Hamburg: 500 gegen Brechmittel

Kotzbrocken 11.12.2001 02:27 Themen: Repression
Nach dem Brechmitteleinsatz am Sonntag, der ein Menschenleben gekostet hat, demonstrierten am Montag (10.12.) 400 bis 500 Menschen in der Hamburger Innenstadt gegen den Einsatz von Brechmitteln, Rassismus und die staatliche Drogenpolitik.
Im Anschluß zogen 200 Leute zum Insititut für Rechtsmedizin am der Universitätsklinik Eppendorf.
Die Hamburger Black Community überlegt weitere Aktionen in den nächsten Tagen zu machen. Auf jeden Fall wollen sie A. nicht alleine lassen.
Um 18 Uhr im Anschluß an eine Kundgebung von, vor allem, Flüchtlingsorganisationen trafen sich am Hamburger Hauptbahnhof 400 bis 500 Leute. Der Weg zur Bannmeile des Rathauses führte durch die Mönckebergstraße. Für Passanten war vor allem das lockere Polizeispalier auf dem Fußweg sehr störend. (Was Kopfbedeckungen angeht ist die Hamburger Polizei in letzter Zeit sehr innovativ. Gab es früher nur Käpis, die denen der Bundeswehr ähnelten, so sind jetzt auch Baseball-Caps und ganz neu schwarze Wollmützen in der Kleiderkammer vorhanden.) In kurzen Redebeiträge wurde vor allem immer wieder der Grund für die Demonstration dargestellt: Das erste Todesopfer durch den Einsatz von Brechmitteln in Hamburg.
Besonders auffällig fand ich die Statements von Passanten am Rande der Demo. Von anderen Demos ist mensch sowas ja gewöhnt, aber vielen Menschen ist es echt egal, wenn andere Menschen verrecken. (Zum Glück gibt es keine Volksentscheide, sonst würde die Todesstrafe wieder eingeführt werden.) Nachdem die Demo nach einer Kundgebung an der Bannmeile beendet wurde fuhren noch ca. 200 Leute zur U-Bahn Hoheluftbrücke.
Beim Warten auf den Lauti und weitere Leute in der nächsten Bahn tauchten plötzlich zwei Nazis auf, die wohl ziemlich überrascht waren. Einige Leute stellten ihnen nach, haben sie jedoch nicht erwischt. Die Polizei wurde in dem Moment etwas energischer, blieb aber friedlich.
Von der U-Bahn ging es durch Eppendorf zum Insitut für Rechtsmedizin am UKE. Auf dem Weg dahin trudelte auch die Erklärung der Hamburger Ärztekammer ein, die sich, wie schon immer, gegen den Einsatz von Brechmitteln aussprach und dem Chef des Institut für Rechtsmedizin Klaus Püschel nicht den Rücken stärkte. Kurz vor dem Ziel wurde die Demo aufgehalten, da sie zu laufen begann. Die Kundgebung mußte 100 Meter zu früh abgehalten werden.
Dabei wurde noch von anderen Sauereien berichtet, die am UKE stattfanden und immer noch finden. Das Institut für Rechtsmedizin ist auch für die Bestimmung des Alters von jugendlichen Flüchtlingen zuständig. Bestimmte Altersgrenzen sind in Asylverfahren und auch strafverfahren relevant. Meistens werden die Jugendlichen Älter geschätzt als sie selbst angeben.
In den 70er Jahren fand am UKE Folter-Forschung statt. Dies stand im Zusammenhang mit Gefangenen aus der RAF. Mehr weiß ich davon leider nicht.
Zwei Menschen aus der Hamburger Black Community berichteten von ihren Versuchen A. zu besuchen. Da sie aber keine Verwandten seihen, wurden sie nicht zu ihm gelassen. (Ob Herr Püschel sich die Mühe macht, die nahen Verwandten von A. ausfindig zu machen um ihnen mitzuteilen, dass ihr Sohn durch sein Institut ums Leben gekommen ist?) Püschel war jedoch zu einem Gespräch mit ihnen Bereit. Es hieß, dass er nicht stolz sei, auf dass was geschehen sei, aber sich auch nicht schämen würde. Öffentlich verkündete Püschel, dass er weiterhin Brechmittel verabreichen will.
Bleibt nur zu hoffen, dass die Mehrheit der Hamburger Ärzte, die noch zu ihrem Eid stehen, Püschel in die Schranken weisen. Auf dem Rückweg von einem Krankenwagen gegrüßt zu werden war auf jeden Fall nett.
Ach ja. Eins noch. Das Wetter war Scheiße. Ganz feiner hamburger Nieselregen-Nebel.


