Neues Video über Genua verfügbar
Seit heute kann man ein neues Video über die Geschehnisse in Genua herunterladen. Interessant ist es auch deswegen, weil es deutlich aufzeigt, dass die Polizei den schwarzen Block ungestört agieren läßt, um später den Hauptdemonstrationsblock zu attackieren.
Titel: "Le strade die Genova" (die Straßen von Genua).
Größe: 352 MB
Dauer: 58 min.
Sprache: italienisch
Links:
http://www.studentidisinistra.cjb.net/video/g8ferrario-beta.avi oder
ftp://194.243.173.15/pub/g8ferrario-beta.avi
Es handelt sich um ein DivX-Video. Den benötigten codec bekommt man unter
http://www.divx-digest.com/software/index.html#essential
Den codec für windows gibt's auch hier:
http://italy.indymedia.org/front.php3?article_id=16232
Das Video ist von der optischen Qualität her schlechter als die beiden ersten Videos, die über Genua erschienen sind, aber dennoch sehr interessant. Es lohnt sich!
Die Meldung bei Indymedia Italien:
http://italy.indymedia.org/front.php3?article_id=33497&group=webcast
Größe: 352 MB
Dauer: 58 min.
Sprache: italienisch
Links:
http://www.studentidisinistra.cjb.net/video/g8ferrario-beta.avi oder
ftp://194.243.173.15/pub/g8ferrario-beta.avi Es handelt sich um ein DivX-Video. Den benötigten codec bekommt man unter
http://www.divx-digest.com/software/index.html#essential Den codec für windows gibt's auch hier:
http://italy.indymedia.org/front.php3?article_id=16232 Das Video ist von der optischen Qualität her schlechter als die beiden ersten Videos, die über Genua erschienen sind, aber dennoch sehr interessant. Es lohnt sich!
Die Meldung bei Indymedia Italien:
http://italy.indymedia.org/front.php3?article_id=33497&group=webcast
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
Ergänzungen
genau,
Interessant
Gewalt ist nicht gleich Gewalt
Ach wat - Gewalt muss sein
Hi Dortmunder
zu Hansis Worten
.......
lies dies
von Marcel Malachowski
Die Demonstrationen am vorletzten Juli-Wochenende gegen den G-8-Gipfel in Genua erinnerten eher an eine X-large-Version der Kreuzberger „Mai-Krawalle" als an die vorherigen Gipfelproteste. Statt der üblichen verbiesterten Öko-Protestler und geschäftigen NGO-Profis dominierten vermummte Jugendliche ohne Transparente und Fahnen das Erscheinungsbild. Gerade diese im besten Sinne unkonstruktive und geradezu unpolitische Militanz ließ Genua beispielsweise im Vergleich zu Seattle im emanzipatorischen Sinne höchst sympathisch und begrüßenswert erscheinen. Die Empörung über die Schüsse von Göteborg, die die einen antrieb, die reine Lust am Kampf mit den Robotern des Staates, die andere antrieb - beide verrieten sie etwas von einem Momentum des Aufbrechens, der Revolte. Sie waren Ausdruck einer ziellosen, nicht auf Vermittlung bedachten Rebellion, die wiederum vom Leiden an den täglichen, unerträglichen Zuständen erzählt. Dass Genua bisweilen den Charakter eines individualistischen Happenings bekam, sollte gerade nicht als Gegenteil von politisch motiviertem Kampf und theoretischer Reflektion der Verhältnisse denunziert, sondern vielmehr als beider Vorraussetzung begriffen werden. Diejenigen, die an diesen drei heißen Sommertagen ihre heimische Play-Station einsam zurückließen, um es dem höchstrangigen Personal des Kapitals und ihrer Prügelgarde wenigstens einmal so richtig zu zeigen, die taten bereits den ersten Schritt heraus aus dem stupiden Dasein bloß virtueller Zerstreuung; vielleicht - so steht zu hoffen - war dies zugleich die Motivation, die diesen Typus Demonstranten immun macht gegen die ideologischen Projektionen, die Übersetzung von nur allzu begründeter Wut und Frustration in strukturell antisemitischen Hass auf das Finanzkapital und auch gegen die realpolitischen Projekte der öffentlichen Wortführer wie der eingesessenen Organisationen der Anti-Globalisierungsbewegung.
