Burschenschaftler und Fäkalia in Nürnberg
Trotz gewaltiger Überzahl der Burschenschaftler konnte der Humor der ´Fäkalia´ den alljährlichen Aufmarsch erfolgreich überschatten oder sogar in den Schatten stellen.
Nürnberg findet zurück zu den Blütezeiten. Fäkalia erfrischt das Image.
Nach einer Kette traditionsbewußter Parteitage und Umzüge (CSU, kurzfristig doch ohne Berlsuconi, NPD - Aufmarsch, SPD - Kriegsparteitag) wurde das ganze heute am Sonntag, den 16 Dezember durch den alljährlichen Umzug der Burschenschaften abgerundet.
Beharrlich traten die Burschenschaftler dafür ein, die Freiheit auf antiquierte Uniformen im Stadtbild einzufordern. Die Bandbreite reichte zwischen Stil der Jahrhundertwende bis zu spätes Mittelalter? Der dank Verbrauchermentalität eingelullten Menge fiele das nicht besonders auf trotz der schieren Menge der zwischen Altherrenriege, Nachwuchselite und bemützten Mitläuferschar oszillierenden uniformierten Masse.Doch die Idylle des Christkindlsmarktes wurde unterbrochen von einer moderneren Burschenschaft, der Fäkalia. Auch wenn bei der Fäkalia der Frauenanteil offenbar bei ca. 80% lag, was ungewohnt ist für studentische Verbindungen die Frauen nicht als vollwertige Mitglieder anerkennen wollen, lag auch hier das Augenmerk auf typisch deutschen Tugenden. Offensichtlich spielte die Sauberkeit eine ganz besondere Rolle. Trotzdem schien nicht etwa die Tatsache eine Hauptrolle zu spielen, daß die deutsche Zivilisation an der Weltspitze liegt bei der Sauberkeit der Toiletten. Nein, 'Euer Durchfall ist unser Sieg' verlautete der Leitspruch, was wohl vieldeutige Interpretationen zuläßt. Auch wies Fäkalia ungewohnt lautstark auf Ihr Anliegen hin, das Status Quo zwischen Produzenten und Konsumenten als Destruenten aufzubrechen: 'Hip-Hip-Hurra, Fäkalia!'.
Das besonders originelle Outfit der Fäkalia ließ Passanten aufmerken und brachte ein Grinsen auf ihre Gesichter, was man üblicherweise auf dem überfüllten und Streß auslösenden Christkindlsmarkt selten beobachtet ohne Alkoholeinfluß.
Selbst die Burschenschaftler konnten sich der Hommage an Ihre Traditionen nicht entziehen. Wegen dem Sympathievorschuß der Unbeteiligten der Fäkalia gegenüber, hätten sie sich andernfalls nur komprommitieren können.
Das 'dreckige Dutzend' der Fäkalia zog die Aufmerksamkeit auf sich und stahl den langweiligen Burschenschaftlern die Show.
Am Infotisch der Gegner des Aufmarsches war die Stimmung schon schwankender. Die Gegner waren gut gelaunt, es kam aber auch schon mal ein 'Geh einfach!' sobald das Informationsbedürfnis der allgegenwärtigen Burschenschaftler in Pöbeleien auszuarten drohte. Es blieb größtenteils bei Sprüchen, 'das sind ja alles Linkshänder' denn dank massiver Überzahl konnten die Burschenschaftler ihre Gegner als Kuriosität betrachten.
Nichtsdestotrotz war die Fäkalia unübersehbarer und unüberhörbarer Blickfang für die sonntaglichen Besucher der Altstadt, wohingegen die anderen Burschenschaften ein unterschwelliges Gefühl des Beklemmens auslösten. Doch spätestens das Kamerateam der Polizei erinnerte einen daran, daß man sich im Jahre 2001 befindet.
Die verteilten Flugblätter wiesen auf die traditionelle Nähe der Studentenverbindungen zu rechtsradikalen und verfassungsfeindlichen Organisationen und Straftätern hin (so habe etwa die Erlangener 'Frankonia' die NPD als Bündnispartner), auf Ihren 'völkischen' Charakter, ihre geschichtliche Nähe zu den Nationalsozialisten, ihren militaristischen Männerkult, die damit einhergehende Frauenfeindlichkeit und Ihre streng Top-Down orientierte Hierarchie.
Die Burschenschaftler beschränkten sich auf Ihre Machtdemonstration und vermittelten keinerlei konkrete Aussage. Die auf Ihren Bannern war von meiner Position aus zu keiner Zeit erkennbar obgleich ich versuchte sie aufzunehmen.Die Message der Burschenschftler war jedoch klar, 'zurück in die guten alten Zeiten'. Doch was vor 150 Jahren revolutionär war, ist heute nicht nur reaktionär sondern kafkaesk museal. Ob das auch so aussehen wird, wenn in 150 Jahren 'Globalisierungsgegner' sich vor dem letzten Mc Donalds-Museum treffen?
