Konvoi/ /Potsdam

Antifa Aktion Potsdam 23.01.2002 14:38 Themen: Militarismus
Am 26. januar startet in Berlin ein antimilitaristischer Konvoi. Sein Ziel ist das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in der Geltower Treskow-Kaserne. Diese Einrichtung ist direkt dem Bundesverteidigungsministerium unterstellt und dient dazu, deutsche Out-of-Area- Einsätze zu planen und durchzuführen.

Unter anderem wird in Potsdam eine Kundgebung stattfinden. Hier können sich PotsdamerInnen dem Konvoi anschließen.
Tatortbesichtigung: Geltow is in Germany

Kambodscha, Somalia, Bosnien, Serbien/ Kosovo, Mazedonien, Afghanistan: die Liste deutscher Militäreinsätze im Ausland wird immer länger. Was vor wenigen Jahren als bescheidener Sanitätseinsatz im UN-Rahmen begann, wurde mit beängstigender Geschwindigkeit zum NATO-Bombenabwurf über Jugoslawien und zur deutschen Fussstreife in Kabul.
Auf jeder dieser Treppenstufen in die Oberliga der Weltmächte wurde die deutsche Geschichte nieder getrampelt. Deutschland auf dem Weg in die totale Normalität.
Der "Kosovo-Mission" der Bundeswehr kommt eine besondere Bedeutung zu. Die aktive Teilnahme an der Bombardierung, die maßgebliche Beteiligung an der Errichtung von Quasi-Protektoraten auf dem Balkan stellen einen qualitativen Sprung dar. Der mangelnde Wille der USA, sich weiterhin auf dem Balkan zu engagieren, bot der Bundesrepublik die Chance, über die Anführung des darauf folgenden Mazedonien-Einsatzes ihre Stellung als Führungsmacht innerhalb Europas zu auszubauen.
Dieser neue Kurs findet seine Entsprechung auf ideologischer Ebene; zur Rechtfertigung des Einmarsches der deutschen Truppen in Jugoslawien führte die Bundesregierung Auschwitz ins Feld und verleibte so den Holocaust der Rot/Grünen Staatsraison ein. Wehmachtsausstellung, Walser- und Finkelsteindebatte: in der Berliner Republik hat sich das deutsche Selbstverständnis stark verändert. Da die Chance der Historisierung besteht, freundet sich die Bundesrepublik mit ihrer Vergangenheit an.
Folgerichtig ist die deutsche Vergangenheit nun kein Hindernis mehr, wenn es darum geht, in Afghanistan die internationale Hackordnung der "New World Order" (Bush Senior) neu zu definieren; wer hier nicht dabei ist, wird hinterher keine bedeutendere Rolle mehr spielen können. Als ob es Europa und die EU nie gegeben hätte, versuchte sich Deutschland in den Vordergrund zu drängen und sich den USA als verlässlicher Partner zur empfehlen. Gleichzeitig war jedoch allerorten die selbstgefällige Arroganz einer vermeintlichen moralischen Überlegenheit der "mäßigenden, vernunftgeleiteten" Kraft gegenüber den als hitzköpfig und überheblich dargestellten Amerikanern zu verspüren.
Die Bundeswehr erweist sich nicht nur als ein Werkzeug, sondern als treibende Kraft und Türöffner der Außenpolitik der Berliner Republik. Ihre Funktion als Garant für die Durchsetzbarkeit der Interessen der BRD als einem kapitalistischen Staat zeichnete sich bereits in den frühen Neunziger Jahren ab, als in den Verteidigungspolitischen Richtlinien die Zugangssicherung zu Rohstoffen in der ganzen Welt zum Aufgabenprofil der Bundeswehr gezählt wurde. Mittlerweile sind etwa 60.000 deutsche Soldaten im Ausland eingesetzt oder fest dafür eingeplant. Klar erkennbar wird der deutsche Perspektivwechsel, wenn Außenminister Fischer inzwischen von deutscher "Weltinnenpolitik" spricht. Die Welt als ganze hat er folglich bereits fest im Blick; nur für Ordnung und Sicherheit muss noch gesorgt werden.
Zu deutschen Interessen gehört auch, das völkische Kollektiv gegen Flüchtlings-"Ströme" zu verteidigen; nötigenfalls auch außerhalb der Grenzen der Festung Europa, wie Bundeskanzler Schröder während des Kosovokrieges unumwunden zugab.
Symptomatisch für diese Politik steht die Umstrukturierung der Bundeswehr von einer auf Landesverteidigung ausgerichteten Armee hin zu einer Interventionstruppe. Im Verlaufe dieser Entwicklung wurde in der unmittelbaren Umgebung von Potsdam eine zentrale Koordinierungsstelle für deutsche Auslandseinsätze, das so genannte Einsatzführungskommando, eingerichtet. Es untersteht direkt dem Verteidigungsministerium. Von der Geltower Havellandkaserne aus werden diese Einsätze geplant und durchgeführt, wie aktuell der deutsche Anti-Terror-Beitrag.

Am 26.1. startet in Berlin der antimilitaristische Konvoi "Tatortbesichtigung". Lautstark und unübersehbar werden mit Bussen, Taxen und PKW verschiedene öffentliche und private Institutionen -Tatorte- in Berlin und Potsdam aufgesucht und das Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft, Militär und Medien veranschaulicht.
So wird deutlich: der Krieg geht von hier aus, also muss er auch hier gestoppt werden!

Kundgebung
>>26.Januar 02 14:00 Uhr>  http://aapo.antifa.net<<
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