Denn die Gewalt der „Polithooligans" (Schily) traf in Genua keinen Unschuldigen; und sie war nicht geprägt vom Wunsch nach Vernichtung des Menschlichen, obgleich sie durchaus als sinnlose zu bezeichnen wäre. Sinnlose Gewalt aber der Sinnlosigkeit der Verhältnisse entgegenzusetzen, getrieben vom Wunsch nach Erringung von Subjektivität, gerichtet gegen die ganz persönliche Zumutung des Alltags, ist das glatte Gegenteil der Gewalt im Namen repressiver Gemeinschaft mit dem Ziel der Auslöschung des eigenen Subjektstatus und der Subjektivität überhaupt. Die sinnlose Gewalt meint nicht den oder die Richtigen, weil sie sie nicht kennt und nicht kennen kann; weil man mit Steinen eben leider nicht den stummen Zwang der menschenverachtenden Vergesellschaftung beseitigen kann. Darin liegt gerade die Chance, dass solche Militanz der Personalisierung des Abstrakten widersteht, nicht hemmungslos gegen „die Amis" und „die Coca-Cola-McDonald´s-Kultur" zu mobilisieren ist.
Die Gewalt von Genua war also weder selbstverachtender Amoklauf noch vermittelbare Aktion. Sie war politisch nicht brauchbar zu machen, weil sie gegen jede Brauchbarmachung sich austobte. Genau diese Inhaltslosigkeit des Riots brachte die gewaltfreien Globalisierungsgegner so sehr auf gegen die selbstbezogenen Individualisten, die ihren Schmerz in namenlose Wut verwandelten.
Zu den schönsten Episoden der heißen Genueser Sommer-Tage gehört deshalb fraglos die, welche die Illustrierte Max kolportierte, der schwarze Block hätte Container, die von der städtischen Verwaltung der in Italien ansonsten dankenswerterweise verpönten Mülltrennung zugedacht waren, aus nihilistischer Lust und Laune einfach abgefackelt.
Spaß vs. Gesellschaft
Was in und nach Genua von Seiten der friedlichen Mitdemonstranten passierte, war absehbar: Der Einklang in der Verurteilung der „Gewalttäter", die aus der Reihe tanzen, reichte von den pazifistischen Rete Liliput und dem Genova Social Forum über Attac und die Tutte Bianche und Linksruck bis zum italienischen Netzwerk Rebellischer Süden und dem italienischen Außenminister Renato Ruggiero. Die Übereinstimmung ihrer Argumentationen verweist auf den allseitig geteilten Wunsch der Mehrheit der sogenannten Globalisierungsgegner, sich als Sturmtrupp gegen die eigene Individuation und die der anderen in den Arbeits-Dienst der Gesellschaft zu stellen. Dabei wäre einzig die Individuation, das Herausheben der Besonderheit des Einzelnen, zu setzen gegen die Totalisierung des Marktes und der mit ihr zuschanden gekommenen Subjektivität ihrer Zwangsmitglieder. Die deutsche Linke, nicht nur die, aber die vor allem, kennt schließlich eine beliebte argumentatorische Konstruktion: Wenn die Leute weniger an sich selber denken, anstatt dessen mehr an die obskure, abstrakte, doch nur allzu direkt sich vermittelnde Gemeinschaft, dann würde es allen besser gehen, und natürlich auch den gar nicht so abstrakten Leuten selbst. Dass es vielleicht gerade umgekehrt sein könnte, dass nämlich aus der radikalen Einforderung des zuvörderst eigenen Glücks die Forderung nach der Aufhebung aller Schichten, Klassen und Staaten, und nicht zuletzt auch der Lohnarbeit erwachsen könnte, dieser Gedanke scheint dem Großteil der deutschen Linken genauso fremd zu sein wie die Jugendlichkeit der weltreisenden und steinewerfenden Autonomen, die ja nicht überall so spießig und autoritätsversessen sind wie in Berlin-Friedrichshain.
Die „nachhaltige" Bescheidenheit und den aufopfernden Selbstverzicht, den diese veganen Volxküchen-Romantiker im Sinn haben, forderte vor einiger Zeit auch Pierre Bourdieu, der Hohepriester der „Neuen Sozialen Bewegung!", im Spiegel-Interview ein: „Es handelt sich eher um eine Gegenreformation ... man sehnt sich nach wahrer Politik - so wie damals nach wahrer Religion." (29/01).
