eine andere welt ist schon da!

onReact [imc nbg.] 19.12.2001 21:02 Themen: Freiräume
Eine andere Welt ist möglich

wie gewagt, herausfordernd und zugleich wehmütig utopisch klingt dieser leitsatz der sich zuletzt so rasch verbreitet. wie anders klingt er auf einmal, wenn er an der einfahrt einer anderen welt hängt.
Eine andere Welt ist möglich

wie gewagt, herausfordernd und zugleich wehmütig utopisch klingt dieser leitsatz der sich zuletzt so rasch verbreitet. wie anders klingt er auf einmal, wenn er an der einfahrt einer anderen welt hängt.
das ist das transparent, daß mich begrüßte als ich aus dem bus ausstieg. der name der haltestelle 'ZEGG'. bevor ich erkläre wofür die einzelnen großbuchstaben stehen, eine rückblende.

rückblende

eine woche vorher, berlin, kreuzberg. workshop des berliner indymedia-kollektivs. wie selbstverständlich erklärt Ingo, sich nebenbei eine zigarette drehend, was die grundsätze von indymedia sind. es sind ikonoklastische grundsätze die er da vorstellt mit der annahme im ton man kenne sie wohl bereits und sie seien eben das, selbstverständlich. es ist eine ganz stille revolution die da stattfindet, fast zu still für mich, und auch die revolutionären leitfäden von indymedia, etwa es gebe kein 'objektives berichten', man könne nur subjektiv berichten, hätte ich mit mehr zeit sicher in frage gestellt, denn ich übernehme keine grundsätze ohne sie in frage zu stellen. so sehr ich sie aber bezweifle, so diffus sind diese zweifel auch und ich wende das subjektive berichten einfach als methode an um herauszufinden wie es ist.

eindruck

nun stehe ich also da und freue mich über diese veränderte aber gleichfalls altbekannte aussage die wie ein freund von der mauer schaut, neben weiteren die sich gegen den derzeitigen krieg richten. das ist der erste eindruck, denn das mich der busfahrer mit einem lächeln und einem spruch mich auf den nicht gezeigten zugfahrschein hat gratis fahren lassen kann man ja als zufall werten.
der empfang ist zu aber ich hatte auch kein komittee erwartet. das restaurant sei offen und da müsse man wohl hin, sagt eine frau im alter meiner mutter die auch ausgestiegen ist.
drinnen erwartet mich ein leerer speisesaal oder eine kantine oder einfach der raum wo man ißt.
ein regal mit alternativen magazinen und anderen publikationen weckt mein interesse, nachdem ich erfahre, daß der grund meiner anreise, das infowochenende ausfällt, von einem mann der am tisch sitzt und mein nachfragen an einen zufälligen aus der küche hereinlaufenden in meinem alter mithört.
diese botschaft bringt mich zum lachen aber nichtsdestotrotz freue ich mich darüber, daß er mich einlädt einfach zum abendessen dazubleiben, denn dann kämen auch die anderen und die wüßten schon was zu tun sei.
irgendwie hatte ich auch nicht vermutet sofort gehen zu müssen.
jedenfalls standen 3 sorten tee in jeweils 2 großen thermosflaschen da und ich nahm einen heißen kräutertee der nicht wie so oft bei kräutertees lau schmeckte sondern im gegenteil und suchte mir lektüre für die zwischenzeit bis zum essen. meine wahl fiel auf greenpeace magazin auf dem mit filzstift stand drin sei ein artikel übers oekodorf 7 linden. der raum füllte sich allmählich und schließlich betraten die 4 die eben noch in der küche waren den raum stellten sich hinter den bereits gedeckten tisch und erklärten was es heute zu essen gebe. dies war eine nicht leicht widerholbare vegetarische eigenkreation. nachdem einer der 4 sie in wenigen worten vorstellte gab es erstmal beifall und das essen fassen begann. der raum war nur teils gefüllt, nur einige der vielleicht über 20 tische besetzt. ich stellte mich fast ganz hinten an und trotz meiner fast schon stoischen geduld angesichts des leeren magens war ich dann doch etwas besorgt als die gemüseplatte sich zusehends leerte - auch wegen mir. doch gerade n dem moment als ich fertig mit dem gemüse-auf-den-teller-legen war, kam einer der kochenden mit einer vollen zweiten platte und dem entsprechenden 'keine sorge'-kommentar.

status

so saß ich zufrieden mit einem vollen teller und aß. zufrieden auch weil ich an der bar eine kompetent aussehende frau, deren namen ich nicht aufschreiben will aus sorge ihn falsch zu schreiben, auf meinen status ansprach und diesmal eine lächelnde aussage vernahm a la, 'alles ok, wir kümmern uns, da schick ich Dir gleich jemand'. so einfach ist das oder kann so etwas sein. offenbar weiß jeder was zu tun ist und wer anzusprechen ist.
und während ich gerade begann zu essen kam auch schon Heinrich* der das infowochenende mitgeführt hätte, stellte sich vor, gab auch ein lächeln von sich oder die dazugehörige gestik und mimik denn er war erklärtermaßen ausgehungert also eigentlich nicht zum grinsen aufgelegt. seine spezielle diät erläuterte er mir später denn nun verständigten wir uns erstmal darauf, daß ich bleiben dürfe und eine art minimalprogramm zu sehen bekäme auch im hinblick auf den von mir erwähnten bericht für indymedia, den ich ankündigte. der name indymedia war meinem gegenüber unbekannt, ich konnte die idee aber schnell nachvollziehbar schildern.
wir sprachen über meinen jetzigen herkunftsort und den einfluß der wiederwahl eines spd-bürgermeisters auf das polizeiverhalten gegenüber straßenmusikern im nürnberg des jahres 87. sie war abträglich.
kurz darauf kam auch schon Daniel der fürs einteilen der zimmer zuständig war und mir prompt ein 7 betten-zimmer zuwies. auch Daniel war überaus warmherzig und ich fühlte mich sehr aufgehoben. er hatte auch bereits in nürnberg gelebt, ein paar straßen weiter zu meinem jetzigen wohnort. Heinrich hatte auch noch vorgeschlagen sich mit mir ein wenig zu unterhalten in der hiesigen kneipe 100 m weiter auf dem gelände, wo wir uns für später verabredeten.

teilnahme

nachdem ich fertig war mit dem essen war mir unklar wohin ich den teller zurückbringen sollte, da dafür offesichtlich kein platz vorgesehen war. als ich danach fragte meinte einer der 4 für den abend zuständigen er würde es mir zeigen. obzwar die tür zur küche keine war also der eingang einfach dauerhaft offen war, verstand ich zunächst nicht, daß ich ihm folgen solle da er für mich als gast doch eine unsichtbare grenze darstellte.
nach einem etwas verwunderten und drängenden blick seinerseits begriff ich, daß es keine war und daß ich hineintreten sollte. erstmal drin nahm ich dann wie selbstverständlich am abtrocknen teil, was mich nicht weiter verdutzte als daß ich ja die grenze vom gast zum teilnehmer bereits überschritten hatte im gewissen sinne.

beisammensein

kurz vor der vereinbarten zeit (zwischen 21 und 21 uhr 30) fand ich mich in der kneipe ein, wobei ich nach dem weg Peter, einen anderen gast den ich in der küche angesprochen hatte, zur sicherheit noch mal fragte. es war aber unverfehlbar.
drinnen spielten 4 leute angeregt 'Siedler' und eine frau die mit am tisch saß stand auf um mich zu bedienen. da ich jedes lächeln doppelt erwidere wenn ich nicht gerade von faktoren wie hunger oder schlafmangel beeinflußt bin, war ich bereits sehr freundlich gestimmt und so fügte ich mich fließend in die noch warmherzigere atmosphäre diese ortes.
fern vom streß des kochens und abräumens war es dort noch einfacher mit den anwesenden zu reden. zwar konnte sie mir nichts spezielles anbieten, etwa den erhofften selbst gebrauten wein, weil derjenige der einen braute versorben sei, aber ich bekam einen herrlichen jogitee und machte mich mit dem informationsmaterial einer befreundeten community aus Portugal, Tamera vertraut.
diese verfolgt einen 'Heilungsbiotop' genannten ansatz, der noch über den vom ZEGG umgestzten lebensweg noch übertrifft, zumal an explizit weltpolitischer tragweite.
später erfuhr ich, daß einige ehemalige bewohner vom ZEGG nun dort sind. die idee des heilungsbiotops war im text besonders eindringlich dargelegt indem das sinnbild des übergangs einer substanz zur kristallinen form herangezogen wurde.
so sei ein heilungsbiotop eine art auf vertrauen bauender ganzheitlichen community die aus ihrem tatsächlich umgestzten ideal des zusammenlebens in eintracht eine vorbildfunktion übernimmt. eine vorbildfunktion die automatisch vom umherliegenden oder in kontakt stehehenden umfeld anerkannt wird und daher überspringt auf andere bis dieser ausgangskristall dazu führt, daß der ganze rest der substanz kristallin wird.
laut der das projekt antreibenden forscher solle es möglich sein nur mit wenigen solchen heilungsbiotopen diesen effekt weltweit zu erreichen.
ist das ZEGG zwar nicht explizit ein solches, so sind die ziele sehr ähnlich. als vorbild sich auch politisch aufs umfeld auszuwirken und gleichgesinnte auch weiter abseits anzusprechen. so gibt es außer den länderübergreifenden kooperationen auch ein breites programm an angeboten von eben infowochenden, workshops, möglichkeiten zeitweise mitzuarbeiten, ein silvestertreffen, ein sommercamp und ähnliches.

