Ticker: Repression in Buenos Aires

stw 11.01.2002 07:48 Themen: Globalisierung
Indymedia Argentina berichtet zur Zeit im Minutentakt über die Polizeirepression in Buenos Aires, die einer größeren Cacerolazo seit den späten Abendstunden (Ortszeit) folgte.
Es ist jetzt 3:50 Uhr morgens in Buenos Aires. Seit etwa 6 Stunden findet eine breite Cacerolazo (Kochtopfdemo) in zahlreichen Vierteln der Großstadt gegen Duhalde, den Obersten Gerichtshof, die Abwertung des Peso und die Beschränkungen beim Geldabheben statt. Strassen wurden blockiert, Feuer angezündet und viele versammelten sich auf der Plaza de Mayo.

Die argentinischen Massenmedien haben die offensichtliche und unüberhörbare Mobilisierung der Menschen in den Strassen bisher ignoriert. (Absurdität am Rande: während im Fernsehen des Senders Cronica TV über Aktivitäten Duhaldes berichtet wird, ist im Hintergrund die Plaza de Mayo zu sehen, die sich langsam mit Menschen füllt, ohne dass der Moderator darauf eingeht.)

Gegen 2:40 Uhr (6:40 Uhr hier) begann die Repression gegen die sich friedlich versammelnden Menschen auf der Plaza de Mayo. Nach Einsatz von Tränengas zog sich die Menge langsam zurück, während andere Widerstand leisteten. Der Platz wird bereits von der Polizei kontrolliert. Einige DemonstrantInnen bewegen sich jetzt in Richtung Kongress. Auch auf der Av. de Mayo und der 9. de Julio befindet sich jedoch ein enormes Polizeiaufgebot.

Indymedia Argentinen berichtet mit Kurzmeldungen im Minutentakt, während die Massenmedien noch immer keine Bilder zeigen.

 http://argentina.indymedia.org
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Ergänzungen

Medien berichten erstmals seit 2 Wochen

Surfer 11.01.2002 - 08:39
Seit zwei Wochen berichten die Medien erstmalig wieder von Argentiniens Straßen. In der vvrgangenen Zeit waren nämlich nur Wirtschaftsnews zu vernehmen. Von dem was oben steht, ist wenig zu finden, aber leset selbst: "...Tausende Argentinier zogen am Freitag vor den Präsidentpalast und machten
mit Töpfen und Pfannen Lärm, um so ihrem Unmut über die Wirtschaftspolitik
Luft zu machen. "Wenn ich eine Bank ausraube, werfen sie (die Regierung) mich ins Gefängnis. Aber
wenn sie mich ausrauben, dann sagen sie, dass ist ok.", sagte ein Demonstrant im Fernsehen. Später
löste sich die Demonstration nach Angaben der Polizei friedlich auf. Gewalttätige Proteste in den
vergangenen Wochen hatten zu den Rücktritten von Präsident Fernando de la Rua und
Übergangspräsident Adolfo Rodriguez Saa geführt...." (Reuters 8:30 Uhr)

erste bilder von letzter Nacht

stw 11.01.2002 - 12:30



Quelle : IMC Argentina

erste bilder von letzter Nacht

stw 11.01.2002 - 12:43


Quelle: IMC Argentina

Gummigeschosse

stw 11.01.2002 - 13:01


Quelle: IMC Argentina

Tränengas

stw 11.01.2002 - 13:08


Quelle: IMC Argentina

sicher?

ich 11.01.2002 - 13:09
ich gaube, daß die schon ein bischen älter sind. das erste und dritte hab ich (glaube ich) schon mal gesehen. aber ich kann mich auch irren.

Topfschlagen: Heiß! Kalt!

Protest alleine ist keine Politik 11.01.2002 - 18:51
Der ganze Artikel belegt mal wieder die Protest-Fixiertheit der Ultra-Linken. Was habt ihr denn davon, wenn auf der Plaza di Mayo 100´000 Menschen protestieren? Glaubt ihr, dann kommt bald die feministisch-ökologisch-anarchistische Basisdemokratie? Natürlich sind die gegen staatliche Sparmaßnahmen. Boah, wie progressiv. Aber was folgt denn nun daraus. Was sollte die argentinische Regierung denn eurer Meinung nach machen? Den Tauschhandel einführen?

an topfschlagen heiss kalt

h 11.01.2002 - 19:29
hallo du,

warum so negativ?

natürlich wird hier die revolution nicht oder besser nicht zwangsläufig durch die revolte in argentinien ausgelöst.

aber 1. sind revolutionen immer auch über ansteckung gelaufen.
2. denkt zumindest ein teil der linken international und versucht sich auch so zu verhalten
3.gibt es auch bei uns mut, wenn mensch mitbekommt, was in anderen ländern passiert.

solche kommentare wie deiner sollten sich gespart werden, denn sie nerven und bringen nichts vorwärts.

hoch die internationale solidarität!
solidaität mit den menschen in argentinien!

