RAWA gegen Nordallianz in Afghanistan

indy-exklusiv 14.11.2001 23:32 Themen: Militarismus
Übersetzung der Erklärung der Revolutionären Vereinigung der Frauen Afghanistans (RAWA) vom 13.11.01 (leicht gekürzt)

Die Bevölkerung Afghanistans akzeptiert die Dominanz der Nordallianz nicht!

Es ist nun bestätigt daß die Taliban Kabul verlassen haben und die Nordallianz in die Stadt gekommen ist.

Die Welt muß verstehen daß die Nordallianz aus einigen Banden zusammengesetzt ist die bereits ihre wirkliche kriminelle und unmenschliche Haltung gezeigt haben als sie Afghanistan von 1992 bis 1996 regiert haben.
Der Rückzug der terroristischen Taliban aus Kabul ist eine positive Entwicklung, aber der Eintritt der vergewaltigenden und plündernden Nordallianz in die Stadt ist nichts anderes als eine fürchterliche und schockierende Nachricht für die etwa 2 Millionen BewohnerInnen von Kabul deren Wunden aus den Jahren 1992-96 noch nicht geheilt sind.

Tausende Menschen die in den letzten zwei Monaten aus Kabul geflohen sind sagten sie fürchteten die Machteroberung durch die Nordallianz in Kabul viel mehr als durch die US-Bomben in Angst versetzt zu werden.

Die Taliban und die Al-Qaeda werden zerschlagen werden, aber die Existenz der Nordallianz als eine militärische Kraft wird den freudigen Traum der Mehrheit zerstören von einem Afghanistan das frei ist von den verhassten Ketten des barbarischen Taliban. Die Nordallianz wird in schrecklicher Weise die ethnischen und religiösen Konflikte verstärken und wird nie sich davon abhalten lassen das Feuer eines weiteren brutalen und endlosen Krieges anzufächern um an der Macht zu bleiben.

Die schreckliche Nachricht des Plünderns und des unmenschlichen Massakers der gefangengenommenen Taliban oder ihrer ausländischen Komplizen in Mazar-e-Sharif in den letzten Tagen sprechen für sich.

Auch wenn die Nordallianz es gelernt hat vor dem Westen manchmal als "demokratisch" und sogar als Unterstützende von Frauenrechten zu posieren, haben sie sich in Wirklichkeit jedoch überhaupt nicht verändert, genausowenig wie ein Leopard seine Flecken ändern kann.

RAWA hat bereits die schändlichen Verbrechen der Nordallianz dokumentiert. Die Zeit läuft aus. RAWA appelliert an die UNO und die Welt insgesamt ihre dringliche und beachtliche Aufmerksamkeit auf die jüngsten Entwicklungen im geschundenen Afghanistan zu richten bevor es zu spät ist.

(...)

Der Aufruf von RAWA ist den Hoffnungen der breiten Mehrheit der Bevölkerung von Afghanistan entwachsen.

Revolutionäre Vereinigung der Frauen Afghanistans (RAWA), 13.11.01
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

andere szenen andere sitten?

maschbi 15.11.2001 - 02:06
wir linken (von dir weiss ich es nicht, aber von mir) erstaunen mich immer wieder! kann mensch auf der oben gelinkten seite doch wirklich patriotische lieder runterladen und "martyred leader" betrachten.
wie weit sind die meinungen darüber gefächert? braucht hier wer patriotismus und führer? hat hier vieleicht sogar wer was dagegen? hab ich was vergessen? wie sind eure meinungen?

Märtyrer

Zicke 15.11.2001 - 08:55
Selbstgeschaffene Helden und Märtyrer befriedigen den romantischen Wunsch nach Vorbildern im politischen Kampf. Andererseits ist es durchaus legitim sich an Menschen wohlwollend zu erinnern, die großes im politischen Kampf geleistet haben und dafür starben. Da das Märtyrerbild allerdings mehr verlangt als sich gut an sie zu erinnern, nämlich sich an ihnen ein Vorbild zu nehmen, ist der Umgang letztlich unkritisch und dient nur einer fast schon religiös anmutenden Revolutionsromantik mit Zwang zur Verehrung. Denn wer die Märtyrer und Helden nicht ehrt, kann kaum mit dem wahren Eifer den politischen Kampf aufnehmen. Ich halte solche Bilder für gefährlich und kontraproduktiv. Gegen Märtyrer.

