EU-Studi-Streik - Wofür? Wogegen?
Die Idee, europaweit gegen die kapitalistische Zurichtung des Bildungswesens zu demonstrieren ist sinnvoll. Doch wo liegen die inhaltlichen Grundlagen der möglichen Bewegung? Versuch einer linksradikalen und antinationalen Positionsbestimmung
Do we know our enemy?
Eine Einladung, die inhaltlichen Grundlagen einer möglichen neuen Studierendenbewegung zu diskutieren
Berlin/Brüssel, Dezember 2001
“Universitäre Bildung befindet sich auf einem hohen Qualitätsstandard, wenn Absolventen in einer solchen Weise ausgebildet sind, dass sie ohne Probleme auf dem Arbeitsmarkt Verwendung finden.”
(Cor Herkströter, Shell)
Universitäten werden zusehends abhängiger von der kapitalistischen Wirtschaft. Studiengänge werden nach den Vorgaben von Think-Tanks multinationaler Konzerne wie dem Bertelsmann-nahen CHE umstrukturiert. Die Konsequenzen können wir täglich beobachten: Werbung ist integraler Bestandteil der Uni-Einrichtung, Studienmaterial wird von Unternehmen gesponsert und eine wachsende Anzahl von ProfessorInnen steht gar auf der Gehaltsliste großer Konzerne! Der Ausverkauf der Bildung nach kapitalistischen Interessen ist eine schwerwiegende Verletzung grundlegender Rechte wie dem Recht auf freie Bildung und sozialer Gleichheit. Deswegen unterstützen wir die Initiative, auf europäischer Ebene Aktionen und Streiks an Schulen und Universitäten zu organisieren. Darüber hinaus können wir weiter an einer linksradikalen Analyse der Entwicklungen an unseren Universitäten arbeiten.
Heilmittel staatliche Regulation?
Die Entwicklungen, die vor unseren Augen stattfinden, können weder allein mit einem einfachen Verweis auf den undemokratischen Charakter internationaler Vereinbarungen und Institutionen wie dem GATS oder der WTO, noch mit der Schwächung des Nationalstaates oder – wie die meisten Rechten behaupten – der “Amerikanisierung” von Bildung erklärt werden. Die Betonung der wachsenden Rolle internationaler Institutionen und des fiktiven Machtverlustes der Nationalstaaten in diesem Prozess suggeriert, dass sich Bildung beim Nationalstaat einmal in guten Händen befand. Ein Blick auf das reaktionäre akademische Klima der 50er Jahre genügt, die Problematik dieser Perspektive aufzuzeigen. Allein die massiven Studierendenproteste der letzten Dekaden eröffneten Raum für kritische Wissenschaften, Innovation und soziales Engagement an den Universitäten.
In den Händen des Staates oder kommerzieller Unternehmen sind Universitäten Institutionen zur Disziplinierung junger Menschen zu “guten Bürgern” in einem patriarchalen und kapitalistischen Staat. Der Kapitalismus braucht den Nationalstaat und seine Institutionen zur Disziplinierung seiner zukünftigen Arbeitskraft. Studiengebühren verfolgen zum Beispiel nicht nur ein ökonomisches Ziel: Bildung kostet wesentlich mehr, als Studierende jemals bezahlen könnten. Ihre Hauptfunktion ist, Studierende zu zwingen, gehorsam zu studieren und ihr Studium in kurzer Zeit zu beenden. Zeit für breite und kritische Bildung sowie für politisches Engagement geht verloren. Während ihres Studiums und danach müssen Studierende in Unternehmen oder Verwaltungen unter oft prekären Verhältnissen jobben, um ihre Gebühren zurück zu zahlen.
“Die Wettbewerbsfähigkeit Europas hängt von der Qualität der Bildung ab.”
(European Round Table of Industrialists)
Anti-Kapitalismus oder Anti-Amerikanismus?