An die ÜbersetzerInnen:

Mensch aus HH 11.01.2002 - 21:45
Wir haben begonnen, den Indy Argentina Startseitentext zu den Auseinandersetzungen der gestrigen Nacht zu übersetzen und werden ihn heute Abend hier posten...

Re: Topfschlagen: Heiß! Kalt!

13.01.2002 - 22:16
Du fragst was habt ihr davon, dass 100000e protestieren? Hmm. Wirklich bitter.
Das haettest du mal die hunderttausende damals fragen sollen, die für die Wiedervereinigung Deutschlands auf die Strasse gingen. Das hat die Machthaber damals bestimmt völlig kalt gelassen.
Ich schliesse mich Hs Meinung an: Völlig destruktiver und dummer Kommentar. Ist den Strom nicht wert, dens gekostet hat ihn zu posten.
Ach übrigens: Die Erde ist KEINE Scheibe

Die Erde ist eine Scheibe

14.01.2002 - 18:05
Die Erde ist keine Scheibe, aber nicht jeder, der nach Westen segelt, kommt auch in Amerika an. Deine Argumentation widerlegt sich selbst. : ""Das haettest du mal die hunderttausende damals fragen sollen, die für die Wiedervereinigung Deutschlands auf die Strasse gingen."" Eben. Du sagst es selbst, sie gingen eben FÜR eine bestimmte Sache auf die Straße, eine Sache, die den Vorteil hatte, daß sie realisierbar war. Und vor allem wußten sie, wofür sie eigentlich demonstieren. Wofür demonstrieren aber eigentlich die "Massen" in Buenos Aires? In Wirklichkeit sind die Leute doch nur (verständlich) darüber empört, daß sie von ihrem bürgerlichen Wohlstandsdasein Abschied nehmen müssen.
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Weshalb glaubt ihr eigentlich, die Aktionen dieser Menschen für eure Ideologie in Anspruch nehmen zu können? Wenn ihnen der Präsident, die Weltbank oder Madeleine Albright 1000 Dollar pro Monat versprechen würde, dann wären sie allesamt am Ziel ihrer Träume. Aber den ewigen Wohlstand mit Auslands-Pump zu finanzieren, das wird auch in eurem erträumten anarchistischen kommunismus nicht funktionieren. Tschüß ihr anarchistischen Lehrerkids, die ihr vom Fernsehsessel und vom PC-Bildschirm aus nach Buenos Aires glotzt und ein bißchen bei der "Weltrevolution" Trittbrett fahren wollt.

aclarando unas tonterías

Capacapac 15.01.2002 - 03:35
Protest legitimiert sich ja nicht dadurch, dass er von beginn an schon ein "Programm" in sich trägt, um hernach alles ganz toll zu machen. Nicht selten schafft er erst die Voraussetungen, überhaupt an etwas neues zu denken. Der Prostest ist ja gerade nötig, weil die Menschen nie 1000 Dollar pro Monat von ihrem Presidenten oder der Weltbank bekommen würden, sondern das Geld eher in die andere Richtung fließt. Nicht wenige der Demonstrierenden lebten übrigens noch nie in "bürgerlichem Wohlstand". Daß nach so vielen Jahren des Niedergangs nicht plötzlich die Lösung am Horizont auftaucht ist doch einleuchtend.
Wie realisierbar erschien denn den Demonstranten in der ex-DDR ihr Anliegen? Konnten die denn so sicher sein? War es denn so klar, dass die Wiedervereinigung dabei herauskommen würde? Oder hätte nicht auch ein Massaker die Folge sein können? Den Leuten ging es in erster Linie um Freiheit und dann erst um die Wiedervereinigung.
Wer hatte denn eigentlich vorgeschlagen, Argentinien solle seinen Wohlstand mit "Auslands-Pump" finanzieren? Ich denke mal alles was auf Indymedia so gepostet wird läuft eher in die entgegengesetzte Richtung! Der obige Artikel ist im wesentlichen ein Bericht. Bei Indymedia kommen eben nicht nur "Experten" zu Wort, sondern jeder der meint etwas mitteilen zu wollen.
Ach so, auf Indymedia posten im übrigen auch Leute die vor Ort in diversen Projekten arbeiten bzw. arbeiteten, ich selbst gehöre dazu (soviel zum Thema "Fernsehsessel").