kontaktfläche

Heinrich, ein anspruchsvoller gesprächspartner, teils sogar darauf aus zu prüfen ob mein interesse genuin oder nur höflich ist, machte mich mit einigen mir unbekannten aspekten alternativer lebensweise bekannt, sei es seine 'instinktive rohkostdiät' die darauf beruht am geruch herauszufinden worauf man appettit hat, auch wenn das bedeutet sich eine woche vorher tintenfische per versand zu bestellen oder einer indianischen art lebensphasen einzuteilen im 9 monats rhytmus (eine einheit die absichtlich der zeit im mutterbauch folge). ich sei in meinem alter (27) gerade in am beginn einer phase die sinngemäß mit natürlichen 'lehr und wanderjahren' zu benennen wäre und solle diese versuchen nicht zu unterdrücken mit einem verfrühten wunsch sich irgendwo oder irgendwie festzusetzen, vor allem nicht wenn die sozioökonomischen konventionen danach verlangten.
ich stellte eher fragen und hörte zu, konnte aber auch etwas neues beitragen indem ich vorzüge und nachteile von digitalen fotoapparaten abwiegelte. wir führten ein angeregtes gespräch an dem sich zeitweise erscheinende dritte beteiligten. es schien jeder kannte jeden und war mit ihm positiv vertraut. weil ich das gemeinschaftliche am infowochende ja verpaßt hatte, schlug Heinrich spontan vor ich solle an einer gerade für tagsdarauf sowieso anliegenden gemeinschaftserfahrung teilnehmen. diese stand im zusammenhang mit dem eigenen klärwerk des geländes, daß wie ich tagsdarauf erfuhr, ein vorbildliches in der gegend ist.
es ginge darum den 'rottebehälter' auszuleeren. auf nachfrage was das denn genau sei, erklärte Heinrich das unverblümt mit der aussage (verkürzt) das sei einer der behälter der kläranlage wo sich die 'scheiße' sammeln würde. danach lagere sie dort einige zeit rottend bis ihr gestank erträglicher wäre und sie entfernt werden könnte. dies geschieht offenbar manuell während die abwässer in den nächsten behälter einlaufen. 5 oder mehr männer täten das dann zusammen und verstünden es als eine art gruppenerlebnis. doch ehe ich dies in gedanken als eine art initiationsritus einordnen oder bevor ich überhaupt meinen gegensätzlichen inneren stimmen gehör schenken konnte die einerseits natürlich wohl den umgang mit fäkalien sicher nicht als angenehm einstufen würden, andererseits aber sicher damit kontern würden, daß jemanden wie mich so etwas nicht verschreckt, stellte sich heraus, die aktion sei bereits einen tag früher abgeschlossen worden, während ich noch überlegte, daß ich keine passende kleidung für so eine arbeit hätte.
am samstag sollte ich noch im film über das projekt sehen wie ein solches gruppenerlebnis auch aussehen könnte, diesmal beim reinigen des schwimmbads.
Heinrich ging relativ zeitig und vor mir schlafen, während ich noch eine weile mit den anwesenden sprach. beim hinausgehen merkte Heinrich noch einmal einstimmig mit mir an, bei dem spiel 'Siedler' ginge es darum eine insel zu 'beherrschen' also um kapitalismus.

atmosphäre

die gäste kamen, bestellten und unterhielten sich in ausgesprochen bis 'extrem', wenn man das in dem kontext sagen kann, freundschaftlicher atmosphäre. dabei konnte ich auch nicht eine art grenze feststellen zwischen freunden und fremden. obzwar ich offensichtlich nicht dazugehörte, konnte ich mich fließend ins gespräch einfügen, ohne den geringsten eindruck zu haben mich aufzudrängen. der konsens schien zu sein, daß wenn einer dort ist, er dazugehört.
besonders augenfällig war eine andere szene die ich dabei beobachtete. dazu muß ich auch ergänzen, daß zu der zeit die sich im raum befindenden nicht sich bewußt waren, daß ich ein nicht nur privater beobachter bin, sondern möglicherweise einen bericht verfasse, obgleich ich es Heinrich gegenüber zuvor absichtlich erwähnte. sie haben sich also nicht bewußt verstellt was man angesichts der folgenden idylle vermuten könnte.
als ich gerade wieder was zu trinken bestellen wollte, kamen zwei herren herein und stellten sich an die theke und weil sie bereitwillig begrüßt wurden von besagter gesprächspartnerin die bediente, wollte ich nicht unterbrechen sondern ließ sie zuerst bestellen.
nach einigem hin und her bestellte einer der beiden einen rotwein und meines verständnisses auch der zweite den gleichen.
ich schloß mich einfach an mit den worten 'für mich auch'. als die bedienende die drei gläser eingegossen hatte, vermerkte der zweite aber etwas überrascht, er hätte jetzt auch einen rotwein bekommen obwohl er was anderes gewollt hätte.
also ein klassischer fall von interessenkonflikt könnte man denken, oft in restaurants erlebt, als unangenehme episode (zuletzt in meinem beisein sogar in einem 'alternativen' restaurant). doch nicht im ZEGG. das warmherzige lächeln wich kaum ein stück von den gesichtern der beteiligten zugunsten des kaum erkennbaren erstaunens.
ich bestätigte, daß ich es auch so verstanden hatte als ob beide einen rotwein wollten. was nun folgte war kein fauler kompromiß a la 'trotzdem trinken obwohl was anderes bestellt' sondern für mich ein paradebeispiel eines für alle idealen konsenses.
der zweite gast bekam tatsächlich das war er sich gewünscht hatte. und die frau an der theke stellte im gegenseitigem augenzwinkernden einvernehmen das volle glas zur seite für den nächsten der sich einen rotwein wünschte potentiell, entsprechend wortlaut auch einem der beiden die vielleicht auf einen zweiten rotwein lust bekämen. dies alles geschah ohne jeglichen abbruch der verhalten guten laune die zu keinem zeitpunkt in demonstrativem überschwang ausartete obwohl ja auch eben alkohol ausgeschenkt wurde.
ich würde dies aber nicht beschreiben wenn es damit schon getan wäre. ein paar minuten später trat wirklich jemand an den tresen der einen oder diesen rotwein wollte. die geschichte wurde kurz erwähnt, er stünde da bereits an der luft und der neuerliche gast, auch ein alter freund wie es schien (einer der stammbewohner stellte sich tagsdarauf raus).
er gab sich zusätzlich erfreut darüber, daß der wein ja jetzt schön 'oxidiert' sei, als der ursprüngliche besteller auftauchte und meinte er wolle jetzt doch noch einen rotwein. als der neue gast vernahm, daß der andere quasi urheber des weins ist, fragte er ihn, ob er denn schon bezahlt sei.
'nein', - 'dann lade ich Dich dazu ein'. so bestellte der neue gast noch einen rotwein und lud den anderen eben auf diesen ein, während er selbst den 'oxidierten' trank.
auch wenn dies alles vielleicht sehr unerheblich erscheint, so zeigt es doch, daß die vollmundigen versprechen des ZEGG so etwas wie liebe und zusammenhalt in der gemeinschaft zu erreichen und zu leben wirklich umgesetzt werden.
dies sollte man auch vor dem hintergrund sehen, daß das ZEGG erst seit 10 jahren besteht und zwar mit wechselnden bewohnern (denn nicht alle sind von anfang an dabei oder bis jetzt geblieben) und allerlei dauergästen, sympathisanten, besuchern und nachbarn. einige davon seien inzwischen in Tamera, dem von der fläche und konsequenz weiter gediehenem partnerprojekt.

fenster

vor dem einschlafen ging ich noch spazieren auf dem gelände, und dabei war eins besonders auffallend, die fenster haben keine gardinen oder vorhänge, doch was wunder, wenn man offen miteinander umgeht, muß man sich nicht voreinander verstecken. und wo niemand ausgegrenzt wird braucht sich wohl auch niemand heimlich einen blick erheischen. und selbst ich als außenstehender verspürte kaum das bedürfnis ungefragt am geschehen optisch 'teilzunehmen'. was mir jedoch nicht entging, war, daß das übliche gespentische flimmern der fernsehgeräte aus kuam einem der fenster nach außen drang. vielmehr war draußen, unweit der tafel mit den '12 Thesen für eine gewaltfreie Erde', ein kleines lagerfeuer, aber ich war nicht eingewöhnt genug um mich denen am feuer anzuschließen obgleich das lagerfeuer für mich das sinnbild für gemeinschaft schlechthin ist. es waren nur einige drumherum und als jemand der immer allein war, ging ich lieber weiter.

heranwachsende

obgleich es eine kleine lücke in den altersstufen zwischen 20 und 30 zu geben scheint (was aber nur mein flüchtiger eindruck sein könnte, auch aufgrund im vorhinein gehörten informationen) war tagsdarauf beim essen eine große gruppe von heranwachsenden zu beobachten. man hat sich überaus wild umarmt von freudenschreien begleitet, denn wie es schien waren auch gäste von auswärts dabei. diese ca. 18-20 jährigen vermittelten außer dem in der community üblichen warmherzigen umgang noch eine gewisse rastlose hyperaktivität. außerdem sahen sie anders aus, als provinzler oder alternative. zwar gab es auch dreadlocks oder stilsichere outfits die auf eigene gedanken statt stumpfes 'modebewußtsein' schließen ließen, doch das heutzutage verbreitete 'urbane' schwarz und dunkelblau war auch hier dominant auch im kontrast zu den farbenfroheren erwachsenen drumherum.

liebe

einige äußerten im vorfeld meines besuchs der community ihre skepsis dem von mir benutzten begriff 'community' gegenüber. gespeist von medialen vorurteilen der hegemonie bezeichneten sie die community als 'kommune' und betonten damit den eben seit Kommune 1 von den hegemoniellen medien verbreiteten themenschwerpunkt einer 'kommune' als 'freie liebe' worunter sie wohl das allgemein bekannte klischee verstanden das ich an dieser stelle nicht nochmal wiederholen und der hegemonie in die hände spielend weieterverbreiten werde.
beim mittagessen saß ich mit 3 männern am tisch von denen 2 bewohner und ein zum wiederholten mal besuchender gast waren. obzwar ich mich nicht aktiv am gespräch beteiligte genoß ich doch genug vertrauen das gespräch mitzuhören. natürlich soll der inhalt der privatsphäre vorbehalten bleiben. aus dem gespräch ging jedoch hervor, das der zwischengeschlechtliche umgang nicht einfach an dogmen zerbricht wie das in der außenwelt der fall ist. themen wie treue oder sympathie mehreren menschen gleichzeitig gegenüber sind nicht tabu sondern stehen zur debatte beim austausch miteinander.
auch im film und den klärenden worten Heinrichs zu dem mit dem hegemoniellen stigma versehenem thema war die aussage: bei uns sind themen die draußen nur als massenhafte brüche der regel diskreditiert werden (steigende scheidungsrate, untreue etc.) kein tabu und man ist auch nicht an vorschriften gebunden. soweit ich das verstehe ist der konsens 'niemand wird zur mono- oder polygamie gezwungen'. doch weil ich das thema nur am rande streifte und auch nicht wiederum falsches verbreiten will, sollte sich jeder selbst ein bild machen der will. parallel zu meinem kurzen aufenthalt lief gerade ein workshop zum thema liebe, der sogar teil einer ganzen reihe war, sofern ich mich korrekt erinnere.
sehr hilfreich ist dazu die 'liebesdefintion' der community (die allerdings bei unvorbereiteten eben nur das verbrauchte klischee hervorrufen kann):

Damit die sinnliche, geistige und sexuelle Liebe frei wird von Verlustangst,
Eifersucht und Vergleich, braucht sie die soziale Einbettung in eine
Gemeinschaft, in der die Kommunikation über die Liebe gepflegt wird.

