zu Privatheit, Liebe und Sex

Anonym 23.12.2001 07:26 Themen: Gender
Aufgrund der Debatten zu und über ZEGG z.B. unter http://de.indymedia.org/2001/12/12759.htmlund dem was Liebe und Sex in der bürgerlichen Gesellschaft bedeutet, hier zur allgemeinen Reflexion ein Artikel, der mal im Dunstkreis der Gruppe "Krisis" veröffentlich wurde und sicherlich auch die Leser/innenschaft und kritischen Geister von "indymedia" interessiert.
zu Privatheit und Liebe in der bürgerlichen Gesellschaft

Aufgrund der Debatte in "indymedia" zu "ZEGG" publiziere ich nun einen Beitrag, der vor langer Zeit mal in der "Krisis-Mailingliste" veröffentlicht wurde und darin heiss diskutiert wurde.
**********************************************

Stellen wir uns einmal folgende Situation vor: Da liegen zwei zusammen im Bett, ein modernes Beziehungspaar, heterosexuell, schmusen, irgendwann schlafen sie (miteinander) oder auch nicht. Jedenfalls ist etwas Zeit vergangen, sie sitzen jetzt nebeneinander, immer noch im Bett und es entwickelt sich folgende Auseinandersetzung:

Person 1 sagt: ?Die letzte Nacht hat mir eigentlich gar nicht entsprochen, mir war nicht danach, und Du hast das nicht mitbekommen, es nicht gespürt, daß mir das, was Du gemacht hast, nicht gefallen hat - ich möchte aber, daß Du immer auch wahrnimmst, wie es mir geht und dementsprechend handelst."/ul>Person 1 fordert also Sensibilität und Einfühlungsvermögen, will ein gegenseitiges Sich-Bedenken, während Person 2 betont, daß mensch für sich steht und für seine Bedürfnisse selbst verantwortlich ist. Merkwürdigerweise (oder auch nicht!) ist es oft so, daß Person 1 eine Frau und Person 2 ein Mann ist. Auch bei unserem modernen partnerschaftlichen Paar.

Wir könnten uns jetzt gleich an die Praxis machen, nach Konfliktlösungen suchen und damit glücklich werden, denn darum geht es schließlich. Das wollen wir aber nicht, vor allem deshalb, weil diese Glücksuche ständig scheitert. Wir werden statt dessen versuchen, erstmal zu klären, woher dieser Konflikt kommt. Ausgehend von einem, den Gegensatz aufzeigenden (zugegeben: sehr vereinfachten) Beispiel möchten wir verdeutlichen, daß diese Auseinandersetzung nicht etwas schlicht »Menschliches« ist - etwas, was es immer schon gab und immer geben wird -, sondern aus historischer Sicht ein relativ neues Phänomen darstellt, da unser modernes Paar eine relativ neue, eben eine moderne Formation abgibt.
Gehen wir etliche Jahre zurück, bis ins 16. Jahrhundert, in eine in weiten Bereichen noch feudale Zeit. Damals waren die Leute durch ihre jeweilige Standeszugehörigkeit bestimmt. Die ständische Ordnung regelte als umfassendes Gesellschaftskonzept das gesamte (Zusammen-) Leben, das sich noch nicht als in einzelne, mehr oder weniger voneinander unabhängige Bereiche zergliedert darstellte. Eine Bäuerin etwa wurde als Tochter einer Bäuerin geboren, wuchs heran zur Bäuerin und handelte schließlich als Bäuerin. (Die ständische Ordnung lieferte Handlungskonzepte und nicht die Vorstellung einer Psyche bzw. einer psychischen Identität. In diesem Sinn gab es keinen von der Körperlichkeit abgetrennten eigenständigen Bereich, der als Psyche hätte benannt werden können. Vgl. Guttandin: Genese und Kritik des Subjektbegriffs. 1980.)