dürfen wir das beurteilen?

oyonnax 15.11.2001 - 09:27
ich habe genau die gleichen probleme wie ihr, mit dieser haltung zu märtyrern und ähnlichem. auch das rawa-demokratie-verständnis entspricht nicht anachistischen wünschen. aber haben wir das recht, aus unserem bisher trotz allem doch sehr behüteten deutschen umfeld herum leuten die zusammenarbeit zu bzw. solidarität zu verweigern, die unter lebensgefährlichen umständen leben und kämpfen, nur weil wir meinen, unsere deutsche vorgehensweise sei die richtige? ich denke in solidarischer zusammenarbeit kann im laufe der zeit sowas kritisiert und diskutiert werden, aber zunächst mal sollten wir den kampf dieser menschen respektieren, ohne unsere deutschen kriterien zusehr in den vordergrund zu stellen.

schon schon

abc 15.11.2001 - 12:54
schon schon ! vom sofa aus lässt sich sowas natürlich leicht kritisieren...

an RAWA

fedaii 15.11.2001 - 13:12

SOLIDARITÄT MIT DEN GENOSSINEN DER RAWA!

MIT HAMMER, SICHEL UND GEWEHR
SCHAFFT DEN KOMMUNISMUS HER!

Kritik der Kritik

A 15.11.2001 - 13:29
Konstruktive Kritik ist was schönes.
Irgendwelche PC-Ansprüche an Gruppen zu stellen,die einen ganz anderen Hintergrund haben als die deutschen Wohlstandslinken(sorry,sind wir nun mal,selbst oder eher gerade wenn wir in (ex)besetzten Häusern wohnen)und ihr Leben riskieren für die Emanzipation der Frau in einem Land,wo Frauen als Untermenschen betrachtet und behandelt werden dagegen ist das letzte.
Und ja,ich steh auch nicht auf Mätyrertum und Führerkult und versteh mich selbst als anarchistisch bzw. libertär-kommunistisch,aber erstens ist dieser Kult nun nicht sooo extrem ausgeprägt bei RAWA(verglichen mit anderen Gruppen aus demselben Kulturkreis) und zweitens ist das die einzige relevante Gruppe in der Region,die irgendwie noch fortschrittliche Ziele verfolgt.
Deswegen:Solidarität mit RAWA und allen fortschrittlichen Menschen Afghanistans!
P.S.:RAWA haben schon gegen die Soviet-Besatzung gekämpft,soviel zu "mit Hammer,Sichel und Gewehr"....

Freiheit

15.11.2001 - 16:18
für Afghanistan !!! Habt ihr nicht gerafft, daß die Afghanen auch schon die Kommunisten aus ihrem Land vertrieben haben ??? NIE WIEDER KOMMUNISMUS !!!

dankeschön

maschbi 16.11.2001 - 06:39
ein wenig habe ich ja das gefühl, ich sei fehlverstanden worden.
die frage ob ich soetwas beurteilen darf oder nicht, hat sich mir nicht gestellt. mich hat geärgert, dass ich es nicht beurteilen KANN. deßhalb auch die fragerei. ich habe mich mit dem thema märtyrertum in solchen zusammenhängen noch nicht beschäftigen müssen, weil es in meinen freundeskreis und szeneumfeld nicht auftaucht. aus diesem grund habe ich auch keine konstruktive kritik leisten wollen und vorallem nicht können. es war auch nicht meine absicht solidarität (übrigens, eine weitaus bessere waffe als hammer und sichel) zu verweigern. ich wollte mich auf diesem wege informieren und habe nach meinungen gefragt!!!
denn wie hier auch schon festgestellt wurde haben andere gruppen andere hintergründe und ich finde es durchaus nicht "das letzte" sich darüber zu erkundigen.
FÜR EIN INFORMATIVES INDYMEDIA!!!

Sorry

A 16.11.2001 - 13:56
Ham,sorry für "das letzte"...Aber mensch muß halt über seinen/ihren Tellerrand hinausschauen...