Siehe auch http://www.indymedia.de/2001/12/12571.html.
Nach einer Kette traditionsbewußter Parteitage und Umzüge (CSU, kurzfristig doch ohne Berlsuconi, NPD - Aufmarsch, SPD - Kriegsparteitag) wurde das ganze heute am Sonntag, den 16 Dezember durch den alljährlichen Umzug der Burschenschaften abgerundet.
Beharrlich traten die Burschenschaftler dafür ein, die Freiheit auf antiquierte Uniformen im Stadtbild einzufordern. Die Bandbreite reichte zwischen Stil der Jahrhundertwende bis zu spätes Mittelalter? Der dank Verbrauchermentalität eingelullten Menge fiele das nicht besonders auf trotz der schieren Menge der zwischen Altherrenriege, Nachwuchselite und bemützten Mitläuferschar oszillierenden uniformierten Masse.Doch die Idylle des Christkindlsmarktes wurde unterbrochen von einer moderneren Burschenschaft, der Fäkalia. Auch wenn bei der Fäkalia der Frauenanteil offenbar bei ca. 80% lag, was ungewohnt ist für studentische Verbindungen die Frauen nicht als vollwertige Mitglieder anerkennen wollen, lag auch hier das Augenmerk auf typisch deutschen Tugenden. Offensichtlich spielte die Sauberkeit eine ganz besondere Rolle. Trotzdem schien nicht etwa die Tatsache eine Hauptrolle zu spielen, daß die deutsche Zivilisation an der Weltspitze liegt bei der Sauberkeit der Toiletten. Nein, 'Euer Durchfall ist unser Sieg' verlautete der Leitspruch, was wohl vieldeutige Interpretationen zuläßt. Auch wies Fäkalia ungewohnt lautstark auf Ihr Anliegen hin, das Status Quo zwischen Produzenten und Konsumenten als Destruenten aufzubrechen: 'Hip-Hip-Hurra, Fäkalia!'.
Das besonders originelle Outfit der Fäkalia ließ Passanten aufmerken und brachte ein Grinsen auf ihre Gesichter, was man üblicherweise auf dem überfüllten und Streß auslösenden Christkindlsmarkt selten beobachtet ohne Alkoholeinfluß.
Selbst die Burschenschaftler konnten sich der Hommage an Ihre Traditionen nicht entziehen. Wegen dem Sympathievorschuß der Unbeteiligten der Fäkalia gegenüber, hätten sie sich andernfalls nur komprommitieren können.
Das 'dreckige Dutzend' der Fäkalia zog die Aufmerksamkeit auf sich und stahl den langweiligen Burschenschaftlern die Show.
Am Infotisch der Gegner des Aufmarsches war die Stimmung schon schwankender. Die Gegner waren gut gelaunt, es kam aber auch schon mal ein 'Geh einfach!' sobald das Informationsbedürfnis der allgegenwärtigen Burschenschaftler in Pöbeleien auszuarten drohte. Es blieb größtenteils bei Sprüchen, 'das sind ja alles Linkshänder' denn dank massiver Überzahl konnten die Burschenschaftler ihre Gegner als Kuriosität betrachten.
Nichtsdestotrotz war die Fäkalia unübersehbarer und unüberhörbarer Blickfang für die sonntaglichen Besucher der Altstadt, wohingegen die anderen Burschenschaften ein unterschwelliges Gefühl des Beklemmens auslösten. Doch spätestens das Kamerateam der Polizei erinnerte einen daran, daß man sich im Jahre 2001 befindet.
Die verteilten Flugblätter wiesen auf die traditionelle Nähe der Studentenverbindungen zu rechtsradikalen und verfassungsfeindlichen Organisationen und Straftätern hin (so habe etwa die Erlangener 'Frankonia' die NPD als Bündnispartner), auf Ihren 'völkischen' Charakter, ihre geschichtliche Nähe zu den Nationalsozialisten, ihren militaristischen Männerkult, die damit einhergehende Frauenfeindlichkeit und Ihre streng Top-Down orientierte Hierarchie.
Die Burschenschaftler beschränkten sich auf Ihre Machtdemonstration und vermittelten keinerlei konkrete Aussage. Die auf Ihren Bannern war von meiner Position aus zu keiner Zeit erkennbar obgleich ich versuchte sie aufzunehmen.Die Message der Burschenschftler war jedoch klar, 'zurück in die guten alten Zeiten'. Doch was vor 150 Jahren revolutionär war, ist heute nicht nur reaktionär sondern kafkaesk museal. Ob das auch so aussehen wird, wenn in 150 Jahren 'Globalisierungsgegner' sich vor dem letzten Mc Donalds-Museum treffen?
Siehe auch http://www.indymedia.de/2001/12/12571.html.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
Ergänzungen
Sehr schön!
yeah!
gelungene sache
konnt leider nicht kommen, super das es auch bei uns läuft
Ziehen zwei Fäkalien in den Krieg...
Die Beste Gesellschaft ist die
Anachronismen
"studentische Verbindungen die Frauen nicht als vollwertige Mitglieder anerkennen wollen" ist inhaltlich nicht wirklich richtig - es gibt Männerbünde, gemischte Bünde und Frauenbünde, ganz wie es beliebt. Auch waren die meisten Korporierten dort wohl keine "Burschenschafter" (ohne l), sondern Mitglieder anderer Verbindungsarten.
Was den Anachronismus angeht, da sollten sich die Antiburschen nicht zu weit aus dem Fenster lehnen: Während es Verbindungen im heutigen Sinn schon seit über 200 Jahren gibt, kamen derweil vorbei: Absolutistische Fürsten, Restauratoren, Anti-Demokraten, Sozialisten, Nazis, SED, 68´er - alle von der Geschichte besiegt. Wie lange "Fäkalia" und Co. wohl durchhalten? Wer kommt danach?
Hannes
Mangelndes Geschichtsverständnis?
Achja, Anachronismus...
Zum Mitschreiben: Etwas das seine konkrete historische Entstehungs- und Wirkungssituation überlebt hat, IST anachronistisch, nämlich im Wortsinne "wider die Zeit".
Und daß sexistische, völkische*, rechts- bis
rechtsextreme (auch in Schärpe und Jacket sind solch "Einstellungen" manchmal eingepackt) Gruppierungen in einer demokratischen=pluralistischen=multikulturellen Gesellschaft anachronistisch sind, ist ja klar.
DENN wie sähe die Welt aus, in der solche Gruppierungen und ihre Ansichten NICHT anachronistisch wären?! solch eine Welt wäre zutiefst undemokratisch, elitär, sexistisch und rassistisch - und WER mag schon gern in einer solchen welt leben?
ach, genau genommen, möcht´ ich da gar keine antwort drauf...
[* Völkisch = Wahrnehmung einer menschlichen Gesellschaft, deren Angehörige qua Blut (und Boden) definiert sind, als biologisch aufgebauten Organismus; damit zu rechtfertigen sind alle Arten von Ausgrenzungen, Antidemokratie etc. pp]
"Bilder"
Was Entstehung und Wirkung angeht: Der Kern von allen Verbindungen ist *Freundschaft*, deshalb gibt es sie so lange, und deshalb haben sie alle möglichen Zeiten, Kriege und Gesellschaftsformen überstanden. Je kälter das Klima an den Unis wird - gerade sehr rapide - desto größer die Nachfrage ...
Zweifellos richtig wie bitter ist der Rechtsaußen-Anteil, vielleicht 30, 50 Bünde von den ca. 1.000 in Deutschland. Diese Bünde sind es, die in den Medien kommen. =:(
Hannes
gute idee!
Verbindungen kappen
Gute alte Tradition
Klischees pur
Zu Wolf: Glaubst Du ernsthaft, daß sich Verbindungsstudenten dadurch auszeichnen, im Schnitt weniger Döner und Burger zu essen? Ein Eintritt bzw. eine Aufnahme ist nur noch bei einer Handvoll Edelcorps eine "Ehre" (oder besser eine Geldfrage), aktiv zu werden ist nicht schwierig. Und weil man dabei ist, lebt man nach "gutem deutschen Vorbild"? Was soll denn das bitte sein? Deine Ansichten sind ziemlich daneben ...
Hannes
Wolf ist übrigens ein Nazi
erwischt. War vielleicht auch besser so, denn schon durch Motto der Demo
waren einige Kameraden kaum noch zu bendigen, wärd Ihr noch
rangekommen, wäre alles außer Rand und Band."
Namensgleichheit = Personengleichheit?
zumal...
Wie gut, daß Ihr sogar ganze SIEBEN
An alle anderen bunt verkleideten!!!
Ich habe für Sie bereits einen Hilfsfonds eingerichtet: "RETTET DIE LINKEN!"
Korrekturen - oder - ich lerne deutsch!!!
Falsch, es heißt nicht BurschenschaftLER, sondern BurschenschaftER!!!