Sie war nicht etwa »Mensch«, die u.a. den Beruf »Bäuerin« ausübt, sondern sie war Bäuerin, durch und durch und in jeder Lebenssituation. (Der mit der bürgerlichen Gesellschaft entstandene bzw. konstruierte »Mensch« entspricht einem abstrakten Wesen, (vermeintlich) losgelöst von jeglichem gesellschaftlichen Zusammenhang und (vermeintlich) mit gleichen Rechten versehen. Die ständische Bestimmung hingegen ist immer eine konkret(er)e; die Abstraktion hat noch nicht stattgefunden, weder begrifflich noch in der Realität.)
Und dies als Teil eines Ganzen, des Bauernhofs - der zum überwiegenden Teil für den eigenen Bedarf produzierte - und der Dorfgemeinschaft. Ohne diesen Zusammenhang konnte sie sich nicht vorstellen. Sie war damit verschmolzen - zumeist unwiderruflich und lebenslänglich. Dabei war diese Bäuerin »weiblich« (Während vorbürgerliche ständische »Weiblichkeit« eben allein ein Handlungskonzept war, das eindeutig vom jeweiligen Stand bestimmt wurde und ausschließlich für diesen Gültigkeit beanspruchen konnte, stellt das wissenschaftlich-biologische Konzept der bürgerlichen »Frau« ein allgemeines, übergreifendes und vornehmlich psychisch-physisches Modell dar. In der ständischen Ordnung bezeichnete »Geschlecht« die Generationenfolge. In der bürgerlichen Gesellschaft wird »Geschlecht« zur Bezeichnung für die psychisch-physischen heterosexuellen »Geschlechtescharaktere« »Frau« und »Mann«. Vgl. hierzu Hausen: Die Polarisierung der »Geschlechtscharaktere«. 1976.) und die ständische Ordnung legte fest, was eine Bäuerin zu tun und zu lassen hatte. Bezüglich ihres Ehelebens (Die »ehelichen Pflichten« von Bäuerin und Bauer hatten mit den Vorstellungen der romantischen bürgerlichen Liebe nichts gemein. Es handelte sich nicht um eine Liebesgemeinschaft - wiederum ein psychisches Konzept (vgl. oben) - sondern um ein gemeinsames Wirtschaften (d.h. »Handeln«).

Was zählte, war der Erhalt des Hofs bzw. dessen Aufstieg und eine Nachkommenschaft, die diesen Hof weiterführte. Nach diesen Gesichtspunkten wurde eine Ehe angebahnt und gelebt, und die Vorstellung, dies sei grundsätzlich gegen den Willen der zu Verheiratenden geschehen, ist entweder eine platte Rückprojektion oder aber bezieht sich auf Verhältnisse, in denen das bürgerliche Liebesverständnis sich bereits durchzusetzen begann.) war sie auf den Bauern verwiesen. Er war, genau wie sie, in seinem ständischen Dasein verankert, hatte seinen angestammten, letzlich dominanten (Die ständische Bäuerin verfügte in diesem System von Geschlechtertrennung, bei Dominanz des Bauern, über wesentlich mehr Machtresourcen als die bürgerliche »Frau«. Die Tätigkeiten auf dem Bauernhof liefen getrennt nach Geschlecht, wobei der Teil, der der Frau unterstand und über den sie bestimmte, für den Bestand des Hofes genauso wichtig war, wie der Tätigkeitsbereich des Bauern.) Platz in dem Zusammenhang Hof. Sowenig der Bauer oder die Bäuerin Distanz zu dem hatten, was sie selbst waren, genauso wenig Distanz hatten sie zu dem, was zwischen ihnen ablief. (Distanz zu sich selbst, d.h. ein reflexives Verhältnis zu sich selbst, gelingt erst, wenn das Selbst nicht mehr eine geschlossene Einheit darstellt, sondern wenn eine abgespaltene Psyche, biographische Brüche und Individualisierungstendenzen entstehen. Vgl. Fußnote 3.)