Mit der sozialdemokratischen Vorstellung des “guten” Nationalstaates, der seine BürgerInnen gegen “böse” kapitalistische Interessen beschützt, geht oft die Interpretation einher, die aktuellen Umstrukturierungen der europäischen Bildung sei Konsequenz der wachsenden Dominanz des “neoliberalen” angelsächsischen Bildungskonzeptes über das “sozialere” europäische Bildungssystem. Diese Analyse ist falsch. Der Umbau der Bildung resultiert nicht aus amerikanischem Druck oder US-Dominanz. In den letzten Dekaden hat die ökonomische und politische Macht der Europäischen Union zugenommen. Aus ihrem Kampf mit den anderen imperialistischen Blöcken, den USA und Japan, ergibt sich die Notwendigkeit eines disziplinierteren Bildungssystems. Universitäten sollen ihre Staaten mit verwertbarem Wissen und konformistischem Personal füttern, das über Spezialqualifikationen, nicht aber über breite und kritische Bildung verfügt.
Wir sind gegen den Neoliberalismus, aber wir stimmen der vielfach verbreiteten These, wonach eine sogenannte “Amerikanisierung” die Wurzel allen Übels sei nicht zu. Die zusehends dominante Position des Englischen als Weltsprache ermöglicht es Studierenden aus der ganzen Welt, miteinander zu kommunizieren. Wir würden uns wünschen, dass Feminismus und Gender Studies in Deutschland die gleiche Aufmerksamkeit und finanzielle Förderung erführen wie an zahlreichen nord-amerikanischen Universitäten.
Die Entwicklungen, die gegenwärtig an den Universitäten stattfinden, können unter zwei Begriffen zusammengefasst werden: erst disziplinieren, dann kommerzialisieren. In beiden Prozessen kooperieren der Nationalstaat und die kapitalistische Wirtschaft in einer rechten Offensive zur Eroberung eines der letzten Rückzugspunkte der linken Bewegung.
Deswegen kann sich eine revitalisierte studentische Opposition nicht alleine im Protest gegen eine abstrakte Globalisierung erschöpfen. Stattdessen muss sie gegen den Nationalstaat, gegen den Kapitalismus, gegen alle Formen und Strukturen kapitalistischer, patriarchaler, rassistischer und staatlicher Disziplinierung und Unterdrückung kämpfen.
Wir laden alle Interessierten ein, die Chancen und Möglichkeiten einer anti-nationalen und linksradikalen Studierendenbewegung zu diskutieren.
no border – no nation – no state
Eine Einladung, die inhaltlichen Grundlagen einer möglichen neuen Studierendenbewegung zu diskutieren
Berlin/Brüssel, Dezember 2001
“Universitäre Bildung befindet sich auf einem hohen Qualitätsstandard, wenn Absolventen in einer solchen Weise ausgebildet sind, dass sie ohne Probleme auf dem Arbeitsmarkt Verwendung finden.”
(Cor Herkströter, Shell)
Universitäten werden zusehends abhängiger von der kapitalistischen Wirtschaft. Studiengänge werden nach den Vorgaben von Think-Tanks multinationaler Konzerne wie dem Bertelsmann-nahen CHE umstrukturiert. Die Konsequenzen können wir täglich beobachten: Werbung ist integraler Bestandteil der Uni-Einrichtung, Studienmaterial wird von Unternehmen gesponsert und eine wachsende Anzahl von ProfessorInnen steht gar auf der Gehaltsliste großer Konzerne! Der Ausverkauf der Bildung nach kapitalistischen Interessen ist eine schwerwiegende Verletzung grundlegender Rechte wie dem Recht auf freie Bildung und sozialer Gleichheit. Deswegen unterstützen wir die Initiative, auf europäischer Ebene Aktionen und Streiks an Schulen und Universitäten zu organisieren. Darüber hinaus können wir weiter an einer linksradikalen Analyse der Entwicklungen an unseren Universitäten arbeiten.
Heilmittel staatliche Regulation?