Selbstvergewisserung
Solche Globalisierungs-Kritiker, die sich auch noch stolz als Reformisten des Gemeinwesens ausweisen, betreiben den geistigen kollektiven Amoklauf gegen die Reste jener durch ihre eigene warenförmige Konstituiertheit immer schon beschränkten Individualität, die der Tausch von seinen Subjekten einst verlangte. Den realen Amoklauf, die wahrlich apokalyptisch anmutende praktische Kapitalismuskritik, die in New York Tausende von Menschen das vermeintlich dekadente Leben gekostet hat, überlassen sie anderen. Was viele der Globalisierungsgegner an der Militanz ihrer jugendlichen Mitdemonstranten in Genua störte, das schätzen sie an Selbstmordattentaten. Nach vollbrachtem Massenmord werden in den antisemitischen Hochburgen der globalisierten Gesellschaftskritik denn auch Jubelfeste veranstaltet: In der linken Szene-Kneipe „X-Beliebig" in Berlin-Friedrichshain wird gesungen: „Hallelujah! Der Turm stürzt ein! Der Turm stürzt ein!" (nachzulesen auf Indymedia), im sogenannten Palästina werden nicht-alkoholische Süßigkeiten verteilt und auch in einer Berliner Obdachlosen-Unterkunft wird spontan ein Gelage veranstaltet. Außer an Mitgefühl mangelte es dort zuletzt nur noch an Bier, wie die taz berichtete. Ins flexibel ausrichtbare Fadenkreuz derjenigen, die aus religiöser Selbstkasteiung auf Schweinefleisch oder gleich auf jedes Fleisch verzichten, geraten alle die, die trotz dieses antizivilisatorischen Verdikts qua Lust, Luxus, Intellekt zum Leben streben. Aus dem Schlachthof, der für Tiere gedacht war, wird einer für Menschen. Die ach so menschliche Idee einer „Globalisierung von unten" (Linksruck-Vertreterin Buchholz) offenbart sich, praktisch umgesetzt, als nur all zu menschliche barbarische Selbstaufhebung zweiter Natur.
und dies (teil II)
Bescheidenheit
Menschen - sofern sie keine Amerikaner sind - sehnen sich nach Meinung dieser morbiden Kapitalismuskritiker nicht nur nach einer neuen, wahren Religion, wie Bourdieu meint, sondern sind zudem auch höchst erfreut über das mit dem 11. September eingetretene Ende der „Diktatur des Amüsements", wie es der deutsche Vorzeige-Intellektuelle Roger Willemsen nennt, und das Ende der „Event-Gesellschaft", wie es Günther Grass nennt. Nicht weniger als der reine Mensch, das nicht von Zivilisation verunstaltete Kunst-Wesen, soll es sein, das es wert ist, in der Wohngemeinschaft der neuen, moralischen Gesellschaft den penibel getrennten Müll runterzutragen. Ossama bin Laden würde diese Aufgabe sicherlich gerne übernehmen. Sein Lifestyle besteht aus dem Diktum des Selbstverzichts, des meditativen In-sich-Gehens per Gebet bei Sonnenaufgang und dann noch viermal am Tag, der Suche nach der reinen Seele und dem reinen Gewissen, das den Versuchungen der oberflächlichen Konsumgüterproduktion standhält. Vom schönen Glanz der Oberfläche, von der Verführungskraft menschlicher Geschöpfe oder verdinglichter Verlockungen haben er und seine Gefolgsleute sich längst verabschiedet. Von der Kraft der Selbstzerstörung getrieben, von der Verleugnung der eigenen Wünsche und Sehnsüchte, hat bin Laden sich zu Jugendzeiten natürlich nicht entschlossen, mit den paar Millionen, die seine saudi-arabische Familie ihm überlassen hat, z. B. das Leben eines Playboys zu führen, der seine Umwelt mit reichlich Trinkgeld beschenkt und sinnlichen Genüssen nicht abhold ist. Stattdessen emigriert er vom sonnenverwöhnten Saudi-Arabien in die karge Berglandschaft Afghanistans, wo schon Ende Oktober der erste Schnee fällt und wo in den Städten kein Stein mehr auf dem anderen steht. Die materialistische Aneignung der Welt zum eigenen und zum Wohle der anderen ist bin Ladens Sache nicht - mal ganz abgesehen von seinen Terroraktivitäten.