Die Liebe braucht ein spirituelles Fundament, denn sie ist eine universelle
Kraft. Ohne spirituelles Fundament suchen wir in der Liebe zu einem
einzelnen Menschen, was wir im Kontakt zum Universum verloren haben.

Freie Liebe - Liebe ohne Angst und Eifersucht - schließt alle Formen, die
Liebe zu leben, ein. Liebe ist nicht etwas, das uns geschieht, sondern
etwas, das wir lernen können. Wir studieren das Wesen der Liebe und stellen
es in den geistigen und historischen Zusammenhang, den es - neben der
persönlichen Entwicklung - für ein neues Liebeskonzept braucht. Ein neues
Liebeskonzept ist die Grundlage für den Frieden zwischen den Geschlechtern,
und deshalb ein wichtiges Thema unserer Friedensforschung.

feier

am samstag sollte eine feier mit livemusik und tanz stattfinden zu der mich einzelne ermutigten zu bleiben. nach wie vor war unklar wieviel ich genau bezahlen sollte denn vom empfang war niemand anzutreffen wohl eben weil das infowochenende ausfiel. schließlich beendete Daniel in absprache mit einem anderen bewohner diese unsicherheit indem er einen ermäßigten preis festsetzte (denn ich war ja quasi vergeblich angereist) und mich definitiv einlud an der feier teilzunehmen da sie wohl was besonderes darstellte. auch diesmal hatte also die organisation intern geklappt obwohl eben die verantwortlichen nicht anwesend waren, ein vorbild für situationen wo egalitären organisationen mangel an handlungsfähigkeit vorgeworfen wird. so dachte ich.

macht

nur sollte sich das kurz darauf ändern, und zwar diametral. zuerst meinte ich noch, mein status würde sich wohl endgülig von 'geduldet' zu 'legal' wandeln, als Heinrich verkündete endlich sei jemand vom empfang da. doch die erste stufe des erwachens folgte als ich noch frohen mutes Heinrich folgte um mich der vertreterin vom empfang zwei tihe weiter vorzustellen... kurz bevor ich das tun konnte, als ich am tisch ankam wo die frau vom empfang saß, die ich nur von hinten sah, schickte mich Heinrich zurück, frei nach dem motto 'das müssen wir unter 4 augen klären'.
trotzdem noch nicht weiter beunruhigt zog ich mich höflich zurück auch ohne mich vorzustellen. doch was folgte war ein nur allzu typisches beispiel wie sich machtpositionen und geheime absprachen auswirken. was im makrokosmos etwa einer wto gilt, gilt auch für den mikrokosmos in dem fall.
ohne ansehen der person ist offenbar meine 'ausweisung' beschlossen worden. Heinrich verkündete mir die nicht zur diskussion stehende botschaft ich solle das gelände verlassen, begründend damit, ich sei 'dreist' und wolle 'sie wohl auf den arm nehmen'. was gestern noch als akzeptabel galt, daß ich keine bestätigung vom empfang erhalten hätte und trotzdem angereist war, wurde mir nun zum verhängnis. ich hätte es auch verheimlicht, daß ich keine bestätigung bekommen hätte was meiner meinung nicht der fall war. ich glaube mich zu erinnern mehrmals gesagt zu haben ich hätte zwar keine bestätigung erhalten, aber angenommen eine solche sei wohl nicht nötig lediglich für ein infowochenende und ging davon aus eine fehlende absage würde reichen.
doch nein, offenbar nach dem prinzip 'im zweifel zu lasten des angeklagten', - erst verurteilen und urteil ausführen, sollte ich möglichst sofort verschwinden.
es war 14 uhr 20 und ich ging hinaus zu schauen wann der bus kommt, einer um 14 uhr 32 und der nächste um 16 uhr 32. ich sagte Heinrich der bus käme um 16 uhr 32 weil ich nicht innerhalb von 10 minuten packen und herausrennen wollte ohne mich von meinen neuen bekannten Daniel und Peter zu verabschieden. doch ich wurde daraufhin als 'lügner' enttarnt, der den bus um 14 uhr 32 verheimliche. nach dem motto einmal ein verbrecher immer ein verbrecher war wohl mit allem zu rechnen meinerseits.
ich bezweifle, daß dieser ad hoc-entschluß bei einer konsensentscheidung, die wohl von den bewohnern sonst gesucht wird, entstanden wäre.
auch hätte jemand anders vielleicht lautstark auf sein recht bestanden, statt hinausgeworfen, eher entschädigt zu werden für die vergebliche anreise. wahrscheinlich wurde das fehlen dieser forderung meinerseits mir als schuldeingeständnis zugeschrieben. also statt selber nachvollziehbar herauszufinden was am eigenen system nicht geklappt hatte ließ man den fehler den auswärtigen ausbaden. wer mich ein wenig kennt, weiß ich kann 'dreist' sein, wer mich ein wenig mehr kennt, weiß, daß ich wohl eher anders bin als man mich wahrnimmt.
ob ich in dem fall dreist war steht, denke ich, zur frage. jedenfalls ist es mir zuwider, besonders als immigrant, mich irgendwo als eindringling oder unwillkommen zu fühlen. wer mir das gefühl vermittelt nicht dazuzugehören, ein nicht gern gesehener gast zu sein oder gar ein aufdringlicher fremder, der kann nicht damit rechnen, daß ich unbedingt bleiben will, das mag für ein land, eine feier oder was auch immer gelten.

rausschmiß

so war der epilog nur etwas bedauernswert aber in der logik nicht mal abstrus. zwar waren nach einer nacht im ZEGG meine schutzmechanismen von der außenwelt gegen die außenwelt noch weiterhin unbeirrt wirksam, aber mein unzeremonieller rausschmiß zehrte arg an meinen schutzhüllen. da ich sofort verschwinden sollte, konnte ich mich erstens nicht verabschieden und mußte zweitens quasi hinausrennen.
ich rannte nach oben, schmiß main equipment und den rest der siebensachen ungeordnet in meine tasche und den rucksack und rannte nach unten wo mich der örtliche fahrer der community ('ich bin kein taxifahrer') Pablo erwartete. er wollte nach hause fahren und abends nicht noch mal wiederkommen, weswegen ich den zug 14 uhr 48 nehmen sollte. ich hatte also nicht mal die vorher befürchteten 10 minuten zum abgang. ich rannte also fluchtartig nach unten gab Heinrich noch im vorbeiflug die mit Ihm verabredeten 50 mark und meine mailadresse.
seine abschiedsworte waren zwar 'bis zum nächsten mal', aber ich denke es ist schwer schnell soviel demut aufzubringen an einen ort wiederzukehren von dem man verbannt wurde. nichtdestotrotz, viellicht bin ich ja dreist genug nochmal wiederzuerscheinen. ich sagte jedenfalls ich sehe seinen entschluß als von ihm aus gesehen 'integer'.
dennoch, was Pablo, der fahrer, eine art patriarch, der mich an einen alten seeman erinnerte wie man ihn aus filmen kennt, dazu auch erklärte ist wohl die offizielle politik vom ZEGG: 'es soll bei uns niemand herumhängen'. also bevor man die reise antritt, korrekt anmelden, bestätigen lassen und am telefon nicht abwimmeln lassen, denn bei meinem früheren ersten versuch mich anzumelden hatte ich den namen des workshops nicht im kopf und sollte später noch mal anrufen wobei dieser dann schon ausgebucht war.
Pablo erzählte mir noch das ZEGG kaufe bald mehr land im umfeld und ein anderer bewohner sprach noch zuvor von einem befreundeten projekt für senioren, die ein wenig abseits wohnen sollten. das ZEGG wächst also. die angebotspalette der workshops ist auch sehr umfangreich, von Rhytmus-Woche über Frauenmusikfest bis zum Sommercamp. zu silvester ist die nächste gelegenheit die community aufzusuchen.
fazit: auch im paradies gibt es unbefugte. wer sich richtig anstellt darf aber daran teilnehmen.
wer wissen will was 'ZEGG' abgekürzt heißt soll es selber erfahren.


mehr information unter:
 http://www.zegg.de

weitere urls:
 http://www.oekodorf7linden.de
 http://www.tamera.org

ähnliche projekte weltweit:
 http://www.auroville.org
 http://www.arcosanti.org

linklisten zu:

- cohousing
 http://www.cohousing.org

- intentional communities
 http://www.ic.org

- ecovillages
 http://www.gaia.org

der artikel mit mehr bildern (ab morgen):
 http://onreact.com/indy/zegg/

nächster termin zum thema anders leben:
 http://www.jukss.de


onReact [imc nbg.]


