das neben Hooligans und Zivi Cops „erlebnisorientierte“ Jugendliche aus gutbürgerlichem Hause zum Krawall-Tourismus anlocke.
Wie aber ein linksradikaler erster Mai gemeinsam gestaltet werden könnte, darüber wurde herzlich wenig diskutiert. Als die revolutionäre 1. Mai Demo verboten wurde, herrschte Ratlosigkeit vor und wieder einmal wurde sich die Linke ihrer eigenen Schwäche bewusst. Dennoch denken wir, dass es ein wichtiges Zeichen war, dass die Demo – wenn auch im Verbund mit Bürgerrechtsgruppen – durchgesetzt wurde. Das aus der Erfahrung des letzten Jahres mit Demonstrationsverbot, Aufenthaltsverfügungen, Meldeauflagen und einem brutalen Polizeieinsatz sich ein Anti-Repressionsbündnis um den FU Professor Peter Grottian gebildet hat, können wir daher nur begrüßen. Dennoch sind wie uns bewusst, dass es sich bei dem mittlerweile gewachsenen Bündnis „Denk Mai neu. Für einen politischen und polizeifreien 1. Mai“ nicht um ein linksradikales Projekt handelt. Außerdem teilen wir die Einschätzung, dass zumindest ein Teil der Personen ein Befriedungsinteresse verfolgt, welches sich nicht allein nur die Polizei beschränkt. Hierzu gilt es in der radikalen Linken eine Position zu finden ohne in platte Vorverurteilungen und Verratsvorwürfe zu verfallen. Es ist bezeichnend, dass „Gruppen“, die bisher kaum durch politische Praxis aufgefallen sind, jetzt der Antifaschistischen Aktion Berlin (AAB) den „Reformismus“-Vorwurf machen, weil diese mit Menschenrechtsgruppen im Bündnis zusammenarbeitet. Gerade die Erfahrungen vom letzten Jahr oder erst jüngst in München haben gezeigt unter welchem Repressionsdruck linksradikale Politik steht. Insofern halten wir es für legitim, strategisch mit Bürger- und Menschenrechtsgruppen zusammenzuarbeiten um eine linksradikalen ersten Mai 2002 in Berlin realisieren zu können und wir fordern alle auf eine offene Diskussion über die inhaltliche Gestaltung dieses Tages zu führen. Denn ohne Frage schafft das Bürgerbündnis einen Freiraum den die radikale Linke für sich nutzen sollte um ihre eigenen Positionen und Inhalte zu vermitteln.
Rigaer 94 muss bleiben.
Für ein soziales Zentrum.
Für einen linksradikalen 1. Mai 2002
Einige Leute aus F-hain