Der Hass auf das Abstrakte, auf die Denaturalisierung des Menschen, auf die diesseitige Verschönerung des Lebens war auch Movens von Mohammed Atta, einem der Terrorpiloten, der, wie der Spiegel berichtete, anstatt sich einer „schönen ägyptischen Architekturstudentin" hinzugeben, die sich für ihn interessierte, sich lieber einen Bart wachsen ließ, um seinem jenseitigen Idol, dem Propheten Mohammed, ähnlicher zu sehen. Dabei hätte auch Atta, finanziell sehr gut ausgestattet, seinen unbestreitbar vorhandenen Ideenreichtum nutzen können, um daraus ganz real Kapital zu schlagen. Er hätte etwa mit Aktien spekulieren können, und sich vom Ertrag in einem der Steuerparadiese, auf den Bahamas, in Monaco oder Luxemburg niederlassen können. Allerdings: In Luxemburg hätte er dann mit den Aktivisten von Attac Erfahrung gemacht, die dort vor kurzem für die Einführung der Spekulanten-Steuer auf die Straße gingen, um das bedrohlich Abstrakte per Gesetz endlich unter Kontrolle bringen zu können.
Da jedoch Mohammed Atta einen anderen beruflichen Weg einschlug und er zum Zeitpunkt der Demonstration auch gar nicht mehr unter den Lebenden war, haben sich Atta und Attac in Luxemburg nicht auf verschiedenen Seiten der Barrikade gegenüberstehen können. Und so kommen wir von New York City über Luxemburg noch einmal zurück nach Genua. Denn Opfer haben gebracht zu werden, fordert die Lustfeindlichkeit ebenso wie die Lust an der Katastrophe: „(...) der Tod des Demonstranten (Carlo Giulani)? Wundert ihn (Attac-Mitglied Bautz; M.M.) nicht. `Das musste so kommen.´ (...) Er fügt hinzu: `Was wir brauchen, ist so eine Art Tschernobyl der Weltwirtschaft.´" (Spiegel; 30/01). Postmoderne Untergangs-Aufbruchs-Euphorie regiert die „Jäger der verlorenen Ordnung" (Tagesspiegel). Sie werden der Krisen-Gesellschaft helfen, Rezepte zu finden, zukünftig die Armen ruhigzustellen qua Verweis auf ihre Verantwortung für das Überleben der Menschheit - Nicht jeder kann alles haben! - und die dekadenten Rebellen, Schmarotzer und Schaufensterplünderer, die trotz aller Droh-Gebärde aus der Reihe tanzen, im Verein mit den Berufs-Bedenkenträgern der Gesellschaft aus ihrer ansonsten so warmherzigen Gemeinschaft auszuschließen, denn: Wer doch alles will, der ist hier fehl am Platz! Und während dieses konstruktiven Prozesses der Differenzierung und Auseinanderdividierung müsse man sich gegen die „Kriminalisierung der Bewegung der Globalisierungsgegner" stellen, meint auch Massimo Cacciari, der die Entwicklung vom Operaisten hin zum ethnozentristischen Bürgermeister Venedigs schon hinter sich hat (Berliner Zeitung; 10.8.01).
es geht weiter (teil III)
Wertedebatte, Selektion, Repression - das ist die Richtung, die die gewaltlosen Globalisierungskritiker und die Repräsentanten des gewalttätigen Staats, sich gegenseitig an Konstruktivität überbietend, vorgegeben haben. In Deutschland hat die Anti-Globalisierungs-Kampagne nach dem Tschernobyl des 11.September zudem eine neue Phase der Volks-Friedensbewegung und der Reformbewegung des einfachen Lebens eingeläutet. Die unvermeidliche Vermenschlichung und Emotionalisierung des Unverständlichen schafft sich nach altbekanntem Strickmuster Helden und Feinde.
Die Feindbilder sind also im Inneren der Verschwender, der Genießer, der Markenklamotten-Träger; der äußere Feind sind die USA als Ausdruck des westlich-arroganten, angelsächsischen Politik- und Lebensstils; beide Feindbilder hängen innigst zusammen: Der „erklärte Gegner amerikanischer Esskultur: Bauernführer (Jose) Bové" kombiniert den alten antisemitischen Vorwurf der Brunnenvergiftung mit dem der unrechtmäßigen Bereicherung: „Der amerikanische Konzern (McDonald´s) stopft sich die Taschen voll, indem er weltweit gesundheitsschädliches, hormonbehandeltes Rindfleisch verkauft." (Tagesspiegel; 16.8.01). „Wolfgang Schäuble entgegnet: `Globalisierung ist nicht das Problem´, sondern Maßlosigkeit bei uns zu Hause", notiert der SPD-Theologe Richard Schröder (Tagesspiegel; 19.8.01). Lust und Luxus, Privatismus und Intimität - all das ist den hiesigen Wächtern zur Verhinderung des Lasters und der Beförderung der Tugend genauso verhasst wie den muselmanischen Paschtunen. Die Depotenzierung des selbstbewussten Subjekts wird vorangetrieben. Die Gemeinschaft der selbstlosen Helden und der Märtyrer ist alles, der Einzelne ist nichts.