Diese Verhältnisse sind Vergangenheit und es nicht schade darum. Das, was die ständische Ordnung zersetzt und zerschlagen hat, prägt(e) die modernen Individuen und damit auch das Liebesleben unseres Pärchens: Das Vordringen der Warenproduktion - der Produktion ausschließlich für einen anonymen Markt und nicht mehr vorwiegend für den Eigenbedarf - und der damit verbundenen Geldbeziehungen ließ den Bauernstand in seiner ständischen Form verschwinden. Die bürgerliche Gesellschaft zerfällt in eine dominante öffentliche Sphäre von Lohnarbeit und Politik und in einen untergeordneten Bereich der Privatheit, Ort für Liebe und unmittelbare Bedürfnisbefriedigung. Beide Sphären sind dabei immer schon, in ihrer Entstehung und Entfaltung geschlechtlich besetzt bzw. bringt erst die Entwicklung von öffentlicher und privater Sphäre die Geschlechter und das hierarchische Geschlechterverhältnis in seiner klassisch bürgerlich-patriarchalen Form hervor.

Die männliche Identität bestimmt sich vornehmlich aus der Öffentlichkeit und muß den Sachzwängen des Geldes folgen. Ob dabei Zahnbürsten, PC-Programme oder Atombomben hergestellt werden oder der siebzehnte Blinddarm des Tages herausgeschnitten wird, es muß ihnen letztendlich egal sein. Als vereinzelte, scheinbar freie und unabhängige Verkäufer der einzigen Ware über die sie verfügen - ihrer Arbeitskraft - stehen sie in der Konkurrenz distanziert und mit kühler Vernunft berechnend gegeneinander. Was zählt in der Öffentlichkeit, ist der eigene Erfolg, für den vermeintlich jeder selbst verantwortlich ist.Die Basis der weiblichen Identität ist idealtypisch die untergeordnete private Sphäre. Diese ist gekennzeichnet durch alles, was sich (noch) nicht in Geldbeziehungen umwandeln läßt, dabei aber für das (Über-)Leben in der bürgerlichen Gesellschaft notwendig ist. Alle unmittelbare Bedürfnisbefriedigung findet an diesem »Ort der Gefühle« ihren Platz und in erster Linie und bezogen auf unser Beispiel die Liebe bzw. die sogenannte Paarbeziehung. Hier wird nicht die Autonomie der/des Einzelnen betont, sondern Wahrnehmung und Handeln richten sich auf ein Miteinander, auf gegenseitiges Verständnis und Einfühlungsvermögen.
Doch nicht nur der eingangs erwähnte Bauerenstand ist tot, auch seine eben beschriebene klassisch-bürgerliche »Nachkommenschaft« hat begonnen, sich bereits wieder zu verabschieden. Die geänderten gesellschaftlichen Bedingungen erfordern und erzeugen eine weitere Modernisierung der Geschlechter. Unser modernes partnerschaftliches Paar muß heute, eigenständig und wirtschaftlich unabhängig bzw. auf sich allein gestellt, in beiden Sphären agieren. (Womit nicht gesagt werden soll, daß damit die patriarchale Grundstruktur der bürgerlichen Gesellschaft aufgehoben wäre. Nach wie vor bzw. inzwischen wieder in zunehmendem Maß ist das Geschlechterverhältnis ein hierarchisches und letzlich ein Gewaltverhältnis.) Damit bewegen sich auch ihre Identitäten in diesem Spannungsfeld; hin- und hergerissen zwischen den Polen von »männlicher« Öffentlichkeit und »weiblicher« Privatheit.

Die Chancen auf Erfolg in der Öffentlichkeit sind zunehmend dünner gesäht - so linst etwa das Gespenst der Arbeitslosigkeit um jede Ecke. Zudem wird der Inhalt der Arbeit immer beliebiger - ob Zahnbürste oder Atombombe ist nur noch eine Frage des Computerprogramms. Damit werden auch die Personen zusehends austauschbar. Sie wissen selbst nicht mehr genau, wer sie eigentlich sind und flüchten aus dieser Beliebigkeit und Kälte in die Wärme des privaten Nests, dem anderen Pol, der zunehmend ihre Identität ausmacht. Die Privatheit muß die Befriedigung und den Sinn des Lebens liefern. Sie wird als Gegenwelt zur Öffentlichkeit zum zentralen Ort der Glückssuche. In der Liebe versucht das abstrakt und austauschbar gewordene Subjekt der Öffentlichkeit, sich als konkretes und das heißt auch geschlechtliches Individuum zu fühlen: einzigartig und notwendig für das Gegenüber. So gesehen ist diese vielbeschworene Liebe nichts anderes als ein Programm zur individuellen Identitätsfindung und, damit verbunden, zur Verwirklichung von vermeintlich natürlicher Geschlechtlichkeit und Ganzheitlichkeit. (Identität ist mit ihrer Entstehung immer schon geschlechtlich besetzt. Als Produkt bürgerlicher Zerrissenheit trägt sie auch immer den Anspruch auf Ganzheitlichkeit in sich.)

