Argentinien: Pharmakonzerne halten Medikamente zurück
Die Versorgungslage Argentiniens wird immer schlechter. Um den Alltag in Buenos Aires etwas plastischer zu machen, hier die Übersetzung eines Indymedia-Argentina-Beitrages eines Apothekenangestellten über den Versorgungsnotstand in Bezug auf Medikamente. Die Pharmakonzerne halten lebensnotwendige Medikamente zurück - sie warten zynischerweise ab, wie sich die Währungssituation entwickelt.
Die Versorgungslage Argentiniens wird immer schlechter. Um den Alltag in Buenos Aires etwas plastischer zu machen, hier die Übersetzung eines Indymedia-Argentina-Beitrages eines Apothekenangestellten über den Versorgungsnotstand in Bezug auf Medikamente. Die Pharmakonzerne halten lebensnotwendige Medikamente zurück - sie warten zynischerweise ab, wie sich die Währungssituation entwickelt.
"Hauptstadt Buenos Aires - Versorgungsnotstand bei den Apotheken
by ariel m. 12:10am Fri Jan 4 '02
Ich bin Angestellter einer Apotheke. In meinem Arbeitsbereich sieht die Lage folgendermaßen aus:
Nur ein einziger Großhändler liefert uns im Augenblick noch Medikamente, und zwar unter noch härteren Bedingungen als zuvor.
Zudem liefern sie nicht alle Medikamente, es gibt bestimmte, die einfach überhaupt nicht mehr ausgeliefert werden. Sie sagen, Grund hierfür sei, dass die Pharmakonzerne sie nicht mehr beliefern würden. Würde man die Pharmakonzerne fragen, würden diese sicher sagen, dass es daran liege, dass die Großhändler nicht ausliefern - das "Blinde-Kuh"-Spiel der pharmazeutischen Branche.
Da die Verkaufsbedingungen der Großhändler härter geworden sind, sind die Apotheken gezwungen, diese Verschärfungen an die Kunden weiterzugeben. Daher ist es für Leute, die zu 100% bar in Peso zahlen, leichter, Medikamente zu erhalten als für Leute, die über die Krankenkasse abrechnen, mit "patacones" (Anmerkung: Staatliche Gutscheine, die von der Provinz Buenos Aires seit mehreren Monaten an Geldes statt u.a. an die Staatsangestellten ausgebeben werden) "bezahlen" oder auf Kredit kaufen. Ein Beispiel aus meinem Arbeitsalltag: In Fällen, in denen die Krankenkassen eigentlich 100%ige Deckung gewähren sollten, wie dem "Mutter-Kind-Projekt", den Sonderbewilligungen für Krebskranke oder AIDS-Kranke, werden überhaupt keine Medikamente mehr abgegeben. Ich weiß, dass das eine Riesenschweinerei ist, aber die Sache hat eine lange Geschichte. Ich werde das näher erläutern:
Angenommen jemand erhält am 2. Januar auf Rezept gebührenfrei Ritonavir. Das Rezept wird am 2. Februar bei der "Mandataria" (bürokratische Abrechnungsstellen, welche die Beziehungen zwischen verschiedenen Krankenkassen und den Apotheken zentral organisieren) eingereicht. Wenn das Rezept den erforderlichen Voraussetzungen entspricht, wird die Kassenstelle am 2. März angewiesen, der Apotheke den Betrag im April auszuzahlen, sofern die Krankenkasse noch Mittel zur Bezahlung hat. Ist das verständlich? Mein Chef verkauft Ware im Wert von 400 Pesos und erhält das Geld nicht vor Ablauf von 3 Monaten, während die Großhändler keine Schecks akzeptieren, die auf mehr als 60 Tage befristet sind. Und dies ist ein durchschnittlicher Fall. Es gibt Abrechnungsstellen, die erst 5 Monate später zahlen sowie Krankenkassen, die seit 6 Monaten überhaupt nicht mehr bezahlen, wie PAMI (Anmerkung: große Krankenkasse der Rentner), und Großhändler, die noch früher kassieren.
In Mitten der Gerüchte hinsichtlich einer möglichen Abwertung des Peso für 200 zu verkaufen heißt damit faktisch Morgen nur 140 wiederzubekommen. Es ist schrecklich, aber viele Apotheken haben daher direkt geschlossen oder bedienen keine Krankenkassen-Patienten mehr.
Dieses ganze System ist höllisch. Mein Eindruck ist, dass diejenigen, die ihren Arsch als erstes retten, die Pharmakonzerne sind. Keiner will in dieser Situation verlieren und da der Medikamentenverkauf dereguliert wurde, geben diejenigen den Ton an, die die Eigentümer der Ware "Medikament" sind. Die Menschen sind dabei immer die Dummen.
Mich schmerzt es, auf dieser Seite des Verkaufstresens zu stehen und zu hören, dass schon drei Diabetiker ins Koma gefallen sind, weil sie kein Insulin erhalten haben, während ich die Flaschen mit Insulin im Kühlschrank sehe!
Da meine Arbeitgeber guten Willens sind, bedienen wir noch Krankenkassen-Patienten, während andere Apotheken sie gar nicht mehr bedienen. Allerdings nur mit Beschränkungen: nur eine Packung pro Medikamentenart und Person, egal welche Menge das Rezept vorsieht; weiterhin werden Krankenkassen-Patienten von Krankenkassen, die offene Rechnungen haben, nicht mehr bedient.