Wieviele die Neuauflage von „Helden" gegen „Händler", wie es seit dem ersten Weltkrieg die griffige Parole deutschen Antiplutokratismus ist, mitzumachen gedenken, zeigen die nach Genua explosionsartig angestiegenen Mitgliederzahlen von Attac. In der Bildersprache der Attac-Broschüren und -Plakate wird das Übel der Welt nicht zufällig über das antisemitische Ticket, das sich in Feindschaft gegen Geld und Geist, gegen materielle Aneignung in partikularistischer Absicht, gegen die dekadente Ästhetik des Urbanen, kenntlich macht, auf umherflatternde Geldscheine in Papierflugzeug-Form und silbern-glänzende Fassaden imposanter Skycraper projiziert. Auf „Die linke Seite" ist zu lesen: „Das World Trade Center ist einer der Orte der Welt, von wo aus die ökonomischen Massenmörder in den Konzern- und Bankzentralen den Hunger und das Elend für große Teile der Welt organisieren´" (laut B.Z.; 18.9.01). Das hätte auch der NPD-Vertreter sagen können, der den globalisierungskritischen Massenmord von Manhattan im ARD-Magazin „Panorama" (20.9.01) verteidigte, ein symbolkräftiges Palästinensertuch um den Hals geschlungen. Das hätte auch der Anwalt der deutschen Volks-Seele Horst Mahler sagen können, der als amerikanischen Wert einzig die „Freiheit des Profit-Machens" (ebda.) anerkennt. Das hätte auch Ulrich Wickert sagen können, der den Anschlag auf das World Trade Center interpretiert, dieser hätte „nicht auf die (ethischen) Werte des Westens (gezielt), sondern auf dessen Überheblichkeit und Materialismus" (Max-Beitrag). Das hätte auch Bauer Bové sagen können, der sich bekanntlich in Genua wie in Ramallah, also von Zionisten verfolgt, fühlte. Das hätten auch die sagen können, die auf der sehr gut besuchten Junge-Welt-Veranstaltung Anfang August zu Genua in der Berliner Humboldt-Uni (u.a. mit Vertretern von IG Bau und Attac) Flugblätter gegen „Zionistische Schlächter" verteilten. Das hätte auch die indische Schriftstellerin Arundhati Roy sagen können, die sich zuerst in der FAZ gegen den US-amerikanischen Kulturimperialismus gewandt hatte, um danach als Jeanne d´Arc der unberührten Naturvölker von der Jungen Freiheit und dem WDR-Magazin Monitor hofiert zu werden. Das hätten auch viele derjenigen sagen können, die Ende September in Washington anstatt gegen das ursprünglich geplante IWF- und Weltbank-Treffen gegen den sogenannten „Krieg" demonstriert haben. Das hätten auch die Attac-Leute sagen können, die sich angesichts des Massakers in einer Erklärung in billigsten Gerechtigkeits-Phantasien ergehen und die Motivation der Selbstmord-Attentäter im misslungenen Umweltschutz, gar dem Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter zu erkennen glauben (FUSSNOTE).
Die sogenannten Globalisierungs-Gegner haben sich spätestens mit ihren Reaktionen auf den Terroranschlag gegen die Vereinigten Staaten von Amerika ganz offen als „linke" Vorhut des völkischen Anti-Amerikanismus zu erkennen gegeben. Was vor Genua noch als Problem idealistisch-karrieristischer Politgruppen erschien - die Stereotypie strukturell antisemitischer Kapitalismuskritik - ist zum Kristallisationspunkt einer wahrhaft volkstümlichen Bewegung geworden. Diese Entwicklung von einer erst mal berechtigten Kapitalismus-Kritik hin zum romantischen Anti-Kapitalismus, der gutherzigen Ideologie der Ärmlichkeit und damit der mörderischen Menschenverachtung sind von den aufgeklärten Teilen der Linken einer theoretisch vernichtenden Kritik zu unterziehen. Einer, der sich bereits zu ihrer praktischen Kritik vorgearbeitet hat, George W. Bush, hatte schließlich recht, als er in einem geistigen Höhenflug einmal konstatierte, die sogenannten Globalisierungskritiker seien „die wahren Feinde der Armen" (jungle world; 31/01).