Die Entwicklungen, die vor unseren Augen stattfinden, können weder allein mit einem einfachen Verweis auf den undemokratischen Charakter internationaler Vereinbarungen und Institutionen wie dem GATS oder der WTO, noch mit der Schwächung des Nationalstaates oder – wie die meisten Rechten behaupten – der “Amerikanisierung” von Bildung erklärt werden. Die Betonung der wachsenden Rolle internationaler Institutionen und des fiktiven Machtverlustes der Nationalstaaten in diesem Prozess suggeriert, dass sich Bildung beim Nationalstaat einmal in guten Händen befand. Ein Blick auf das reaktionäre akademische Klima der 50er Jahre genügt, die Problematik dieser Perspektive aufzuzeigen. Allein die massiven Studierendenproteste der letzten Dekaden eröffneten Raum für kritische Wissenschaften, Innovation und soziales Engagement an den Universitäten.
In den Händen des Staates oder kommerzieller Unternehmen sind Universitäten Institutionen zur Disziplinierung junger Menschen zu “guten Bürgern” in einem patriarchalen und kapitalistischen Staat. Der Kapitalismus braucht den Nationalstaat und seine Institutionen zur Disziplinierung seiner zukünftigen Arbeitskraft. Studiengebühren verfolgen zum Beispiel nicht nur ein ökonomisches Ziel: Bildung kostet wesentlich mehr, als Studierende jemals bezahlen könnten. Ihre Hauptfunktion ist, Studierende zu zwingen, gehorsam zu studieren und ihr Studium in kurzer Zeit zu beenden. Zeit für breite und kritische Bildung sowie für politisches Engagement geht verloren. Während ihres Studiums und danach müssen Studierende in Unternehmen oder Verwaltungen unter oft prekären Verhältnissen jobben, um ihre Gebühren zurück zu zahlen.
“Die Wettbewerbsfähigkeit Europas hängt von der Qualität der Bildung ab.”
(European Round Table of Industrialists)
Anti-Kapitalismus oder Anti-Amerikanismus?
Mit der sozialdemokratischen Vorstellung des “guten” Nationalstaates, der seine BürgerInnen gegen “böse” kapitalistische Interessen beschützt, geht oft die Interpretation einher, die aktuellen Umstrukturierungen der europäischen Bildung sei Konsequenz der wachsenden Dominanz des “neoliberalen” angelsächsischen Bildungskonzeptes über das “sozialere” europäische Bildungssystem. Diese Analyse ist falsch. Der Umbau der Bildung resultiert nicht aus amerikanischem Druck oder US-Dominanz. In den letzten Dekaden hat die ökonomische und politische Macht der Europäischen Union zugenommen. Aus ihrem Kampf mit den anderen imperialistischen Blöcken, den USA und Japan, ergibt sich die Notwendigkeit eines disziplinierteren Bildungssystems. Universitäten sollen ihre Staaten mit verwertbarem Wissen und konformistischem Personal füttern, das über Spezialqualifikationen, nicht aber über breite und kritische Bildung verfügt.
Wir sind gegen den Neoliberalismus, aber wir stimmen der vielfach verbreiteten These, wonach eine sogenannte “Amerikanisierung” die Wurzel allen Übels sei nicht zu. Die zusehends dominante Position des Englischen als Weltsprache ermöglicht es Studierenden aus der ganzen Welt, miteinander zu kommunizieren. Wir würden uns wünschen, dass Feminismus und Gender Studies in Deutschland die gleiche Aufmerksamkeit und finanzielle Förderung erführen wie an zahlreichen nord-amerikanischen Universitäten.
Die Entwicklungen, die gegenwärtig an den Universitäten stattfinden, können unter zwei Begriffen zusammengefasst werden: erst disziplinieren, dann kommerzialisieren. In beiden Prozessen kooperieren der Nationalstaat und die kapitalistische Wirtschaft in einer rechten Offensive zur Eroberung eines der letzten Rückzugspunkte der linken Bewegung.
Deswegen kann sich eine revitalisierte studentische Opposition nicht alleine im Protest gegen eine abstrakte Globalisierung erschöpfen. Stattdessen muss sie gegen den Nationalstaat, gegen den Kapitalismus, gegen alle Formen und Strukturen kapitalistischer, patriarchaler, rassistischer und staatlicher Disziplinierung und Unterdrückung kämpfen.