Wobei sich die Frage stellt, ob das Miteinander und Gebraucht-werden-Wollen der Liebenden nicht ebenfalls abstrakt ist, da es nur noch darum geht. Die Personen werden auf ihr privates Sein reduziert, d.h. von ihrem Sein als öffentliche Subjekte wird abstrahiert. In den scheinbar »echten« Gefühlen soll die alleinige Wahrheit liegen, Logik und Vernunft sind fehl am Platze. Zudem wird die geliebte Person dabei womöglich genauso austauschbar, wie in der Konkurrenz im Öffentlichen, denn geliebt wird um der Liebe willen, weil es so schön kribbelt und für den Selbstwert als »Frau« oder »Mann« notwendig ist.

Doch solche Gedanken belästigen unser Beziehungspaar vorerst nicht. Die Idee der Einzigartigkeit des/der Anderen verdrängt zunächst den Gedanken der Austauschbarkeit. Und damit sind wir wieder bei unserem Paar im Bett. Es ließe sich zunächst die Frage stellen, wieso da erstens eigentlich zwei liegen und zweitens, warum gerade im Bett - und alle anderen vor der verschlossenen Tür. Ist die moderne, intime Liebesbeziehung nach unserer These vor allem eine Flucht vor der eigenen Austauschbarkeit und Leere, muß sie an erster Stelle Sicherheit vermitteln. Üblicherweise funktioniert das über Monogamie. Denn wenn sich der persönliche »Fluchtpunkt« noch mit diversen anderen amüsiert, nimmt sich mensch auch hier wieder als beliebig und austauschbar wahr.
Das Bett unseres modernes Paars steht also im Privaten (und es brennt vielleicht eine Kerze) und nicht im Büro. Nur die beiden kriechen als Ganzes in die Federn, mehr oder weniger geprägt von beiden Sphären. Ihre konträren Positionen lassen sich demnach wie folgt bestimmen:

Person 1 bezieht ihren Standpunkt aus dem Privaten, betont das Miteinander und gegenseitiges Einfühlen. Sie hat gelernt Nähe herzustellen, sensibel für ihr Gegenüber zu sein, die Wünsche von den Augen abzulesen - und verlangt dies heutzutage auch vom anderen. (Der Anspruch auf Gegenseitigkeit stellt einen Bruch mit der klassischen bürgerlich-weiblichen Identität dar. Die bürgerliche Frau hatte schließlich allein für den Mann (und die Kinder) dazusein - und nicht etwa umgekehrt.)Person 2 vertritt ihre Position aus der Sicht des Öffentlichen. Individueller Leistungszwang, Konkurrenz und Gegeneinander erfordern Eigenständigkeit und Selbstverantwortung - jedeR ist schließlich und allein ihres/seines Glückes SchmiedIn. Und das wird wiederum heute genauso von der/dem PartnerIn erwartet. (Auch das ist etwas Neues. Daß heute die Frau für sich Eigenständigkeit und Selbstverantwortung in Anspruch nimmt, mußte hart von ihr erkämpft werden.)Aus der klassisch-bürgerlichen Zuordnung der Sphären nach Geschlecht ergibt sich, daß Person 1 immer noch meist weiblich und Person 2 meist männlich ist. Und selbst bei unserem modernen Paar, das die geschlechtlichen Zumutungen womöglich sogar erkannt hat, ändern sich die eingekörperten Verhaltensweisen nur zäh, die gewohnten Gefühle und Gedanken sitzen tief. Vor allem werden sie ständig reproduziert, sowohl um eineN herum - Medien, Verhalten der lieben MitbürgerInnen etc. - als auch im eigenen Handeln, Denken, Fühlen. Einzelne Personen mögen zwar die »Rollen« (Obwohl häufig verwendet, ist das Rollen-Konzept in diesem Zusammenhang eigentlich fehl am Platze und wurde inzwischen auch vielfach kritisiert (Vgl. etwa Bilden, Geschlechtsspezifische Sozialisation. 1991). Geschlechtsidentitäten sind nunmal keine Rollen, die abgelegt oder je nach Bedarf gewechselt werden können. Sie werden nicht »gespielt«, sie sind eingefleischt in jede Faser. Zudem unterschlägt der Rollen-Begriff die grundsätzlichen Macht- und Dominanzverhältnisse, die mit dem Geschlechterverhältnis verbunden sind.) getauscht haben oder versuchen beide in einer Person zu vereinen, doch Bezugspunkte bleiben weiterhin die beiden klassischen Geschlechtscharaktere, denn an der zu Grunde liegenden Sruktur von Öffentlichkeit und Privatheit hat sich trotz gesellschaftlichen Wandels nichts Wesentliches geändert.