es gibt noch einen IV. teil
Dass notorische Anti-Amerikaner aber nicht nur gleichzeitig die Feinde der Armen sind, sondern auch die Feinde Israels, hat sich in den letzten Wochen nicht nur indirekt gezeigt. Während Ossama bin-Laden über eine seiner Fernseh-Botschaften verlautbaren lässt, der „Sturm der Flugzeuge" auf die USA werde nicht eher enden, als eine Lösung des „Palästina-Problems" gefunden worden sei, hat ein anderer gerechter Vertreter Allahs auf Erden, der großherzige Vater aller mit irdischer Sorge Beladenen, nämlich Günther Grass, mittlerweile die Ursache gefunden für die Terroristenwerdung arabischer Gerechtigkeits-Fanatiker aus der Peripherie des Weltmarktes, den bürgerlichen Vierteln Hamburgs und Kairos. Während der Vater von Mohammed Atta eine jüdische Weltverschwörung, namentlich den Mossad, für den Tod seines Sohnes verantwortlich macht, da gibt sich Grass auf die Ebene der ernstzunehmenden Realpolitik. Die jüdische Weltverschwörung ist für Grass nämlich nicht ganz so abstrakt: „(Dem) Frust (potentieller Attentäter; M.M.) vorzubeugen, das wäre aber kluge Politik. Solange Ursachen da sind für diesen nachwachsenden Hass, solange die Wut und die zum Teil berechtigte Empörung nicht beseitigt werden, ändert sich nichts. Dazu gehört auch der Mut, Israel endlich dazu zu bringen (!; M.M.), seine Besatzungspolitik aufzugeben, die nun schon über Jahrzehnte geht. Israel muss aber nicht nur besetzte Gebiete räumen. Auch die Besitznahme palästinensischen Bodens (sic!) und seine israelische Besiedlung ist eine kriminelle Handlung. Das muss nicht nur aufhören, sondern rückgängig gemacht werden. Sonst kehrt dort kein Frieden ein. Diese Voraussetzungen müssen von Israel geleistet werden. Aber dieses Auge um Auge, Zahn um Zahn der gegenwärtigen Politik schaukelt allen Zorn nur noch weiter hoch, und sorgt dafür, dass immer neue Bin Ladens mit anderen Namen nachwachsen" (im Interview mit Spiegel-Online). Dass die eigentlichen Mörder von New York und Manhattan die Juden sind, die armen und entrechteten Völkern Blut und Boden rauben, kann man auch einem Aufruf entnehmen, der u.a. vor zwei Tagen in der taz erschienen ist und unterzeichnet ist nicht nur von namhaften Mitgliedern der Friedensbewegung und der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft. Auch die ganz besonderen Freunde Israels, nämlich Mitglieder der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, sind mit von der Partie. Die veröffentlichte Erklärung ist kurz, aber gehaltvoll: „Sehr geehrter Herr Bundesaußenminister Joschka Fischer, angesichts der schrecklichen Terrorakte in den Vereinigten Staaten und möglicher weltweiter Folgen appellieren wir gemeinsam an Sie, gerade jetzt(sic!) Ihren bisherigen aktiven Einsatz zu verstärken, den gewaltsamen Auseinandersetzungen im Nahen Osten zu einem Ende zu verhelfen und einen kooperativen Umgang der Konfliktparteien miteinander zu fördern. (...)." Wo soviel als Friedenssehnsucht getarnter Zynismus zu finden ist, da dürfen auf der Liste der Unterstützer nicht fehlen: Norbert Blüm, Annemarie Schimmel, die unverschleierte Friedenspeisträgerin des Deutschen Buchhandels, und andere berufsmäßige Psychotherapeutinnen und Arabischstudentinnen.
Während die antiisraelischen Stellungnahmen, in denen man den Herrn Bundesaußenminister noch Joschka nennen darf, erst jetzt auftauchen, war der Bodensatz der Friedensbewegung, die sich vom Joseph noch nicht zum Joschka vorgearbeitet hat, ungleich schneller in ihren Reaktionen auf die islamische Massenvernichtungsaktion. Ein Mitarbeiter des namhaften Bundesausschuss Friedensratschlag, der sich zur Zeit der Anschläge in den besetzten Gebieten, in Beit-Jala, aufhielt, mailte bereits am 12. September an die Heimatfront: „`Made in USA´ - dies ist ein geflügeltes Wort, wenn hier Panzer einfahren, Hubschrauber stundenlang kreisen und wenn man die stattliche Sammlung von Munition allen Kalibers sieht, die nach angriffen von Kindern und Jugendlichen auf den Strassen und in den zerbombten Häusern gesammelt werden: Made in USA!