* Heinrich ist ein von mir gewählter name um keine vorurteile gegenüber meinen gesprächspartner bei zukünftigen besuchern hervorzurufen. dies soll nicht verstanden werden als indiz Heinrich hätte sich etwas zu schulden kommen lassen.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

rechte spinner raus

antifa 19.12.2001 - 21:27

pseudoantifa

onReact [imc nbg.] 19.12.2001 - 21:53
@antifa

sag mal, kannst Du überhaupt lesen, oder hast Du das beim falschen artikel gepostet?
und wenn Du glaubst ich sei rechts, dann benutz die suchfunktion und such nach onReact dann siehst Du was für einen schwachsinn Du von Dir gibst.
und btw. ich könnte Deinen kommentar als indymedia-mod löchen, aber ich halte nichts von zensur. selbst wenn Deine meinung derart abwegig ist.

onReact

wenn so die ´antifa´ aussieht dann bevorzuge ich doch echte faschisten, hehehe.

warum?

fragender 19.12.2001 - 22:07
@antifa. warum rechte spinner raus?

verwechslung?

sb 19.12.2001 - 22:11
gab´s nicht mal ´ne sekte, die sich zegg abkürzte? und wenn mich meine erinnerung nicht trübt, dann hatte diese sekte auch faschistische inhalte. könnte sich um eine verwechslung handeln, oder sind die beiden zegg´s identisch? das info aus der roten flora in hamburg (zeck) wurde auch schon mit der sekte zegg verwechselt.

broschüre zum thema zegg bei nadir

erka 19.12.2001 - 22:27
Schauts euch an...

muahaha

BB 19.12.2001 - 22:38
geht das nicht kürzer????

moment mal

maulwurf 20.12.2001 - 01:23
mal völlig abgesehen davon wie ich deinen Beitrag nun finden mag oder ob jemand ihn nun gleich den Stempel "faschistische spinner raus" aufdrückt, halte ich deinen folgenden Kommentar schlicht für "Amtsmissbrauch"

zitat:


"ich könnte Deinen kommentar als indymedia-mod löchen, aber ich halte nichts von zensur"


erstens macht es meiner Meinung nach wenig sinn selbstverfasste Texte neben dem pseudonym noch mit einem fähnchen "imc nbg" zu schmücken.


zweitens ist dein Drohen mit einer möglichen Zensur nichts als pubertärer, prolliger Machtmissbrauch!


und ausserdem ist das löschen von kommentaren eben an klare Definitionen gebunden die da wären... na ja unsere ismen eben - auf keinen fall hättest du das [zugegebenermassen] gebrüll von "antifa" löschen können - warum auch?

sorry! aber so gehts echt nicht - ich hoffe das imc nürnberg dazu inhaltlich Stellung bezieht

den folgenden satz verstehe ich schon gar nicht mehr...

zitat:
"selbst wenn Deine meinung derart abwegig ist. onReact wenn so die ´antifa´ aussieht dann bevorzuge ich doch echte faschisten, hehehe."

Moment mal

Antibayerische Anarchisten (Tegernsee) 20.12.2001 - 01:44
Wer sagt denn, daß Onreact wirklich ein Mod ist? Kann sich hier ja jeder so nennen. Kann ja jeder mit Zensur drohen. Ich finde, die "echten" Indy-Zensoren sollten sich irgendwie ausweisen (graphisch erkennbar) oder so. Damit hier nicht alles so anarchisch zugeht.

bzgl. nadir-Broschüre

grzkz 20.12.2001 - 02:15
Die Broschüre der rosaroten PantherInnen scheint so ~von `94 zu sein, den Datenangaben der Zitate nach. Seitdem hab ich auch nicht mehr viel neue Auseinandersetzung der Linken mit dem ZEGG mitbekommen. Ich denke, das liegt an einem Problem dieser Auseinandersetzung: Sie ist stark auf die im ZEGG erhältlichen Schriften/Ideologien fixiert. Die machen aber nur einen eher geringen Teil dessen aus, was dort an Ideologien in workshops oder gelebtem Alltag der Gemeinschaft stattfindet. Und ich glaube, daß dieses Projekt recht dynamisch ist und sich in den letzten 7 Jahren verändert hat, genauso, wie es sich schon seit `91 verändert hat. 50 oder 70 Erwachsene entwickeln glücklicherweise doch schon mal ihre eigenen Köpfe und werden vielfältig aktiv, lesen nicht nur den Mist von den fernen Sabines und Dieters.
Ganz wichtig im Nachwort der Broschüre das Thema "Leute aus unseren Zusammenhängen gehen ins ZEGG". Und das jetzt schon 10 Jahre. Im Kapitel "Vom Umgang mit anderen..." wird beschrieben, die ZEGG-SymphatisantInnen würden immer in der Diskussion sagen, man solle es sich doch mal ansehen, es sei so nett dort. Um der Wahrheit näher zu kommen bleibt wohl nichts anderes übrig, als es imc-nbg nachzutun.
Ich befürchte, es könnte sich bei diesem ZEGG-Projekt um etwas wahrhaft widersprüchliches handeln, das seine Scheißseiten hat und auch einige gute Ansätze birgt.

alles kleingeschrieben ist übrigens doch scheiße zu lesen, grad über soviele seiten.

zeggsisten raus!

belziger 20.12.2001 - 02:25
über zegg als projekt ist im rahmen der esoterik/ökofaschismusdebatte ausreichend diskutiert worde. wenn du darüber nichts weisst wäre es interessant zu wissen, wie du dich über projekte informierst zu denen du fährst. indy-mods die auf esoterik-müll mit offenen auslegern nach rechts abfahren: das erklärt natürlich einiges (auswahl von artikeln für die startseite, löschung "antideutscher" kommentare etc.)
ich will nicht fordern, dass dieser text gelöscht wird. mag er lange auf der startseite stehenbleiben und auskunft darüber geben, wo indymedia politisch einzuordnen ist.

@Antibayerische Anarchisten (Tegernsee)

supermod [imc] 20.12.2001 - 02:45
die grafische kennzeichnung von indymods wurde soeben eingeführt
wer noch einmal was böses über ZEGG sagt wird sofort zensiert!!!

Die Linke hat kein Interlekt mehr.

Profa statt Antifa, ha ha ha 20.12.2001 - 02:47
Nur noch dagegen sein weil Andere dafür sind oder es sich in den bereitgestellten Sesseln des Staates bequem machen.
Das sind die momentanen Handlungsweisen der sogenannten Linken.Von der Antifa möchte ich überhaupt nicht mehr sprechen die sind dümmer als jede besoffene Glatzenhorde.
Und ich war ein überzeugter Linker.(Na gut, damals war ich noch sehr jung und naiv)
DIE LINKE HAT VERSAGT UND IST AM ENDE VÖLLIG AM ENDE!

@Profa statt Antifa, ha ha ha

20.12.2001 - 03:00
was machst du denn um deise zeit noch online?musst du nich morgen arbeiten (in deiner komune auf ´ZEGG island´?)

Nun ja

Kalle 20.12.2001 - 03:28
Wahrecheinlich bin ich der einzige, der sich den Text durchgelesen hat. Was mir zuerst auffällt: Ziemlich naiv. Daß es sich aber um Anfälligkeit für rechte Ideologie handelt, will ich bestreiten. Ab dem Absatz "macht" wird der Text auch relativ kritisch. Was belziger schreibt ist ziemlich mies und vom Stil den Antideutschen ähnlich: Von einigen Dingen aufs ganze schliessen. Hauptsache es passt in die Ideologie. Und wenn nicht, wird nachgeholfen mit ein paar Verdrehungen und/oder Weglassungen.

Was ich vergas

Kalle 20.12.2001 - 03:32
Mir stößt es übrigens auf, wenn immer glaich alles als faschistisch bezecihnet wird, was nicht explizit linksradikal ist. Ich finde, das im Nadir-Artikel gebrauchte Label "Ein Mittelding zwischen reaktionärem Religionsersatz und der New-Age-Version des Club Méditerrané" ganz passend. Aber faschistisch?

Eine Erde ohne Gewalt

Masters of Revolution 20.12.2001 - 04:29
uuuiiiiiijjjj !!! Dieser Bericht ist doch gelungen. Dieses Thema ist für mich nicht ausschliesslich mit esoterischer Scheisse oder Faschismus verbunden. Es lohnt sich, über die Strukturen der ZEGG nachzudenken. Die innere geistige Einstellung jedes Menschen. Seine Gefühle für Anstand und Gerechtigkeit. Anstand meine ich in dem Sinne, ... wie trete ich gegenüber meinen Mitmenschen in Erscheinung...
Ausserdem finde ich, sich mit dem "geistigen" Menschen zu beschäftigen nicht übermässig esoterisch. Im Gegenteil - manche Dinge können mit dem Verstand erfasst werden und andere ..... noch nicht. Als Anarchist schwebt mir auch die "herrschaftslose Gesellschaft" vor. Dieser Traum wird natürlich so lange nicht in Erfüllung gehen, als es Menschen gibt. Wie wir sehen, schaffen es ein par (a)soziale Randgruppierungen oderer sogenannten Sekten wie ZEGG
eine eigene heile Welt zu schaffen. Die Regeln in solchen Gruppierungen sind gut durchdacht und "Eine Welt ohne Gewalt" zu schaffen, ist das Ziel. Natürlich klingt das in manchen unseren Ohren wie ein Witz - auf zur nächsten Strassenschlacht gegen die Scheissbullen.

@Kalle

20.12.2001 - 10:47
"Ein Mittelding zwischen reaktionärem Religionsersatz und der New-Age-Version des Club Méditerrané" -- Friendly Fascism könnte man das auch nennen.

ABCDEFG

Lömmi 20.12.2001 - 10:57
Also das mit Zegg ist nicht ganz so einfach, schließlich hab es dort ziemlich krasse Fälle von sexuellen Übergriffen auf Frauen, die dann bagatellisiert wurden und als "unausgeglichene Sexualität" der Frauen oder irgendsowas abgetan wurden. Lieber mal einen zweiten Blick draufwerfen...

erschreckend

onReact 20.12.2001 - 13:15
ahoi allerseits!

nun spricht der rechte spinner höchstpersönlich:

1) es ist überaus erschreckend wieviel paranoia bei Euch herrscht.

