Chiapas: Acteal vier Jahre nach dem Massaker
In Acteal wird am vierten Jahrestag des Massakers die Trauer ueber ein grausames Verbrechen in ein Fest gewandelt. Die weltweite Solidarität macht sich in dem Ort bemerkbar...
Weitere Infos zu Chiapas und Mexiko:
- Indymedia-Chiapas
- Indy-Hauptseite - dort in der Mittelspalte mit ´ner Menge Links
- tp-Text über den Widerstand der Ureinwohner Südamerikas und den Ängsten der CIA
- PGA-Webseite
- Über den Widerstand in Mexiko allgemein
- erschütternder tp-Text über ein Massaker der mexikanischen Staatsmacht im jahre 1968 an Studenten
Weitere Infos zu Chiapas und Mexiko:
- Indymedia-Chiapas
- Indy-Hauptseite - dort in der Mittelspalte mit ´ner Menge Links
- tp-Text über den Widerstand der Ureinwohner Südamerikas und den Ängsten der CIA
- PGA-Webseite
- Über den Widerstand in Mexiko allgemein
- erschütternder tp-Text über ein Massaker der mexikanischen Staatsmacht im jahre 1968 an Studenten
"Und das Blut fliesst ueber die ganze Welt und bringt neue Blumen hervor" - Acteal vier jahre nach dem Massaker

Schon bei der Ankunft in dem Oertchen im chiapanekischen Hochland mahnt eine Gedenkskulptur an das hier Vorgefallene: 1997 ueberfielen lokale Paramilitaers die vollbesetzte Kirche und toeteten auf grausame Weise 45 Personen, mehrheitlich Frauen und Kinder. Es war der bislang schlimmste Angriff auf die chiapanekische Indigena-Bewegung der Neunziger Jahre. Durch Ausbildung und Bewaffnung der Taeter traegt die mexikanische Bundesarmee und damit die Regierung massgebliche Verantwortung fuer das Verbrechen beteiligt.
Die BewohnerInnen Acteals waren und sind bei den Abejas organisiert, den "Bienen", einer z.Z. ca. 5000 Personen umfassenden Bewegung, die die Forderungen der in der selben Region taetigen zapatistischen Guerilla teilt, aber ihren Widerstand ausschliesslich gewaltfrei praktiziert.
Acteal besteht heute aus den Ueberlebenden der sieben bereits damals ansaessigen Familien und sechzehn weiteren Familien, die von Militaers oder paramilitaerischen Gruppen aus ihren Heimatgemeinden vertrieben wurden und beschlossen haben, nicht dorthin zurueckzukehren. Saemtliche dieser Familien haben Todesopfer unter ihren Angehoerigen zu beklagen. Einige der Moerder von damals - es handelt sich um bekannte Gesichter - leben immer noch unbehelligt in der Umgebung.
Was gibt diesen Menschen die Kraft, in diesem Zustand schwerster Traumatisierung, und fortwaehrender Bedrohungs, weiterhin konsequent bei ihren Forderungen zu bleiben?
Antworten finden sich am 22.12., dem vierten Jahrestag des Massakers, an dem die jaehrliche Gedenkveranstaltung stattfand, zu der sich ca. 1000 Menschen regionaler, nationaler und inernationaler Herkunft in der Gemeinde einfanden. Das Programm reichte von einer Prozession ueber kaempferische Redebeitraege bis zu einem Theaterstueck, in dem die DorfbewohnerInnen das Geschehene verarbeiteten. Abends ging die Veranstaltung in ein Volksfest mit traditioneller Tanzmusik ueber. Viele Gaeste zeigten sich von der Reibungslosigkeit der Organisation und der Gelassenheit der Athmosphaere waehrend der Veranstaltung beeindruckt.
"Das Fest ist wichtig fuer mich", sagt eine Ladenbesitzerin in Acteal, "ich habe einen Teil meiner Familie verloren und es tut gut zu wissen, das ich damit nicht alleine bin".
Die vielfaeltige Hilfe, die dem Dorf seitdem zuteil wurde, ist wohl ein Faktor, der den Menschen hier hilft, ihren Schmerz zu ueberwinden. Mariano Perez Vasquez, dem Presidenten der Abejas zufolge, veranlasste eine Welle nationaler und internationaler Proteste die mexikanische Regierung zu umfangreichen Hilfsangeboten. Diese wurden zumindest in Gestalt von Strom- und Wasserversorgung auch angenommen. Verschiedene auslaendische NRO kuemmern sich um die Verbesserung von Gesundheits- und Bildungsversorgung. Staendig sind internationale BeobachterInnen anwesend, die, so Perez, durch ihre Praesenz neue Uebergriffe von Militaer und Paramilitaer verhindern helfen. Die BewohnerInnen unterhalten Beziehungen zu den verschiedensten internationalen Organisationen und haben in Vortragsreisen weltweit Zeugnis ueber das Massaker abgelegt. Waehrenddessen sind die Abejas dabei, ihre eigenen Gesundheits- und Bildungsstrukturen sowie eine eigene Vermarktungsstruktur fuer organisch angebauten Kaffee aufzubauen.