Amerika hat in den Augen der Menschen hier seine Glaubwürdigkeit als ehrlicher Makler und Friedensstifter verloren, Amerika wird nur noch als blinder Parteinehmer für Israel gesehen. Die zeitliche Koinzidenz der Besetzung von Beit Jala und der gemeinsame amerikanisch-israelische Auszug in Durban hat dies massiv verstärkt."
teil V und schluss
Die frei flottierende Projektivität der romantischen Kapitalismus-Kritiker hat sich damit erstaunlich schnell von einer Hass-Figur zur nächsten vorgearbeitet: Erst war es der mitleidslose Yuppie, der personifizierte böse Kapitalist im Maßanzug, dann ging man zum agilen und konsumfreudigen Individualisten in den eigenen Reihen über, der sich der Gemeinschaft verweigert, danach boten sich die US-Amerikaner an, die mit ihrer grenzüberschreitenden Go-West!-Mentalität und ihrem ökonomisch ausgeprägten Individualismus sich immer noch zieren, der kulturalistisch-ethnozentristischen Weltgesellschaft der gleichmachenden Menschenrechte beizutreten, nun ist die Suche nach dem Haupt-Schuldigen allen Unglücks auf der Welt anscheinend kurz vor ihrem endgültigen Ziel angekommen: beim personifizierten Egoisten-Staat Israel. Während die Islamisten, wie einst die Nazis, längst jeden zum realen Abschuss freigegeben haben, den sie für einen Juden halten(!), scheint der Mehrheit der sogenannten Globalisierungsgegner jeder verdächtig, der sie auch nur im Entferntesten an Individualismus erinnert. Die sogenannten Schläfer der Terror-Netzwerke scheinen insgeheim exakt die selben Hassfiguren zu pflegen wie die „geistigen Schläfer", wie der US-Publizist Don Jordan die Friedensbewegten bezeichnet: Die Kriterien der Rasterfahndung erfassen alle, die zum Zwecke der Menschwerdung ins gelobte Land der unbegrenzten Möglichkeiten auszuwandern gedenken. Ein imaginäres Land, das auf der Weltkarte nirgendwo verzeichnet ist, dessen Idee einige Nationen aber näher sind als andere.
Nicht nur die zeitliche Koinzidenz des vorsätzlichen Mordes an Carlo Giulani in Genua, die klammheimliche Freude eines Großteils der gewaltlosen Globalisierungskritiker über die physische Ruhigstellung eines politisch sowieso unbrauchbaren Steinewerfers und die Reaktionen auf die Barbarei vom 11. September haben klargemacht, dass die deutsche Friedensbewegung nie wieder etwas anderes sein wird als eine kollektive Psychotherapie für die Kinder der postfaschistischen Gesellschaft. Die neue Friedensbewegung, die von den Grünen als potentieller Nachwuchs genauso umgarnt wird wie die friedliebende Fraktion der Globalisierungsgegner, bekommt nicht zufällig Beifall von nur scheinbar ungewohnter Seite. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 14. Oktober fordert der ausgewiesene Naomi Klein-Anhänger Mark Siemons: „Rettet die Friedensbewegung!". Siemons weiß genau, „Warum Deutschland die Friedensbewegung braucht. (...) Sie ist (...) dringend nötig, um mit Fernsehbildern ihrer Demonstrationen unsere ausländischen Nachbarn zu beruhigen. Wir müssen endlich wieder genauso viele Friedensdemonstrationsbilder erzeugen wie NPD-Kundgebungsbilder! Deshalb braucht diese Bewegung unser aller Unterstützung."