Jetzt sind wir soweit, uns mögliche Konfliktlösungen für unser Paar zu suchen bzw. die heute praktizierten anzuschauen, die sich allesamt innerhalb des beschriebenen Widerspruchs der zwei Sphären bewegen. Sei es als Entscheidung für eine Seite, sei es als Versuch eines Kompromisses oder als Zerplatzen der Beziehung.

Möglichkeit 1: Wenn beide vornehmlich durch die Öffentlichkeit geprägt sind - sogenannte selbstverantwortliche autonome Individuen -, so bedeutet das, daß sich zwei leere austauschbare Hülsen gegenseitig selbstbefriedigen. Zeit, Küsse und Orgasmen werden gerecht getauscht. Eine solche Form privater Liebesbeziehung taugt in der Regel nicht als glückliche konkrete Gegenwelt zur kalten Öffentlichkeit. Sie wiederholt ja nur die Zumutungen der öffentlichen Spähre im Privaten. Damit verliehrt aber das Private seine spezifische und notwendige Glücksfunktion.Möglichkeit 2: Ein Miteinander wegen des Miteinanders, das sich in ihrer Konkretheit wieder nur abstrakt auf sich, die eigenen vier Wände und die bald notwendigen Kinder konzentriert und alles Leben außerhalb und jenseits davon ausblendet und ignoriert. Verschmelzene Bäuche ohne Kopf. Die Hölle der Intimität klappt allerdings auf Dauer genauso wenig. Die Zwänge der Öffentlichkeit, denen alle unterliegen, lassen sich nicht ignorieren. Ob der ätzende Job einer/einem die Laune verdirbt oder die täglichen Massaker rund um den Globus, die private Idylle beginnt unter diesem Druck unweigerlich zu bröckeln.Möglichkeit 3: Der Kompromiß versucht Gegensätzliches zu vereinen. In Zeiten angeblicher Gleichberechtigung verläuft der grundsätzliche gesellschaftliche Widerspruch nicht mehr entlang der Geschlechtergrenze, sondern verlagert sich in die einzelnen Personen hinein. Frau und Mann sollen versuchen je nach Situation »angemessen« zu handeln: am Arbeitsplatz mit knallharter Leistung jedeR gegen jedeN, im kuscheligen Heim ein liebevolles Miteinander. Es stellt sich erstens die Frage, ob das lebbar ist - die ständig zunehmende Zahl psychischer Erkrankungen zeugt vom Gegenteil. Und zweitens, ob diese Schizophrenie, die unaufgehoben in die Personen einzieht, wünschenswert ist. Wir denken: NEIN!Drei Möglichkeiten - keine Lösung. Auch für uns nicht. Deshalb heißt unser Schlußsatz:
Der Gegensatz muß überwunden werden, d.h. die Spaltung aufgehoben, die bürgerliche Gesellschaft abgeschafft etc. ...

Hans, Fritjof und Pia aus eurem ?Sonnenstudio Exakt"

P.S: Wir bitten die Unschönheit der Fußnoten (in Klammern) zu entschuldigen.