Man kann wohl sagen, dass hier die internationale Zivilgesellschaft in sinnvoller Weise die Kaempfe der lokalen Bevoelkerung unterstuetzt, die ihrerseits wachsam ist gegenueber Bevormundung und Bestechungsversuchen. Die Zukunft der chiapanekischen Indigenabewegung angesichts der aggressiven neoliberalen Politik der mexikanischen Regierung ist allerdings noch ungeschrieben. Traurig ist auch, dass es erst nach derartigen Verbrechen zu Unterstuetzungsleistungen kommt, waehrend andernorts in Chiapas die Ausbeutung und Unterdrueckung der Indigenas ihren ganz alltaeglichen Lauf nimmt.
Schon bei der Ankunft in dem Oertchen im chiapanekischen Hochland mahnt eine Gedenkskulptur an das hier Vorgefallene: 1997 ueberfielen lokale Paramilitaers die vollbesetzte Kirche und toeteten auf grausame Weise 45 Personen, mehrheitlich Frauen und Kinder. Es war der bislang schlimmste Angriff auf die chiapanekische Indigena-Bewegung der Neunziger Jahre. Durch Ausbildung und Bewaffnung der Taeter traegt die mexikanische Bundesarmee und damit die Regierung massgebliche Verantwortung fuer das Verbrechen beteiligt.
Die BewohnerInnen Acteals waren und sind bei den Abejas organisiert, den "Bienen", einer z.Z. ca. 5000 Personen umfassenden Bewegung, die die Forderungen der in der selben Region taetigen zapatistischen Guerilla teilt, aber ihren Widerstand ausschliesslich gewaltfrei praktiziert.
Acteal besteht heute aus den Ueberlebenden der sieben bereits damals ansaessigen Familien und sechzehn weiteren Familien, die von Militaers oder paramilitaerischen Gruppen aus ihren Heimatgemeinden vertrieben wurden und beschlossen haben, nicht dorthin zurueckzukehren. Saemtliche dieser Familien haben Todesopfer unter ihren Angehoerigen zu beklagen. Einige der Moerder von damals - es handelt sich um bekannte Gesichter - leben immer noch unbehelligt in der Umgebung.
Was gibt diesen Menschen die Kraft, in diesem Zustand schwerster Traumatisierung, und fortwaehrender Bedrohungs, weiterhin konsequent bei ihren Forderungen zu bleiben?
Antworten finden sich am 22.12., dem vierten Jahrestag des Massakers, an dem die jaehrliche Gedenkveranstaltung stattfand, zu der sich ca. 1000 Menschen regionaler, nationaler und inernationaler Herkunft in der Gemeinde einfanden. Das Programm reichte von einer Prozession ueber kaempferische Redebeitraege bis zu einem Theaterstueck, in dem die DorfbewohnerInnen das Geschehene verarbeiteten. Abends ging die Veranstaltung in ein Volksfest mit traditioneller Tanzmusik ueber. Viele Gaeste zeigten sich von der Reibungslosigkeit der Organisation und der Gelassenheit der Athmosphaere waehrend der Veranstaltung beeindruckt.
"Das Fest ist wichtig fuer mich", sagt eine Ladenbesitzerin in Acteal, "ich habe einen Teil meiner Familie verloren und es tut gut zu wissen, das ich damit nicht alleine bin".
Die vielfaeltige Hilfe, die dem Dorf seitdem zuteil wurde, ist wohl ein Faktor, der den Menschen hier hilft, ihren Schmerz zu ueberwinden. Mariano Perez Vasquez, dem Presidenten der Abejas zufolge, veranlasste eine Welle nationaler und internationaler Proteste die mexikanische Regierung zu umfangreichen Hilfsangeboten. Diese wurden zumindest in Gestalt von Strom- und Wasserversorgung auch angenommen. Verschiedene auslaendische NRO kuemmern sich um die Verbesserung von Gesundheits- und Bildungsversorgung. Staendig sind internationale BeobachterInnen anwesend, die, so Perez, durch ihre Praesenz neue Uebergriffe von Militaer und Paramilitaer verhindern helfen. Die BewohnerInnen unterhalten Beziehungen zu den verschiedensten internationalen Organisationen und haben in Vortragsreisen weltweit Zeugnis ueber das Massaker abgelegt. Waehrenddessen sind die Abejas dabei, ihre eigenen Gesundheits- und Bildungsstrukturen sowie eine eigene Vermarktungsstruktur fuer organisch angebauten Kaffee aufzubauen.
Man kann wohl sagen, dass hier die internationale Zivilgesellschaft in sinnvoller Weise die Kaempfe der lokalen Bevoelkerung unterstuetzt, die ihrerseits wachsam ist gegenueber Bevormundung und Bestechungsversuchen. Die Zukunft der chiapanekischen Indigenabewegung angesichts der aggressiven neoliberalen Politik der mexikanischen Regierung ist allerdings noch ungeschrieben. Traurig ist auch, dass es erst nach derartigen Verbrechen zu Unterstuetzungsleistungen kommt, waehrend andernorts in Chiapas die Ausbeutung und Unterdrueckung der Indigenas ihren ganz alltaeglichen Lauf nimmt.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
Ergänzungen