Wir laden alle Interessierten ein, die Chancen und Möglichkeiten einer anti-nationalen und linksradikalen Studierendenbewegung zu diskutieren.
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
ab montag
Selbstmord aus Angst vor dem Tod
Selbstmord aus Angst vor dem Tod
Vor gerade mal vier Wochen, im traurigen Monat Dezember war´s, da krachte eine fundamentale Neuerung in die Existenz der niedersächsischen StudentInnen. Im Windschatten eines völkerrechtswidrigen und menschenverachtenden Krieges, der Installierung bürgerrechteabbauender Gesetze und einer Pseudodiskussion ¸über Einwanderung hauchte der kalte Wind der schlechten Weltverhältnisse ins studentische Gemüt. Doch ans Verdrängen so gewöhnt, vom Alleinsein ohnmächtig, der kritischen Reflektion fern und an Erfahrung im politischen Handeln arm, gab es nicht mal mehr symbolische Proteste der Studierendenschaft, kein letztes Aufbäumen, geschweige denn ein "Jetzt reicht es uns, jetzt rollen wir den Laden auf".
Die ASten informierten, ganz ihrer Dienstleistungsideologie treu, es gebe ab 2003 Studienkonten und es würden Gebühren von bestimmten Studierenden erhoben. JedeR StudentIn durfte isoliert zur Kenntnis nehmen, welch Horrorkatalog bald individuell auszuhalten sein wird, wenn man sich an einer niedersächsischen Hochschule bilden will. Statt auf den asozialen und ungesellschaftlichen Charakter von Studiengebühren zu verweisen, statt diesen bildungspolitischen Supergau beim Namen zu nennen und an dessen realem Ort zu thematisieren, unter Einbeziehung der politischen und gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse, wurde landesweit die regressive Flucht in das Fest der heiligen Familie genutzt, um vor den Zukunftssorgen und Existenzängsten wieder mal zu fliehen.
Für diese Passivität hatte im November 2001 der überwiegende Teil der Mitglieder des StudentInnenparlamentes der Universität Osnabrück gute Vorarbeit geleistet. Dort sprach man sich interessengemäß natürlich auch gegen Studiengebühren aus. Doch in der Ablehnungserklärung wurde trotz Kritik einiger weniger StuPa Mitglieder Wissenschaftsminister Oppermann nach dem Mund geredet, indem an der ministerialen Formulierung "Langzeitstudiengebühren" festgehalten wurde. So ist die Absicht der herrschenden Politiker aufgegangen, die restlichen solidarischen Bande unter den StudentInnen zu zerschneiden und somit jederzeit den Druck auf die Studierenden erhöhen zu können.
"Wenn es sich doch nur um Langzeitstudiengebühren handelt, bin ich ja gar nicht betroffen, wenn ich mich beeile.." denken sich die Studierenden, dem verinnerlichten und realen Druck von Elternhaus und BAföG-Amt nie entkommen, und fixieren sich noch mehr auf berufs- bzw. verwertungsrelevante Bildungsinhalte. Ohne hier den marktradikalen Kurs der SPD auch nur indirekt zu loben, sei bemerkt, dass sich die Basis dieser Partei auf ihrem Parteitag gegen jede Form von Studiengebühren ausgesprochen hat.
Dass sich die im StudentInnenparlament vertretenen Krabbelgruppen der staatstragenden Parteien in der Studiengebührenfrage rechts von der Basis der Regierungspartei ansiedeln, bedarf, wenn man dies verstehen will, einer sozialpsychologischen Analyse. Sich dem Gestus der niedersächsischen Unbildungspolitiker anzubiedern, verweist zumindest auf den Zustand der totalen Eingeschüchtertheit der meisten VertreterInnen der Studierenden und auf deren Missverständnis, Realpolitik als Anpassung zu betreiben. Dass die Stu
dierenvertretungen sich gegenüber den LandespolitiktechnokratInnen im strategischen Nachteil befinden und immerzu auf neue Gesetzeszumutungen reagieren müssen, ist klar und leider immer mehr die zentrale Aufgabe der studentischen Selbstverwaltung. Denn in der heutigen Zeit, in der Bildung bei der Herstellung von sogenannten Hochqualifizierten eher stört, geht es darum, schnell verwertbare Arbeitskräfte zu bekommen, um diese noch schneller auspressen zu können.