So strategisch wie Siemons aber mögen seine Ziehkinder nicht denken. Ganz offen gibt die, mittlerweile um die Globalisierungs-Bewegung erweiterte, Friedensbewegung ihre Steinzeit-Fantasien preis, wie etwa auf der ersten größeren Demonstration Mitte September in Berlin: Auf dem Leittransparent, an dessen deutschem Wesen die ausländischen Nachbarn genesen sollen, war zu lesen: „Zivilisation ist Völkermord!" Zu der Demo aufgerufen hatten neben namhaften Organisationen der Friedensbewegung auch Attac. Die Verwechselungsgefahr mit der NPD, vor der Siemons noch warnt, ist den Feierabend-Pazifisten gleichgültig: „Hoch die Internationale Solidarität!" und „Völkermordzentrale USA" wird hie wie dort gerne skandiert. In diesen Chor der Kriegserklärung gegen die amerikanischen Völkermörder und israelischen Bodenräuber und Hausbesetzer hatte Attac bereits kurze Zeit nach der faktischen Kriegserklärung an die USA vom 11. September eingestimmt. In einer ersten Erklärung ihrer deutsch-österreichischen Dependance hatte man die Mutter aller Staats-Terroristen bereits verurteilt, als das FBI gerade mal die ersten Spuren verfolgte: „Eine wirksame Bekämpfung von Terrorismus ist letztlich nur möglich, wenn auch die gesellschaftlichen und politischen Probleme gelöst werden, die ihm zu Grunde liegen. Dazu gehört in erster Linie eine rasche politische Lösung des Nahostkonflikts, die den legitimen Interessen aller Beteiligten Rechnung trägt. Sicherheit ist erst dann gegeben, wenn die Sicherheit des anderen gewährleistet ist."
Dass die Sicherheit derjenigen sogenannten Palästinenser, die ihr Leben nicht in den stupiden Grenzen der großen palästinensischen Familie fristen wollen, sondern lieber zum Beispiel am multisexuellen und kosmopolitischen Strand von Tel Aviv, wo nur die architektonisch eindrucksvollen Hochhäuser ein wenig Schatten spenden - Wolkenkratzer, die für den transzendierenden Wunsch stehen, sich noch zu Lebzeiten den Himmel zu erobern; dass die Sicherheit dieser aufgeschlossenen Menschen, also von ganz anderen gefährdet wird als von israelischen Wehrpflichtigen, die wohl auch lieber mit einer eiskalten Coke am Strand liegen würden als mit der schusssicheren Weste im Staub, darum scheren sich die Attac-Gläubigen, die Friedens- und die Gemeinschaftsbewegten unter den Globalisierungsgegnern den gleichen moralistischen Dreck wie um die Gründe, weshalb Millionen afghanischer Frauen tagtäglich und akut, seit dem Abzug der Roten Armee, vom Hungertod, von Verstümmelung und von Hinrichtung bedroht sind. Die einzige Rettung, die diese Frauen erwarten können, sind momentan - soviel Realismus sollten sich fortschrittliche Linke schon zumuten - die US-Streitkräfte. Auch wenn wir Gutmenschen das nicht so gerne hören.
FUSSNOTE: Aus der Erklärung von Attac Deutschland / Österreich „(...) Kontraproduktiv ist die verbale Spaltung der Welt in einen `zivilisierten´ und einen ´unzivilisierten´ Teil, das baut Gräben auf anstelle von Brücken. (...) Eine wirksame Bekämpfung von Terrorismus ist letztlich nur möglich, wenn auch die gesellschaftlichen und politischen Probleme gelöst werden, die ihm zu Grunde liegen. Dazu gehört in erster Linie eine rasche politische Lösung des Nahostkonflikts, die den legitimen Interessen aller Beteiligten Rechnung trägt. Sicherheit ist erst dann gegeben, wenn die Sicherheit des anderen gewährleistet ist. Sicherheit ist heute weniger denn je militärisch, sondern muss vor allem sozial, kulturell, ökonomisch und politisch begriffen werden. Sicherheit ist letztlich eine Frage der Gerechtigkeit. Auch die sozioökonomischen Ungleichheiten in der Welt, die sich in den letzten Jahren wieder verschärft haben, bilden einen Nährboden für Gewalt. Sie zu bekämpfen ist integraler Bestandteil einer wirksamen Strategie gegen den Terrorismus. Daher kommt dem Engagement für eine Globalisierung von sozialer Gerechtigkeit, Demokratie, Menschenrechten, Geschlechtergerechtigkeit und umweltgerechtem Verhalten eine noch größere Bedeutung zu als je zuvor."
ftp down???
@Zitierer: könntest du solche "Zitate" bitte auf deiner Homepage (gut lay-outet und somit angenehmer zu lesen) lassen und sie dann einfach linken? Wäre echt nett, denn solche Kommentare "müllen" IMHO in erster linie einfach nur zu...(soll kein Anpiss sein, nur ne Bitte)
stimmt
Server so gut wie down
Video brennen
das video funzt optimal
nachts gibts gute raten
@Dortmunder
DORTMUNDER, WENN DU DAS LIEST, BRENN´S MIR BITTE AUCH!!!!!
KANNST DU HIER ANTWORTEN(ich weiß, das gehört nicht hier her, es ist aber sooooooooooooooo wichtig)???????
Oder mail mir: