2001 - Das Jahr, in dem wir die Transporte halbierten
Auch der mutmaßlich letzte Castor-Transport in diesem Jahr aus den AKW Stade, Brunsbüttel, Mülheim-Kärlich und Philippsburg hat nicht ohne Störungen die deutsch-französische Grenze bei Wörth erreicht. Mehrere Blockaden in Norddeutschland und im Rheinland haben auch bei diesem Transport dafür gesorgt, daß er nicht reibungslos über die Bühne ging. In Frankreich wurde der Zug bereits kurz hinter der Grenze, auch durch Ankettaktionen mehrfach gestoppt.
Indem sie es geschafft hat, in diesem Jahr alle Atomtransporte zu behindern und ins öffentliche Bewußtsein zu bringen, hat die Anti-Atom Bewegung ein wichtiges Etappenziel erreicht. Sie hat in aller Öffentlichkeit deutlich gemacht, daß die sich durch den Atomkonsens der Bundesregierung und der Konzerne nicht befrieden lassen wird, sondern weiterhin konsequent eingreifen wird. Ihre Forderung nach sofortiger Stillegung aller Atomanlagen hat nichts an Berechtigung und Aktualität eingebüßt.
Links:
Von Castoren und strahlenden Siegern, Resumé des Gorleben-Transports im November
Erklärung der Anti-AKW-Herbstkonferenz (vom 23. bis 25. November in Leipzig)
Stellungnahme zur Atomgesetz Novelle von ROBIN WOOD: "Wir sind von einem Atomausstieg so weit entfernt wie eh und je!"
UrankampagneUrananreicherungsanlage in Gronau:AKU Gronau
Uranabbau in Australien:
http://www.de.indymedia.org/2001/04/1715.html
www.jabiluka.de
Das Atomplenum Hannover versucht eine Zwischenbilanz: ´Es ist ein schönes Gefühl, wenn der Zug steht´
Kleine Rückblende
1997: Ungefähr zwei Castoren pro Woche rollen von den deutschen AKWs zu den WAAs in Frankreich und England. Sie verlassen die AKWs, oft mit einem oder zwei Streifenwagen als Begleitung. Es gibt Blockaden und kleinere Kampagnen, die Waggons aber rollen in normalen Güterzügen durch die Lande. Gemeinsame Aktionen mit FranzösInnen sind Mangelware. Einige AKW-GegnerInnen haben bereits einen Traum: Wenn es uns doch gelänge, einen Transport auf der ganzen Strecke immer wieder zu blockieren. Und wenn wir uns mit der französischen Bewegung koordinieren würden....
2001: ALLE Castor-Transporte blockiert - bis zu ACHT mal!Beide Wünsche sind wahr geworden. Bei JEDEM Castor-Transport in diesem Jahr gab es Blockaden, zweimal waren es sogar sieben und zweimal acht! So wurde z.B. der vorletzte Castor-Konvoi nach La Hague in
« Brunsbüttel
« Hamburg
« Buchholz
« Kirchweyhe
« Münster
« Neuwied und
« Schifferstadt
gestoppt. Bei einem Transport im Juni kam es neben Blockaden in Bürstadt und Lampertheim zu sechs ungeplanten Stopps in Frankreich!
Der letzte Castor-Transport nach Sellafield rollte laut Presse 'weitgehend störungsfrei'. Das können wir auch anders sehen, denn als der Zug bei Oldenburg gestoppt wurde, kletterten zwei Leute auf die Lok! Und im Elsass gab es eine erfolgreiche Ankettaktion.
Auch durch alle diese Aktionen haben wir die Castor-Transporte nicht endgültig beenden können, aber es gibt konkrete Erfolge:
« alle Transporte wurden von Heerscharen von Polizei und BGS begleitet
« die Transporte fahren nur noch etwa monatlich, mehr schafft die Polizei nicht
« die Transporte mussten mehrfach wegen gleichzeitig stattfindender anderer Großveranstaltungen (Bsp.: die Beerdigung von Hannelore Kohl) verschoben werden
« von 91 ausweislich der Genehmigungen für 2001 geplanten Transporten (Anzahl der Behälter) wurden bisher nur 41 ans Ziel gebracht, weitere sind auf Grund der Euro-Einführung, und des Kriegseinsatzes der Bundeswehr unter den Innenministern umstritten
In mehrerlei Hinsicht haben unsere französischen FreundInnen Maßstäbe gesetzt:
« Internationalismus: Auch Züge von Deutschland nach Sellafield, die Frankreich nur durchquerten, wurden mehrfach gestoppt.