Literatur:
Helga Bilden: Geschlechtsspezifische Sozialisation. In: Klaus Hurrelmann/Dieter Ulrich (Hrsg.): Neues Handbuch der Sozialisationsforschung. Weinheim 1991
Friedhelm Guttandin: Genese und Kritik des Subjektbegriffs. Zur Selbstthematisierung der Menschen als Subjekte. Mahrburg/Lahn 1980
Karin Hausen: Die Polarisierung der »Geschlechtscharaktere« - Eine Spiegelung der Dissoziation von Erwerbs- und Familienleben. In: Werner Conze (Hrsg.): Sozialgeschichte der Familie in der Neuzeit Europas. Stuttgart 1976

Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

person 2

die poster/in 23.12.2001 - 07:45
aufgrund eines falsch eingebenen tags ist eine zeile der antwort von "person 2" nicht gepostet worden. Deshalb hier der Vollständigkeit halber, die volle Antwort:
Person 2 ist empört: „Was verlangst Du von mir? Schließlich bist Du für
Dich selbst verantwortlich. Wenn Dir etwas nicht gefällt oder nicht entspricht,
dann sag´ das auch. Die Sensibilität, die Du forderst, ist überhaupt nicht
leistbar. Letztendlich kennt mensch doch nur sich selbst wirklich."

Person1 uns Person2 sollten sich trennen!

Nina 23.12.2001 - 13:17
Besser Heut als Morgen! bevor Andere Emotionelle Gewohnheitsbindungen dies eschweren.

@Nina

Lelle 23.12.2001 - 14:13
...dann sollten sich aber auch noch einige andere (wenn nicht sogar alle) Zweierkisten-Paare trennen, was sicherlich nicht immer schlecht wäre. Es wäre auf jeden Fall ein Schritt gegen die Trennung von Privat und Arbeit, Politik, Öffentlichkeit usw. Kapitalismus kaputtkuscheln.

Wer sind wir ?

Pedder 23.12.2001 - 15:11
Ist das die Wahrheit( Wahrnehmung)die wir haben?
Wir, die unser anerzogenes Wertesystem schon vor Jahrzehnten verändert haben und denen die Frage nach den Geschlechtern seit den 70er`n auf den Nägeln brennt.
Damals in den Zeiten des Befreiungsversuchs eines unterdrückten Geschlechts mischte sich diese Discussion mit der Kapitalismuskritik und derer die für dieses System standen "Männer". Leider hat sich diese Auseinandersetzung getrennt und das Patriarchat wurde als Quelle allen Übels verantwortlich gemacht. Von nun an konsentrierte sich der Focus auf den Rollentausch. Ergebnis, nach 30 Jahren vermeindlicher Frauenbefreiung kann Frau wenn sie bereit ist so wie Mann alle eigenen Werte dem Wert Geld zu opfern" Gleichberechtigt" an der Zerstörung dieses Planeten teilnehmen. Das dabei Kinder eher störend sind erklärt den Geburtenrückgang und unsere Kinderfeindlichkeit.
Erklärungsansätze so wie im vorangegangenen Artikel scheinen mir dabei wenig hilfreich. Sind sie doch nur wieder ein Mikroskopischer Bruchteil des Ganzen. Ein Ausschnitt aus der Existenz, dem reinen Überleben betrachtet.
Von was für einem Menschenbild gehen wir da aus wie lässt sich die Spezies Mensch am besten beschreiben ?
Dabei müssen wir noch weiter zurückgehen, bis hin zu unserer animalischen Abstammung,mit der wir in unserem Alltag noch sehr viel zu tun haben, ohne das dies den meisten Menschen dieses Planeten bewußt wäre.
Das ist sehr seltsam, ist es doch so das sich Mensch und Tier gerade hier,evolutionsgeschichtlich, trennen.
Das will Mensch nicht über sich hören, hält er sich doch für überaus Gottähnlich was ihn von dem wahren Ursprung geistig abschneidet. Also ist er eigentlich verloren und die Frage nach dem Sein produziert Phantasien, Theorien ohne begriffenen Hintergrund und fragwürdigen Zielen.
In meinem Umfeld ist die Tierische Verhaftung kein Geheimnis oder Streitpunkt mehr sondern am eigenen Erleben überprüfte Tatsache.
Das Verhalten von Männchen und Weibchen lässt sich noch sehr gut bei unseren Kindern beobachten die vollkommen unterschiedliche Systeme der Rivalität aufweisen. Sie sind noch nicht in der Lage ihren Ursprung zu leugnen, kompensieren.
Genug von der Vergangenheit, die in unseren Gefühlen noch sehr wach ist.In der Gegenwart müssen wir erkennen das wir Geistwesen sind, die in der Lage sind zu verstehen.
Verstehen von Ursache und Wirkung.Dadurch sind wir in der Lage unsere Triebe zu beherrschen, sind nicht mehr zwangsläufig in Verhaltensmuster geprägt sondern sind im Stande unsere Triebe zu beherrschen. Wenn wir wollen wohlbemerkt, tun wir das nicht so holt uns die Vergangenheit immer wieder ein.
Es gab unzählige Menschen, Philosophen, Religionen die dies erkannt haben.Es entstanden Bildhafte Leitbilder um die Menschen zu befrieden und um ihnen ein geistiges Rüstzeug zu geben in dem es möglich war der Rivalität etwas entgegenzusetzen.Alles wurde gesagt und es gibt keinerlei Geheimnis oder neue Wahrheit mehr die es ans Licht zu bringen gilt.
Einstig verstehen müssen wir, uns einfühlen in das was uns umgibt,dabei beantwortet die Natur die meisten Fragen.
Das was uns umtreibt beantwortet am besten die Psychologie.
Dabei sollte jedoch auf das Ziel geachtet werden. Es sollte Humanismus heißen und wäre weltweit das was Menschen so dringend brauchen und wollen.
Zur Mann, Frau Discussion kann ich nur empfehlen folgenden Satz im Erleben zu überprüfen:"Hinter jedem starken Mann steht eine Frau" Um der Interpretation den Raum zu nehmen sei klargestellt",als Unterstützerin, nicht Dienerin.