In der Mönckebergstraße

An der Bannmeile

Einer von vielen einkaufenden Bürgern, die keinen Respekt vor der Polizei zeigten und einfach die Absperrgitter überwanden.

Oben: An der Hoheluftbrücke kurz nach Zusammentreffen mit zwei Nazis
Unten: Kein Weiterkommen - Die Abschlußkundgebung


Pressespiegel:
CDU und Schill wollen weitermachen. Soll nur keine Toten mehr geben.
SPD will auch weitermachen. Aber erstmal müsse gesichert sein, dass es keine Toten mehr gibt.
Die GAL in Hamburg will den Einsatz von Brechmitteln "neu bewerten", bzw. erstmal aussetzen, dabei hatte sie das ganze im Juni zusammen mit der SPD begonnen.
Die Ärztekammer ist gegen Brechmittel. Kein Arzt dürfte das eigentlich machen. Nur Klaus Püschel will weitermachen.

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Ergänzungen

Mörder! Mörder!

Er nun wieder 11.12.2001 - 09:48

Täter haben Namen

romulo 11.12.2001 - 10:20
Hirntod bedeutet einen irreversiblen Funktionsausfall des Gehirns.
Weitere Informationen gibt es hier:

Institut für Rechtsmedizin


Direktor: Prof. Dr. Klaus Püschel

Universitäts-Klinikum-Eppendorf
Butenfeld 34
22529 Hamburg

Informationen unter:
Telefon: (040) 42803 - 2127
Telefax: (040) 42803 - 3934

Sekretariat des Institutes:
Telefon: (040) 42803 - 2130 oder -3130


Von hier aus darf es keine weiteren Toten geben. Jede
zwangsweise Verabreichung von Brechmittel über Einführung einer Sonde ist lebensgefährlich.

Welchen Toten meint ihr?

Calavera 11.12.2001 - 11:20
Zuerst mal einen Glückwunsch zu der Aktion, ich freu mich eigentlch nur noch darüber, das überhaupt noch wer auf die Straße geht, der Rest im vorweihnachtlichen Tiefschlaf.
Aber ich habe gerade noch auf Yahoo eine DPA Meldung gelesen, in der steht, das der Dealer mit dem Tod ringt, also nicht Tod ist. Woher die Info kommt, er wäre schon Tod, wäre interessant zu erfahren.

Um Klärung bittet

Hall, Herr/Frau BildleserIn ("meine Meinung")

deppchef 11.12.2001 - 13:36
das Problem ist, daß mit dieser Methode gegen verfassungsrechtlich verbriefte "Menschenwürde" und aus Medizinersicht gegen Berufsethos verstoßen wird.
Kannst Du nich lesen oder was ist dein Problem ???

Folter sieht auch nicht

anders aus 11.12.2001 - 14:54
Ausserdem kann ich mir gut vorstellen wie die Situation auf der Bullenwache sein wird. Hämische Sprüche, Einschüchterungen, Witze etc. Ich denke ein politisch Verfolgter wird ähnliche Situationen aus seinen Heimatland kennen. Das jemand, dem unter "Polizeiarrest" ein Medikament zwangsverabreicht wird in Todesangst gerät, ist nicht verwunderlich. Folter ist in fast jedem Staat der Welt fast normales Mittel der Polizeien. Ich denke die Situationen (auch wenn hier rechtstaatliche abgesegnet - KOTZ) werden sich ähneln. Die Grünen sind nur noch erbärmlich. Drogen sollten im übrigen legalisiert werden, sie selber sind nämlich weit weniger schädlich als die Situation in der sie genommen und beschafft werden, mit all ihren Folgen.

scheisse

eine 11.12.2001 - 17:00
Habe gerade erfahren das es in der JVA Darmstadtwohl vor kurzem auch einen Toten gab.Ihm wurde Haldoperidol zum Ruhigstellen Verabreicht.Nachdem er fixiert war und keinen Schaden mehr anrichten konnte hielt es kein Beamter mehr für nötig nach ihm zu sehen.Er erstickte an seiner Kotze.

Background

Darmstädter 11.12.2001 - 17:24
Hallo!

Hast Du mehr Infos zu der Sache in Darmstadt, wir würden das nämlich gerne politisch vor Ort aufgreifen, in der Presse habe ich davon noch nichts gelesen?
Bitte Infos an: OS/3 - Fraktion für eine offene Stadt, Fuhrmannstrasse 8, 64289 Darmstadt, Tel.: 06151-713366 oder Fax: 06151-714558, Mail:  operate@os-3.de
Wir sind eine kleine linke Fraktion im Darmstädter Stadtparlament.
Oder Infos hier posten...

Nie wieder Deutschland!

Autonome Sackkanone 11.12.2001 - 18:11
tach,

meiner meinung nach ist der staat einfach krank. nur weil jemand anders ist muss er an ihm gleich experimente machen.
und dieser rassismus der regierung und von manchen teilen der gesellschaft spürt man auch in berlin. da werden menschen, nur weil sie eine dunklere hautfarbe haben, gleich kontroliert. und ich denke das wenn sie einen weißen deutschen unter so einem verdacht gehabt hätten, dann wären sie nicht so vorgegangen!

also bis denn!
















@calavera

kotzbrocken 11.12.2001 - 18:43
ich hab den begriff tod gewählt, weil a. schon für hirntod erklärt worden ist. damit wird er nur noch künstlich am leben erhalten. es ist somit eine medizinische definitionsfrage wann ein mensch genau tot ist. fest steht nur, dass a. nicht mehr leben wird.

Legalisierung von Folter

Dschugan Rosenberg 11.12.2001 - 22:23
Also wenn da ein Bulle meint einem Menschen über einen Arzt Brechmittel geben zu müssen, weil er den Verdacht hat, das er ein Kleindealer oder Kurier oder Linker ist, so ist das für mich Legalisierung von Folter.
Das Ärzte bei Folter involviert sind, ist bekannt. Ob ein Kleindealer Kondome mit Drogen geschluckt hat, läßt sich auch durch Röntgen feststellen. Dem Mißbrauch gegen Andersdenkende ist Tür und Tor geöffnet.
Tansu Schiller, ehemalige türkische Ministerpräsidentin, ist bei einem Autounfall mit einem hochrangigen Heroin-Drogendealer international gesucht mit Haftbefehl verunglückt. Gegen diese Creme der Society, die Verdiener und Hintermänner im Drogendeal mit Heroin wird natürlich kein Brechmittel verabreicht.

Tod in der Psychatrie

MuslimMama 11.12.2001 - 23:26
Der als ´medizinische Behandlung´ getarnte Mord an einem als ´psychisch krank´ deklassierten Mißliebigem ist in der Psychatrie gang und gebe. Viele derer die jahrelang mit Psychopharmaka (Zwangsverabreichung und Desinformation über die wahre Beschaffenheit dieser Gifte) gefoltert werden sind schon lange durch die Medikamente vorher so abgestumpft und innerlich zerstört das man sie als seelisch ermordet bezeichnet.
Psychatrie ist ein weitaus wirksamerer Repressionsapparat als das Gefängnis. Stellt euch vor einer aus einer in welchem Sinne auch immer revolutionären Gruppe käme ins Gefängnis, er könnte zum Märtyrer werden. Zwangseinweisung in die Psychatrie hat im Gegenteil dazu als Ergebnis das sich Menschen von ihren ehemaligen Freunden, Genossen, Kameraden etc. distanzieren und diese, da durch Psychopharmaka nicht zurechnungsfähig gemacht und die psychatrische Propaganda, nicht mehr ernst nehmen.
Zum Thema, Literatur aus dem Peter Lehmann Verlag: ´Schöne neue Psychatrie´ und ´Der chemische Knebel´
Psychatrie steht in der Tradition der Vernichtung Lebensunwerter und dem Wegsperren Störender wie im Nationalsozialismus konsequent durchgesetzt. Wer sich mit Psychatrie im und nach 3. Reich beschäftigt wird feststellen: Nicht die Nazis brauchten die Psychatrie, die Psychatrie brauchte die Nazis. Selbst nach 1945 wurde vereinzelt noch Euthanasie, die nicht bestraft wurde, verübt und selbstredend daß dieser Abschaum der Medizin nach 45 allesamt in seinen leitenden Positionen blieb.

wie wärs mit...

AMM 18.12.2001 - 19:06
KOTZ-IN am rathaus???