« Pragmatismus und Effizienz: Als im Großraum Lille nicht klar war, welche von vielen möglichen Strecken der Zug nehmen würde, wurden einfach alle lahm gelegt!
Die erfolgreiche Kooperation wird fortgesetzt und ausgebaut, solange es AKWs gibt!
Vor dem Castor-Transport ins Wendland im März schwang die Bundesregierung die Keule der 'nationalen Verantwortung'. 'Wir' müssten 'unseren' Müll aus Frankreich zurück nehmen, ein Manöver, was schon damals von französischen AKW-GegnerInnen als 'Schwindel' bezeichnet wurde. Und - wie befürchtet ist es eingetreten: Der März-Castor nach Gorleben diente nur dazu, einer Lawine von Transporten in die WAAs den Weg zu ebnen, als Türöffner eben. Und - es leuchtet ein - genauso verhält es sich mit dem ?November-Castor?! Er hat nur ein Ziel - weitere Transporte nach Frankreich und England und damit den ungestörten Weiterbetrieb der Atomkraftwerke zu ermöglichen.
Widerstand jetzt - es lohnt sich!Die bereits erzielten Erfolge sollten uns Auftrieb geben. Hinzu kommt, dass die Atommafia gerade jetzt noch weitere ernsthafte Probleme hat. Das Va-Banque-Spiel mit dem Leben der Menschen, wie es u.a. in Philippsburg durch Anfahren des Reaktors bei nicht funktionsfähigen Sicherheitssystemen betrieben wurde, kann selbst von den willfährigen Aufsichtsbehörden nicht vollkommen ignoriert werden. Die Atommafia IST angeschlagen, und gerade deshalb lohnt sich Widerstand jetzt erst recht!
Nach dem nächsten 'Türöffner'Die Betreiber wollen im Zeitraum von April 2001 bis Juni 2005 ca. 2.000 Tonnen abgebrannte Brennelemente zur Wiederaufarbeitung bringen. Das entspricht ca. 20 Tonnen des Bombenstoffs Plutonium, die abgetrennt werden, oder ca. 4-500 Castor-Behältern. Die Transporte rollen z. Zt. in der Regel bei Wörth/Rheinland-Pfalz über die Grenze. Transporte aus den norddeutschen AKWs Brunsbüttel und Stade fahren über Hamburg und dann entweder über Lüneburg/Uelzen/Lehrte oder über Bremen/ Osnabrück/Münster. Abfahrten waren bisher von Montag auf Dienstag oder von Dienstag auf Mittwoch (nachts oder am frühen Morgen).
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Ergänzungen
Ermutigend
Die Aktivitäten haben sich wohl rumgesprochen, aber das JEDER Transport blockiert wurde, rückt das ganze noch in ein etwas anderes Licht...
Es geht weiter, Ich hatte bei dem letzten Transport fast nichts erwartet, und dann kam doch einiges, das macht Mut und zuversicht.
Lehrnerfolg ???
Auch der Umweg des Transportes nach Gorleben wurde als Erfolg und als Planmäßig gemeldet. Das sie bei Kassel nach Altenbecken abgebogen sind, um dann über Nienburg, Verden, Bremen und Maschen nach Lüneburg zu fahren. Nur weil sie Göttingen, Hannover und Uelzen umgehen wollen.
Die sg. "frei" Presse nimmt die Meldungen der Bullen dankbar auf, und was nicht über den Ticker geht, ist nicht passiert. Eine rundum Betreuung der Presse durch die Pöblizei (Pressezentrum, Konfliktmanager...) garantiert ihnen wohlwollende Artikel. Für uns heißt das, das wir unsere Pressearbeit verstärken müssen, sie direkt ansprechen....
Etappenziel nicht in den Sand setzen !!!
Wir müssen dranbleiben, sich jetzt nach diesem erfolgreichen Jahr erst einmal zurückzulehnen wäre fatal !
Sonnige Grüße,
Nicht mehr ganz aktuell?