@ von vornherein Lelle das stimmt aber Nicht!

Nina 23.12.2001 - 16:48
Es gibt Jede Menge Zweierkisten wo Gerade das klappt, und Alles Andere Nicht, an der beschriebenen Situation hängt Meiner Meinung nach Alles Wohl und Wehe einer Beziehung, wenn das in Jeder Beziehung in Ordnung wäre, gäbs bestimmt Viel Weniger Ersatzbefriedigungen, wie Shoppingsucht, Alkoholsucht, Spielsucht, Sex und Vergnügungssucht, dann könnte man dem Kapital zumindest ein Paar Scharten verpassen.

wieder dazu @Nina

Lelle 23.12.2001 - 18:52
aber gerade dadurch, dass wir bestimmte Dinge tabuisieren, festlegen wie Liebe und Sex zwischen Menschen auszusehen hat bringen wir uns doch automatisch in die Situation Ersatzbefriedigungen zu suchen. Es ist doch meist so das gilt: Sex und Liebe gibt es zwischen Mann und Frau (so zwischen 15 und 65) zu zweit, meist in einer Zweierbeziehung. Dann auch nur mit dieser Person. Und es immer noch etwas das mensch verstecken muss (möchte?), wo mensch nicht drüber redet. Wenn wir uns von diesen Tabus und Grenzen befreien und unabhängig von Alter, Geschlecht usw. lieben, kuscheln, streicheln usw. werden Ersatzbefriedigungen nutzlos und für doofes Männergehabe (explizite Heterosexualität z.B.) wäre auch kein Platz mehr. Ich denke auch der Wunsch jemanden zu "besitzen" ("Du gehörst mir!"), rührt daher, dass in der kapitalistischen Gesellschaft Besitz das Wichtigste ist. Aber Eigentum is Scheisse und deshalb möchte ich niemandem "gehören" und will auch niemanden "besitzen".

Bauer

MArtin 23.12.2001 - 19:08
Nett Quergedacht, ich mag Krisis. So ähnlich schreibt das auch Herr Louis Trenkler über die Bäu´rim. doch - ach nee -lass sein. Du willst doch nicht etwa diesen Schritt bürgerlicher Emanzipation (weg vom Lande mit ihren "Sklaven des hofes") als Kritikpunkt ansetzen. Also das Reaktionäre gegen das Progressive??