2) Eure angst vor rechten, sekten, sexisten etc. verleitet einige dazu andersdenkende haltlos zu diffamieren.

3) Ihr laßt Euch von jemand der sich als antifa ausgibt einen diskurs aufzwingen, der nichts mit dem ursprünglichen text zu tun hat.

4) Eure diskussion wird mit mitteln der hegemonie geführt wie unterdrückung, fremdzuschreibung, stigmatisierung und eben diffamierung.

@maulwurf

thema amtsmissbrauch:
amtsmissbrauch wäre vielleicht, wenn ich den kommentar gelöscht hätte. was Dich wahrscheinlich stört, ist, daß ich die technische möglichkeit auch kommentare zu löschen erwähnt habe, weil das in der öffentlichkeit den eindruck erwecken könnte kommentare würden tatsächlich zensiert. das ist nicht der fall. kommentare werden nicht zensiert. außer im äußersten notfall wie ich das verstehe.
aber ob ich persönlich vielleicht denke, daß der kommentar in dem ich völlig haltlos als ´rechter spinner´ beschimpft werde, menschenverachtend ist, also die kriterien erfüllt, interessiert offenbar nicht? meine familie hat schon gegen faschisten gekämpft, da waren noch nicht mal die eltern von uns allen auf der welt. ich empfinde daher diese diffamierung als besonders absurd.

thema schmücken:
auch wenn das auf indymedia üblich scheint, daß sich viele ihrer position schämen oder sie aus angst anonym hinterlassen, gehöre ich nicht zum sog. ´schwarzen block´ bzw. ich mache nichts ´verbotenes´ wofür ich mich verstecken müßte. im gegenteil, um einigermaßen glaubwürdig zu erscheinen (im gegensatz zu ´antifa´) muß man sich als ´journalist´ nachvollziehbar zu erkennen geben. mein engagement bei indymedia ist mir auch nicht peinlich und ich denke es steht mir zu mich als teil des kollektivs zu erkennen zu geben um die herkunft eines artikels zu kennzeichnen, so wie andere organisationen auch zu ihren beiträgen stehen.

thema pubertär:
es überrascht mich, daß Du Dich in die diffamierung einreihst und mich persönlich beleidigst aufgrund meiner nachvollziehbar aufgebrachten reaktion auf vorangegangene diffamierung statt konstruktiv dazu stellung zu nehmen.
auf persönlicher ebene verlange ich eine entschuldigung.

thema kollektiv-verantwortung:
wenn Du meinst amtsmissbrauch stoppen zu müssen, dann sicher nicht mit den mitteln desselben oder? bedenke, daß wir bei indymedia gleichberchtigt sind und Du mir nicht zu sagen hast was ich tun soll, vor allem nicht in dem ton. und weil ich im anarchistischen sinne nur für mich, in dem falle onReact, spreche, lediglich als autarker teil von imc nbg. halte ich es für besonders daneben mich gegen meine gruppe aufbringen zu wollen.


so habe auch ich mir den diskurs aufzwingen lassen.
wer sich genuin mit mir auseinandersetzen will, vielleicht sogar konstruktiv oder zum ursprünglichen thema, soll mir doch eine mail schreiben an die oben genannte adresse.

onReact

@ onraect

eineR 20.12.2001 - 14:33
vielleicht solltest du mal drüber nachdenken für wie viel prozent der leute denn "die andere welt" namens ZEGG denn möglich ist. das sind dann wohl ein paar priviligierte in den metropolen. sei froh daß du dazugehörst.
sorry, aber dein ganzer artikel hat eigentlich nichts mit journalismus zu tun. du erzählst in einer total naiven art und weise, wie toll doch die ganzen gespräche etc. dort abgelaufen sind. aber mit den inhalten von zegg, mit dem was dahinter steht hast du dich anscheinend nicht richtig auseinandergestzt. vielleicht solltest du mal die broschüre auf nadir lesen. soviel ich weiß ist auch im "komune buch" vom verlag "die werkstatt" was zu zegg.
aber wenn du auf esoterik stehst, dann bist du da (bei zegg) wahrscheinlich richtig. sorry, aber mit links sein hat das meines erachtens recht wenig zu tun.
zu dem vorwurf, du seist ein rechter spinner, kann ich nur sagen, rechts bist du wahrscheinlich nicht, aber anscheinend etwas naiv und auf der suche nach deinem persönlichen individuelle glück. meines erachtens ist das in der form, wenn mensch sich in irgend ne komune, die noch nicht mal den anspruch hat herrschaftsfreie lebensformen zu leben nichts weiter als bürgerlich.
auch stören mich deine unreflektierten äußerungen über "die antifa". eigentlich müßtest du doch wissen, daß es "die antifa" überhaupt nicht gibt und daß jeder bei indy ein kommentar mit dem namen "antifa" schreiben kann. also was soll das kindische ausgekotze darüber. fordere doch lieber ne diskussion ein, anstatt beleidigt zu sein, daß jemand nicht mit deiner meinung konform ist.

"nichts verbotenes"

martin 20.12.2001 - 15:39
erstmal: interessante und wichtige diskussion.
ich möchte auch anders leben und frage mich wie, wo, was, wann....
eins hat mich eben aufgeregt, onReact: dieses arrogante "ich schäme mich nicht, ich mache nichts verbotenes". super. vorher erzählst du noch großspurig, deine eltern hätten gegen die nazis gekämpft. haben die vielleicht immer ihre ganze andresse hinterlassen? denk mal nach. ich bin auch eher ein gesicht-zeiger, aber dieses sich selbst immer ganz wahnsinnig toll finden und die anderen abwerten AUS PERSÖNLICHEN GRÜNDEN und nicht politisch begründet ist echt ein bisschen arm. es regt mich vor allem auf, weil es wirklich leute gibt, die GUTE GRÜNDE haben, anonym zu bleiben. dass das dennoch probleme der nachprüfbarkeit schafft etc. ist klar - aber prüf mal die artikel in der welt nach - name steht drunter. und? wird er davon besser?

Maulwurf hat Recht...

blue 20.12.2001 - 16:34
...weil der Kommentar, von dem OnReact behauptet er könne ihn löschen, nicht nach den indy-Kriterien gelöscht werden dürfte. Außerdem ist es eigentlich nicht unsere Art hier Leute mit unserer adminstrativen Macht zu bedrohen. Wir unternehmen große Anstrengungen die Prozesse innerhalb der internen indymedia-Strukturen so transparent wie möglich zu machen und die Gruppe so offen wir möglich zu halten, damit eben der Hierarchie von außen und innen entgegen gewirkt wird.
Sicher kann jeder innerhalb eines Artikels erwähnen, welche Rolle er/sie bei indymedia spielt. Allerdings sollten Artikel, die in der Autorenzeile IMC Nürnberg führen mit den Kollektiven abgesprochen sein. Ich weiß nicht, ob das in Nürnberg geschehen ist. Für einige indys in Berlin kann ich sagen, dass wir über die unkritische Darstellung von ZEGG nicht sehr glücklich sind. Das hat auch nichts mit Paranoia zu tun. Es gab innerhalb der Linken schon Anfang der 90er eine ziemlich eingehende Auseinandersetzung über ZEGG, darauf musste mich nicht erst Mr. antifa hinweisen.

Aber zu einem vorherigen Kommentar: Natürlich ist auch dieser Bericht Journalismus und in der subjektiven Form genau das, was das Konzept von indymedia auch fördern will - nicht alles muss investigativ und kritisch sein. Ob man diese Form allerdings gerade bei einem Projekt wie ZEGG wählen sollte, ist eine andere Frage.

@on React

20.12.2001 - 16:52
lieber Freund, du schreibst dich noch um Kopf und Kragen... Mit dem Satz "meine familie hat schon gegen faschisten gekämpft, da waren noch nicht mal die eltern von uns allen auf der welt.", willst du deine Legitimation auf diesem Gebiet unter Beweis stelle, allerdings mit Hilfe einer Vorstellung von Blut, Erbgut und Genetik wie sie bei den Nazis geherrscht hat. Peinlich zudem sich da auf dirtte berufen zu müpssen. Hör lieber auf und überleg dir mal Sachen genauer

ZEGG ist Dreck

Emilia Galoppi 20.12.2001 - 17:39
"Politisierende Psychosekten

Der "Bund zur Verbreitung unerwünschter Einsichten" und Zegg ("Zenrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung")

Diese zwei Sekten haben organisatorisch nicht viel gemeinsam, gehören aber beide in die Kategorie der "Politisierenden Psycho sekten". Diese Gruppierungen wurden von frustrierten Altlinken der 70er aufgebaut. Sie haben einen starken Führerbezug und eine Ideologie, die sich letztendlich auf "Fick dich frei" reduzieren läßt. Dies auch oft unter Mißachtung von Persönlichkeitsrechten und mit starken autoritären Elementen. Hier liegt ihre Verbindung zur Rechten."

 http://www.nadir.org/nadir/archiv/Antifaschismus/Organisationen/Diverse/Aipsych.html

machtmissbrauch

maulwurf 20.12.2001 - 17:41
ist nicht so kompliziert:
das Drohen mit Zensur ist schlicht und ergreifend Machtmissbrauch.
die Tatsache den Text einer Einzelperson mit dem logo eines ganzen Projektes zu versehen ist nicht angebracht, weil es eben den Anschein erweckt als sei der entsprechende Text das Produkt einer Gruppe. Wenn das nicht der Fall ist sollte auch nicht der Anschein erweckt werden.
Zensur gibt´s nur nach den

Moderationskriterien!
Entschuldigen werde ich mich nicht - erwarten tue ich von dir eher eine Distanzierung von deiner Zensurdrohung!

noch mehr Schreie....

