Die FU Berlin möchte diesmal richtig streiken
Eine Gruppe von Studierenden der Freien Universität Berlin hat in einer "Vollversammlung" am 11.12.2001 eine Beteiligung an den EU-weiten Studierenden-Protesten beschlossen. Kritik an den Über-Kritikern ist dabei unerwünscht.
Alle, alle sind sie gekommen...die attac-Hochschulgruppe, die Unabhängige Linke, der unvermeidliche Linksruck und zahlreiche unabhängige Studierende. Ab 12:30 fand im Hörsaal 1a der Silberlaube in Dahlem die erste grössere Vollversammlung der Freien Universität Berlin in diesem Semester statt. Unterstützt und gegrüsst wurden die ca. 800 Studierenden von einem Mann der GEW, selbst SPD-Mitglied, aber nicht "so zufrieden", und zwei hübsch engagierten Schülerinnen, die "der ganze Scheiss ja auch irgendwie" betreffe.
Nach überraschend kurzer Debatte wurde auch gleich der Streik beschlossen. So weit, so gut, nun ging es dann richtig zur Sache. Eine Resolution, an der FU traditionell das wichtigste bei jeglicher Aktion, sollte verabschiedet werden, doch nicht nur gegen das marode Hochschulsystem und miserable Bildungspolitik sollte sie sich wenden, sondern auch gleich gegen die rassistische Rasterfahndung und den Krieg gegen Afghanistan. Gegen die Rasterfahndung mit einem Hochschulstreik zu protestieren kann noch nachvollzogen werden, betrifft diese fragwürdige Ermittlungsmethode doch auch Studenten der FU. Verantwortlich dafür ist ein unverantwortlicher Präsident. Doch merkwürdig scheint die in die Resolution aufgenommene Passage: "Wir sagen NEIN zum Krieg in Afghanistan (...) Wir fordern Geld für Bildung und Soziales, nicht für Panzer und Raketen" Mit dieser Argumentationsmethode kann gegen alles gestreikt werden, was studierenden Bürgern nicht passt. Großflughäfen, McDonalds, sonstwas. Wer allerdings dieses in der Debatte über die Resulution anmerkte wurde ausgebuht und beschimpft. Und genau solcherlei Verhalten ist das Problem der zart aufkeimenden Studierendenbewegung. Eine kritische Universität wird gefordert, Kritik daran ist unerwünscht. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns, wer die Meinung weniger Über-Kritiker nicht teilt, oder zumindest brav beklatscht, ist wahlweise ein Revisionist, eine Konservative, ein Konterrevolutionär, ...Verkannt wird bei solchen Biotopveranstaltungen, dass die gewünschte Wirkung nach aussen manchmal schneller eintritt, als gewünscht. Erinnere man sich an die höhnischen Artikel, auch in bundesweit publizierten Medien, nach dem peinlichen Auftritt einiger OSIaner beim "Spiegel-Forum" Anfang diesen Jahres. Eine Streikresolution einer Hochschule kann keinen universellen Protestanspruch erheben, zudem sie von 800 von 42 000 Studierenden beschlossen wurde. Unglaubwürdigkeit ist das zwingende Resultat, verstärkt wird diese Unglaubwürdigkeit durch das zu erwartende Streikverhalten einiger weltfremder Pseudo-Revolutionäre, die seit Jahren versuchen 1968 zu simulieren.
Natürlich müssen die meisten Punkte der beschlossenen Resolution (ist auch auf Indymedia veröffentlicht) erkämpft werden. Aber wenn schon kämpfen, dann richtig. Die Öffentlichkeit muss auf die Seite der Studierenden gezerrt werden, das geht aber nur, wenn der mitunter dümmlichen Öffentlichkeit die Ziele der Studierenden auch verständlich nahegebracht werden können. Mit naiven Weltverbesserungs-Theorien, Parties im Hörsaal und Übernachten im Foyer ist es nicht getan. Wenn die üblichen Selbstdarsteller, die die lautesten Schreier und damit auch die am ehesten wahrgenommenen sind,dies nicht einsehen, wird der Streik wie üblich im Sande verlaufen, die mögliche Studierendenbewegung wird von Ignoranten im Kindbett erstickt.