All das erinnert sehr an die Geldabwertungen unter Alfonsìn. Ich erinnere mich an diese Zeit, obwohl ich damals noch ein Junge war, sehr gut."
"Hauptstadt Buenos Aires - Versorgungsnotstand bei den Apotheken
by ariel m. 12:10am Fri Jan 4 '02
Ich bin Angestellter einer Apotheke. In meinem Arbeitsbereich sieht die Lage folgendermaßen aus:
Nur ein einziger Großhändler liefert uns im Augenblick noch Medikamente, und zwar unter noch härteren Bedingungen als zuvor.
Zudem liefern sie nicht alle Medikamente, es gibt bestimmte, die einfach überhaupt nicht mehr ausgeliefert werden. Sie sagen, Grund hierfür sei, dass die Pharmakonzerne sie nicht mehr beliefern würden. Würde man die Pharmakonzerne fragen, würden diese sicher sagen, dass es daran liege, dass die Großhändler nicht ausliefern - das "Blinde-Kuh"-Spiel der pharmazeutischen Branche.
Da die Verkaufsbedingungen der Großhändler härter geworden sind, sind die Apotheken gezwungen, diese Verschärfungen an die Kunden weiterzugeben. Daher ist es für Leute, die zu 100% bar in Peso zahlen, leichter, Medikamente zu erhalten als für Leute, die über die Krankenkasse abrechnen, mit "patacones" (Anmerkung: Staatliche Gutscheine, die von der Provinz Buenos Aires seit mehreren Monaten an Geldes statt u.a. an die Staatsangestellten ausgebeben werden) "bezahlen" oder auf Kredit kaufen. Ein Beispiel aus meinem Arbeitsalltag: In Fällen, in denen die Krankenkassen eigentlich 100%ige Deckung gewähren sollten, wie dem "Mutter-Kind-Projekt", den Sonderbewilligungen für Krebskranke oder AIDS-Kranke, werden überhaupt keine Medikamente mehr abgegeben. Ich weiß, dass das eine Riesenschweinerei ist, aber die Sache hat eine lange Geschichte. Ich werde das näher erläutern:
Angenommen jemand erhält am 2. Januar auf Rezept gebührenfrei Ritonavir. Das Rezept wird am 2. Februar bei der "Mandataria" (bürokratische Abrechnungsstellen, welche die Beziehungen zwischen verschiedenen Krankenkassen und den Apotheken zentral organisieren) eingereicht. Wenn das Rezept den erforderlichen Voraussetzungen entspricht, wird die Kassenstelle am 2. März angewiesen, der Apotheke den Betrag im April auszuzahlen, sofern die Krankenkasse noch Mittel zur Bezahlung hat. Ist das verständlich? Mein Chef verkauft Ware im Wert von 400 Pesos und erhält das Geld nicht vor Ablauf von 3 Monaten, während die Großhändler keine Schecks akzeptieren, die auf mehr als 60 Tage befristet sind. Und dies ist ein durchschnittlicher Fall. Es gibt Abrechnungsstellen, die erst 5 Monate später zahlen sowie Krankenkassen, die seit 6 Monaten überhaupt nicht mehr bezahlen, wie PAMI (Anmerkung: große Krankenkasse der Rentner), und Großhändler, die noch früher kassieren.
In Mitten der Gerüchte hinsichtlich einer möglichen Abwertung des Peso für 200 zu verkaufen heißt damit faktisch Morgen nur 140 wiederzubekommen. Es ist schrecklich, aber viele Apotheken haben daher direkt geschlossen oder bedienen keine Krankenkassen-Patienten mehr.
Dieses ganze System ist höllisch. Mein Eindruck ist, dass diejenigen, die ihren Arsch als erstes retten, die Pharmakonzerne sind. Keiner will in dieser Situation verlieren und da der Medikamentenverkauf dereguliert wurde, geben diejenigen den Ton an, die die Eigentümer der Ware "Medikament" sind. Die Menschen sind dabei immer die Dummen.
Mich schmerzt es, auf dieser Seite des Verkaufstresens zu stehen und zu hören, dass schon drei Diabetiker ins Koma gefallen sind, weil sie kein Insulin erhalten haben, während ich die Flaschen mit Insulin im Kühlschrank sehe!
Da meine Arbeitgeber guten Willens sind, bedienen wir noch Krankenkassen-Patienten, während andere Apotheken sie gar nicht mehr bedienen. Allerdings nur mit Beschränkungen: nur eine Packung pro Medikamentenart und Person, egal welche Menge das Rezept vorsieht; weiterhin werden Krankenkassen-Patienten von Krankenkassen, die offene Rechnungen haben, nicht mehr bedient.
All das erinnert sehr an die Geldabwertungen unter Alfonsìn. Ich erinnere mich an diese Zeit, obwohl ich damals noch ein Junge war, sehr gut."
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
medien und interessen
die medien in deutschland weigern sich darüber zu berichten. ausser einige artikel zur allgemeinen
wirtschaftssituation erscheint nix. als ursache werden "korrupte politiker" und nicht der neoliberalismus
verantwortlich gemacht. über konkrete lebensumständer der leute oder die proteste ist nix zu lesen!
wie wäre es, wenn wir mal damait anfangen die medien mit leserbriefen/mails zu bombardieren, in denen wir
die auffordern was darüber schreiben und daß sie dabei sind die letzten reste ihrer glaubwürdigkeit zu
verlieren und daß wir bescheid wissen. (können ja ein paar links von indy, zmag und telepolis reinpacken)
gute idee
Nunja...
cya mfg div