Richtig, richtig

15.01.2002 - 13:08
Protest kann auch ohne "Programm" legitim sein, oft schafft er erst die Voraussetzungen. Aber wie ist denn nun die Rollenverteilung in Argentinien? Nicht, daß ich übermäßig viel über das Land wüßte, aber eine Frage muß man ja wohl stellen: Wieso hat sich das Land so gewaltig verschuldet? Was wurde damit eigentlich finanziert? Der "Neoliberalismus" etwa? Soweit ich weiß, geht die neoliberale Wirtschaftslehre doch eher vom Gebot aus, eine solide Finanzpolitik zu machen, also ohne horrende Defizite und Kreditaufnahmen. Dieser einfache Grundsatz wurde in Argentinien offensichtlich nicht so richtig umgesetzt. Eine wichtige Aufgabe für die Medien wäre es natürlich, einmal nachzuforschen, wer von der fahrlässigen Verschuldungspolitik eigentlich profitiert hat. Aber darüber erfahre ich in der stockkonservativen F.A.Z. oder der Neuen Zürcher Zeitung wahrscheinlich weitaus mehr kritische Hintergründe als bei Indymedia.
Was mich an der Debatte und der Berichterstattung hier stört, ist diese emphatische Realitätsferne, diese pubertäre Begeisterung, nach dem Motto "Hurra, die Schule brennt".
Kredite müssen zurückgezahlt werden, anders kann eine arbeitsteilige warenproduzierende Wirtschaft auf Dauer nicht funktionieren. Das war schon vor 500 Jahren so und wird auch in 500 Jahren noch so sein, ganz egal wieviele Autoreifen sie anzünden und wieviele Supermärkte sie plündern. Begreift das doch mal. Und auch der ultimative, der allerwahrste und allerbeste aller denkbaren anarchistischen kommunismen wird nicht bewirken können, daß sich die Reichtümer, die wir ja alle konsumieren wollen, aus dem Nichts und von selbst produzieren.

Hä?

ick wees nich 15.01.2002 - 14:15
Das Special auf der Startseite ist voll mit Links zu Hintergrundinfos. Nur weil Du etwas ignorierst, heisst es nicht, daß es nicht existiert. Für die Kriese gibts mehrere Gründe. FAZ und Co. zeigen immer nur einen Grund. Der Rest wird "vergessen"

hintergründig

Capacapac 15.01.2002 - 16:07
Man könnte doch z.B. mal unter H wie Hintergrund (oh Wunder) nachlesen, z.B. genauer unter  http://www.austria.indymedia.org/front.php3?article_id=5365&group=webcast den Artikel zur Herkunft der argentinischen Auslandsverschuldung. Stichwort Militärdiktatur! Nur so als Tip!

@Richtg Richtig

stw 16.01.2002 - 18:26
Klar können auch in bürgerlichen und sogar konservativen medien fakten zusammengetragen sein, die beim verständnis helfen (zur not kann mensch auch zwischen den zeilen lesen. Steht oder stand in der FAZ aber z.B. auch der Krimi vom deutsch-argentinischen Waffenexport-Skandal? Wie der argent. Präsident Alfonsin, (erste zivile Regierung nach 1983) bei Kohl drum betteln musste, die noch von den Militärs georderten und zum Teil noch nicht ausgelieferten Waffenlieferungen zu stornieren, die Argentinien damals unmöglich bezahlen konnte? Die meisten Bestellungen waren bundesdeutsche Waffensysteme, vor allem von den Werften Blohm und Voss und Thyssen Nordseewerke. Und wie die Regierung Kohl Alfonsin die kalte Schulter zeigte, und darauf bestand, dass die Fregatten, U-Boote usw. rechtswirksam bestellt seien und eine Anullierung die vereinbarten Vertragsstrafen zur Folge hätten? Und wie so Deutschland zur Militarisierung und Verschuldung Argentiniens massiv beigetragen hat? Weiss ich selber nicht, wie das damals in der NZZ oder FAZ abgehandelt wurde.
Aber es geht hier offensichtlich nicht nur um Nachrichten sondern auch um Zusammenhänge, Wertungen, etc. die von einer bestimmten Perspektive abhängen. Und da unterscheidet sich indymedia eben von FAZ und NZZ.