Solidarische Grüsse an Rawa

pelda 16.11.2001 - 14:06
Rawa ist die einzige uns bekannte Seite, die aus Frauensicht über die Situation in Afghanistan berichtet und das sogar in verschiedensten Sprachen. Ihre Internetseite ist daher nur zu empfehlen und sollte bitte nicht mit diesem kleinkarierten eurozentristischen Blick bewertet werden.

krass

wawa 16.11.2001 - 21:22
"Tausende Menschen die in den letzten zwei Monaten aus Kabul geflohen sind sagten sie fürchteten die Machteroberung
durch die Nordallianz in Kabul viel mehr als durch die US-Bomben in Angst versetzt zu werden."
ich finds voll krass, daß ihr diesen kriegstreibern hier platz gebt. die legitimieren doch voll den krieg!!!
USA raus aus afghanistan!
für ein freies afghanistan!
STOPPT DEN KRIEG!

Bin ich hier im Taliban-Fanclub gelandet? :)

Gelegenheitskommunist 17.11.2001 - 22:26
RAWA, auch wenn sie keiner basisdemokratisch-veganen und auch keiner Marxistisch-Leninistischen Ideologieprüfung standhält, ist nun mal die fortschrittlichste greifbare Politische Organisation Afghanistans. Sie setzt sich keineswegs "nur" für Frauenrechte ein, aber daß eine Frauenorganisation den Schwerpunkt der dortigen Opposition bildet ist angesichts der dortigen religiös verbrämten Unterdrückungsmaßnahmen gg. Frauen (Ausschluß von Schulbildung, Steinigung für Ehebruch u.A.) auch kein Wunder. RAWA, die es wohl besser wissen als deutsche Friedensheinis, nennen "Jehadi" (Nordallianz) und Taliban grundsätzlich im selben Atemzug. Sie (RAWA) halten sich auch keineswegs in den Gebieten der Nordallianz auf, sondern im Exil, hauptsächlich in Afghanistan - und sie werden wissen warum. Und hört doch endlich auf die Toten durch die NATO-Angriffe so zu übertreiben! Ja es sind dabei Zivilisten ums Leben gekommen und das ist Scheisse. Aber von "Tausenden" kann nicht die Rede sein, das behaupten nicht einmal die Taliban selbst! Und frei erfunden können die Nachrichten in den Medien schließlich auch nicht sein, immerhin gibt es "El-Dschasira" die regelmäßig Talibanerklärungen senden. Die Taliban-Herrschaft zu stürzen müßte doch für Leute die sich was auf ihre Freiheitsliebe einbilden erstmal positiv sein?! Bleibt nur zu hoffen - und das ist in der Tat eine gewagte Hoffnung, das gebe ich zu - daß man nun nicht die alten Spielchen weiterspielt und die Stammesfürsten der Nordallianz an die Macht kommen läßt. Und warum darf hier eigentlich einer "Nie wieder Kommunismus" schreiben und bejubelt die Vertreibung der Sowjetunion aus Afghanistan? Du hast offensichtlich zu viel RAMBO geglotzt....

kleiner Nachtrag..

Gelegenheitskommunist 18.11.2001 - 21:20
.. die RAWA war auch vehement gegen die mit der Sowjetunion verbündeten Afghanischen Gruppen.. man lernt nie aus.

Ist ja auch klar

Kommies sux 18.11.2001 - 21:25
bei den Verbrechen der SU....

An den, der sich "Gelegenheistk.." nennt

IX 19.11.2001 - 00:09
Selbst unter übelsten Parteikommunisten (Sei es RIM, DKP oder MLPD) gibt es wohl niemanden mehr, der
sich als Stalinist bezeichnen würde oder die Entwicklung in der SU gutheissen würde. Selbst die, die es
vielleicht doch tun, würden es wohl nie zugeben. Insofern: Du bist entweder besonders hängengeblieben
oder ein Provo, der gerne die Linken anstänkern will. Bist ja echt lustig und phantasievoll.

Es lebe der Kommunismus

Wunderschlegl 14.03.2002 - 23:23
Der Kommunismus ist das beste, was je vom Menschen geschaffen wurde und darf nie in Vergessenheit geraten; er soll sich gar über die ganze Welt verbreiten, damit nie wieder ein Mensch Hunger leiden muss.