Falsch, das sind keine Uniformen, sondern studentische Wichs!
Richtig, es gibt sicherlich einige Verbindungen, die aufgrund ihrer politischen Gesinnung negativ auffallen. Falsch ist allerding, daß dies ALLE sind! 99% ALLER VERBINDUNGEN sind weder rechts, frauenfeindlich, ...
Wie gut, daß Sie nicht übertreiben, verallgemeinern sondern nur mit gut rechergierten Fakten auffahren! (Ironie!!!)
Is halt die Frage...
Definitionen
Abgesehen vom tatsächlich rechten Rand der Verbindungslandschaft - 3 bis 5%, wie in der übrigen Gesellschaft auch - ist das alltägliche Tun und Sein der Verbindungen keinesfalls "rechtsextrem", diese Einbildung ist auch nicht "gängig". Hannes
Liesst zwar eh keiner mehr...
"Indymedia ist unabhängige nichtkommerzielle Berichterstattung von unten über wichtige soziale und politische Themen vor Ort und weltweit."
Unabhängig? Auch von der Recherche, wie es zumindest hier erscheint.
Berichterstattung? Dieser Artikel ist so emotional und tendenziös, dass von Berichterstattung nicht die Rede sein kann.
"Wir behalten uns vor, diffamierende Aburteilungen und Beschimpfungen zu löschen."
Soso :-) Na, dann bin ich ja "beruhigt", dass sowas nur für Kommentare zu Beiträgen, nicht aber für die Artikel selbst gilt.
Ja. Ich bin Verbindungsstudent und kenne all diese Vorurteile.
Nein, ich bin kein Rechtsradikaler. Ich bin nichtmal ein Rechter. Das gilt auch für alle anderen Mitglieder meiner Verbindung.
Nein, ich stehe keiner verfassungsfeindlichen Organisation nahe. Meine Verbindung hatte vor wenigen Semestern mal einen Vertreter des Verfassungsschutzes zu Gast: Als Referent zum Thema "Rechtsextremismus in Deutschland".
Nein, völkisches Gedankengut ist nicht meins. Meine Verbindung hat Mitglieder aus allen möglichen Ländern. Japan, Korea, Haiti, USA, Polen, Frankreich um nur ein paar zu nennen.
Nein, weder ich noch meine (1935 verbotene) Verbindung haben eine geschichtliche Nähe zum Nationalsozialismus (das würde auch meinen Grossvater diffamieren).
Nein, ich halte nichts von militaristischem Männerkult: Ich bin Kriegsdienstverweigerer, wie einige andere Mitglieder meiner Verbindung.
Nein, ich bin nicht frauenfeindlich. Das verbietet schon meine Erziehung durch eine beruflich engagierte Mutter, die mir sicher alles andere vermittelt hat, als das Frauen für die drei "K" zuständig seien. Verbindungen sind es auch nicht per Definition: neben den "klassischen" Männerbünden gibt es auch reine Frauenverbindungen und auch einige gemischte Verbindungen.
Nein, eine strenge Top-Down-Hierarchie gibt es bei den mir bekannten Verbindungen nicht. Da werden Verantwortlichkeiten per geheimer Wahl jedes Semester an andere Mitglieder verteilt, wichtige Entscheidungen werden basisdemokratisch von allen Mitgliedern getroffen.
Weder ich noch meine Verbindung sind die grosse Ausnahme.
Ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass der Autor oder andere Verbindungsgegner (im Unterschied zu Verbindungskritikern) mir auch nur ein einziges Wort glauben - schliesslich braucht man ja so seine Feindbilder. Gell?
Frage
Ihr wisst aber schon, dass es auch reine Damenbünde gibt???
Wer ist hier intolerant!?
Ich war letztes Jahr auch auf dem Thomastagbummel anwesend, da ich Mitglied einer Damenverbindung bin. Auch wenn ihr euren Auftritt als besonders originell aufgefasst habt, fand ich ihn sehr daneben. Denn die meisten von euch haben nicht mehr als ein paar inkompetente Parolen und Floskeln drauf, die alle Anwesenden eher gelangweilt, als provoziert haben. Im Gegensatz zu euch zwingen wir niemanden unsere Ansichten zu vertreten und tolerieren es, wenn das Verbindungsleben nicht jedermanns Sache ist. Mein einziges Fazit aus eurer "show" war, dass ich erkannt habe, wer wirklich intolerant ist. Vielleicht sollten sich einige von euch erst einmal über ein Thema richtig informieren, bevor ihr "protestiert". Ach und übrigens Danke, dass ihr uns als Elite seht: Das läßt mich ja in eine erfolgreiche Zukunft blicken!