Heinz van Eugen 20.12.2001 - 18:28
Mehrere Dinge liegen mir auf der Seele. _ _ _ _ _ _ EINS: Die Art und Weise, wie der Comment von onReact behandelt wird (als Antwort auf diesen Freak namens "Antifa") ist mir nicht verständlich. Wer persönlich angegriffen wird darf sich wehren. Machtmißbrauch definiert sich in diesem Fall nicht durch dessen Androhung ("ich hätte deinen comment löschen können...") sondern durch stillschweigende Ausführung dessen. Desweiteren sollte die Diskussion um vermeintliche oder tatsächliche Zensur doch bitte da geführt werden, wos echt was zu diskutieren gibt (Diskussion um sog. Antideutsche etc.) _ _ _ _ _ _ ZWEI: ich teile größtenteils die Sicht, daß es sich bei diesem Artikel um einen - zugegeben nett geschriebenen - Erlebnisbericht geht und kein wirklich recehrchierter und fundierter Bericht über Zusammenhänge und Ideologien des , doch hat der Autor irgendwelche Fakten oder Tabellen, Zitate oder Textauszüge versprochen? Wer das sucht kann sich informieren - auch wenn onREact in meinen Augen ein wenig zu offen die ZEGG-Seite zu Wort kommen läßt aber den erwähneten Reader auf nadir nicht auflistet. Aber nochmals zum Artikel selber: ich denke, daß selbst solche Artikel zu Journalismus gehören und ein interessanter Denkanstoß sein könnte. Die Beschreibung der Kommune muß dennoch als mindestens "naiv" bezeichnet werden. _ _ _ _ _ _ DRITTENS: Der für mich eigentlich wichtigste Punkt - Sektentum- Faschismusvorwüfe und alle anderen Kritikpunkte mal bei Seite geschoben: Ist dies wirklich eine neue Welt? Ist das was Kommunen anbieten eine schlüssige Ideologie oder Systematik einer Gesellschaft auf industriellem Niveau? Meine Vorstellung einer gerechten Welt sehen nicht so aus, daß ich Scheisse durch die Gegend trage - Gemeinschaftserlebnis hin oder her. Ich möchte Wein trinken und ihn nicht keltern müssen (das übrigens als Rüffel an den Autor: Wein wird gekeltert, Bier wird gebraut...!). Ich will in einer neuen Welt (Scheiß-Ausdruck, klingt so nach Huxley´s Brave New World) nicht mit irgendwelchen Hippies in irgendwelchen Kneipen freundlich Drink gegen Drink austauschen, das hat nichts, aber auch garnichts von einer Gesellschaftsveränderung! Robinsonaden, im Sinne von Rückzug aus der Gesellschaft haben ein gegengleiches Argument bei den Rechten. Zu sagen, diese Welt sei nicht für einen geschaffen, deshalb müßte man ihr fliehen, ist die selbe Ebene von Rechten, die sagen "wenns dir nicht passt, dann kannste ja auswandern...!" _ _ _ _ _ _ Also: ist dies der Weg zu einer neuen Welt??? NEIN!!!! _ _ _ _ _ _ NEIN, weil ich nicht vorhabe vor irgendwas zu fliehen. NEIN, weil ich diese Welt verändern muß und nicht einfach weltfremd vergessen kann, wenn ich diese Welt nicht ertrage! NEIN, weil ich meinen Hunger und meine Unterdrückung, meine Unfreiheit und meine Einengung ablegen kann - oder mindestens meine Situation verbessern kann - was aber ist mit den Menschen, die nicht einfach in eine Kommune ziehen können, wenns um die Veränderung ihrer Lebensumstände geht?? NEIN, denn eine Utpie ist schön und nett, aber erst der Kampf gegen Hunger, Unterdrückung, Unfreiheit und Einengung, sprich gegen das kapitalistische System, kann eine echte Veränderung des Status Quo erreichen. NEIN, weil wir zusammenstehen müssen und uns nicht durch geschlossene Gesellschaften davon abbringen lassen dürfen. Was ich damit sagen will: THE ONLY SOLUTION IS REVOLUTION!!!!!

ZEGG ist keine Kommune

Exkommunarde 20.12.2001 - 19:37
Nicht jede Lebensgemeinschaft ist eine Kommune. Wir haben 96/97 intensiv in der Kommuja, einer internen Zeitung von ca.50 Kommunen, darüber diskutiert, was wir von ZEGG und ähnlichen Spiri-Lebensgemeinschaften halten. Es gab keine einheitliche Postion, dennoch war klar, dass es unüberbrückbare Unterschiede gibt. Ich finde politische Kommunen sehr wichtig.
Bei den Wurzeln, die ZEGG nunmal hat (Otto Mühl), und der verklärenden Esoterik-Sprache, die nicht dazu geeignet ist, Herrschaftsverhältnisse auf den Punkt zu bringen, und der fehlenden kritischen Aufarbeitung ihrer Geschichte, würde es mich sehr wundern, wenn ZEGG plötzlich ein emanzipatorisches Projekt werden würde.

Meine Fresse ...

Martin 21.12.2001 - 12:34
... was geht hier eigentlich ab? Wegen eines inhaltlich naiven und offenbar mangels Deutschkenntnissen kaum lesbaren Artikels beschimpfen sich in Nullkommanichts alle als Faschisten ... Falls echte Faschos Indymedia-Postings lesen, lachen sie sich wahrscheinlich schlapp :-)
Aber mal im Ernst und speziell an die Adresse von Leuten wie ,,Heinz van Eugen": So sehr ich Dir recht gebe - es geht ja nicht nur um die Leute, ,,die nicht in eine Kommune ziehen können, wenn es um die Veränderung ihrer Lebensumstände geht", sondern darum, dass ein Großteil derer, die Du per Revolution befreien willst, gar nicht von Dir befreit werden wollen ... speziell wenn Du die neue Welt, in der Du leben willst, so unklar skizzierst wie in Deinem Posting. Wer soll den den Wein keltern, den Du dann trinkst?

Deutschkenntnisse

Exkommunarde 21.12.2001 - 12:55
Ich finde den Text gut lesbar.

Sorry,

Martin 21.12.2001 - 13:18
ich nicht, zumal sich der Autor als Journalist bezeichnet, aber das ist natürlich Nebensache.

was soll der Quatsch?

Sven Glückspilz 21.12.2001 - 15:19
Ich frage mich vor allem, warum dieser ebenso harmlose wie banale Artikel auf die Startseite von indymedia kommt. Gibt es nix anderes wichtiges in der Welt, daß die IMC-"Mächtigen" ihre wenig spannenden Wochenend-Ausflüge mit anschließendem Kater hier präsentieren müssen? Wenn onReact nach seinem Rauswurf immer noch nicht kapiert hat, was eine Sekte ist, ist ihm(?) wohl auch nicht zu helfen...

anno

nymus 21.12.2001 - 17:22
Jeder hat das gute Recht anonym zu bleiben. Die ganze Ökofaschismusdebatte kotzt mich an, lass den Leuten doch ihren Frieden. Nicht spalten lassen. Lieber wie mit der GPL die Spaltung selbst vom System schlucken lassen, also das System sich selbst ändern lassen. Wir können immer nur Katalysator sein.

@Martin

Fasci di merda 21.12.2001 - 22:13
Was hier abgeht? Hier geht ab, daß ein Indy-Mod für eine rechtsgewirkte Psychosekte schwärmt, obwohl sie ihn schon einmal wie Dreck behandelt hat. Das geht ab. Und wenn man da kein Auge drauf hat, dann geht hier bald dasselbe ab wie bei Indymedia Russland vor einiger Zeit. Laßt euch nicht verarschen.

ich bitte um Theorie!

Krümelmonster 22.12.2001 - 06:35
Da die Debatte so völlig ohne Theorie und auf der dümmlichen Meinungsebene abgelaufen ist, habe ich mir er-sie-laubt, mal die ideologieimmantene Methode der Kritik am Primärtext der "12 Thesen" (die auf dem Foto abgebildet waren) zu üben. Denn alle die vor den Gefahren dümmlicher Auseinandersetzungen warnen, haben "recht" - nur: Wir müssen widerlegen und argumentieren. Widerlegen und aufheben. Sowie kreativ und destruktiv gegenüber allen sein, die die bürgerliche Gesellschaft und das Patriarchat ERhalten wollen!!!

@nymos

grzkz 22.12.2001 - 16:07
Was ist die GLP und was passierte?

RE: Martin

Heinz van Eugen 22.12.2001 - 20:13
Punkt EINS: Ich stelle mich klar gegen Leute, die hier behaupten, die angeregte Diskussion sei unwichtig. Wer keine Perspektiven hat und nur leere Parolen und Inhalte vertritt kann niemanden für einen Kampf gewinnen, wofür oder wogegen auch immer! Ganz richtig bemerkt Martin in diesem Zusammenhang, "dass ein Großteil derer, die Du per Revolution befreien willst, gar nicht von Dir befreit werden wollen ... " (mit Du war ich gemeint). Und genau desewgen muss eine konkrete Utopie ausgearbeitet werden, die Ziele - nahe und ferne - definiert. Diese Utopie, das wollte ich mit meinem ersten Posting sagen, muß gesellschaftsumfassend und in letzter Konsequenz weltweit sein. Das bedeutet, daß ich nicht vor bürgerlichen Ansichten zurückschrecken kann und mich vor den systemerhaltenden Maßnahmen zrückziehe. Wenn jeder die Revolution als richtig ansehen würde, wäre sie dann nicht schon geschehen, Martin?? Soll heissen: was wir zu tun haben, ist allen Menschen klar zu machen, dass es so nicht weiter geht UND das eine Robinsonade à la Kommune nicht die Lösung ist. Wir dürfen uns nicht zurückziehen und unseren Kuchen selber backen, wir wollen ja schließlich die ganze Bäckerei!!! Punkt ZWEI: "...speziell wenn Du die neue Welt, in der Du leben willst, so unklar skizzierst wie in Deinem Posting. Wer soll den den Wein keltern, den Du dann trinkst?" Mit der Aussage auf die Du anspielst wollte ich nur zum Ausdruck bringen, dass eine Aufhebung der Arbeitsteilung, eine Zurücksetzung der Produktivkräfte durch Verzicht auf industrielle Produktion und die romantische Vorstellung der Selbstversorgung aller Menschen für sich selbst ("jedem Mann, jeder Frau ein Stück Land" etc.) der fortschrittlichen Produktion unter gerechten Voraussetzungen widerspricht. Soll heißen: wenn wir die Bäckerei haben, sollten wir nicht den Elektro-Ofen abfackeln und wieder einen Holzofen installieren... Deswegen denke ich, durchaus eine konkrete Gesellschafts- und Wirtschaftsform wenn auch nicht ausformuliert, dann doch mindestens umrissen zu haben. Für weitere Fragen stehe ich dir (und auch sonst jedem/r) gerne zur Verfügung.