Nach überraschend kurzer Debatte wurde auch gleich der Streik beschlossen. So weit, so gut, nun ging es dann richtig zur Sache. Eine Resolution, an der FU traditionell das wichtigste bei jeglicher Aktion, sollte verabschiedet werden, doch nicht nur gegen das marode Hochschulsystem und miserable Bildungspolitik sollte sie sich wenden, sondern auch gleich gegen die rassistische Rasterfahndung und den Krieg gegen Afghanistan. Gegen die Rasterfahndung mit einem Hochschulstreik zu protestieren kann noch nachvollzogen werden, betrifft diese fragwürdige Ermittlungsmethode doch auch Studenten der FU. Verantwortlich dafür ist ein unverantwortlicher Präsident. Doch merkwürdig scheint die in die Resolution aufgenommene Passage: "Wir sagen NEIN zum Krieg in Afghanistan (...) Wir fordern Geld für Bildung und Soziales, nicht für Panzer und Raketen" Mit dieser Argumentationsmethode kann gegen alles gestreikt werden, was studierenden Bürgern nicht passt. Großflughäfen, McDonalds, sonstwas. Wer allerdings dieses in der Debatte über die Resulution anmerkte wurde ausgebuht und beschimpft. Und genau solcherlei Verhalten ist das Problem der zart aufkeimenden Studierendenbewegung. Eine kritische Universität wird gefordert, Kritik daran ist unerwünscht. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns, wer die Meinung weniger Über-Kritiker nicht teilt, oder zumindest brav beklatscht, ist wahlweise ein Revisionist, eine Konservative, ein Konterrevolutionär, ...Verkannt wird bei solchen Biotopveranstaltungen, dass die gewünschte Wirkung nach aussen manchmal schneller eintritt, als gewünscht. Erinnere man sich an die höhnischen Artikel, auch in bundesweit publizierten Medien, nach dem peinlichen Auftritt einiger OSIaner beim "Spiegel-Forum" Anfang diesen Jahres. Eine Streikresolution einer Hochschule kann keinen universellen Protestanspruch erheben, zudem sie von 800 von 42 000 Studierenden beschlossen wurde. Unglaubwürdigkeit ist das zwingende Resultat, verstärkt wird diese Unglaubwürdigkeit durch das zu erwartende Streikverhalten einiger weltfremder Pseudo-Revolutionäre, die seit Jahren versuchen 1968 zu simulieren.
Natürlich müssen die meisten Punkte der beschlossenen Resolution (ist auch auf Indymedia veröffentlicht) erkämpft werden. Aber wenn schon kämpfen, dann richtig. Die Öffentlichkeit muss auf die Seite der Studierenden gezerrt werden, das geht aber nur, wenn der mitunter dümmlichen Öffentlichkeit die Ziele der Studierenden auch verständlich nahegebracht werden können. Mit naiven Weltverbesserungs-Theorien, Parties im Hörsaal und Übernachten im Foyer ist es nicht getan. Wenn die üblichen Selbstdarsteller, die die lautesten Schreier und damit auch die am ehesten wahrgenommenen sind,dies nicht einsehen, wird der Streik wie üblich im Sande verlaufen, die mögliche Studierendenbewegung wird von Ignoranten im Kindbett erstickt.
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Ja
an der hu...
In Potsdam genau das Gegenteil
Kritk ist sogar sehr erwünscht
Wenn der/die AutorIn des Artikels auch mal genau klar machen würde, wo die Kritik liegt, dann könnte sich mensch auch auseinandersetzen damit. Aber stattdessen wird eher schwammig argumentiert, nicht wahr?
ausgebuht....
stimmt!
Räusper...