Das Interesse auszubeuten wird von Industrie, Politik und Medien schon seit geraumer Zeit nicht mehr verschwiegen, es gehört sogar zum guten Ton. Aber gerade weil die Hochschulen immer Einrichtungen zur Herstellung von Arbeitskräften waren und somit objektiv Teil der Gesellschaft sind, ist der freiwillige Verzicht auf eine Hochschulpolitik mit gesamtgesellschaft-licher Ausrichtung, den die Studierenden betreiben, fatal. Es ist Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Die allgemeinpolitische Reflektion der studentischen Interessenlage ist unabdingbar, um sich nicht im Strudel der Sachzwänge ohnmächtig immer dem scheinbar kleineren Übel hingeben zu müssen.
Nur im Bewusstsein und Bezug auf die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen ist überhaupt noch gegen Einzelverschärfungen wie Studiengebühren zu kämpfen.
Denn das kleinere Übel, die "Langzeitstudiengebühren" sind nicht nur echte Studiengebühren für reale Menschen, sondern die Vorhut von Studiengebühren für alle Studierenden, die erst noch installiert werden sollen.
Auch wenn das niedersächsische Haushaltsbegleitgesetz 2002, welches die Studiengebühren regelt, beschlossen ist, müssen der Kampf gegen Studiengebühren und der Kampf gegen die Vielzahl der anderen gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten weitergeführt und weiterentwickelt werden. Studiengebühren sind ein gnadenloses Disziplinierungsmittel, sie wirken im Kopf, machen Angst, rauben die Wünsche und real beschränken sie die eh geringen eigenen finanziellen Freiräume und freie Zeit; sie sind das ideale Instrument, um die Bildungsstätte Hochschule vollends zur kritik- und geistfreien Wissenschaftsfabrik zur Produktion von flexiblen FachidiotInnen zu machen.
Auf die Gesellschaftsgruppen, die Interesse an solchen Aussichten haben, brauchen wir Studierende nicht zu hoffen. Unsere Solidarität muss anderen gelten, wenn wir Solidarität für unsere eigene Entfaltung erfahren wollen.
Wogegen - klar; Wofür?
Die Anwort auf das wofür nicht zu haben, ist kein Verbrechen. Aber nicht mal den Anspruch zu haben, konkrete Verbeserungen und eine Strategie, die nicht nur Utopie als Ziel sondern auch Schritte zur realistischen Umsetzung kennt, zu entwickeln, find ich sehr schade (um es diplomatisch auszudrücken).
Na ja, solange hier so geredet wird, kann man sicher sein, dass die meisten Menschen/studierenden ihre Anworten innerhalb des bösen systems suchen - da finden sie wenigstens welche.
Gruß,
Emiliano
P.S.: Gysi ist natürlich der nächste Verräter, schliesslich macht er ja konkrete Politik. Da hat doch wieder jemand in seiner Anklageschrift einen Schuldigen vergessen - aber vielleicht liegts ja daran, dass der Artikel offenbar noch im Dez. verfasst wurde.
Was ist überhaupt konkrete Politik?
Den Selbstmordtext damit zu kritisieren, das darin vereinfachend argumentiert und nur die Sozialdemokratie abgewatscht würde, wird den vorgebrachten Ideen nicht gerecht. Es ist eher erfreulich wenn es von studentischer Seite Versuche gibt die individuelle Situation von Studierenden wahrzunehmen, konkrete hochschulpolitische Manöver zu verfolgen, die bürgerliche Bildungspolitik in den Blick zu bekommen und dies in den Kontext der Entwicklung dieser Gesellschaft zu bringen.