Verspätete Stellungnahme

one of IMC nuernberg 23.12.2001 - 20:03
Hallo,

dies ist eine verspätete Stellungnahme der Indy-Gruppe Nürnberg* zu der Geschichte um den vieldiskutierten ZEGG-text "eine andere welt ist schon da".

Uns ist wichtig klarzustellen, dass der Text von einer Einzelperson geschrieben wurde, die nur zufällig Teil des Indymedia-Kollektivs ist. Wir, also der Rest der Indys in Nürnberg und wohl auch anderswo, stehen deshalb in keinster Weise hinter dem Inhalt des Artikels!
Allerdings stehen wir sehr wohl dahinter, dass der Artikel auf der Indy-Startseite (im "Newswire", also bei "Ausgewählte Beiträge") gelandet ist. Was dort hinkommt, entscheiden wir nach formalen Moderationskriterien und nicht inhaltlich.

Unsre Kritik bezieht sich deshalb einmal auf die Tatsache, dass hinter der Einzelperson, die Autor des Texts ist, imc-nbg steht. Dies ist darauf zurückzuführen, dass er erst seit kurzem dabei ist und sich noch nicht damit auskennt, wie wir allgemein mit zb Kennzeichnung von Artikeln umgehen.
Die Kritik ist bei ihm angekommen.

Außerdem kritisieren wir die Art, wie die Diskussion um diesen Artikel in den Kommentaren weiter geführt wurde, besonders die Lösch-Drohung in einem Kommentar ganz oben.
Welche Kommentare gelöscht werden und wer das tut, ist ziemlich streng geregelt. Nach diesen Kriterien wurde der Kommentar eben nicht gelöscht, keinesfalls hätte onReact als Verfasser des Artikels dies tun dürfen. Damit zu drohen empfinden wir als nicht angemessene Art, auf Beschimpfungen zu reagieren.

Wie auch immer, eine interne Auseinandersetzung über solche Verhaltensweisen findet statt, genauso wie eine inhaltlich immer fundierter werdende über ZEGG, was wir begrüßen.

Für eine konstruktive Streitkultur!


*Die Leute, die sich um die indymedia.de kümmern, das heisst, die die Seite moderieren, sind städteweise in Moderationsgruppen organisiert (zb IMC berlin, nuernberg etc), was die ganze Sache übersichtlicher macht und Diskussionen erleichtert. Wir freuen uns nach wie vor über neue Gruppen oder über Verstärkung der bisher bestehenden.

jawoll

le gris 23.12.2001 - 20:41
hallihallo. ich wehre mich gegen schwarz-weiss denken in bezug auf kommunen. es ist weder wahr, dass kommunen die neue gesellschaft sein können bzw. DIE mögliche auf alle übertragbare utopie sind (ob es die überhaupt braucht?), genausowenig, wie sie der revolution im wege stehen-ist es nicht wichtig, dass menschen erfahrungen gleichberechtigten zusammenlebens ohne hierarchien sammeln (was soll daran falsch sein?) - ich beziehe mich nicht aufs ZEGG, das kenn ich nicht, aber eben auf kommunen im allgemeinen. nur: mensch in der kommune und auch ausserhalb sollte eben offen sein und nicht sich abschotten und verschliessen und nur auf sich sehen, sondern dies eben als seinen lebensansatz, als eigenen teil sehen, und auch all die anderen weisen sehen, respektieren oder kritisieren. alle wege führen nach vorn. und jetzt macht mich runter....

RE: jawoll 23.12.2001 20:41

Heinz van Eugen 24.12.2001 - 03:09
Meine Reaktion zum Statement von le gris: "hallihallo. ich wehre mich gegen schwarz-weiss denken in bezug auf kommunen." DAS tue ich auch! "es ist weder wahr, dass kommunen die neue gesellschaft sein können bzw. DIE mögliche auf alle übertragbare utopie sind (ob es die überhaupt braucht?)" NEIN, sie sind nicht Ausgeburt einer anzustrebenden Utopie, JA, eine solche ist von Nöten!!! ..."genausowenig, wie sie der revolution im wege stehen" ...DAS wollte ich nicht behaupten!!! "ist es nicht wichtig, dass menschen erfahrungen gleichberechtigten zusammenlebens ohne hierarchien sammeln (was soll daran falsch sein?)" ES IST richtig, nur eben nicht Ersatz für eine Umgestaltung der Gesellschaft. "ich beziehe mich nicht aufs ZEGG, das kenn ich nicht, aber eben auf kommunen im allgemeinen." ICH WOLLTE auch nicht auf ZEGG eingehen, sondern auf den in der Überschrift suggerierten Lösung der Menschheitsproblme (neue Welt) in Kommunen oder ähnlichem. "nur: mensch in der kommune und auch ausserhalb sollte eben offen sein und nicht sich abschotten und verschliessen und nur auf sich sehen, sondern dies eben als seinen lebensansatz, als eigenen teil sehen, und auch all die anderen weisen sehen, respektieren oder kritisieren. alle wege führen nach vorn." DAS SEHE ich ähnlich. Ums nochmal zusammenzufassen: Mein Ansatz ist der, das ein kummunardisches Leben sehr positiv ist (ich kaufe auch manchmal in einer kommunen-ähnlichen Einrichtung ein, um diese zu unterstützen) doch diese Freiräume sollten höchstens als Etappenziel angesehen werden. Von diesen Freiräumen aus können hierarchiefreie Gesellschaftsformen angestrebt, der Weg dahin unterstützt werden. Man kann Leute durch kommunardisches Leben ansprechen, die sonst aussen vor wären, man kann eine gerechtere Produktion in einem ungerechten System anstreben, man kann Infoläden einrichten, Brot und Milch jenseits der Hofer (o.ä.) - Mafia einkaufen.....ABER MEHR NICHT!!! Thats all I wanted to say: den Weg über die (weltweite) Umgestaltung vom momentan herrschenden System von Produktion und Kunsumtion, von Politik und Repression, von Krieg und Terror kann eine Kommune nicht abkürzen....! "und jetzt macht mich runter...." ICH HOFFE ES war nicht zu schlimm???? ;-)

o-ho

le gris 25.12.2001 - 00:28
bin ja erstaunt, dass sich überhaupt noch jemand meldet, dachte, das wäre jetzt der absatz, mein gemeier. ja, hm, jot, unterschrift drunter.

o-ho

le gris 25.12.2001 - 00:30
komm rein, komm rauf, du siehst mir geht´s dreckig, mach mich munter, du siehst mir geht´s gut, mach mich nicht runter.........wir wollen keine ketten...........wir sind geboren, um frei zu sein.........

Leider kein Sex-Zwang

Robin 02.01.2002 - 17:00
Liebe Leute,
ich besuche jetzt seit fünf Jahren regelmässig das ZEGG.

Früher stand mal im STERN, man werde da zum Sex mit verschiedenen Partnern gezwungen. Das ist aber LEIDER NICHT der Fall!

Ich musste mich stets, wie im richtigen Leben auch, um die Frauen bemühen, und viel wollten NICHT :-(

Übrigens hat der Landrat des Kreises Potsdam-Mittelmark im ZEGG neulich zum 10jährigen Jubiläum des ZEGG dort eine positive Rede gehalten. Das ZEGG ist inzwischen soooooooo brav (gähn!).

Aber es ist KEIN lascher Haufen, sondern hat klare Regeln. Dass man sich richtig anmeldet zum Beispiel, dann klappts auch mit dem Besuch dort.

Schön, wie im Bericht die freundschaftliche Atmosphäre in der Kneipe des ZEGG beschrieben wird. Ich erlebe das selbst immer wieder gerne.

Bevor ihr euch im Forum gegenseitig fertig macht, solltet ihr mal drüber nachdenken, ob ihr vom ZEGG was lernen könnt, anstatt es zu kritisieren, ohne jemals dort gewesen zu sein.

Es grüßt ein häufiger ZEGG-Besucher, der garantiert kein Rechter ist:

Robin

komische Ironie

smashcapitalism 03.01.2002 - 17:17
war das jetzt ironie, oder war das großgeschriebene LEIDER NICHT (...zum Sex mit nehreren Partnern gezwungen) ernst gemeint? Wenn es keine ironie ist, hat Ronie eine auffassung von sex, über die er grundlegend (!!!) nachdenken sollte. Und dass er sich um die Frauen bemühen musste...?

Ich will jetzt aber nicht auf die in den kommentaren beliebte masche reinfallen, sich einfach nur gegenseitig persönlich zu verunglimpfen. Damit wird JEDE diskussion gekillt (und vielleicht ist das auch strategie mancher kommentatorInnen, dass so eine (weiter)entwicklung von linken positionen (und aktionen) verhindert wird).

Ich war auch schon mehrmals auf dem zegg-gelände, weil ich eine frau kenne und häufiger sehe, die dort arbeitet und in der nähe wohnt. Zuletzt habe ich auch eine tagung mitgemacht, um mir den laden quasi von "innen" anzusehen. Meine Haltung zum zegg ist eher kritisch, auch wenn meine erfahrungen dort wenig anhaltspunkte bieten. Die Kritik nährt sich eher aus broschüren und dem lesen der veröffentlichungen von d. duhm und s. lichtenfels, die mir sehr verworren-esotherisch erscheinen, mit dem gerede von "Energien", "Stämmen", "Heilung", "Göttlichkeit" und "Matrix".

Vor allem ging es mir darum, was für ein männer- und frauenbild die leute dort vertreten und ob es hierarchien und eine guru-menthalität gibt. Jetzt stelle ich einfach mal positive und negative eindrücke gegenüber.