Erklärungen
zum Potdam-Rypen: In Potsdam wurde es wirklich nicht thematisiert. Es taucht irgendwo mal auf. Aber iom wesentlichen ist alles sehr Lokal gehalten und die Landesregierung wird immer immer irgendwie aufgefordert....
ich
wer sich als "kritischer wissenschaftler" definiert muss auch kritik an eigenen positionen zulassen sowie in der lage sein ohne "linksradikale" polemik seine zuhörer zu fesseln..
Antworten erwünscht
Willst Du das nächste Mal Fragebögen an alle 42000 Studenten austeilen, damit die Streikresolution dann einen ultimativen Anspruch hat?
Wer meint nicht zur VV gehen zu müssen muss auch damit leben, dass über seinen Kopf entschieden wird.
Genauso ist es auch bei Wahlen für die Regierung, oder?
Was meinst Du mit richtig kämpfen? Populismus?
Antwort
Halt einfach dein Maul!
Just do it (yourself)
Wenn Du schon ein einheitliches Marketingkonzept hast, daß du dem streik aufdrücken willst - tu es doch. Ich bin sicher, die Medien werden sich auf dich stürzen. (Sanfte Ironie) - Nein, wirklich, tu es, mach was Übrigens fand ich das Spiegel-Forum ziemlich gut. Dort wurde nämlich verhindert, daß es zu einer Umarmung von Seiten der Unileitung kommt, die bejammert, ja wir sinds doch gar nicht, die anderen, die Umstände, etc., bzw. derselben Masche von Stölzl. Ihr habt ja alle so recht, aber WIR können ja auch nichts ändern. Und nur dieser Aufruhr hat uns im übrigen überhaupt eine Presse gebracht, die weiter ging als der Unispiegel. Daß natürlich teilweise die Kommentare von reaktionären Redakteuren mit Schaum vor dem Mund geschrieben wurden, ist natürlich klar, muß uns aber nicht weiter kümmern. Mehr von solchen Aktionen (wenn vielleicht auch zugegebenermaßen besser geplant) Die geringe Beteiligung ist schade, aber wer nicht kommen will, hat Pech gehabt. Wer sogar noch zu faul ist, nein zu sagen, wenn ihm nicht paßt, daß der Streik ausgerufen wird, der hat schlicht und einfach nachher nichts zu melden, selber schuld.
"Mit naiven Weltverbesserungs-Theorien, Parties im Hörsaal und Übernachten im Foyer ist es nicht getan." Sind aber ein Faktor, daß Studis sich auch beteiligen und dabei bleiben. Was Du mit "naiven" Weltverbesserungstheorien meinst, konnte ich allerdings Deinem Artikel nicht entnehmen. Aber wer die gesellschaftliche Dimension einer Uni verneint, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Vollkommen richtig ist jedenfalls die Analyse, daß wir mehr spektakuläre Aktionen brauchen. Existiert eigentlich noch der FU-Aktionsrat?
Dieselben Leute
naive weltverbesserungs-theorien
das zweite problem aber ist, dass komplexere zusammenhänge zwar in ags erarbeitet werden können, aber es schwer ist, unter eine solche interpretation tausende von studis zu versammeln. schon allein durch die form einer resolution verflacht man solche analysen ziemlich.
mir liegt viel an der verknüpfung von unterschiedlichen eben dessen, was in unserer gesellschaft, und gerade nicht nur an der hochschule abgeht, aber ich wundere mich immer wieder, wie an sich gescheite und theoretisch versierte linke mit einer derartigen kombination (a la geld für die bildung statt für den krieg)glücklich sein und eine solche formulierung heftg polemisierend verteidigen müssen. ganz davon zu schweigen, dass die vorgabe von solchen interpretationsmustern gerade nicht das erfüllt, was ein protest meiner ansicht nach eigentlich leisten soll, nämlich leute zu politisieren und sie zum eigenen nachdenken zu bringen. stattdessen wird dadurch gesetzt, wir hätten die richtige interpretation, der man sich dann anschliessen oder aber es lassen kann.
in diesem sinne: ein bisschen mehr selbstkritik an protestformen und formulierungen dürfte schon sein, damit würde sich niemand was vergeben oder dem protest seine kraft nehmen, eher im gegenteil.