Es wird doch gerade der Frage nachgespürt, wo die inhaltlichen Grundlagen für Protest überhaupt liegen. Revolutionärer Kampf ist im Moment leider eher theoretisch und wissenschaftlich, statt pragmatisch und schnell realisierbar. Realisierung gegen Verstehen ausspielen zu wollen ist auf jeden Fall ein Fehler, wenn radikale Veränderungen angestrebt werden sollen. Für den Bereich der Bildung heißt dies, es muss der reale, auch in Schulen und Unis alltägliche Leistungsfetischismus angegriffen werden, sonst macht doch eine neue Studierendenbewegung gar keinen Sinn, da sie dann Konkurrenz- und Ausbeutungsverhältnisse nicht thematisieren würde. Das es unnötig ist auf bürgerliche Politiker zu hoffen ist eben leider bewiesen, so wie es klar ist, dass ein paar Entschlossene nicht reichen, den anderen kurz mal vorzumachen, was sie zu tun haben. Die Studies, wie alle Menschen, die unter der herrschenden Gesellschaftsform leiden, müssen ihren Widerstand aus ihren eigenen Erfahrungen heraus, aus ihrem eigenen Leiden, Verstehen, Kämpfen und Wünschen entwickeln. Alles andere ist Sand in den Augen. Und gerade in der Akademie ist noch ein wenig Zeit, um Kritik zu denken und Theorie zu tanken, um nicht auch noch im real verstehendem und utopischen Denken (vgl. „Bürgerkrieg in Frankreich“ 1871, MEW 17, 557) eingemacht zu werden. Wie wichtig und schwierig es ist, sich kritische Bildungsinhalte anzueignen, lässt sich prima im ersten Kapitel der „Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss erahnen, auch lohnen sich zwei Blicke in den Text „DREI ZU EINS“ von Klaus Viehmann u.a., wo es im V. Kapitel heißt: „Theoriefeindlichkeit ist eine teilweise Selbstentwaffnung, weil ohne Theorie nur noch unmittelbar erfahrene Herrschaft registriert wird ohne deren Struktur, Geschichte und globale Reichweite.“ Vollends klar ist, dass es praktische Ansätze und gesellschaftsrelevante Praxis geben muss und in (kümmerlichen) Ansätzen auch gibt. Die Grundlagen dafür, sind aber doch leider so schwach, Emiliano weißt ja mit der Art seiner Kritik selbst auf diesen Zustand hin, indem er Praxis postuliert, aber eben auch nicht benennt, dafür aber so tut, als sei es ja so einfach und bedient sich des leider autoritären Tricks, Denken abzuwerten, welches nachspürt und sucht, aber nicht gleich Antworten parat hat. Es muss eben ausgehalten werden, nach den Voraussetzungen für revolutionäres Tun zu fragen und die Grundlagen für Handlungsperspektiven auch zu erarbeiten und zu vermitteln. Das klingt zwar erst mal nicht erotisch, sondern eher zäh, es ist aber allemal realistischer als so genannte „Realpolitik“. Radikale Kritik und Praxis dürfen die gesellschaftlichen Ausbeutungs- und Kräfteverhältnissen nicht unterschätzen, im Gegenteil, im vollen Bewusstsein, vor Ekel kotzend, muss der Kampf, ohne Hoffnung auf schnelle Machbarkeit, konkret und utopisch gleichzeitig geführt werden.
Wenn es um eine radikale StudentInnenbewegung gehen soll, muss der Widerstand gegen die Einführung von Studiengebühren verbunden werden ,mit dem nur scheinbar utopischen Bemühen, das Leben als ewige Prüfungssituation, nicht weiter als normal hinzunehmen.
Zwei Texte die in diesem Kontext als hilfreich erscheinen sind, „Das Elend der Studenten und der Beginn einer Epoche“, siehe
Für eine revolutionäre StudentInnenbewegung, als Teil einer Bewegung aller Wütenden.