@ Lelle so sehe ich das auch!

Nina 23.12.2001 - 20:01
Und ich habs glaub ich auch genauso gesagt, als ich meinte, wenn es in der Heia schon hakt, sollten die auseinander gehen, (zumindest in der Heia) weil Diskussionen in dem Themenbereich bringen Meiner Meinung nach nur vorübergehende Lösungen, entweder es Passt von vorherein, oder es endet in Tragödien, das Thema Heia (und seine Auswirkungen auf die Hormone und Allgemeinwohlbefinden) wird Meiner Meinung nach von der Masse verkannt, und führt zu Solchen die Gesellschaft zersetzenden Verlogenen Ersatz Erscheinungen, wie Prostitution, Rotlicht, und Andere Sexuelle Besonderheiten, wie Sado Maso usw. die es in diesen Gigantischen Ausmassen nicht geben würde, wenn ......

Was ich noch vergessen hatte Lelle

Nina 24.12.2001 - 00:02
Es sollte auch bei der Partnersuche auch wieder Offener damit umgegangen werden, das man sich Lebenspartner auch Grösstenteils wegen dem Sex sucht, die sich Lebenspartner aus Finanziellen Gründen suchen dürften in der Heutigen Zeit einen Lebenspartner aus Finanziellen oder Anderen Gründen aussuchen dürften einen Verschwindend Geringen Anteil ausmachen, aber der Gesamte von der Gesellschaft vorgegebene Moralische Rahmen, der für die Mehrheit Gültig ist, mit Emanzipations und Sexismus Debatte, und deren Ergebnissen, und die Vorgegebenen Richtlinen für die Partnersuche (Der Gute Ton!), sehen für die Meisten immer noch das Böse erwachen nach der Hochzeitsnacht, und vor dem scheidungs Richter vor, wenn ich die Verlogene Emanzipationsdebatte (Schwarzer) bei Titelblatt Girls mit bekomme, was hat ein Hot Pants Frauen Hintern auf einem Fahrradsattel, mit Vermarktung von Frauen zu tun? wenn da was daran auszusetzen wäre dann Höchsten, das nicht ein Ebensolcher Männlicher daneben zu sehen ist.

an die anti-bäuerinnen

kommunistin 24.12.2001 - 03:14
hi martin,
du sprichst hier genau die schwachstellen und unzulänglichkeien an,
unter denen die kurz&krisis-ideologie leidet: naemlich sie loest
rückwärtsgewandte sehnsüchte nach dem guten alten "bauernleben" aus,
in dem scheinbar noch "alles" (?) - das gesamte leben - so
"schön eingebettet" war.
das kann aber doch nicht das sein, was wir uns wünschen, oder?
denn die befreiung von der scholle und der hauswirtschaft hatte
für das gesellschaftliche individuum (darunter auch die frauen)
durchaus emanzipatorischen charakter. dies kann am besten jemand
verstehen, der/die vom platten und langweiligen dorf und landleben
in eine großstadt zieht und sich dort zur weltbürgerin emanzipiert und
die städtischen verkehrsverhältnisse incl. der darin schlummernden
widersprüche (auch in der kultur) genießt.
wir sollten die "beziehungskrisen" eher vor dem hintergrund der
krise der reproduktion des kapitals analysieren, denn sie spielen
sich in dieser sphaere ab. was aber könnte das neue sein und wie
stellen wir uns emanzipatorische lebens- und liebesbeziehungen vor
und was ist die voraussetzung dafür?

heterosexuell und modern ????

kÄtzerin 04.01.2002 - 00:13

18.01.2002 - 15:03
MAn kann das bei aller Vorsicht auch biologisch erklären: Der Mann kann mehrere Familien haben, die Frau nur die eigene. Daher kommt es naturgemäss bei den Männern mehr auf Druchsetzung, bei den Frauen mehr auf Familienharmonie an. Die Frage ist nun, wie man dieser harten natürlichen Konditionierung entfliehen kann im Sinne einer Emazipation des Menschen.