KURZ: Ich glaube nicht, dass im zegg jemand direkt zu sex gezwungen wird. Der soziale druck ist aber dahin ausgerichtet, offen auf sex-wünsche von menschen des "anderen" geschlechts zu reagieren. Das allein finde ich schon schwierig. Das geschlechterbild ist biologistisch und unterteilt die menschheit in "mann" und "frau", inclusive gewisser charakterzuschreibungen (was allerdings die meisten menschen noch machen). Gewalterfahrungen von frauen, patriarchat und kapitalistische gewaltstrukturen auf der ökonomischen ebene werden nicht öffentlich diskutiert oder zum thema gemacht. Andererseits ermöglicht das zegg einen sexuellen umgang, der offen, unbedrängt und weitgehend frei von abhängigkeiten und psychostress ist.

Den Erlebnisbericht aus dem zegg finde ich zu unreflektiert, weil der ideologische Hintergrund nicht thematisiert wurde (das geschieht dafür umsomehr in dem Beitrag von "Krümelmonster" über die 12 zegg-Thesen (leider NUR theoretisch-zerpflückend)).


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NEGATIV 1: zuerst einmal ist das zegg eindeutig spirituell ausgerichtet und duhm-lichtenfels spielen eine wichtige rolle für den ideologischen unterbau. Die bücher liegen überall aus und manchmal kommen sie auch ins zegg,um den leuten zu sagen, "worum es in der kommune überhaupt gehen soll", wie eine bewohnerin mal erwähnte. Was die leute dort praktisch machen, steht wohl auf einem anderen blatt. Hauptthema ist aber, wie ich es aus den gesprächen raushöre, genauso wie bei duhm-lichtenfels die "befreiung" der gesellschaft und die schaffung von frieden durch die "freie liebe". Dabei vergessen sie leider die kapitalistischen grundlagen in unserer derzeitigen welt, die nicht durch eine neue, angeblich freie sexualität beseitigt werden können.

POSITIV 1: Die frauen dort erlebe ich als selbstbewusst und selbstbestimmt. Der sexuelle umgang wird in einer speziellen kommunikationsform dar(forum: alle stehen in einem kreis und der mensch in der mitte stellt seine gefühle dar, erzählt über erlebnisse oder "intimkontakte", oder persönliche probleme; es MUSS dabei NICHT um sex gehen). Dadurch wird sex öffentlich, ist nicht tabuisiert, und muss nicht heimlich oder versteckt zum ausdruck kommen. Das heißt zugleich, grenzüberschreitungen können relativ leicht thematisiert werden und es gibt eine soziale kontrolle darüber, wie mann mit frau umgeht (und umgekehrt). Die leute in der kommune reden auch viel über ihre beziehungsgeflechte, wie mir gesagt wurde.

NEGATIV 2: Die soziale kontrolle des sexuallebens hat auch ihre schattenseiten. Frauen werden zwar bestärkt, ihre lust anzuerkennen und ernst zu nehmen, wenn sie keine lust haben, entsteht aber auch ein sozialer druck, warum sie nicht offen oder "durchlässig" genug sind. Ich denke, frau hat ein recht auf lust, aber eben auch eins auf KEINE lust. Das letztere wird zwar nicht verwehrt und ein NEIN wird sofort akzeptiert, aber doch als eine art entwicklungsmangel angesehen, wie es mir erscheint. Von vergewaltigung, grenzüberschrteitungen und anderen negativen erfahrungen habe ich noch nicht mitbekommen, dass sie zum thema werden.

POSITIV 2: Mensch kann den zegglern wahrscheinlich nicht vorwerfen, dass sie faschistisch eingestellt sind. Sofern ich das erfahren konnte, sind die leute gegen nazis und ein paar sind auch an einem linken info-cafe beteiligt, das dazu beigetragen hat, dass die faschos im nahegelegenen belzig zurückgedrängt wurden.

POSITIV 3: Seit den anfängen 1992 hat sich das zegg (nach aussage von bewohnerInnen und besucherInnen) verändert. Inzwischen werden auch paarbeziehungen akzeptiert und frisch verliebte haben angeblich den "segen der gemeinschaft". Vertrauen wird immer als wichtige bedingung für beziehungen bezeichnet, erst recht wenn sie offen für "nebenbeziehungen" sind. Das scheint sich also nach der idealisierung des spontanen vögelns, wie es vielleicht mal am anfang war, langsam zu wandeln (mensch muss sich z.t. sogar fragen, ob sich nicht bürgerliche liebesideale wieder einschleichen, die ich als teil der kapitalistischen gesellschaft (besitz, ewige liebe zu einer einzigen person usw.) einschleichen.

NEGATIV 3: Gleichgeschlechtliche beziehungen finden wenig platz im zegg. Es kommt wohl auch zu zärtlichkeit und sex zwischen männern, es soll aber nicht "ausschließlich" sein. Von "liebeskontakten" zwischen frauen wurde auch geredet. Die norm ist aber die hetero-beziehung, weil es da angeblich natürliche veranlagungen gibt. Das wird dann auch mit "aufgaben" und charaktereigenschaften gekoppelt. Ich sehe da einen biologismus, also die konstruktion der geschlechter "mann" und "frau" wird ganz ähnlich zur kapitalistischen konstruktion fortgeführt und mit mystischen stammesvorstellungen (matriarchale kulturen, indianische Riten usw.) verklärt.


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FAZIT: Ich denke, mensch muss sowohl sehen, was im zegg real pasiert, als auch, welcher ideologische backround dahintersteht. Das passiert leider zu selten gleichzeitig.


sorry für den langen text.

Umdenken!

Felixx 05.01.2002 - 01:07
Hmm... also es ist ja ein Wunder daß mein Vorredner,
der offenbar schon über eine komplette Weltsicht verfügt,
und daher sowieso eigentlich weiß, was gut, richtig, schlecht
und falsch ist, trotzdem auch noch Positives am Zegg findet!
Bei soviel Vor - Urteil muß das ZEGGG ja der absolute Renner
sein, wenn er das dann auch noch bemerkt.
Vielleicht ist das ZEGG der ideale Weichwäscher für Hardcore-
Ideologen aller Couleur?
Vielleicht das ideale Sanatorium für Verletzte aus den
Klassenkämpfen unserer Tage?

Mal im Ernst:
Ob etwas falsch oder richtig ist, werden wir für die Zukunft
nicht beantworten können. Es wird sich erweisen.
(Und die kraftvollsten Veränderungsansätze wurden von der
jeweiligen Gegenwart immer als Unfug bekämpft).
Aber wir können bemerken,(wenn wir es denn bemerken wollen!)
dass aller Klassenkampf, dass alle Revolutionen eins nicht beendet haben: Die Unterdrückung des Menschen durch den Menschen und die hoffnungnslose Zerstörung unseres Planeten. Warum nicht?
Weil alle diese Revolutionäre gedacht haben, es reiche aus,
die gesellschaftlichen Verhältnisse zu verändern, und schon
wird alles gut. Nur haben sie dabei den Machthaber in sich
selbst übersehen. Vernebelt durch eine faszinierend vereinfachende dualistische Weltsicht- es ist alles so einfach, wenn man die Welt in Opfer und Täter einteilt, haben sie übersehen, dass jeder auch Opfer UND Täter in Einem ist.
Das ZEGG bringt den Menschen anders ins Spiel.
Da liegt die Chance. Niemand kann etwas verbessern, solange
er sich selbst nicht verbessert. Solange er die Ursache seiner eigenen Probleme nach außen delegiert. Jeder von uns hat Jesus, den Revolutionär und den Diktator in sich. Das ist ein Sprengstoff, der sich im Treibhaus der individualistischen Industriegesellschaft ebenso entwickelt, wie in allen Gesellschaften, die sich ideologisch vom Leben abschneiden (siehe Taliban).
Was immer auf dieser Erde passiert, es sind Menschen, die es tun und die dafür Motive haben. Es geht IMMER um Menschen. Hinter jedem -ismus stehen Menschen mit Ideen und meist mit verletzten Bedürfnissen.
Solange wir (Menschen) uns nicht ändern, werden wir nichts verbessern.

Ob man es als "biologistisch" karrikiert, die Menschheit in
Mann und Frau (männliches,weibliches Prinzip, Yin und Yang)
einzuteilen oder nicht, es ist einfach mal eine Tatsache,
dass die Menschheit aus Männern und Frauen und eben WEGEN
dieser Zweigeschlechtlichkeit existiert.Und es ist eine
nicht zu leugnende Tatsache, dass das etwas ist,das VOR
jeder Gesellschaftsformation existiert. Ebenso ist aber
offensichtlich, dass diese Geschlechtlichkeit als Herrschaftsinstrument mißbraucht wird. Nur da mag keiner hinschauen, weil man dadurch den Blick sofort auch auf sich selbst und den eigenen Gewinn oder Verlust aus dieser Struktur lenken müßte. (Und feministisches Opfer-Täter-Denken stellt die Pyramide nur auf den Kopf, leugnet die Natur des Menschen und ändert letztich nichts, weil das Gewaltpotential nicht vermindert, sonder nur verschoben wird.)
"Gewalt ist Wut auf ungelebtes Leben" - auf alles, was wir
tun, statt im Einklang mit dem Universum zu sein.
Im Einklang sein heißt, dem Leben, dem anderen, dem Liebes-
parnter, sich selbst, der Natur, den ureigensten Bedürfnissen, Mann oder Frau, mit Respekt und Liebe zu begegnen.
Das ist der unbequemste und kraftvollste Ansatz für
Veränderung, den ich kennengelernt habe. Er leise,
unpathetisch und gewaltfrei. Und daher eine Zumutung
für alle, die ihre Wut lieber nach außen agieren und
überall ideologische Gegner entdecken, die sie dann
bekämpfen können, und sei es auch nur mit etikettierenden
verbalen Verunglimpfungen.

Der das schreibt, ist froh, das ZEGG seit 10 Jahren
zu kennen, ohne ein Teil davon geworden zu sein und den
kritischen Blick verloren zu haben.